
Rosacea ist eine chronische Entzündung der Gesichtshaut. Sie zeigt sich vor allem als anhaltende Rötung in der Gesichtsmitte, oft mit sichtbaren Äderchen, Papeln oder Pusteln, die an Akne erinnern, aber ohne Mitesser entstehen.
Heilung im Sinne eines dauerhaften Verschwindens gibt es nicht. Viele Betroffene können Schübe aber mit Pflege, Auslöservermeidung und gezielten Arzneimitteln deutlich abschwächen. Die Mayo Clinic (Stand 17. Oktober 2023) betont, dass die Erkrankung nicht ansteckend ist und nicht von mangelnder Hygiene kommt. Ältere Texte sortierten das Bild in vier starre Untertypen. Seit der Neuordnung der National Rosacea Society 2017 und der Management-Aktualisierung 2019 behandeln Ärztinnen und Ärzte die tatsächlich sichtbaren Merkmale, die Phänotypen, und kombinieren Therapien danach.
Was ist Rosacea und wie häufig kommt sie vor?
Rosacea ist eine wiederkehrende Entzündung, die vorwiegend Wangen, Nase, Kinn und mittlere Stirn betrifft und die Hautfalten meist ausspart. Der Verlauf schwankt zwischen ruhigen Phasen und Schüben, die Wochen bis Monate dauern können.
Eine Metaanalyse von Gether und Kollegen im British Journal of Dermatology (2018) fasste 32 Studien mit mehr als 26 Millionen Menschen zusammen. In der Allgemeinbevölkerung lag der gepoolte Anteil bei 5,46 Prozent, bei dermatologischen Ambulanzpatienten bei 2,39 Prozent. Frauen waren etwas häufiger betroffen als Männer (5,41 gegenüber 3,90 Prozent), der Gipfel lag zwischen 45 und 60 Jahren. Fragebögen lieferten höhere Werte als klinische Untersuchungen oder Diagnoseziffern in Registern. Der Überblick der American Academy of Family Physicians (Juni 2024) übersetzt das grob in etwa eine erwachsene Person von zwanzig weltweit.
Heller Hauttyp, familiäre Häufung und ein Alter ab etwa 30 Jahren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Diagnose gestellt wird. Das US-Institut NIAMS (Prüfung Mai 2024) und die Cleveland Clinic (Aktualisierung 12. April 2023) weisen darauf hin, dass Männer seltener, dann aber oft schwerer erkranken, unter anderem weil sie später Hilfe suchen. Dunklere Haut täuscht, weil Rötung und feine Gefäße schwerer zu sehen sind. Dann zählen Brennen, Stechen, Trockenheit, Schwellung und spätere Pigmentverschiebungen mehr als der klassische „Dauererröter“. Rosacea bleibt unterschätzt, wenn nur nach einem sonnenbrandähnlichen Rot gesucht wird.

Welche Symptome und Erscheinungsformen gibt es?
Anhaltende Rötung der Gesichtsmitte, die sich in Schüben verstärkt, ist das häufigste Leitzeichen. Dazu können flüchtiges Erröten, brennende Haut, trockenes Aussehen, Schwellung, Papeln, Pusteln, sichtbare Gefäße oder eine verdickte Nase kommen.
Die National Rosacea Society hat 2017 die Einteilung umgestellt, und Thiboutot und Kollegen haben 2020 die Konsequenzen für die Therapie beschrieben. Diagnostisch reicht eines der beiden Leitmerkmale: festes zentrofaziales Erythem in typischem Muster oder phymatöse Verdickung. Alternativ genügen zwei Hauptmerkmale, etwa Erröten plus Papeln, Teleangiektasien oder bestimmte Augenveränderungen. Nebenzeichen wie Brennen, Stechen, Ödem oder trockene Oberfläche stützen die Schwere, ersetzen aber die Diagnose nicht. StatPearls (Aktualisierung 8. August 2023) schätzt, dass 50 bis 75 Prozent irgendwann die Augen mitbetreffen.
Das frühere Schema mit vier Untertypen (erythematotelangiektatisch, papulopustulös, phymatös, okulär) taucht in Lehrbüchern noch auf, weil es die Bilder anschaulich macht. Es täuscht jedoch eine Reihenfolge vor, die viele Patienten nicht durchlaufen. Manche entwickeln Papeln, ohne je ein Rhinophym zu bekommen. Andere haben zuerst trockene, gerötete Lider und erst später Wangenrötung. Phyme sitzen am häufigsten an der Nase (Rhinophym), seltener an Kinn, Stirn, Lidern oder Ohren und betreffen Männer deutlich öfter. Unbehandelt kann verdickte Nasenhaut die Atemwege einengen; verdickte Lider können das Sehen stören.
Was löst die Entzündung in der Haut aus?
Eine einzelne Ursache ist nicht bewiesen. Zusammenwirken von erblicher Neigung, überempfindlichen Gefäßen, angeborener Immunabwehr und einer gestörten Hautbarriere gilt derzeit als plausibelstes Modell.
In der Haut von Betroffenen sind Demodex-Milben oft dichter besiedelt als bei Gesunden. Ob die Milben die Entzündung antreiben oder die entzündete Follikelumgebung ihnen erst Platz schafft, bleibt offen. StatPearls beschreibt eine Überaktivität von Toll-like-Rezeptor 2, mehr Mastzellen und vermehrtes Cathelicidin-Peptid LL-37; dazu kommen Matrix-Metalloproteinasen und Wachstumsfaktoren für neue Gefäße. Rezeptoren an Nerven und Keratinozyten (unter anderem TRPV-1) erklären, warum Hitze, scharfe Speisen oder Alkohol so rasch Flush und Brennen auslösen können. Merck (Fachprüfung März 2024, letzte Aktualisierung April 2025) nennt zusätzlich eine gestörte vasomotorische Kontrolle und möglicherweise einen erschwerten venösen Abfluss im Gesicht.
Ältere Ratgeber machten oft ein Darmbakterium und Bradykinin zur Leitursache. Der AAFP-Text 2024 zitiert eine systematische Übersicht, nach der die Verbindung zu Helicobacter pylori nur schwach ist. Auch Milchprodukte stehen in aktuellen Übersichten nicht als einheitlicher Auslöser. Dagegen können laut Merck bestimmte Stoffe das Bild verschlechtern, darunter Amiodaron, Kortikoide auf Haut oder in der Nase sowie hohe Dosen der Vitamine B6 und B12. Ultraviolettes Licht gilt sowohl als Schubfaktor als auch als möglicher Mitspieler in der Entstehung, weil es Entzündung und Gefäßneubildung fördert.
Welche Auslöser verstärken Schübe?
Persönliche Auslöser zu kennen senkt die Zahl der Schübe oft stärker als jedes einzelne Hausmittel. Mehr als 90 Prozent der Befragten in den vom AAFP zitierten Arbeiten konnten solche Faktoren benennen.
Häufig genannt werden Sonne, Wind, große Hitze oder Kälte, heiße Getränke, scharfe Speisen, Alkohol, intensiver Sport, Stress, Sauna und manche gefäßerweiternden Blutdruckmittel. Die Mayo Clinic listet zusätzlich Kosmetika und Haarprodukte. Ein Ernährungstagebuch über zwei bis vier Wochen, das Hautbild, Mahlzeiten, Wetter und Emotionen festhält, hilft mehr als eine starre Verbotsliste. Wer nach Weißwein oder hochprozentigem Alkohol regelmäßig aufflammt, kann diesen Weg testweise streichen. Eine vom AAFP zitierte Kohorte mit über 82.000 Frauen fand ein höheres Rosacea-Risiko bei Alkoholkonsum; eine Metaanalyse verknüpfte Alkohol sogar mit einem etwa vierfach höheren Risiko phymatöser Veränderungen.
Tabak ist uneinheitlich bewertet. Die Mayo Clinic führt Rauchen 2023 noch als Risikofaktor. Zwei systematische Übersichten, auf die sich der AAFP-Artikel 2024 stützt, fanden kein erhöhtes Erkrankungsrisiko durch Rauchen. Für die Therapieentscheidung zählt vor allem, was die eigene Haut reproduzierbar verschlechtert. Sport muss nicht entfallen: Kühlere Tageszeiten, lockere Kleidung und Abkühlen statt heißer Dusche nach dem Training schonen oft mehr als kompletter Verzicht.
Wie wird Rosacea erkannt und von Akne unterschieden?
Die Diagnose stellt die Klinik, nicht ein Blutwert. Ärztin oder Arzt betrachten Haut und Augen, fragen nach Schüben und suchen gezielt nach Mitessern, die bei klassischer Akne typisch sind und bei Rosacea fehlen.
Merck nennt als Trennmerkmale das höhere Erkrankungsalter und das Fehlen von Komedonen. Akne sitzt oft auch an Brust und Rücken und hinterlässt andere Narben. Der Schmetterlingsausschlag bei systemischem Lupus erythematosus spart in der Regel die Nasolabialfalten aus, während Rosacea genau diese Mitte einbezieht und Papeln tragen kann. Seborrhoisches Ekzem zeigt fettige Schuppen an Haaransatz, Augenbrauen und Nasenflügeln; beide Krankheiten kommen parallel vor, und die Behandlung der einen kann die andere unmaskieren. StatPearls warnt vor medikamentös ausgelösten akneähnlichen Ausschlägen, die plötzlich, gleichförmig und oft am Stamm erscheinen.
Bluttests oder eine Probeexcision braucht es nur, wenn Lupus, Sarkoidose, eine phototoxische Reaktion oder die seltene granulomatöse Variante im Raum stehen. Die American Academy of Dermatology (Aktualisierung 3. April 2024) erwähnt die Biopsie vor allem bei diesem Verdacht. Auf dunkler Haut helfen Glasdruck (Diascopie), Auflichtmikroskopie und Fotos vor blauem Hintergrund, feine Gefäße sichtbar zu machen. Ein Ausschlag an behaarter Kopfhaut oder tief in den Ohren spricht eher für eine Zweitdiagnose als für isolierte Rosacea, auch wenn Phyme die Ohren erreichen können.
Wann sollte man zum Arzt oder Augenarzt?
Bleibende Gesichtsrötung, wiederkehrende Papeln ohne Mitesser oder gereizte Augen gehören in die Sprechstunde, nicht in die Daueranwendung von Kortisoncremes aus der Hausapotheke. Frühe Behandlung kann nach StatPearls dauerhafte Gefäßzeichnung und Gewebeverdickung begrenzen.
Das britische NHS (Seitenprüfung 17. März 2023) rät bei typischen Hautzeichen zum Hausarzttermin. Sofort, mindestens am selben Tag, soll Hilfe kommen, wenn ein Auge schmerzt, die Sehkraft unscharf wird, Licht wehtut, das Auge deutlich rot ist oder sich körnig anfühlt. Dahinter kann eine Hornhautentzündung stecken, die unbehandelt das Sehen gefährdet. Die AAD überweist bei bedrohter Sehkraft unverzüglich zur Augenheilkunde. Auch festes Rhinophym, Atemnot durch verdickte Nase oder ausbleibendes Ansprechen nach acht bis zwölf Wochen topischer Therapie rechtfertigen die Überweisung zur Dermatologie.
Warnsignale, die nicht „nur Rosacea“ sind, sollten getrennt gedacht werden. Fieber, schmerzhafte einseitige Schwellung oder rasch entstehende eitrige Knoten können eine Infektion sein. Ein plötzlicher, streng auf Wangen und Nasenrücken begrenzter, schuppender Ausschlag nach Sonne mit Gelenkbeschwerden braucht Abklärung in Richtung Bindegewebskrankheit. Starke Scham, Rückzug oder anhaltende Niedergeschlagenheit sind ebenfalls ein Grund, den Befund anzusprechen. Der AAFP-Text 2024 verknüpft Rosacea mit höherer Rate von Angst und Depression und empfiehlt, das gezielt zu fragen.

Welche Cremes und Tabletten können helfen?
Welche Zubereitung passt, hängt vom vorherrschenden Merkmal ab, nicht von einem Untertyp-Etikett. Für Papeln und Pusteln gelten Ivermectin, Metronidazol und Azelainsäure als Erstlinien-Externa; für anhaltende Rötung wirken gefäßverengende Cremes nur vorübergehend.
Die britische Leitlinie der British Association of Dermatologists (2021) empfiehlt genau diese drei Lokalstoffe als erste Wahl und diskutiert Reizpotenzial vor dem Rezept. van Zuuren und Kollegen werteten 152 randomisierte Studien mit 20.944 Teilnehmenden aus (GRADE-Update 2019). Hohe Evidenz lag für Ivermectin und Azelainsäure gegen Papeln vor, hohe für Brimonidin gegen vorübergehend anhaltendes Erythem, mittlere bis hohe für retardiertes Doxycyclin 40 mg und für Isotretinoin. Ivermectin 1 Prozent einmal täglich schnitt in direkten Vergleichen oft klarer ab als Metronidazol 0,75 Prozent. Laut AAFP lag die Number needed to treat für eine gute bis ausgezeichnete Besserung unter Ivermectin gegenüber Trägercreme bei 3.
Retardiertes Doxycyclin 40 mg (30 mg sofort, 10 mg verzögert) ist in den USA das einzige oral zugelassene Rosacea-Präparat gegen Papeln und Pusteln. Cochrane-Daten, die AAFP und van Zuuren referieren, zeigten ähnliche Wirksamkeit wie 100 mg täglich bei weniger Nebenwirkungen, weil die Dosis unter der antimikrobiellen Schwelle bleibt und vor allem entzündungshemmend wirkt. StatPearls nennt übliche Kurzeiten von 8 bis 12 Wochen. Bei schwerem Bild kann die Kombination aus Ivermectin-Creme und 40-mg-Doxycyclin schneller ansprechen als Ivermectin allein. Isotretinoin in niedriger Dosis (0,25 bis 0,30 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag über 12 bis 16 Wochen, Angaben StatPearls) bleibt Reserve bei Versagen oder raschem Wiederkehren; Schwangerschaft ist ein hartes Ausschlusskriterium, Kontrolle gehört dazu.
| Merkmal | Mögliche Therapie | Typische Anwendung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Anhaltende Rötung | Brimonidin 0,33 % Gel oder Oxymetazolin 1 % Creme | 1× täglich, Wirkung oft 3–12 Stunden | AAD 2024, Merck 2025 |
| Papeln und Pusteln, leicht | Ivermectin 1 %, Metronidazol, Azelainsäure 15–20 % | 1–2× täglich, sichtbarer Effekt oft nach 2–12 Wochen | BAD 2021, AAFP 2024 |
| Papeln, mittelschwer | Doxycyclin 40 mg retardiert, oft plus Creme | 1× täglich über mehrere Wochen | AAFP 2024, StatPearls 2023 |
| Sichtbare Äderchen | Laser, Blitzlampe, Elektrokauter | Sitzungen, nicht als Creme ersetzbar | Mayo 2023, AAD 2024 |
| Augenreiz, mild | Lidhygiene, Tränenersatz, ggf. Doxycyclin | Täglich; Sehstörung sofort abklären | AAD 2024, NHS 2023 |
Neu gegenüber älteren Patientenratgebern ist mikroverkapseltes Benzoylperoxid 5 Prozent, das die US-Arzneimittelbehörde 2022 für entzündliche Läsionen zuließ. Die Kapselung soll den Wirkstoff langsamer freisetzen und die sonst häufige Reizung mindern. Minocyclin-Schaum 1,5 Prozent einmal täglich ist eine weitere topische Option, in Europa nicht überall verfügbar. Unselektive Betablocker wie Propranolol oder Carvedilol können laut StatPearls und AAFP hartnäckiges Erröten dämpfen, gehören aber in ärztliche Hand wegen Blutdruck und Puls. Kortisoncremes im Gesicht sollen vermieden werden. Sie können nach StatPearls einen Rebound oder eine rosaceaähnliche periorale Dermatitis auslösen; ältere Empfehlungen zu steroidhaltigen Augentropfen als Routine sind damit überholt.
Was leisten Laser, Licht und Operation?
Sichtbare Äderchen und festes Erythem reagieren auf Cremes oft nur stundenweise. Laser und intensive gepulste Lichtquellen können erweiterte Gefäße veröden und die Grundrötung dauerhafter abschwächen.
Die Mayo Clinic stellt klar, dass dieser Ansatz bei ungebräunter, heller Haut zuverlässiger greift als bei stark pigmentierter oder kürzlich gebräunter Haut. Rötung, Bluterguss und Schwellung für einige Tage sind üblich; Blasen und Narben gelten als selten. Auf brauner oder schwarzer Haut drohen länger anhaltende Hell- oder Dunkelverfärbungen. Die AAD warnt ausdrücklich vor Behandlungen in ungeübter Hand. Mehrere Sitzungen sind die Regel, und das Ergebnis kann nach Monaten nachlassen, weil neue Gefäße nachwachsen. Kostenübernahme ist je nach Versicherung ungewiss, weil der Eingriff oft als kosmetisch gilt.
Phymatöses Gewebe, das bereits fibrosiert ist, schrumpft durch Tabletten kaum. Früh kann Doxycyclin oder Isotretinoin weiteres Dickenwachstum bremsen. Sichtbare Überschüsse tragen dermatologische Chirurgen mit Skalpell, Kohlendioxidlaser, Radiofrequenz oder Elektrokauter ab und modellieren die Kontur. Merck bewertet die kosmetischen Ergebnisse dieser Verfahren als gut, sofern Erfahrung vorliegt. Ein Rhinophym ist kein persönliches Versagen und kein Alkoholstigma; es ist eine Gewebehyperplasie, die behandelt werden kann, sobald sie stört oder die Atmung behindert.
Welche Hautpflege und Alltagsregeln helfen?
Sanfte Reinigung, Feuchtigkeitscreme und täglicher Lichtschutz gehören zu jeder Therapie, nicht als Extra hinter das Rezept. Ohne diese Basis reizen Wirkstoffe stärker, und UV-Licht holt das Erythem rasch zurück.
Die AAD (Pflegetipps, Stand 3. April 2024) rät zu einem milde, seifenfreien Reiniger zweimal täglich, aufgetragen mit den Fingerspitzen, abgespült mit lauwarmem Wasser, trockengetupft statt gerieben. Feuchtigkeit kommt nach dem Trocknen der Haut und nach dem Arzneimittel, nicht umgekehrt. Duftstoffe, Menthol, Kampfer, Harnstoff, Glykolsäure, Natriumlaurylsulfat und alkoholische Toner sollen draußen bleiben; „parfümfrei“ ist nicht dasselbe wie „unbeduftet“. Lichtschutzfaktor 30 oder höher, breitbandig und möglichst mineralisch mit Zinkoxid oder Titandioxid, hat die ältere Empfehlung „wenigstens LSF 15“ abgelöst. Mayo und AAFP nennen zusätzlich Silikone wie Dimeticon, wenn mineralische Filter brennen. Hut, Schatten und Schal bei Kälte ergänzen die Creme.
Grün oder gelb getönte Abdeckung kann Rötung optisch brechen, wenn die Formel reizarm und nicht komedogen ist. Ein elektrischer Rasierer reibt oft weniger als eine scharfe Klinge. Wer Stress als Auslöser kennt, profitiert eher von planbarem Ausdauertraining in kühler Umgebung und von Schlaf als von heißen Yoga-Räumen. Zink oder Vitamin D als Tablette haben nach AAFP die Beschwerden in Studien nicht zuverlässig gebessert. Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren wird von der AAD vor allem bei trockenen Augen diskutiert, ersetzt aber keine Lidpflege.
Was bedeutet Rosacea an den Augen?
Okuläre Rosacea kann vor, mit oder ohne Hautbild auftreten. Trockene, körnige, brennende Augen, gerötete Lidränder, häufige Gerstenkörner und Lichtempfindlichkeit sind typisch; eine isolierte „Bindehautentzündung“ im Sommer erklärt das Muster selten vollständig.
Unbehandelt drohen Blepharitis, Entzündungen der Bindehaut, in schweren Fällen Hornhautbeteiligung bis zur Sehbedrohung. NIAMS fordert deshalb bei Augensymptomen ausdrücklich eine ärztliche Bewertung. Milde Verläufe beginnen mit warmen Kompressen und täglicher Lidkante, oft mit verdünntem Baby-Shampoo oder einer vom Arzt empfohlenen Reinigungslösung, plus tränenersetzenden Tropfen. Die AAD nennt zusätzlich Ciclosporin-Augentropfen zweimal täglich bei Brennen und Lichtschmerz sowie IPL in geübter Hand. Niedrig dosiertes orales Doxycyclin kann Haut und Augen gleichzeitig dämpfen. Nicht jedes Hautantibiotikum darf ins Auge. Steroidtropfen ohne augenärztliche Führung gehören nicht zur Selbstbehandlung, weil sie Drucksteigerung und Infektionen begünstigen können.
Kontaktlinsen werden in Schüben oft schlecht vertragen. Wer plötzlich unscharf sieht, einseitig starke Schmerzen oder eine sichtbare Hornhauttrübung bemerkt, wartet nicht auf den nächsten Hauttermin. Das NHS-Schema (schmerzhaftes Auge, Unschärfe, Lichtscheu, Rötung, Fremdkörpergefühl) bleibt die praktischste Schwelle für denselben Tag.
Häufige Fragen
Ist Rosacea heilbar?
Nein, eine dauerhafte Heilung ist nicht belegt. Schübe können mit Pflege, Auslöserkontrolle und Arzneimitteln oft so weit zurückgehen, dass die Haut über lange Strecken ruhig bleibt. Setzt die Therapie aus, kehren Zeichen häufig wieder.
Ist Rosacea ansteckend oder eine Folge von Unsauberkeit?
Weder Ansteckung noch mangelnde Hygiene erklären die Krankheit. Mayo Clinic und NHS nennen das ausdrücklich, weil Scham viele Menschen vom Arztbesuch abhält. Demodex-Milben leben auf fast jeder Gesichtshaut; ihre höhere Dichte ist ein Befund, kein Vorwurf.
Unterscheidet sich die Therapie bei dunkler Haut?
Die Wirkstoffe sind dieselben, die Diagnose kommt oft später. Rötung und Äderchen sind schwerer zu sehen, dafür zählen Brennen, Schwellung und spätere Pigmentverschiebungen. Laser und Azelainsäure können Hell- oder Dunkelflecken hinterlassen, deshalb gehört die Aufklärung dazu.
Hilft eine höhere Doxycyclin-Dosis besser als 40 mg?
Für Papeln und Pusteln war 40 mg retardiert in der von van Zuuren und vom AAFP zitierten Evidenz ähnlich wirksam wie 100 mg täglich, bei weniger Nebenwirkungen. Höhere, klassisch antibiotische Dosen bleiben Einzelfallentscheidungen, etwa bei schwerer Augenentzündung, und sollen so kurz wie möglich dauern.
Dürfen Kortisoncremes die Rötung beruhigen?
Im Gesicht eher nicht als Dauerlösung. StatPearls verknüpft topische Steroide mit Rebound und rosaceaähnlicher Dermatitis. Kurzzeitige Steroidtropfen am Auge entscheidet nur die Augenheilkunde, nicht die Hausapotheke.
Kann Makeup die Haut zusätzlich reizen?
Manche Formeln brennen, andere kaschieren gut. Grün- oder gelbgetönte, duftarme, nicht komedogene Produkte sind oft verträglicher als alkoholische Gele. Die AAD empfiehlt, neue Mittel zuerst an einer kleinen Stelle zu testen.

Fazit
Wer anhaltend in der Gesichtsmitte rötet, Papeln ohne Mitesser bekommt oder körnige Augen hat, hat wahrscheinlich keine „späte Akne“, sondern Rosacea. Die Einteilung nach einzelnen sichtbaren Merkmalen hat die alten vier Schubladen abgelöst. Das ändert die Rezepte: Ivermectin, Azelainsäure oder Metronidazol gegen Knötchen, retardiertes Doxycyclin 40 mg wenn Externa nicht reichen, gefäßverengende Cremes nur für Stunden gegen das Rot, Lichtverfahren gegen Äderchen.
Für den Alltag zählen Lichtschutzfaktor 30, milde Reinigung, Feuchtigkeit und ein ehrliches Auslösertagebuch mehr als starre Diäten. Kortison im Gesicht und steroidhaltige Augentropfen ohne Fachaufsicht gehören nicht dazu. Schmerzendes, lichtscheues oder unscharfes Auge ist derselbe-Tag-Fall. Ein Termin bei Hausarzt oder Hautarzt in den nächsten Tagen reicht für das klassische Hautbild; wer nach zwei bis drei Monaten lokaler Therapie kaum Fortschritt sieht oder eine verdickte Nase bemerkt, sollte die Strategie neu planen lassen statt still weitercremen.
Quellen
- Mayo Clinic: Rosacea – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 17. Oktober 2023.
- Mayo Clinic: Rosacea – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 17. Oktober 2023.
- American Academy of Dermatology: Rosacea: Diagnosis and treatment. American Academy of Dermatology, 3. April 2024.
- Frazier W, Zemtsov RK et al.: Rosacea: Common Questions and Answers. American Family Physician, Juni 2024.
- Keri JE: Rosacea (Acne Rosacea). Merck Manual Professional Edition, Stand: April 2025.
- Farshchian M, Daveluy S: Rosacea – StatPearls NCBI Bookshelf. StatPearls Publishing, 8. August 2023.
- National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases: Rosacea Symptoms, Causes, & Risk Factors. National Institutes of Health, Stand: Mai 2024.
- van Zuuren EJ, Fedorowicz Z et al.: Interventions for rosacea based on the phenotype approach: an updated systematic review including GRADE assessments. British Journal of Dermatology, 10. März 2019.
- Thiboutot D, Anderson R et al.: Standard management options for rosacea: The 2019 update by the National Rosacea Society Expert Committee. Journal of the American Academy of Dermatology, 7. Februar 2020.
- Gether L, Overgaard LK et al.: Incidence and prevalence of rosacea: a systematic review and meta-analysis. British Journal of Dermatology, 31. Mai 2018.
- Hampton PJ, Berth-Jones J et al.: British Association of Dermatologists guidelines for the management of people with rosacea 2021. British Journal of Dermatology, 5. Juli 2021.
- Cleveland Clinic: Rosacea: Symptoms, Causes, Triggers & Treatment. Cleveland Clinic, 12. April 2023.
