
Psoriasis am Augenlid hinterlässt schuppende, oft juckende und geschwollene Haut an einem oder beiden Lidern; isoliert kommt das Bild selten vor und sitzt fast immer zusammen mit Plaques an Kopfhaut, Rumpf oder Streckseiten. Eine Heilung ist nicht bekannt, doch kurze milde Kortisonphasen und danach Calcineurinhemmer wie Tacrolimus können die Entzündung oft dämpfen, ohne das dünne Lid dauerhaft zu verdünnen.
Die Lidhaut nimmt Wirkstoffe stärker auf als der Unterarm und liegt direkt am Augapfel. Deshalb gelten hier andere Regeln als an Ellenbogen oder behaartem Kopf. Die NICE-Leitlinie CG153 erlaubt im Gesicht nur schwache bis mittlere Kortikosteroide und das nur für höchstens zwei Wochen; potente Präparate sind an dieser Stelle tabu. Die gemeinsamen Empfehlungen von American Academy of Dermatology und National Psoriasis Foundation aus dem Jahr 2021 setzen für die Erhaltung off-label Tacrolimus 0,1 Prozent an. Lichtscheu, stechender Augenschmerz oder plötzlicher Sehverlust gehören nicht in die Cremeschublade, sondern zeitnah zum Augenarzt, weil eine Uveitis oder eine verdrehte Lidkante das Sehen gefährden kann.
Was ist Psoriasis am Augenlid und wie häufig tritt sie auf?
Lid-Psoriasis ist eine örtliche Ausprägung derselben immunvermittelten Erkrankung, die Hautzellen in wenigen Tagen statt in etwa einem Monat an die Oberfläche treibt. Die Cleveland Clinic (Stand Mai 2023) beschreibt den Zellumsatz mit drei bis vier Tagen; die überschüssigen Hornzellen stapeln sich als Plaque statt abzufallen. Ansteckend ist das nicht, auch nicht über Tränen oder Wimpern.
Allein am Gesicht ohne Herde anderswo bleibt die Erkrankung laut DermNet die Ausnahme. Irgendwann im Leben zeigt etwa die Hälfte der Betroffenen Gesichtsbeteiligung; eine systematische Übersicht in Acta Dermato-Venereologica 2023 bezifferte aktuelle Gesichtsläsionen auf 17 bis 29 Prozent der Erwachsenen mit Psoriasis. Die National Psoriasis Foundation unterscheidet die häufigere periphere Form an Haaransatz und Ohren von der selteneren zentrofazialen Form an Lidern und zentralem Gesicht. Letztere geht oft mit einer schwereren Gesamterkrankung einher.
Weltweit leben nach dem von EyeWiki zitierten WHO-Bericht rund 125 Millionen Menschen mit Psoriasis; für die USA nennen AAD und NPF bis zu 3,2 Prozent. Plaques machen den Großteil der Fälle aus, EyeWiki rechnet etwa 80 Prozent dieser Form zu. Männer und Frauen erkranken etwa gleich oft, Kinder seltener als Erwachsene, so das US-Institut NIAMS (Stand Oktober 2023). Das Gesicht gilt in der NICE-Bewertung als schwer behandelbare, stark belastende Stelle, unabhängig davon, wie viel Körperoberfläche insgesamt betroffen ist.
Auslöser eines Schubs gleichen denen der übrigen Haut. Die Mayo Clinic (Aktualisierung Dezember 2025) nennt Infekte einschließlich Streptokokken-Angina, kaltes trockenes Wetter, Schnitt, Schürfung oder Sonnenbrand, Rauchen, viel Alkohol sowie Lithium, manche Blutdruckmittel und Malariamedikamente. Auch das plötzliche Absetzen oraler oder gespritzter Kortikosteroide kann einen Schub anstoßen. Am Lid kommt hinzu, dass schon Reiben, Make-up-Reste oder ein Piercing in der Augenbraue die Haut mechanisch reizen und nach dem Köbner-Muster neue Plaques setzen können.

Welche Symptome zeigt eine Lid-Psoriasis?
Typisch sind scharf begrenzte, verdickte, schuppende Flecken an Ober- oder Unterlid, am Lidrand und manchmal in der Augenbraue; Schuppen können an den Wimpern kleben und wie feine Schuppenreste aussehen. Die Cleveland Clinic listet Verfärbung, Trockenheit, Juckreiz, Schmerz, Schwellung und in manchen Fällen eine Sehbeeinträchtigung. Auf heller Haut wirkt der Herd oft rosa bis rot mit silbrig-weißer Schuppe, auf dunkler Haut eher violett, grau oder tiefbraun, analog zum übrigen Plaquebild der Mayo Clinic.
Hält die Entzündung an, kann sich die Lidkante nach außen oder innen drehen. Dann scheuern Wimpern auf der Hornhaut oder der Lidschluss bleibt unvollständig. Beides reizt das Auge, stört den Tränenfilm und macht fremdkörperähnliche Beschwerden. Manche Menschen berichten über Brennen beim Blickwechsel, morgendlich verklebte Lider oder das Gefühl, Sand im Auge zu haben, auch wenn die Plaque selbst klein bleibt.
Drei klinische Muster am Gesicht helfen bei der Einordnung, so DermNet. Haaransatzpsoriasis wächst vom behaarten Kopf auf die Stirn. Das seborrhoische Mischbild sitzt an Lidern, Brauen, Nasolabialfalten und Bart mit dünneren, kleieartigen Schuppen. Die eigentliche Gesichtspsoriasis bildet symmetrische, scharf begrenzte Plaques und geht fast immer mit Herden an Kopfhaut, Ohren oder Streckseiten einher. Juckreiz reicht von mild bis heftig; die Haut fühlt sich oft wund an, auch ohne offene Risse.
Schübe kommen und gehen. Monate ohne Befund sind möglich, dann kehrt die Rötung nach Stress, Infekt oder Hauttrauma zurück. Die Cleveland Clinic betont, dass Verfärbungen nach dem Abheilen noch Wochen bis Monate nachdunkeln oder aufhellen können. Das ist eine Nachwirkung der Entzündung, kein Beweis für einen neuen Schub, solange Grenze und Schuppe fehlen.
Woran unterscheidet man sie von Ekzem und Lidrandentzündung?
Lid-Psoriasis, Lid-Ekzem und Blepharitis können sich ähneln, weil alle drei jucken, schuppen und den Lidrand röten; die Unterscheidung braucht Blick auf den übrigen Körper und oft eine Spaltlampe. Die Cleveland Clinic grenzt das Ekzem als meist juckendere Reaktion auf Reiz oder Allergen ab, mit Nässen oder Bläschen, während Psoriasis eher trocken schuppt und Hornzellen auftürmt. Fehlt jede Plaque an Kopfhaut, Ellenbogen oder Nägeln, spricht das Bild eher gegen isolierte Psoriasis.
Eine Lidrandentzündung zeigt oft morgens verklebte Wimpern, schaumige Tränen, fettig wirkende Lidkanten und ein sandiges Brennen. Die Mayo Clinic beschreibt genau dieses Muster und warnt vor Folgeschäden wie nach innen wachsenden Wimpern, Gerstenkorn oder Hornhautverletzung, wenn die Entzündung chronisch bleibt. Bei Psoriasis kann eine Blepharitis parallel laufen, weil die Meibom-Drüsen am Lidrand den Ölfilm der Tränen stören. EyeWiki zitiert Untersuchungen, in denen eine Meibom-Dysfunktion bei Menschen mit Psoriasis häufiger vorkam als bei Kontrollen.
Seborrhoische Dermatitis und okuläre Rosazea gehören ebenfalls in die Differenzialdiagnose, ebenso allergische Konjunktivitis, Herpes am Auge und trockenes Auge ohne Hautkrankheit. EyeWiki zählt diese Nachbarn ausdrücklich auf. Eine Hautprobe unter dem Mikroskop bleibt die Ausnahme; Dermatologinnen und Dermatologen stellen die Diagnose meist am klinischen Bild. Unklarheit, fehlendes Ansprechen oder Sehbeschwerden rechtfertigen die Überweisung zur Augenheilkunde, bevor weitere Cremes ausprobiert werden.
Welche Augenkomplikationen können entstehen?
Das Auge selbst kann mitentzünden, auch wenn die Lidhaut nur wenig befallen wirkt; unbehandelt drohen Narben, dauerhaft gestörter Tränenfilm und in schweren Verläufen Sehverlust. EyeWiki nennt trockenes Auge und Blepharitis als häufigste okuläre Bilder, daneben Bindehautentzündung, Episkleritis, Katarakt und Uveitis. Eine ältere Fallserie, die dort referiert wird, fand Augenbefunde bei etwa jedem zehnten Untersuchten mit Psoriasis. Das ist kein Lid-Anteil, sondern die Summe aller Augenveränderungen.
Uveitis ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut. Sie kündigt sich oft mit Lichtscheu, dumpfem oder stechendem Schmerz, Rötung, verschwommenem Sehen und beweglichen Trübungen im Gesichtsfeld an. NIAMS führt Uveitis als Begleiterkrankung der Psoriasis. Eine taiwanesische Kohorte mit je knapp 148 000 Menschen mit und ohne Psoriasis (Chi und Kollegen, JAMA Ophthalmology 2017) fand das höchste Risiko bei schwerer Psoriasis plus Psoriasis-Arthritis, adjustierte Hazard Ratio 2,40 gegenüber Kontrollen. Schwere Hautkrankheit ohne Gelenkbeteiligung und leichte Psoriasis mit Arthritis lagen bei 1,42. Bei leichter Psoriasis ohne Arthritis war der Anstieg unsicher (1,09; Konfidenzintervall 1,00 bis 1,20). Ältere Übersichten nannten Anteile von 7 bis 20 Prozent; die Kohorte ersetzt diese grobe Spanne durch eine Risikoabstufung nach Schwere und Gelenkbefall.
Katarakt und Glaukom können der Krankheit selbst oder ihrer Therapie folgen. EyeWiki verknüpft grauen Star sowohl mit entzündlichen Botenstoffen als auch mit langem Kortisongebrauch und PUVA. Steroidhaltige Lidcremes, die ins Auge gelangen, können den Augeninnendruck heben und so ein Glaukom bahnen; die Cleveland Clinic warnt ausdrücklich vor unsachgemäßer Anwendung rund ums Auge. Eine Psoriasis-Arthritis tritt nach Angaben der National Psoriasis Foundation bei etwa jedem Dritten auf. Steife, geschwollene Gelenke oder entzündete Sehnenansätze gehören deshalb in dieselbe Verlaufskontrolle wie das Lid, nicht in eine getrennte Schublade.
Wann zum Hautarzt, wann zum Augenarzt?
Neue Schuppen am Lid, Sehbeschwerden oder ein Schub trotz laufender Creme gehören in die Sprechstunde, nicht in wochenlanges Selbstprobieren. Die Cleveland Clinic rät zur Kontrolle, wenn sich das Bild nach einigen Wochen nicht bessert, schlimmer wird oder das Sehen stört. Eiter, rasch zunehmende Schwellung und brennende offene Stellen sprechen für eine Superinfektion und brauchen zeitnah eine ärztliche Beurteilung.
NICE empfiehlt die Überweisung in die Dermatologie bei unsicherer Diagnose, wenn mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, wenn Lokaltherapie nicht reicht oder wenn die Erkrankung Alltag und Stimmung schwer belastet. Kinder und Jugendliche sollen bei jeder Psoriasisform schon bei der ersten Vorstellung zur Fachstelle. Generalisierte Pusteln oder eine flächige Erythrodermie gelten als Notfall desselben Tages. Einmal jährlich soll nach Gelenkbeteiligung gefragt werden, besonders in den ersten zehn Jahren nach Hautbeginn.
Lichtscheu, stechender Augenschmerz, plötzlicher Sehverlust oder viele neue Mouches volantes sind rote Flaggen für eine Uveitis oder eine Hornhautbeteiligung. Dann zählt Stunden, nicht der nächste Hautarzttermin in drei Wochen. EyeWiki fordert bei solchen Zeichen eine Augenuntersuchung und hält eine Kontrolle auch dann für sinnvoll, wenn Betroffene Augenbeschwerden von selbst kaum erwähnen. Wer am Lid länger Kortison braucht, sollte den Augeninnendruck mitprüfen lassen.
| Situation | Wohin | Was spricht dafür |
|---|---|---|
| Neue Schuppe am Lid bei bekannter Psoriasis | Dermatologie | Diagnose sichern, lokale Therapie planen |
| Keine Besserung nach wenigen Wochen | Dermatologie | Wirkstoffwechsel, Steroidpause prüfen |
| Eiter, rasche Schwellung, offene brennende Stellen | Praxis, rasch | Superinfektion nach Kratzen möglich |
| Lichtscheu, Augenschmerz, Sehverlust, neue Trübungen | Augenheilkunde, zeitnah | Uveitis oder Hornhaut nicht aufschieben |
| Plötzliche starke Sehtrübung mit heftigem Schmerz | Notaufnahme | Akutes Auge, Druck oder Entzündung |
| Kind mit erstem Schub irgendwo an der Haut | Fachdermatologie | NICE verweist Kinder sofort weiter |

Welche Cremes und Salben sind am Lid vertretbar?
Am Lid beginnt die Therapie mit milder oder höchstens mittelstarker Kortisoncreme für wenige Tage, danach wechselt man auf einen Calcineurinhemmer, sobald die Rötung nachlässt. NICE CG153 formuliert das klar: einmal oder zweimal täglich, höchstens zwei Wochen, und im Monatsrhythmus nur ein bis zwei Kortisonwochen, weil Gesicht, Beugen und Genitalhaut rasch atrophieren. Potente und sehr potente Kortikosteroide sind dort verboten. Die AAD-NPF-Leitlinie 2021 empfiehlt an dünner Haut grundsätzlich die niedrigere Potenz und nennt als steroid sparende Option Tacrolimus 0,1 Prozent off-label bis zu acht Wochen bei Gesicht und inverser Psoriasis.
Calcineurinhemmer blockieren die Aktivierung von T-Zellen und dämpfen Botenstoffe, ohne die Kollagensynthese so zu stören wie Kortison. Deshalb verdünnen sie die Haut nicht. Die Mayo Clinic hebt hervor, dass Tacrolimus und Pimecrolimus gerade rund um die Augen sinnvoll sein können, wo Steroide oder Retinoide reizen oder schaden. Eine systematische Übersicht 2023 (Amiri, Schwarz, Gether, Skov; 24 Studien, 568 Behandelte) fand durchweg Besserung; in der größten randomisierten Studie von Lebwohl waren nach acht Wochen 67 Prozent unter Tacrolimus 0,1 Prozent klar oder fast klar gegenüber 37 Prozent unter dem Vehikel. Häufigstes Kurzzeitproblem war Brennen oder Stechen in den ersten Tagen, das oft nachlässt. Die Anwendung bei Psoriasis bleibt off-label; NICE verlangt den Start durch Personen mit Erfahrung in der Psoriasisbehandlung.
Vitamin-D-Analoga wie Calcipotriol reizen Gesichtshaut häufig, so DermNet und die TCI-Übersicht. AAD-NPF hält eine Kombination aus Calcipotrien und Hydrocortison für bis zu acht Wochen am Gesicht für möglich, aber am Lid bleibt die Reizschwelle niedrig. Teer und Salicylsäure gehören zu den klassischen Mitteln für Kopfhaut und dicke Körperplaques; am Auge trocknen und brennen sie oft und sollten nur verwendet werden, wenn die behandelnde Praxis das ausdrücklich freigibt. Dithranol (Anthralin) ist laut Mayo Clinic nicht für Gesicht und Genitalhaut gedacht.
Wer Kortison am Lid braucht, trägt eine dünne Menge auf die geschlossene Lidhaut, nicht ins Auge, und hält die verordnete Dauer ein. Die Cleveland Clinic warnt, dass Überdosierung trockenes Auge, Katarakt oder Glaukom bahnen kann. Regelmäßige Druckmessung beim Augenarzt ist dann Teil der Therapie, kein Extra. In der Schwangerschaft und Stillzeit rät die Mayo Clinic von Calcineurinhemmern ab; über Alternativen entscheidet die Fachpraxis.
Was hilft zu Hause, was gehört nicht ans Auge?
Milde Lidhygiene und rückfettende Pflege können Juckreiz und Krusten mindern, ersetzen aber keine ärztlich gewählte Wirkstoffcreme bei aktiver Plaque. Die Cleveland Clinic nennt lauwarme, nicht heiße Kompressen auf dem geschlossenen Auge ohne Druck, sanftes Reinigen mit einem milden Syndet oder verdünntem Baby-Shampoo und feuchtigkeitsspendende Tropfen gegen trockenes Auge. Nach dem Waschen bleibt eine reichhaltige, duftstofffreie Salbe oder Creme auf der noch leicht feuchten Haut. Die American Academy of Dermatology empfiehlt für Psoriasis generell schwere Cremes, Salben oder Öle statt dünner Lotionen.
Kalte oder lauwarme Duschen schonen, heißes Wasser trocknet nach. Kratzen öffnet Eintrittspforten für Keime; kurze Nägel und eine juckreizlindernde Pflege, die die Praxis freigegeben hat, senken dieses Risiko. Bei Eiter oder zunehmend heißer Schwellung ist Hauspflege zu Ende. Antibiotika kommen nur bei nachgewiesener oder klar verdächtiger Infektion, nicht vorbeugend auf jede Schuppe.
Hausmittel, die am Körper manchmal diskutiert werden, haben am Auge keinen Platz. Essig, unverdünnte Säuren, ätherische Öle und selbst gemischte Teerbäder gehören nicht an den Lidrand. Salicylsäure und Kohlenteer, die in Frei-Verkauf-Präparaten gegen Schuppen sitzen, reizen die Lidhaut oft und können ins Auge laufen. Die Cleveland Clinic erwähnt Teer und Hydrocortison in ihrer OTC-Liste, knüpft das aber an Produkte für Psoriasis und an Rücksprache, sobald das Lid betroffen ist. AAD weist darauf hin, dass Teer die Haut reizen kann und vorher an einer kleinen Stelle getestet werden sollte. Sonnenminuten ohne Schutz sind kein Ersatz für eine verordnete Lichttherapie; zu viel UV löst Schübe aus und hebt das Hautkrebsrisiko, so die Mayo Clinic.
Wann braucht es Tabletten, Spritzen oder Licht?
Reichen Pflege und lokale Mittel nicht oder sitzt die Psoriasis an mehreren hochbelastenden Stellen, rücken systemische Wirkstoffe und kontrolliertes UV in den Blick. Die Mayo Clinic nennt Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin, zielgerichtete Tabletten wie Apremilast oder Deucravacitinib und eine wachsende Gruppe von Biologika, die TNF-alpha, Interleukin-17 oder Interleukin-23 treffen. EyeWiki hält systemische Immunsuppressiva und Biologika auch dann für erwägenswert, wenn Haut und Auge zugleich entzündet sind. Solche Mittel brauchen Labor, Ausschluss von Infekten und eine klare Indikation; sie werden nicht begonnen, weil eine Lidcreme zwei Tage gebrannt hat.
Phototherapie mit Schmalband-UVB kann Plaques am Körper und im Gesicht bessern. PUVA, also Psoralen plus UVA, wirkt tiefer, steht aber unter dem Verdacht, Katarakte zu beschleunigen, so EyeWiki. Wer lichtempfindlich ist oder bereits viel Sonnenschaden hat, sollte diese Schiene nicht auf eigene Faust fahren, warnt DermNet. Kurze, mit der Praxis abgesprochene Sonnenzeiten können helfen; ungeschützte Mittagssonne auf dem Lid ist etwas anderes.
Make-up kann Rötung kaschieren, reizt aber oft und stört die Aufnahme von Salben. Die Mayo Clinic rät, Abdeckprodukte nicht auf offene, nässende oder frisch eingerissene Stellen zu legen. Kontaktlinsen bei entzündetem Lid gehören in die Rücksprache mit der Augenheilkunde; die Cleveland Clinic listet genau diese Frage als typisches Arztgespräch. Piercings in der Braue und Tattoos in der Lidnähe sind Hauttrauma. Nach dem Köbner-Muster können dort neue Plaques entstehen, und Brauenhaare können ausfallen, wenn die Entzündung den Follikel trifft. Wer das plant, spricht es vorher an, statt es nach einer Infektion zu bereuen.
Häufige Fragen
Ist Psoriasis am Augenlid ansteckend?
Nein, die Erkrankung springt nicht von Mensch zu Mensch über, weder durch Berührung noch durch Tränen oder Wimpern. Die Cleveland Clinic und die Mayo Clinic betonen das ausdrücklich. Was sich ausbreiten kann, sind neue Plaques auf der eigenen Haut, vor allem nach Kratzen, Schnitt oder anderem Trauma.
Darf ich Kortisoncreme auf das Lid geben?
Nur in der von der Praxis festgelegten Stärke und Dauer, in der Regel als milde oder mittlere Potenz für höchstens zwei Wochen. NICE verbietet potente Präparate im Gesicht und begrenzt Kortison dort auf ein bis zwei Wochen pro Monat. Längerer oder starker Gebrauch kann Haut verdünnen, den Augeninnendruck heben und Katarakt oder Glaukom bahnen.
Hilft Tacrolimus besser als ein Steroid am Lid?
Tacrolimus ersetzt das Steroid nicht in den ersten entzündlichen Tagen, eignet sich aber besser für die Erhaltung, weil es die Haut nicht verdünnt. In kontrollierten Studien zum Gesicht war Tacrolimus 0,1 Prozent dem Vehikel überlegen, so die Übersicht von 2023. Anfangs brennt die Salbe oft; das klingt bei vielen nach einigen Tagen ab. Die Zulassung gilt für Neurodermitis, der Einsatz bei Psoriasis ist off-label.
Kann ich Make-up auf dem entzündeten Lid tragen?
Manchmal ja, wenn die Haut geschlossen ist und das Produkt für empfindliche Haut gedacht ist; auf Rissen und Krusten eher nein. Schminke kann Wirkstoffcremes verdünnen und den Lidrand zusätzlich reizen. Kontaktlinsen und wasserfestes Abschminken mit Zug gehören in dieselbe Vorsicht. Im Zweifel zuerst die Entzündung behandeln, dann wieder schminken.
Führt eine Lid-Psoriasis zur Erblindung?
Die Lidhaut allein macht das selten; gefährlich wird eine unbehandelte Entzündung im Auge, eine verdrehte Lidkante oder ein steroidbedingtes Glaukom. EyeWiki beschreibt Narben und Sehverlust als Folge wiederkehrender okulärer Entzündung, nicht als Schicksal jeder Lidplaque. Lichtscheu, Schmerz und Sehänderung brauchen dieselbe Dringlichkeit wie ein rotes Auge anderer Ursache.
Bekommen Kinder dieselben Lidcremes wie Erwachsene?
Kinder mit Psoriasis sollen laut NICE schon bei der ersten Vorstellung in die Fachdermatologie, und Dosierung wie Dauer von Kortison folgen dort eigenen Tabellen. Calcineurinhemmer wurden in kleinen pädiatrischen Serien am Gesicht eingesetzt, bleiben aber off-label. Eltern tragen nichts aus der Hausapotheke ins Kinderauge, auch kein Hydrocortison „nur mal über Nacht“, ohne Rücksprache.

Fazit
Wer schuppende, juckende Lider hat und schon Psoriasis kennt, kann das Bild ernst nehmen, ohne in Panik zu geraten. Der nächste sinnvolle Schritt ist ein Termin in der Dermatologie, plus Augenheilkunde, sobald Lichtscheu, Schmerz oder Sehen mitspielen. Bis dahin bleiben milde Reinigung, lauwarme Kompresse und eine duftstofffreie Salbe erlaubt; Essig, Teer und Säurepräparate bleiben vom Lid fern.
Ältere Ratgeber stellten Kortison am Auge oft als pauschales Verbot dar oder empfahlen frei verkäufliche Schuppenmittel. Die aktuellen Leitlinien teilen das anders: kurze, schwache Steroidphasen unter Aufsicht, danach Tacrolimus oder Pimecrolimus, systemische Mittel erst wenn lokale Wege und die Gesamtlast das verlangen. Das Uveitis-Risiko hängt vor allem an schwerer Hautkrankheit und Gelenkbeteiligung, nicht an jeder kleinen Lidplaque.
Morgen reicht oft schon, die aktuelle Creme mit der Praxis gegen diese Stufenlogik zu halten und bei neuen Augenzeichen denselben Tag zu nutzen. Psoriasis bleibt lebenslang, Schübe kommen wieder. Wer Lid, Gelenke und Sehen zusammen denkt, verhindert die Komplikationen, die wirklich wehtun.
Quellen
- Cleveland Clinic: Psoriasis on the Eyelids: vs. Eczema, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 25. Mai 2023.
- National Psoriasis Foundation: Psoriasis on the Eyelids: Symptoms, Causes & Treatment. National Psoriasis Foundation, 12. Mai 2026.
- American Academy of Ophthalmology: Ocular Manifestations of Psoriasis. EyeWiki, 21. Juli 2026.
- National Institute for Health and Care Excellence: Recommendations | Psoriasis: assessment and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2012.
- Mayo Clinic: Psoriasis – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 17. Dezember 2025.
- Mayo Clinic: Psoriasis – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 17. Dezember 2025.
- Amiri D, Schwarz CW, Gether L et al.: Safety and Efficacy of Topical Calcineurin Inhibitors in the Treatment of Facial and Genital Psoriasis: A Systematic Review. Acta Dermato-Venereologica, 14. März 2023.
- Kim M: Facial psoriasis. DermNet, Stand: 2022.
- National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases: Psoriasis Symptoms, Causes, and Risk Factors. National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases, Stand: Oktober 2023.
- Chi CC, Tung TH, Wang J et al.: Risk of Uveitis Among People With Psoriasis: A Nationwide Cohort Study. JAMA Ophthalmology, 1. Mai 2017.
- Elmets CA, Korman NJ, Prater EF et al.: Joint AAD-NPF Guidelines of care for the management and treatment of psoriasis with topical therapy and alternative medicine modalities for psoriasis severity measures. Journal of the American Academy of Dermatology, Februar 2021.
