Juckende Handflächen: Ursachen und wann zum Arzt

Juckende Handflächen: Ursachen und wann zum Arzt

Juckende Handflächen entstehen meist durch ein Handekzem, durch Reizstoffe oder durch eine verzögerte Kontaktallergie; seltener steckt eine Lebererkrankung, eine Schwangerschaftscholestase oder sehr trockene Haut bei schlecht eingestelltem Diabetes dahinter. Ein Ausschlag, Schuppen, Risse oder Bläschen sprechen für die Haut selbst. Fehlt jedes Hautzeichen und stört der Juckreiz nachts, prüfen Ärztinnen und Ärzte eher Galle, Leber, Niere, Schilddrüse oder den Blutzucker.

Die Hände sind ständig nass, eingeseift, in Handschuhen oder an Metallen. Deshalb wird aus einem kleinen Reiz rasch ein Teufelskreis aus Barriereschaden und Entzündung. The Lancet bezifferte 2024 die Lebenszeitprävalenz des Handekzems auf etwa 15 Prozent; bis zu zwei Drittel der Betroffenen entwickeln einen chronischen Verlauf. Die folgenden Abschnitte trennen häufige Hautursachen von inneren Krankheiten und nennen Schwellen, ab denen dieselbe Nacht noch Hilfe nötig ist.

Warum jucken die Handflächen?

Die Haut der Handflächen ist dick, hat viele Nerven und wenig Talgdrüsen; schon ein kleiner Barriereschaden kann dort heftigen Juckreiz auslösen. Wasser, Seifen, Desinfektionsmittel und Handschuhe reizen diese Fläche besonders, weil sie den Lipidfilm abtragen und das Eindringen von Allergenen erleichtern.

Die europäische Fachgesellschaft für Kontaktdermatitis (ESCD) unterscheidet in ihrer Leitlinie von 2022 ein akutes Handekzem, das kürzer als drei Monate dauert und höchstens einmal im Jahr auftritt, von einem chronischen Verlauf. Chronisch heißt dort: die Haut bleibt länger als drei Monate krank oder es kommen mindestens zwei Schübe innerhalb von zwölf Monaten. The Lancet nannte 2024 als wichtigste innere Risikofaktoren eine atopische Dermatitis und ohnehin trockene Haut; äußerlich zählen Feuchtarbeit und Kontaktallergene. Eine Metaanalyse von 2018, die der Review zitiert, fand für Neurodermitis ein drei- bis vierfach höheres Handekzemrisiko.

Nicht jeder Palmarjuckreiz ist ein Ekzem. Die American Academy of Family Physicians (2022) teilt chronischen Juckreiz danach ein, ob die Haut krank aussieht oder nicht. Mit Rötung, Bläschen oder Schuppen steht die Dermatologie im Vordergrund. Ohne Primärläsion rücken Leber, Niere, Schilddrüse, Diabetes und bei älteren Menschen auch ein Tumor in den Blick. Palmoplantare Psoriasis, eine einseitige Pilzinfektion der Handfläche plus Fußbefall sowie Krätze in den Fingerzwischenräumen gehören zu den Differentialdiagnosen, die der Lancet-Review ausdrücklich nennt.

Mann kratzt Handfläche

Handekzem und die kleinen Bläschen an den Handflächen

Ein Handekzem erklärt den größten Teil der juckenden, rissigen oder schuppenden Handflächen; die vesikuläre Form beginnt oft mit stechendem Juckreiz, bevor überhaupt Bläschen sichtbar sind. Die Mayo Clinic beschreibt die Dyshidrose (auch dyshidrotisches Ekzem oder Pompholyx) als Gruppen kleiner, flüssigkeitsgefüllter Bläschen an Handflächen, Fingerseiten und manchmal Fußsohlen. Sie ähneln Tapiokaperlen, halten einige Wochen und kehren oft monate- oder jahrelang wieder.

Die American Academy of Dermatology betont, dass Jucken, Brennen oder ein kribbelndes Gefühl dem Ausschlag vorausgehen kann. Danach trocknen die Bläschen, die Haut schuppt und bleibt wochenlang rissig. Kratzen öffnet die Decke und begünstigt eine bakterielle Infektion mit Schwellung, Rötung und gelblichen Krusten; dann ist eine rasche ärztliche Beurteilung nötig. Mayo Clinic nennt als Risikofaktoren Stress, Kontakt zu Nickel oder Kobalt, empfindliche Haut und eine bestehende Neurodermitis. Die Krankheit ist nicht ansteckend.

The Lancet trennt morphologisch ein wiederkehrendes Bläschenekzem von einem verdickten, rissigen Typ. Die Form sagt die Ursache aber unzuverlässig voraus, weil sich das Bild im Verlauf ändert und Mischformen häufig sind. Bis zu 30 Prozent der Menschen mit chronischem Handekzem haben gleichzeitig Fußbefall. Berufe mit viel Wasser, Seife oder Chemikalien (Friseurhandwerk, Reinigung, Pflege, Gastronomie, Metall) tragen das höchste Risiko; in manchen Hochrisikoberufen liegt die Einjahresprävalenz laut Review bei bis zu 30 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen, vermutlich wegen der Summe aus Haushalt und Beruf, nicht wegen eines anderen Immunsystems.

Reizstoff oder echte Allergie an den Händen?

Irritatives Kontaktekzem entsteht, wenn Wasser, Seife oder Chemikalien die Hornschicht direkt schädigen; allergisches Kontaktekzem braucht eine Immunerinnerung und erscheint oft erst einen bis zwei Tage nach dem Kontakt. MedlinePlus (Aktualisierung 2. August 2025) nennt 24 bis 48 Stunden als typische Verzögerung der Allergie. Ältere Ratgeber schrieben gelegentlich 48 bis 96 Stunden; beides kommt vor, der häufigere Zeitkorridor in aktuellen Lexika ist der kürzere.

Mayo Clinic (2. Mai 2024) unterscheidet beide Mechanismen klar. Beim Irritans reicht manchmal eine einzige aggressive Substanz, häufiger aber die Wiederholung milder Reize wie häufiges Händewaschen. Zur Allergie kommt es oft erst nach Jahren desselben Kontaktstoffs; danach genügt eine winzige Menge. Häufige Allergene an den Händen sind Nickel in Schmuck und Werkzeug, Duftstoffe, Formaldehyd, Gummihilfsstoffe, Konservierer wie Methylisothiazolinon und Antibiotikasalben mit Neomycin. Typische Reizstoffe sind Lösungsmittel, Bleichmittel, Haarfarben, Zement und der ständige Wechsel aus Nässe und Okklusion im Handschuh.

Die ESCD-Leitlinie verlangt einen Epikutantest bei jedem Handekzem, das länger als drei Monate besteht, auf eine angemessene Therapie nicht anspricht oder klinisch nach Allergie aussieht. Mayo Clinic erklärt den Ablauf: Allergenpflaster bleiben zwei bis drei Tage auf dem Rücken, danach folgen Ablesungen, weil manche Reaktionen erst am vierten oder fünften Tag sichtbar werden. Ein negatives Ergebnis schließt eine Allergie nicht vollständig aus, wenn der auslösende Stoff nicht getestet wurde. Wer den Auslöser meidet, sieht den Ausschlag laut Mayo Clinic oft in zwei bis vier Wochen abklingen.

Leber, Galle und Jucken in der Schwangerschaft

Jucken der Handflächen ohne Ausschlag, besonders nachts und zusammen mit den Fußsohlen, kann von einem Gallenstau kommen; in der Schwangerschaft ist das ein Grund, noch am selben Tag die Betreuung zu rufen. Die Mayo Clinic beschreibt die intrahepatische Schwangerschaftscholestase als Leberstörung vor allem im letzten Drittel. Der Juckreiz sitzt typischerweise an Handflächen und Fußsohlen, kann aber den ganzen Körper erfassen. Gelbsucht, Übelkeit und fettige Stühle kommen vor, fehlen aber oft. Nach der Geburt klingt der Juckreiz meist in wenigen Tagen ab; die Gefahr gilt dem Kind (Frühgeburt, Mekonium, in seltenen Fällen Totgeburt). Deshalb erwägen Geburtshelferinnen und Geburtshelfer häufig eine Einleitung um die 37. Woche. Nach einer früheren Episode kehrt die Störung in etwa 60 bis 70 Prozent der folgenden Schwangerschaften wieder.

Außerhalb der Schwangerschaft steht die primäre biliäre Cholangitis (PBC) auf der Liste, sobald unerklärter Juckreiz mit Müdigkeit, trockenen Augen oder dunklem Urin einhergeht. Mayo Clinic (Aktualisierung 6. Mai 2026) erinnert daran, dass der frühere Name „primäre biliäre Zirrhose“ irreführt: Viele Betroffene haben noch keine Zirrhose, wenn die Diagnose fällt. Mehr als die Hälfte hat zum Diagnosezeitpunkt keine Beschwerden; Juckreiz und Erschöpfung sind die häufigsten Frühzeichen. Die Krankheit trifft vor allem Frauen im mittleren und höheren Alter. Rötliche Handflächen (Palmarerythem) bei Leberleiden jucken in der Regel nicht; sie mit „fleckigem Palmarjucken“ gleichzusetzen, vermischt zwei verschiedene Befunde.

Die AASLD empfiehlt in der Leitlinie von 2018 Anionenaustauscherharze als erste Stufe gegen den PBC-Juckreiz, üblicherweise Colestyramin 4 bis 16 Gramm pro Tag. Das Pulver soll etwa 20 Minuten vor den Mahlzeiten genommen werden und mindestens eine Stunde vor oder vier Stunden nach anderen Arzneimitteln, weil es deren Aufnahme stört. Reicht das nicht, nennt dieselbe Leitlinie Rifampicin 150 bis 300 Milligramm zweimal täglich, Naltrexon aufdosiert bis 50 Milligramm täglich oder Sertralin 75 bis 100 Milligramm täglich. Antihistaminika greifen am Histamin der Allergie, nicht am Gallenstau; eine mögliche Müdigkeit kann den Nachtschlaf erleichtern, ändert aber den Mechanismus nicht. Ursodeoxycholsäure bremst die Leberschädigung, ersetzt aber keine Juckreiztherapie.

Diabetes, Arzneimittel und gereizte Nerven

Ein schlecht eingestellter Diabetes kann die Haut austrocknen und jucken lassen; der Juckreiz sitzt dann selten allein in den Handflächen, sondern oft allgemein oder an den Unterschenkeln. Die US-Seuchenbehörde CDC (15. Mai 2024) erklärt den Mechanismus so: überschüssiger Zucker zieht Wasser aus den Zellen, damit die Niere den Zucker ausscheiden kann; die Haut wird spröde. Schlechte Durchblutung verstärkt den Juckreiz, vor allem an den Beinen. Die American Diabetes Association nennt zusätzlich Hefepilze in Hautfalten und zwischen Fingern. Rote, samtige Flecken an Hals oder Achseln (Acanthosis nigricans) können auf Insulinresistenz hinweisen, jucken aber nicht typischerweise die Handinnenflächen. Eruptive Xanthome an Handrücken können jucken, gehören aber zu stark erhöhten Blutfetten, nicht zum Alltag jedes Diabetes.

Neue Tabletten oder Spritzen können Juckreiz auslösen, mit oder ohne Ausschlag. Mayo Clinic listet bei Arzneimittelallergie Nesselsucht, Ausschlag, Fieber und Schwellung; schwere Reaktionen beginnen oft innerhalb einer Stunde, manche Exantheme erst nach Tagen oder Wochen. Niemand soll ein verordnetes Mittel eigenmächtig absetzen, solange Atmung, Kreislauf und Schlucken unauffällig sind. Das Gespräch mit der verordnenden Praxis gehört noch an denselben Tag, wenn der Juckreiz nach einem neuen Präparat beginnt.

Druck auf den Medianusnerv im Karpaltunnel erzeugt vor allem Taubheit, Kribbeln, nächtlichen Schmerz und Kraftverlust, nicht isoliertes Hautjucken. Die Cleveland Clinic (Stand Januar 2024) führt Juckreiz in ihrer Symptomliste gar nicht. Neuropathischer Juckreiz ohne Ausschlag kommt bei Nervenschäden vor; er bleibt aber eine Ausschlussdiagnose, nachdem ein Ekzem, eine Allergie und eine innere Ursache geprüft wurden. Wer Jucken plus eingeschlafene Finger hat, braucht eine neurologische, nicht nur eine hautärztliche Spur.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?

Atemnot, eine geschwollene Zunge oder ein plötzlich schwacher Puls zusammen mit Jucken oder Quaddeln gehören in die Notaufnahme, nicht in die nächste Sprechstunde. Mayo Clinic beschreibt die Anaphylaxie als rasche, potenziell lebensbedrohliche Reaktion; Auslöser sind häufig Nahrungsmittel, Insektengift, Latex oder Arzneimittel. Wer einen Adrenalin-Autoinjektor hat, soll ihn sofort nutzen und trotzdem die Klinik aufsuchen, weil eine zweite Welle (biphasischer Verlauf) nach Stunden folgen kann.

Situation Typische Zeichen Nächster Schritt
Allergie-Notfall Atemnot, Schwellung im Gesicht, Erbrechen, Kreislaufkollaps Sofort Notruf, Adrenalin falls verordnet
Schwangerschaft, Juckreiz ohne Ausschlag Handflächen und Fußsohlen, Nachtschub, drittes Trimenon Noch am selben Tag Geburtsbetreuung
Möglicher Gallenstau Juckreiz ohne Ausschlag, Gelbsucht, dunkler Urin, starke Müdigkeit Zeitnah Hausarzt oder Leberambulanz
Schweres Handekzem Schlafverlust, Eiter, Fieber, Ausbreitung über Hände und Füße Hautarzt innerhalb weniger Tage
Unklarer Juckreiz über sechs Wochen Keine Hautläsion, Gewichtsverlust, Nachtschweiß Abklärung mit Blutwerten, nicht weiter abwarten

Mayo Clinic rät beim Kontaktekzem zur Praxis, wenn der Juckreiz den Schlaf raubt, der Ausschlag heftig oder ausgedehnt ist, nach drei Wochen nicht besser wird oder Augen, Mund, Gesicht oder Genitale betrifft. Fieber und eitrige Blasen sprechen für eine Infektion. Die AAFP empfiehlt bei Juckreiz ohne Hautbild unter anderem Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte, Eisenstatus, Blutzucker oder HbA1c und TSH; je nach Vorgeschichte kommen HIV-Test, Hepatitis-Serologie und ein Röntgenbild des Brustkorbs hinzu. Bei älteren Menschen mit monatelangem generalisiertem Juckreiz ohne Hautkrankheit gehört auch die Suche nach einem Tumor zur Sorgfalt, nicht zur Panikmache.

Frau, die Handfeuchtigkeitscreme anwendet

Was zu Hause den Juckreiz lindern kann

Kühle, feuchte Umschläge, reichlich Salbe statt dünner Lotion und das konsequente Meiden bekannter Reizstoffe können den Juckreiz spürbar dämpfen, heilen aber die Ursache nicht. Mayo Clinic nennt für das Kontaktekzem kühle, nasse Tücher für 15 bis 30 Minuten mehrmals täglich, ein Bad mit Haferzusatz und das Kühlen einer Hydrocortisoncreme im Kühlschrank vor dem Auftrag. Für die rezeptfreie Hydrocortisoncreme 1 Prozent gilt dort: ein- bis zweimal täglich für wenige Tage, nicht als Dauerschmierung.

Die American Academy of Dermatology rät bei Dyshidrose ausdrücklich zu duftfreier Creme oder Salbe; Lotionen enthalten zu viel Wasser und können den Schub verstärken. Hände lauwarm waschen, Ringe vorher abnehmen, milde Syndets statt Deoseifen nutzen und sofort danach rückfetten. Für nasse Arbeit Baumwollhandschuhe unter wasserdichten Handschuhen; reine Synthetik oder Latex allein reizen oft zusätzlich. Ein Händedesinfektionsmittel soll die Hautärztin oder der Hautarzt mitaussuchen, wenn Alkoholprodukte Schübe auslösen. Kratzen vermeiden, Nägel kurz halten, Bläschen nicht aufstechen.

Emollientia sind laut Lancet-Review und ESCD die Basis jeder Behandlung, auch wenn die Studienlage dünn ist. Bei nässendem, akutem Ekzem passen eher hydrophile Cremes, bei chronisch dicker Hornschicht fettere Salben, manchmal mit Harnstoff. Wer nach dem Waschen nicht eincremt, gibt der Barriere keine Chance, sich zwischen zwei Wasserphasen zu schließen. Antihistaminika vom älteren Typ können nachts den Schlaf erleichtern; sie behandeln ein Ekzem nicht kausal.

Was Leitlinien zur Behandlung raten

Starke topische Glukokortikoide bleiben die erste entzündungshemmende Stufe; bei Versagen oder wenn Steroide nicht in Frage kommen, ist seit 2024 in Europa und seit Juli 2025 in den USA eine Delgocitinib-Creme zugelassen. The Lancet fasste 2024 den Stufenplan so: Schulung, Auslöser meiden, Barrierereparatur, dann Steroide, Calcineurininhibitoren oder Januskinase-Hemmer lokal, danach Lichttherapie, Retinoide oder off-label Immunsuppressiva. Eine einmal tägliche Steroidanwendung erscheint den Leitlinien so wirksam wie zweimal täglich; Daueranwendung verdünnt die Haut und stört die Barrierereparatur. Mometason oder andere Präparate mit günstigerem Index eignen sich eher für die Erhaltung als klassisches Clobetasol über Wochen.

Tacrolimus-Salbe 0,1 Prozent ist für Neurodermitis zugelassen, nicht für jedes Handekzem. ESCD und Lancet sehen sie als Zweitlinie, wenn Steroide versagen oder eine längere Therapie nötig ist, weil sie die Haut nicht atrophieren. Pimecrolimus hat für das Handekzem kaum überzeugende Daten. Nach Abheilung kann ein proaktives Schema zwei- bis dreimal pro Woche Rückfälle hinauszögern, analog zur Neurodermitis.

Delgocitinib hemmt mehrere Januskinasen in der Haut. Die Europäische Kommission ließ die Creme im September 2024 für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem zu, bei denen topische Steroide nicht ausreichen oder nicht ratsam sind. Die US-Zulassung folgte am 23. Juli 2025. Laut Fachinformation, die Drugs.com zusammenfasst, wird die Creme zweimal täglich nur auf Hände und Handgelenke aufgetragen, höchstens 30 Gramm in zwei Wochen oder 60 Gramm im Monat. Die Kombination mit anderen JAK-Hemmern oder starken Immunsuppressiva wird nicht empfohlen. In den Phase-3-Studien DELTA 1 und 2 erreichten 20 bzw. 29 Prozent unter Verum einen weitgehend freien Hautbefund in Woche 16, unter Grundlage 10 bzw. 7 Prozent; das ist ein Gewinn, kein Freibrief für Heilung.

Reicht die lokale Therapie nicht, nennen europäische Leitlinien Alitretinoin als erstes systemisches Mittel bei schwerem chronischem Handekzem, in der Regel bis 24 Wochen, mit Schwangerschaftsverhütung einen Monat vor, während und nach der Einnahme. Lichttherapie über vier bis acht Wochen kann eine Brücke sein, ist zeitaufwendig und bei langer Anwendung mit einem höheren Risiko für hellen Hautkrebs verbunden. Dupilumab und andere Neurodermitis-Mittel kommen vor allem ins Spiel, wenn das Handekzem Teil einer ausgedehnten Atopie ist.

Wie sich neue Schübe vermeiden lassen

Wer Wasser, Allergene und okklusive Handschuhe reduziert, senkt die Zahl der Schübe zuverlässiger als jede Creme allein. Die ESCD teilt Vorbeugung in drei Ebenen: gesunde Hände schützen (primär), erste Hautzeichen sofort behandeln (sekundär) und schwere Chronizität beruflich rehabilitieren (tertiär). Feuchtarbeit in Dosis und Dauer zu kürzen, Pausen einzulegen und Baumwolle unter dem Schutzhandschuh zu tragen, sind konkrete Arbeitsplatzschritte, keine Lifestyle-Floskeln.

Mayo Clinic nennt für die Dyshidrose Stressabbau und das Meiden von Nickelsalzen; vorbeugen im strengen Sinn gelingt nicht. Sinnvoll bleibt trotzdem: lauwarmes Wasser, rückfettende Reinigung, sofortiges Abtrocknen und zweimal täglich Salbe. Nickelhaltige Ringe und Uhrarmbänder weglassen, wenn der Epikutantest positiv war. Duftfreie Reiniger im Haushalt, keine „antibakteriellen“ Extra-Seifen. Wer beruflich nicht auf Latex oder Thiurame verzichten kann, braucht Ersatzmaterial und oft die Beteiligung des Betriebsarztes.

Kalte, trockene Luft und Hitze mit Schwitzen gelten als Auslöser des Bläschenekzems. Baumwollhandschuhe nachts über der Salbe halten die Feuchtigkeit in der Hornschicht. Ein selbst gebastelter „Verträglichkeitstest“ mit einer neuen Creme auf einem kleinen Hautfleck ersetzt keinen Epikutantest, kann aber grobe Sofortreaktionen entdecken. Bleibt das Ekzem trotz dieser Maßnahmen über drei Monate aktiv, ist der Zeitpunkt für die Allergiediagnostik überschritten, nicht erst der Zeitpunkt für das nächste Hausmittel.

Häufige Fragen

Kann Jucken der Handflächen ohne Ausschlag gefährlich sein?

Ja, fehlendes Hautbild verschiebt den Verdacht von der Dermatologie zur inneren Medizin, vor allem zu Leber, Galle und Schwangerschaft. Die AAFP rät dann zu Laborwerten statt zu weiterer Selbstbehandlung. In der Schwangerschaft zählt starker Palmarjuckreiz ohne Ausschlag als Alarm, nicht als harmlose Dehnung der Haut.

Ist ein Handekzem ansteckend?

Nein, weder das klassische Handekzem noch die Dyshidrose gehen durch Händedruck auf andere Menschen über. Ansteckend können dagegen eine bakterielle Superinfektion, ein Hautpilz oder Krätze sein, die ein Ekzem nachahmen. Deshalb gehört ein einseitiger, schuppender Handteller plus Fußpilz zum Abstrich, nicht zur Steroidtube auf Verdacht.

Hilft eine Kortisoncreme aus der Apotheke?

Eine Hydrocortisoncreme 1 Prozent kann laut Mayo Clinic leichten Juckreiz ein bis zwei Tage lang dämpfen, ersetzt aber keine Abklärung. Dickere Hornschicht der Handflächen braucht oft ein verschreibungspflichtiges, stärkeres Steroid für kurze Zeit. Wer die Tube wochenlang ohne Pause nutzt, riskiert Hautverdünnung und ein paradoxes, schwerer zu behandelndes Ekzem.

Warum jucken die Handflächen in der Schwangerschaft so stark?

Eine intrahepatische Cholestase kann Gallensäuren ins Blut drücken und genau dort jucken, ohne dass ein Ausschlag erscheint. Mayo Clinic nennt Handflächen und Fußsohlen als typische Orte, oft nachts im dritten Trimenon. Das Kind trägt das Risiko; deshalb gehört der Anruf an die Schwangerenbetreuung noch an denselben Tag.

Soll ich ein neues Medikament absetzen, wenn die Hände jucken?

Bei Atemnot, Schwellung oder Kreislaufsymptomen ja, und parallel den Notruf. Bei isoliertem Juckreiz ohne Alarmzeichen zuerst die verordnende Praxis fragen, weil ein plötzliches Absetzen selbst schaden kann. Notieren Sie Name, Dosis und Zeitpunkt des ersten Juckens, das beschleunigt die Zuordnung.

Wann ist Jucken der Handflächen ein Notfall?

Sofort, wenn Atmung, Schlucken oder Bewusstsein betroffen sind oder der Kreislauf wegbricht. In der Schwangerschaft gilt starker, anhaltender Juckreiz ohne Ausschlag als dringlich, auch ohne Gelbsucht. Eiter, Fieber und rasche Ausbreitung der Blasen rechtfertigen ebenfalls keine wochenlange Selbstbeobachtung.

Person mit Gummihandschuhen und wringen nassen Tuch aus

Fazit

Zuerst die Haut ansehen: Bläschen, Risse und Schuppen führen zum Handekzem oder Kontaktekzem, unsichtbare Haut plus Nachtschub zu Galle, Schwangerschaft oder Stoffwechsel. Seit der ESCD-Leitlinie 2022 gilt ein Handekzem nach drei Monaten oder zwei Schüben im Jahr als chronisch; dann ist der Epikutantest Standard, nicht eine weitere Tube auf Verdacht. Delgocitinib hat 2024 und 2025 die lokale Therapie erweitert, nachdem Steroide lange die einzige zugelassene Option für genau dieses Krankheitsbild waren.

Für den nächsten Tag reicht ein klares Programm: Reizstoffe und nasse Arbeit reduzieren, nach jedem Waschen eine duftfreie Salbe, kühle Umschläge bei akutem Juckreiz, Hydrocortison 1 Prozent nur kurz. Bleibt der Juckreiz oder kommt Gelbsucht, dunkler Urin, starke Müdigkeit oder eine Schwangerschaft hinzu, gehört die Abklärung in die Sprechstunde, nicht in den Aberglauben von Geldsegen in der linken Hand.

Quellen

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  2. Thyssen JP, Schuttelaar MLA et al.: Guidelines for diagnosis, prevention, and treatment of hand eczema. Contact Dermatitis, 31. Dezember 2021.
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  10. Rupert J, Honeycutt JD: Pruritus: Diagnosis and Management. American Family Physician, Januar 2022.
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  12. American Association for the Study of Liver Diseases: Primary Biliary Cholangitis. American Association for the Study of Liver Diseases, November 2018.
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