
Höhenkrankheit entsteht, wenn der Körper nach einem raschen Höhengewinn den niedrigeren Sauerstoffpartialdruck nicht rechtzeitig ausgleicht. Die milde Form, die akute Bergkrankheit, zeigt sich meist mit Kopfschmerz plus Übelkeit, Erschöpfung oder Schwindel; unbehandelt kann sie in ein Lungen- oder Hirnödem übergehen, das ohne Abstieg tödlich enden kann.
In Colorado erkranken laut CDC Yellow Book (Ausgabe 2026) etwa 25 Prozent der Gäste, die oberhalb von 2450 Metern übernachten. Körperliche Fitness schützt nicht. Entscheidend sind Schlafhöhe, Aufstiegsgeschwindigkeit und frühere Episoden. Die Wilderness Medical Society hat 2024 ihre Leitlinie geschärft. Zur Vorbeugung bleiben 125 Milligramm Acetazolamid alle zwölf Stunden die bevorzugte Dosis, während 62,5 Milligramm in einer größeren Studie schwächer abschnitten.
Wer Kopfschmerz, Appetitlosigkeit oder Schwindel in den ersten Stunden nach der Ankunft bemerkt, sollte die Schlafhöhe nicht weiter anheben. Unsicherer Gang, Verwirrtheit oder Atemnot in Ruhe verlangen sofortigen Abstieg und, wo vorhanden, Sauerstoff. Tabletten ersetzen diesen Schritt nicht.
Was im Körper bei zu raschem Aufstieg passiert
Der Sauerstoffanteil der Luft bleibt bei rund 21 Prozent, der Partialdruck fällt jedoch mit der Höhe. Jeder Atemzug liefert deshalb weniger Sauerstoffmoleküle, obwohl die chemische Zusammensetzung der Luft sich nicht ändert.
Bereits um 3050 Meter liegt der eingeatmete Sauerstoffpartialdruck laut CDC bei etwa 69 Prozent des Meeresspiegelwerts; die arterielle Sättigung kann dann auf 88 bis 91 Prozent sinken. Das Merck Manual (Vollrevision 2026) nennt für 5800 Meter ungefähr die Hälfte des Partialdrucks auf Meereshöhe, am Everestgipfel rund ein Drittel. Hyperventilation setzt fast sofort ein, das Herzzeitvolumen steigt vorübergehend, und die Nieren scheiden Bikarbonat aus, damit die Atmung weiter zunehmen kann. Rote Blutkörperchen vermehren sich erst über Wochen; für die ersten Reisetage zählen sie kaum.
Die akute Anpassung dauert nach CDC drei bis fünf Tage. In diesem Fenster entsteht Höhenkrankheit, danach in aller Regel nicht mehr, solange die Schlafhöhe gleich bleibt. Wer weiter nach oben zieht, beginnt das Fenster neu. Hypoxämie ist nachts am stärksten, weil die Atmung im Schlaf unregelmäßiger wird. Deshalb belastet eine Übernachtung viel stärker als ein Tagesausflug mit Rückkehr ins Tal.
Flüssigkeitsaustritt aus kleinen Gefäßen erklärt die schweren Formen. Im Gehirn kann die Blut-Hirn-Schranke undicht werden; in der Lunge zieht eine ungleichmäßige, überstarke hypoxische Gefäßverengung den Druck in den Lungenarterien hoch, bis Plasma in die Alveolen tritt. Das ist kein Linksherzversagen. Genau deshalb helfen Schleifendiuretika hier nicht.

Wie sich AMS, HAPE und HACE unterscheiden
Drei getrennte, aber verwandte Bilder gehören zur akuten Höhenkrankheit, nämlich die akute Bergkrankheit (AMS), das Höhenlungenödem (HAPE) und das Höhenhirnödem (HACE). AMS ist häufig und meist selbstlimitierend, sobald der Aufstieg stoppt; HAPE und HACE sind Notfälle.
AMS tritt typischerweise 2 bis 12 Stunden nach Ankunft oder nach einem weiteren Höhengewinn auf, oft in oder nach der ersten Nacht. Leitsymptom ist Kopfschmerz, dazu kommen Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit oder anhaltender Schwindel. Die Cleveland Clinic (Stand 2023) nennt AMS unterhalb von rund 2400 Metern selten; wer rasch auf etwa 3350 Meter fährt, erkrankt fast immer. HACE gilt als Endstadium derselben zerebralen Störung mit Ataxie, Verwirrtheit, ausgeprägter Schläfrigkeit und später Koma. Laut CDC ist HACE unterhalb von 4300 Metern selten, kann aber nach schwerer Hypoxämie durch HAPE folgen.
HAPE beginnt meist 1 bis 5 Tage nach raschem Aufstieg über etwa 2400 Meter, unabhängig davon, ob zuvor AMS bestand. Frühe Zeichen sind nachlassende Belastbarkeit, Atemnot bei Anstrengung und trockener Husten. Die Mayo Clinic (2022) beschreibt, dass sich die Beschwerden nachts oft verschlimmern; später folgen Ruheatemnot, rötlich-schaumiger Auswurf, Tachykardie und leichtes Fieber. StatPearls (Aktualisierung 2023) beziffert die Sterblichkeit unbehandelt auf bis zu 50 Prozent, behandelt auf bis zu 11 Prozent. In Colorado kommt HAPE laut CDC etwa einmal auf 10.000 Skigäste vor, oberhalb von 4300 Metern bei bis zu einem von 100 Reisenden.
| Form | Typische Zeichen | Erstes Handeln |
|---|---|---|
| Akute Bergkrankheit | Kopfschmerz plus Übelkeit, Müdigkeit oder Schwindel, oft nach 2–12 Stunden | Nicht höher schlafen, ruhen, nichtopioide Schmerzmittel |
| Höhenlungenödem | Belastungsatemnot, trockener Husten, später Ruheatemnot und rosa Auswurf | Sofort absteigen, Sauerstoff, Nifedipin nur ergänzend |
| Höhenhirnödem | Unsicherer Gang, Verwirrtheit, schwere Schläfrigkeit | Notfallabstieg, Dexamethason, Sauerstoff oder Druckkammer |
HAPE kann ohne Kopfschmerz kommen. HACE ohne vorheriges AMS ist ungewöhnlich, aber möglich, wenn die Sättigung durch das Lungenödem abstürzt. Beide Bilder dürfen nicht mit Erschöpfung, Kater oder einem viralen Infekt verwechselt werden; Fieber, Schnupfen und Gliederschmerzen gehören nicht zum AMS-Kern.
Welche Symptome harmlos wirken und welche nicht
Kopfschmerz nach der Ankunft in der Höhe ist das häufigste Frühzeichen und oft noch beherrschbar, solange keine neurologischen Ausfälle und keine Ruheatemnot dazukommen. Sobald der Gang unsicher wird oder die Luft in Ruhe nicht reicht, ist das kein „normaler Bergtag“ mehr.
Mildes AMS fühlt sich an wie ein Kater ohne durchzechte Nacht, mit pochendem Kopf, flauem Magen, Lustlosigkeit und Schwindel. MedlinePlus (Stand Oktober 2025) listet zusätzlich schnellen Puls und Atemnot bei Belastung. Kleinkinder, die noch nicht sprechen, wirken laut CDC reizbar, blass und appetitlos; ältere Kinder klagen über Kopfschmerz oder Kurzatmigkeit. Schlechter Schlaf ist in der Höhe fast regelmäßig, weil periodische Atmung einsetzt. Seit der Lake-Louise-Revision 2018 zählt er nicht mehr als Diagnosekriterium der akuten Bergkrankheit, bleibt aber belastend.
Warnzeichen, die Abstieg und Hilfe erzwingen, sind klarer umrissen.
- Unsicherer Gang auf gerader Strecke oder Ungeschicklichkeit beim Schuhebinden deutet auf ein Höhenhirnödem.
- Atemnot in Ruhe, Engegefühl in der Brust oder Husten mit blutigem Schaum spricht für ein Höhenlungenödem.
- Verwirrtheit, ausgeprägte Schläfrigkeit oder nachlassendes Bewusstsein verlangen Evakuierung ohne Zeitverlust.
- Zyanose der Lippen und eine Sättigung, die rund 10 Punkte unter dem für die Höhe erwarteten Wert liegt, stützen den Verdacht auf HAPE.
Die Cleveland Clinic warnt, HAPE könne binnen 12 Stunden, HACE binnen 24 Stunden tödlich enden. Netzhautblutungen kommen laut Merck ab etwa 2700 Metern vor und sind meist stumm; Sehverlust durch eine Makulablutung zwingt zum Abstieg und zur Augenarztkontrolle im Tal. Gesichtsschwellung allein beweist keine schwere Höhenkrankheit, sollte aber nicht bagatellisiert werden, wenn gleichzeitig Kopfschmerz oder Atemnot bestehen.
Wer erkrankt unabhängig von der Fitness
Trainingszustand sagt fast nichts über das AMS-Risiko. Das Merck Manual betont ausdrücklich, dass Fitness nicht schützt; in einer Untersuchung an 3450 Metern erkrankten Ausdauerathletinnen und -athleten sogar früher.
Genetik, individuelle hypoxische Atmungsantwort und vor allem das Aufstiegsprofil tragen den größeren Teil. Wer schon einmal AMS, HAPE oder HACE hatte, gilt beim nächsten vergleichbaren Aufstieg als gefährdeter. Meeresspiegelbewohner, die per Flugzeug in Cuzco, La Paz oder Lhasa ankommen, landen direkt in einer hohen Risikokategorie, weil die Schlafhöhe am ersten Tag oft über 3400 Meter liegt. Kinder sind laut CDC ähnlich anfällig wie Erwachsene; Menschen über 50 Jahre haben etwas weniger AMS, was niemanden in Sicherheit wiegt. Geschlecht spielt, wenn überhaupt, eine geringe Rolle.
Asthma, gut eingestellter Bluthochdruck, Diabetes oder milde COPD erhöhen das AMS-Risiko selbst nicht, können aber unter Hypoxämie stärker beschwerden. Sichelzellanämie, schwere pulmonale Hypertonie, dekompensierte Herzinsuffizienz und ein Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten 90 Tagen gelten im CDC-Yellow-Book als Gründe, Höhenreisen zu unterlassen. Nach einer COVID-19-Infektion mit Restbeschwerden über mindestens zwei Wochen, nach Intensivaufenthalt, Myokarditis oder Thrombose empfiehlt die WMS-Leitlinie 2024 eine gezielte Untersuchung, bevor es in große Höhe geht. Schwangere mit unkomplizierter Schwangerschaft können kurze Aufenthalte vertragen; die CDC rät dennoch, Schlafplätze über 3050 Meter zu meiden.
Alkohol, Sedativa und Opioide dämpfen die Atmung genau dann, wenn sie nachts ohnehin schwächelt. Wer koffeingeewöhnt ist, sollte das Koffein nicht abrupt streichen, sonst mischt sich ein Entzugskopfschmerz unter das AMS-Bild.
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose ist klinisch. Eine unakklimatisierte Person, ein Höhengewinn in den letzten Stunden bis drei Tagen und ein passender Symptomkomplex reichen aus. Blutwerte, Röntgen oder MRT braucht es in der Regel nicht, und auf einem Pass oder Gletscher stehen sie ohnehin nicht zur Verfügung.
Für Forschungszwecke definiert der Lake-Louise-Konsens von 2018 AMS als Summe von mindestens drei Punkten aus vier Fragen (Kopfschmerz, Magen-Darm, Müdigkeit, Schwindel), wobei der Kopfschmerz mindestens einen Punkt beitragen muss. Schlafstörung wurde gestrichen, weil sie schlecht mit den übrigen Beschwerden korrelierte und oft die Hypoxie selbst abbildet. Merck weist darauf hin, dass das Punkteschema nicht als Werkzeug für die Sprechstunde gedacht ist; praktisch zählen Anamnese und Verlauf. Symptome, die später als drei Tage nach Ankunft ohne weiteren Aufstieg beginnen, sollten nicht dem AMS zugeschlagen werden.
HAPE verlangt klinisch eine Kombination aus Beschwerden (Brustenge oder Schmerz, Husten, Ruheatemnot, gesunkene Belastbarkeit) und Befunden (Zyanose, Rasselgeräusche, Tachykardie, Tachypnoe). Eine Sättigung von 50 bis 70 Prozent, mindestens zehn Punkte unter den Gesunden derselben Höhe, ist laut CDC und StatPearls häufig. Röntgen, falls verfügbar, zeigt fleckige Infiltrate bei normal großem Herzen; rasche Besserung unter Sauerstoff gilt als stützend. HACE erkennt man an Ataxie und getrübtem Bewusstsein. Krampfanfälle und klare Herdzeichen sind ungewöhnlich und sollten an Schlaganfall, Hyponatriämie oder Intoxikation denken lassen. MRT kann später Mikroblutungen als Narbe zeigen; das ändert am Notfall vor Ort nichts.
Differenzialdiagnosen bleiben Kater, Kohlenmonoxid aus dem Kocher im Zelt, Dehydratation, Migräne, Unterzuckerung, Unterkühlung und Lungenembolie. Ein Abstieg um 300 Meter, nach dem der Kopf klarer wird, spricht stark für AMS.
Wann der Abstieg Pflicht ist
Leichtes AMS darf auf der aktuellen Höhe auskuriert werden, schweres AMS, HAPE und HACE nicht. Die Regel ist hart. Niemand sollte höher schlafen, solange Symptome bestehen, und bei Verschlechterung trotz Ruhe muss die Höhe fallen.
CDC und WMS 2024 ziehen die Grenze ähnlich. Bei mildem bis mäßigem AMS ohne Warnzeichen bleiben Reisende, ruhen, trinken angemessen und nehmen Ibuprofen 600 Milligramm oder Paracetamol 500 Milligramm alle acht Stunden sowie bei Übelkeit Ondansetron 4 Milligramm, sofern verordnet. Bessert sich nichts binnen ein bis drei Tagen oder nimmt die Intensität zu, muss die Höhe fallen. Schon 300 Meter Abstieg können AMS rasch lindern, besonders wenn Anstrengung minimiert wird. Bei schweren AMS-Bildern nennt Merck 500 bis 1000 Meter als wirksame Spanne.
HAPE und HACE sind Evakuierungsdiagnosen. StatPearls empfiehlt beim Lungenödem rund 1000 Meter Höhenverlust oder so lange, bis die Luft wieder reicht; die Cleveland Clinic spricht von mindestens 300, oft bis 1000 Metern. Anstrengung während des Abstiegs verschlechtert die Hypoxämie, weshalb Traghilfe oder Helikopter, wo erreichbar, sinnvoller sind als ein erzwungener Eilmarsch. Wer in einem Skiort mit Klinik landet, kann laut CDC bei mildem HAPE unter Sauerstoff und Bettruhe zwei bis vier Tage auf derselben Höhe bleiben; im Gelände ohne Reserve gilt das nicht.
Drei Merksätze der CDC Yellow Book fassen die Todesvermeidung zusammen. Frühe Zeichen ernst nehmen, mit Symptomen nicht höher schlafen, bei Verschlechterung trotz Therapie absteigen. Wetter und Gelände können den Weg versperren; dann müssen Sauerstoff und Überdruckkammer Zeit kaufen, ersetzen den Abstieg aber nicht.

Was vor Ort hilft, wenn der Weg nach unten stockt
Sauerstoff und eine tragbare Überdruckkammer überbrücken, bis der Weg nach unten frei ist. Medikamente können Symptome dämpfen, heilen die Ursache aber nicht.
Flussraten von 1 bis 2 Litern pro Minute bessern laut CDC den AMS-Kopfschmerz oft innerhalb von etwa 30 Minuten; die übrigen Beschwerden brauchen Stunden. Kleine Sauerstoffdosen aus der Spraydose mit höchstens 5 Litern Inhalt reichen für eine anhaltende Wirkung nicht. Ziel bei HAPE ist eine Sättigung über 90 Prozent, soweit das Gerät das hergibt. Die Überdruckkammer (häufig Gamow-Sack genannt) erzeugt mit Fußpumpe rund 0,14 Kilogramm pro Quadratzentimeter und simuliert einen Abstieg von etwa 1500 bis 1800 Metern. Nach dem Aussteigen können die Symptome zurückkehren; die Kammer ist ein Wartezimmer, kein Therapieziel.
Dexamethason lindert mittelschweres bis schweres AMS zuverlässiger und schneller als Acetazolamid. Die CDC nennt für Erwachsene 4 Milligramm alle sechs Stunden, selten länger als ein bis zwei Tage. Bei HACE steht am Anfang eine Einzeldosis 8 Milligramm oral, intramuskulär oder intravenös, danach 4 Milligramm alle sechs Stunden. Kinder erhalten 0,15 Milligramm pro Kilogramm alle sechs Stunden, höchstens 4 Milligramm. Weil das Steroid die Akklimatisation nicht fördert, darf erst weiter aufgestiegen werden, wenn die Person ohne das Mittel beschwerdefrei ist.
Nifedipin in retardierter Form senkt den Lungenarteriendruck. Die CDC-Dosis für Vorbeugung und Behandlung von HAPE beträgt 30 Milligramm retardiert alle zwölf Stunden oder 20 Milligramm alle acht Stunden. Im Gelände ist es Zusatz zu Abstieg oder Sauerstoff, nicht Ersatz. Phosphodiesterasehemmer (Sildenafil 50 Milligramm alle acht Stunden oder Tadalafil 10 Milligramm zweimal täglich) kommen infrage, wenn Nifedipin fehlt; mehrere Lungengefäßdilatatoren gleichzeitig sollen nicht kombiniert werden. Merck stellt klar, dass Diuretika bei HAPE kontraindiziert sind. Ältere Enzyklopädie-Texte erwähnen noch inhalative Beta-Agonisten; die WMS-Leitlinie 2024 sieht dafür keine etablierte Rolle.
Wie langsam der Aufstieg sein sollte
Langsames Anheben der Schlafhöhe bleibt die wirksamste Vorbeugung, wirksamer als jede Tablette. Wer den Kalender streckt, braucht seltener Medikamente.
Die WMS 2024 und das CDC Yellow Book 2026 formulieren denselben Kern. Von einer Ausgangshöhe unter 1200 Metern soll die erste Schlafhöhe nicht auf 2750 Meter oder mehr springen. Oberhalb von 3000 Metern steigt die Schlafhöhe um höchstens 500 Meter pro Nacht; alle 1000 Meter zusätzlicher Schlafhöhe kommt ein Tag ohne höheren Schlafplatz. Wer geländebedingt einmal mehr als 500 Meter schlafen muss, gleicht das mit Ruhetagen davor oder danach aus, sodass der Schnitt der Reise unter dieser Marke bleibt. Tagsüber höher gehen und nachts tiefer schlafen nützt, weil die Nacht die kritische Phase ist.
Zwei bis drei Nächte um 2450 bis 2750 Meter vor dem Weiterweg nach oben senken das AMS-Risiko spürbar. Ein Zwischenstopp, etwa eine Nacht in Denver vor einem Colorado-Skiort über 2800 Metern, ist das Alltagsbeispiel der Leitlinie. Wer in den 14 Tagen vor der Reise schon mindestens zwei Nächte oberhalb von 2750 Metern verbracht hat, kommt oft besser an; näher am Abreisetermin wirkt das stärker. Kommerzielle Hypoxiezelt-Nächte vor der Reise haben in kontrollierten Studien keinen klaren Nutzen gezeigt; kurze oder seltene Sitzungen gelten als unergiebig.
Praktische Begleitregeln sind schlicht.
- In den ersten 48 Stunden nach Ankunft über 2400 Metern bleiben Alkohol und schwere Belastung besser aus.
- Ausreichend trinken, ohne sich zu überwässern, weil Erschöpfung und AMS sich ähneln, Zwangstrinken aber Hyponatriämie begünstigen kann.
- Mahlzeiten mit ausreichend Kohlenhydraten helfen vielen, den Appetit in der Höhe zu halten.
- Der langsamste Mensch der Gruppe bestimmt das Tempo, nicht der fittest.
Pauschalreisen, die Kilimandscharo oder Everest-Basislager in wenigen Tagen versprechen, widersprechen diesem Profil. Merck nennt AMS-Raten um 50 bis 70 Prozent bei 4340 Metern und noch höhere Anteile an solchen Gipfeln, wenn der Aufstieg gehetzt wird.
Welche Medikamente vorbeugen und behandeln
Acetazolamid bleibt das Mittel der ersten Wahl zur Vorbeugung, wenn der Aufstieg nicht langsam genug geplant werden kann. Dexamethason ist die stärkere Symptombremse, Nifedipin die HAPE-Spezialität für besonders Anfällige.
Die WMS 2024 empfiehlt Acetazolamid 125 Milligramm alle zwölf Stunden, bei Körpergewicht über 100 Kilogramm 250 Milligramm zweimal täglich laut CDC-Tabelle. Beginn in der Nacht vor dem Aufstieg; wer das verpasst, hat am Abreisetag immer noch Nutzen. Fortgesetzt wird, bis zwei Tage auf der höchsten geplanten Schlafhöhe verbracht sind, länger wenn es weiter nach oben geht. Eine kleine Studie hatte 62,5 Milligramm als gleichwertig dargestellt; eine größere randomisierte Studie zeigte danach, dass diese halbe Dosis AMS schlechter verhindert. Höhere Gaben (250 Milligramm alle zwölf Stunden) können bei sehr steilen Profilen bis 5000 Meter erwogen werden, Vergleiche mit 125 Milligramm fehlen dort. Für Gipfel darüber gibt es keine belastbare Dosisstudie.
Die Kinderdosis zur Vorbeugung beträgt in der WMS-Leitlinie 2024 1,25 Milligramm pro Kilogramm alle zwölf Stunden, höchstens 125 Milligramm pro Gabe. Ältere WMS-Empfehlungen von 2019 nannten noch 2,5 Milligramm pro Kilogramm; CDC Yellow Book und aktuelle Leitlinie liegen jetzt auf der niedrigeren Prophylaxedosis. Zur Behandlung bleibt 2,5 Milligramm pro Kilogramm alle zwölf Stunden, höchstens 250 Milligramm. Unter zwölf Jahren ist Acetazolamid für Höhenkrankheit nicht formal zugelassen, wird aber für andere Indikationen bei Kindern genutzt; die CDC beschreibt den Einsatz außerhalb der Zulassung, wenn langsamer Aufstieg unmöglich ist.
Cochrane (Suche bis Januar 2017) fand gegenüber Placebo eine Risikoreduktion für AMS auf ein relatives Risiko von 0,47 bei 2301 Teilnehmenden; Parästhesien traten mit relativem Risiko 5,53 häufiger auf. Kribbeln in Fingern und Gesicht, vermehrtes Wasserlassen und ein metallischer Geschmack bei kohlensäurehaltigen Getränken sind die typischen Begleiter. CDC berichtet, dass eine Kreuzallergie zwischen antibiotischen Sulfonamiden und Acetazolamid nicht belegt ist; Merck rät bei früherer Anaphylaxie auf Sulfonamide dennoch zur Zurückhaltung. Fachinformationen nennen noch 500 bis 1000 Milligramm täglich; das ist die ältere Zulassungsdosis, nicht die reisemedizinische Standardprophylaxe.
| Wirkstoff | Rolle | Erwachsenendosis (CDC 2026) | Vorbehalt |
|---|---|---|---|
| Acetazolamid | AMS-Vorbeugung, beschleunigt Akklimatisation | 125 mg alle 12 Stunden | Kribbeln, Polyurie; Behandlung oft 250 mg alle 12 Stunden |
| Dexamethason | AMS- und HACE-Therapie, Reserve-Vorbeugung | AMS 4 mg alle 6 Stunden; HACE 8 mg, dann 4 mg alle 6 Stunden | Keine Akklimatisation; Rebound, wenn in der Höhe gestoppt |
| Nifedipin retardiert | HAPE-Vorbeugung bei Anfälligen, Zusatztherapie | 30 mg alle 12 Stunden oder 20 mg alle 8 Stunden | Nicht allein, wenn Abstieg oder Sauerstoff möglich |
| Ibuprofen | Höhenkopfschmerz, schwache AMS-Vorbeugung | 600 mg alle 8 Stunden | Laut WMS 2024 der Acetazolamid-Prophylaxe unterlegen |
Dexamethason zur Vorbeugung (2 Milligramm alle sechs oder 4 Milligramm alle zwölf Stunden) bleibt Menschen vorbehalten, die Acetazolamid nicht vertragen, oder sehr steilen Einsätzen. Ibuprofen 600 Milligramm dreimal täglich kann AMS gegenüber Placebo senken, war Acetazolamid in einer neueren Vergleichsstudie aber unterlegen; die WMS stuft das nur als Ausweichoption ein. Paracetamol 1000 Milligramm dreimal täglich ist nicht als Vorbeugung empfohlen. Coca-Tee, Antioxidanzien, Eisen oder „erzwungenes“ Trinken ersetzen keine der genannten Strategien.
Was chronische Bergkrankheit von der akuten Form trennt
Chronische Bergkrankheit, die Monge-Krankheit, betrifft Dauereinwohner großer Höhe, nicht den Wochenendgast aus dem Flachland. Sie ist eine Fehlanpassung über Monate und Jahre, keine Variante des AMS.
Merck beschreibt übermäßige Polyzythämie, Müdigkeit, Atemnot, Gliederschmerzen und Zyanose, oft mit alveolärer Hypoventilation. Das zähe Blut erhöht das Risiko für Thrombosen. Therapie der Wahl ist der dauerhafte Abstieg ins Tiefland, was wirtschaftlich oft unmöglich ist; wiederholte Aderlässe und in manchen Fällen langfristiges Acetazolamid können die Polyzythämie mindern. In den Anden ist das Bild häufig, es kommt aber auch in Höhenorten Colorados vor. Tibetische Tieflandzuzügler entwickeln eher pulmonale Hypertonie und Rechtsherzbelastung ohne dieselbe übermäßige Blutneubildung.
Rückkehrerödem betrifft Höhenbewohner, die kurz im Tal waren und nach Hause kommen. Sie können HAPE bekommen, obwohl sie „heimisch“ sind. Bewohner ohne Talaufenthalt erkranken gelegentlich ebenfalls, etwa im Rahmen eines Atemwegsinfekts. Das ändert nichts an der Sofortmaßnahme, nämlich Abstieg und Sauerstoff.
Wer nach überstandener akuter Episode wieder aufsteigen will, wartet, bis die Symptome ohne Steroid und ohne Sauerstoff weg sind, und nimmt zur erneuten Höhenzunahme prophylaktisch Acetazolamid. Nach HAPE ist die Rückfallquote hoch; StatPearls nennt bis zu 60 Prozent. Nifedipin oder ein Phosphodiesterasehemmer zur Vorbeugung ist dann ein Thema für die reisemedizinische Sprechstunde, nicht für die Selbstmedikation aus der Hausapotheke.
Häufige Fragen
Ab welcher Höhe wird Höhenkrankheit wahrscheinlich?
Die meisten Fälle beginnen, wenn Unakklimatisierte oberhalb von etwa 2500 Metern schlafen. Empfindliche Personen können schon darunter erkranken, schwere Bilder häufen sich mit raschem Gewinn über 3000 bis 3500 Meter. Ein Tagesausflug mit Rückkehr ins Tal belastet weniger als die erste Nacht oben.
Schützt gute Kondition vor der akuten Bergkrankheit?
Nein. Das Merck Manual stellt klar, dass Fitness nicht vor AMS, HAPE oder HACE schützt. In einer Studie an 3450 Metern erkrankten Ausdauertrainierte sogar früher. Wer viel leistet, steigt oft schneller; genau das treibt das Risiko.
Darf ich mit leichtem Kopfschmerz weiter aufsteigen?
Nicht zum Schlafen. Mit AMS-Zeichen bleibt die Schlafhöhe gleich, bis der Kopf klar ist. Weitergehen am Tag und zurück zur alten Hütte kann akzeptabel sein; höher übernachten bei Restbeschwerden widerspricht CDC und WMS. Nach Abklingen eignet sich Acetazolamid in Prophylaxedosis für den nächsten Höhengewinn.
Wie lange soll Acetazolamid eingenommen werden?
Zur Vorbeugung beginnt die Einnahme in der Nacht vor dem Aufstieg und läuft, bis zwei Tage auf der höchsten Schlafhöhe verbracht sind, länger wenn es weiter nach oben geht. Die WMS-Dosis für Erwachsene beträgt 125 Milligramm alle zwölf Stunden. Abruptes Absetzen in der Höhe ist unproblematischer als bei Dexamethason, das einen Rebound erlauben kann.
Ist schlechter Schlaf schon ein Zeichen der Bergkrankheit?
Nicht mehr als Diagnosekriterium. Der Lake-Louise-Konsens strich 2018 die Schlafstörung, weil sie oft die Hypoxie selbst abbildet. Periodische Atmung oberhalb von rund 2700 Metern ist fast regelmäßig. Acetazolamid kann die nächtliche Sättigung heben; Alkohol und Opioide als Schlafhilfe sind ungeeignet.
Was tun, wenn Abstieg bei Lungenödem unmöglich ist?
Sauerstoff auf eine Sättigung über 90 Prozent titrieren und, falls vorhanden, die Überdruckkammer nutzen. Retardiertes Nifedipin in der CDC-Dosis 30 Milligramm alle zwölf Stunden kann ergänzen, ersetzt Abstieg und Sauerstoff aber nicht. Sobald Wetter oder Gelände es zulassen, muss die Höhe fallen.

Fazit
Höhenkrankheit ist keine Frage des Willens und keine Medaille für Untrainierte. Wer die Schlafhöhe langsam anhebt, die ersten Nächte nicht von Meeresniveau auf 2750 Meter springt und Alkohol sowie Sedativa in den ersten zwei Tagen meidet, verhindert die meisten schweren Verläufe. Acetazolamid 125 Milligramm zweimal täglich kann die Akklimatisation beschleunigen, wenn der Fahrplan das nicht hergibt; die Kindergabe zur Vorbeugung liegt seit der WMS-Aktualisierung 2024 bei 1,25 Milligramm pro Kilogramm.
Kopfschmerz plus Übelkeit nach der Ankunft bedeutet, hier zu bleiben und nicht höher zu schlafen. Unsicherer Gang oder Ruheatemnot verlangen sofort nach unten, Sauerstoff falls vorhanden, Dexamethason bei Verdacht auf Hirnödem, Nifedipin nur als Brücke beim Lungenödem. Kleine Sauerstoffdosen aus der Dose und „viel trinken bis es zieht“ ersetzen keinen Meter Abstieg.
Vor der nächsten Reise lohnt ein Gespräch, wenn schon einmal HAPE oder HACE auftrat, eine Sichelzellerkrankung oder schwere Lungenhochdruck besteht oder nach COVID noch Luftnot hängt. Der Kalender mit Ruhetagen ist das Mittel, das am seltensten im Rucksack vergessen werden sollte.
Quellen
- CDC: High-Altitude Travel and Altitude Illness. Centers for Disease Control and Prevention, 23. April 2025.
- Luks AM, Beidleman BA et al.: Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention, Diagnosis, and Treatment of Acute Altitude Illness: 2024 Update. Wilderness & Environmental Medicine, 2024.
- MedlinePlus: Acute mountain sickness. MedlinePlus, 14. Oktober 2025.
- Luks AM: Acute Altitude Illness. Merck Manual Professional Edition, Stand: Juli 2026.
- Mayo Clinic Staff: Pulmonary edema – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 27. Mai 2022.
- Cleveland Clinic: Altitude Sickness: What It Is, Symptoms, Treatment & Prevention. Cleveland Clinic, 21. August 2023.
- Nieto Estrada VH, Molano Franco D et al.: Drugs commonly-used for preventing high altitude illness. Cochrane Database of Systematic Reviews, 27. Juni 2017.
- Jensen JD, Vincent AL: High Altitude Pulmonary Edema. StatPearls, 17. Juli 2023.
- Roach RC, Hackett PH et al.: The 2018 Lake Louise Acute Mountain Sickness Score. High Altitude Medicine & Biology, März 2018.
- CDC: Travel to High Altitudes. Centers for Disease Control and Prevention, 16. August 2022.
