
Petersilie ist vor allem deshalb nährstoffdicht, weil schon kleine Blattmengen ungewöhnlich viel Vitamin K liefern, dazu Vitamin C, Folat und Carotinoide. Ob das Kraut „so gesund“ ist, entscheidet die Portionsgröße: als Würze in der Küche kann es den Speiseplan sinnvoll ergänzen, als Öl, Samenextrakt oder starker Tee ist es für Schwangere und einen Teil der Patientinnen und Patienten nicht unbedenklich.
Die ältere Popularliteratur hat aus Labor- und Tierbefunden oft Krebs- und Diabetes-Schutz gemacht. Seit den Jahren nach 2018 hat sich die Lage verschoben. Die US-Arzneimittelbehörde hat den Tageswert für Vitamin K auf 120 Mikrogramm angehoben, weshalb die früher zitierte Zahl von über 1200 Prozent der empfohlenen Menge für eine Tasse nicht mehr gilt. Gerinnungskliniken raten bei Vitamin-K-Antagonisten nicht mehr zum Verzicht auf grüne Kräuter, sondern zu einer gleichbleibenden Zufuhr. Heilversprechen für Apigenin und Myricetin bleiben außerhalb der Klinik.
Was in einer Küchenportion steckt
Hundert Gramm frische Petersilie enthalten laut USDA FoodData Central (Eintrag 170416, Veröffentlichung 1. April 2019) 1640 Mikrogramm Phyllochinon, 133 Milligramm Vitamin C, 421 Mikrogramm Vitamin-A-Äquivalente, 152 Mikrogramm Folat, 6,2 Milligramm Eisen, 138 Milligramm Calcium und 554 Milligramm Kalium, bei 36 Kilokalorien. Kaum jemand isst 100 Gramm auf einmal. Eine Tasse gehackter Blätter, in den USDA-Daten rund 60 Gramm, kommt auf etwa 984 Mikrogramm Vitamin K und 22 Kilokalorien; Medical News Today hat diese Tassenrechnung 2023 aus derselben Datenbank übernommen.
Zum Vergleich setzt das NIH-Factsheet von März 2021 die angemessene tägliche Zufuhr für erwachsene Männer auf 120 Mikrogramm und für Frauen auf 90 Mikrogramm. Die FDA nennt als Tageswert auf dem Etikett ebenfalls 120 Mikrogramm. Eine volle Tasse überschreitet diesen Wert mehrfach, ein paar Zweige auf der Kartoffel bleiben darunter. Genau diese Spreizung erklärt, warum dasselbe Kraut einmal als harmlose Beilage und einmal als INR-Störer auftaucht.
| Portion oder Referenz | Vitamin K | Bezug |
|---|---|---|
| Frische Petersilie, 100 g | 1640 µg | USDA FoodData Central, 2019 |
| Gehackte Petersilie, 1 Tasse (ca. 60 g) | 984 µg | USDA, zitiert 2023 |
| Angemessene Zufuhr, Mann ab 19 Jahren | 120 µg je Tag | NIH ODS, 2021 |
| Angemessene Zufuhr, Frau ab 19 Jahren | 90 µg je Tag | NIH ODS, 2021 |
| FDA-Tageswert auf Lebensmitteletiketten | 120 µg | FDA, aktuelle Daily Values |
| Vitamin C in 100 g frischer Petersilie | 133 mg | USDA, 2019 |
Die Aufnahme aus Blattgemüse ist unvollständig. Das NIH-Factsheet schreibt, der Körper hole aus Spinat nur 4 bis 17 Prozent des Phyllochinons im Vergleich zu einer Tablette; Fett in der Mahlzeit verbessert die Resorption, erreicht aber nicht die Öl- oder Supplementwerte. Petersilie mit Ei, Öl oder Käse zu essen, ist deshalb nährstofflogisch sinnvoller als ein nackter Zweig auf dem Teller.
Getrocknete Ware konzentriert dasselbe Blatt. Wer statt frischer Kräuter den Inhalt einer Gewürzdose löffelweise in Soßen rührt, verschiebt die Vitamin-K-Menge, ohne dass die Packung das ausweist. Die FDA verlangt die Angabe von Vitamin K auf Lebensmitteln nur, wenn der Stoff zugesetzt wurde oder damit geworben wird.

Wie viel Vitamin K der Körper braucht
Erwachsene brauchen Vitamin K vor allem für Gerinnungsfaktoren in der Leber und für Knochenproteine wie Osteocalcin. Das NIH Office of Dietary Supplements hat 2021 festgehalten, dass die Daten für eine klassische empfohlene Tagesdosis nicht reichen; deshalb gilt eine angemessene Zufuhr, abgeleitet von dem, was gesunde Gruppen tatsächlich essen. Ein oberer Grenzwert fehlt, weil sich aus Lebensmitteln und üblichen Präparaten keine Giftigkeit ableiten ließ.
Mangel mit klinisch verlängerter Gerinnungszeit ist bei Erwachsenen mit gemischter Kost selten. Gefährdet sind laut demselben Factsheet Neugeborene ohne Vitamin-K-Gabe nach der Geburt, Menschen mit Fettmalabsorption, Zöliakie, Colitis ulcerosa, Kurzdarmsyndrom oder nach bariatrischen Operationen. Lange Antibiotikakuren können die bakterielle Bildung von Menachinonen im Darm drosseln. Gallensäurebinder und Orlistat senken die Aufnahme fettlöslicher Vitamine.
Die meisten US-Erwachsenen liegen in den NHANES-Auswertungen, die das Factsheet zitiert, im Mittel über der angemessenen Zufuhr, wenn Lebensmittel und Präparate zusammengezählt werden. Einzelne Auswertungen fanden, dass nur etwa ein Drittel der Bevölkerung die angemessene Zufuhr überschreitet. Die praktische Bedeutung bleibt unklar, weil Darmbakterien zusätzlich Vitamin K bilden und die Lebensmitteldatenbanken vor allem Phyllochinon erfassen.
Petersilie ist in der MedlinePlus-Liste der vitamin-K-reichen Lebensmittel ausdrücklich genannt, neben Grünkohl, Spinat und Brokkoli. Sie ersetzt kein Präparat bei nachgewiesenem Mangel und kein Screening. Wer blaue Flecken ohne Anlass, Nasenbluten oder Teerstuhl bemerkt, braucht eine ärztliche Abklärung, nicht eine extra Handvoll Kraut.
Hilft Petersilie den Knochen?
Beobachtungsstudien verknüpfen eine höhere Vitamin-K-Zufuhr aus der Kost mit besserer Knochendichte und weniger Hüftbrüchen. Das NIH-Factsheet von 2021 nennt diese Linie und warnt zugleich: randomisierte Studien zu Tabletten sind widersprüchlich. Ein Teil der älteren japanischen Arbeiten zu hohen Menachinon-Dosen gilt inzwischen als methodisch schwach; spätere nordamerikanische Studien fanden oft nur eine bessere Carboxylierung von Osteocalcin, aber keinen Gewinn an Knochendichte, wenn Calcium und Vitamin D in beiden Gruppen gleich waren.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2009 eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen, demzufolge Vitamin K zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt. Das ist ein Nährstoffhinweis, kein Beleg, dass Petersilie Osteoporose behandelt oder Brüche verhindert. In Japan werden pharmakologische Dosen von Menachinon-4 (45 Milligramm) als Arzneimittel eingesetzt; das hat mit Küchenkraut nichts zu tun.
Wer Knochen schützen will, bleibt bei den Größen, die Leitlinien tragen: Calcium und Vitamin D in ausreichender Menge, Kraft und Last auf den Knochen, Sturzprävention, Behandlung einer festgestellten Osteoporose. Petersilie kann als Teil einer gemüsereichen Kost dazu beitragen, die angemessene Vitamin-K-Zufuhr zu erreichen. Ein Zweig auf der Suppe ersetzt weder Bisphosphonate noch eine Knochendichtemessung.
Ältere populäre Texte haben eine Metaanalyse zitiert, in der die höchsten Vitamin-K-Spiegel mit 22 Prozent weniger Brüchen einhergingen. Solche Zusammenfassungen mischen oft Beobachtung und Intervention. Die aktuelle Behördenlage trennt beides und verlangt für Supplemente ausdrücklich mehr Forschung.
Schützt Petersilie vor Krebs?
Ein Flavonglykosid namens Apigenin, das in Petersilie vorkommt, verkleinert in einer Metaanalyse von 25 Tierstudien aus dem Jahr 2022 Tumorvolumen, -gewicht, -zahl und -last. Singh, Gupta und Kollegen schrieben zugleich, der Trichterplot sei unsymmetrisch, also verdächtig auf Publikationsbias, und der Weg in die Klinik sei offen. Das ist ein Signal aus dem Stall, kein Rezept für den Salat.
Myricetin und andere Pflanzenstoffe aus Petersilie zeigen in Zellkulturen antioxidative und wachstumshemmende Effekte. Drugs.com fasst 2026 zusammen, dass klinische Studien fehlen, um irgendeine Krebsindikation zu empfehlen. Wer Petersilie isst, isst ein Kraut, kein Zytostatikum.
Heterozyklische Amine entstehen, wenn Muskelfleisch bei hohen Temperaturen gebraten oder gegrillt wird. Das US-National Cancer Institute beschreibt diese Stoffe als mutagen im Labor; epidemiologische Arbeiten zu Darm-, Pankreas- und Prostatakrebs sind gemischt. Die Behörde nennt praktische Wege, die Bildung zu senken: weniger offene Flamme, kürzere Garzeiten, Wenden, Anbraten im Vorlauf, Verzicht auf stark verkohlte Stellen und auf Soße aus Tropffett. Eine Blockade durch Petersilie oder andere Kräuter steht in diesem Factsheet nicht.
Die Behauptung, wer Steak esse, solle es mit Petersilie „entgiften“, gehört in die Werbesprache, nicht in die Onkologie. Sinnvoll bleibt, Fleisch nicht zur einzigen Eiweißquelle zu machen und Gemüse, Hülsenfrüchte und Kräuter regelmäßig auf den Teller zu legen, weil das Muster der gesamten Kost zählt.
Kann Petersilie den Blutzucker senken?
In Ratten mit Streptozotocin-Diabetes hat Petersilienextrakt in mehreren Arbeiten den Blutzucker gesenkt, offenbar unter anderem über eine Hemmung der Alpha-Glucosidase. Drugs.com stuft das 2026 als Tierbefund ein und schreibt, klinische Daten reichten nicht für eine Dosierungs- oder Therapieempfehlung. Myricetin, oft als der wirksame Stoff genannt, ist in vielen Pflanzen enthalten; eine isolierte Wirkung des Küchenkrauts beim Menschen ist nicht belegt.
Wer Typ-2-Diabetes hat, gewinnt mehr durch Gewichtsverlauf, Bewegung, ballaststoffreiche Kost und die vom Arzt verordneten Medikamente als durch ein einzelnes Kraut. Petersilie kann Speisen würzen, ohne Salz zu ersetzen, das der Blutdruck braucht. Sie ersetzt weder Metformin noch eine Blutzuckerkontrolle.
Alobaidi hat 2024 in einem Übersichtsartikel zu Niere und Stoffwechsel weitere Rattenarbeiten gesammelt, in denen Extrakte Insulinmarker und oxidative Stresswerte verbesserten. Menschliche Studien mit klinischen Endpunkten wie HbA1c oder Folgeschäden fehlen in dieser Übersicht als belastbare Grundlage. Solange das so ist, bleibt Petersilie ein Lebensmittel, kein Antidiabetikum.
Niere, Harnsteine und der harntreibende Ruf
Als Hausmittel gilt Petersilie als harntreibend. Im Tierversuch steigert Samenextrakt die Urinmenge, offenbar über eine Hemmung der Natrium-Kalium-Pumpe in der Niere. Bei 20 gesunden Freiwilligen veränderte Petersilientee in der Studie von Alyami und Rabah (2011), die Alobaidi 2024 referiert, weder Urinvolumen noch die üblichen Steinrisiko-Marker. Wer also Tee trinkt, um „die Niere zu spülen“, folgt einer Tradition, nicht einem belastbaren Humanbefund.
Ethanolextrakte haben in Rattenmodellen die Keimbildung von Calciumoxalat gehemmt. Das ist ein interessanter Mechanismus, kein Ersatz für Trinkmenge, Steinanalyse und die Therapie, die Urologie und Nephrologie nach Leitlinie wählen. Essa und Kollegen berichteten 2024, dass Brot mit Petersiliensamen bei adipösen Frauen einzelne Nierenmarker verbesserte; die Stichprobe war begrenzt, die Zubereitung nicht die Tasse Kraut auf dem Markt.
Hohe Extraktdosen sind im Tier nicht harmlos. Alobaidi zitiert Arbeiten, in denen 1000 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht Leberenzyme, Harnstoff und Kreatinin ansteigen ließen und Gewebeentzündung zeigten. Drugs.com warnt, Petersilienöl könne Kopfschmerz, Schwindel, Krämpfe und Nierenschäden auslösen. Menschen mit bekannter Nierenerkrankung sollen Konzentrate nicht auf eigene Faust trinken.
Ein Fallbericht beschrieb steigende Sirolimus-Spiegel nach großen Mengen Petersiliensaft bei einem Nierentransplantierten, vermutlich über CYP3A4 und P-Glykoprotein. Wer Calcineurin- oder mTOR-Hemmer nimmt, gehört mit Saftkuren in die Sprechstunde, nicht in den Entsafter.

Frisch, getrocknet, Tee, Saft oder Öl
Frische Blätter sind das, was die FDA in den USA als allgemein als sicher anerkanntes Lebensmittel führt, sobald sie in Speisemengen bleiben. Drugs.com wiederholt 2026 diese Einstufung und schreibt zugleich, oberhalb der Küche fehlten Dosis und Nutzen. Getrocknete Blätter sind dieselbe Pflanze minus Wasser; wer sie löffelweise statt als Prise nutzt, vervielfacht Vitamin K und ätherische Öle.
Tee aus Blättern wurde in der kleinen Humanstudie zu Harnsteinen ohne messbaren Gewinn geprüft. Ein Sud aus Samen oder Wurzeln ist traditionell als Diuretikum beschrieben und enthält mehr Apiol und Myristicin als der Zweig auf dem Teller. Saft aus ganzen Bündeln kann, wie das libanesische Taboulé mit bis zu 50 Gramm Blatt pro Mahlzeit zeigt, eine Vitamin-K-Ladung liefern, die für Gerinnungspatienten zählt.
Ätherisches Öl und Samenöl sind keine Küchenwürze. Drugs.com nennt Kopfschmerz, Gleichgewichtsstörungen, Krämpfe und Nierenschäden nach Öl und rät vom medizinischen Gebrauch des destillierten Öls ab. Wer im Internet Kapseln „zur Entwässerung“ kauft, verlässt den bewerteten Lebensmittelbereich.
Zwei botanische Warnungen gehören dazu. Wer wild sammelt, kann Hundspetersilie oder Schierling mit der Kulturpflanze verwechseln; Drugs.com beschreibt Erbrechen, Lähmung, weite Pupillen und Todesfälle nach solchen Verwechslungen. Auf der Haut können Furocumarine (Psoralen, Bergapten) zusammen mit Sonnenlicht eine Photodermatitis auslösen, vor allem bei Erntearbeit. Das Essen üblicher Mengen gilt in dieser Hinsicht als unauffällig.
Blutverdünner: wann Petersilie den INR verändert
Wer Phenprocoumon, Warfarin oder Acenocoumarol nimmt, muss die Vitamin-K-Menge im Essen ungefähr konstant halten. Das NIH-Factsheet und die Mayo Clinic (Aktualisierung 4. Juni 2024) formulieren dasselbe: ein plötzlicher Anstieg kann die Gerinnungshemmung abschwächen und Gerinnsel begünstigen, ein plötzlicher Verzicht kann bluten machen. Ältere Ratschläge, vitamin-K-reiche Lebensmittel ganz zu streichen, gelten als überholt.
Petersilie steht in der Praxis neben Grünkohl und Spinat in der Gruppe der dichten Quellen. Ein Zweig als Dekor ändert den INR selten. Eine Schüssel Taboulé, ein grüner Saft oder eine Woche Saftfasten mit großen Bündeln kann ihn verschieben. Vor einem solchen Wechsel gehört ein Anruf in der Gerinnungssprechstunde; danach oft eine INR-Kontrolle.
| Situation | Praktische Folge |
|---|---|
| Vitamin-K-Antagonist und gewohnte Prise Kraut | Menge beibehalten, nicht ängstlich weglassen |
| Neu viel Petersilie (Taboulé, Saft, Pesto) | Ärztin oder Arzt informieren, INR prüfen lassen |
| Mehrere Tage kaum essen, Durchfall, Fieber | Team anrufen, Dosis nicht selbst ändern (Mayo, 2024) |
| Neue Kräuterkapseln oder Multivitamin mit Vitamin K | Vor dem Start in der Sprechstunde nennen |
| Direkte orale Gerinnungshemmer mit anderem Ziel | Vitamin-K-Pfad gilt laut NIH-Liste für die Antagonisten, nicht pauschal für jedes Mittel |
Die NIH-Liste der ernsten Wechselwirkung nennt Warfarin und die in Europa üblichen Wirkstoffe Phenprocoumon und Acenocoumarol. Andere Tabletten, die Gerinnung über Faktor Xa oder Thrombin hemmen, stehen in diesem Factsheet nicht in derselben Vitamin-K-Logik. Welches Präparat auf dem Rezept steht, muss trotzdem die behandelnde Praxis klären, weil Kräuter auch über Leberenzyme wirken können.
Cranberry, Grapefruit und größere Mengen Alkohol erwähnt Mayo zusätzlich als mögliche Störer. Das entlastet Petersilie nicht, sondern erinnert daran, dass die Gerinnung mehrere Angriffsflächen hat.
Schwangerschaft, Allergie und zu viel Kraut
In Speisemengen gilt Petersilie in der Schwangerschaft als Lebensmittel. Drugs.com und die zugrunde liegende FDA-Bewertung ziehen die Grenze scharf: Öl, Samen, Saftkuren und „medizinische“ Dosen können die Gebärmutter anregen und wurden historisch als Abtreibungsmittel missbraucht. Apiol und Myristicin tragen diese Wirkung; Fallberichte zu Öl nennen schwere Blutungen und Vergiftungen. Schwangere bleiben beim Zweig auf der Suppe und lassen Konzentrate weg.
Stillen folgt derselben Trennung. Speisemengen sind üblich, höhere Dosen unbelegt. Wer Milchbildung mit Kapseln aus Petersilie und Salbei drosseln will, folgt einer Tradition ohne belastbare Studien, so die Monographie.
Allergien gegen Doldenblütler (Sellerie, Karotte, Fenchel) können sich auf Petersilienblüten und -blätter erstrecken. Drugs.com nennt Kontakturtikaria. Bei Juckreiz, Schwellung der Lippen oder Atemnot ist das Kraut abzusetzen; Atemnot gehört in die Notaufnahme.
Photodermatitis betrifft vor allem Menschen, die beruflich Saft auf der Haut haben und danach in die Sonne gehen. Schutzkleidung und Lichtschutz mindern das Risiko. Für den Verzehr üblicher Mengen ist das kein Alltagsproblem.
Kinder essen Petersilie in der Familienkost mit. Konzentrate, Öl und selbst angesetzte „Nierentees“ sind für sie nicht bewertet. Wer ein Kind mit unklarem Bauchschmerz oder blutigem Stuhl hat, braucht Diagnostik, kein Kräuterexperiment.
Wann zum Arzt statt zur Kräuterkiste
Zum Arzt gehört, wer einen Vitamin-K-Antagonisten nimmt und die Petersilienmenge stark ändern will, wer transplantiert ist und Saft trinken möchte, wer schwanger ist und Öl oder Samen erwägt, und wer nach Kraut Haut oder Atemwege reagiert. Ebenso gilt das für Blut im Urin, Koliken, die nach Stein klingen, ungeklärte Blutungsneigung oder einen Blutzucker, der aus dem Ziel läuft.
Die Mayo Clinic rät bei mehrtägigem Fasten, anhaltendem Durchfall oder Fieber unter Warfarin zum Anruf, weil die Vitamin-K-Zufuhr dann unfreiwillig sinkt. Dasselbe Prinzip gilt für Phenprocoumon. Die Dosis selbst anzupassen, ohne Messung, ist der häufigere Fehler als ein Zweig Petersilie.
Rote Flaggen, die nicht warten:
- Plötzliche vaginale Blutung in der Schwangerschaft nach Öl, Samen oder starkem Sud verlangt sofortige Hilfe, nicht das Abwarten bis zum nächsten Werktag.
- Atemnot, Lippenschwellung oder keuchende Atmung nach dem Essen sind ein allergischer Notfall.
- Schwarzer Stuhl, Bluterbrechen oder ein Schlaganfallverdacht unter Gerinnungshemmern gehören in die Notaufnahme.
- Verwechslung mit Schierling nach dem Sammeln äußert sich mit Erbrechen, Schwäche und weiten Pupillen; das ist ein Giftnotruf, kein Hausmittelthema.
Petersilie heilt keine dieser Lagen. Sie kann ein nützlicher Teil der Küche bleiben, wenn die Menge zur Diagnose und zur Medikation passt.
Häufige Fragen
Wie viel Petersilie darf man am Tag essen?
Für gesunde Erwachsene ohne Vitamin-K-Antagonisten gibt es keine amtliche Obergrenze in Speisemengen; die FDA führt das Kraut als Lebensmittel. Eine Prise bis zu einer kleinen Handvoll Blätter bleibt im Alltag üblich. Wer regelmäßig Tassen voll oder Saft trinkt, verschiebt Vitamin K und ätherische Öle in einen Bereich, den Gerinnungs- und Schwangerschaftsberatung kennen sollten.
Darf man Petersilie bei Marcumar oder Warfarin essen?
Ja, in der gewohnten Menge. NIH und Mayo Clinic verlangen seit Jahren Konstanz, nicht Verzicht. Wer neu Taboulé, grünen Saft oder große Bündel einführen will, sagt es der Gerinnungssprechstunde und lässt den INR kontrollieren.
Ist Petersilie in der Schwangerschaft erlaubt?
Als Würze auf dem Teller ja, als Öl, Samen, Saftkur oder starker medizinischer Tee nein. Drugs.com stuft höhere als lebensmittelübliche Mengen in der Schwangerschaft als unsicher ein, weil Apiol und Myristicin die Gebärmutter anregen können.
Hilft Petersilientee gegen Nierensteine?
Bei gesunden Freiwilligen hat Blatttee die Steinrisiko-Werte im Urin nicht verändert. Tierstudien zu Extrakten bleiben vorläufig. Steinprophylaxe folgt Trinkmenge, Steinart und ärztlicher Therapie, nicht einem Sud.
Kann Petersilie Krebs vorbeugen?
Das ist nicht belegt. Apigenin wirkt in Tieren gegen mehrere Tumorarten, die Metaanalyse von 2022 warnt vor Publikationsbias und fehlender Klinik. Petersilie ersetzt keine Früherkennung und keine onkologische Behandlung.
Ist getrocknete Petersilie genauso nährstoffreich wie frische?
Sie ist dasselbe Blatt ohne Wasser, also pro Gramm dichter an Vitamin K und Aromastoffen. Ein gestrichener Teelöffel getrocknet entspricht grob einer größeren Menge frisch. Wer die Form wechselt, ändert die Vitamin-K-Menge, ohne dass das Etikett das ausweisen muss.
Dürfen Kinder Petersilie essen?
In der Familienkost ja. Öl, Samenpräparate und selbst angesetzte Heiltees sind für Kinder nicht bewertet und unnötig. Bei Allergie in der Doldenblütler-Familie zuerst mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sprechen.
Fazit
Petersilie verdient ihren Ruf als nährstoffdichtes Kraut, weil Phyllochinon, Vitamin C und Folat in den Blättern konzentriert sind. Der Nutzen in der Küche liegt darin, Speisen zu würzen und die Vitamin-K-Zufuhr zu stützen, nicht darin, Krebs, Diabetes oder Knochenbrüche zu behandeln. Die Wissenschaft nach 2018 hat die großen Versprechen verkleinert und die Sicherheitsgrenzen geschärft.
Wer morgen einkauft, kann ein Bund kaufen, es über Kartoffeln, Eier, Fisch oder Tomatensoße streuen und die Menge über die Woche ungefähr gleich lassen. Wer Phenprocoumon nimmt, ändert daran nichts ohne Rücksprache. Schwangere bleiben beim Teller und meiden Öl und Samen. Saftkuren, „Entwässerungskapseln“ und wild gesammelte Doppelgänger gehören nicht in denselben Topf wie die Prise auf der Suppe.
Quellen
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin K – Fact Sheet for Health Professionals. National Institutes of Health Office of Dietary Supplements, 29. März 2021.
- Mayo Clinic Staff: Warfarin diet: What foods should I avoid?. Mayo Clinic, 4. Juni 2024.
- Drugs.com: Parsley Uses, Benefits & Dosage. Drugs.com Professional Monograph, 23. März 2026.
- Singh D, Gupta M et al.: Apigenin in cancer prevention and therapy: A systematic review and meta-analysis of animal models. Critical Reviews in Oncology/Hematology, 22. Juni 2022.
- Alobaidi S: Renal health benefits and therapeutic effects of parsley (Petroselinum crispum): a review. Frontiers in Medicine, 12. Dezember 2024.
- MedlinePlus: Vitamin K food sources and recommendations. MedlinePlus Medical Encyclopedia, 21. Januar 2025.
- National Cancer Institute: Chemicals in Meat Cooked at High Temperatures and Cancer Risk. National Cancer Institute, Stand: 2024.
- U.S. Food and Drug Administration: Daily Value on the Nutrition and Supplement Facts Labels. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
- U.S. Department of Agriculture, Agricultural Research Service: FoodData Central. U.S. Department of Agriculture, Stand: 2019.
- Morales-Brown P: Parsley: Health Benefits, facts, and research. Medical News Today, 15. Juni 2023.
