
Singulair enthält Montelukast, einen Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten, der vorbeugend bei Asthma, belastungsbedingter Atemwegsverengung und unter engen Bedingungen bei allergischer Rhinitis eingesetzt werden kann. Es ersetzt keinen Notfallinhalator und heilt die entzündliche Atemwegskrankheit nicht; die US-amerikanische Food and Drug Administration hat am 4. März 2020 eine Rahmenwarnung zu schweren psychischen Reaktionen vorgeschrieben und die Anwendung bei Heuschnupfen deutlich eingeschränkt.
Ältere Patienteninformationen aus der Zeit um 2018 beschrieben Montelukast noch vor allem als alltagsnahe Tablette gegen Asthma und Niesen, mit einem Hinweis auf seltene Stimmungsschwankungen ohne klare Ursächlichkeit. Seither haben die FDA, die britische Fachinformation (Stand Juli 2026) und die gemeinsame Asthma-Leitlinie von BTS, NICE und SIGN (November 2024) das Nutzen-Risiko-Verhältnis neu gewichtet. Wer das Mittel nimmt oder für ein Kind abwägt, braucht deshalb mehr als die Packungsbeilage von vor einem Jahrzehnt: Indikation, Alter, Dosis, was vor dem Sport gilt, und welche Zeichen zum sofortigen Absetzen führen.
Was Singulair ist und wofür es zugelassen ist
Singulair ist der Markenname für Montelukast-Natrium, ein verschreibungspflichtiges orales Arzneimittel aus der Gruppe der Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten. Die US-Fachinformation (DailyMed, Stand Juni 2021) nennt drei zugelassene Einsatzfelder: die langfristige Vorbeugung und Behandlung von Asthma ab dem vollendeten 12. Lebensmonat, die Vorbeugung belastungsinduzierter Bronchokonstriktion ab 6 Jahren sowie die Linderung saisonaler allergischer Rhinitis ab 2 Jahren und ganzjähriger allergischer Rhinitis ab 6 Monaten.
Die Darreichungen sind eine Filmtablette zu 10 Milligramm, kirscharomatisierte Kautabletten zu 4 und 5 Milligramm sowie Granulatbeutel zu 4 Milligramm. Laut Mayo Clinic (Aktualisierung Juni 2026) liegen für jüngere Kinder unter den genannten Altersgrenzen keine ausreichenden Wirksamkeitsdaten vor. Das Granulat ist für Kleinkinder gedacht, die noch keine Tablette kauen oder schlucken können.
Zwei Grenzen stehen in der Fachinfo ausdrücklich. Singulair ist nicht zur Behandlung eines bereits laufenden Asthmaanfalls zugelassen, auch nicht bei Status asthmaticus. Es darf inhalative oder orale Kortikosteroide nicht abrupt ersetzen; eine Dosisreduktion des Steroids darf nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Wer auf Acetylsalicylsäure mit Atemnot reagiert, soll Acetylsalicylsäure und andere nichtsteroidale Entzündungshemmer weiter meiden. Montelukast kann die Lungenfunktion bei solchen Patienten verbessern, unterbricht aber die auslösende Reaktion auf diese Schmerzmittel nicht.
Die britische Fachinformation (emc, Stand 2. Juli 2026) formuliert die Asthma-Indikation enger als die US-Zulassung. Montelukast gilt dort als Zusatz, wenn leichtes bis mittelschweres persistierendes Asthma unter inhalativen Kortikosteroiden und Bedarfs-Beta-2-Agonisten unzureichend bleibt, plus als Vorbeugung, wenn Belastung der führende Auslöser ist. Für Leser in Europa liegt die Praxis näher an diesem Zusatzmodell als an einer Monotherapie der ersten Wahl.
![[Pollenallergie]](https://demedbook.com/images/1/what-is-singulair-and-what-is-it-used-for.jpg)
Wie Montelukast in den Atemwegen wirkt
Montelukast bindet selektiv an den Cysteinyl-Leukotrien-Rezeptor Typ 1 (CysLT1) und blockiert dort vor allem Leukotrien D4, ohne den Rezeptor selbst zu aktivieren. Cysteinyl-Leukotriene (LTC4, LTD4, LTE4) entstehen aus Arachidonsäure in Mastzellen und eosinophilen Granulozyten. In der menschlichen Lunge sitzt CysLT1 auf glatter Atemwegsmuskulatur, Makrophagen und weiteren Entzündungszellen.
Werden Pollen, Hausstaubmilbenkot oder kalte Luft eingeatmet, können diese Botenstoffe Ödem der Schleimhaut, Zusammenziehen der Bronchialmuskulatur und veränderte Zellaktivität auslösen. In der Nase werden dieselben Leukotriene nach Allergenkontakt in der Früh- und Spätphase freigesetzt und tragen zu Niesen, Juckreiz, Sekret und Schwellung bei. Die Fachinfo beschreibt genau diese Kette; Montelukast greift nicht am Histaminrezeptor und nicht am Kortisonrezeptor an.
Nach einer 10-Milligramm-Filmtablette nüchterner Erwachsener liegt der mittlere Plasmaspiegelgipfel laut DailyMed nach 3 bis 4 Stunden, die mittlere orale Bioverfügbarkeit bei 64 Prozent. Die Plasmahalbwertszeit beträgt bei jungen Gesunden etwa 2,7 bis 5,5 Stunden; bei einmal täglicher Gabe reichert sich die Muttersubstanz kaum an. Dosen ab 5 Milligramm können die LTD4-getriggerte Bronchokonstriktion deutlich abschwächen. In einer kleinen Crossover-Studie (12 Teilnehmende) hemmte Montelukast die frühe antigenbedingte Verengung um 75 Prozent und die späte um 57 Prozent. Das erklärt, warum die Tablette vorbeugen kann, aber Minuten nach Keuchen und Enge zu langsam bleibt.
Welche Stellung hat es in der Asthma-Therapie?
Montelukast kann Asthmasymptome gegenüber Placebo mindern, inhalative Kortikosteroide bleiben aber wirksamer, vor allem nachts. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse im European Respiratory Review (Mayoral und Kollegen, 18. Oktober 2023) wertete 49 Studien bei Kindern und Jugendlichen aus. Gegen Placebo verbesserte Montelukast die globalen Asthmasymptome (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,90). Gegen inhalative Steroide fielen Tages- und Nachtscores zugunsten der Steroide aus (etwa −0,12 und −0,23). Die Lebensqualität unterschied sich in den gepoolten Schätzern nicht signifikant.
Die US-Zulassungsstudien bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 15 Jahren (zwei zwölfwöchige, placebokontrollierte Versuche, 1576 Patienten) zeigten nach DailyMed eine mittlere FEV1-Zunahme von 13,0 Prozent gegenüber 4,2 Prozent unter Placebo, entsprechend 0,32 Liter gegen 0,10 Liter. Bei Kindern von 6 bis 14 Jahren (8 Wochen, 336 Patienten) stieg die morgendliche FEV1 um 8,7 Prozent gegen 4,2 Prozent. Solche Differenzen belegen eine messbare Vorbeugung, ersetzen aber keine entzündungshemmende Inhalation als Basis bei persistierendem Asthma.
Die gemeinsame Leitlinie von BTS, NICE und SIGN vom November 2024 setzt Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten als zeitlich begrenzten Versuch ein, wenn die Kontrolle unter einer ICS-haltigen Therapie unzureichend bleibt. Typisch sind 8 bis 12 Wochen; fehlt der Nutzen oder treten Nebenwirkungen auf, soll das Mittel wieder abgesetzt werden. Vor und während der Gabe verweist die Leitlinie auf die aktuellen britischen Sicherheitshinweise zu psychischen Reaktionen. Bei Kindern, die ein MART-Schema (Erhaltungs- und Bedarfsdosis aus demselben ICS/Formoterol-Inhalator) nicht sicher bedienen können, kann ein LTRA zur niedrig dosierten inhalativen Steroidtherapie plus Bedarfs-Beta-2-Agonist erwogen werden. Unter Fünfjährigen mit Verdacht auf Asthma und unzureichender Kontrolle unter mitteldosiertem ICS gilt derselbe befristete Versuch, danach Überweisung, wenn er scheitert.
Zwei praktische Regeln folgen daraus. Erstens bleibt der Bedarfsinhalator Pflicht; die Tablette wirkt nicht schnell genug für den akuten Anfall. Zweitens soll niemand inhalative Steroide eigenmächtig streichen, nur weil die Tablette dazugekommen ist. Die Fachinfo warnt ausdrücklich vor einem plötzlichen Austausch.
Allergische Rhinitis: nur noch Reservemittel?
Für Heuschnupfen und ganzjährige Nasenallergie gilt Montelukast seit 2020 nicht mehr als Mittel der ersten Wahl. Die FDA hat nach Auswertung von Fallmeldungen, einer Sentinel-Beobachtungsstudie und tierexperimentellen Arbeiten entschieden, dass der Nutzen die psychischen Risiken bei milder Rhinitis oft nicht aufwiegt. Verschrieben werden soll es nur, wenn andere Verfahren unzureichend wirken oder nicht vertragen werden.
Zu den Alternativen zählt die FDA-Mitteilung vom 4. März 2020 orale Antihistaminika (unter anderem Loratadin, Fexofenadin, Cetirizin, Levocetirizin, Diphenhydramin) und steroidhaltige Nasensprays (Fluticason, Triamcinolon, Budesonid) sowie die Allergen-Immuntherapie. Viele dieser Optionen sind ohne Rezept erhältlich. Die Rhinitis-Indikation in der US-Fachinfo wurde im April 2020 und erneut 2021 genau in diesem Sinn umformuliert.
Die Zulassungsstudien selbst zeigten nur einen begrenzten Vorsprung gegen Placebo. In einer saisonalen Studie fiel der Tages-Nasenscore unter 10 Milligramm Montelukast um 0,39 Punkte, unter Placebo um 0,26, Differenz −0,13. Loratadin lag in derselben Untersuchung bei −0,46, der Vergleich war jedoch nicht als Überlegenheitsprüfung geplant. In einer ganzjährigen Studie betrug die Differenz gegen Placebo −0,08 Punkte. Wer also nur niesen und eine verstopfte Nase hat, soll zuerst das Nasenspray oder ein Antihistaminikum prüfen, nicht die Leukotrientablette.
Nimmt jemand Montelukast bereits täglich wegen Asthma, zählt das als eine Dosis. Eine zweite Tablette „für die Nase“ ist nicht vorgesehen. Bei gleichzeitiger Asthma- und Rhinitis-Indikation empfiehlt DailyMed die abendliche Einnahme.
Belastungasthma: Einnahme vor dem Sport
Zur Vorbeugung belastungsinduzierter Bronchokonstriktion soll eine Einzeldosis mindestens zwei Stunden vor der Anstrengung genommen werden, ab 6 Jahren. Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren erhalten 10 Milligramm, Kinder von 6 bis 14 Jahren die 5-Milligramm-Kautablette. Wer Montelukast bereits täglich gegen Asthma oder Rhinitis nimmt, soll keine Extra-Tablette vor dem Sport schlucken. Innerhalb von 24 Stunden bleibt es bei einer Dosis.
Die Schutzwirkung ist messbar, aber unvollständig. In einer crossover-kontrollierten Erwachsenenstudie (Studie A der Fachinfo) fiel die FEV1 zwei Stunden nach Einnahme im Mittel um 13 Prozent, unter Placebo um 22 Prozent. Ein Teil der Teilnehmenden war nach 8,5 und 24 Stunden noch geschützt, ein anderer Teil nicht. Bei Kindern von 6 bis 14 Jahren (64 Teilnehmende) lag der maximale FEV1-Abfall nach zwei Stunden bei 15 gegen 20 Prozent. In einer zwölfwöchigen Abenddosis-Studie blieb der Effekt über den Dosierungsabstand erhalten, Toleranz trat nicht ein; trotzdem erlebten 52 Prozent der Untersuchten weiterhin einen Abfall von mindestens 20 Prozent.
Deshalb bleibt ein kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum in Reichweite nötig. DailyMed stellt klar, dass die tägliche Asthmagabe nicht als Beleg gilt, akute belastungsbedingte Episoden zuverlässig zu verhindern. Wer nach dem Lauf stärker keucht als zuvor oder den Bedarfsinhalator häufiger braucht, soll das der behandelnden Praxis sagen statt die Tablette selbst zu verdoppeln.
Wie wird Singulair eingenommen?
Bei Asthma wird Montelukast einmal täglich abends eingenommen, mit oder ohne Mahlzeit; vergessene Dosen werden nicht nachgeholt, eine Doppelung ist unzulässig. Bei alleiniger allergischer Rhinitis darf der Zeitpunkt nach DailyMed an den Alltag angepasst werden, morgens oder abends. Die NHS rät den meisten Patienten ebenfalls zur Abenddosis und betont, das Mittel auch an beschwerdefreien Tagen weiterzunehmen, solange es verordnet ist.
Die Altersdosen der US-Fachinfo fasst die folgende Tabelle zusammen. Sie gilt als Orientierung aus der Kennzeichnung, nicht als Hausrezept; die verordnete Stärke entscheidet.
| Altersgruppe | Übliche Stärke | Typische Indikation laut US-Fachinfo |
|---|---|---|
| Ab 15 Jahren | 10 mg Filmtablette | Asthma, Belastung, Rhinitis |
| 6 bis 14 Jahre | 5 mg Kautablette | Asthma, Belastung, Rhinitis |
| 2 bis 5 Jahre | 4 mg Kau- oder Granulatform | Asthma, saisonale und ganzjährige Rhinitis |
| 12 bis 23 Monate | 4 mg Granulat | Asthma |
| 6 bis 23 Monate | 4 mg Granulat | Ganzjährige allergische Rhinitis |
Das Granulat darf direkt in den Mund, in einen Teelöffel (5 Milliliter) kalter oder zimmerwarmer Säuglingsmilch oder Muttermilch oder in einen Löffel Apfelmus, Karotten, Reis oder Speiseeis. Andere Speisen und andere Flüssigkeiten zum Anrühren sind nach DailyMed nicht geprüft. Der Beutel bleibt bis unmittelbar vor der Gabe geschlossen; die Mischung muss innerhalb von 15 Minuten verbraucht werden und darf nicht aufbewahrt werden. Nach dem Granulat darf das Kind trinken. Die NHS nennt zusätzlich Joghurt als weiche Trägerspeise und warnt davor, das Granulat in einem Getränk aufzulösen.
Filmtabletten werden unzerkaut mit Flüssigkeit genommen. Für Kautabletten schreibt die NHS mindestens eine Stunde Abstand vor oder zwei Stunden nach dem Essen vor, damit die Aufnahme stimmt; die US-Kennzeichnung erlaubt Asthma- und Rhinitis-Einnahme unabhängig von den Mahlzeiten. Bei Unsicherheit gilt der Text der mitgegebenen Packungsbeilage des jeweiligen Präparats. Überdosierungszeichen nach MedlinePlus können Bauchschmerz, Schläfrigkeit, Durst, Kopfschmerz, Erbrechen und Unruhe sein; dann Giftnotruf oder Notaufnahme, nicht eine zweite Tablette.
Häufige Nebenwirkungen und seltene Gefäßentzündung
In kontrollierten Studien traten am häufigsten Infekte der oberen Atemwege, Fieber, Kopfschmerz, Rachenentzündung, Husten, Bauchschmerz, Durchfall, Mittelohrentzündung, Influenza, Nasenlaufen, Nasennebenhöhlenentzündung und Ohrbeschwerden auf, jeweils mit einer Häufigkeit von mindestens 5 Prozent und öfter als unter Placebo. Bei Erwachsenen ab 15 Jahren mit Asthma lag Kopfschmerz unter 10 Milligramm bei 18,4 Prozent, unter Placebo bei 18,1 Prozent; der Unterschied ist klein. Die NHS (Stand März 2023) zählt Durchfall, Fieber, Kopfschmerz, Bauchschmerz, Übelkeit und einen leichten Ausschlag zu den häufigen, bei mehr als 1 von 100 Personen beobachteten Wirkungen.
Kinder können zusätzlich Ohrschmerz und Fieber entwickeln; MedlinePlus rät dann zum zeitnahen Anruf in der Praxis. Hautreaktionen von Juckreiz bis Blasen, Schwellung von Gesicht oder Zunge, Pfeifen und Schluckstörung gehören zur allergischen Notfallliste. Nach der Markteinführung wurden außerdem erhöhte Blutungsneigung, Krampfanfälle, Herzklopfen, Leberzell- und cholestatische Schäden, Erythema nodosum, Stevens-Johnson-Syndrom, Gelenk- und Muskelschmerz sowie Einnässen bei Kindern gemeldet. Häufigkeiten lassen sich aus solchen Spontanberichten nicht zuverlässig berechnen.
Selten steigt die Zahl eosinophiler Granulozyten, manchmal mit Zeichen einer Gefäßentzündung, die dem früheren Churg-Strauss-Syndrom entspricht (heute eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis). Das Bild tritt vor allem bei Asthma auf, oft wenn orale Steroide reduziert werden. Warnzeichen sind Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, grippeähnliche Beschwerden, Ausschlag und stark entzündete Nebenhöhlen, manchmal mit Herz- oder Nervenbeteiligung. Ein kausaler Zusammenhang mit Montelukast ist laut Fachinfo nicht belegt; trotzdem soll diese Kombination dem Arzt noch am selben Tag gemeldet werden, nicht „abgewartet“ werden.
Neuropsychiatrische Risiken seit 2020
Schwere Veränderungen von Stimmung, Verhalten und Schlaf sind der Grund, warum Singulair seit 2020 eine Rahmenwarnung trägt. Gemeldet wurden unter anderem Agitiertheit, Aggression, Angst, Depression, Verwirrtheit, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörung, ungewöhnliche Träume, Halluzinationen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Zwangssymptome, Schlafwandeln, Stottern, Tic, Zittern sowie Suizidgedanken und Suizidhandlungen. Die Ereignisse betrafen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, mit und ohne psychiatrische Vorgeschichte. Die meisten Berichte entstanden unter der Therapie, einzelne erst nach dem Absetzen.
Die FDA hatte psychische Reaktionen bereits 2008 und 2009 in die Kennzeichnung aufgenommen. Viele Verordnende und Familien kannten das Risiko trotzdem nicht. Nach anhaltenden Meldungen, darunter 82 dokumentierte vollendete Suizide in der FAERS-Auswertung bis Mai 2019 (viele Berichte unvollständig, 48 von 82 ohne ausreichende Angaben), setzte die Behörde die prominenteste Warnstufe. Eine Sentinel-Studie bei 457 377 Asthma-Patienten ab 6 Jahren fand gegenüber inhalativen Steroiden kein signifikant erhöhtes Risiko stationär behandelter Depression (Hazard Ratio 1,06; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,90–1,24) und kein erhöhtes Selbstverletzungsrisiko. Die Studie erfasste nur abgerechnete Kontakte und konnte leichte, durch bloßes Absetzen erledigte Fälle verpassen. Tierdaten zeigen, dass oral gegebenes Montelukast bei Ratten ins Gehirn gelangt. Die Mechanismen beim Menschen bleiben unklar; belastbare individuelle Risikofaktoren nennt die Fachinfo nicht.
Die britische Fachinformation (Stand Juli 2026) stuft Alpträume, Schlaflosigkeit, Angst, Agitiertheit einschließlich Aggression und Depression als gelegentlich ein, also mindestens 1 von 1000 und unter 1 von 100 Behandelten. Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Tics gelten als selten (mindestens 1 von 10 000, unter 1 von 1000). Halluzinationen, Desorientierung, suizidales Denken oder Handeln, Zwangssymptome und Stottern sind sehr selten (unter 1 von 10 000). Die Kennzeichnung verlangt, die Therapie zu beenden, sobald solche Zeichen auftreten; ein Ausschleichen ist für diese Situation nicht vorgesehen. Manche Symptome können nach dem Stopp anhalten, dann soll die verordnende Praxis weiter informiert bleiben.
MedlinePlus und die Mayo Clinic wiederholen dieselbe Handlungsregel. Familie oder Betreuungspersonen sollen die Warnzeichen kennen, weil Betroffene sie selbst oft nicht einordnen. In vielen Fallberichten klangen die Symptome nach dem Stopp ab, in manchen nicht. Dann bleibt Beobachtung und Unterstützung nötig, bevor über ein Wiederansetzen entschieden wird.
Wechselwirkungen, Schwangerschaft und PKU
Phenobarbital senkt die Fläche unter der Montelukast-Konzentrationskurve nach einer 10-Milligramm-Dosis um etwa 40 Prozent; eine Dosisanpassung ist laut DailyMed trotzdem nicht vorgeschrieben, klinische Beobachtung aber sinnvoll, ebenso bei anderen starken Enzyminduktoren wie Rifampicin. Gemfibrozil, Theophyllin, Prednison, Prednisolon, orale Kontrazeptiva, Fexofenadin, Digoxin, Warfarin und Itraconazol erfordern nach derselben Kennzeichnung keine Dosisänderung. MedlinePlus bittet dennoch, Gemfibrozil, Phenobarbital und Rifampicin der Praxis zu nennen, weil individuelle Verläufe abweichen können. Die Mayo-Liste enthält weitere Kombinationshinweise, unter anderem zu Carbamazepin; bei Mehrfachmedikation entscheidet die Verordnung, nicht die Selbstauskunft im Beipackzettel-Forum.
Leichte bis mittlere Leberfunktionseinschränkung mit Zirrhosezeichen erhöhte die Montelukast-AUC in einer Untersuchung um 41 Prozent, die Halbwertszeit lag bei 7,4 Stunden; eine Dosisanpassung ist dort nicht vorgesehen. Schwere Lebererkrankung und Hepatitis sind pharmakokinetisch nicht untersucht. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist laut Fachinfo keine Anpassung nötig. Ältere Menschen brauchen keine reduzierte Milligrammzahl; die Mayo Clinic merkt an, dass sie empfindlicher auf Wirkungen reagieren können.
Veröffentlichte Kohorten haben nach DailyMed kein arzneimitteltypisches Fehlbildungsrisiko gezeigt, die Studien sind jedoch klein oder methodisch begrenzt. Unzureichend kontrolliertes Asthma in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Präeklampsie, Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht. Die NHS (März 2023) hält Montelukast in der Schwangerschaft für möglich, wenn die Atemwegskontrolle es erfordert, und rät zur Rücksprache, sobald eine Schwangerschaft bekannt wird. In die Muttermilch gehen laut NHS nur geringe Mengen über; bei gesundem Säugling gilt Stillen unter der Therapie als vereinbar, auffällige Trinkschwäche, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Durchfall sollen gemeldet werden. Ein Einfluss auf die Fruchtbarkeit ist nicht belegt.
Kautabletten enthalten Aspartam. Jede 4-Milligramm-Tablette liefert 0,674 Milligramm Phenylalanin, jede 5-Milligramm-Tablette 0,842 Milligramm. Bei Phenylketonurie zählt diese Menge zur Tagesbilanz. Das Granulat und die 10-Milligramm-Filmtablette sind davon nicht betroffen.
Wann zum Arzt oder in die Notaufnahme
Neue Aggressivität, Alpträume, Angst, depressive Leere, Konzentrationsbruch oder Stottern sind Gründe, Montelukast noch am selben Tag zu stoppen und ärztlichen Rat einzuholen, nicht erst die nächste Kontrollwoche abzuwarten. Suizidgedanken, konkrete Pläne oder Handlungen gehören in die Notaufnahme oder an den Notruf; die NHS nennt dafür den britischen 999-Weg, in Deutschland die 112. Halluzinationen, plötzliche Verwirrtheit und ein als neu erlebtes Zittern fallen in dieselbe dringliche Gruppe.
Atemnot mit Schwellung von Lippen, Zunge oder Rachen, pfeifender Enge, blass-grauer Haut und Bewusstseinstrübung spricht für eine schwere allergische Reaktion und braucht den Notarzt, nicht die nächste Bereitschaftspraxis. Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin und Oberbauchschmerz können auf eine Leberbeteiligung deuten. Die Kombination aus grippeähnlichem Krankheitsgefühl, Kribbeln, Ausschlag und sich verschlechterndem Asthma soll am selben Tag geklärt werden, weil eine eosinophile Gefäßentzündung dahinterstecken kann.
Alltagsregeln ohne Drama, aber mit Schwelle:
- Der Bedarfsinhalator wirkt schlechter oder wird deutlich häufiger gebraucht als in der Vorwoche.
- Nachts weckt Enge häufiger, oder die Peak-Flow-Werte fallen anhaltend.
- Durchfall, Kopfschmerz oder Bauchschmerz bleiben über Tage störend trotz einfacher Maßnahmen.
- Ein Kind mit Ohrschmerz und Fieber unter der Therapie soll zeitnah vorgestellt werden.
- Nach dem Absetzen wegen psychischer Zeichen bleibt die Beobachtung bestehen, bis die Symptome klar rückläufig sind.
Die FDA betont, das Mittel nicht ohne Rücksprache aus rein vorbeugender Vorsicht abzusetzen, wenn keine neuen psychischen Zeichen vorliegen. Wer nur unsicher ist, ob die Indikation nach 2020 noch trägt, kann das in der nächsten geplanten Visite klären statt die Asthmakontrolle über Nacht zu verlieren.
Häufige Fragen
Hilft Singulair bei einem plötzlichen Asthmaanfall?
Nein. Montelukast ist ein Vorbeugungsmittel und wirkt zu langsam für den akuten Anfall. Dafür bleibt der verordnete kurzwirksame Inhalator zuständig. Die Tablette darf während einer Exazerbation weitergenommen werden, ersetzt aber keine Notfallbehandlung.
Kann Singulair Stimmung und Schlaf verändern?
Ja. Seit März 2020 trägt das Mittel in den USA eine Rahmenwarnung; die britische Fachinformation verlangt dasselbe sofortige Absetzen. Möglich sind unter anderem Aggression, Alpträume, Angst, Depression und sehr selten Suizidgedanken. Bei solchen Zeichen das Präparat stoppen und noch am selben Tag medizinische Hilfe holen.
Wie lange dauert es, bis Montelukast merkt?
Der Plasmaspiegelgipfel liegt bei Erwachsenen nach 3 bis 4 Stunden; vor Belastung soll die Dosis mindestens zwei Stunden vorher liegen. Für chronisches Asthma ist es ein Dauerpräparat, kein Minutenmittel. NICE prüft den Nutzen eines Zusatzversuchs nach 8 bis 12 Wochen und rät zum Absetzen, wenn die Kontrolle nicht besser wird.
Darf ich Singulair in der Schwangerschaft nehmen?
Die NHS hält das unter laufender Asthmakontrolle für möglich, DailyMed sieht kein belegtes Fehlbildungsrisiko in den vorliegenden Kohorten. Schlecht eingestelltes Asthma schadet Mutter und Kind nachweislich mehr als die bisher bekannten Daten zu Montelukast. Jede Schwangerschaft soll der Praxis gemeldet werden, damit das gesamte Schema geprüft wird.
Was tun, wenn eine Dosis vergessen wurde?
Die vergessene Tablette entfällt, die nächste folgt zur gewohnten Zeit. Eine Doppelung innerhalb von 24 Stunden ist nicht vorgesehen. Wer Dosen häufig vergisst, kann eine Erinnerung setzen oder die Apotheke um Hilfen bitten.
Ist Singulair ein Kortison?
Nein. Es blockiert Leukotrienrezeptoren und enthält kein Steroid. Genau deshalb darf es inhalative Kortikosteroide nicht ersetzen. Beide Wirkprinzipien können kombiniert werden, die Steroiddosis ändert nur die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Fazit
Montelukast bleibt ein orales Vorbeugungsmittel, das Leukotrien D4 am CysLT1-Rezeptor hemmen und so nächtliches Keuchen, belastungsbedingte Enge und – in zweiter Linie – nasale Allergiesymptome mindern kann. Die Messwerte aus den Zulassungsstudien und die Kinder-Metaanalyse von 2023 zeigen einen echten, aber begrenzten Effekt; inhalative Kortikosteroide steuern die entzündliche Atemwegskrankheit zuverlässiger. Seit der FDA-Rahmenwarnung 2020 und der verschärften britischen Fachinformation ist die psychische Überwachung Teil der Verordnung, nicht ein Kleingedrucktes.
Wer Singulair neu beginnt, sollte Indikation und Alternativen ansprechen, besonders bei isoliertem Heuschnupfen. Die Dosis folgt dem Alter, abends bei Asthma, vor dem Sport nur dann extra, wenn nicht bereits täglich eingenommen wird. Familie oder Mitbewohner kennen die Warnzeichen für Stimmung, Schlaf und Verhalten.
Tritt eines dieser Zeichen auf, das Präparat stoppen und Hilfe holen. Fehlen sie und bleibt das Asthma ruhig, die Tablette nicht aus Angst vor der Warnung heimlich weglassen. Die nächste sinnvolle Handlung ist ein kurzes Gespräch über Nutzen, Dauer des Versuchs und den Plan für den Anfall – mit dem Inhalator in der Tasche, nicht mit der Erwartung, eine Tablette ersetze ihn.
Quellen
- FDA: FDA requires Boxed Warning about serious mental health side effects for asthma and allergy drug montelukast (Singulair); advises restricting use for allergic rhinitis. U.S. Food and Drug Administration, 4. März 2020.
- Organon LLC: SINGULAIR- montelukast sodium granule, chewable tablet, and film coated tablet. DailyMed, U.S. National Library of Medicine, Stand: Juni 2021.
- MedlinePlus: Montelukast: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine, 15. Dezember 2021.
- Mayo Clinic: Montelukast (oral route) – Side effects & dosage. Mayo Clinic, 1. Juni 2026.
- NICE: Asthma: diagnosis, monitoring and chronic asthma management (BTS, NICE, SIGN). National Institute for Health and Care Excellence, 27. November 2024.
- Amarox Limited: Montelukast 10 mg film-coated tablets – Summary of Product Characteristics (SmPC). Electronic Medicines Compendium, Stand: 2. Juli 2026.
- NHS: About montelukast – Brand name: Singulair. National Health Service, 14. März 2023.
- NHS: How and when to take montelukast – Brand name: Singulair. National Health Service, 14. März 2023.
- NHS: Pregnancy, breastfeeding and fertility while taking montelukast – Brand name: Singulair. National Health Service, 14. März 2023.
- Mayoral K, Lizano-Barrantes C et al.: Montelukast in paediatric asthma and allergic rhinitis: a systematic review and meta-analysis. European Respiratory Review, 18. Oktober 2023.
- NHS: Side effects of montelukast – Brand name: Singulair. National Health Service, 14. März 2023.
