Herzblock: Grade, Symptome und wann zum Arzt

Herzblock: Grade, Symptome und wann zum Arzt

Ein Herzblock ist eine Verzögerung oder Unterbrechung der elektrischen Impulse zwischen den Vorhöfen und den Kammern. Das Herz schlägt dann zu langsam, unregelmäßig oder mit Pausen; das ist etwas anderes als eine verengte Herzkranzarterie, die den Blutfluss und nicht die Reizleitung betrifft.

Die Cleveland Clinic (Stand April 2024) beschreibt den Herzblock als Störung am atrioventrikulären Knoten, dem Tor zwischen oberen und unteren Kammern. Bleibt das Signal stecken, pumpt das Herz weniger Blut. Leichte Formen bleiben oft unbemerkt, schwere können zu Ohnmacht, Luftnot und selten zum Kreislaufstillstand führen. MedlinePlus (Aktualisierung Mai 2025) nennt den kompletten Block einen Notfall, der sofortige Hilfe braucht.

Ältere Ratgeber vermischten AV-Block und Schenkelblock und rieten pauschal vom MRT ab. Die US-Leitlinie von ACC, AHA und HRS aus dem Jahr 2018 und die europäische Schrittmacherleitlinie der ESC von 2021 trennen Grade, Ort der Blockade und reversible Ursachen. Ein dauerhafter Schrittmacher ist bei Mobitz-Typ-II- und Drittgradblock ohne behebbaren Auslöser empfohlen, auch ohne Symptome. Lyme-Karditis und bestimmte Medikamente können sich zurückbilden; MRT-taugliche Systeme erlauben unter Auflagen eine Magnetresonanztomografie.

Was ist ein Herzblock, und wie unterscheidet er sich von der KHK?

Ein Herzblock stört die elektrische Bahn, die den Schlag von den Vorhöfen zu den Kammern steuert. Die koronare Herzkrankheit verengt dagegen die Arterien, die den Herzmuskel mit Blut versorgen.

Das NHLBI (Stand März 2022) fasst beides unter Leitungsstörungen, trennt aber klar. Der Sinusknoten startet den Impuls, die Vorhöfe ziehen sich zusammen, der AV-Knoten bremst kurz, dann laufen His-Bündel und Schenkel zu den Kammern. Bricht diese Kette, ändert sich Takt oder Reihenfolge der Kontraktion. Eine Plaque in einer Kranzarterie kann Brustschmerz oder Infarkt auslösen, ohne dass die Leitung zuerst versagt. Umgekehrt kann ein reiner Leitungsblock ohne Engstelle entstehen, etwa durch Narben, Medikamente oder eine Entzündung.

Beide Krankheiten treffen sich trotzdem oft. Ein Infarkt kann das Reizleitungssystem zerstören, besonders im unteren oder vorderen Wandbereich. Das Merck Manual (Vollrevision September 2024) nennt ischämische Herzkrankheit als Ursache von etwa einem Fünftel der AV-Blöcke. Wer also Schwindel und Brustdruck gleichzeitig spürt, braucht eine Abklärung beider Ebenen. Der Begriff Herzblock allein sagt nichts über verstopfte Gefäße aus.

Alltagsbegriffe verwirren zusätzlich. Viele meinen mit Block einen Infarkt. Ärztinnen meinen eine Leitungsverzögerung oder einen Leitungsausfall. Die British Heart Foundation unterscheidet AV-Blöcke zwischen Vorhof und Kammer von Schenkelblöcken in den unteren Kammern. Wer den Befund auf einem EKG-Ausdruck liest, sollte nachfragen, welcher Abschnitt gemeint ist und ob der Takt nur verzögert oder zeitweise unterbrochen ist.

[Diagramm des menschlichen Herzens]

Welche Grade der AV-Blockade gibt es?

Die Schwere hängt davon ab, wie viele Impulse die Kammern noch erreichen. Erstgrad bleibt eine Verzögerung, Zweitgrad lässt Schläge aus, Drittgrad trennt Vorhöfe und Kammern vollständig.

StatPearls (Aktualisierung Februar 2024) definiert den Erstgrad als PR-Intervall über 200 Millisekunden bei durchgehender 1:1-Überleitung. Jede P-Welle erzeugt einen Kammerkomplex, nur später als üblich. Das Merck Manual nennt Werte über 0,3 Sekunden markiert; dann kann die Vorhofkontraktion die Kammerfüllung stören, und Belastung wird schwerer. Junge Trainierte und Menschen mit hohem Vagotonus können denselben Befund ohne Krankheit haben. Behandlung ist selten nötig, solange keine Medikamente die Leitung unnötig drosseln.

Der Zweitgrad teilt sich in zwei Muster. Bei Mobitz Typ I, auch Wenckebach, wird die PQ-Zeit von Schlag zu Schlag länger, bis ein Impuls ausfällt. Sitzt die Störung im AV-Knoten und bleibt der QRS-Komplex schmal, entsteht bei Fortschritt oft ein verlässlicher Ersatzrhythmus um 35 bis 55 Schläge pro Minute. Mobitz Typ II hält die PQ-Zeit konstant und lässt unerwartet Schläge aus. Das Merck Manual verortet diesen Typ immer im His-Bündel oder in den Schenkeln und warnt vor plötzlichem Übergang in den kompletten Block. Der ventrikuläre Ersatz kann dann auf 20 bis 40 Schläge fallen und versagen.

Beim Drittgrad erreichen Vorhofimpulse die Kammern nicht mehr. P-Wellen und QRS laufen unabhängig. Ein Ersatz aus dem AV-Knoten hält oft 35 bis 50 Schläge und bleibt relativ stabil. Ein tiefer ventrikulärer Ersatz ist langsamer und unzuverlässiger. StatPearls zitiert für unbehandelte Drittgradblöcke ein Fünfjahresüberleben von nur 37 Prozent. Das erklärt, warum Leitlinien hier nicht auf Beschwerden warten.

Grad EKG-Merkmal Typische Lage Therapieansatz
I. Grad PR über 200 ms, jeder Schlag kommt an meist AV-Knoten Beobachten, Auslöser prüfen
II. Grad, Mobitz I PR wird länger, dann Ausfall oft AV-Knoten Schrittmacher nur bei Symptomen oder infranodalem Sitz
II. Grad, Mobitz II konstante PR-Zeit, plötzliche Ausfälle His-Purkinje-System dauerhafter Schrittmacher, wenn nichts Reversibles
Hochgradig mindestens zwei aufeinanderfolgende P-Wellen ohne QRS variabel in der Regel Schrittmacher
III. Grad keine Vorhof-Kammer-Kopplung Knoten oder darunter dauerhafter Schrittmacher, wenn nichts Reversibles

Ein 2:1-Muster, bei dem jede zweite P-Welle ausfällt, lässt sich im Ruhe-EKG oft nicht sicher Typ I oder II zuordnen. Dann helfen Belastung, Langzeitaufzeichnung oder eine elektrophysiologische Messung, den Ort festzulegen.

Was ist ein Schenkelblock?

Ein Schenkelblock verzögert den Impuls in der rechten oder linken Kammer, nachdem er den AV-Knoten passiert hat. Die Kammern schlagen dann nacheinander statt gleichzeitig.

Die Cleveland Clinic (Aktualisierung Juni 2026) beschreibt den Rechtsschenkelblock als Unterbrechung zur rechten Kammer und den Linksschenkelblock als Unterbrechung zur linken. Viele Betroffene merken nichts. Symptome wie Schwindel oder Luftnot treten eher auf, wenn beide Schenkel betroffen sind oder eine Herzkrankheit dahintersteckt. Der rechte Schenkel kann bei Lungenerkrankungen, Lungenembolie oder ohne erkennbaren Schaden erscheinen. Der linke Schenkel gilt häufiger als Hinweis auf eine strukturelle Herzkrankheit.

Die ACC/AHA/HRS-Leitlinie 2018 empfiehlt bei neu entdecktem Linksschenkelblock eine transthorakale Echokardiografie, ebenso bei Mobitz II, hochgradigem oder komplettem AV-Block. Ziel ist, eine geschwächte Pumpleistung oder eine Klappenkrankheit nicht zu übersehen. Brustschmerz plus neuer Linksschenkelblock kann einen Infarkt anzeigen und gehört in die Notaufnahme, nicht in die nächste Routinekontrolle.

Therapie richtet sich nach der Ursache, nicht nach dem EKG-Muster allein. Bluthochdruck, Herzschwäche oder eine Klappenstenose werden behandelt. Ein Zweikammerschrittmacher oder ein biventrikuläres System (kardiale Resynchronisationstherapie) kommt infrage, wenn die Kammern stark asynchron arbeiten und die Pumpfunktion sinkt. Ein isolierter Rechtsschenkelblock ohne Beschwerden braucht oft nur Verlaufskontrollen. Verwechselt man ihn mit einem AV-Block, entsteht unnötige Angst oder, schlimmer, eine falsche Entwarnung.

Welche Ursachen und Risiken hat ein Herzblock?

Narben und Alterung des Leitungssystems sind die häufigsten erworbenen Ursachen. Das Merck Manual rechnet idiopathische Fibrose und Sklerose etwa 40 Prozent der Fälle zu, ischämische Herzkrankheit etwa 20 Prozent.

StatPearls nennt als weitere Auslöser Infarkt, Klappeneingriffe, kathetergestützten Aortenklappenersatz, Myokarditis, Lyme-Borreliose, Sarkoidose, Elektrolytstörungen, Schilddrüsenkrankheit und Medikamente. Betablocker, nicht-dihydropyridine Kalziumantagonisten, Digoxin, Amiodaron sowie manche Psychopharmaka können die Überleitung drosseln, besonders wenn das Leitungssystem schon vorgeschädigt ist. Hoher Vagotonus bei jungen Menschen und Ausdauersportlern erzeugt knotennahe Blöcke, die nachts oder in Ruhe auftauchen und selten ein Gerät brauchen.

Ein angeborener kompletter Block entsteht ohne Herzfehler vor allem durch mütterliche Autoantikörper (anti-Ro und anti-La), etwa bei Lupus der Schwangeren. StatPearls schätzt etwa einen Fall auf 15 000 Geburten; Totgeburten lassen die Zahl vermutlich unterschätzt. Kinder mit Strukturfehlern wie AV-Kanal oder Transposition tragen ein eigenes Risiko. Nach Herzoperationen und nach TAVI bleibt ein Teil der Patientinnen dauerhaft schrittmacherabhängig, besonders Männer mit vorbestehendem Schenkelblock.

Bei neuem hochgradigem Block zwischen 18 und 60 Jahren ohne offene Herzkrankheit sucht das Merck Manual gezielt nach kardialer Sarkoidose; bis zu einem Drittel dieser Gruppe erhält die Diagnose nach gezielter Bildgebung. Schlafapnoe steigert nächtliche Bradykardien, ist laut ACC/AHA/HRS 2018 aber für sich keine Indikation zum Dauergerät. Familiäre Leitungsstörungen und Muskeldystrophien gehören in die Spezialsprechstunde, weil dort oft Schrittmacher plus Defibrillator diskutiert wird.

Wann zum Arzt, wann der Notruf 112?

Schwindel, unerklärte Ohnmacht, neue Luftnot oder ein plötzlich sehr langsamer Puls gehören zeitnah zur Ärztin. Brustschmerz, Bewusstlosigkeit oder Zeichen eines Infarkts rechtfertigen den Notruf 112.

MedlinePlus listet für Zweit- und Drittgrad Brustschmerz, Schwindel, Ohnmacht, Erschöpfung und Herzklopfen. Die Cleveland Clinic ergänzt Übelkeit und rasche Atmung und betont, dass Drittgradbeschwerden wegen der langsamen Kammerfrequenz heftiger ausfallen. Die British Heart Foundation rät bei schweren oder plötzlichen Symptomen zum Notruf. Mayo Clinic (Arrhythmie-Übersicht, Stand 2026) nennt Brustschmerz, Luftnot und Ohnmacht als Notfallzeichen unabhängig vom späteren EKG-Label.

Ein Erstgrad ohne Beschwerden taucht oft zufällig auf. Trotzdem lohnt ein Gespräch, wenn neue Medikamente dazugekommen sind oder die Belastbarkeit sinkt. Wer bereits einen bekannten Zweitgrad hat und plötzlich häufiger stolpert oder schwarz vor Augen wird, sollte nicht auf den nächsten Kontrolltermin warten. Dasselbe gilt für geschwollene Knöchel, nächtliche Luftnot und rasche Gewichtszunahme; das können Zeichen einer Herzschwäche sein, die der langsame Takt verschlimmert.

  • Rufen Sie 112, wenn Brustschmerz, schwere Luftnot oder Bewusstlosigkeit neu auftreten und nicht in Sekunden vergehen.
  • Suchen Sie noch am selben Tag Hilfe, wenn Schwindel, fast-Ohnmacht oder ein Puls unter 40 in Ruhe dazukommen.
  • Melden Sie der Praxis Fieber, Zeckenstich und wandernde Rötung plus langsamem Puls, weil eine Lyme-Karditis rasch schwanken kann.
  • Brechen Sie Betablocker oder Digoxin nicht selbst ab; die Dosisänderung gehört in ärztliche Hand, sonst drohen Rebound oder Entzug.

Nach einem Infarkt kann der Block innerhalb von Stunden wechseln. Ein unterer Infarkt trifft oft den AV-Knoten und bildet sich häufig zurück. Ein Vorderwandinfarkt zerstört eher das His-Purkinje-System; dann ist ein temporärer Draht früh sinnvoll, bis klar ist, ob ein Dauergerät nötig wird.

Wie wird ein Herzblock erkannt?

Das Ruhe-EKG zeigt Grad und oft den Ort der Blockade. Reichen zwölf Ableitungen nicht, weil die Aussetzer nur minutenweise kommen, folgt ein Langzeit-EKG.

StatPearls nennt das 12-Kanal-EKG unverzichtbar, warnt aber, dass ein einmaliger Streifen seltene Pausen verfehlt. Ambulantes Monitoring über 24 bis 48 Stunden oder länger korreliert Beschwerden mit dem Rhythmus besser. Ein Event-Recorder oder ein implantierbarer Loop-Recorder hilft, wenn Synkopen selten sind. Belastungs-EKG kann einen belastungsabhängigen Block entlarven und bei 2:1-Mustern den Sitz eingrenzen. Verschwindet der Block unter Belastung, spricht das für einen knotennahe, vagal mitbeeinflussten Sitz; tritt er erst unter Last auf, liegt er eher tiefer.

Die Leitlinie 2018 verlangt ein Echo bei neuem Linksschenkelblock und bei höhergradigem AV-Block. Kardiale Magnetresonanztomografie kommt infrage, wenn Myokarditis oder eine Speicherkrankheit vermutet wird. Labor umfasst je nach Klinik Elektrolyte, Nierenwerte, Schilddrüsenhormone und Digoxinspiegel. Bei Zeckenrisiko folgt die Lyme-Serologie, ohne dass man bei hohem Verdacht auf das Ergebnis wartet. Eine elektrophysiologische Untersuchung bleibt Reserve, wenn nichtinvasive Tests den Block nicht beweisen, die Synkope aber weiter ungeklärt ist.

Kipptisch und Schlafdiagnostik klären eher Begleiter, nicht den Block selbst. Der Kipptisch sucht nach vagaler Ohnmacht. Schlafapnoe-Screening lohnt bei nächtlichen Pausen mit gleichzeitig langsamer Vorhoffrequenz. Das NHLBI erwähnt genetische Tests bei familiären Ionenkanalerkrankungen; für den klassischen Altersblock der His-Bahn sind sie selten nötig.

[EKG]

Wann hilft ein Herzschrittmacher?

Ein dauerhafter Schrittmacher ist bei erworbenem Mobitz-Typ-II-, hochgradigem oder komplettem AV-Block ohne reversible Ursache empfohlen, auch wenn jemand sich noch tolerabel fühlt.

So formulieren es ACC, AHA und HRS 2018 und, in gleicher Linie, die ESC 2021. Für Erstgrad und symptomfreien Mobitz I am AV-Knoten bleibt Beobachten die Regel, sofern keine fortschreitende Leitungsstörung dazugehört. Ein sehr langes PR-Intervall kann die Vorhof-Kammer-Synchronie so stören, dass Belastungsschwäche entsteht; dann wird ein Gerät individuell erwogen. Dualkammer-Systeme sind laut StatPearls Standard, Einzelkammer-Systeme bleiben bei dauerhaftem Vorhofflimmern oder schwerer Gebrechlichkeit eine Option.

Die ESC 2021 hat die His-Bündel-Stimulation als eigenes Thema aufgenommen. Statt die rechte Kammerspitze allein zu takten, nutzt die Sonde die natürliche Bahn, damit beide Kammern koordinierter arbeiten. Die linke Schenkelbereichsstimulation war 2021 noch ohne feste Empfehlung, weil Langzeitdaten fehlten; sie wird seither in Zentren häufiger eingesetzt. Kardiale Resynchronisationstherapie bleibt bei Herzschwäche und breitem Linksschenkelblock die besser belegte Alternative. Ein sondenloser Mini-Schrittmacher, von MedlinePlus als etwa zwei bis drei Kapseln groß beschrieben, kann in ausgewählten Fällen die rechte Kammer von innen takten.

Akut zählt Stabilität. Atropin hilft vor allem bei knotennahem Block. Temporäre Stimulation über eine Vene bleibt den hämodynamisch instabilen Fällen vorbehalten, weil Infektion und Perforation das spätere Dauergerät gefährden. StatPearls warnt vor dem Reflex, jeden höhergradigen Block sofort mit einem temporären Draht zu versorgen. Erst Blutdruck, Dauer der Symptome und Qualität des Ersatzrhythmus prüfen, dann entscheiden.

Welche Blockaden können sich zurückbilden?

Ja, ein Teil der Blöcke ist vorübergehend. Medikamente, Elektrolyte, ein unterer Infarkt, hoher Vagotonus und Lyme-Karditis können sich erholen, sobald die Ursache weicht.

Die Cleveland Clinic schreibt, dass ein Medikamentenwechsel die Störung beenden kann, während andere Ursachen lebenslang bleiben. Das CDC (Stand 15. Mai 2024) beschreibt Lyme-Karditis als Eindringen der Borrelien ins Herzgewebe mit rasch wechselndem Block. Etwa einer von hundert an die Behörde gemeldeten Lyme-Fällen betrifft das Herz. Typisch sind Schwindel, Ohnmacht, Herzklopfen, Brustschmerz plus Fieber, Gliederschmerzen oder eine wandernde Rötung. Erholung tritt oft innerhalb von einer bis sechs Wochen ein. Manche brauchen vorübergehend ein temporäres Gerät; ein dauerhafter Schrittmacher ist die Ausnahme.

Laut CDC erhalten Erwachsene mit leichtem Erstgrad und PR unter 300 Millisekunden orale Antibiotika über 14 bis 21 Tage, etwa Doxycyclin 100 Milligramm zweimal täglich, Amoxicillin 500 Milligramm dreimal täglich oder Cefuroxim 500 Milligramm zweimal täglich. Bei Symptomen, PR ab 300 Millisekunden oder Zweit- und Drittgrad folgt stationäre Überwachung und zunächst Ceftriaxon 2 Gramm intravenös einmal täglich, danach oft Umstieg auf Tabletten. Die Infektionsleitlinie von IDSA, AAN und ACR (2020) rät bei schwerer Karditis ebenfalls zur Klinik und zu temporärer statt permanenter Stimulation. Dosen gelten nur nach ärztlicher Verordnung; Schwangerschaft, Kinderalter und Allergien ändern die Wahl.

Nach unterem Infarkt löst sich der knotennahe Block häufig in Tagen. Nach Vorderwandinfarkt bleibt die Prognose unsicherer. Postoperativ nach angeborenen Herzfehlern wartet man bei Kindern oft sieben bis zehn Tage, weil sich der Block noch schließen kann; die ESC 2021 hält fest, dass unbehandelter postoperativer Komplettblock eine schlechte Prognose hat. Wer ein Mittel absetzt und der Rhythmus sich normalisiert, braucht trotzdem Kontrolle, weil der Block später ohne das Mittel wiederkehren kann.

Was ändert sich nach der Schrittmacher-Operation?

Die meisten kehren nach wenigen Tagen in den Alltag zurück. Heben über Schulterhöhe, Autofahren und hartes Training bleiben anfangs eingeschränkt, bis die Sonden fest sitzen.

Das NHLBI (Stand März 2022) beschreibt den Klinikaufenthalt als wenige Stunden bis eine Nacht. Am Folgetag prüfen Röntgen und EKG Lage und Programmierung. Die erste Kontrolle folgt oft nach einem Monat, danach alle sechs bis zwölf Monate, ergänzt durch Fernabfrage. Komplikationen sind selten, aber real: Infektion der Tasche, Blutgerinnsel, Sondendislokation, Pneumothorax, Reiz der Nachbarmuskeln und das Schrittmachersyndrom, wenn nur eine Kammer getaktet wird und Blut zurückpendelt.

Ältere Patientenratgeber erklärten das MRT für tabu. Die ESC 2021 stellt klar, dass MRT-konditionale Systeme nach Herstellerangaben sicher untersucht werden können. Voraussetzung ist ein vollständiges, freigegebenes System aus Aggregat und Sonden, eine Prüfung vor dem Termin und oft eine Umprogrammierung für die Untersuchung. Geräte ohne diese Freigabe oder gemischte Altkomponenten bleiben Einzelfallentscheidungen. Mobiltelefone und Haushaltsgeräte stören moderne Aggregate selten; die Cleveland Clinic rät trotzdem, das Telefon nicht direkt über dem Gerät in der Hemdtasche zu tragen und Sicherheitsstäbe am Flughafen zu melden.

Sport, Beruf und Reisen sind nach Freigabe meist wieder möglich. Die Batterie hält Jahre, der Wechsel ist ein kleinerer Eingriff als die Erstimplantation. Jede neue Ärztin und der Zahnarzt sollten von dem Gerät wissen, bevor Strom, Skalpell oder Magnet ins Spiel kommen.

Häufige Fragen

Ist ein Herzblock dasselbe wie ein Herzinfarkt?

Nein. Ein Herzblock betrifft die elektrische Leitung, ein Infarkt den Blutfluss durch eine verschlossene Kranzarterie. Beide können einander auslösen, weil ein Infarkt das Leitungssystem zerstören kann. Brustschmerz plus neuer Block gehört trotzdem in die Notaufnahme, bis ein Infarkt ausgeschlossen ist.

Braucht jeder Herzblock einen Schrittmacher?

Nein. Erstgrad und viele Mobitz-I-Blöcke am AV-Knoten brauchen kein Gerät. Mobitz II, hochgradiger und kompletter Block ohne reversible Ursache schon, auch ohne Symptome, so die Leitlinien von 2018 und 2021. Die Entscheidung hängt vom Grad, vom Ort und von der Ursache ab, nicht vom Befundwort allein.

Kann ein Herzblock von selbst wieder verschwinden?

Ja, wenn Medikamente, Elektrolyte, ein unterer Infarkt oder eine Lyme-Karditis dahinterstecken. Das CDC beschreibt für Lyme-Karditis eine Erholung oft innerhalb von einer bis sechs Wochen unter Antibiotika. Altersbedingte Fibrose und tiefe His-Purkinje-Schäden bleiben in der Regel bestehen.

Darf ich mit einem Herzblock Sport machen?

Bei symptomfreiem Erstgrad ist dosierte Bewegung nach Freigabe oft unbedenklich und schützt das Herz. Schwindel, fast-Ohnmacht oder ein belastungsabhängiger höhergradiger Block stoppen das Training, bis der Rhythmus geklärt ist. Nach Schrittmacher-Anlage gelten vorübergehende Arm- und Hebeverbote, danach meist wieder Alltags- und Freizeitsport.

Darf ich mit einem Schrittmacher ins MRT?

Viele neuere Systeme sind MRT-konditional und dürfen nach Herstellerprotokoll untersucht werden, so die ESC 2021. Ältere oder gemischte Implantate brauchen eine Einzelfallprüfung. Verschweigen Sie das Gerät vor der Untersuchung nicht; oft wird es umprogrammiert und hinterher zurückgesetzt.

Ist ein Linksschenkelblock gefährlicher als ein Rechtsschenkelblock?

Häufig ja, weil der linke Schenkel öfter mit einer Herzkrankheit einhergeht. Die Cleveland Clinic nennt ihn einen möglichen Marker für ein zugrunde liegendes Problem. Ein isolierter rechter Schenkelblock kann harmlos sein. Neu plus Brustschmerz bleibt unabhängig von der Seite ein Notfall.

[Schrittmacher]

Fazit

Ein Herzblock ist eine Leitungsstörung, kein Gefäßverschluss. Der Erstgrad bleibt oft ein Zufallsbefund. Mobitz II und der komplette Block können den Kreislauf ohne Vorwarnung gefährden; hier setzen die Leitlinien von 2018 und 2021 den Schrittmacher auch ohne Symptome an, sobald reversible Ursachen ausgeschlossen sind.

Wer Schwindel, Ohnmacht oder Brustschmerz neu bemerkt, holt zeitnah medizinische Hilfe und wartet nicht auf eine „passendere“ Woche. Medikamentenliste, Zeckenstich und bekannte Herzkrankheit gehören in dieses Gespräch, weil sie den Weg zwischen Antibiotikum, Dosisänderung und Gerät festlegen.

Nach einer Implantation zählen Kontrollen, die Gerätekennung in der Tasche und ehrliche Angaben vor MRT oder Operation. MRT-taugliche Systeme haben die alte Totalsperre abgelöst. Bewegung, Blutdruck, Nikotinverzicht und behandelte Schlafapnoe senken das Risiko weiterer Herzschäden, heilen die Narbe im Leitungssystem aber nicht.

Quellen

  1. Cleveland Clinic: Heart Block: Types, Symptoms & Causes. Cleveland Clinic, 14. April 2024.
  2. Mitchell LB: Atrioventricular Block. Merck Manual Professional Edition, September 2024.
  3. Ahmed I, Goyal A, Chhabra L: Atrioventricular Block. StatPearls, 12. Februar 2024.
  4. MedlinePlus: Heart block: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus, 5. Mai 2025.
  5. National Heart, Lung, and Blood Institute: Arrhythmias Conduction Disorders. National Heart, Lung, and Blood Institute, 24. März 2022.
  6. British Heart Foundation: Heart block – causes, symptoms and treatment. British Heart Foundation, Stand: 2025.
  7. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Care and Treatment of Lyme Carditis. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Mai 2024.
  8. Kusumoto FM, Schoenfeld MH, Barrett C et al.: 2018 ACC/AHA/HRS Guideline on the Evaluation and Management of Patients With Bradycardia and Cardiac Conduction Delay. Circulation, 6. November 2018.
  9. Glikson M, Nielsen JC, Kronborg MB et al.: 2021 ESC Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy. European Heart Journal, 29. August 2021.
  10. Cleveland Clinic: Bundle Branch Block: Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, 26. Juni 2026.
  11. National Heart, Lung, and Blood Institute: Pacemakers After Getting a Pacemaker. National Heart, Lung, and Blood Institute, 24. März 2022.
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