
Vaginalkrebs entsteht in der Scheide selbst, nicht als Ableger eines anderen Tumors. Die Erkrankung ist selten. In einer europäischen Leitlinie von 2023 machen primäre Scheidenkarzinome etwa zwei Prozent der bösartigen Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane aus. Viele Krebse, die in der Vagina gefunden werden, stammen laut Mayo Clinic von Gebärmutterhals, Gebärmutterkörper oder anderen Organen und gelten dann nicht als Vaginalkrebs.
Frühe Herde bleiben oft stumm und fallen bei einer Tastuntersuchung oder einem Abstrich auf. Später können Blutungen nach den Wechseljahren, Blut nach dem Sex, Ausfluss oder ein tastbarer Knoten auftreten. Seit 2018 hat sich die Versorgung verschoben. 2023 veröffentlichten ESTRO, ESGO und SIOPe die erste gemeinsame europäische Leitlinie; bei lokal fortgeschrittenen Tumoren steht dort eine platinhaltige Chemoradiatio mit anschließender Brachytherapie im Vordergrund, nicht mehr eine lockere Aufzählung aus Operation, Strahl und Chemotherapie. Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Die HPV-Impfung kann das Risiko senken, weil rund drei Viertel der Scheidenkarzinome mit dem humanen Papillomavirus in Verbindung stehen.
Was ist Vaginalkrebs und wie häufig tritt er auf?
Primärer Vaginalkrebs wächst aus Zellen der Scheidenwand. Tumoren, die den Gebärmutterhals einer erhaltenen Gebärmutter mitbefallen, stuft das US-Krebsinstitut als Zervixkarzinom ein, selbst wenn der Ausgangspunkt scheinbar im oberen Scheidendrittel liegt. Diese Regel verhindert, dass derselbe Tumor zwei Diagnosen bekommt.
In den Vereinigten Staaten registrierte die CDC für 2018 bis 2022 im Schnitt 889 HPV-assoziierte Scheidenkarzinome pro Jahr; etwa 75 Prozent davon, rund 700 Fälle, gelten als HPV-verursacht. Ältere populäre Texte nannten oft rund 2000 Betroffene jährlich. Die aktuelle CDC-Zahl erfasst Plattenepithelkarzinome an diesem Ort und liegt darunter. Die American Cancer Society ordnet Vaginalkrebs ein bis zwei Prozent der Krebse des weiblichen Genitaltrakts zu. Das mittlere Alter bei der Diagnose liegt dort bei etwa 69 Jahren, fast die Hälfte der Plattenepithelfälle betrifft Frauen ab 70.
Kinder und Jugendliche erkranken selten. Dann stehen andere Gewebetypen im Raum, etwa ein Rhabdomyosarkom oder Keimzelltumoren; die europäische Leitlinie behandelt diese pädiatrischen Formen gesondert. Bei Erwachsenen entscheidet vor allem das Stadium über den Verlauf, nicht das Kalenderjahr der Diagnose. Fernabsiedlungen sitzen laut Mayo Clinic und NCI am ehesten in Lunge, Leber und Knochen.
![[Frau mit Beckenschmerzen]](https://demedbook.com/images/1/whats-to-know-about-vaginal-cancer.jpg)
Welche Zelltypen kommen vor?
Das Plattenepithelkarzinom geht von den flachen Deckzellen der Scheidenschleimhaut aus und stellt nach dem NCI-PDQ rund 80 bis 90 Prozent der Fälle. Es teilt Risikofaktoren mit dem Gebärmutterhalskrebs, vor allem persistierende Hochrisiko-HPV-Typen. Der Verlauf hängt von Größe, Lage im oberen, mittleren oder unteren Drittel und vom Lymphabfluss ab.
Adenokarzinome entstehen in Drüsenzellen. Sie machen im PDQ etwa fünf bis zehn Prozent aus. Ein Sonderfall ist das klarzellige Adenokarzinom nach vorgeburtlicher Belastung mit Diethylstilbestrol. Melanome, Sarkome, kleinzellige Karzinome und Lymphome der Vagina sind nach dem Institut sehr selten und folgen anderen Regeln; dieser Text gilt vor allem für Plattenepithel- und Drüsentumoren.
HPV-Status soll laut ESTRO/ESGO dokumentiert werden, weil er die Einordnung stützt. Ein HPV-negativer Tumor ist damit nicht harmlos. Er kann andere Treiber haben und braucht dieselbe sorgfältige Ausbreitungsklärung. Seltene Formen sollten eine Zweitmeinung in der Pathologie erhalten, so die Leitlinie, damit Therapie und Nachsorge zum Gewebe passen.
Welche Symptome sind ein Warnzeichen?
Viele frühe Karzinome und Vorstufen verursachen keine Schmerzen. Die Mayo Clinic und MedlinePlus nennen als erste spürbare Zeichen vor allem Blutungen, die nicht zur Regel passen, Blut nach dem Sex, ungewöhnlichen Ausfluss und einen Knoten in der Scheide. Nach den Wechseljahren ist jede vaginale Blutung abklärungsbedürftig, auch wenn Infekt oder trockene Schleimhaut häufiger sind als Krebs.
Kommt der Tumor näher an Blase oder Mastdarm, können Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Verstopfung oder Blut im Stuhl oder Urin hinzukommen. Die American Cancer Society ergänzt Beckenschmerz, Kreuzschmerz und Beinschwellung, wenn Lymphabfluss oder Nerven betroffen sind. Schmerzen beim Sex gehören ebenfalls auf die Liste, beweisen aber allein keinen Tumor.
Keines dieser Zeichen ist spezifisch. Infekte, Polypen, Hormonmangel oder eine gutartige Zyste erklären dieselben Klagen weit öfter. Bleiben sie oder treten sie nach den Wechseljahren neu auf, gehört der nächste Schritt in die gynäkologische Sprechstunde, nicht in wochenlanges Abwarten. Wer bereits eine Vorstufe am Gebärmutterhals oder in der Scheide hatte, sollte solche Zeichen besonders ernst nehmen, weil das untere Genitale oft mehrere Herde gleichzeitig trägt.
Was erhöht das Risiko?
Persistierendes Hochrisiko-HPV gilt als wichtigster beeinflussbarer Faktor. Das Virus überträgt sich über Haut- und Schleimhautkontakt, nicht nur über Geschlechtsverkehr. Die meisten Infektionen klingen von selbst ab. Bleibt ein onkogener Typ über Jahre, können Zellveränderungen entstehen, die sich zur vaginalen intraepithelialen Neoplasie und später zum invasiven Karzinom entwickeln. Das NCI nennt zwölf Hochrisiko-Typen; 16 und 18 tragen den größten Anteil der HPV-bedingten Krebse.
Höheres Alter, Rauchen und eine frühere Zellveränderung oder ein Karzinom am Gebärmutterhals erhöhen die Wahrscheinlichkeit. Die American Cancer Society schreibt, Rauchen mehr als verdopple das Risiko. Eine HIV-Infektion oder eine medikamentös geschwächte Abwehr erschwert die Virusklärung. Eine Gebärmutterentfernung allein macht nicht automatisch krank. In älteren Fallserien hatte jedoch ein Teil der Patientinnen zuvor eine Hysterektomie, oft wegen gutartiger oder vorbösartiger Befunde; das erklärt, warum der Scheidenstumpf später auffallen kann.
Diethylstilbestrol, ein synthetisches Östrogen, wurde in den USA von 1940 bis 1971 Schwangeren gegeben, in Europa teils bis 1978. Töchter dieser Schwangerschaften haben laut NCI etwa das Vierzigfache des Risikos für ein klarzelliges Karzinom von Scheide oder Gebärmutterhals. Absolut bleibt die Krankheit selten, etwa eine unter tausend DES-Töchtern. Der Gipfel lag vor dem 30. Lebensjahr, einzelne Fälle traten noch in den 40er- und 50er-Jahren auf. Ein Pessar bei Senkung wird gelegentlich mit chronischer Reizung in Verbindung gebracht; die Krebsgesellschaft nennt den Beleg schwach. Viele Erkrankte haben keinen der genannten Faktoren.
Wie stellen Ärztinnen die Diagnose?
Die Diagnose steht erst nach Gewebeuntersuchung, nicht nach einem Abstrich allein. Zuerst kommen Anamnese und Tastuntersuchung mit Spekulum. MedlinePlus und Mayo Clinic nennen zusätzlich Pap-Test, HPV-Test und Kolposkopie, also die Betrachtung von Scheide, Gebärmutterhals und Vulva unter Vergrößerung. Auffällige Stellen werden gezielt biopsieert, oft in örtlicher Betäubung.
Ist der Gebärmutterhals erhalten, müssen Proben ihn mit erfassen, damit ein Zervixkarzinom nicht als Vaginalkrebs verbucht wird. Dasselbe gilt für die äußeren Genitalien. Fällt die Diagnose, folgen Bildgebung und Spiegelungen, um die Ausbreitung festzulegen. Mayo listet CT, MRT oder PET sowie Blick in Blase und Mastdarm, wenn der Tumor in der Nähe dieser Organe sitzt.
Einen bevölkerungsweiten Suchtest nur für Scheidenkrebs gibt es nicht. Das NCI betont, zugelassene Screening-Verfahren existierten derzeit allein für Gebärmutterhalskrebs. Ein Pap-Abstrich kann vaginale Zellveränderungen mitentdecken, ist aber dafür nicht gebaut. Nach kompletter Hysterektomie wegen gutartiger Erkrankung wird die Scheide deshalb nicht automatisch lebenslang abgestrichen. Wer CIN oder ein Karzinom hatte, folgt einem anderen Nachsorgeplan.
Welche Stadien gibt es und wie stehen die Chancen?
Klinisch zählt das FIGO-System, ergänzt um TNM. Stadium I bleibt auf die Scheidenwand beschränkt. Stadium II erreicht das umgebende Gewebe, nicht die Beckenwand. Stadium III erreicht die Beckenwand. Stadium IVa betrifft Blasen- oder Mastdarmschleimhaut oder reicht über das kleine Becken hinaus; IVb bedeutet Fernmetastasen. Eine Vorstufe VaIN ist in diesem Schema kein Stadium.
Die American Cancer Society veröffentlicht relative Fünf-Jahres-Werte nach SEER, nicht nach FIGO. Für Diagnosen 2015 bis 2021 lagen sie bei 76 Prozent, wenn der Tumor auf die Scheidenwand begrenzt war, bei 59 Prozent bei regionaler Ausbreitung und bei 24 Prozent bei Fernabsiedlung. Über alle Gruppen zusammen waren es 55 Prozent. Relative Werte vergleichen Erkrankte mit Frauen gleichen Alters ohne diesen Krebs. Sie sagen nichts über die einzelne Person.
| Stadium oder SEER-Gruppe | Was betroffen ist | Orientierung zum Verlauf |
|---|---|---|
| VaIN (kein FIGO-Stadium) | Zellveränderung ohne Invasion | Behandlung der Vorstufe, kein invasiver Krebs |
| FIGO I / SEER lokal | nur Scheidenwand | relative 5-Jahres-Rate 76 Prozent (SEER 2015–2021) |
| FIGO II | Gewebe um die Scheide, nicht Beckenwand | oft regional, kombinierte Therapie |
| FIGO III / SEER regional | Beckenwand oder nahe Lymphknoten | relative 5-Jahres-Rate 59 Prozent |
| FIGO IVa | Blasen- oder Mastdarmschleimhaut | lokale Kontrolle mit Chemoradiatio |
| FIGO IVb / SEER fern | ferne Organe | relative 5-Jahres-Rate 24 Prozent |
Schlechtere Prognosefaktoren im PDQ sind Alter über 60 Jahre, Symptome bei Diagnose, Sitz im mittleren oder unteren Drittel und geringe Differenzierung. Die Länge der befallenen Scheidenwand hing in Serien mit Stadium und Überleben zusammen. Zahlen von vor fünf Jahren unterschätzen oft heutige Techniken, weil bildgeführte Brachytherapie und kombinierte Chemoradiatio in den älteren Kohorten noch nicht überall Standard waren.

Wie wird Vaginalkrebs behandelt?
Die Therapie plant ein Team um eine gynäkologische Onkologin, abhängig von Stadium, Größe, Lage, Gebärmutterstatus, früherer Beckenbestrahlung und dem Wunsch, eine funktionierende Scheide zu erhalten. Randomisierte Studien fehlen, weil die Krankheit selten ist. NCI und ESTRO/ESGO stützen sich auf Serien und auf Analogien zum Zervixkarzinom.
Im Stadium I kommen Operation oder Bestrahlung infrage. Die Mayo Clinic nennt die Entfernung eines Teils oder der ganzen Scheide vor allem bei kleinen, gut zugänglichen Herden, die nicht an Harnröhre oder Schließmuskel kleben. Bei größerer Ausdehnung oder ungünstiger Lage steht die Strahlentherapie vorn, oft als Kombination aus äußerer Beckenbestrahlung und innerer Einlage. Für Stadien II bis IVa formuliert die europäische Leitlinie von 2023 klarer als viele Texte vor 2018. Bevorzugt ist eine definitive platinhaltige Chemoradiatio, gefolgt von einer Brachytherapie, möglichst bildgeführt. Eine vorbeugende Chemotherapie vor der Bestrahlung außerhalb von Studien stützt die Leitlinie nicht.
Das NCI-PDQ beschreibt für fortgeschrittene Tumoren äußere Dosen um 65 bis 70 Gray in sechs bis sieben Wochen, wenn allein perkutan bestrahlt wird; mit interstitieller Einlage können Gesamtdosen am Tumor höher liegen. Diese Zahlen plant die Strahlentherapie, sie sind keine Hausdosis. Wöchentliches Cisplatin als Strahlensensibilisator stammt aus der Zervixtherapie und wird übertragen. Bei Fisteln zwischen Scheide und Darm oder Blase kann vor der Bestrahlung eine Ableitung nötig sein.
Stadium IVb und Rezidive, die lokal nicht mehr zu fassen sind, haben nach dem PDQ keine etablierten Medikamente mit bewiesenem Nutzen. In der Praxis werden Schemata vom Gebärmutterhalskrebs genutzt. Die Mayo Clinic nennt systemische Chemotherapie und, bei ausgewählten fortgeschrittenen Fällen, Immuntherapie, besonders beim seltenen Melanom der Vagina. Eine Beckenexenteration, also die Entfernung mehrerer Beckenorgane, bleibt Einzelfällen mit lokalem Rezidiv vorbehalten. Palliativmedizin kann parallel zur Tumortherapie Schmerz, Fisteln und sexuelle Folgen auffangen.
Was bedeutet eine Vorstufe VaIN?
VaIN bezeichnet atypische Plattenepithelzellen ohne Durchbruch durch die Basalmembran. Grad 1 betrifft das obere Drittel der Epitheldicke, Grad 2 zwei Drittel, Grad 3 mehr als zwei Drittel oder das volle Epithel als Carcinoma in situ. Die Ursache ähnelt der zervikalen intraepithelialen Neoplasie. HPV ist häufig, Herde sitzen oft im Scheidengewölbe und können mehrherdig sein.
VaIN 1 bildet sich oft zurück und darf unter Kontrolle beobachtet werden. VaIN 3 gilt als behandlungsbedürftig, weil der Übergang in ein invasives Karzinom möglich ist. Das PDQ listet Laser nach Biopsie, lokale Ausschneidung, Teil- oder komplette Kolpektomie, 5-Fluorouracil-Creme in der Klinik, Brachytherapie bei schwer behandelbaren mehrherdigen Befunden und Imiquimod 5 Prozent als noch nicht fest etablierte Option. Kleine Serien berichteten dort komplette klinische Antworten zwischen 50 und 86 Prozent; die Wirkung kann kurz sein. Keines dieser Mittel gehört in die Selbstbehandlung.
Nach Therapie bleibt eine lange Nachsorge sinnvoll, weil neue Herde Jahre später auftreten können. Gleichzeitig sollten Gebärmutterhals und Vulva mitgesehen werden. Ein negativer HPV-Test plus unauffällige Zytologie hat in Konsenspapieren einen hohen negativen Vorhersagewert, ersetzt aber nicht die Untersuchung, wenn Blutungen neu auftreten.
Lässt sich Vaginalkrebs vorbeugen?
Vollständig verhindern lässt sich die Krankheit nicht, weil nicht jede Erkrankte bekannte Risiken hat. Den stärksten Hebel bietet die HPV-Impfung vor dem ersten Viruskontakt. Das NCI schätzt, der neunvalente Impfstoff könne bis zu 90 Prozent der HPV-bedingten Krebse und der meisten Feigwarzen verhindern, wenn die empfohlenen Typen abgedeckt sind. In den USA liegt das Routinefenster bei 9 bis 12 Jahren, Nachholimpfung bis 26; zwischen 27 und 45 Jahren entscheidet das individuelle Risiko. In Deutschland gilt die jeweilige Impfempfehlung der behandelnden Praxis.
Ein systematischer Überblick von 2025 fand bei Frauen, die das Impfschema vollständig und vor Infektion abgeschlossen hatten, eine Wirksamkeit von 100 Prozent gegen HPV-16/18-bedingte hochgradige Vulva- und Scheidenläsionen; zählte man alle Zugeteilten, lag der Wert bei 71 Prozent. Beobachtungsdaten zeigten rückläufige Raten bei jüngeren Geimpften. Als Zusatzimpfung nach bereits behandelter Läsion ist der Nutzen in randomisierten Studien nicht klar belegt. Kondome senken die Übertragung, decken aber nicht jede Hautstelle ab. Rauchstopp nimmt einen unabhängigen Risikofaktor weg.
Regelmäßige Gebärmutterhals-Vorsorge kann Vorstufen am Gebärmutterhals und gelegentlich in der Scheide finden. Sie ersetzt keine Abklärung neuer Blutungen. DES-Töchter sollten die mögliche Exposition nennen; das NCI rät zu Bewusstsein und Absprache der Kontrollen, weil die Kohorte inzwischen älter ist und ein lebenslanges Sonderprogramm nicht mehr eindeutig gegen den Nutzen-Schaden-Vergleich abgewogen ist.
Wann zur Gynäkologin, wann in die Klinik?
Neue Blutung nach den Wechseljahren, Blut nach dem Sex oder ein tastbarer Knoten gehören in die nächste gynäkologische Sprechstunde, nicht in die Selbstbeobachtung über Monate. Dasselbe gilt für Ausfluss mit Blutbeimengung, neuem Beckenschmerz oder Beschwerden beim Wasserlassen, die nicht zu einem klaren Infekt passen. Mayo Clinic rät bei anhaltenden, beunruhigenden Zeichen zum Termin, auch wenn Krebs die seltenere Erklärung bleibt.
Die Notaufnahme ist der richtige Ort bei sehr starker vaginaler Blutung mit Schwäche oder Schwindel, bei Unfähigkeit zu Wasser zu lassen oder wenn Stuhl oder Urin aus der Scheide treten. Solche Fistelzeichen können bei sehr fortgeschrittenen Tumoren oder nach Therapie auftreten. Rasch zunehmende Beinschwellung plus Beckenschmerz verdient ebenfalls denselben Tag, weil ein Abflussstau oder eine Thrombose dahinterstecken kann.
Zur geplanten, aber zeitnahen Vorstellung gehören:
- Blutung nach den Wechseljahren, auch tropfenweise, weil sie immer eine organische Ursache braucht und nicht als „normal“ gilt.
- Blutungen nach dem Sex, die neu sind oder wiederkehren, auch bei unauffälligem letzter Abstrich.
- Ein selbst getasteter Knoten in der Scheide, der nicht innerhalb weniger Tage verschwindet.
- Hartnäckiger Ausfluss mit Blut, der nicht zu einem behandelten Infekt passt.
- Neu aufgetretene Schmerzen im Becken, Kreuz oder beim Wasserlassen ohne klare andere Ursache.
- Bekannte DES-Exposition oder frühere hochgradige Zellveränderung, wenn eines der genannten Zeichen dazukommt.
Wer bereits behandelt wird, sollte Fieber unter Chemotherapie, plötzliche starke Schmerzen oder eine neu nasse Scheide nach Bestrahlung nicht bis zum nächsten Routinetermin aufschieben. Kinder mit einem tastbaren Tumor im kleinen Becken gehören in die Kinderklinik, nicht in die Erwachsenen-Ambulanz.
Häufige Fragen
Ist Vaginalkrebs heilbar?
Bei begrenztem Tumor kann die Krankheit oft dauerhaft zurückgedrängt werden, eine Garantie gibt es nicht. MedlinePlus schreibt, frühe Fälle ließen sich häufig erfolgreich behandeln. Lokal fortgeschrittene Stadien brauchen meist eine kombinierte Chemoradiatio; Fernmetastasen sind schwerer zu kontrollieren. Der einzelne Verlauf hängt von Stadium, Gewebe, Alter und Ansprechen ab, nicht von einer Prozentzahl aus Tabellen.
Wie häufig ist Vaginalkrebs wirklich?
Er gehört zu den seltenen Genitalkarzinomen. ESTRO/ESGO nennen etwa zwei Prozent der bösartigen Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane bei Erwachsenen. In den USA zählt die CDC rund 889 HPV-assoziierte Fälle pro Jahr, davon etwa 700 HPV-verursacht. Die meisten Blutungen und Ausflüsse haben andere Ursachen.
Schützt die HPV-Impfung vor Vaginalkrebs?
Sie kann das Risiko senken, indem sie Infektionen mit den wichtigsten onkogenen Typen verhindert, heilt aber keine bestehende Infektion. Der stärkste Schutz entsteht vor dem ersten Viruskontakt. Studien zeigen hohe Wirksamkeit gegen HPV-16/18-bedingte Vorstufen an Vulva und Scheide; gegen bereits vorhandene Läsionen als Zusatzimpfung fehlt ein klarer Beleg aus randomisierten Studien.
Brauche ich nach einer Gebärmutterentfernung noch Abstriche?
Nach kompletter Entfernung des Gebärmutterhalses wegen gutartiger Erkrankung ist eine lebenslange Scheidenzytologie in der Regel nicht vorgesehen. Nach CIN oder Karzinom gilt ein eigener Nachsorgeplan. Neue Blutungen oder ein Knoten brauchen trotzdem eine Untersuchung, unabhängig vom letzten Abstrich.
Ist ein Knoten in der Scheide immer Krebs?
Nein. Zysten, Narben, ein Pessardruck oder eine Entzündung sind häufiger. Ein bleibender oder wachsender Knoten muss trotzdem gesehen und bei Unklarheit biopsiert werden. Nur die Pathologie trennt gutartig, VaIN und invasives Karzinom.
Kann der Pap-Test Vaginalkrebs finden?
Gelegentlich ja, darauf ist er nicht ausgelegt. Das NCI stellt klar, dass es kein anerkanntes Reihenuntersuchungsprogramm für Scheiden- oder Vulvakrebs gibt. Auffällige Zellen ohne passenden Befund am Gebärmutterhals sollen die Scheide mit in die Kolposkopie nehmen.
Was ist der Unterschied zu Gebärmutterhalskrebs?
Beide entstehen oft über HPV und ähneln sich in Therapiebausteinen. Der Ausgangsort entscheidet über den Namen. Reicht ein Tumor bei erhaltener Gebärmutter an den Gebärmutterhals, zählt er als Zervixkarzinom. Die Nachsorge und die Operationsgrenzen unterscheiden sich, auch wenn Strahl und Platin in beiden Fällen zentral sind.
Fazit
Vaginalkrebs ist selten, aber nicht unsichtbar. Blut nach den Wechseljahren, Blut nach dem Sex oder ein tastbarer Knoten gehören in die gynäkologische Sprechstunde, auch wenn die häufigere Erklärung harmlos ist. Frühe Stadien haben deutlich bessere relative Überlebensraten als Fernmetastasen; die SEER-Zahlen 2015–2021 machen diesen Abstand sichtbar, ohne das Einzelschicksal vorherzusagen.
Die Behandlung hat sich gegenüber älteren Ratgebern konkretisiert. Kleine, begrenzte Tumoren können operiert oder bestrahlt werden. Für lokal fortgeschrittene Karzinome nennt die europäische Leitlinie von 2023 die platinhaltige Chemoradiatio mit Brachytherapie als bevorzugten Weg. Systemtherapie bei Metastasen bleibt eine Übertragung vom Gebärmutterhalskrebs, Immuntherapie kommt bei ausgewählten fortgeschrittenen Fällen vor.
Für den nächsten Termin lohnt eine kurze Liste. Notieren Sie Blutungszeitpunkt, Medikamente, frühere Abstriche, eine mögliche DES-Einnahme der Mutter und ob eine Gebärmutterentfernung stattfand. Wer Kinder oder Jugendliche im Haus hat, kann die HPV-Impfung ansprechen. Wer raucht, nimmt mit dem Aufhören einen belegten Risikofaktor weg, ohne dass daraus ein Schutzversprechen folgt.
Quellen
- National Cancer Institute: Vaginal Cancer Treatment (PDQ®)–Health Professional Version. National Cancer Institute, Stand: 3. April 2025.
- Mayo Clinic: Vaginal cancer – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 30. April 2025.
- Mayo Clinic: Vaginal cancer – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 30. April 2025.
- MedlinePlus: Vaginal Cancer | HPV | Pap Smear. MedlinePlus, National Library of Medicine, Stand: 2025.
- CDC: Cancers Linked with HPV Each Year. Centers for Disease Control and Prevention, 3. Dezember 2025.
- American Cancer Society: Survival Rates for Vaginal Cancer. American Cancer Society, 1. Juli 2025.
- American Cancer Society: Risk Factors for Vaginal Cancer. American Cancer Society, 23. September 2024.
- National Cancer Institute: HPV and Cancer – NCI. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- National Cancer Institute: Diethylstilbestrol (DES) Exposure and Cancer. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- Nout RA, Calaminus G et al.: ESTRO/ESGO/SIOPe Guidelines for the management of patients with vaginal cancer. International Journal of Gynecological Cancer, 7. August 2023.
- Montero-Macías R, Adam M et al.: HPV vaccination efficacy in primary and tertiary prevention of vulvar and vaginal HPV-related high grade dysplasia and cancers: A systematic review. Human Vaccines & Immunotherapeutics, 29. Oktober 2025.
