Atrophe Vaginitis Symptome und Behandlung

Atrophe Vaginitis Symptome und Behandlung

Atrophe Vaginitis entsteht, wenn der Östrogenspiegel sinkt und die Haut von Scheide und Vulva dünner, trockener und leichter reizbar wird. Dazu können Brennen, Schmerz beim Sex und Beschwerden beim Wasserlassen kommen; Fachgesellschaften fassen das Bild heute als genitourinäres Syndrom der Menopause zusammen.

Die North American Menopause Society schätzte 2020, dass etwa 27 bis 84 Prozent der Frauen nach der Menopause betroffen sind. Ältere populäre Angaben von 10 bis 40 Prozent lagen damit zu niedrig. Hitzewallungen klingen oft von selbst ab, diese Gewebeveränderung tut das in der Regel nicht. Viele warten Jahre, weil sie die Symptome für normales Altern halten oder das Gespräch scheuen. Feuchtigkeitsmittel und Gleitmittel können milde Trockenheit lindern. Bei anhaltenden Beschwerden kann niedrig dosiertes vaginales Östrogen die Schleimhaut wieder aufbauen. Unklare Blutung nach den Wechseljahren gehört in die Praxis, nicht in die Selbstbehandlung.

Was atrophe Vaginitis heute bedeutet

Atrophe Vaginitis bezeichnet die dünne, trockene, entzündlich gereizte Scheidenhaut nach einem Östrogenmangel. Seit 2014 bevorzugen Fachgesellschaften den weiteren Begriff genitourinäres Syndrom der Menopause, weil Harnröhre und Blase oft mitbetroffen sind.

Die Mayo Clinic schreibt im Dezember 2025, die älteren Namen vaginale Atrophie und atrophe Vaginitis seien nicht mehr gebräuchlich. Gemeint bleibt derselbe Mechanismus. Östrogen hält das Gewebe dick, durchblutet und gleitfähig. Fällt der Spiegel, verliert die Schleimhaut Falten, Feuchtigkeit und Dehnbarkeit. Die Cleveland Clinic aktualisierte ihre Übersicht im April 2023 und nennt mindestens die Hälfte der Frauen in den Wechseljahren als betroffen. StatPearls (Aktualisierung Juni 2026) gibt für das Syndrom Prävalenzspannen von 14 bis 87 Prozent an und für störende Symptome nach der Menopause etwa 40 bis 54 Prozent.

Der Begriff Atrophie beschreibt nur das Aussehen der Haut. Er sagt nichts über Harnwegsinfekte, Drang oder Schmerz beim Sex. Genau diese Mischung treibt die meisten in die Sprechstunde. Frauen ohne Partner und ohne Sex können dieselben Alltagsbeschwerden haben, etwa Brennen beim Sitzen oder beim Abwischen. Die Diagnose hängt an belästigenden Symptomen, nicht am Laborwert.

Unbehandelt bleibt das Bild meist nicht stehen. StatPearls beschreibt als seltene Endstrecke Verklebungen der Schamlippen bis zur weitgehenden Verödung des Scheideneingangs, die dann urologische Komplikationen nach sich ziehen kann. Das ist kein Alltag, zeigt aber, warum Abwarten selten eine Strategie ist.

Atrophische Vaginitis

Welche Symptome typisch sind

Leitsymptom ist Scheidentrockenheit, oft zuerst beim Sex spürbar. Dazu kommen Jucken, Brennen, dünner gelblicher Ausfluss, Schmerz oder leichtes Bluten nach dem Verkehr und ein engerer, kürzerer Scheidenkanal.

Die Mayo Clinic listet außerdem häufigen oder dringenden Harndrang, Brennen beim Wasserlassen, Harnverlust und gehäuft Infekte von Harnwegen oder Scheide. Die Cleveland Clinic nennt Blut im Urin als mögliches Zeichen und Jucken auch außen an der Vulva. StatPearls ergänzt, dass frühe Zeichen oft nur als fehlende Gleitfähigkeit beim Sex beginnen und sich später zur dauerhaften Trockenheit ausweiten. Alltagstaugliche Reize wie enge Hosen oder langes Sitzen können dieselbe gereizte Haut treffen.

Harnzeichen werden leicht als immer neue Blasenentzündung missdeutet. Ein Keimnachweis fehlt dann oft, oder er kommt, klingt unter Antibiotika ab und kehrt zurück, weil das Gewebe dünn bleibt. Die American Urological Association stufte 2025 rezidivierende Harnwegsinfekte ausdrücklich als Teil des Syndroms ein, das sich mit lokalem Östrogen beeinflussen lässt.

Nicht jedes Jucken ist Atrophie. Pilz, bakterielle Vaginose, Lichen sclerosus, Kontaktekzem nach Duftstoffen und sexuell übertragbare Infekte können ähnlich beginnen. Ein gelblicher Ausfluss allein beweist nichts. Malodorer, schaumiger oder stark juckender Ausfluss spricht eher für eine Infektion, die parallel bestehen kann. StatPearls betont, dass wiederkehrende Infekte die Atrophie nicht ausschließen, sondern oft auf ihr aufsitzen.

Warum der Östrogenmangel das Gewebe verändert

Östrogen hält Durchblutung, Dicke, Elastizität und den sauren Schutzfilm der Scheide aufrecht. Sinkt der Spiegel, dünnt das Epithel aus, Glykogen fehlt, Milchsäurebakterien gehen zurück, und der pH-Wert steigt.

StatPearls beschreibt den gesunden Bereich grob zwischen 3,5 und 5,0. Nach der Menopause liegt der pH häufig über 5,0, sofern keine Infektion den Wert zusätzlich verschiebt. Die Schleimhaut wird blasser, glatter und verletzlicher. Schon ein Spekulum kann Petechien oder Kontaktblutung auslösen. Östrogenrezeptoren sitzen nicht nur in der Scheide, sondern auch in Vulva, Harnröhre und Blasendreieck. Deshalb erklärt ein lokaler Mangel zugleich Dysurie und Drang.

Neuere Physiologie ergänzt Androgene. Nach der Menopause liefert die Nebenniere vor allem Dehydroepiandrosteron, das die Scheidenhaut selbst in Östrogene und Androgene umwandeln kann. Darauf stützt sich vaginales Prasteron. Circulierendes Östradiol im Blut sagt wenig über diese lokale Umwandlung aus. Serumspiegel zur Diagnose zu messen, hält StatPearls deshalb für ungeeignet.

Weniger Sex senkt den Gewebestoffwechsel zusätzlich. Regelmäßige Durchblutung, mit oder ohne Partner, kann die Elastizität stützen. Das ersetzt kein Hormon, mildert aber den Teufelskreis aus Schmerz, Vermeidung und weiterem Schwund. Rauchen verschlechtert die Durchblutung und schwächt die körpereigene Östrogenwirkung, so die Mayo Clinic.

Wer besonders betroffen ist

Am häufigsten trifft das Syndrom Frauen nach der natürlichen Menopause. Jede längere Östrogenpause kann dasselbe Bild auslösen, auch vor dem 50. Lebensjahr.

Die Mayo Clinic nennt die Jahre vor der letzten Blutung, die Entfernung beider Eierstöcke, Stillzeit, Chemotherapie, Beckenbestrahlung und die antihormonelle Brustkrebstherapie. MedlinePlus (Prüfung 3. Juli 2025) ergänzt Arzneimittel gegen Endometriose, Myome oder Unfruchtbarkeit, starke Belastung, Depression und Rauchen. Manche Antibabypillen senken den Östrogenspiegel so weit, dass Trockenheit auftritt. Nach der Geburt oder in der Stillzeit bleibt die Veränderung meist vorübergehend, weil der Spiegel später wieder steigt.

Brustkrebsüberlebende stehen besonders im Risiko. Aromatasehemmer drücken das periphere Östrogen unter das Niveau einer natürlichen Menopause. Tamoxifen blockiert den Rezeptor in der Brust und kann lokal ebenfalls Trockenheit machen. ACOG bezifferte 2021 die Zahl der Überlebenden in den USA auf etwa 3,8 Millionen; für Deutschland gilt dasselbe klinische Dilemma, nur mit anderen Fallzahlen.

Wer nie vaginal geboren hat oder selten penetrierenden Sex hat, kann laut Mayo Clinic eher Symptome entwickeln. Das ist kein moralischer Hinweis, sondern ein Durchblutungseffekt. Umgekehrt schützt regelmäßige Aktivität nicht vor dem Syndrom, wenn der Hormonboden fehlt. Seifen, Spülungen, parfümierte Lotionen und Intimdeos reizen die schon dünne Haut zusätzlich, ohne die Ursache zu setzen.

Wann zur Praxis und wie die Diagnose läuft

Zur Praxis gehört jede neue Blutung oder Schmierblutung nach den Wechseljahren, ungewöhnlicher Ausfluss, anhaltendes Brennen und Sexschmerz, der trotz Feuchtigkeitsmittel oder Gleitmittel bleibt. Die Diagnose stellt die Klinik, nicht ein Östrogenwert im Blut.

Die Mayo Clinic nennt genau diese Schwellen. MedlinePlus rät zum Kontakt, wenn Trockenheit, Wundsein, Jucken oder Schmerz beim Sex unter einem wasserlöslichen Gleitmittel nicht nachlassen. Die Cleveland Clinic ergänzt Harnprobleme, Spotting und jede Einschränkung des Alltags, auch vor den Wechseljahren. Postmenopausale Blutung braucht Abklärung auf Polypen, Hyperplasie oder Krebs. Atrophie kann bluten, sie ist aber keine Erklärung, die man ohne Untersuchung annimmt.

Die Untersuchung umfasst Anamnese und Blick auf Vulva und Scheide. Typisch sind blasse, glatte, trockene Schleimhaut, schmaler Eingang, zurückgebildete kleine Schamlippen und eine empfindliche Harnröhrenmündung. Die AUA-Leitlinie 2025 verlangt bei Symptomen eine genitale Untersuchung und rät, begleitende Krankheiten gezielt auszuschließen. Ein pH-Test oder der vaginale Reifeindex tauchen in Studien auf. Die Menopause Society stellte 2020 klar, dass beide für die Alltagsdiagnose nicht nötig sind. Früher kursierte die Grenze 4,6 als Beweis; heute gilt ein Wert über 5,0 als typisch, nicht als Pflichtkriterium.

Abstrich, Urinkultur oder Tests auf sexuell übertragbare Erreger helfen, wenn Ausfluss, Geruch, Fieber oder Risikokontakte eine Infektion nahelegen. Eine Biopsie bleibt Ausnahmen vorbehalten, etwa bei unklarer Läsion oder Verdacht auf Dermatose. Das Spekulum kann schmerzen. Ein schmales Instrument und Gleitmittel sind dann kein Komfortluxus, sondern Untersuchungstechnik.

Was Feuchtigkeitsmittel und Gleitmittel leisten

Vaginale Feuchtigkeitsmittel können die Haut über Stunden bis Tage geschmeidiger halten und eignen sich für milde Trockenheit. Gleitmittel wirken kurz, unmittelbar vor dem Sex, und senken Reibungsschmerz.

Die Mayo Clinic empfiehlt beides als ersten Schritt ohne Rezept. Feuchtigkeitsmittel werden oft alle paar Tage angewendet, Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis kurz vor dem Verkehr. Glycerin und wärmende Zusätze wie Capsaicin können bei Empfindlichen brennen. Vaseline, Mineralöl und andere Öle sollen laut MedlinePlus nicht mit Latexkondomen oder Diaphragma kombiniert werden, weil sie das Material angreifen. StatPearls zitiert die Weltgesundheitsorganisation mit einer Osmolarität unter 1200 Milliosmol pro Kilogramm; stark hyperosmolaren Produkte können Epithelzellen schädigen.

Die AUA empfiehlt Feuchtigkeitsmittel und Gleitmittel 2025 allein oder zusammen mit anderen Therapien. NICE sagt seit 2024 dasselbe und stellt klar, dass sie vaginales Östrogen nicht ersetzen müssen, sondern ergänzen dürfen. Nach Brustkrebs bleiben sie laut ACOG 2021 und NICE 2024 der erste Versuch, bevor Hormone ins Spiel kommen.

Regelmäßige sexuelle Aktivität oder Masturbation kann die Durchblutung heben. Das ist kein Muss und kein Ersatz für Medizin. Wer Schmerz hat, braucht zuerst Gleitmittel, Zeit für Erregung und oft eine lokale Therapie, bevor „mehr Sex“ überhaupt zumutbar ist. Dilatoren und Beckenbodentherapie können eine enge, ängstlich verspannte Scheide dehnen; Mayo und StatPearls nennen sie als Ergänzung, nicht als Erstmaßnahme für jede Trockenheit.

Atrophische Vaginitis HRT

Welche verschriebenen Therapien Leitlinien nennen

Niedrig dosiertes vaginales Östrogen ist die medikamentöse Standardoption bei mittleren bis starken Beschwerden. Es wirkt lokal, erreicht das Blut nur in Spuren und braucht in der Regel kein zusätzliches Gestagen.

NICE fordert seit 2024, vaginales Östrogen Menschen mit urogenitalen Wechseljahresbeschwerden anzubieten, auch wenn sie bereits eine systemische Hormontherapie nutzen. Die Aufnahme bleibe überwiegend örtlich, ein spürbarer Ganzkörpereffekt sei unwahrscheinlich. Beschwerden kehrten nach dem Absetzen oft zurück, die Therapie könne dann erneut beginnen. Creme, Gel, Tablette, Zäpfchen oder Ring gelten als austauschbar, die Wahl folgt Alltag und Vorliebe. Die AUA stuft lokales Östrogen 2025 als starke Empfehlung gegen Trockenheit, Reizung und Schmerz beim Sex ein, bei begrenzter Evidenzgüte.

Die Mayo Clinic beschreibt übliche Schemata. Eine Creme wird oft täglich über ein bis drei Wochen angewendet, danach ein- bis dreimal wöchentlich. Eine Tablette oder ein Insert startet häufig zwei Wochen täglich und geht dann auf zweimal pro Woche. Ein Ring gibt über etwa drei Monate eine gleichmäßige Dosis ab und wird dann gewechselt. Ein höher dosierter Ring zählt als systemische Therapie, nicht als Lokalbehandlung. StatPearls nennt oft zwei bis vier Wochen bis zur ersten Besserung, bei manchen ein bis drei Monate. Jede Blutung unter der Therapie bleibt abklärungspflichtig.

Vaginales Prasteron liefert Dehydroepiandrosteron, das die Schleimhaut vor Ort in Östrogene und Androgene umwandelt. Mayo nennt die nächtliche Anwendung bei mittlerer bis starker Atrophie mit Schmerz beim Sex. NICE erwägt Prasteron, wenn Östrogen oder Feuchtigkeitsmittel nicht reichen oder nicht vertragen werden. Ospemifen ist ein oraler selektiver Östrogenrezeptormodulator. NICE sieht ihn vor, wenn lokale Anwendung unpraktisch ist, etwa bei Behinderung. StatPearls nennt 60 Milligramm täglich; häufigste Begleiterscheinung sind Hitzewallungen, selten Thrombosen. Systemische Hormontherapie bleibt sinnvoll, wenn Hitzewallungen und Schlafstörungen im Vordergrund stehen. Sie lindert das Syndrom laut StatPearls bei etwa 75 Prozent, lokale Therapie bei 80 bis 90 Prozent. Reicht die Tablette oder das Pflaster vaginal nicht, kann lokales Östrogen ergänzt werden.

Therapie Typische Rolle Was Leitlinien 2024 und 2025 dazu sagen
Feuchtigkeitsmittel Milde Trockenheit, mehrmals wöchentlich AUA und NICE empfehlen sie allein oder ergänzend zum Östrogen
Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis Reibung unmittelbar vor dem Sex Mayo Clinic 2025, nicht ölhaltig zusammen mit Latexkondomen
Niedrig dosiertes vaginales Östrogen Mittelstarke Beschwerden, Creme, Tablette oder Ring NICE bietet es an, AUA stuft es als starke Empfehlung ein
Vaginales Prasteron Täglich, wenn Östrogen nicht passt oder nicht reicht NICE 2024 als nächste Option nach Feuchtigkeitsmittel oder Östrogen
Ospemifen zum Einnehmen Täglich, wenn lokale Anwendung unpraktisch ist NICE 2024 und AUA 2025 nennen es als mögliche Alternative
Vaginallaser Keine Routine, nur Studienkontext NICE 2024 nicht anbieten, AUA 2025 ohne Beleg für Nutzen

Was nach Brustkrebs und bei Harnwegsinfekten gilt

Nach hormonabhängigem Brustkrebs stehen zuerst Feuchtigkeitsmittel, Gleitmittel und Dilatoren. Reicht das nicht, kann niedrig dosiertes vaginales Östrogen nach einem gemeinsamen Gespräch mit Gynäkologie und Onkologie erwogen werden.

ACOG formulierte das 2021 so. Unter Tamoxifen gilt die lokale Therapie nach Nutzen-Risiko-Aufklärung als möglich. Unter Aromatasehemmern soll die Entscheidung ausdrücklich zu dritt fallen, weil schon kleine Blutspiegel das Therapieziel stören könnten. NICE 2024 zieht nach. Nicht-hormonelle Mittel zuerst, danach vaginales Östrogen, bei laufendem Aromatasehemmer zusammen mit der Brustkrebsspezialistin. Ob die lokale Dosis das Rückfallrisiko verändert, bleibt ungewiss. Die aufgenommene Menge gilt im Vergleich zur Tablette als gering. Bei östrogenrezeptornegativem Tumor hält NICE ein relevantes Extra-Risiko für unwahrscheinlich.

Die AUA schreibt 2025, es fehle der Beleg, dass niedrig dosiertes vaginales Östrogen Brustkrebs verursacht. Nach durchgemachtem Tumor könne es im interdisziplinären Gespräch angeboten werden. Weder Prasteron noch Ospemifen hätten in den ausgewerteten Daten das Brustkrebsrisiko erhöht; Langzeitdaten bleiben dünn. ACOG erwähnt Ospemifen als mögliche Option nach hormonabhängigem Tumor, ebenfalls ohne lange Sicherheitsreihen. Systemische Östrogentabletten oder Pflaster bleiben nach hormonempfindlichem Brustkrebs in der Regel tabu.

Wiederkehrende Harnwegsinfekte nach den Wechseljahren sind ein zweites, oft übersehenes Feld. Die AUA empfiehlt hier lokal niedrig dosiertes Östrogen mit mittlerer Empfehlungsstärke, um weitere Infekte zu senken. NICE verweist auf die eigene Leitlinie zu rezidivierenden Harnwegsinfekten. Das ersetzt nicht die akute Kultur und das passende Antibiotikum, kann aber die Serie durchbrechen, wenn die Schleimhaut die eigentliche Schwachstelle ist. Bei überaktiver Blase darf lokales Östrogen laut AUA zusätzlich erwogen werden.

Laser, Pflanzenstoffe und was nicht empfohlen wird

Vaginallaser und Radiofrequenz gehören nicht zur Standardtherapie. NICE 2024 sagt klar, sie nicht anzubieten, außer in einer randomisierten Studie.

Die AUA kommt 2025 zum selben Schluss. Die ausgewerteten Arbeiten zeigten für Kohlendioxidlaser, Erbium-YAG-Laser und Radiofrequenz keinen belastbaren Nutzen bei Trockenheit, Reizung, Dysurie, Lebensqualität oder Schmerz beim Sex. 2020 hatte die North American Menopause Society noch formuliert, Placebo-kontrollierte Studien reichten nicht für eine Empfehlung. Die Cleveland Clinic weist darauf hin, dass solche Geräte für die Atrophie nicht zugelassen sind, weil Langzeitdaten fehlen. Wer dennoch danach fragt, sollte das als experimentell verstehen, nicht als schonendere Alternative zum Östrogen.

Pflanzliche Östrogene, Traubensilberkerze, Leinsamen oder Fischöl tauchen in älteren Ratgebern noch als Hausmittel auf. Die AUA rät 2025 ausdrücklich, Patientinnen zu sagen, dass die Evidenz Nahrungsergänzungen nicht stützt. StatPearls stuft pflanzliche Präparate als unwirksam für dieses Syndrom ein und verlangt mehr Daten, bevor Phytoöstrogene, Aloe oder ähnliche Extrakte empfohlen werden. Die Mayo Clinic hält fest, dass für viele dieser Mittel die Beleglage dünn bleibt und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln möglich sind. Hyaluronsäure in Feuchtigkeitsmitteln erwähnt ACOG 2021 als eine von mehreren nicht-hormonellen Optionen nach Brustkrebs. Das ist ein Gleit- und Feuchtigkeitsansatz, kein pflanzliches Hormon.

Zusammengemischte Individualrezepturen ohne Zulassung rät die Konsensusarbeit der Menopause Society für Brustkrebsrisikopatientinnen ab, weil Dosis und Aufnahme unkontrolliert schwanken können. Reizstoffe lassen sich dagegen sofort streichen.

  • Parfümierte Seifen, Intimsprays und Scheidenspülungen können die dünne Haut zusätzlich entzünden und den pH weiter verschieben.
  • Duftende Waschmittel und Weichspüler auf Unterwäsche können ein Kontaktekzem auslösen, das wie Atrophie juckt.
  • Ölhaltige Gleitmittel können Latexkondome porös machen und eignen sich nicht als Alltagscreme in der Scheide.
  • Tampons bei ohnehin trockener Schleimhaut können reiben; Binden oder Periodenunterwäsche sind dann oft schonender.

Häufige Fragen

Geht atrophe Vaginitis von selbst wieder weg?

Nach der Menopause in der Regel nicht. Hitzewallungen können nachlassen, die Gewebeverdünnung bleibt ohne Therapie meist bestehen und kann zunehmen, so NAMS 2020 und die Cleveland Clinic 2023. In der Stillzeit oder nach einer kurzzeitigen antihormonellen Behandlung kann sich die Haut erholen, sobald der Östrogenspiegel steigt.

Ist vaginales Östrogen dasselbe wie eine Hormonersatztherapie in Tablettenform?

Nein. Die lokale Dosis wirkt vor allem in der Scheide und erreicht das Blut nur in geringen Mengen. NICE 2024 stellt die Risiken der systemischen Hormontherapie deshalb nicht eins zu eins daneben. Ein höher dosierter Vaginalring zählt dagegen als Ganzkörpertherapie. Ob ein Gestagen nötig ist, hängt von Dosis und Gebärmutter ab; bei echter Niedrigdosis lokal sehen NAMS und AUA in der Regel davon ab.

Kann ich Gleitmittel und vaginales Östrogen zusammen nutzen?

Ja. NICE 2024 empfiehlt ausdrücklich die Kombination aus vaginalem Östrogen und nicht-hormonellen Feuchtigkeits- oder Gleitmitteln. Das eine baut Gewebe auf, das andere nimmt Reibung. Wasser- oder silikonbasierte Produkte vertragen sich mit den meisten Lokaltherapien; die Packungsbeilage des jeweiligen Präparats bleibt maßgebend.

Ist die Erkrankung ansteckend?

Nein. Es handelt sich um eine hormonbedingte Gewebeveränderung, nicht um eine Infektion, die Partnerinnen oder Partner überträgt. Die dünne Haut kann allerdings anfälliger für Pilze, bakterielle Verschiebungen und Harnwegskeime werden. Deshalb lohnt ein Abstrich, wenn Geruch, Jucken oder Fieber dazukommen.

Hilft regelmäßiger Sex gegen die Trockenheit?

Er kann die Durchblutung heben und die Elastizität stützen, so Mayo Clinic und Cleveland Clinic. Schmerzhafter Sex ohne Gleitmittel oder Lokaltherapie verschlimmert oft den Teufelskreis. Zuerst gehört die Haut versorgt, dann kann Aktivität wieder angenehm werden. Masturbation zählt denselben Durchblutungseffekt.

Wann muss ich wegen Blutungen zur Ärztin?

Bei jeder neuen Schmier- oder Sichtblutung nach den Wechseljahren, auch wenn sie nur nach dem Sex auftritt. Atrophie kann die Schleimhaut verletzlich machen, aber Postmenopausenblutung bleibt so lange verdächtig, bis eine Untersuchung anderes zeigt. StatPearls und NAMS verlangen genau diese Abklärung, unabhängig von einer laufenden Lokaltherapie.

Fazit

Atrophe Vaginitis ist kein Schönheitsproblem des Alterns, sondern eine behandelbare Folge von Östrogenmangel an Scheide und Harnwegen. Der aktuelle Name genitourinäres Syndrom der Menopause macht sichtbar, dass Trockenheit, Sexschmerz und immer neue Harnwegsinfekte zusammengehören. Warten lohnt selten, weil das Bild im Unterschied zu Hitzewallungen meist fortschreitet.

Für milde Tage reichen oft Feuchtigkeitsmittel und ein passendes Gleitmittel, ohne Duftstoffe und ohne Öl auf Latex. Bleiben Brennen, Enge oder Schmerz, ist niedrig dosiertes vaginales Östrogen die von NICE 2024 und AUA 2025 getragene Option; Prasteron und Ospemifen stehen bereit, wenn lokal nichts passt. Nach Brustkrebs beginnt der Weg bei den nicht-hormonellen Mitteln, ein Gespräch über lokale Östrogene ist trotzdem möglich und kein Tabubruch mehr.

Morgen reicht oft schon eine konkrete Liste für die Praxis. Welche Symptome stören im Alltag, welche Mittel wurden versucht, gibt es Spotting, wie viele Harnwegsinfekte gab es im letzten Jahr, läuft eine antihormonelle Therapie. Mit diesen Angaben lässt sich in einem Termin klären, ob ein Feuchtigkeitsmittel genügt oder ob eine lokale Hormontherapie sinnvoll ist.

Quellen

  1. Mayo Clinic: Vaginal atrophy – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 20. Dezember 2025.
  2. Mayo Clinic: Vaginal atrophy – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 20. Dezember 2025.
  3. Cleveland Clinic: Vaginal Atrophy: Causes, Symptoms, Diagnosis & Treatment. Cleveland Clinic, 10. April 2023.
  4. MedlinePlus: Vaginal dryness. MedlinePlus, 3. Juli 2025.
  5. Carlson K, Vadakekut ES: Genitourinary Syndrome of Menopause. StatPearls, 17. Juni 2026.
  6. The North American Menopause Society: The 2020 genitourinary syndrome of menopause position statement of The North American Menopause Society. Menopause, September 2020.
  7. Kaufman MR, Ackerman LA et al.: Genitourinary Syndrome of Menopause: AUA/SUFU/AUGS Guideline (2025). American Urological Association, 2025.
  8. American College of Obstetricians and Gynecologists: Treatment of Urogenital Symptoms in Individuals With a History of Estrogen-dependent Breast Cancer. American College of Obstetricians and Gynecologists, Dezember 2021.
  9. National Institute for Health and Care Excellence: Menopause: identification and management. National Institute for Health and Care Excellence, 2024.
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