
Lungenhochdruck ist ein zu hoher Blutdruck in den Arterien zwischen rechter Herzkammer und Lunge, nicht der bekannte Bluthochdruck an Arm oder Bein. Die europäische Leitlinie von ESC und ERS setzt die Grenze seit 2022 bei einem mittleren Druck über 20 mmHg, gemessen mit dem Rechtsherzkatheter; ältere Texte nannten noch 25 mmHg.
Ohne Behandlung belastet der Rückstau die rechte Herzkammer, bis sie sich weitet und versagt. Heilung im Sinne einer restlosen Beseitigung gibt es für die meisten Formen nicht, schreiben Mayo Clinic und MedlinePlus. Medikamente, Sauerstoff, gezielte Eingriffe und das Behandeln der Ursache können Beschwerden mindern und die Zeit bis zur Verschlechterung strecken. Entscheidend bleibt die Gruppe. Eine seltene Erkrankung der kleinen Lungenarterien braucht andere Mittel als ein Linksherzfehler oder chronische Gerinnsel.
Was Lungenhochdruck ist und warum er anders wirkt als Bluthochdruck
Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) bedeutet, dass das Blut auf dem Weg durch die Lunge gegen einen erhöhten Widerstand anrennen muss. Der Druck in der großen Körperschlagader bleibt dabei oft unauffällig; wer zu Hause den Oberarm misst, schließt die Lungenstrombahn also nicht aus.
Physikalisch misst man den mittleren Druck in der Lungenarterie. Gesunde Werte liegen nach Angaben der American Heart Association in Ruhe etwa zwischen 11 und 20 mmHg. Die Leitlinie von ESC und ERS aus dem Jahr 2022 und ein klinischer Überblick von Maron im Journal of the American Heart Association (2023) definieren Lungenhochdruck ab einem Mitteldruck über 20 mmHg. Frühere europäische Empfehlungen und viele ältere Lehrbücher setzten 25 mmHg an. Der niedrigere Schwellenwert folgt aus Normalwerten Gesunder und aus der Beobachtung, dass schon mäßig erhöhte Drücke die Prognose verschlechtern. Eine Patientenseite des NHLBI, zuletzt 2022 aktualisiert, nennt weiterhin 25 mmHg; für die aktuelle Einordnung hat die Leitlinie Vorrang.
Damit klar wird, ob die Lungengefäße selbst erkrankt sind oder das Blut nur zurückstaut, gehören zwei weitere Größen dazu. Gemeint sind der pulmonalarterielle Verschlussdruck (ein Schätzer für den Druck im linken Vorhof) und der pulmonalvaskuläre Widerstand in Wood-Einheiten. Präkapilläre Formen, typisch für die arterielle Variante und für chronische Gerinnsel, kombinieren Mitteldruck über 20 mmHg, Verschlussdruck von höchstens 15 mmHg und Widerstand über 2 Wood-Einheiten. Isoliert postkapilläre Formen, meist bei Erkrankung der linken Herzseite, haben einen Verschlussdruck über 15 mmHg bei Widerstand von 2 oder weniger. Liegen beide Werte hoch, spricht man von kombinierter prä- und postkapillärer Hypertonie. Neu aufgenommen wurde die Belastungsform. Steigt der Mitteldruck bezogen auf das Herzzeitvolumen von Ruhe zur Belastung um mehr als 3 mmHg pro Liter und Minute, gilt das als pathologisch. Für die Grauzone 21 bis 24 mmHg oder Widerstand zwischen 2 und 3 Wood-Einheiten fehlen nach Maron noch belastbare Studien zu den klassischen PAH-Medikamenten.
| Form | Mittlerer Lungenarteriendruck | Verschlussdruck | Widerstand |
|---|---|---|---|
| Lungenhochdruck insgesamt | über 20 mmHg | nicht allein entscheidend | nicht allein entscheidend |
| Präkapillär | über 20 mmHg | 15 mmHg oder weniger | über 2 Wood-Einheiten |
| Isoliert postkapillär | über 20 mmHg | über 15 mmHg | 2 Wood-Einheiten oder weniger |
| Kombiniert prä- und postkapillär | über 20 mmHg | über 15 mmHg | über 2 Wood-Einheiten |
| Unter Belastung | Steigung Mitteldruck/Herzzeitvolumen über 3 mmHg je L/min | je nach Ursache | je nach Ursache |
Die Schwellen stammen aus der ESC/ERS-Leitlinie 2022 und sind im Merck Manual (Stand 2025) wiedergegeben.

Welche fünf Gruppen es gibt und wer erkrankt
Ursache und Behandlung hängen von der Gruppe ab, nicht vom Druckwert allein. Die Weltgesundheitsorganisation und die ESC/ERS-Leitlinie teilen die Erkrankung in fünf klinische Gruppen; Cleveland Clinic und NHLBI nutzen dasselbe Raster.
Gruppe 1 ist die pulmonale arterielle Hypertonie (PAH). Die Wände der kleinen Lungenarterien verdicken sich, glatte Muskelzellen wuchern, und das Lumen wird eng. Auslöser können unbekannt bleiben (idiopathisch), in der Familie liegen (häufigste bekannte Mutation ist BMPR2, laut Merck Manual rund drei Viertel der erblichen Fälle), Medikamente oder Drogen sein (unter anderem Methamphetamin, früher Appetitzügler vom Fenfluramin-Typ, das Kinasehemmer Dasatinib) oder Begleiterkrankungen umfassen, darunter Bindegewebskrankheiten wie systemische Sklerose, angeborene Herzfehler, HIV, portale Hypertonie und Bilharziose. Auch die venenverschließende Krankheit und der persistierende Lungenhochdruck des Neugeborenen gehören in diese Schublade.
Gruppe 2 folgt Erkrankungen der linken Herzseite, etwa Herzschwäche mit erhaltener oder verminderter Auswurffraktion und Klappenfehler. Mayo Clinic und NHLBI bezeichnen sie als die häufigste Form in den Vereinigten Staaten. Gruppe 3 hängt an Lungenkrankheiten und Sauerstoffmangel, darunter COPD, Lungenfibrose, Schlafapnoe und langem Höhenaufenthalt. Gruppe 4 entsteht durch Verlegungen der Lungenarterien, vor allem durch nicht aufgelöste Blutgerinnsel (chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie, CTEPH), seltener durch Tumoren. Gruppe 5 sammelt unklare oder gemischte Mechanismen wie Sarkoidose, Sichelzellkrankheit, chronische Nierenkrankheit und Speicherkrankheiten.
Wie häufig die Bilder sind, darf man nicht in einen Topf werfen. Cleveland Clinic schätzt, dass Lungenhochdruck insgesamt etwa einen von hundert Menschen weltweit betrifft, vor allem jenseits von 65 Jahren. PAH allein bleibt selten. Die Global-Burden-of-Disease-Auswertung für 2021 zählt rund 192 000 Erkrankte (altersstandardisiert 2,28 auf 100 000), 62 Prozent davon Frauen, und etwa 22 000 Todesfälle. Die Prävalenz steigt mit dem Alter und liegt in der Gruppe 75 bis 79 Jahre am höchsten. MedlinePlus und NHLBI nennen als typisches Diagnosealter 30 bis 60 Jahre; das beschreibt den klinischen Alltag der PAH, nicht die gesamte Lungenhochdruck-Last. Frauen erkranken häufiger an PAH, Rauchen, Übergewicht, Familiengeschichte von Gerinnseln, Asbest und Wohnen über etwa 2400 Metern können das Risiko je nach Gruppe erhöhen.
Welche Symptome auftreten und wie die Funktionsklassen helfen
Leitsymptom ist Atemnot, die zuerst bei Anstrengung kommt und später in Ruhe bleiben kann. Müdigkeit, Druck oder Schmerz hinter dem Brustbein, Herzrasen, Schwindel bis zur Ohnmacht und Schwellungen an Knöcheln, Beinen oder Bauch gehören laut Mayo Clinic, MedlinePlus und American Heart Association dazu; Lippen oder Haut können bläulich oder grau wirken.
Frühe Stadien bleiben oft still. Die Beschwerden ähneln Asthma, COPD oder Linksherzschwäche, weshalb die Diagnose nach MedlinePlus Jahre dauern kann. Gute und schlechte Tage wechseln sich ab. Später treten Zeichen der rechten Herzinsuffizienz auf, darunter gestaute Halsvenen, vergrößerte Leber und Ödeme. Das Merck Manual nennt belastungsabhängigen Schwindel oder Beinahe-Ohnmacht als Hinweis auf ein fortgeschrittenes Pumpversagen der rechten Kammer.
Die WHO-Funktionsklasse ordnet, wie stark der Alltag eingeschränkt ist, nicht die Höhe des Drucks:
- Klasse I bedeutet Diagnose ohne Beschwerden in Ruhe und bei üblicher Bewegung.
- Klasse II erlaubt Ruhe ohne Symptome, Alltagstätigkeiten wie Einkaufen lösen aber Luftnot oder Brustdruck aus.
- Klasse III macht schon Ankleiden oder Kochen anstrengend, Ruhe bleibt noch erträglich.
- Klasse IV bringt Beschwerden in Ruhe; jede Aktivität verstärkt sie, oft mit Zeichen der Rechtsherzschwäche.
Mayo Clinic und das Merck Manual nutzen diese Klassen zusammen mit Gehdistanz und Blutwerten wie NT-proBNP, um das Risiko einzuschätzen und die Therapie zu steuern. Die Klasse ersetzt keine Messung, sie macht aber sichtbar, ob sich der Alltag verschlechtert.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme
Neue oder zunehmende Atemnot bei Belastung, wiederholter Schwindel, Brustschmerz und Schwellungen an Beinen oder Bauch gehören in eine zeitnahe Praxis- oder Spezialsprechstunde, nicht in wochenlanges Zuwarten. Cleveland Clinic rät außerdem, bei Herzfrequenz um 120 Schläge pro Minute, sich verschlimmerndem Husten oder Infekt, Appetitlosigkeit, Verwirrtheit und rascher Gewichtszunahme (rund 0,9 kg an einem Tag oder rund 2,3 kg in einer Woche) den behandelnden Arzt zu rufen.
Notaufnahme oder Notruf 112 sind laut Cleveland Clinic angezeigt bei Ohnmacht, Atemnot, die in Ruhe nicht weicht, plötzlichem heftigem Brustschmerz oder Kopfschmerz, anhaltend hohem Puls und plötzlicher Schwäche oder Lähmung eines Arms oder Beins. Wer Prostacyclin über eine Pumpe und einen Katheter erhält, soll auch undichte Leitungen, verrutschte Katheter oder ausgefallene Pumpen als Notfall behandeln. MedlinePlus ergänzt Schwindel mit Ohnmacht und anhaltendes Herzklopfen als Gründe, den Arzt zu kontaktieren.
Schwangerschaft kann Mutter und Kind lebensgefährlich gefährden, schreiben Mayo Clinic, NHLBI und American Heart Association. Wer PAH hat oder verdächtigt wird und schwanger werden möchte, braucht vor der Empfängnis ein Gespräch über Risiken und Verhütung; östrogenhaltige Pillen können das Gerinnselrisiko erhöhen, Alternativen sollen mit dem Behandlungsteam gewählt werden.
Wie die Diagnose heute gestellt wird
Der Rechtsherzkatheter bestätigt die Diagnose, das Ultraschallbild des Herzens ist der wichtigste Suchtest. Ein einzelnes Belastungsgehen über sechs Minuten stellt die Erkrankung nicht fest, anders als ältere Ratgeber oft formulierten; der Test misst, wie weit jemand kommt und wie Kreislauf und Sauerstoff darauf reagieren.
Am Anfang stehen Anamnese, Abhören von Herz und Lunge, Blick auf Halsvenen und Ödeme sowie die Sauerstoffsättigung, so NHLBI und Cleveland Clinic. Das Echokardiogramm schätzt den Druck über der Trikuspidalklappe und zeigt, ob die rechte Kammer dick oder weit ist und ob die linke Seite die Ursache trägt. Röntgen, EKG, Lungenfunktion, Schlafstudie, Blutwerte (unter anderem Gerinnung, Entzündung, Autoantikörper, HIV, Leberwerte, NT-proBNP) und Schnittbilder der Lunge suchen nach Gruppe 2, 3 oder 5. Der Ventilations-Perfusions-Scan (Szintigrafie) bleibt laut Mayo Clinic der Schlüssel, um CTEPH nicht zu übersehen; CT-Angiografie ergänzt, ersetzt die Szintigrafie aber nicht in jedem Verdachtsfall.
Bleibt der Verdacht, führt ein erfahrener Untersucher den Katheter meist über eine Vene am Hals in die rechte Kammer und die Lungenarterie. Gemessen werden Mitteldruck, Verschlussdruck, Herzzeitvolumen und Widerstand. Bei idiopathischer, erblicher oder drogenassoziierter PAH testet man oft die akute Gefäßweite mit inhaliertem Stickstoffmonoxid oder ähnlichen Mitteln. Nur wer klar reagiert, kommt für hoch dosierte Kalziumantagonisten infrage; die große Mehrheit braucht andere Pfade. Gentests auf BMPR2 und verwandte Gene können bei PAH indiziert sein, damit Angehörige untersucht werden. Eine Lungenbiopsie ist laut Merck Manual wegen des Risikos in der Regel nicht nötig.
Welche Medikamente bei pulmonaler arterieller Hypertonie infrage kommen
PAH-spezifische Mittel zielen auf die erkrankten kleinen Arterien; sie sind für Gruppe 2 nicht zugelassen und dort nach dem Merck Manual in der Regel nicht empfohlen. Heilung versprechen sie nicht. Sie können Gefäße weiten, den Druck senken, die Gehstrecke verbessern und klinische Verschlechterung hinauszögern.
Vier Signalwege stehen im Mittelpunkt. Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (Bosentan, Ambrisentan, Macitentan) blockieren ein körpereigenes Verengungspeptid. Phosphodiesterase-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil) und der Stimulator der löslichen Guanylatcyclase Riociguat verstärken den Stickstoffmonoxid-Pfad. Prostacyclin-Analoga und der Rezeptoragonist Selexipag nutzen den Prostacyclin-Weg; Epoprostenol und Treprostinil lassen sich inhalieren, unter die Haut oder in eine Vene geben, Iloprost wird inhaliert. Kalziumantagonisten wie Amlodipin, Diltiazem oder Nifedipin bleiben einer kleinen, nachweislich reagierenden Minderheit vorbehalten.
Seit März 2024 zulassungsfähig in den USA ist Sotatercept (Handelsname Winrevair), ein Activin-Signalhemmer. Das FDA-Label (DailyMed, Stand 2026) nennt die Behandlung Erwachsener mit PAH der WHO-Gruppe 1 zur Verbesserung von Belastbarkeit und Funktionsklasse und zur Senkung des Risikos klinischer Verschlechterung, einschließlich Klinikaufnahme wegen PAH, Lungentransplantation und Tod. Die Dosis beginnt laut Label mit 0,3 mg je Kilogramm Körpergewicht unter die Haut alle drei Wochen und steigt nach Kontrolle von Hämoglobin und Thrombozyten auf 0,7 mg/kg. In der Phase-3-Studie STELLAR (Hoeper und Kollegen, 2023) verlängerte die Zugabe zu bestehender PAH-Therapie die Sechs-Minuten-Gehstrecke gegenüber Placebo um geschätzte 40,8 Meter in 24 Wochen. Häufiger als unter Placebo traten Nasenbluten, Schwindel, erweiterte Hautgefäße, höheres Hämoglobin, niedrige Thrombozyten und Blutdruckanstieg auf. Stillen wird laut Label nicht empfohlen; das Mittel kann das ungeborene Kind schädigen.
Begleitend kommen Diuretika gegen Wasseransammlungen, Sauerstoff bei niedrigem Blutwert und in ausgewählten Situationen Gerinnungshemmer zum Einsatz, vor allem bei CTEPH. Digoxin kann Rhythmus und Pumpkraft stützen. PDE-5-Hemmer dürfen nicht mit Riociguat kombiniert werden. Beide heben denselben Botenstoff, die Folge kann ein gefährlicher Blutdruckabfall sein, warnt das Merck Manual. Endothelin-Antagonisten und Riociguat sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Die ESC/ERS-Leitlinie steuert die Anfangstherapie nach Risiko. Viele nicht vasoreaktive Patientinnen und Patienten beginnen mit zwei oralen Pfaden (Endothelin-Antagonist plus PDE-5-Hemmer); hohes Risiko kann eine frühzeitige parenterale Prostacyclin-Komponente rechtfertigen. Dosierungen gehören in die Hand des PH-Zentrums, nicht in die Selbstmedikation.

Was bei Blutgerinnseln, Operation und Transplantation gilt
Chronische Gerinnsel in den Lungenarterien sind die Form, die sich am ehesten kausal beseitigen lässt. Operable CTEPH soll laut ESC/ERS-Leitlinie mit pulmonaler Endarteriektomie behandelt werden. Unter Herz-Lungen-Maschine und tiefer Hypothermie entfernt ein erfahrenes Team die narbigen Verschlüsse. In Zentren mit hoher Fallzahl liegt die Operationssterblichkeit nach dem Merck Manual unter fünf Prozent, ein erheblicher Teil der Operierten wird hämodynamisch geheilt.
Wer technisch nicht operabel ist oder nach der Operation Restkrankheit behält, kann eine Ballonangioplastie der Lungenarterien erhalten, oft kombiniert mit Riociguat. Riociguat ist für symptomatische, inoperable oder postoperative CTEPH zugelassen. BPA soll nur in geübten Zentren stattfinden; Lungenverletzung ist die wichtigste Komplikation. NHLBI nennt außerdem die Ballonatriumseptostomie als Brücke. Ein Loch zwischen den Vorhöfen entlastet die rechte Seite, kann aber Rhythmusstörungen auslösen.
Lungen- oder kombinierte Herz-Lungen-Transplantation bleibt die letzte Option, wenn Medikamente und Eingriffe bei fortgeschrittener PAH nicht mehr tragen, vor allem bei jüngeren Menschen mit idiopathischer Form. Mayo Clinic betont, dass nach der Transplantation lebenslange Immunsuppression nötig bleibt. Fünfjahresüberleben nach Lungentransplantation liegt nach Merck-Angaben um 50 Prozent; das ist ein Richtwert für das Organangebot, nicht für jede PAH-Therapie insgesamt.
Gruppe 2 und 3 werden primär über die Grunderkrankung geführt, etwa durch Klappenkorrektur, Herzinsuffizienztherapie, COPD- oder Fibrosebehandlung, Sauerstoff und Behandlung einer Schlafapnoe. Inhalatives Treprostinil kann laut Merck Manual die Belastbarkeit bei Lungenhochdruck infolge interstitieller Lungenerkrankung verbessern. Riociguat und Endothelin-Antagonisten sind in dieser Konstellation eher ungünstig, weil Studien mehr Zwischenfälle zeigten.
Was im Alltag, in der Höhe und bei Kinderwunsch zählt
Salzarm essen, nicht rauchen, Infekte ernst nehmen und Bewegung nur nach Absprache. Das sind die alltagstauglichen Hebel, die Mayo Clinic, NHLBI und American Heart Association nennen. Sie ersetzen keine PAH-Medikamente, können aber Ödeme, Sauerstoffbedarf und Infektkrisen milder halten.
Mayo Clinic rät zu vollwertiger Kost mit wenig Salz, gesättigtem Fett und Transfett. Rasche Gewichtszunahme kann Wasser sein; die American Heart Association empfiehlt, das Gewicht täglich zu notieren. Spazierengehen unter Anleitung, oft mit Sauerstoff, kann die Belastbarkeit heben; schweres Heben, Pressen, heiße Wannen, Sauna und Whirlpool senken den Systemdruck und können Ohnmacht auslösen. Höhen über etwa 2400 Meter und Flüge ohne Vorbereitung können den Sauerstoffmangel verstärken; wer fliegt, soll mit dem Team klären, ob zusätzlicher Sauerstoff nötig ist. Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und nach ärztlichem Rat COVID-19 und RSV können schwere Atemwegsinfekte abfangen. Neue rezeptfreie Mittel, Johanniskraut oder Schmerztabletten nicht auf eigene Faust nehmen. Manche Stoffe verengen Lungengefäße oder stören die Blutverdünnung.
Kinderwunsch braucht Planung vor der Empfängnis. Die Erkrankung und mehrere PAH-Mittel (Endothelin-Antagonisten, Riociguat, Sotatercept) sind mit schweren Risiken für das Ungeborene verknüpft. Verhütung ohne unnötig hohes Gerinnselrisiko, frühe Vorstellung in einem PH-Zentrum und ein ehrliches Gespräch über Abbruchrisiken gehören dazu, nicht der Versuch, die Schwangerschaft „auszuprobieren“.
Wie der Verlauf mit heutiger Therapie aussieht
Unbehandelt führt fortschreitender Lungenhochdruck in die Rechtsherzinsuffizienz und kann tödlich enden. Historische NIH-Register der 1980er-Jahre, also vor modernen PAH-Mitteln, beschrieben für die damalige „primäre“ Form sehr kurze Überlebenszeiten; solche Zahlen gelten nicht mehr als heutiger Standard.
Mit Kombinationstherapie zeigen Register ein- und dreijährige Überlebensraten, die deutlich über den historischen Werten liegen, ohne dass PAH damit zu einer harmlosen Diagnose würde. Das Merck Manual zitiert für behandelte Kohorten ein transplantationsfreies Fünfjahresüberleben um 50 Prozent und verweist zugleich auf das US-Register REVEAL mit niedrigerer beobachteter Sterblichkeit in einzelnen Auswertungen. Schlechte Zeichen sind fehlendes Ansprechen auf Gefäßweitung, niedriger Sauerstoff, kurze Gehstrecke, hohes NT-proBNP, echokardiografisch schlechte rechte Kammer und kathetertechnisch niedriges Herzzeitvolumen oder hoher Vorhofdruck. PAH bei systemischer Sklerose, Sichelzellkrankheit oder HIV verläuft oft ungünstiger als idiopathische Formen ohne diese Begleiterkrankungen.
Gruppe und Zeitpunkt der Diagnose steuern die Aussicht stärker als ein einzelner Druckwert. CTEPH, die rechtzeitig operiert wird, kann sich hämodynamisch zurückbilden. Gruppe-2- und Gruppe-3-Verläufe folgen der Herz- oder Lungenkrankheit. Sotatercept und früh kombinierte orale Pfade haben die Werkzeugkiste seit 2018 erweitert; sie machen aus PAH keine Alltagskrankheit, verschieben aber messbar Belastung und Risiko klinischer Ereignisse.
Häufige Fragen
Ist Lungenhochdruck dasselbe wie Bluthochdruck am Arm?
Nein. Gemessen wird der Druck in den Lungenarterien, nicht der Wert an der Oberarmmanschette. Der systemische Blutdruck kann normal sein, während die rechte Herzkammer bereits gegen enge Lungengefäße ankämpft. Deshalb ersetzt die Hausmessung keine Abklärung, wenn Atemnot und Ödeme nicht zur COPD oder zur Linksherzschwäche passen.
Kann man Lungenhochdruck heilen?
Für die meisten Gruppen gibt es keine Heilung. Mayo Clinic und MedlinePlus formulieren klar, dass Therapien Symptome lindern, die Belastung der rechten Kammer senken und das Fortschreiten verlangsamen können. Eine Ausnahme ist operable CTEPH, bei der die Endarteriektomie den mechanischen Widerstand beseitigen kann. Transplantation bleibt ausgewählten, sonst ausbehandelten Fällen vorbehalten.
Welche Zahl gilt heute als auffälliger Lungendruck?
Die ESC/ERS-Leitlinie 2022 setzt den mittleren Druck über 20 mmHg an, bestätigt durch Rechtsherzkatheter. Ältere Empfehlungen nutzten 25 mmHg; manche Patiententexte, darunter eine NHLBI-Seite von 2022, verwenden den alten Wert noch. Für die Frage, ob eine PAH-Therapie hilft, zählen zusätzlich Verschlussdruck und Widerstand, nicht die eine Zahl allein.
Darf ich Sport machen und in den Urlaub fliegen?
Mäßige, ärztlich abgesprochene Bewegung, oft Gehen, kann die Belastbarkeit verbessern. Kraftsport mit Pressatmung, isometrisches schweres Heben und Hitzequellen wie Sauna sind ungünstig. Flüge und Aufenthalte in großer Höhe sollen vorher mit dem PH-Team geplant werden; mancher braucht Sauerstoff. Eigenes Intervalltraining ohne Freigabe ist kein Ersatz für die Reha-Empfehlung.
Wann sind Gerinnsel die Ursache?
Wenn Perfusionsausfälle in der Szintigrafie bleiben und der Katheter eine präkapilläre Hypertonie zeigt, muss CTEPH ausgeschlossen werden, auch ohne erinnerliche Lungenembolie. Operable Befunde gehören an ein CTEPH-Zentrum zur Endarteriektomie, inoperable an BPA und oft Riociguat. Gerinnungshemmung ist hier Standard, nicht bei jeder PAH automatisch.
Welche neuen Medikamente gibt es seit 2018?
Neben etablierter Kombination aus Endothelin-Antagonist, PDE-5-Hemmer oder Riociguat und Prostacyclin-Pfad kam 2024 Sotatercept als Activin-Hemmer hinzu. Die STELLAR-Studie zeigte einen Zugewinn an Gehstrecke, das aktuelle FDA-Label nennt auch weniger klinische Verschlechterung. Das Mittel ergänzt die Hintergrundtherapie, ersetzt sie nicht und braucht Laborkontrollen.

Fazit
Lungenhochdruck ist ein Oberbegriff für fünf sehr verschiedene Krankheiten mit dem gemeinsamen Merkmal eines mittleren Lungenarteriendrucks über 20 mmHg. Wer Luftnot, Synkopen oder Ödeme hat, die nicht zur üblichen Erklärung passen, braucht Echokardiografie und, bei bleibendem Verdacht, den Rechtsherzkatheter in einem erfahrenen Zentrum, nicht nur den Blutdruck am Arm.
Die Therapie folgt der Gruppe. PAH erhält eine Kombination aus Gefäßmitteln und seit 2024 optional Sotatercept, CTEPH Operation oder Ballon und Riociguat, Herz- und Lungenkrankheiten deren Standard plus Sauerstoff und Diuretika. Hausmittel ersetzen das nicht. Salzarme Kost, angepasste Bewegung, Impfungen, Verzicht auf Rauchen und ein klarer Plan für Höhe, Flug und Verhütung senken vermeidbare Krisen.
Bei Ohnmacht, Ruhe-Atemnot oder stechendem Brustschmerz zählt Stunden, nicht Wochen. Eine Überweisung an ein PH-Zentrum ändert den Verlauf häufiger als ein weiteres Jahr unspezifischer Inhalativa. Ziel ist nicht die Garantie eines langen Lebens, sondern eine ehrliche, an Druck, Widerstand und Funktionsklasse gemessene Behandlung, bevor die rechte Kammer unumkehrbar versagt.
Quellen
- Humbert M, Kovacs G et al.: 2022 ESC/ERS Guidelines for the diagnosis and treatment of pulmonary hypertension. European Heart Journal, 11. Oktober 2022.
- Maron BA: Revised Definition of Pulmonary Hypertension and Approach to Management: A Clinical Primer. Journal of the American Heart Association, 18. April 2023.
- GBD 2021 Pulmonary Arterial Hypertension Collaborators: Global, regional, and national burden of pulmonary arterial hypertension, 1990-2021: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. The Lancet Respiratory Medicine, 18. Oktober 2024.
- Hoeper MM, Badesch DB et al.: Phase 3 Trial of Sotatercept for Treatment of Pulmonary Arterial Hypertension. New England Journal of Medicine, 20. April 2023.
- Mayo Clinic: Pulmonary hypertension – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 11. April 2025.
- Mayo Clinic: Pulmonary hypertension – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 11. April 2025.
- MedlinePlus: Pulmonary Hypertension. MedlinePlus, Stand: 2025.
- Cleveland Clinic: Pulmonary Hypertension. Cleveland Clinic, 17. Oktober 2025.
- National Heart, Lung, and Blood Institute: Pulmonary Hypertension – What Is Pulmonary Hypertension?. National Heart, Lung, and Blood Institute, 1. Mai 2023.
- Gladwin MT, Levine AR et al.: Pulmonary Hypertension. Merck Manual Professional Edition, Stand: Oktober 2025.
- American Heart Association: Pulmonary Hypertension – High Blood Pressure in the Heart-to-Lung System. American Heart Association, 16. Mai 2024.
- Merck Sharp & Dohme LLC: WINREVAIR- sotatercept-csrk kit. DailyMed, Stand: Juni 2026.
