
Das akrale lentiginöse Melanom ist ein seltener Hautkrebs der pigmentbildenden Zellen an Handflächen, Fußsohlen und im Nagelapparat. Im Gegensatz zu den häufigen Melanomtypen hängt es nach heutiger Datenlage nicht von ultraviolettem Licht ab und tritt bei allen Hautfarben mit ähnlicher Inzidenz auf.
Weil Sonnenbrand hier keine Leitursache ist, übersehen viele den Tumor an Stellen, die kaum jemand regelmäßig betrachtet. Der US-Hautärzteverband betont, dass an den Füßen ähnlich viele dunkelhäutige wie hellhäutige Menschen ein Melanom entwickeln; bei asiatischer oder afrikanischer Herkunft gehören Hände und Füße sogar zu den häufigsten Entstehungsorten. Frühe, flache Läsionen lassen sich oft noch lokal entfernen. Wird die Stelle mit einer Warze, einem Bluterguss oder einem diabetischen Ulkus verwechselt, wächst sie in die Tiefe, bevor jemand eine Biopsie veranlasst.
Was ist ein akrales lentiginöses Melanom?
Akrales lentiginöses Melanom bezeichnet bösartige Melanozyten an den unbehaarten Enden der Gliedmaßen, also an Palmar- und Plantarhaut sowie unter Finger- und Zehennägeln. StatPearls (Aktualisierung Juli 2023) ordnet den Subtyp als seltenste der vier klassischen kutanen Formen ein und beziffert den Anteil auf etwa 2 bis 3 Prozent aller Melanomdiagnosen. „Akral“ meint die Extremitäten, „lentiginös“ die zunächst flache, lentigoartige Ausbreitung in der Oberhaut, oft über Monate bis Jahre, bevor Zellen die Basalmembran durchbrechen.
Reed beschrieb das Muster 1976; Arrington und Kollegen trennten die plantare Variante 1977 als eigene Entität. DermNet (Review April 2023) nennt ein mittleres Diagnosealter von 63 Jahren. Männer und Frauen sind ähnlich häufig betroffen, Frauen jedoch öfter in einem früheren Stadium. An den Fußsohlen entsteht der Tumor häufiger als an den Handflächen, unter anderem weil dort mehr Melanozyten liegen.
Verwechselt wird die Diagnose leicht mit „akralem Melanom“ im weiteren Sinn. Nicht jede pigmentierte Läsion an Hand oder Fuß ist lentiginös; an sonnenexponierten Handrücken kann ein ganz anderer Subtyp sitzen. Die Unterscheidung zählt, weil Mutationslast, Immunmilieu und Ansprechen auf Medikamente anders ausfallen als beim superfiziell spreitenden Melanom des Rückens. Perez und Kollegen (Frontiers in Oncology, Februar 2024) fassen zusammen, dass die Mutationslast niedrig ist, eine UV-Signatur meist fehlt und weniger Effektor-T-Zellen den Tumor infiltrieren.

Wie sieht das Melanom an Hand, Fuß und Nagel aus?
Typisch beginnt die Veränderung als unregelmäßig begrenzter, hell- bis dunkelbrauner Fleck, der den Hautleisten folgt und später knotenartig, blau-schwarz oder geschwürig werden kann. Amelanotische, also kaum pigmentierte Formen wirken rosa, hautfarben oder wie eine derbe Schwiele; eine Patienteninformation der AAD listet auch nicht heilende Wunden und rasch wachsende Knoten an früheren Verletzungsstellen.
Unter dem Nagel zeigt sich oft ein längs verlaufendes braunes oder schwarzes Band. StatPearls gibt an, dass Daumen und Großzehe in 92 Prozent der subungualen Fälle betroffen sind. Pigment, das auf den hinteren Nagelwall übergreift, heißt Hutchinson-Zeichen und gilt als Warnhinweis, ohne die Diagnose allein zu beweisen. Nagelzerstörung, unregelmäßige Linienbreite und ein Band, das proximal breiter wird, verstärken den Verdacht. Ein Trauma erklärt ein Hämatom meist zeitlich klar; wächst der Streifen über Wochen ohne Unfall, gehört er zum Dermatologen, nicht in die Schublade „Prellung“.
Dermatoskopisch sucht man am Fuß nach einem Parallel-Ridge-Muster: Pigment auf den erhabenen Leisten, nicht in den Furchen. StatPearls zitiert die Eselsbrücke, Furchen seien eher harmlos, Leisten eher riskant. Fehlen die typischen Naevusmuster (Furchenparallel, gitterartig, fibrillär) und misst die Läsion mehr als 7 Millimeter, rät dasselbe Kapitel zur Gewebeprobe; ab etwa 9 Millimetern ist ein Melanom wahrscheinlich. Die Mayo Clinic (30. Dezember 2023) beschreibt die akral-lentiginöse Form als sehr dunkel, flach und unregelmäßig berandet und betont, dass sie bei asiatischer Herkunft sowie bei brauner und schwarzer Haut häufiger vorkommt als andere Melanomtypen.
Differentialdiagnosen sind zahlreich und erklären viele Verspätungen.
- Ein Bluterguss in der Hornhaut (Talon noir) nach Sport kann einen schwarzen Fleck an der Ferse vortäuschen, bleibt aber oft homogen und wandert mit dem Stratum corneum nach außen.
- Die pigmentierte Fußpilzinfektion Tinea nigra zeigt unter Kalilauge Hyphen und braucht keine Exzision, wird aber gelegentlich operiert, weil niemand den Abstrich gemacht hat.
- Erd- oder Schmutzauflagerungen lassen sich mit Alkohol abwischen; echte Melaninpigmentierung bleibt.
- Warzen, Schwielen und diabetische Ulzera können amelanotisches Wachstum nachahmen, besonders wenn niemand die Sohle inspiziert.
Wann zum Arzt bei Flecken an Fuß oder Nagel?
Jede neue oder sich verändernde Pigmentinsel an Handfläche, Fußsohle, Zehenzwischenraum oder Nagel gehört in die Hautarztpraxis, sobald die Diagnose unsicher ist oder die Stelle trotz Behandlung nicht heilt. Für den Fuß ersetzen StatPearls und podologische Leitlinien die klassische ABCDE-Regel oft durch das CUBED-Akronym, weil symmetrische, wenig pigmentierte oder ulzerierte Läsionen die ABCDE-Kriterien verfehlen.
CUBED meint farbabweichende Anteile, unsichere klinische Diagnose, Blutung oder Nässen, Größenzunahme und Heilungsverzug über zwei Monate. Die AAD-Fußseite ergänzt vertikale Nagelstreifen, rosa-rote Knoten, Wunden, die wie ein diabetisches Ulkus aussehen, und Juckreiz oder intermittierendes Bluten. Am Nagel hilft zusätzlich das ABCDEF-Schema nach Levit: höheres Alter (Häufung in der fünften bis siebten Lebensdekade), Band von mindestens 3 Millimetern, Veränderung oder fehlendes Ansprechen auf Therapie, Bevorzugung von Daumen, Großzehe oder Zeigefinger, Ausbreitung auf die Nagelhaut und familiäres Melanom.
| Befund | Dringlichkeit | Typischer nächster Schritt |
|---|---|---|
| Neuer oder wachsender Fleck an Sohle oder Handfläche | zeitnah Hautarzt | Dermatoskopie, oft Stanz- oder Inzisionsbiopsie |
| Nagelstreifen ohne Trauma, Hutchinson-Zeichen | zeitnah Facharzt mit Nagelkompetenz | Matrixbiopsie, keine bloße Nagelpolitur |
| Wunde oder Ulkus länger als zwei Monate | rasch, auch bei Diabetesverdacht | Abklärung vor weiterer „Wundbehandlung“ |
| Blutung, Knotenwachstum, mehrere Farben | dringend dermatologisch | Probenentnahme aus dem dicksten Anteil |
| Fieber, tastbare Leistenknoten, starke Schmerzen | notfallmäßig klären | Staging, Ausschluss anderer Ursachen |
Niemand muss jeden dunklen Streifen am Nagel als Krebs deuten. Ethnische Melanonychie bei dunkler Haut ist häufig, meist schmal, regelmäßig und an mehreren Nägeln. Entscheidend ist der Verlauf. Ein einzelner, breiter, unregelmäßig werdender Streifen an einem Nagel rechtfertigt die Überweisung. Die Mayo Clinic rät bei jeder beunruhigenden Hautveränderung zum Termin; am Fuß gilt das doppelt, weil Betroffene die Sohle selbst schlecht sehen.
Welche Ursachen und Risiken sind bekannt?
Eine einzelne, vermeidbare Ursache kennt niemand; ultraviolettes Licht gilt für diesen Subtyp nicht als treibender Faktor. Holman und Kollegen werteten für 2010 bis 2019 US-Register aus, die 99 Prozent der Bevölkerung abdecken, und fanden altersstandardisierte Raten von 2,3 Fällen je 1 Million bei nicht-hispanischen Weißen, 1,8 bei nicht-hispanischen Schwarzen, 1,7 bei asiatischen und pazifischen Gruppen und 2,8 bei hispanischen Weißen. Die absolute Inzidenz liegt also in ähnlicher Größenordnung. Der Anteil am gesamten Melanom ist bei hellhäutigen Menschen winzig (0,8 Prozent), in manchen Minderheitengruppen dagegen bis 19,1 Prozent, weil UV-bedingte Melanome dort viel seltener sind.
CDC-Daten für 2011 bis 2015 zeigen bei nicht-hispanischen Schwarzen eine Melanom-Inzidenz von 1,0 je 100.000. Unter den histologisch näher bestimmten Fällen war die akral-lentiginöse Form mit 16,7 Prozent der häufigste definierte Typ. Das relative Fünfjahresüberleben aller Melanome lag in dieser Gruppe 2001 bis 2014 bei 66,2 Prozent, bei nicht-hispanischen Weißen bei 90,1 Prozent. Spätere Diagnose und der höhere Anteil aggressiver Subtypen erklären einen Teil der Lücke, nicht eine grundsätzlich andere Biologie bei gleicher Breslow-Dicke in jeder Studie.
Genetisch unterscheidet sich das Muster klar vom Sonnenmelanom. StatPearls nennt KIT-Kopienzahlgewinne in bis zu 36 Prozent, daneben BRAF, NRAS, NF1 sowie Instabilität von Cyclin D1 in etwa 45 Prozent. TERT-Promotormutationen, die UV-geschädigte Tumoren oft tragen, sind selten; andere TERT-Veränderungen kommen in bis zu 41 Prozent vor. Perez et al. fassen BRAF-Raten zwischen 4 und 34 Prozent und KIT zwischen 11 und 36 Prozent zusammen, mit ethnischen Unterschieden. Mechanische Belastung der Fußsohle und penetrierende Verletzungen werden diskutiert. Nach Flächenkorrektur fanden Ghanavatian und Kollegen 2019 sogar weniger Melanome in gewichttragenden Zonen als erwartet; die Datenlage bleibt widersprüchlich. Ein vorbestehender Nävus liegt laut StatPearls in unter 11 Prozent vor, die Mehrheit entsteht also auf zuvor unauffälliger Haut.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Gesichert wird die Diagnose histologisch; Klinik und Dermatoskopie sortieren nur, welche Stelle entnommen werden muss. Für verdächtige Melanome gilt die schmale Exzisionsbiopsie als Standard. An Hand und Fuß ist das oft unpraktisch, weil Hautreserve fehlt und eine komplette Entfernung schon einer Amputation nahekäme. Dann ist eine Teilprobe akzeptabel, sofern der noduläre, also dickste Anteil getroffen wird, damit die Breslow-Dicke nicht unterschätzt wird. Perez et al. warnen, dass präoperative Biopsien diesen Subtyp häufig zu flach einstufen.
Nagelveränderungen brauchen eine Probe aus der Matrix, nicht nur aus der Nagelplatte. Die Technik ist anspruchsvoll; StatPearls empfiehlt eine in Nagelchirurgie erfahrene Praxis, danach oft eine Zweitbeurteilung durch Dermatopathologie, weil die Zellen subtil und gemischt sein können. Oberflächliche Shave-Biopsien an dicker Palmarhaut bleiben gern zu flach. Stanze oder Exzision sind dort zuverlässiger, und der Pathologe sollte die Gesamtgröße der Läsion kennen, damit ein Randstück nicht als harmloser Nävus gelesen wird.
Bildgebung und Labor sind bei lokal begrenzter, symptomfreier Erkrankung laut AAD-Empfehlung in StatPearls nicht Routine. Lactatdehydrogenase (LDH) hilft vor allem im Stadium IV als Prognosemarker, nicht als Suchtest. Ungezieltes CT oder PET liefert viele falsch positive Befunde und nachfolgende unnötige Eingriffe. Ein Röntgen-Thorax kann in ausgewählten Situationen die kostengünstigste Suche nach Lungenherden sein. Jährliche Ganzkörperuntersuchung plus Tasten der regionären Lymphknoten gelten nach derselben Quelle als ausreichende Nachsorge bei lokalem Befund.
Welche Stadien gibt es und was bedeutet die Prognose?
Die Stadieneinteilung folgt für alle kutanen Melanome der achten Auflage des AJCC-Systems, nicht mehr primär den Clark-Leveln 1 bis 5, die ältere Texte noch in den Vordergrund stellten. T beschreibt Breslow-Dicke und Ulzeration, N regionäre Lymphknoten sowie Satelliten und In-transit-Metastasen, M Fernabsiedlungen und LDH. Stadium 0 bleibt in der Epidermis (in situ). Stadium I umfasst dünne Tumoren ohne Knoten, Stadium II dickere oder ulzerierte Primärtumoren ohne Nachweis von Metastasen, Stadium III regionären Befall, Stadium IV Fernmetastasen.
Die Prognose hängt vor allem von Dicke, Ulzeration, Sentinelstatus, Alter und Geschlecht ab. Huang, Fan und Misra (Journal of Surgical Research, 2020) fanden im SEER-Register 2006 bis 2015 ein melanomspezifisches Fünfjahresüberleben von 80,6 Prozent für die akral-lentiginöse Form gegenüber 93,0 Prozent für nicht-akrale kutane Melanome. Nach Gruppen lag es bei 84,3 Prozent für nicht-hispanische Weiße, 76,6 Prozent für asiatische und pazifische Herkunft, 72,0 Prozent für hispanische Weiße und 66,9 Prozent für Schwarze. Perez et al. zitieren zusätzlich eine National-Cancer-Database-Auswertung mit Fünfjahres-Gesamtüberleben von 84,6 gegenüber 88,6 Prozent im Stadium I, 62,1 gegenüber 64 Prozent im Stadium II, 47,5 gegenüber 56,7 Prozent im Stadium III und etwa 16 Prozent in beiden Gruppen im Stadium IV.
Ob die schlechtere Prognose nur Verspätung ist oder zusätzlich eine aggressivere Biologie, bleibt offen. Mehrere Arbeiten sehen auch bei gleichem Stadium einen Nachteil. Männer kommen häufiger mit dicken Tumoren; ältere Menschen sehen die Fußsohle schlechter. Fehlende Aufklärung in Gruppen, die sich wegen dunkler Haut für „immun“ halten, und erschwerter Zugang zur Dermatologie tragen bei. Heilung verspricht keine Statistik. Dünne, nicht ulzerierte Läsionen ohne Knotenbefall haben deutlich bessere Aussichten als dick ulzerierte Tumoren mit Fernmetastasen.

Wie wird operiert und wann sind Lymphknoten betroffen?
Die weite lokale Exzision bleibt die Standardtherapie des Primärtumors. DermNet und StatPearls geben klinische Sicherheitsabstände nach Breslow an, analog zu AAD- und AJCC-Empfehlungen: 0,5 bis 1 Zentimeter bei In-situ-Befund, 1 Zentimeter unter 1 Millimeter Dicke, 1 bis 2 Zentimeter zwischen 1,01 und 2 Millimetern, 2 Zentimeter darüber. In die Tiefe geht die Resektion bis zur Faszie oder ins tiefe Fett, je nach anatomischer Lage. Große Defekte an Sohle und Hand brauchen oft Transplantat oder Lappen; primärer Verschluss heilt meist funktionell besser, wenn er gelingt.
An Fingern und Zehen ersetzen konservativere Exzisionen zunehmend die automatische Amputation, jedenfalls bei In-situ- und mäßig dicken Tumoren. StatPearls zitiert Serien, in denen weite Exzision ohne Knochenentfernung plus Vollhauttransplantat ähnliche krankheitsfreie Intervalle erreichte wie die Amputation, bei besserer Funktion. Für subunguale invasive Tumoren bleibt die Teilamputation oft nötig, um tiefe Ränder zu sichern. Mohs-Chirurgie ist laut NCCN-nahen Übersichten kein Routineverfahren für invasive kutane Melanome, wenn eine klassische weite Exzision machbar ist; an akralen In-situ-Herden wird sie fallweise diskutiert.
Die Wächterlymphknotenbiopsie (Sentinel-Technik) empfiehlt das NCI-PDQ bei einer Dicke von mindestens 0,8 Millimetern oder bei Ulzeration auch dünnerer Tumoren, sofern klinisch keine Knoten tastbar sind. Cheraghlou, Ugwu und Girardi (JAMA Dermatology, 2022) zeigten an 959 akral-lentiginösen Fällen der National Cancer Database, dass dieser Subtyp unabhängig mit dem höchsten Risiko eines positiven Sentinels einherging (Odds Ratio 1,91 gegenüber dem superfiziell spreitenden Typ). Im klinischen Stadium IB lag die Positivrate bei 18,39 Prozent, im Stadium II bei 39,53 Prozent. Deshalb sollte die Biopsie in diesen Stadien angeboten werden, sofern der Eingriff die Morbidität nicht unverhältnismäßig steigert.
Findet sich Tumor im Wächterknoten, folgt nicht mehr automatisch die komplette regionäre Ausräumung. Die Studie MSLT-II, die das NCI-PDQ referiert, fand keinen Vorteil im melanomspezifischen Überleben gegenüber Ultraschallbeobachtung der Leiste oder Achsel. Die komplette Dissektion kann die regionale Kontrolle verbessern, belastet aber Lymphabfluss und Wundheilung. Die Entscheidung fällt im Tumorboard, nicht nach einem starren Schema von 2010.
Welche Medikamente kommen bei fortgeschrittener Erkrankung infrage?
Bei inoperablem, metastasiertem oder hohem Rezidivrisiko stehen Immuncheckpoint-Hemmer im Vordergrund, nicht mehr hochdosiertes Interleukin-2. Das Merck Manual (Fachfassung, Stand April 2026) nennt PD-1-Antikörper (Pembrolizumab, Nivolumab) allein, kombiniert mit dem CTLA-4-Hemmer Ipilimumab oder mit dem LAG-3-Hemmer Relatlimab als typische Optionen der fortgeschrittenen kutanen Melanomerkrankung. Das NCI-PDQ beschreibt adjuvantes Pembrolizumab nach kompletter Entfernung von Stadium IIB und IIC (KEYNOTE-716, 200 Milligramm intravenös alle drei Wochen über etwa ein Jahr in der Zulassungsstudie) sowie Nivolumab in höheren Stadien. Diese Schemata stammen aus Studien, in denen akral-lentiginöse Fälle nur eine kleine Minderheit bildeten.
Das Ansprechen dieses Subtyps fällt oft schwächer aus als beim UV-reichen Melanom, weil die Mutationslast niedrig und das Immuninfiltrat spärlich ist. In der internationalen Serie von Bhave et al., die Perez 2024 zusammenfasst, lag die objektive Ansprechrate bei Ipilimumab-Monotherapie um 15 Prozent, bei PD-1-Monotherapie um 26 Prozent und bei der Kombination um 43 Prozent. Nakamura und Kollegen sahen am Nagelapparat mit der Kombination 61 Prozent gegenüber 10 Prozent unter PD-1 allein. Das sind retrospektive und asiatisch geprägte Kohorten, keine Garantie für den Einzelfall, aber sie erklären, warum Onkologinnen und Onkologen die Kombination trotz höherer Nebenwirkungen erwägen.
Gezielte Therapie kommt nur bei nachgewiesener Mutation infrage. BRAF-V600-Veränderungen sind seltener als beim Sonnenmelanom; wenn sie vorliegen, können BRAF- plus MEK-Hemmer genutzt werden. KIT-Inhibitoren wie Imatinib helfen laut NCI-PDQ vor allem bei aktivierenden KIT-Mutationen, kaum bei bloßer Genamplifikation. Dacarbazin, lange Standardchemotherapie, hat nie einen klaren Überlebensvorteil gezeigt. Aldesleukin (hochdosiertes Interleukin-2), das ältere Patiententexte noch als zugelassene Option für diese Form nannten, spielt in aktuellen Erstlinienempfehlungen praktisch keine Rolle mehr. Teilnahme an Studien bleibt sinnvoll, weil große, subtypspezifische Phase-III-Daten fehlen.
Was lässt sich im Alltag beobachten?
Sonnencreme schützt vor den häufigen Melanomen sonnenexponierter Haut, ersetzt aber nicht den Blick auf Sohlen und Nägel. Die Mayo Clinic rät, Brust, Rücken, Beine, Fußsohlen, Zehenzwischenräume und den Genitalbereich regelmäßig selbst zu betrachten, bei Bedarf mit Spiegel oder einer zweiten Person. Die Fuß-Seite der AAD hebt frühere Verletzungsstellen besonders hervor, weil dort später ein Tumor sitzen kann, ohne dass ein kausaler Beweis für jedes Trauma vorliegt.
Praktisch heißt das: einmal im Monat Sohlen, Handflächen und Nägel anschauen, Fotos bei unsicheren Flecken machen und Veränderungen datieren. Podologie und Diabetes-Fußsprechstunden sehen Schwielen und Ulzera täglich; CUBED-positive Befunde sollten dort nicht monatelang „entlastet“ werden, ohne dass jemand die Histologie klärt. Ethnische Nagelpigmentierung an mehreren Nägeln braucht meist keine Biopsie, ein neuer Einzelstreifen schon.
Kein Hausmittel, keine Salbe und kein Nagellack ersetzen die Gewebeprobe. Imiquimod-Creme wurde off-label bei In-situ-Herden erprobt, birgt aber das Risiko, invasive Anteile zu übersehen, und ist an dicker Hornschicht unzuverlässig. Wer bereits behandelt wurde, sollte neue Knoten in der Narbe, geschwollene Leistenknoten oder unerklärten Husten zeitnah melden, ohne jede Erkältung als Metastasierung zu deuten.
Häufige Fragen
Bekommen nur Menschen mit dunkler Haut dieses Melanom?
Nein. Die Inzidenzraten liegen laut Holman et al. (2023) bei hell- und dunkelhäutigen Gruppen in ähnlicher Größenordnung je Million Einwohner. Weil UV-Melanome bei dunkler Haut viel seltener sind, macht die akral-lentiginöse Form dort einen größeren Anteil aller Melanomdiagnosen aus. Hellhäutige Menschen können denselben Tumor an Sohle oder Nagel entwickeln und übersehen ihn, wenn sie nur den Rücken beobachten.
Reicht Sonnencreme als Vorbeugung?
Sonnenschutz senkt das Risiko der häufigen, UV-getriebenen Melanome, nicht nachweislich das dieser akralen Form. StatPearls und DermNet nennen keine gesicherte Primärprävention außer früher Erkennung. Handflächen und Fußsohlen gehören deshalb in die Selbstuntersuchung, unabhängig vom Lichtschutzfaktor.
Ist ein dunkler Streifen unter dem Nagel immer Krebs?
Nein. Blut nach Stoß, ethnische Melanonychie und manche Nävi erzeugen ebenfalls Streifen. Verdächtig sind ein einzelner breiter, unregelmäßiger Streifen, Nagelzerstörung und das Hutchinson-Zeichen. Dann sollte eine in Nageldiagnostik erfahrene Praxis über eine Matrixbiopsie entscheiden, nicht der Lack darüber.
Muss der Finger oder Zeh amputiert werden?
Nicht automatisch. Bei In-situ- und vielen mäßig dicken Tumoren kann eine weite Exzision mit Transplantat die Funktion erhalten, sofern die Ränder tumorfrei sind. Invasive subunguale Tumoren nahe am Knochen brauchen häufiger eine Teilamputation. Die Entscheidung hängt von Dicke, Lage und Rekonstruktion ab, nicht vom Namen des Subtyps allein.
Warum ist die Prognose oft schlechter als bei anderen Melanomen?
Verspätete Diagnose an schlecht einsehbaren Stellen, dickere und häufiger ulzerierte Tumoren sowie ein anderes Mutations- und Immunprofil kommen zusammen. Huang et al. (2020) bezifferten das melanomspezifische Fünfjahresüberleben auf 80,6 Prozent gegenüber 93,0 Prozent bei nicht-akralen kutanen Melanomen. Im Stadium IV nähern sich die Kurven an. Frühe Entdeckung bleibt der größte beeinflussbare Faktor.
Hilft eine Blutuntersuchung, den Tumor auszuschließen?
Ein unauffälliges Blutbild schließt nichts aus. LDH wird im Stadium IV als Prognosemarker genutzt, nicht als Screening. Die Diagnose steht und fällt mit der Haut- oder Nagelbiopsie plus Stadieneinteilung nach AJCC-8.

Fazit
Wer einen neuen, unregelmäßigen Fleck an Handfläche oder Fußsohle oder einen unerklärten Nagelstreifen bemerkt, sollte zeitnah eine dermatologische Untersuchung mit Dermatoskopie anstreben, statt die Stelle als Warze, Schwiele oder Bluterguss zu behandeln. CUBED-Kriterien, Hutchinson-Zeichen und Läsionen über 7 Millimetern sind praktische Schwellen für die Biopsie; die Gewebeprobe muss den dicksten Anteil treffen, sonst wird das Stadium zu niedrig angesetzt.
Die Therapie hat sich seit den Texten um 2018 verschoben. Weite Exzision nach Breslow bleibt der Kern, die Wächterknotenbiopsie ist bei Stadium IB und II besonders begründet, die komplette Lymphknotenausräumung ist nach MSLT-II kein Automatismus mehr. Fortgeschrittene Erkrankung wird mit PD-1-Antikörpern, oft in Kombination, und nur bei passender Mutation mit BRAF/MEK- oder KIT-Hemmern behandelt; hochdosiertes Interleukin-2 ist aus der Erstlinie verschwunden.
Sonnencreme ersetzt die Inspektion von Sohlen und Nägeln nicht. Das gilt für jede Hautfarbe, weil die Inzidenz dieses Subtyps rassenübergreifend ähnlich liegt, während der Anteil an allen Melanomen bei dunkler Haut höher ausfällt. Dünne, früh entfernte Tumoren haben deutlich bessere Aussichten als spät entdeckte Knoten mit Ulzeration.
Quellen
- Hall KH, Rapini RP: Acral Lentiginous Melanoma. StatPearls, 24. Juli 2023.
- Mahon C: Acral lentiginous melanoma. DermNet, Stand: April 2023.
- American Academy of Dermatology: Signs that could be melanoma on your foot. American Academy of Dermatology, Stand: 2024.
- Mayo Clinic Staff: Melanoma – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 30. Dezember 2023.
- National Cancer Institute: Melanoma Treatment (PDQ®)–Health Professional Version. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- Culp MB, Lunsford NB: Melanoma Among Non-Hispanic Black Americans. Preventing Chronic Disease, 20. Juni 2019.
- Holman DM, King JB et al.: Acral lentiginous melanoma incidence by sex, race, ethnicity, and stage in the United States, 2010–2019. Preventive Medicine, 1. September 2023.
- Cheraghlou S, Ugwu N, Girardi M: Sentinel Lymph Node Biopsy Positivity in Patients With Acral Lentiginous and Other Subtypes of Cutaneous Melanoma. JAMA Dermatology, 1. Januar 2022.
- Perez MC, Dugan MM et al.: Management of acral lentiginous melanoma: current updates and future directions. Frontiers in Oncology, 8. Februar 2024.
- Nambudiri VE: Melanoma (Malignant Melanoma). Merck Manual Professional Edition, Stand: April 2026.
