
Die Paget-Krankheit der Brust ist eine seltene Krebsform, die die Haut der Brustwarze und meist den Warzenhof befällt. Hinter dem schuppenden, oft juckenden Ausschlag liegt bei den allermeisten Betroffenen ein duktales Carcinoma in situ oder ein invasiver Brustkrebs im Drüsengewebe.
Das National Cancer Institute beziffert den Anteil auf etwa 1 bis 3 Prozent aller Brustkrebse. Der NHS nennt 1 bis 4 Prozent der Frauen mit Brustkrebs; Männer können erkranken, tun es aber extrem selten. Der Ausschlag beginnt an einer Warze und kann den Warzenhof erreichen. Weil er einem Ekzem gleicht, vergeht oft wertvolle Zeit, bis eine Hautprobe den Befund klärt. Die Knochenkrankheit gleichen Namens hat damit nichts zu tun.
Was ist die Paget-Krankheit der Brust?
Morbus Paget der Brust heißt, dass in der Oberhaut der Brustwarze große, blasse Krebszellen sitzen, die Pathologen Paget-Zellen nennen. Diese Zellen gehören zum Drüsengewebe, nicht zu einer gewöhnlichen Hautentzündung. Die Cleveland Clinic und die Mayo Clinic (beide Seiten Stand 2025 bzw. 2022) fassen die Krankheit als Brustkrebs der Warze, der häufig mit einem Tumor in den Milchkanälen derselben Brust einhergeht.
Drei Muster kommen vor. Manchmal bleibt der Befund auf die Warze beschränkt und entspricht dann einem Stadium 0, also einem duktalen Carcinoma in situ (DCIS) ohne Nachweis tieferer Herde. Häufiger sitzt DCIS in den großen Gängen direkt unter der Warze. Am weitesten reicht die dritte Form mit DCIS oder invasivem duktalem Karzinom weiter als zwei Zentimeter vom Warzen-Warzenhof-Komplex entfernt. Eine Übersicht in Cancers (Markarian und Holmes, 2022) ordnet mehr als 90 Prozent der Fälle einem darunterliegenden DCIS oder invasiven Karzinom zu. In einer Serie des MD Anderson Cancer Center mit 104 Patientinnen hatten 60 Prozent einen invasiven Tumor, 33 Prozent DCIS und 7 Prozent isolierten Warzenbefall.
Der NHS beschreibt die klinische Regel. Rund die Hälfte der diagnostizierten Frauen tastet einen Knoten hinter der Warze; in 9 von 10 dieser Fälle handelt es sich um invasiven Krebs. Fehlt der Knoten, liegt meist ein nichtinvasiver Tumor vor. StatPearls (Aktualisierung 3. Juni 2023) nennt eine darunterliegende Malignität in bis zu 88 Prozent und einen tastbaren Knoten bei etwa der Hälfte. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Kohorten und Jahren; sie widersprechen sich nicht im Kern, nur in der Genauigkeit der Erfassung.
Männer sind selten betroffen, das Krankheitsbild an der Warze gleicht aber dem der Frauen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und nicht dieselbe Entität wie der extramammäre Morbus Paget an Genitale oder After, auch wenn unter dem Mikroskop ähnliche Zellen erscheinen.
![[Frau überprüft Brust]](https://demedbook.com/images/1/what-is-pagets-disease-of-the-breast.jpg)
Welche Symptome treten an Brustwarze und Warzenhof auf?
Die Hautveränderung startet an einer Brustwarze und kann sich über den Warzenhof nach außen schieben. Rötung, feine Schuppung, Krusten, Nässen und ein brennendes oder juckendes Gefühl sind die häufigsten Zeichen. Manche bemerken strohgelben oder blutigen Ausfluss, eine abgeflachte oder eingezogene Warze oder eine tastbare Verdickung im Drüsenkörper.
Der NHS hält fest, dass die Krankheit immer an der Warze beginnt und den Warzenhof erst danach einbeziehen kann. Sieht die Warze unauffällig aus und fehlt die schuppende Rötung, ist ein isoliertes Jucken oder Brennen unwahrscheinlich dieses Bild; trotzdem gehört jeder neue Brustbefund zum Arzt. Die Mayo Clinic listet zusätzlich verhärtete, nässende Haut, die einem nässenden Ekzem ähnelt, und eine verdickte Haut der Brust. Cleveland Clinic ergänzt, dass die Zeichen anfangs kommen und gehen können und sich erst später stetig verschlechtern.
Eine schwedische Kohorte von 223 Frauen, die Markarian und Holmes zitieren, nannte bei 98 Prozent Ekzem oder Geschwür der Warze als Leitsymptom. Blutiger Ausfluss kam bei 10 Prozent vor, ein tastbarer Knoten bei 15 Prozent dieser älteren Serie. Neuere klinische Übersichten setzen den Anteil tastbarer Knoten höher an, oft um die Hälfte. Der Unterschied erklärt sich durch Auswahl und Zeitraum. Wer früh wegen Hautzeichen kommt, hat seltener schon einen großen Knoten.
Die folgenden Punkte fassen typische Warnzeichen in ganzen Sätzen.
- Eine Brustwarze schuppt, nässt oder krustet über Wochen und heilt nicht dauerhaft ab.
- Jucken oder Brennen sitzt genau an Warze oder Warzenhof und bleibt trotz Pflege bestehen.
- Aus der Warze tritt strohgelbe oder blutige Flüssigkeit aus, ohne dass Stillen die Ursache ist.
- Die Warze zieht sich ein, flacht ab oder fühlt sich dicker an als auf der Gegenseite.
- Unter der Haut derselben Brust tastet sich ein Knoten oder eine plattenartige Zone.
Schmerz und Überempfindlichkeit treten eher später auf, wenn die Haut aufbricht. Beidseitiger Befall ist möglich, bleibt aber die Ausnahme. Pigmentierte Varianten kommen vor und können ein Melanom vortäuschen; hier entscheidet die Gewebeprobe mit speziellen Färbungen, nicht der bloße Blick.
Paget-Krankheit oder Ekzem: woran erkennt man den Unterschied?
Ein einseitiger, scharf begrenzter Ausschlag der Warze, der auf Cortisoncreme nicht dauerhaft weicht, ist verdächtig auf Paget-Zellen und kein Grund, die Stelle weiter als „empfindliche Haut“ zu behandeln. Das klassische Brustekzem sitzt häufiger beidseits, beginnt oft am Warzenhof und lässt die Warzenform intakt.
StatPearls grenzt ekzematöse Dermatitis der Warzen als meist beidseitig, ohne derbe Infiltration und rasch auf örtliche Glukokortikoide ansprechend ab. Bleibt ein „Ekzem“ länger als drei Wochen unter dieser Behandlung, soll Paget-Krankheit ausgeschlossen werden. Markarian und Holmes setzen die Schwelle noch enger. Bessert sich ein scheinbar gutartiger Hautbefund nach zwei Wochen Cortison nicht, folgen Bildgebung und Biopsie. Der NHS rät ohnehin, die Unterscheidung nicht selbst zu treffen, weil das Bild täuschen kann.
| Merkmal | Paget-Krankheit | Typisches Warzenekzem |
|---|---|---|
| Seite | Fast immer eine Brust | Häufig beide Seiten |
| Startpunkt | Brustwarze, später Warzenhof | Oft Warzenhof, Warze bleibt intakt |
| Verlauf | Schubweise, dann stetig schlimmer | Oft rasche Besserung unter Cortison |
| Tastbefund | Knoten bei einem erheblichen Teil | Knoten ungewöhnlich |
| Altersschwerpunkt | Häufig nach den Wechseljahren | Auch jüngere, stillende Frauen |
Weitere Verwechslungen listen StatPearls und die Übersichtsarbeit von 2022, darunter Schuppenflechte, Pilzbefall, erosives Adenom der Warze und, bei pigmentierter Form, Melanom. Bowen-Krankheit (Plattenepithelkarzinom in situ) kann die Haut ähnlich röten, beginnt aber selten in der Warze selbst und hängt mit Sonnenlicht oder humanen Papillomviren zusammen, nicht mit Milchgangskrebs. Keines dieser Bilder lässt sich sicher ohne Mikroskop trennen.
Creme, die den Rand vorübergehend beruhigt, beweist nichts. Markarian beschreibt genau diese Randbesserungen als Falle, weil sie die Diagnose um Monate verschieben. Wer nach kurzer Hautbehandlung keinen klaren Rückgang sieht oder die Warze verformt findet, braucht eine Stanzbiopsie, keine zweite Tube.
Wann sollte die Brustwarze ärztlich geprüft werden?
Jede neue Hautveränderung an Warze oder Warzenhof gehört in die Sprechstunde, ebenso jeder neu getastete Knoten. Der NHS formuliert das ohne Wartezeit. Weil der Ausschlag meist Brustkrebs anzeigt, soll die Hausarztpraxis die Stelle ansehen, statt ein Ekzem zu unterstellen.
Die Mayo Clinic (Seite zu Ursachen, Stand 12. September 2025) verlangt denselben Schritt bei jedem beunruhigenden Brustzeichen. Cleveland Clinic konkretisiert, dass ekzemähnliche Beschwerden, die trotz Behandlung nicht weichen, Nachuntersuchung und Gewebeprobe brauchen. StatPearls nennt drei Wochen erfolgloser Cortisontherapie als Schwelle; die Übersichtsarbeit von 2022 setzt zwei Wochen. In der Praxis zählt die Richtung. Bessert sich nichts oder kehrt der Ausschlag nach kurzer Pause zurück, endet der Selbstversuch.
Sofortige Abklärung ist sinnvoll, wenn zusätzlich Blut aus der Warze kommt, ein Geschwür entsteht, die Warze einzieht oder ein Knoten tastbar wird. Lymphknoten in der Achsel oder über dem Schlüsselbein, die neu derb und fest sitzen, gehören ebenfalls zum Befund, den die Ärztin oder der Arzt mituntersucht. Die allermeisten Brustknoten sind gutartig; das ändert nichts daran, dass sie geprüft werden müssen.
Wer bereits Brustkrebs hatte oder familiär belastet ist, sollte Hautzeichen an der Warze nicht länger beobachten als andere. Die Erkrankung selbst hat keine eigenen „Paget-Risikofaktoren“ jenseits der üblichen Brustkrebsrisiken. Der Zeitverlust entsteht fast immer durch die Verwechslung mit Dermatitis, nicht durch fehlende Mammographie-Termine.
Wie entsteht die Erkrankung und wer trägt Risiko?
Die führende Erklärung heißt epidermotrope Theorie. Krebszellen aus einem DCIS oder invasiven Karzinom wandern entlang der Milchkanäle in die Oberhaut der Warze. Dafür spricht, dass Paget-Zellen und der darunterliegende Tumor oft dieselben Marker tragen, besonders eine starke HER2-Expression. StatPearls nennt eine Anfärbung mit Anti-HER2-Antikörpern in über 85 Prozent der Fälle; über 80 Prozent der Paget-Befunde zeigen HER2-Überproduktion oder Amplifikation.
Die zweite, heute schwächere Theorie nimmt an, Keratinozyten der Warzenhaut entarten vor Ort. Sie erklärt die Minderheit ohne nachweisbaren Tumor im Drüsenkörper. Wenn genug Schnitte der großen Gänge unter der Warze untersucht werden, findet sich nach StatPearls meist doch eine Beteiligung. Eine Mischform, die beide Wege zulässt, diskutieren Markarian und Holmes.
Auslöser im Alltag kennt niemand. Die Risiken gleichen denen anderen Brustkrebses, wie NCI und Mayo Clinic betonen. Alter hebt die Wahrscheinlichkeit; der Gipfel liegt in den Wechseljahren, Cleveland Clinic nennt ein Durchschnittsalter von 57 Jahren, StatPearls die sechste Lebensdekade bei einer Spanne von 26 bis 88. Persönliche Vorgeschichte mit Brustkrebs, atypischer Hyperplasie oder lobulärem Carcinoma in situ, familiäre Häufung, dichte Brust, Übergewicht nach der Menopause, Alkohol und eine kombinierte Hormontherapie in den Wechseljahren gehören zur Mayo-Liste. BRCA1- oder BRCA2-Veränderungen erhöhen das Brustkrebsrisiko insgesamt, ohne eine eigene Paget-Sonderform zu erzeugen.
Etwa 85 Prozent der Brustkrebse entstehen laut Cleveland Clinic ohne bekannte Risikofaktoren. Fehlende Familienanamnese beruhigt einen einseitigen Warzenausschlag also nicht. SEER-Daten, die StatPearls zitiert, zeigten nach 2002 einen Rückgang der gemeldeten Paget-Fälle um etwa 45 Prozent, am stärksten bei der Kombination mit invasivem Krebs oder DCIS; die Ursache bleibt unklar und gehört zu den langfristigen Beobachtungen, nicht zu einer aktuellen Leitlinienänderung.
Welche Untersuchungen sichern die Diagnose?
Die Diagnose steht erst nach der Gewebeprobe der veränderten Warzenhaut, nicht nach dem bloßen Blick. Der NHS verwendet meist eine Stanzbiopsie (Punch) von Warze oder Warzenhof. NCI und American Cancer Society nennen zusätzlich Oberflächenabstrich, Shave-Biopsie und keilförmige Probe, die tiefer in die Gänge reicht.
Findet die Pathologie Paget-Zellen, sucht das Team den darunterliegenden Tumor. Klinische Tastuntersuchung beider Brüste, Achseln und Schlüsselbeingruben kommt zuerst. Dann folgt eine beidseitige Mammographie; bei Frauen unter 35 Jahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit setzt der NHS zuerst Ultraschall ein, weil dichtes Gewebe die Röntgenaufnahme schwächt. Ist Paget-Krankheit bestätigt, wird die Mammographie trotzdem Teil der Operationsplanung.
Das Merck Manual (Vollrevision März 2026, Bezug NCCN Brustkrebs Version 5.2025) warnt, dass Ultraschall und Mammographie oft wenig empfindlich für genau diesen Befund sind; eine Brust-MRT kann die Ausbreitung jenseits des Warzen-Warzenhof-Komplexes besser zeigen. Markarian und Holmes zitieren, dass die Mammographie bei tastbarem Knoten sehr empfindlich sein kann, ohne Tastbefund aber nur etwa die Hälfte der darunterliegenden Karzinome trifft. Eine ältere Serie von Dixon, ebenfalls in dieser Übersicht, verfehlte den histologisch gesicherten Tumor in 43 Prozent. Multifokalität und Multizentrizität sind häufig, in der zitierten Literatur 41 und 34 Prozent.
Ein unauffälliges Röntgenbild schließt den Krebs also nicht aus. StatPearls nennt 12 bis 15 Prozent ohne Tastbefund und ohne Mammographie-Auffälligkeit. Die MRT kann okkulte Herde zeigen und so eine brusterhaltende Operation ermöglichen; sie erzeugt auch falsch positive Stellen. Deshalb soll sie nur dort stehen, wo eine MRT-gesteuerte Biopsie möglich ist, und die Patientin muss über zusätzliche Proben aufgeklärt werden.
Immunhistochemie trennt Paget-Zellen von Melanom und Plattenepithelkarzinom. CK7, CEA und HER2 sprechen für Paget; S-100, MART-1 und HMB-45 eher für Melanom. Hormonrezeptoren sind nur bei einem Teil positiv, oft unter 50 Prozent, weil viele dieser Tumoren hochgradig sind. NCI betont, dass ohne Herd in der Bildgebung häufig Stadium 0 (DCIS) vergeben wird; einzelne Betroffene haben trotzdem invasiven Krebs. Jeder bildgebend auffällige Bezirk braucht eine eigene Nadelbiopsie mit Markierung.

Welche Operationen sind heute üblich?
Früher galt die Entfernung der ganzen Brust als Standard, oft mit Lymphknoten und teilweise mit Brustmuskel. Heute bieten Leitlinien bei lokal begrenztem Befund eine brusterhaltende Operation mit Entfernung des gesamten Warzen-Warzenhof-Komplexes als Alternative zur Mastektomie an. NICE NG101, Empfehlung 1.4.2, in der Fassung von 2025 unverändert aus 2009, verlangt genau das und zusätzlich onkoplastische Techniken für die Form.
Die American Cancer Society (Überarbeitung 24. Juni 2026) und die Mayo Clinic (Diagnoseseite, 12. September 2025) beschreiben dieselben zwei Wege. Bleibt nach Entfernung von Warze, Warzenhof und dem tumorbefallenen Gewebe ein akzeptables Brustbild und sind die Schnittränder frei, folgt in der Regel eine Bestrahlung der Restbrust. Liegen mehrere Herde, sitzt der Tumor zentral und groß oder wäre das kosmetische Ergebnis schlecht, fällt die Wahl auf eine einfache Mastektomie, also die Entfernung des gesamten Drüsenkörpers inklusive Warze.
Eine Metaanalyse im British Journal of Surgery (Goh und Kollegen, 2023) verglich brusterhaltende Operation plus Bestrahlung mit der Mastektomie. Die gepoolte Hazard Ratio für Sterblichkeit lag bei 0,68 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,45 bis 1,01) zugunsten des brusterhaltenden Wegs, ohne dass das Intervall eine klare Überlegenheit beweist. Bei Paget plus DCIS war das Gesamtüberleben nach brusterhaltender Operation mit oder ohne Bestrahlung besser als nach Mastektomie (adjustierte Hazard Ratios 0,14 bzw. 0,28). Bei Paget plus invasivem duktalem Karzinom lag die brusterhaltende Operation plus Bestrahlung nah an der Mastektomie (0,84; 0,57 bis 1,25); ohne Bestrahlung war das Überleben schlechter (1,64; 1,04 bis 2,58). Lokalrezidive bei invasivem Krebs waren nach brusterhaltender Operation deutlich häufiger, besonders ohne Bestrahlung.
Lin, Chiang und Tam werteten 2022 Real-World-Daten von 38 Studien mit 24 062 Patientinnen aus. Das Lokalrezidiv lag nach alleiniger brusterhaltender Operation bei 21,2 Prozent, nach Mastektomie bei 5,9 Prozent und nach brusterhaltender Operation plus Bestrahlung bei 8 Prozent. Die Autoren raten von der Operation ohne Bestrahlung ab, sobald DCIS oder invasiver Krebs mit im Spiel ist; nur beim isolierten Warzenbefund ohne darunterliegenden Tumor bleibt dieser Weg diskussionsfähig.
Bei invasivem Krebs prüft das Team die Achsel, meist über die Wächterlymphknotenbiopsie. StatPearls empfiehlt dieselbe Biopsie auch vor geplanter Mastektomie, falls sich im endgültigen Schnitt doch ein invasiver Anteil zeigt. Klinisch verdächtige Achselknoten werden zuerst mit Ultraschall und Nadelprobe geklärt. Der Anteil positiver Wächterlymphknoten lag in der Metaanalyse von 2022 bei 17 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 11,5 bis 22,6 Prozent). Eine vollständige Achselausräumung bleibt Fällen mit nachgewiesenem Befall vorbehalten, weil sie das Risiko eines Lymphödems im Arm erhöht.
Wann folgen Bestrahlung und Medikamente?
Nach brusterhaltender Operation folgt in der Regel eine Ganzbrustbestrahlung, um verbliebene Zellen in der Restbrust zu treffen. Der NHS und die American Cancer Society nennen sie den üblichen nächsten Schritt, sobald Warze und Warzenhof entfernt und die Ränder frei sind. Nach Mastektomie richtet sich die Bestrahlung nach Tumorgröße, Randstatus und Lymphknoten, wie bei anderem Brustkrebs.
Systemtherapie hängt nicht vom Hautbild ab, sondern vom darunterliegenden Tumor. NCI behandelt Paget plus DCIS wie DCIS, nur mit größerer Operation an der Warze. Paget plus invasiver Krebs folgt dem Stadium, den Hormonrezeptoren und dem HER2-Status. Der NHS listet Chemotherapie, Bestrahlung, Hormontherapie und zielgerichtete Therapie, typischerweise Trastuzumab bei HER2-positivem invasivem Krebs.
StatPearls stellt klar, dass für isolierte Paget-Krankheit ohne DCIS und ohne invasiven Tumor keine Belege existieren, wonach Tamoxifen oder Aromatasehemmer das lokale Rezidiv nach brusterhaltender Therapie senken. Endokrine Therapie, Chemotherapie und Trastuzumab richten sich allein nach den Eigenschaften des begleitenden Karzinoms. Photodynamische Verfahren, die für den extramammären Morbus Paget untersucht werden, gelten für die Brustwarze nicht als Standard; die Datenlage bleibt dünn.
Rekonstruktion kann in derselben Sitzung oder später erfolgen, mit Implantat oder Eigengewebe. Wer keine Rekonstruktion will, kann eine Epithese tragen; der NHS stellt sie in Großbritannien als Kassenleistung dar, in Deutschland klären Brustzentrum und Krankenkasse den Weg. Eine tätowierte oder aus Gewebe geformte Warze ist möglich, flacht aber bei einem Teil der Betroffenen wieder ab. Lymphödem nach Achseleingriff kann Monate oder Jahre später auftreten; Schwellung von Arm oder Hand auf der Operationsseite gehört dann zurück ins Brustzentrum.
Was bestimmt die Prognose?
Die Aussicht hängt vom darunterliegenden Tumor ab, nicht vom Ausschlag allein, also von tastbarem Knoten, DCIS oder invasivem Krebs, Stadium, Lymphknoten und Rezeptoren. Das NCI schreibt, die Prognose sei etwas ungünstiger als bei anderen Brustkrebsformen; die Cleveland Clinic nennt den isolierten Warzenbefund oder das Stadium-0-DCIS dagegen sehr günstig, wenn er früh operiert wird. Der NHS spricht bei früher Erkennung von einer guten Chance auf vollständige Erholung, ohne eine Heilung zu garantieren.
Ältere Serien, die StatPearls als Langzeitbeobachtung referiert, zeigten ohne tastbaren Knoten ein Fünfjahresüberleben von 92 Prozent und ein Zehnjahresüberleben von 82 Prozent; mit tastbarem Knoten sanken die Werte auf 38 und 22 Prozent. Diese Kohorten stammen aus Jahrzehnten vor der heutigen Bildgebung und Systemtherapie und dürfen nicht als aktuelle Überlebenszahl gelesen werden. Die Metaanalyse von 2022 fand Metastasen bei tastbarem Tumor in 30,2 Prozent, ohne Tastbefund in 3,4 Prozent; Lokalrezidive waren bei invasivem darunterliegendem Karzinom häufiger als bei nichtinvasivem (6,7 gegen 4,5 Prozent).
Verzögerung verschlechtert die Lage, weil der darunterliegende Tumor Zeit zum Wachsen hat. StatPearls und Markarian beschreiben, dass die Diagnose oft um Monate rückt, weil der Ausschlag zuerst als Dermatitis gilt. Bei Männern scheint die Prognose ungünstiger; die Fallzahlen sind klein, der Trend wiederholt sich aber in mehreren Serien.
HER2-positive, hormonrezeptornegative und hochgradige Tumoren kommen bei Paget-Krankheit überdurchschnittlich oft vor. Das erklärt einen Teil des ungünstigeren Vergleichs mit screen-entdecktem Brustkrebs, der häufiger klein und hormonabhängig ist. Der Paget-Befund selbst stuft den Tumor im TNM-System nicht höher; ohne nachweisbaren invasiven Tumor oder DCIS gilt Tis (Paget).
Lässt sich das Risiko senken?
Ein spezielles Vorbeugeprogramm nur für die Paget-Krankheit gibt es nicht, weil sie eine Erscheinungsform von Brustkrebs ist. Was das Risiko für Brustkrebs insgesamt senken kann, gilt auch hier. Die Mayo Clinic nennt regelmäßige Bewegung an den meisten Tagen, mindestens etwa 30 Minuten, Gewicht im gesunden Bereich, Alkohol möglichst niedrig oder gar nicht und eine möglichst kurze, niedrig dosierte kombinierte Hormontherapie, falls Wechseljahresbeschwerden behandelt werden.
Brustbewusstsein ersetzt keine Mammographie, kann aber einen neuen Ausschlag oder Knoten früher sichtbar machen. Der NHS-Screening in Großbritannien lädt Frauen von 50 bis 70 Jahren alle drei Jahre ein; in Deutschland gelten die Einladungsgrenzen und Intervalle des Mammographie-Screenings, die die behandelnde Praxis erklärt. Dichte Brust erschwert die Röntgenaufnahme und gilt selbst als Risikomarker; dann kann das Team zusätzliche Verfahren besprechen.
Keines dieser Maßnahmen verhindert einen einzelnen Fall mit Sicherheit. Wer die eigene Brust kennt, erkennt eher, dass eine Warze neu schuppt, nässt oder die Form ändert. Genau dieser frühe Blick entscheidet häufiger über den Weg zur Biopsie als jede Creme aus der Hausapotheke.
Häufige Fragen
Ist die Paget-Krankheit der Brust ansteckend?
Nein. Die Zellen entstehen aus entartetem Drüsen- oder Warzengewebe und springen nicht von Mensch zu Mensch. Hautkontakt, Stillen oder gemeinsame Handtücher übertragen die Erkrankung nicht. Partner und Kinder brauchen keine besondere Schutzmaßnahme.
Kann ein Ekzem der Brustwarze von allein verschwinden?
Ein echtes Kontaktekzem kann unter Cortison und Weglassen des Auslösers rasch abklingen. Paget-Zellen tun das nicht dauerhaft, auch wenn der Rand vorübergehend ruhiger wirkt. Kehrt der Ausschlag zurück oder bleibt er länger als zwei bis drei Wochen unter Behandlung, braucht die Stelle eine Stanzbiopsie statt einer weiteren Creme.
Braucht man immer eine Brustamputation?
Nein. NICE und aktuelle Übersichten bieten bei lokal begrenztem Befund die brusterhaltende Operation mit Entfernung von Warze und Warzenhof plus Ganzbrustbestrahlung an. Mehrere Herde, ein großer zentraler Tumor oder freie Ränder, die sich nicht erreichen lassen, sprechen weiter für die Mastektomie. Alleinige brusterhaltende Operation ohne Bestrahlung hat in der Metaanalyse von 2022 deutlich mehr Lokalrezidive.
Kommt die Krankheit auch bei Männern vor?
Ja, aber extrem selten. Symptome und Diagnoseschritte gleichen denen bei Frauen. Männer kommen oft später zur Abklärung, und die zitierten dermatologischen Übersichten beschreiben eine ungünstigere Fünfjahresüberlebensrate. Jeder einseitige, nicht heilende Ausschlag der männlichen Brustwarze gehört deshalb ebenso zur Abklärung.
Wie schnell muss ich mit einem Warzenausschlag zum Arzt?
Am besten in den nächsten Tagen, nicht nach Monaten Selbstbehandlung. Der NHS will jede neue Hautveränderung an Warze oder Warzenhof gesehen haben. Kommen Blut, Geschwür, eingezogene Warze oder ein Knoten hinzu, sollte die Praxis noch am selben Tag entscheiden, ob eine Brustsprechstunde sofort nötig ist.
Ist die Prognose schlechter als bei anderem Brustkrebs?
Oft etwas ungünstiger, weil darunterliegende Tumoren häufiger hochgradig, HER2-positiv und hormonrezeptornegativ sind und die Diagnose durch die Ekzemverwechslung später kommt. Isolierter Warzenbefall oder DCIS im Stadium 0 hat nach Cleveland Clinic und NHS eine deutlich bessere Aussicht, wenn er früh operiert wird. Die individuelle Prognose hängt vom Stadium und den Markern ab, nicht vom Namen Paget allein.

Fazit
Ein einseitiger, schuppender oder nässender Ausschlag der Brustwarze ist so lange verdächtig auf Paget-Krankheit, bis eine Hautprobe das Gegenteil zeigt. Cortisoncreme, die zwei bis drei Wochen nichts Dauerhaftes erreicht, beendet den Selbstversuch. Hausarztpraxis oder Brustzentrum untersuchen beide Brüste, nehmen eine Stanzbiopsie und ergänzen Mammographie, bei Bedarf Ultraschall und MRT.
Die Operation richtet sich nach dem darunterliegenden Befund. Lokaler Befall lässt sich oft brusterhaltend behandeln, wenn Warze und Warzenhof komplett entfernt werden und eine Ganzbrustbestrahlung folgt; ausgedehnte oder mehrherdige Tumoren brauchen weiter die Mastektomie. Chemotherapie, Hormon- oder HER2-gerichtete Therapie folgen den Markern des invasiven Tumors, nicht dem Hautbild.
Wer morgen etwas tun will, prüft beide Warzen bei gutem Licht, notiert seit wann die Stelle juckt, nässt oder blutet, und vereinbart einen Termin, statt eine zweite Tube zu kaufen. Frühe Gewebeprobe ändert die Therapieoptionen stärker als jede nachträgliche Creme.
Quellen
- National Cancer Institute: Paget Disease of the Breast. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- Mayo Clinic: Paget’s disease of the breast – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 12. September 2025.
- Mayo Clinic: Paget’s disease of the breast – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 12. September 2025.
- NHS: Paget’s disease of the nipple. National Health Service, 6. April 2023.
- NICE: Early and locally advanced breast cancer: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2025.
- Yasir M, Khan M, Lotfollahzadeh S: Mammary Paget Disease. StatPearls, 3. Juni 2023.
- American Cancer Society: Paget Disease of the Breast. American Cancer Society, 24. Juni 2026.
- Nambudiri VE: Paget Disease of the Breast. Merck Manual Professional Edition, März 2026.
- Markarian S, Holmes DR: Mammary Paget’s Disease: An Update. Cancers, 13. Mai 2022.
- Goh SSN, Syn NLX et al.: Oncologic outcomes after breast-conserving surgery with radiotherapy versus mastectomy in patients with Paget’s disease of the breast: systematic review and meta-analysis. British Journal of Surgery, 10. Oktober 2023.
- Lin CW, Chiang MH et al.: Treatment of Mammary Paget Disease: A systematic review and meta-analysis of real-world data. International Journal of Surgery, November 2022.
- Cleveland Clinic: Paget’s Disease of the Breast: Stages, Symptoms & Prognosis. Cleveland Clinic, 2. Oktober 2022.
