Herzinfarkt-Risiko bei Feuerwehrleuten bleibt hoch

Herzinfarkt-Risiko bei Feuerwehrleuten bleibt hoch

Feuerwehrleute sterben im Dienst am häufigsten nicht an Verbrennungen, sondern an einem plötzlichen Herzereignis. In den Vereinigten Staaten zählte die U.S. Fire Administration für 2025 vorläufig 81 dienstliche Todesfälle, davon 48 kardiovaskuläre Ereignisse; das National Institute for Occupational Safety and Health nennt den plötzlichen Herztod weiter die häufigste Todesursache in diesem Beruf.

Das Risiko verteilt sich nicht gleichmäßig über die Schicht. Es ballt sich um Alarm, Anfahrt, Löscharbeit und die Stunden danach, weil Hitze, schwere körperliche Arbeit, Flüssigkeitsverlust und Stress auf ein Herz treffen, das oft schon verengte Kranzgefäße oder eine verdickte Herzwand hat. Eine schottische Simulationsstudie von Hunter und Mills zeigte 2017 selbst bei gesunden, nicht rauchenden Einsatzkräften mehr Gerinnselbildung und einen Anstieg des Herzmuskelmarkers Troponin. Wer selbst in der Wehr steht oder Angehörige hat, braucht deshalb keine Panik, aber klare Schwellen. Welche Symptome den Notruf 112 auslösen, welche Untersuchungen ab dem 40. Lebensjahr sinnvoll sind und welche Risikofaktoren sich behandeln lassen, steht unten.

Wie häufig sterben Feuerwehrleute am Herz?

Kardiovaskuläre Ereignisse verursachen in den USA seit Jahren den größten einzelnen Block der dienstlichen Todesfälle, oft rund die Hälfte. Die USFA wies für 2025 neben den 48 Herz-Kreislauf-Ereignissen 48 Fälle unter der Ursache Stress oder Überanstrengung aus; 27 Menschen starben im Zusammenhang mit der Arbeit an einer Brandstelle, 16 auf dem Weg zum oder vom Einsatz, 9 in der Ausbildung. Unter den Getöteten waren 33 Berufsfeuerwehrleute, 39 Angehörige freiwilliger Wehren, 4 Wildland-Kräfte und 5 Teilzeitkräfte. Die Jahresreihe 2016 bis 2025 schwankt zwischen 65 und 141 Diensttoden, ohne dass der kardiale Anteil verschwunden wäre.

Ältere, aber immer noch zitierte Übersichten bezifferten den Anteil der Koronarerkrankung an den Diensttoden auf etwa 45 Prozent. Kales und Kollegen werteten 2007 die US-Diensttode der Jahre 1994 bis 2004 aus und kamen auf genau diese Größenordnung. Die Arbeitsgruppe des US-Feuerwehrgipfels 2024 schrieb, dass plötzlicher Herztod etwa siebenmal so viele Feuerwehrleute töte wie Brandverletzungen. Dieselben Autorinnen und Autoren erinnerten daran, dass viele Herzereignisse außerhalb des Dienstes oder nach der Pensionierung gar nicht in die Diensttod-Statistik fallen.

Für Deutschland fehlen vergleichbar dichte, jährlich nachgeführte Reihen. Die Physiologie des Einsatzes ist jedoch dieselbe. Schwere Schutzkleidung, Atemschutzgerät, Hitze, Treppen und das Bergen von Personen belasten Herz und Gefäße unabhängig vom Dienstrecht. Wer nur die US-Zahlen kennt, unterschätzt das Thema also nicht; er sieht den Beruf, in dem die Mechanismen am gründlichsten gemessen wurden.

Zwei Missverständnisse halten sich hartnäckig. Erstens gilt der Beruf vielen Außenstehenden als tödlich vor allem durch Flammen und Einsturz; die Statistik widerspricht dem seit Jahrzehnten. Zweitens wirkt eine einzelne ruhige Schicht wie ein Gegenbeweis. Die Gefahr sitzt in den kurzen, extremen Minuten und in den Stunden danach, nicht im Mittelwert der Woche.

[Feuerwehrmann geht ins Feuer]

Warum trifft es vor allem die Brandbekämpfung?

Die Brandbekämpfung selbst dauert im Jahresmittel nur einen winzigen Bruchteil der Arbeitszeit, trägt aber den größten Teil der tödlichen Herzereignisse. Kales, Soteriades, Christophi und Christiani rechneten 2007 in einer Analyse im New England Journal of Medicine vor, dass 32,1 Prozent der koronaren Diensttode während des Löschens eintraten, obwohl diese Tätigkeit im Vergleich zur Wache selten ist. Gegenüber nicht dringlichen Aufgaben lag die Chance eines solchen Todes beim Löschen je nach Zeitschätzung 12,1- bis 136-fach höher. Die Anfahrt zum Alarm brachte das 2,8- bis 14,1-fache, die Rückfahrt das 2,2- bis 10,5-fache, körperliches Training das 2,9- bis 6,6-fache.

Smith, Haller und Kollegen bestätigten das Muster 2019 an 285 kardialen Diensttoden der Jahre 1999 bis 2014. Ein Drittel der Todesfälle fiel in die Brandbekämpfung, die sie auf etwa ein Prozent der jährlichen Arbeitszeit schätzten. Bei Menschen, die sowohl eine koronare Herzkrankheit als auch ein vergrößertes Herz hatten, lag das Risiko während des Löschens rund 112-fach über dem Risiko auf der Wache. Alarmfahrt und Training blieben mit etwa acht- und siebenfach erhöhtem Risiko klar erkennbar, aber schwächer als das Löschen.

Warum gerade dort? Mehrere Auslöser fallen zusammen. Der Alarm hebt über den Sympathikus Puls und Blutdruck, noch bevor jemand die Tür der Wache verlässt. An der Brandstelle kommen schwere Arbeit in voller Schutzausrüstung, Umgebungshitze, Schwitzen und oft psychischer Druck hinzu. Wer schon Plaques in den Kranzgefäßen hat, kann unter diesem Lastsprung eine Plaqueruptur, einen Thrombus oder eine lebensgefährliche Rhythmusstörung erleiden. Die Ereignisse sind deshalb nicht zufällig über den Tag verteilt. Sie häufen sich, wenn der Körper am stärksten gefordert wird.

Die Rückfahrt und die erste Stunde zu Hause gehören in dasselbe Fenster. Manche Wehren und die US-Statistik seit 2022/2023 zählen Herzereignisse innerhalb von 24 Stunden nach dem Dienst extra, weil der Kreislauf dann noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Wer nach einem schweren Einsatz Brustdruck, ungewöhnliche Luftnot oder kalten Schweiß bemerkt, sollte das nicht als „normale Erschöpfung“ abtun.

Was machen Hitze und Anstrengung mit Herz und Blut?

Schon zwanzig Minuten simulierte Brandbekämpfung können bei gesunden Einsatzkräften die Blutgerinnung ankurbeln, die Gefäßweite stören und den Herzmuskel leicht verletzen. Hunter, Mills und die Gruppe um das Edinburgh Heart Centre untersuchten 19 nicht rauchende, herzgesunde Feuerwehrleute im mittleren Alter von 41 Jahren. Nach einer standardisierten Übung in einer Brandanlage stieg die Körperkerntemperatur um 1,0 Grad Celsius, das Körpergewicht fiel um 0,46 Kilogramm. Gegenüber leichten Wachaufgaben nahm die Gerinnselbildung in der Badimon-Kammer um 73 Prozent bei niedriger und um 66 Prozent bei hoher Scherung zu. Die Bindung von Blutplättchen an Monozyten stieg, die Unterarmdurchblutung auf Acetylcholin und Nitroprussid fiel ab.

Gleichzeitig fand das Team stumme Ischämiezeichen im Langzeit-EKG und einen Anstieg des hochsensitiven Troponin I von 1,4 auf 3,0 Nanogramm pro Liter. Troponin markiert eine Verletzung von Herzmuskelzellen. Die Werte blieben im Bereich, den man nicht mit einem klassischen großen Infarkt verwechselt, zeigten aber, dass die Kombination aus Hitze und Arbeit den Herzmuskel selbst bei Gesunden trifft. Die Autoren schlugen als einfache Gegenmaßnahmen kürzere Expositionszeiten, aktives Kühlen und zügiges Trinken vor. Das ist ein Hinweis, kein Beleg, dass Kühlung jeden Infarkt verhindert.

Der Mechanismus passt zu älteren Beobachtungen. Schwitzen dickt das Blut ein, das Plasmavolumen sinkt, die Viskosität steigt. Blut wird in die Haut umgeleitet, damit der Körper Wärme abgeben kann; Schlagvolumen und Füllung des Herzens können darunter leiden. Gleichzeitig bleiben Puls und Sauerstoffbedarf des Herzmuskels hoch. Wer zusätzlich verengte Kranzgefäße hat, gerät in eine Lücke zwischen Angebot und Bedarf. Die Gerinnungsneigung erhöht dann die Chance, dass ein aufgerissenes Plaque das Gefäß verschließt.

Die Studie war klein, offen und auf eine Trainingsanlage begrenzt. Sie erklärt trotzdem, warum die Epidemiologie so hartnäckig auf das Löschen zeigt. Nicht die Flamme allein tötet das Herz, sondern die innere Hitze plus die Arbeit in der Kleidung. Wer nach dem Einsatz weiter in nasser Unterwäsche in der Kälte steht oder erst Stunden später trinkt, verlängert genau diesen Zustand.

Wie belasten Rauch, Alarm und Schicht den Kreislauf?

Rauch, Kohlenmonoxid und Feinstaub können den Herzmuskel zusätzlich unter Sauerstoffmangel setzen, selbst wenn ein Pressluftatmer getragen wird. Die systematische Übersicht von Soteriades, Smith, Tsismenakis, Baur und Kales (2011) fasst zusammen, dass Kohlenmonoxid an Hämoglobin bindet, den Sauerstofftransport senkt und auch den Herzmuskel selbst treffen kann. Cyanid und Schwefelwasserstoff wirken in dieselbe Richtung. Feinstaub aus Brandrauch wird mit Blutdruckanstieg, weniger Herzfrequenzvariabilität und mehr Rhythmusstörungen in Verbindung gebracht. Wer die Maske zu spät aufsetzt oder in der Nachlöschphase ohne Atemschutz in der Dampfwolke steht, holt sich genau diese Last.

Der Alarm selbst ist kein harmloser Gong. Mehrere unabhängige Auswertungen, die Kales 2007 und spätere Arbeiten zitieren, fanden für die Alarmreaktion ein fünf- bis siebenfach erhöhtes Risiko eines plötzlichen Herztodes gegenüber ruhigen Wachaufgaben. Der Puls springt, bevor irgendjemand eine Leitung zieht. Auf der Fahrt bleiben Lärm, Enge, Entscheidungsdruck und oft unregelmäßige Atmung. An der Stelle addiert sich das zu der körperlichen Arbeit, statt sich davon zu trennen.

Schichtmodelle mit 24 Stunden Dienst und gestörtem Schlaf halten den Sympathikus über Monate in Bereitschaft. Die USFA-Arbeitsgruppe 2024 nennt unterbrochenen Schlaf, chronischen Stress und wiederholte Traumakonfrontation als Faktoren, die den Kreislauf langfristig mitformen können. Das ist keine Diagnose „Schichtdienst verursacht Infarkt“, sondern ein Hinweis, warum Bluthochdruck und Gewicht in dieser Berufsgruppe so häufig entgleisen. Wer nach Nachteinsätzen regelmäßig zum schnellen Essen und zum Rauchen greift, stapelt berufliche und private Last.

Freiwillige Wehren sind davon nicht ausgenommen. Die USFA zählte 2025 mehr tote Freiwillige als Berufsleute. Viele Ehrenamtliche sind älter, haben weniger verpflichtende Medizinchecks und steigen aus dem Zivilberuf direkt in den Alarm. Die Physiologie unterscheidet nicht, ob der Helm bezahlt oder ehrenamtlich getragen wird.

Welche Vorerkrankungen stecken hinter dem plötzlichen Herztod?

Der plötzliche Herztod im Feuerwehrdienst trifft fast nie ein gesundes Herz, sondern ein Herz mit verkalkten Kranzgefäßen, einer verdickten Wand oder beidem. Smith und Kollegen verglichen in der Journal of the American Heart Association 2018 Autopsien von 276 kardialen Diensttoden mit 351 traumatischen Kontrolltoden bei Männern zwischen 18 und 65 Jahren. Bei 82 Prozent der kardialen Fälle lagen gleichzeitig eine koronare Herzkrankheit und eine Herzvergrößerung oder Linksherzhypertrophie vor. Herzgewicht über 450 Gramm, eine Einengung der Kranzgefäße um mindestens 75 Prozent und Zeichen eines früheren Infarkts waren jeweils starke, unabhängige Vorhersagefaktoren (Odds Ratios 6,1, 9,3 und 6,2).

Dieselbe Gruppe berichtete 2019, dass 80 Prozent der untersuchten kardialen Diensttode beide Befunde trugen. Nur rund 8 Prozent hatten isoliert eine Koronarerkrankung, 6 Prozent isoliert ein vergrößertes Herz. Die USFA-Arbeitsgruppe 2024 und NIOSH-Ermittlungen zitieren diese Größenordnung weiter. Viele dienstliche Medizinchecks messen jedoch nur Blutdruck, Blutfette und Fitness und sehen weder die Wanddicke noch den Kalk in den Kranzgefäßen.

Soteriades und Kollegen schrieben schon 2011, dass dienstliche Herzereignisse fast ausschließlich bei Menschen mit bestehender Herzkrankheit auftreten. Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz. Wer eine klinisch bedeutsame koronare Herzkrankheit hat, sollte nach dieser Übersicht in der Regel nicht in die schwere Brandbekämpfung zurück, bevor Kardiologie und Arbeitsmedizin das Risiko neu bewerten. Das ist keine moralische Bewertung der Person, sondern eine Aussage über die Last, die das Herz in diesen Minuten trägt.

Linksherzhypertrophie entsteht oft über Jahre aus Bluthochdruck, Adipositas oder Schlafapnoe. Sie macht den Herzmuskel anfälliger für Ischämie und Kammerflimmern, auch wenn das EKG in Ruhe noch unauffällig wirkt. Wer nur den Cholesterinwert kennt und den Blutdruck „ungefähr im Blick“ hat, übersieht genau diesen zweiten Pfeiler.

Welche Risikofaktoren sind in der Feuerwehr häufig?

Klassische Risikofaktoren sind in Feuerwehren mindestens so häufig wie in der übrigen erwerbstätigen Bevölkerung, oft häufiger, obwohl der Beruf Kraft verlangt. Die USFA-Arbeitsgruppe 2024 zitierte eine Auswertung dienstlicher Medizinchecks, in der etwa 69 Prozent der Teilnehmenden Blutdruckwerte im Bereich einer Hypertonie hatten, 33 Prozent erhöhte Cholesterinwerte und 36 Prozent Adipositas nach Body-Mass-Index. In der Gruppe der Fünfzigjährigen lagen die Anteile bei 77, 40 und 44 Prozent. Das sind keine deutschen Registerzahlen, aber sie zeigen, wie weit der Alltag auf der Wache vom Bild des immer trainierten Retters entfernt sein kann.

Soteriades und Kales beschrieben bereits 2011 eine hohe Last an geringer Fitness, Übergewicht und unbehandelten Risikofaktoren. Rauchen war in älteren Todesfallserien unter den Getöteten deutlich häufiger als in der aktiven Truppe. Diabetes, Schlafapnoe und ein familiär früher Infarkt (bei Männern vor 55, bei Frauen vor 65 Jahren, so die Mayo Clinic) gehören in dieselbe Liste. Die Mayo Clinic nennt außerdem Bewegungsmangel, salz- und zuckerreiche Kost, anhaltenden Stress und den Gebrauch von Kokain oder Amphetaminen als Faktoren, die einen Infarkt wahrscheinlicher machen.

Zwei Punkte sind für die Wehr besonders tückisch. Erstens täuscht Muskelmasse den Body-Mass-Index; trotzdem bleibt zentrales Fett ein Risiko. Zweitens wird Bluthochdruck oft als „Einsatzpuls“ verharmlost. Wer auf der Wache ruhig 148 zu 92 misst, hat keinen Sportwert, sondern einen behandlungsbedürftigen Druck. Die Leitlinie zur Primärprävention von American College of Cardiology und American Heart Association aus dem Jahr 2019 steuert Blutdruck, Blutfette, Zucker, Gewicht und Tabak über den Zehn-Jahres-Score für atherosklerotische Ereignisse. Genau diesen Score hat die US-Arbeitsmedizin für Feuerwehrleute ab 40 Jahren übernommen.

Wer Gewicht hält oder verliert, verbessert in Kohorten der Feuerwehr die Begleitwerte, selbst wenn das Alter fortschreitet. Das ersetzt keine Tabletten, die bereits verordnet sind. Es erklärt aber, warum Kantinenessen, nächtliche Fertigmahlzeiten und das Feiern nach dem Einsatz medizinisch zählen, nicht nur kulturell.

Welche Herzuntersuchungen gelten heute als sinnvoll?

Ab 40 Jahren empfehlen die von NIOSH zitierten US-Standards für die Feuerwehr ein jährliches Ruhe-EKG plus eine formale Abschätzung des Zehn-Jahres-Risikos, nicht nur einen Fitnesslauf. NIOSH fasste das 2025 in einem Ermittlungsbericht zu einem tödlichen Infarkt so zusammen. Asymptomatische Einsatzkräfte ohne bekannte atherosklerotische Erkrankung sollen den gemeinsamen Rechner von ACC und AHA oder alternativ eine Zwei-Jahres-Framingham-Tafel nutzen. Liegt das Zehn-Jahres-Risiko zwischen 10 und unter 20 Prozent (oder das Zwei-Jahres-Risiko bei 2 bis 4 Prozent), soll ein symptomlimitierter Belastungstest mit Bildgebung folgen, etwa mit Stress-Echokardiografie oder nuklearmedizinischer Darstellung, und mindestens 12 metabolische Äquivalente erreichen.

Fällt dieser Test positiv aus, gehört die Person zur Kardiologie, nicht zurück an die Leitung. NIOSH weist ausdrücklich darauf hin, dass dieser Test etwas anderes ist als die übliche Ausdauerprüfung für die Diensttauglichkeit. Unter 40 Jahren gilt die Risikoabschätzung trotzdem, wenn bereits ein hohes Risiko oder ein insulinpflichtiger Diabetes vorliegt. Ältere Empfehlungen, die sich vor allem an einer starren Schwelle von 12 metabolischen Äquivalenten für alle Altersgruppen festmachten, hat die US-Fachdiskussion inzwischen um alters- und geschlechtsbezogene Fitnessperzentile ergänzt. Die USFA beschrieb 2024 diesen Wechsel im Standard NFPA 1580. Fitness bleibt ein Gesundheitsmaß, ersetzt aber weder EKG noch Risiko-Score noch Bildgebung bei erhöhtem Risiko.

Was die Autopsien zusätzlich nahelegen, steht in vielen dienstlichen Checks noch nicht fest. Smith und Kollegen sowie die USFA-Arbeitsgruppe argumentieren, gezielt nach Koronarverkalkung und nach Herzvergrößerung zu suchen, etwa mit einem Koronarkalk-CT ab 40 Jahren und mit einer Echokardiografie bei Hypertonie, Adipositas, metabolischem Syndrom oder Schlafapnoe. Das sind Expertinnen- und Expertenvorschläge auf Basis der Befunde, keine deutsche Leitlinienpflicht. Hausärztinnen und Arbeitsmediziner können sie trotzdem nutzen, wenn der Score im Graubereich liegt oder die Familie früh Infarkte hatte.

Ein einmal bestandener Einstellungstest schützt nicht zehn Jahre. Gefäße und Herzwand verändern sich. Wer nach einer längeren Krankheit, nach einem Infarkt oder nach neu entdecktem Diabetes ohne erneute Bewertung in den Innenangriff geht, handelt gegen die Logik der Übersichten seit 2011.

Wann zum Arzt, wann den Notruf wählen?

Brustdruck, Enge oder ein dumpfes Gewicht in der Brust, das in Arm, Schulter, Kiefer, Rücken oder Oberbauch zieht und länger als Minuten bleibt, ist ein Notruf, kein Grund, selbst zur Wache oder in die Praxis zu fahren. Die Mayo Clinic und die Cleveland Clinic beschreiben denselben Kern. Weitere Alarmzeichen sind kalter Schweiß, Luftnot, Übelkeit, plötzliche schwere Erschöpfung, Schwindel oder Bewusstverlust. Manche Menschen, besonders Frauen, ältere Personen und Menschen mit Diabetes, haben wenig oder keinen klassischen Brustschmerz und merken vor allem Luftnot, Schwäche oder ungewöhnliche Müdigkeit.

Die Cleveland Clinic schreibt, dass der Brustschmerz eines Infarkts oft mindestens zehn Minuten anhält und sich wie Druck, Enge oder Völlegefühl anfühlen kann, auch wie Sodbrennen. Die Mayo Clinic betont, zuerst den Notruf zu wählen und Acetylsalicylsäure nur zu nehmen, wenn Notfallpersonal oder die behandelnde Stelle das ausdrücklich sagt. Selbst fahren oder sich fahren lassen, statt den Rettungsdienst zu rufen, verzögert die Überwachung und die Möglichkeit der Wiederbelebung. MedlinePlus erinnert, dass das höchste Risiko für den plötzlichen Tod in den ersten Stunden des Infarkts liegt und dass Anstrengung, Kälte und schwerer Stress typische Auslöser sind.

Nach einem schweren Einsatz gilt dieselbe Schwelle, auch wenn „nur“ die Erschöpfung groß wirkt. Wer auf der Treppe zusammenbricht, nass und grau wird oder über Vernichtungsgefühl spricht, braucht den Rettungsdienst an der Brandstelle, nicht die Aufforderung, sich auf den Mannschaftssitz zu setzen.

Lage Typische Hinweise Nächster Schritt
Verdacht auf Infarkt jetzt Brustdruck über Minuten, Ausstrahlung, kalter Schweiß, Luftnot, Übelkeit Sofort Notruf 112, nicht selbst fahren
Warnschmerz in den letzten Tagen Wiederkehrende Enge bei Belastung, die in Ruhe nachlässt Noch am selben Tag ärztlich klären, bei Zunahme Notruf
Nach dem Einsatz ungewöhnlich schlapp Grau, Schwindel, unstillbarer Durst plus Brustdruck Rettungsdienst, nicht „ausschwitzen“
Keine Beschwerden, Alter ab 40 Risikofaktoren oder lange ohne Check Termin für Blutdruck, Blutfette, Ruhe-EKG, Risikoscore
Bekannte KHK oder früherer Infarkt Neue oder veränderte Beschwerden, auch atypisch Kardiologie zeitnah, bei Ruheschmerz Notruf
Sehr hoher Druck ohne Infarktzeichen Werte weit über dem persönlichen Ziel, Kopfschmerz, Sehstörung Sofort medizinisch bewerten lassen

Wer bewusstlos ist und nicht atmet, braucht nach der Mayo Clinic zuerst den Notruf, dann Herzdruckmassage mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute, bis Hilfe da ist. Auf der Wache gehört ein geprüfter Defibrillator in greifbare Nähe, nicht in den verschlossenen Schrank.

Was nach dem Einsatz und im Alltag schützt?

Kühlen, Trinken und das Behandeln von Blutdruck, Blutfetten, Zucker und Tabak senken die Last, die der nächste Alarm auf ein vorgeschädigtes Herz legt. Hunter und Mills nannten nach der Simulationsstudie kürzere Einsatzzeiten in der Hitze, aktives Abkühlen und gezieltes Trinken als einfache, preiswerte Schritte, die das Risiko mindern können. Das ersetzt keine Tabletten und keine Untersuchung. Es verkürzt aber die Phase, in der das Blut eingedickt und der Kern überhitzt ist. Nasse Unterwäsche ausziehen, Schatten oder kühle Luft suchen und Flüssigkeit in den ersten Minuten nach dem Ablegen des Geräts aufnehmen, ist deshalb Medizin, nicht Komfort.

NIOSH empfiehlt Wehren ein verbindliches Fitness- und Gesundheitsprogramm nach den US-Standards für gesundheitsbezogene Fitness und der gemeinsamen Wellness-Initiative der großen Feuerwehrverbände. Pflichtprogramme senkten in älteren Studien Risikofaktoren stärker als freiwillige Angebote. Die USFA-Arbeitsgruppe 2024 setzt sich das Ziel, kardiovaskuläre Diensttode in zehn Jahren um ein Viertel und in zwanzig Jahren um die Hälfte zu senken. Dafür nennt sie Zugang zu Screening, Forschung und alltagsnahe Programme gegen Druck, Gewicht, Tabak, Schlafmangel und Bewegungsmangel.

Im Privaten gelten dieselben Hebel wie in der ACC/AHA-Leitlinie 2019. Nicht rauchen. Blutdruck und LDL-Cholesterin so einstellen, wie die behandelnde Stelle nach dem Risikoscore vorgibt. Diabetes behandeln. Regelmäßig Ausdauer und Kraft trainieren, statt nur am Einsatztag an die Grenze zu gehen. Gewicht halten oder reduzieren, wenn der Bauchumfang wächst. Schlafapnoe abklären, wenn Schnarchen und Tagesmüdigkeit zusammenkommen. Wer bereits ein Statin, einen Blutdrucksenker oder ein Plättchenhemmer verordnet bekommen hat, setzt das Mittel nicht ab, weil die letzte Übung „gut gelaufen“ ist.

Zwei praktische Listen, die sich aus den Quellen ableiten lassen, ohne neue Versprechen zu erfinden:

  • Nach jedem Innenangriff Schutzkleidung öffnen, Kern und Nacken kühlen und in den ersten Minuten trinken, statt erst in der Wache.
  • Blutdruck auf der Wache in Ruhe messen und Werte notieren, nicht nur den Puls direkt nach der Übung.
  • Ab 40 den Zehn-Jahres-Score mit Labor und Ruhe-EKG machen lassen, auch als Ehrenamtliche.
  • Brustdruck, neue Luftnot oder kalten Schweiß nach dem Einsatz als Notruf werten, nicht als Muskelkater.
  • Nach Infarkt, Stent oder neu entdeckter KHK die Rückkehr in den Innenangriff nur mit Kardiologie und Arbeitsmedizin planen.

Kein Programm löscht das Risiko auf null. Wer die genannten Punkte hält, verschiebt aber die Schwelle, ab der der nächste Alarm ein vorgeschädigtes Herz überfordert.

Häufige Fragen

Haben auch gesunde Feuerwehrleute ein Infarktrisiko?

Ja, kurzfristig kann schon eine heiße Übung Gerinnung und Herzmuskel belasten, wie Hunter und Mills 2017 an 19 Gesunden zeigten. Der tödliche Infarkt im Dienst tritt nach Autopsien und Übersichten trotzdem fast nur auf, wenn bereits eine Koronarerkrankung oder ein vergrößertes Herz vorliegen. „Ich fühle mich fit“ ersetzt diese Diagnostik nicht.

Ist das Risiko bei Freiwilligen anders als bei Berufsfeuerwehrleuten?

Die Physiologie des Löschens ist dieselbe, die US-Statistik 2025 zählte sogar mehr tote Freiwillige als Berufsleute. Ehrenamtliche sind oft älter und seltener in verpflichtende Jahresuntersuchungen eingebunden. Wer neben dem Zivilberuf nachts ausrückt, braucht denselben Check wie die Hauptamtlichen, nicht einen lockereren.

Reicht ein bestandener Fitnesslauf als Herzcheck?

Nein. NIOSH trennt die Ausdauerprüfung für die Diensttauglichkeit vom symptomlimitierten Belastungstest mit Bildgebung, der bei erhöhtem Zehn-Jahres-Risiko folgen soll. Autopsien zeigen außerdem häufig eine verdickte Herzwand, die der Lauf nicht sichtbar macht. Fitness hilft, ersetzt aber EKG, Labor und bei Bedarf Bildgebung nicht.

Soll ich nach jedem Brand zwingend kühlen und trinken?

Hunter und Mills halten aktives Kühlen und zügiges Trinken für einfache Maßnahmen, die die durch Hitze und Flüssigkeitsverlust angestoßene Gerinnung und Ischämie abschwächen können. Pflicht im Sinne einer Leitlinie ist das nicht, sinnvoll nach jedem Innenangriff schon. Wer Brustdruck oder Schwindel hat, kühlt nicht in Eigenregie weiter, sondern ruft den Rettungsdienst.

Darf ich mit bekannter Koronarerkrankung weiter ins Feuer?

Soteriades und Kollegen rieten 2011 den meisten Einsatzkräften mit klinisch bedeutsamer koronarer Herzkrankheit von schwerer Brandbekämpfung ab, bis eine gründliche Neubewertung vorliegt. Ob und wann eine Rückkehr möglich ist, entscheiden Kardiologie und Arbeitsmedizin anhand Befund, Belastungstest und Restfunktion. Selbst eine gute Phase ohne Beschwerden hebt diese Bewertung nicht auf.

Welche Symptome sind leicht zu übersehen?

Luftnot, Übelkeit, Kiefer- oder Rückenschmerz, plötzliche Erschöpfung und kaltschweißige Haut können einen Infarkt anzeigen, auch ohne stechenden Brustschmerz. Mayo Clinic und Cleveland Clinic heben das besonders bei Frauen, älteren Menschen und bei Diabetes hervor. Nach einem Einsatz sind genau diese Zeichen leicht als Rauch oder Anstrengung fehlzudeuten.

Fazit

Der Infarkt der Feuerwehr ist selten ein Unfall der Flamme und oft das Zusammentreffen aus Alarm, Hitze, Arbeit und einem Herz, das schon verengte Gefäße oder eine zu dicke Wand hat. US-Zahlen von 2025 und die Autopsien seit 2018 haben das Bild geschärft. Fast die Hälfte der Diensttode bleibt kardial, und bei den allermeisten Getöteten lagen beide strukturellen Befunde vor. Die schottische Simulationsarbeit erklärt, warum schon zwanzig heiße Minuten das Blut gerinnungsfreudiger machen.

Für den Alltag in der Wehr heißt das dreierlei. Erstens Beschwerden an der Brandstelle und in den Stunden danach ernst nehmen und den Notruf 112 nicht aus Rücksicht auf die Mannschaft verzögern. Zweitens ab 40 Jahren Ruhe-EKG und Risikoscore verlangen, bei erhöhtem Score Bildgebung, und Blutdruck, Fette, Zucker und Tabak so behandeln, wie ACC/AHA 2019 für die Primärprävention vorsehen. Drittens nach dem Innenangriff kühlen und trinken und die Rückkehr nach einem Herzereignis nicht allein entscheiden.

Wer das umsetzt, rettet keine Statistik auf einen Schlag. Er senkt aber die Chance, dass der nächste Alarm das letzte Ereignis wird, und gibt der Arbeitsmedizin etwas in der Hand, das genauer ist als das Gefühl, noch mitzukommen.

Quellen

  1. U.S. Fire Administration: Firefighter Fatalities in the United States. U.S. Fire Administration, Stand: 2025.
  2. National Institute for Occupational Safety and Health: About Firefighter Safety and Health. Centers for Disease Control and Prevention, 4. November 2024.
  3. Hunter AL, Shah AS et al.: Fire Simulation and Cardiovascular Health in Firefighters. Circulation, 4. April 2017.
  4. Kales SN, Soteriades ES et al.: Emergency duties and deaths from heart disease among firefighters in the United States. New England Journal of Medicine, 22. März 2007.
  5. Smith DL, Haller JM et al.: Pathoanatomic Findings Associated With Duty-Related Cardiac Death in US Firefighters: A Case-Control Study. Journal of the American Heart Association, 18. September 2018.
  6. Soteriades ES, Smith DL et al.: Cardiovascular disease in US firefighters: a systematic review. Cardiology in Review, Juli 2011.
  7. Mayo Clinic Staff: Heart attack – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 27. März 2026.
  8. Cleveland Clinic: Heart Attack (Myocardial Infarction). Cleveland Clinic, 3. August 2026.
  9. U.S. Fire Administration: 2024 U.S. Fire Administrator’s Summit on Fire Prevention and Control Firefighter Cardiovascular Health and Wellness Workgroup Report. U.S. Fire Administration, 2024.
  10. National Institute for Occupational Safety and Health: 55-year-old Lieutenant Dies from Heart Attack While Responding to High-Rise Fire – Illinois. Centers for Disease Control and Prevention, Juni 2025.
  11. Arnett DK, Blumenthal RS et al.: 2019 ACC/AHA Guideline on the Primary Prevention of Cardiovascular Disease. Circulation, 10. September 2019.
DeMedBook