
Alkoholische Hepatitis ist eine akute Entzündung der Leber nach schwerem Alkoholkonsum, die sich meist als rasch einsetzende Gelbsucht zeigt. In schweren Fällen sterben laut der Leitlinie des American College of Gastroenterology von 2024 innerhalb eines Monats 20 bis 50 Prozent der Betroffenen.
Fachleute sprechen zunehmend von alkoholassoziierter Hepatitis, um die Diagnose von einem moralischen Stempel zu trennen. Die Erkrankung sitzt im Spektrum der alkoholassoziierten Leberkrankheit, das von Fett in den Leberzellen über Narben bis zur Zirrhose reicht. Viele Patientinnen und Patienten haben zum Zeitpunkt der Gelbsucht bereits Fibrose. Ein Medikament, das die Entzündung zuverlässig ausheilt, gibt es nicht. Entscheidend bleiben kompletter Alkoholverzicht, Ernährung und bei ausgewählten schweren Verläufen ein kurzer Kortisonstoß. Wer Gelbsucht, Verwirrtheit oder Blutbrechen bemerkt, holt noch am selben Tag medizinische Hilfe.
Was ist alkoholische Hepatitis?
Alkoholische Hepatitis ist die klinische Form einer alkoholbedingten Leberentzündung mit neuem Ikterus, nicht einfach ein anderer Name für Fettleber oder Zirrhose. Die ACG-Leitlinie 2024 übernimmt die Kriterien des US-Konsortiums NIAAA für eine wahrscheinliche Diagnose ohne Biopsie.
Gelbsucht muss innerhalb von 60 Tagen nach schwerem Konsum auftreten. Als schwer gilt mehr als 50 Gramm Alkohol pro Tag über mindestens sechs Monate. Das Serum-Bilirubin liegt bei mindestens 3 mg/dl (rund 51 µmol/l). Die AST liegt zwischen 50 und 400 U/l, das Verhältnis AST zu ALT über 1,5, und eine andere akute Hepatitis muss ausgeschlossen sein. StatPearls (Aktualisierung Juni 2023) grenzt das von der histologischen alkoholischen Steatohepatitis ab. Die eine Diagnose stellt der Verlauf am Krankenbett, die andere das Mikroskop mit Ballonierung, Neutrophilen und Mallory-Denk-Körpern.
Eine bestehende Zirrhose schließt die Diagnose nicht aus. Häufig ist die Hepatitis der Moment, in dem eine schon narbige Leber erstmals dekompensiert und Bauchwasser, Gerinnungsstörung oder Verwirrtheit hinzukommen. Die Mayo Clinic (Stand Januar 2026) schreibt, dass bis zu einem Drittel der Menschen mit Alkoholgebrauchsstörung irgendeine Form der alkoholassoziierten Leberkrankheit entwickeln, aber längst nicht jede Person mit hohem Konsum erkrankt.
Neuere Texte unterscheiden außerdem die Überlappung mit metabolischer Fettleber. Treffen Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck und relevanter Alkoholkonsum zusammen, spricht man von MetALD. Das ändert die Diagnose der akuten Hepatitis nicht, erklärt aber, warum dieselbe Menge Alkohol bei manchen Menschen die Leber rascher entzündet.

Welche Symptome sind typisch?
Das häufigste Warnzeichen ist Gelbsucht der Haut oder der Augenweißen, weil Bilirubin sich staut, das eine gesunde Leber über die Galle entsorgen würde. Auf dunkler Haut ist die Gelbfärbung oft schwerer zu sehen; dann zählen eher die Skleren, dunkler Urin und heller Stuhl.
Begleitend treten Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Druckschmerz im rechten Oberbauch, leichte Temperaturerhöhung, Müdigkeit und Schwäche auf. Die Mayo Clinic (Januar 2026) betont, dass Fieber bei dieser Entzündung oft nur gering ist und trotzdem abgeklärt werden muss, weil eine bakterielle Infektion denselben Verlauf nachahmen oder verschlechtern kann. Rechtseitiger Oberbauchschmerz kann ebenso von Gallensteinen oder einer Infektion kommen.
Bei fortgeschrittenem Verlauf sammeln sich Flüssigkeit im Bauch (Aszites) und Schwellungen an den Beinen. Giftstoffe, die die Leber nicht mehr abbaut, können Verwirrtheit, Schläfrigkeit und undeutliche Sprache auslösen, eine hepatische Enzephalopathie. Varizen in Speiseröhre oder Magen können bluten. Nierenversagen im Rahmen eines hepatorenalen Syndroms entsteht, obwohl die Nieren selbst zunächst unversehrt sind. Die Cleveland Clinic (Stand April 2026) ergänzt leichtes Bluten, Nasenbluten, beschleunigten Puls und kleine sichtbare Gefäßsternchen auf der Haut.
Leichte Formen bleiben stumm, bis Blutwerte oder ein Bild zufällig auffallen. Schwere Formen können ohne längere Vorwarnung nach einer Trinkperiode beginnen. Symptome ähneln viralen Hepatitiden, Medikamentenschäden oder einem Gallenstau. Deshalb ersetzt Selbstbeobachtung keine Untersuchung.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Gelbsucht nach einer Phase schweren Trinkens, anhaltende Oberbauchschmerzen oder der Wunsch, den Alkoholkonsum zu ändern, gehören in die Sprechstunde, nicht auf die nächste Woche. MedlinePlus (Review Juli 2025) listet zusätzlich Schwellen, bei denen der Rettungsdienst oder die Notaufnahme die richtige Adresse sind.
Fieber über 38,3 °C, neues oder rasch zunehmendes Bauchwasser, frische Verwirrtheit, Blutbrechen, Teerstuhl, Blut im Urin, Luftnot, Erbrechen mehr als einmal täglich oder eine Gelbsucht, die sich binnen Stunden verschlechtert, gelten dort als Notfall. Brust- oder Bauchschmerz ebenso. Die Mayo Clinic rät unabhängig von der Schwere, Hilfe zu suchen, wenn der Konsum nicht mehr steuerbar ist. Das ist keine moralische Mahnung, sondern der Zeitpunkt, an dem Entzug, Infektion und Leberversagen sich überlappen können.
Ein kalter Entzug zu Hause kann Krampfanfälle und Kreislaufversagen auslösen. Die Cleveland Clinic rät ausdrücklich zur ärztlich begleiteten Abstinenz. Benzodiazepine wie Lorazepam oder Oxazepam nutzt das Team im Krankenhaus, weil sie ohne starke Leberbelastung auskommen. Wer bereits eine andere Leberkrankheit hat, etwa eine Hepatitis C, braucht dieselbe Schwelle noch früher, weil beide Schäden sich beschleunigen.
| Situation | Wohin | Typische Zeichen |
|---|---|---|
| Frühe Beschwerden nach schwerem Trinken | Hausarzt oder Gastroenterologie zeitnah | Appetitverlust, Müdigkeit, leichter Oberbauchdruck |
| Neue Gelbsucht oder dunkler Urin | Am selben Tag ärztliche Stelle | Gelbe Augen, heller Stuhl, Übelkeit |
| Zeichen von Leberversagen oder Blutung | Notaufnahme oder Notruf 112 | Verwirrtheit, Blutbrechen, Fieber über 38,3 °C, rasch mehr Bauchumfang |
| Konsum nicht mehr steuerbar, Entzug droht | Ärztliche Aufnahme, nicht allein zu Hause | Zittern, Schweiß, Unruhe, früherer Entzugskrampfanfall |
Die Tabelle ersetzt keine Triage vor Ort. Bei Zweifel gilt die schwerere Stufe.
Ursachen und wer besonders gefährdet ist
Ursache ist wiederholter schwerer Alkoholkonsum, der beim Abbau giftige Stoffwechselprodukte und eine Entzündungskaskade in der Leber auslöst. Eine feste Schwelle, ab der jede Person erkrankt, existiert nicht. Die Mayo Clinic (Januar 2026) nennt als erhöhtes Risiko für Frauen drei bis vier Standardgetränke täglich über mindestens sechs Monate, für Männer vier bis fünf. Ein US-Standardgetränk enthält dort rund 14 Gramm reinen Alkohol, etwa 0,35 Liter Bier, 0,15 Liter Wein oder 44 Milliliter Spirituose.
Frauen erkranken bei geringerer Menge, weil der Abbau anders verläuft und der Körperanteil an Wasser kleiner ist. Übergewicht und metabolische Störungen erhöhen die Empfindlichkeit. Genetische Varianten, darunter PNPLA3, verschieben das Risiko, ohne dass sich daraus ein Alltagstest ableiten ließe. Schwarze und hispanische Patientinnen und Patienten haben in US-Kohorten häufiger schwere Verläufe. Rauschtrinken (bei Männern fünf oder mehr Getränke in etwa zwei Stunden, bei Frauen vier) kann eine Entzündung auf bereits vorgeschädigtem Gewebe triggern.
Paracetamol zusammen mit Alkohol belastet die Leber zusätzlich. Die Mayo Clinic warnt, dass selbst übliche Dosen schaden können, wenn jemand schwer trinkt oder schon eine Leberkrankheit hat. Nach bariatrischen Operationen wird Alkohol rascher aufgenommen und weniger im Magen abgebaut. Dann können kleinere Mengen unerwartet hohe Spiegel erzeugen. Eine zweite Leberkrankheit, vor allem Hepatitis C, beschleunigt die Narbenbildung schon bei geringem Konsum.
StatPearls beschreibt als typisches Profil Menschen zwischen 40 und 60 Jahren mit oft mehr als 100 Gramm Alkohol pro Tag über Jahre. Kürzere schwere Phasen können dieselbe Klinik auslösen. Wer nur mäßig trinkt, hat ein niedrigeres, aber nicht null Risiko.
Wie stellen Ärztinnen die Diagnose?
Die Diagnose ist in erster Linie klinisch, gestützt auf Trinkanamnese, Ikterus und das Laborprofil, nicht auf eine Pflichtbiopsie. Ärztinnen fragen nach Menge, Dauer und letztem Schluck, oft ergänzt durch Biomarker wie kohlenhydratdefizientes Transferrin, weil Scham die Angaben verkürzt.
Blutentnahmen umfassen Blutbild, Leberwerte, Gerinnung, Elektrolyte, Kreatinin, Albumin und Virusserologien. Charakteristisch ist eine AST, die höher liegt als die ALT, bei absoluten Werten meist unter 400 bis 500 U/l. Das Gegenteil, eine sehr hohe ALT, spricht eher für Virus, Ischämie oder Medikamentenschaden. Bildgebung mit Ultraschall, oft ergänzt durch CT oder MRT, schließt Gallenstau, Abszess und sichtbaren Tumor aus. Elastografie kann Narben abschätzen, ersetzt aber nicht die klinische Schweregradeinteilung.
Eine Leberbiopsie bleibt Fällen vorbehalten, in denen die Ursache unklar bleibt oder Studienprotokolle sie verlangen. Gerinnungsstörung und niedrige Thrombozyten machen den Eingriff riskanter. StatPearls nennt als Differenzialdiagnose virale und autoimmune Hepatitiden, Medikamentenschäden, Morbus Wilson, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, Abszess, aufsteigende Cholangitis und die Dekompensation eines Leberkrebses.
Infektionen müssen parallel gesucht werden. Die ACG-Leitlinie 2024 zitiert Kohorten, in denen rund 12 Prozent bereits bei Aufnahme infiziert waren und weitere während der Therapie hinzukamen. Aszitespunktion, Blut- und Urinkulturen sowie eine Röntgenaufnahme des Thorax gehören deshalb zur Erstversorgung, bevor Kortison fällt.
Schweregrad: MELD, Maddrey und Lille-Score
Schwere alkoholische Hepatitis definiert die ACG-Leitlinie 2024 über einen MELD-Wert über 20 Punkten. Dieser Schwellenwert steuert heute eher als die ältere Maddrey-Diskriminanzfunktion, wer stationär bleibt und wer für Kortison in Frage kommt.
MELD nutzt Bilirubin, Kreatinin und INR, also Größen, die Niere und Gerinnung mit abbilden. Die historische Maddrey-Formel von 1977 kombiniert Bilirubin und Prothrombinzeit. Ein Wert von 32 oder höher galt lange als Grenze, ab der die 30-Tage-Sterblichkeit bei 20 bis 50 Prozent liegt. Eine globale Kohorte mit über 2500 Patientinnen und Patienten, die die Leitlinie zitiert, fand den MELD genauer als Maddrey. Deshalb raten aktuelle Texte, Maddrey nicht mehr allein zur Prognose zu verwenden, auch wenn viele ältere Studien ihn noch als Einschlusskriterium tragen.
Der Lille-Score misst nach vier oder sieben Tagen Kortison, ob das Bilirubin fällt. Ein Wert von 0,45 oder höher kennzeichnet Nichtansprechen. Dann wird das Steroid beendet, weil weiterer Nutzen unwahrscheinlich ist und Infektionen zunehmen. Werte unter 0,16 gelten in manchen Arbeiten als volles Ansprechen. Die Kombination aus Ausgangs-MELD und Lille sagt die Zwei- und Sechsmonatssterblichkeit besser voraus als jeder Score allein.
Mäßige Verläufe mit MELD von 20 oder weniger brauchen kein Kortison. Ihre Einjahressterblichkeit liegt laut ACG trotzdem bei 10 bis 20 Prozent, vor allem wenn der Alkoholkonsum weitergeht. Die Mayo Clinic nennt für leichte bis mittlere Formen ein 30-Tage-Überleben von 80 bis 100 Prozent, für schwere Formen rund 50 Prozent. Kommen Infektion oder Nierenversagen hinzu, sinkt die Chance weiter.
| Score | Schwelle | Wofür er heute dient |
|---|---|---|
| MELD | über 20 Punkte | Schwere definieren, Kortison und Aufnahme steuern |
| Maddrey-Diskriminanzfunktion | 32 oder höher | ältere Studiengrenze, Prognose ungenauer als MELD |
| Lille-Score | 0,45 oder höher | Kortison nach Tag 4 oder 7 beenden, Transplantation prüfen |

Behandlung: Abstinenz, Kortison, was nicht mehr gilt
Der wirksamste Schritt bleibt, sofort und dauerhaft mit dem Trinken aufzuhören. Ohne Abstinenz helfen Medikamente nur kurz, und die Einjahressterblichkeit steigt. Stationäre und ambulante Entzugsprogramme, Suchtmedizin und Selbsthilfegruppen gehören zur Behandlung der Leber, nicht neben sie.
Kortison ist kein Routinepräparat für jede Gelbsucht. Die ACG-Leitlinie 2024 empfiehlt Prednisolon oder Prednison 40 mg täglich über vier Wochen nur bei schwerer Erkrankung (MELD über 20) und ohne Kontraindikation. Den größten Nutzen sah eine internationale Kohorte bei MELD-Werten zwischen 25 und 39. Über 50 Punkten überwiegt der Schaden oft den Nutzen. Prednisolon braucht keine Leberaktivierung, deshalb bevorzugen viele Kliniken es gegenüber Prednison. Wer nicht schlucken kann, erhält laut StatPearls Methylprednisolon 32 mg intravenös.
Infektion, unkontrollierte Blutung, schwerer Diabetes oder Nierenversagen müssen zuerst stabilisiert werden. Nach sieben Tagen, manchmal schon nach vier, entscheidet der Lille-Score über Weitergabe oder Stopp. Eine gepoolte Analyse der fünf größten älteren Studien zeigte 28-Tage-Überleben von 80 gegen 66 Prozent unter Steroid. Die britische STOPAH-Studie von 2015 mit 1103 Teilnehmenden fand nur einen Trend (13,8 gegen 18 Prozent Sterblichkeit nach 28 Tagen). Eine individuelle Metaanalyse von Louvet und Kollegen 2018 (2111 Patientinnen und Patienten) bestätigte den Kurzzeitnutzen (Hazard Ratio 0,64), nicht aber einen Vorteil nach sechs Monaten.
Pentoxifyllin galt in älteren Texten, auch in manchen StatPearls-Passagen, als Ausweichpräparat. STOPAH und die ACG-Empfehlung 2024 sehen keinen Überlebensgewinn. Die Leitlinie rät ausdrücklich dagegen, ebenso gegen vorbeugende Antibiotika, Antioxidans-Cocktails, TNF-Hemmer und G-CSF als Standard. Intravenöses N-Acetylcystein über fünf Tage als Zusatz zum Kortison empfiehlt die ACG dagegen, gestützt auf eine Studie, die das 28-Tage-Überleben verbesserte.
Ernährung und die Alkoholkrankheit mitbehandeln
Fast alle Menschen mit schwerer alkoholischer Hepatitis sind mangelernährt, weil Alkohol den Appetit dämpft und Kalorien ohne Eiweiß, Vitamine und Spurenelemente liefert. Die ACG-Leitlinie 2024 setzt als Ziel etwa 35 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht und 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm und Tag. Wer unter 21 Kilokalorien pro Kilogramm bleibt, hatte in einer randomisierten Studie eine Sechsmonatssterblichkeit von 63 gegen 34 Prozent.
Vier bis fünf kleine Mahlzeiten inklusive einer Spätmahlzeit schonen den leeren Glykogenspeicher. Orale Zusätze kommen zuerst, eine Sonde nur, wenn der Mund nicht reicht. Parenterale Ernährung bleibt die Ausnahme, weil Infektionen drohen. Thiamin schützt vor Wernicke-Enzephalopathie. Zinkmangel fand eine Arbeit bei 85 Prozent der Patientinnen und Patienten und hing mit höherer 28-Tage-Sterblichkeit zusammen. Eiweiß wird bei Enzephalopathie nicht pauschal gestrichen; StatPearls rät zu rund 100 Gramm pro Tag, solange kein schweres Koma vorliegt, plus Folat und Multivitamin.
Die Leberkrankheit und die Alkoholgebrauchsstörung sind zwei Diagnosen. Die ACG nennt Acamprosat oder Naltrexon als Option bei kompensierter alkoholassoziierter Leberkrankheit. Bei fortgeschrittener Erkrankung und Hepatitis ist Baclofen am besten untersucht. Die Leitlinie beschreibt einen Beginn mit 5 mg dreimal täglich und vorsichtiger Steigerung. Disulfiram belastet die Leber und eignet sich hier selten. Dosen setzt nur das behandelnde Team, nie der Text einer Ratgeberseite.
Psychosoziale Therapie, Suchtberatung und bei Bedarf stationäre Rehabilitation senken das Rückfallrisiko, das nach Monaten über das Langzeitüberleben entscheidet. Wer nach einer Episode weitertrinkt, verdoppelt in beobachtenden Serien das Risiko, dass die Entzündung in eine Zirrhose mündet.
Transplantation, Verlauf und Vorbeugung
Frühe Lebertransplantation kann ausgewählte Menschen mit schwerer, auf Medikamente nicht ansprechender Hepatitis retten, ohne dass sechs nüchterne Monate abgewartet werden. Ältere Klinikregeln und noch MedlinePlus (2025) nennen diese Frist. Die ACG-Leitlinie 2024 und die AASLD-Guidance werten sie nicht mehr als alleiniges Kriterium, weil die meisten Todesfälle in den ersten zwei Monaten eintreten.
Das Konsortium ACCELERATE-AH berichtete 2018 bei zwölf US-Zentren ein Einjahresüberleben von 94 Prozent und ein Dreijahresüberleben von 84 Prozent nach früher Transplantation. Ohne Organ lag die prognostizierte Sechsmonatsüberlebensrate unter 20 Prozent. Jeder vierte Mensch trank innerhalb eines Jahres wenigstens einmal, 11 Prozent kehrten zu anhaltendem Konsum zurück. Voraussetzung bleibt eine strenge psychosoziale Bewertung, Einsicht, fehlende wiederholten gescheiterten Entzüge und ein Team aus Hepatologie und Suchtmedizin. Bei vier oder mehr Organversagen und fehlender Transplantationsoption nennt die ACG Palliativmedizin als angemessenen Weg.
Leichte Entzündung kann sich nach Abstinenz über Monate zurückbilden. Bereits entstandene Zirrhose bleibt. StatPearls schätzt, dass 10 bis 20 Prozent der Betroffenen jährlich in eine Zirrhose fortschreiten und etwa 10 Prozent der Leberverletzung unter Abstinenz rückläufig sind. Die Mayo Clinic nennt bis zu 70 Prozent Zirrhoserisiko, wenn der Konsum weitergeht, und empfiehlt bei Zirrhose eine Leberkrebsvorsorge alle sechs Monate. Impfungen gegen Hepatitis A und B, Influenza und Pneumokokken gehören zur Nachsorge.
Vorbeugung heißt, wenig oder keinen Alkohol zu trinken. Für Gesunde gelten in US-Texten höchstens ein Standardgetränk täglich bei Frauen und zwei bei Männern. Nach einer dokumentierten Hepatitis gilt Null. Paracetamol nur nach Rücksprache, Virushepatitis behandeln, Übergewicht und Diabetes mitversorgen.
Häufige Fragen
Kann alkoholische Hepatitis wieder verschwinden, wenn ich aufhöre zu trinken?
Leichte Entzündung kann sich nach anhaltender Abstinenz über Wochen bis Monate zurückbilden, schwere Narben nicht. Die Cleveland Clinic (April 2026) schreibt, dass frühes Aufhören die Chance auf Erholung erhöht, weitertrinken dagegen Zirrhose und Leberversagen wahrscheinlicher macht. Ein Versprechen auf vollständige Heilung gibt keine Leitlinie.
Wie viel Alkohol reicht aus, um die Leber zu entzünden?
Eine sichere Menge für alle Menschen ist nicht bekannt. Die Mayo Clinic nennt als erhöhtes Risiko drei bis vier Getränke täglich bei Frauen und vier bis fünf bei Männern über mindestens sechs Monate, jeweils bezogen auf 14 Gramm Alkohol. Manche erkranken nach kürzeren schweren Phasen oder nach Rauschtrinken auf schon geschädigter Leber.
Bekomme ich Kortison bei jeder alkoholischen Hepatitis?
Nein. Kortison ist nach ACG 2024 den schweren Verläufen mit MELD über 20 vorbehalten, sofern keine Infektion oder andere Kontraindikation entgegensteht. Mäßige Formen werden mit Abstinenz, Ernährung und Behandlung der Alkoholkrankheit geführt. Nach vier bis sieben Tagen prüft der Lille-Score, ob das Steroid überhaupt wirkt.
Ist Pentoxifyllin noch eine Standardtherapie?
Nein. Die große STOPAH-Studie 2015 und die ACG-Leitlinie 2024 finden keinen Überlebensvorteil. Ältere Ratgeber und einzelne Lehrbuchpassagen erwähnen das Mittel noch als Ausweichpräparat bei Steroidverbot. Aktuelle Empfehlungen raten davon ab.
Brauche ich sechs Monate Abstinenz vor einer Lebertransplantation?
Nicht mehr als starre Regel in den aktuellen US- und europäischen Leitlinien. Ausgewählte Menschen mit schwerer, therapierefraktärer Hepatitis können früher gelistet werden, wenn das psychosoziale Risiko eines Rückfalls niedrig erscheint. Patientenseiten wie MedlinePlus nennen die alte Frist noch. Die Entscheidung trifft das Transplantationszentrum, nicht eine feste Kalenderzahl.
Ist alkoholische Hepatitis ansteckend?
Nein. Anders als Hepatitis A, B oder C entsteht sie durch Alkoholkonsum und individuelle Risikofaktoren, nicht durch ein übertragbares Virus. Wer zusätzlich eine virale Hepatitis hat, kann diese allerdings weitergeben und sollte sie behandeln lassen.

Fazit
Gelbsucht nach schwerem Trinken ist ein medizinischer Notfall der Leber, kein Kater, der sich aussitzt. Am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, Blutwerte und Infektionszeichen klären lassen und den Alkohol unter Aufsicht beenden, senkt das Risiko, dass aus der Entzündung ein Organversagen wird.
Wer stationär aufgenommen wird, sollte nach dem MELD-Wert, nicht nach Hörensagen, fragen, ob Kortison und ein Lille-Check geplant sind. Pentoxifyllin als Standard erwarten aktuelle Leitlinien nicht mehr. Kalorien und Eiweiß sind Therapie, ebenso die Behandlung der Alkoholgebrauchsstörung mit Beratung und, wo passend, Acamprosat, Naltrexon oder Baclofen.
Narbengewebe bleibt. Frühe Transplantation ohne starre Sechsmonatsfrist ist für wenige ausgewählte schwere Fälle eine Option, kein Automatismus. Für alle anderen zählt ab morgen dieselbe Linie: kein Alkohol, keine eigenmächtigen Schmerzmittelmischungen, Impfungen und Kontrolltermine wahrnehmen.
Quellen
- Mayo Clinic: Alcoholic hepatitis (Alcohol-associated hepatitis) – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 27. Januar 2026.
- Cleveland Clinic: Alcohol-Induced Hepatitis (Alcoholic Hepatitis). Cleveland Clinic, Stand: April 2026.
- MedlinePlus: Alcoholic liver disease. MedlinePlus, 22. Juli 2025.
- Jophlin LL, Singal AK, Bataller R et al.: ACG Clinical Guideline: Alcohol-Associated Liver Disease. The American Journal of Gastroenterology, Januar 2024.
- Shah NJ, Royer A, John S: Alcoholic-Associated Hepatitis. StatPearls, 5. Juni 2023.
- Thursz MR, Richardson P, Allison M et al.: Prednisolone or Pentoxifylline for Alcoholic Hepatitis. New England Journal of Medicine, 23. April 2015.
- Louvet A, Thursz MR, Kim DJ et al.: Corticosteroids Reduce Risk of Death Within 28 Days for Patients With Severe Alcoholic Hepatitis, Compared With Pentoxifylline or Placebo-a Meta-analysis of Individual Data From Controlled Trials. Gastroenterology, 2018.
- Lee BP, Mehta N, Platt L et al.: Outcomes of Early Liver Transplantation for Patients With Severe Alcoholic Hepatitis. Gastroenterology, 2018.
- European Association for the Study of the Liver: EASL Clinical Practice Guidelines: Management of alcohol-related liver disease. Journal of Hepatology, 2018.
