Epiglottitis: Symptome, Notfall und Behandlung

Epiglottitis: Symptome, Notfall und Behandlung

Eine Epiglottitis ist eine rasch fortschreitende Entzündung des Kehldeckels, die den Eingang zur Luftröhre zuschwellen und die Atmung binnen Stunden gefährden kann. Die Mayo Clinic (November 2022) stuft das Bild als medizinischen Notfall ein, weil die Schwellung den Luftstrom in die Lungen blockieren kann.

Der Kehldeckel sitzt als knorpelige Klappe an der Zungenwurzel und schließt beim Schlucken die Luftröhre, damit Speisen nicht in die Atemwege gelangen. Schwillt dieses Gewebe, bleibt der Weg auch in Ruhe eng; Kinder mit schmalerem Kehlkopf spüren das oft schneller als Erwachsene. Seit der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist die klassische Kinderkrankheit selten geworden, Erwachsene stellen heute den größeren Teil der Klinikfälle. Wer plötzlich kaum schlucken kann, speichelt oder hoch pfeifend einatmet, wählt den Notruf 112 und bleibt aufrecht sitzen.

Was ist eine Epiglottitis und warum wird sie gefährlich?

Epiglottitis bedeutet Entzündung und Schwellung des Kehldeckels samt benachbarter Strukturen oberhalb der Stimmlippen, oft auch als Supraglottitis bezeichnet. Die Schwellung kann den Atemweg so weit verengen, dass zu wenig Sauerstoff in die Lungen gelangt und ein Atemstillstand droht.

StatPearls (Aktualisierung Oktober 2024) beschreibt, dass sich die Entzündung bei Kindern vor allem am Kehldeckel selbst staut, während sie bei Erwachsenen häufiger die gesamte Region über der Stimmritze erfasst: Aryknorpel, aryepiglottische Falten, Vallecula und manchmal Zungengrund. Das lockere Gewebe an der Zungenseite des Kehldeckels nimmt Flüssigkeit schnell auf. Beim Kind wirkt der geschwollene Knorpel wie ein Kugelventil: Jeder Atemzug kann die Klappe weiter über den Eingang ziehen. Erwachsene haben steiferen Knorpel und ein weiteres Lumen, deshalb verläuft die Verlegung dort oft langsamer, bleibt aber lebensbedrohlich.

Die Cleveland Clinic (Stand 3. Februar 2025) nennt in den USA rund 0,5 Fälle je 100 000 Kinder und 1 bis 4 Fälle je 100 000 Erwachsene. Merck (Fachfassung, Juni 2026) setzt die Kinderinzidenz in gut geimpften Ländern unter 1 je 100 000 und schreibt, die Krankheit trete nun häufiger bei Erwachsenen mit Begleiterkrankungen auf. StatPearls nennt für die USA etwa 1 Fall je 100 000 Einwohner insgesamt und rund 3 Fälle je 100 000 Erwachsene; Erwachsene seien etwa dreimal so oft betroffen wie Kinder. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Registern und Jahren, die Richtung ist aber einheitlich: Die Hib-Impfung hat das Kinderbild stark ausgedünnt, das Erwachsenenbild nicht in gleichem Maß.

Ohne rasche Hilfe kann die Enge binnen weniger Stunden zur Erstickung führen. Merck betont, dass bei Kindern ein tödlicher Atemwegsverschluss schon wenige Stunden nach den ersten Schluckschmerzen möglich ist. Das rechtfertigt den Status als Notfall, auch wenn die Stimme noch klingt und der Rachen von außen unauffällig wirkt.

[Die Epiglottis spielt eine Schlüsselrolle bei der Verdauung und Atmung.]

Welche Symptome zeigen Kinder und Erwachsene?

Kinder entwickeln oft binnen Stunden Fieber, starke Halsschmerzen, Speichelfluss, Schluckunfähigkeit und einen hoch pfeifenden Einatemton, den Ärztinnen und Ärzte Stridor nennen. Erwachsene können dieselben Zeichen haben, häufig über mehr als 24 Stunden statt über einen Nachmittag.

Die Mayo Clinic listet bei Kindern zusätzlich Unruhe, Angst und die Neigung, sich aufzusetzen oder nach vorn zu lehnen, um besser Luft zu bekommen. Merck beschreibt die klassische Dreifußhaltung: aufrecht sitzen, nach vorn gebeugt, Nacken überstreckt, Kiefer vorgeschoben, Mund offen. Wer diese Haltung aufgibt, kann kurz vor der Erschöpfung der Atempumpe stehen. Speichelfluss ohne bellenden Husten gilt dort als besonders hinweisend. Der Rachen sieht dabei oft unauffällig aus; gerade der Widerspruch zwischen heftigem Schmerz und blandem Mundbefund soll den Verdacht wecken.

Erwachsene klagen nach Mayo Clinic über Halsschmerz, Fieber, kloßige oder heisere Stimme, Schluckstörung, Speichelfluss, Atemnot und Stridor. StatPearls ergänzt Druckschmerz über dem Zungenbein oder Kehlkopf, die Unfähigkeit flach zu liegen und eine „Heißkartoffelstimme“. Manche wirken zunächst nur fiebrig und abgeschlagen. Diabetes, Immunschwäche und ein Abszess am Kehldeckel erhöhen laut der Metaanalyse von Sideris und Kollegen (The Laryngoscope, 2020) die Chance, dass der Atemweg später gesichert werden muss.

Zyanose, also blasse, graue oder bläuliche Haut an Lippen, Zahnfleisch oder Handflächen, signalisiert Sauerstoffmangel. Der NHS (Review 27. März 2025) nennt zusätzlich extreme Erschöpfung oder starke Unruhe. Beides ist ein spätes Zeichen, kein Grund zum Abwarten. Ein Kind, das den Blickkontakt meidet, sich nicht trösten lässt und hochfieberhaft wirkt, gehört ebenfalls sofort in notärztliche Hände.

Wann gehört der Notruf 112 dazu?

Der Notruf 112 gehört zu jeder plötzlichen Kombination aus schwerer Atemnot und Schluckstörung, besonders wenn Speichel läuft oder ein pfeifender Einatemton zu hören ist. Die Mayo Clinic verlangt den örtlichen Notdienst oder die nächste Notaufnahme, sobald Atmen und Schlucken abrupt schwerfallen.

Bis der Rettungsdienst eintrifft, bleibt die Person aufrecht sitzen und möglichst ruhig. Hinlegen kann die Enge verstärken; der NHS warnt ausdrücklich davor, sich selbst hinters Steuer zu setzen. Die Cleveland Clinic rät, niemanden auf den Rücken zu legen und nichts in den Mund zu schieben. Beruhigen ohne Druck, keine Halsuntersuchung mit Löffel oder Spatel, kein erzwungenes Trinken.

Folgende Zeichen rechtfertigen den sofortigen Notruf, auch nachts und ohne Hausarztumweg:

  • Die Atmung wird pfeifend oder hörbar angestrengt, und Schlucken gelingt kaum noch.
  • Speichel läuft aus dem Mund, weil jeder Schluckschmerz die Person am Leerschlucken hindert.
  • Lippen, Zahnfleisch oder Handflächen wirken blass, grau oder bläulich verfärbt.
  • Ein Kind sitzt vornübergebeugt mit offenem Mund und weigert sich, sich hinzulegen.

Hausmittel, Inhalationen aus der Krupp-Schublade oder abschwellende Nasensprays ersetzen diesen Anruf nicht. StatPearls warnt davor, bei Verdacht auf Epiglottitis racemisches Adrenalin, unnötige Sedierung oder erzwungene Inhalatoren einzusetzen, weil Aufregung und Manipulation den Atemweg zum Kollaps bringen können. Sauerstoff darf behutsam angeboten werden, ohne Maske festzupressen. Wer unsicher ist, ob Krupp, Abszess oder Fremdkörper vorliegt, wählt trotzdem 112: Der Rettungsdienst kann den Atemweg sichern, eine Praxis am Abend nicht.

Welche Erreger und Verletzungen lösen die Entzündung aus?

Bakterien sind die häufigste Ursache; vor der Impfära war Haemophilus influenzae Typ b der klassische Kindererreger, heute überwiegen bei Erwachsenen andere Atemwegskeime. Verletzungen durch Hitze, Laugen, Schläge oder inhalierte Reizstoffe können denselben Schwellungsnotfall auslösen, auch ohne Infektion.

Hib wird durch Tröpfchen beim Husten oder Niesen weitergegeben. Viele tragen den Keim unbemerkt im Nasenrachen und können andere anstecken, ohne selbst krank zu wirken, schreibt die Mayo Clinic. In Ländern mit hoher Impfquote ist Hib-Epiglottitis bei Kindern selten, aber nicht verschwunden: Unvollständig geimpfte Säuglinge, Impflücken und einzelne Impfversagen bleiben möglich. StatPearls nennt für ungeimpfte Kinder weiterhin Hib in über 90 Prozent der pädiatrischen Fälle und erinnert, dass auch nicht-b-Typen von Haemophilus geimpfte Kinder treffen können.

Bei Erwachsenen isolieren Kliniken laut Merck und StatPearls häufig Streptococcus pneumoniae, beta-hämolysierende Streptokokken, Staphylococcus aureus, nicht typisierbare Haemophilus-Stämme, Haemophilus parainfluenzae, Moraxella catarrhalis und Klebsiella pneumoniae. Viren wie Varizella-Zoster oder Herpes-simplex lösen die Entzündung selten allein aus, können aber einer bakteriellen Superinfektion den Weg bereiten. Candida und Aspergillus kommen vor allem bei schwerer Immunschwäche vor.

Nichtinfektiöse Auslöser sind nach Mayo Clinic und Cleveland Clinic selten, aber klinisch gleichwertig: ein Schlag gegen den Hals, verschluckte heiße Flüssigkeit, Rauch oder Dampf, ätzende Chemikalien, ein Fremdkörper und das Inhalieren von Rauch oder Drogen. Merck nennt zusätzlich seltene autoimmune Zusammenhänge, etwa bei Sjögren-Syndrom. StatPearls listet als Erwachsenenrisiken mittleres Alter um 45 Jahre, männliches Geschlecht (etwa 3:1), Übergewicht, Diabetes, epiglottische Zysten und geschwächte Schleimhautabwehr. Die Krankheit selbst ist nicht „ansteckend“ wie eine Erkältung; ansteckend kann der zugrunde liegende Keim sein.

Wie sichert die Klinik die Diagnose ohne den Atemweg zu gefährden?

Zuerst sichert das Team den Atemweg und die Sauerstoffversorgung, erst danach folgen Blickdiagnose und Labors. Bei Kindern mit Verdacht darf niemand Rachen oder Kehlkopf in der Notaufnahme „kurz anschauen“, weil schon ein Spatel einen kompletten Verschluss auslösen kann.

Merck verlangt die direkte Sicht auf die Strukturen oberhalb der Stimmritze, in der Regel mit einer biegsamen Kehlkopfspiegelung durch die Nase, und zwar erst dort, wo Intubation und chirurgischer Atemweg sofort möglich sind, idealerweise im Operationssaal. Ein kirschroter, steifer, ödematöser Kehldeckel bestätigt die Diagnose. Bei manchen stabilen Erwachsenen ist die nasale Endoskopie unter Bereitschaft eines Anästhesie- und HNO-Teams vertretbar; bei Kindern bleibt sie an den kontrollierten Raum gebunden.

Seitliche Halsröntgenbilder können ein verbreitertes Kehldeckelprofil zeigen, das an einen Daumen erinnert. Die Mayo Clinic nennt dieses Bild hilfreich, aber nicht nötig für die Diagnose. StatPearls warnt, dass etwa 20 Prozent der seitlichen Aufnahmen die Entzündung verfehlen, und verbietet, ein Kind unbeaufsichtigt in die Radiologie zu schicken. Transport und Lagerung können den Atemweg zum Kippen bringen. Ein Kind mit Stridor gehört nicht ins Röntgen ohne gesicherten Weg. Blutkulturen und Abstriche vom Kehldeckel folgen nach Stabilisierung; StatPearls nennt positive Kehldeckelkulturen nach Intubation in etwa 50 bis 75 Prozent der Kinderfälle und positive Blutkulturen bei rund einem Viertel der Haemophilus-Fälle im Erwachsenenalter. Eine Gewebeprobe aus dem Kehldeckel gehört nicht zur Standardstrecke.

Worin unterscheiden sich Epiglottitis und Krupp?

Epiglottitis beginnt bei Kindern oft stundenweise, fieberhaft und ohne bellenden Husten, während viraler Krupp (Laryngotracheitis) meist langsamer kommt und den klassischen bellenden Husten trägt. Die Unterscheidung entscheidet, ob jemand sofort in den Operationssaal muss oder zunächst beobachtet und mit Krupp-Therapie behandelt werden kann.

Merck stellt die beiden Bilder tabellarisch gegenüber. Krupp betrifft vor allem Kinder zwischen etwa 6 und 36 Monaten, die Entzündung sitzt unterhalb der Stimmlippen, und das a.p.-Röntgen kann eine subglottische Enge zeigen, das sogenannte Kirchturmzeichen. Epiglottitis trifft ungeimpfte Kinder häufig zwischen 2 und 8 Jahren sowie Erwachsene; der Kehldeckel ist geschwollen, das seitliche Bild kann das Daumenzeichen tragen. Speichelfluss ohne Bellhusten spricht für den Kehldeckel, nicht für den Krupp.

Merkmal Epiglottitis Krupp
Beginn Bei Kindern oft stundenweise und heftig Eher schleichend über Stunden bis Tage
typisches Alter Ungeimpfte 2–8 Jahre sowie Erwachsene Häufig 6–36 Monate
bellender Husten Ungewöhnlich Typisch und führend
Speichelfluss Häufig, ohne Bellhusten Selten das Leitzeichen
Röntgenhinweis vergrößerter Kehldeckel, Daumenzeichen subglottische Enge, Kirchturmzeichen

Bakterielle Tracheitis, Fremdkörper, Peritonsillar- und Retropharyngealabszess, Angioödem und Verätzungen können dasselbe Alarmbild nachahmen. StatPearls betont, dass Impflücken den klinischen Blick wieder schärfen müssen: Wer Krupp erwartet und eine Epiglottitis übersieht, verliert Zeit. Im Zweifel gilt der strengere Pfad. Ein Kind mit Stridor bleibt ruhig, aufrecht und in Begleitung, bis ein erfahrenes Atemwegsteam entscheidet.

[Sauerstoffmaske]

Wie behandeln Klinikteams Atemweg und Infektion?

Die Behandlung hat zwei Ziele: den Atemweg offenhalten und den Erreger treffen, wobei die Atemwegsicherung Vorrang vor jeder Antibiotikagabe hat. StatPearls nennt Ceftriaxon oder ein gleichwertiges Mittel als bevorzugten Start, sobald der Weg gesichert oder zumindest überwacht ist.

Bei Kindern mit Stridor sichert das Team den Atemweg in der Regel sofort, möglichst im Operationssaal durch erfahrene Anästhesie und HNO. Merck beschreibt einen Endotrachealtubus, der oft 24 bis 48 Stunden nach Stabilisierung bleiben kann; die gesamte Intubationszeit liegt meist unter 60 Stunden. Gelingt die Intubation nicht, folgt ein Luftröhrenschnitt oder in der Notlage eine Nadelkoniotomie. Beutel-Masken-Beatmung kann kurz überbrücken, ersetzt aber den gesicherten Schlauch nicht. Nach der Sicherung gehören Kulturen, Intensivüberwachung und die Vermeidung unnötiger Manipulationen dazu. Ein Kind liegt nicht flach, solange der Weg unsicher ist.

Erwachsene brauchen nicht immer sofort einen Tubus. Die Metaanalyse von Sideris (2020, 10 148 Erwachsene) fand nach Einführung der Hib-Impfung einen Rückgang der Atemwegsintervention von 18,8 auf 10,9 Prozent. Booth und Kollegen (BJA Open, 2024, 10 630 Erwachsene) beziffern die aktuelle Rate auf etwa 10 Prozent, die Intubationsrate auf 10,2 Prozent und die Versagerquote auf 4,2 Prozent, also etwa 1 von 25 Versuchen. Stridor, epiglottischer Abszess und Diabetes waren die verlässlichsten Hinweise darauf, dass der Weg gesichert werden muss. Merck empfiehlt für weniger bedrohliche Erwachsene die Beobachtung auf der Intensivstation mit bereitem Intubations- und Koniotomieset. Unnötige Intubation kann schaden, weil der geschwollene Zugang schwer ist; zu langes Zuwarten kann ebenfalls schaden, weil die Verschlechterung abrupt kommt.

Sobald der Weg steht, gibt das Team ein intravenöses Betalaktamase-festes Antibiotikum. Merck nennt als Beispiel Ceftriaxon 50 bis 75 mg je Kilogramm Körpergewicht einmal täglich intravenös, höchstens 2 g; nach Resistenzlage wird verschmälert. StatPearls erwähnt auch Cefuroxim und Cefotaxim. Breitspektrum zuerst, gezielte Therapie nach Kultur. Kortikosteroide setzen manche Teams ein, um das Ödem zu senken; StatPearls hält eine kürzere Intensivzeit für möglich, eine einheitliche Leitlinie für alle Altersgruppen fehlt. Feuchte Sauerstoffgabe, aufrechte Lagerung und genug Flüssigkeit über die Vene gehören zur Stütze. Die Cleveland Clinic nennt die chirurgische Luftröhrenöffnung selten, aber bereitgehalten.

Welche Komplikationen können folgen?

Die gefährlichste Komplikation ist der vollständige Atemwegsverschluss mit Sauerstoffmangel, Atem- und Kreislaufstillstand. Daneben kann sich die Infektion in Blutbahn, Lunge, Hirnhäute, Gelenke oder das Herzfell ausbreiten.

Die Mayo Clinic nennt Atemversagen, wenn die Schwellung den Weg komplett schließt, sowie Pneumonie, Meningitis und Bakteriämie als mögliche Fernherde. StatPearls ergänzt epiglottischen Abszess, zervikale Lymphadenitis, Zellulitis, Empyem, septischen Schock, septische Arthritis, Lungenödem nach der Intubation und in seltenen Fällen Pneumothorax. Nach Intubation findet sich laut StatPearls bei etwa 15 Prozent der Kinder eine Pneumonie im Röntgen. Ein Abszess am Kehldeckel kann die Schwellung verstärken und die Intubation erschweren; manche Kliniken punktieren ihn mit einer feinen Nadel, sobald der Weg sicher ist.

Ältere Erwachsenenserien, die StatPearls zitiert, nannten Sterblichkeiten von 7 bis 10 Prozent, deutlich höher als bei Kindern. Nach gesichertem kindlichem Atemweg liegt die Sterblichkeit dort unter 1 Prozent, sofern Diagnose und Transport nicht verzögert wurden. Die Cleveland Clinic schreibt, die meisten Menschen erholten sich bei rascher Versorgung vollständig. Die Spanne erklärt sich aus Alter, Begleiterkrankungen, Abszess und dem Zeitpunkt, zu dem der Weg gesichert wurde. Verzögerung, ein unbeaufsichtigter Röntgengang und eine Racheninspektion ohne bereites Atemwegsteam bleiben die vermeidbaren Fehler.

Wie senkt die Hib-Impfung das Risiko?

Die Hib-Konjugatimpfung ist der wirksamste Schutz vor der klassischen Kinder-Epiglottitis durch Haemophilus influenzae Typ b, ersetzt aber keinen Notfallplan, weil andere Keime und Verletzungen denselben Schwellungsnotfall auslösen können. Das CDC (22. September 2025) empfiehlt die Impfung für alle Kinder unter fünf Jahren.

Vor den Impfstoffen der 1980er-Jahre schätzte das CDC Pink Book (Kapitel 8, Stand 21. Mai 2024) in den USA etwa 20 000 invasive Hib-Erkrankungen pro Jahr, vor allem bei unter Fünfjährigen, mit 40 bis 50 Fällen je 100 000. Meningitis machte 50 bis 65 Prozent dieser invasiven Bilder aus, Epiglottitis war eine weitere schwere Manifestation. Seit den Konjugatimpfstoffen ist die Inzidenz invasiver Hib-Erkrankungen um mehr als 99 Prozent gesunken. Das Surveillance-Handbuch des CDC (30. Oktober 2024) nennt für 2015 bis 2022 im Schnitt 0,14 Hib-Fälle je 100 000 Kinder unter fünf Jahren. Die Mehrheit invasiver Haemophilus-Infektionen geht heute von nicht typisierbaren Stämmen aus, gegen die die Hib-Impfung nicht schützt.

In den USA liegt das Schema je nach Präparat bei Dosen mit 2 und 4 Monaten, gegebenenfalls 6 Monaten, plus Auffrischung zwischen 12 und 15 Monaten. Säuglinge unter sechs Wochen sollen die Impfung nicht erhalten, weil eine Immuntoleranz drohen kann. Kinder über fünf Jahre und Erwachsene brauchen sie in der Regel nicht, außer bei Milzverlust, Sichelzellkrankheit, HIV, Chemotherapie oder nach Stammzelltransplantation, wie Mayo Clinic und CDC übereinstimmend schreiben. Der NHS bietet Hib im Sechsfachimpfstoff mit vier Dosen im Säuglings- und Kleinkindalter an. Mehr als 95 Prozent der Säuglinge bilden nach der Grundserie schützende Antikörper, so das CDC auf den Seiten für Behandler; einzelne Durchbrüche kommen vor.

Nach nachgewiesenem invasivem Hib kann das Gesundheitsamt für Haushaltskontakte eine Chemoprophylaxe anordnen. Das CDC-Surveillance-Kapitel nennt Rifampicin 20 mg je Kilogramm einmal täglich, höchstens 600 mg, über vier Tage; für Neugeborene unter einem Monat 10 mg je Kilogramm. Das gilt für Haushalte mit nicht vollständig geimpften Kindern unter vier Jahren oder mit immunsupprimierten Mitgliedern unter 18 Jahren, unabhängig vom Impfstatus. Die Impfung ersetzt diese Kurzprophylaxe nicht. Händewaschen und Abstand zu hustenden Personen senken die Tröpfchenlast, ersetzen die Impfung aber nicht.

Wie verläuft die Genesung nach dem Klinikaufenthalt?

Mit gesichertem Atemweg und passender Antibiotikatherapie bessern sich die meisten Patientinnen und Patienten binnen zwei bis drei Tagen spürbar. Die Cleveland Clinic nennt typischerweise drei bis fünf Kliniktage und etwa eine Woche bis zur weitgehenden Erholung; ein Beatmungsschlauch bleibt oft nur wenige Tage.

StatPearls erwartet klinische Besserung in 48 bis 72 Stunden, hält aber eine Antibiotikadauer von etwa sieben Tagen für nötig. Nur fieberfreie Personen sollen nach Hause. Die Cleveland Clinic betont, die gesamte verordnete Strecke zu Ende zu nehmen, auch wenn der Hals schon weniger brennt. Schlucken, Stimme und Belastbarkeit holen nach; scharfe Speisen, Rauch und heiße Getränke reizen die noch empfindliche Schleimhaut. Rückenschmerzen vom Liegen auf der Intensivstation oder Heiserkeit nach dem Tubus klingen in der Regel ab, sind aber ein Grund für die vereinbarte Kontrolle, nicht für Eigenversuche mit Rachensprays.

Wiederholte Episoden sind laut StatPearls selten und können eine immunologische Abklärung rechtfertigen. Kinder unter 24 Monaten, die eine invasive Hib-Erkrankung durchgemacht haben, sollen die Impfserie wiederholen, weil der Schutz nach der Krankheit unzuverlässig bleibt; ältere Kinder bilden meist selbst Antikörper. Wer den Keim im Haushalt hatte, folgt den Anweisungen des Gesundheitsamts zur Kurzprophylaxe. Atemnot, erneut laufender Speichel oder Fieber nach der Entlassung sind kein Termin für die nächste Woche, sondern wieder ein Notruffall.

Häufige Fragen

Ist eine Epiglottitis ansteckend?

Die Schwellung selbst springt nicht wie eine Erkältung über, der auslösende Keim kann es aber. Hib und andere Atemwegsbakterien gelangen über Tröpfchen in Nase und Rachen; viele Träger bleiben gesund. Ob daraus eine Kehldeckelentzündung wird, hängt von Impfstatus, Immunlage und Zufall ab. Haushaltskontakte eines nachgewiesenen Hib-Falls können eine vom Gesundheitsamt angeordnete Kurzprophylaxe brauchen.

Können geimpfte Kinder trotzdem erkranken?

Ja, weil die Hib-Impfung nur Typ b abdeckt und andere Bakterien, Pilze oder Verletzungen denselben Notfall auslösen können. Das CDC schreibt, die Impfstoffe wirkten gut, verhinderten aber nicht jeden Fall. Unvollständige Serien und sehr junge Säuglinge vor der Grundimmunisierung bleiben anfälliger. Jedes Kind mit plötzlichem Speichelfluss und Stridor verdient denselben Notfallpfad, unabhängig vom Impfpass.

Darf ich den Rachen zu Hause anschauen?

Nein. StatPearls und Merck warnen davor, die Zunge herunterzudrücken, weil schon dieser Reiz einen kompletten Verschluss auslösen kann. Auch in der Klinik prüft das Team den Kehlkopf nur dort, wo Intubation und chirurgischer Atemweg sofort möglich sind. Bis der Rettungsdienst da ist, bleibt die Person aufrecht, ruhig und ohne Gegenstände im Mund.

Wie lange dauert die Genesung?

Viele Menschen fühlen sich nach zwei bis drei Tagen Behandlung deutlich besser und verlassen die Klinik nach wenigen Tagen. Die Cleveland Clinic nennt oft drei bis fünf Stationstage und etwa eine Woche bis zur weitgehenden Erholung. Antibiotika laufen meist länger als die Beschwerden, häufig rund sieben Tage. Ein Tubus wird entfernt, sobald um den entblockten Schlauch wieder Luft entweicht und die Schwellung nachlässt.

Brauchen Kontaktpersonen Antibiotika?

Nur wenn der Nachweis auf Hib lautet und das Gesundheitsamt die Kriterien für eine Chemoprophylaxe erfüllt sieht. Das CDC nennt dafür Rifampicin über vier Tage in der oben genannten Dosis, vor allem in Haushalten mit nicht vollständig geimpften Kleinkindern oder immunsupprimierten Jugendlichen. Gegen Streptokokken oder Staphylokokken als Zufallserreger gilt diese Regel nicht automatisch. Die Entscheidung trifft nicht die Nachbarschaft, sondern das zuständige Amt zusammen mit der Klinik.

Unterscheidet sich die Krankheit bei Erwachsenen?

Ja. Erwachsene erkranken heute häufiger als Kinder, der Verlauf zieht sich oft über mehr als einen Tag, und nur etwa jeder Zehnte braucht einen Beatmungsschlauch. Kinder mit Verdacht werden in der Regel sofort intubiert, Erwachsene ohne Stridor oft auf der Intensivstation beobachtet. Diabetes, Abszess und Stridor kippen diese Zurückhaltung. Die Sterblichkeit in älteren Erwachsenenserien lag höher als bei Kindern; rasche Sicherung und Antibiotika können den Verlauf aber wenden.

Fazit

Wer plötzlich kaum Luft bekommt und kaum schlucken kann, wählt 112 und bleibt sitzen, statt den Rachen zu inspizieren oder selbst zu fahren. Die Hib-Impfung hat die Kinder-Epiglottitis in geimpften Ländern selten gemacht, das Erwachsenenbild und nicht-bakterielle Schwellungen sind geblieben. Andere Keime, heiße Flüssigkeiten und Rauch ersetzen Hib als Auslöser, der Notfallcharakter bleibt.

In der Klinik zählt zuerst der Atemweg, dann das intravenöse Antibiotikum, bei Kindern meist mit sofortiger Sicherung im Operationssaal, bei vielen Erwachsenen mit engmaschiger Intensivbeobachtung. Stridor, Abszess und Diabetes sind die Zeichen, die diesen konservativen Pfad beenden. Ceftriaxon in der von Merck genannten Spanne ist ein üblicher Start, die Dauer richtet sich nach Klinik und Kultur.

Für den Alltag zählt die vollständige Hib-Serie im Säuglingsalter, das Nachholen fehlender Dosen und der Verzicht auf Halsmanipulation bei Verdacht. Nach der Entlassung die verordneten Antibiotika zu Ende nehmen und bei neuem Speichelfluss oder Pfeifton erneut den Notruf wählen, nicht den nächsten Werktag abwarten.

Quellen

  1. Mayo Clinic: Epiglottitis – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 11. November 2022.
  2. Mayo Clinic: Epiglottitis – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 11. November 2022.
  3. Cleveland Clinic: Epiglottitis: Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 3. Februar 2025.
  4. Cheng AG: Epiglottitis – Otolaryngology – Merck Manual Professional Edition. Merck Manual Professional Edition, Stand: Juni 2026.
  5. Centers for Disease Control and Prevention: Hib Vaccination. Centers for Disease Control and Prevention, 22. September 2025.
  6. Oliver SE, Moro P, Blain AE: Chapter 8: Haemophilus influenzae. Centers for Disease Control and Prevention, 21. Mai 2024.
  7. Collins JP, Rubis A: Chapter 2: Haemophilus influenzae invasive disease. Centers for Disease Control and Prevention, 30. Oktober 2024.
  8. Sutton AE, Waseem M: Epiglottitis – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 5. Oktober 2024.
  9. Booth AWG, Pungsornruk K, Llewellyn S et al.: Airway management of adult epiglottitis: a systematic review and meta-analysis. BJA Open, 5. Januar 2024.
  10. Sideris A, Holmes TR, Cumming B et al.: A systematic review and meta-analysis of predictors of airway intervention in adult epiglottitis. The Laryngoscope, 7. Juni 2019.
  11. National Health Service: Epiglottitis – NHS. National Health Service, 27. März 2025.
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