
Geschlechtskrankheiten sind sexuell übertragbare Infektionen durch Bakterien, Viren oder Parasiten; sie gelangen vor allem über Schleimhaut- und Hautkontakt beim vaginalen, analen oder oralen Sex von einer Person zur anderen. Viele Verläufe bleiben ohne Beschwerden, können aber Eileiter, Leber, Nervensystem oder ein ungeborenes Kind schädigen, weshalb Tests und nicht das Warten auf Schmerz die entscheidende Schwelle sind.
Wer nur bei Ausfluss oder Geschwüren einen Abstrich plant, verpasst den größten Teil der Neuinfektionen. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet für 2020 mit 374 Millionen neuen Fällen der vier heilbaren Erreger Chlamydien, Gonokokken, Syphilis und Trichomonaden bei 15- bis 49-Jährigen, also mehr als einer Million heilbarer Infektionen pro Tag, und der Großteil verläuft still.
Die US-Leitlinie von 2021 hat die Chlamydien-Erstlinie auf Doxycyclin 100 Milligramm zweimal täglich über sieben Tage umgestellt; Azithromycin 1 Gramm gilt nur noch als Ausweichschema. Unkomplizierte Gonorrhoe wird seit der Aktualisierung 2020 mit 500 Milligramm Ceftriaxon intramuskulär behandelt, ohne die frühere Pflichtkombination mit Azithromycin. Unterbauchschmerz mit Druckschmerz an Gebärmutter oder Eileiter gehört noch am selben Tag in die Untersuchung, weil eine Beckenentzündung Eileiter und Fruchtbarkeit gefährden kann.
Was sind Geschlechtskrankheiten und wie häufig treten sie auf?
Geschlechtskrankheiten sind Infektionen, die vorwiegend durch sexuellen Kontakt übertragen werden; der präzisere Fachbegriff lautet sexuell übertragbare Infektion, weil nicht jede Ansteckung bereits eine ausgebildete Krankheit mit Organfolgen ist. MedlinePlus und die Mayo Clinic unterscheiden Bakterien (Chlamydien, Gonokokken, Treponema pallidum), Viren (HPV, Herpes-simplex-Virus, HIV, Hepatitis B) und Parasiten (Trichomonas vaginalis, Filzläuse, Krätzmilbe).
Mehr als 30 Erreger können über Genital-, Anal- oder Oralverkehr weitergegeben werden. Acht davon tragen den größten Teil der weltweiten Last. Vier gelten als heilbar: Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien und Trichomoniasis. Die anderen vier sind viral und bleiben im Körper, auch wenn Medikamente den Verlauf dämpfen können: Hepatitis B, Herpes, HIV und humane Papillomviren. Die WHO nennt zusätzlich Ausbrüche, die sexuell mitlaufen können, etwa Mpox oder Lymphogranuloma venereum, ohne dass sie das klassische Kernset ersetzen.
Für 2020 schätzte die WHO 129 Millionen neue Chlamydien-, 82 Millionen Gonorrhoe-, 7,1 Millionen Syphilis- und 156 Millionen Trichomoniasis-Infektionen. Etwa 520 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren trugen 2020 Herpes-simplex-Virus Typ 2, rund 13 Prozent dieser Altersgruppe. Etwa 300 Millionen Frauen leben mit einer HPV-Infektion. Chronische Hepatitis B betraf 2022 schätzungsweise 254 Millionen Menschen.
In den USA sanken die drei meldepflichtigen bakteriellen Infektionen 2024 das dritte Jahr in Folge. Die vorläufige CDC-Surveillance vom September 2025 zählt 2,25 Millionen gemeldete Fälle von Chlamydien, Gonorrhoe und Syphilis, 9 Prozent weniger als 2023. Gegenüber der Dekade zuvor bleibt die Last 13 Prozent höher. Chlamydien stellten mit 1,52 Millionen Meldungen weiter den größten Block, Gonorrhoe 543409, alle Syphilis-Stadien 190242. Jugendliche und junge Erwachsene tragen einen überproportionalen Anteil; die US-Präventions-Taskforce hält fest, dass 2019 rund 61 Prozent der gemeldeten Chlamydien auf 15- bis 24-Jährige entfielen.

Wie werden sexuell übertragbare Infektionen weitergegeben?
Die Übertragung läuft über Samen, Vaginalsekret, Blut oder direkten Haut- und Schleimhautkontakt an Penis, Vulva, After oder Mund; ein penetrierender Verkehr ist nicht nötig, sobald infektiöse Haut oder Flüssigkeit den Partner erreicht. Herpes und viele HPV-Typen springen schon bei Hautkontakt ohne Eindringen über. Gemeinsam genutzte Nadeln, unsichere Transfusionen sowie Schwangerschaft, Geburt und Stillen erweitern den Weg über den Sex hinaus.
Kondome aus Latex oder Polyurethan senken das Risiko deutlich, wenn sie bei jedem vaginalen, analen und oralen Kontakt neu und ohne ölhaltiges Gleitmittel verwendet werden. Die WHO betont zugleich die Lücke: Geschwüre außerhalb der vom Kondom bedeckten Fläche, etwa bei Syphilis oder Genitalherpes, bleiben ungeschützt. Naturdarmkondome eignen sich laut Mayo Clinic nicht zuverlässig gegen Viren. Pille, Hormonspirale und Kupferkette verhüten eine Schwangerschaft, nicht die Infektion.
Mehrere Partner, ein Partner mit weiteren Kontakten, eine bereits bestehende STI und Sex unter Alkohol oder Drogen erhöhen die Wahrscheinlichkeit. Wer zwischen 15 und 24 Jahren sexuell aktiv ist, trägt statistisch das höchste gemeldete Risiko. Zwang oder sexueller Übergriff rechtfertigen sofortige Untersuchung, Test und Unterstützung, nicht das Warten auf Beschwerden. Stillen und Geburt können HIV, Hepatitis B, Syphilis, Chlamydien und Gonokokken auf das Kind übertragen; deshalb gehört das Testangebot in jede Schwangerschaft, nicht nur bei sichtbaren Zeichen.
Ein Partner ohne Beschwerden kann trotzdem ansteckend sein. Viele Chlamydien- und Gonokokken-Infektionen bei Frauen und ein großer Teil der HPV- und Herpes-Träger bleiben stumm. Wer erst testet, wenn es brennt, unterschätzt genau diese stille Phase.
Welche Symptome gehören in die Sprechstunde?
Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Geschwüre, Warzen oder Unterbauchschmerz nach Sex sind Anlass für einen zeitnahen Test, und dasselbe gilt nach einem Risikokontakt auch ohne jede Beschwerde. Die Mayo Clinic listet zusätzlich ungewöhnliche vaginale Blutungen, Schmerz beim Verkehr, geschwollene Leistenlymphknoten, Fieber und einen Ausschlag an Rumpf, Handflächen oder Fußsohlen. Manche Zeichen erscheinen nach wenigen Tagen, andere erst nach Monaten oder Jahren.
Männer bemerken häufiger einen Ausfluss aus der Harnröhre oder Hodenschmerz. Frauen beschreiben eher veränderten Geruch, Zwischenblutung oder dumpfen Unterbauchschmerz; genau diese Zeichen werden oft als Blasenentzündung oder Pilz verkannt. Rektale Infektionen können Juckreiz, Schmerz beim Stuhlgang oder Schleim verursachen. Nach Oralverkehr können Halsschmerz und geschwollene Halslymphknoten auftreten, bleiben aber oft aus.
Bestimmte Bilder gehören nicht in die Hausmittel-Schublade. Ein schmerzloses Geschwür am Genitale oder im Mund kann das erste Syphilis-Stadium sein und heilt von allein, während das Bakterium weiterwandert. Gruppierte Bläschen, die aufplatzen und brennen, passen zu Herpes. Harte, blumenkohlartige Warzen deuten auf niedrigrisiko-HPV. Nachtjucken mit feinen Gängen zwischen den Fingern kann Krätze sein, auch ohne dass jemand „unsauber“ gelebt hat.
- Ein neues Geschwür an Genitale, After oder Mund soll in denselben Tagen vorgestellt werden, nicht erst wenn es verheilt.
- Gelbgrüner Ausfluss, Hodenschwellung oder Fieber nach ungeschütztem Sex rechtfertigen denselben Weg noch vor dem Wochenende.
- Unterbauchschmerz mit Druckempfindlichkeit neben der Gebärmutter kann eine Beckenentzündung anzeigen und duldet keinen Aufschub.
- Ausschlag an Handflächen und Fußsohlen plus früherem Geschwür gehört zur Syphilis-Abklärung, nicht zur Selbstbeobachtung über Wochen.
Fehlen alle Zeichen, bleibt das Risiko trotzdem real. Die WHO schreibt ausdrücklich, der Großteil der heilbaren Neuinfektionen verlaufe ohne Symptome. Deshalb ersetzt kein „Ich fühle mich gesund“ den Test nach einem neuen Partner oder nach Kondomversagen.
Chlamydien, Gonorrhoe und Beckenentzündung
Chlamydien sind die häufigste gemeldete bakterielle Geschlechtskrankheit; unbehandelt können sie bei Frauen eine stille Eileiterentzündung, Eileiterschwangerschaft und Unfruchtbarkeit nach sich ziehen. Die CDC nennt Chlamydia trachomatis die am häufigsten gemeldete bakterielle Infektionskrankheit der USA, mit dem höchsten Anteil unter 24 Jahren. Männer bleiben oft ohne Zeichen oder haben Harnröhrenbrennen. Frauen beschreiben unspezifischen Ausfluss oder leichten Unterbauchschmerz, häufig gar nichts.
Die US-Präventions-Taskforce empfiehlt seit 2021 (Grad B) ein Screening auf Chlamydien und Gonorrhoe für alle sexuell aktiven Frauen bis 24 Jahre sowie für ältere Frauen mit erhöhtem Risiko, etwa neuem oder mehreren Partnern. Für Männer reicht die Evidenz der Taskforce nicht für eine allgemeine Reihenuntersuchung; die CDC hält gezielte Tests in Einrichtungen mit hoher Prävalenz und bei homosexuellen sowie bisexuellen Männern trotzdem für sinnvoll. Der Nachweis läuft über Nukleinsäureamplifikation aus Erststrahlurin, Vaginal-, Harnröhren-, Rektal- oder Rachenabstrich, je nach Exposition.
Gonorrhoe sitzt in denselben warmen Schleimhäuten und ist der zweite große bakterielle Block. Frauen bleiben häufig ohne Zeichen; Männer berichten eher über gelbgrünen Ausfluss und Brennen. Unbehandelt drohen bei Frauen die Beckenentzündung, bei Männern Nebenhoden- und Prostataentzündung, bei Neugeborenen eine schwere Bindehautentzündung. Resistenz schränkt die Mittel ein. Der WHO-Bericht vom Mai 2024 nennt unter 87 überwachten Ländern neun mit 5 bis 40 Prozent Resistenz gegen Ceftriaxon, das letzte zuverlässige Standardmittel.
Eine Beckenentzündung entsteht, wenn Keime aus dem unteren Genitaltrakt in Gebärmutter, Eileiter oder Beckenperitoneum aufsteigen. Die CDC rät zu einer niedrigen Schwelle: Bei sexuell aktiven jungen Frauen mit Unterbauchschmerz und Druckschmerz am Gebärmutterhals, am Uterus oder an den Adnexen soll die Therapie schon bei diesem Mindestbefund beginnen, sofern keine andere Ursache überzeugt. Zusätzliche Hinweise sind Fieber über 38,3 Grad, eitriger Zervixausfluss oder ein nachgewiesener Gonokokken- oder Chlamydienbefund. Etwa die Hälfte der akuten Fälle trägt noch einen dieser beiden Erreger; anaerobe Scheidenflora und Mycoplasma genitalium können mitbeteiligt sein. Mycoplasma genitalium hat die CDC-Leitlinie 2021 als eigenen Managementfall aufgenommen, weil Makrolidresistenz häufig ist und eine gestufte Therapie nach Doxycyclin folgt.
Syphilis: Stadien und Infektion des Neugeborenen
Syphilis beginnt oft mit einem schmerzlosen Geschwür an der Eintrittsstelle und kann nach Jahren Herz, Gefäße und Nervensystem zerstören, wenn das Stadium der Latenz unbehandelt bleibt. Der Erreger Treponema pallidum wandert früh ins Blut. Das Primärstadium zeigt den Schanker, das Sekundärstadium Hautausschläge einschließlich Handflächen und Fußsohlen sowie Schleimhautplaques. Danach kann die Infektion jahrelang still bleiben. Späte Formen treffen Aorta, Hirn und Rückenmark.
Die Inkubationszeit liegt laut älteren klinischen Beschreibungen meist um drei Wochen, der Bereich reicht von gut einer Woche bis drei Monate. Entscheidend für den Alltag ist nicht die genaue Tageszahl, sondern dass das erste Geschwür von allein verschwindet und Betroffene das für Heilung halten. Serologische Tests in zwei Schritten (nichttreponemaler Suchtest plus treponemaler Bestätigung, oder umgekehrt) sichern die Diagnose; die CDC hat 2024 Laborempfehlungen zu Algorithmen und Titerverlauf präzisiert. Benzathin-Benzylpenicillin bleibt die Therapie der Wahl, bei Penicillinallergie nach Leitlinie umstellen oder desensibilisieren, in der Schwangerschaft ohne Ausweichmittel.
Die globale Kurve zeigt nach oben, während die USA bei den ansteckenden Erwachsenenstadien 2024 einen Rückgang melden. Die WHO zählte für 2022 etwa 8 Millionen neue Syphilis-Fälle bei 15- bis 49-Jährigen, über eine Million mehr als die Zielmarke, und 230000 syphilistote. 1,1 Millionen Schwangere waren infiziert, mit über 390000 ungünstigen Geburtsverläufen. In den USA stieg die konnatale Syphilis 2024 das zwölfte Jahr: vorläufig 3941 gemeldete Fälle, 1,6 Prozent über 2023 und rund 700 Prozent über dem Stand vor zehn Jahren. Gleichzeitig sanken primäre und sekundäre Fälle um 22 Prozent. Die Lücke erklärt sich durch versäumte Schwangerschaftstests, späte Vorsorge und unbehandelte Partner.
Jede Schwangerschaft braucht einen frühen Syphilis-Test, bei Risiko erneut im dritten Trimenon und um die Geburt. Totgeburt, Frühgeburt, Knochen- und Organfehlbildungen des Kindes sind vermeidbar, wenn die Infektion rechtzeitig mit Penicillin behandelt wird. Ein negativer Test zu Beginn ersetzt nicht die Wiederholung, wenn später neue Partner oder Drogenkonsum dazukommen.
Virale Infektionen: HPV, Herpes, HIV und Hepatitis B
Virale Geschlechtskrankheiten lassen sich nicht mit einer Antibiotikakur tilgen; Impfung, Virostatika und eine dauerhaft unterdrückte Viruslast können Folgen und Weitergabe stark begrenzen. Humane Papillomviren sind der häufigste virale Vertreter. Hochrisiko-Typen treiben Gebärmutterhalskrebs und weitere Karzinome an Anus, Vulva, Penis, Rachen; niedrigrisiko-Typen verursachen Feigwarzen. Die WHO verknüpft HPV mit über 311000 Zervixkarzinom-Toten pro Jahr. Die meisten sexuell aktiven Menschen begegnen mindestens einem Typ; viele Infektionen heilen von allein, ohne dass jemand davon erfährt.
Die CDC empfiehlt die HPV-Impfung regulär mit 11 oder 12 Jahren, frühestens ab 9, und als Nachholserie bis 26. Wer vor dem 15. Geburtstag beginnt, braucht zwei Dosen im Abstand von sechs bis zwölf Monaten; ab 15 Jahren und bei Immunschwäche gelten drei Dosen. Für 27- bis 45-Jährige ist die Impfung keine Routine mehr, sondern eine gemeinsame Entscheidung, weil viele bereits Kontakt hatten. In den USA sanken die Impftypen bei Teenagerinnen um 88 Prozent und bei jungen Frauen um 81 Prozent; der Anteil der Vorstufen, die zu den klassischen Hochrisiko-Typen passen, fiel bei Geimpften um etwa 40 Prozent.
Genitalherpes entsteht durch HSV-2, zunehmend auch durch HSV-1 nach Oralverkehr. Die WHO schätzt 520 Millionen Träger von HSV-2 im Alter 15 bis 49. Viele bleiben ohne Schub. Typisch sind gruppierte Bläschen, die aufplatzen und brennen, manchmal mit Fieber beim ersten Ausbruch. Virostatika können Schübe verkürzen und die Ausscheidung senken, das Virus bleibt latent. Die CDC-Leitlinie 2021 rät bei serologischer Diagnostik zum Zwei-Schritt-Verfahren, weil einzelne Antikörpertests falsch liegen können.
HIV zerstört unbehandelt die zelluläre Abwehr und mündet in AIDS. 2022 zählte die WHO 1,3 Millionen Neuinfektionen und 630000 HIV-bedingte Todesfälle. Fünf Gruppen (Männer mit männlichen Sexualpartnern, Drogeninjizierende, Sexarbeitende, trans Personen, Inhaftierte) und ihre Partner trugen rund 55 Prozent der neuen Fälle. Eine unterdrückte Viruslast unter Therapie macht eine sexuelle Übertragung extrem unwahrscheinlich; das ist Behandlung als Prävention, kein Grund, Kondome und Tests für andere Erreger aufzugeben. Hepatitis B erreicht Leberzellen über dieselben Flüssigkeiten. 2022 lebten schätzungsweise 254 Millionen Menschen mit chronischer Infektion, 1,1 Millionen starben an Zirrhose oder Leberzellkrebs. Die Impfung gegen Hepatitis B gehört zu den wenigen STI-Impfungen mit klarem Nutzen für Leber und Umfeld.

Trichomoniasis, Filzläuse und andere Hautbefunde
Trichomoniasis ist die häufigste der vier heilbaren WHO-Infektionen und wird von einem einzelligen Parasiten getragen, nicht von einem Bakterium. 2020 schätzte die Organisation 156 Millionen Neuinfektionen. Frauen berichten häufiger über schaumigen, riechenden Ausfluss, Brennen und Schmerz beim Sex; Männer bleiben oft still, können aber Harnröhrenreiz verspüren. Die Infektion erleichtert eine HIV-Aufnahme und eine Weitergabe, wenn beide Erreger zusammentreffen. Die CDC-Leitlinie 2021 hat das Schema für Frauen verlängert: Metronidazol 500 Milligramm morgens und abends eine Woche lang statt der früheren Einmaldosis; Männer erhalten weiter 2 Gramm Metronidazol einmalig.
Filzläuse (Pthirus pubis) krallen sich an Schamhaar, manchmal an Achseln, Bart oder Wimpern, und leben ausschließlich vom menschlichen Blut. Haustiere spielen keine Rolle. Juckreiz und nits am Haarschaft führen zur Diagnose. Krätze entsteht durch die Milbe Sarcoptes scabiei, die Gänge gräbt; der Juckreiz steigt nachts und nach Wärme. Längerer Hautkontakt, einschließlich Sex, überträgt sie zuverlässiger als ein kurzer Händedruck. Molluscum contagiosum zeigt kleine, genabelte Knötchen; bei Kleinkindern gilt es nicht als Geschlechtskrankheit, bei Erwachsenen im Genitalbereich kann sexueller Kontakt der Weg sein. Diese Hautbefunde sind unangenehm, aber sie ersetzen nicht den Test auf Chlamydien, Gonokokken, Syphilis und HIV, weil Mischinfektionen häufig sind.
Ulcus molle (weicher Schanker) durch Haemophilus ducreyi ist in reichen Ländern selten geworden und bleibt in manchen Regionen mit eingeschränktem Zugang zur Versorgung relevant. Schmerzhafte, weiche Geschwüre und schmerzhafte Leistenknoten unterscheiden es vom meist schmerzlosen Syphilis-Schanker. Jedes Genitalulkus gehört trotzdem in die Labordiagnostik, nicht in die Blickdiagnose allein, weil Syphilis, Herpes und Mischbilder sich überschneiden und jedes Ulkus die HIV-Aufnahme erleichtert.
Welche Tests braucht es und wann zum Arzt?
Ein Test ist angezeigt bei Symptomen, nach einem neuen Partner, nach Kondomversagen und in der Schwangerschaft; sexuell aktive Frauen bis 24 Jahre sollen laut USPSTF auch ohne Beschwerden auf Chlamydien und Gonorrhoe untersucht werden. Die Mayo Clinic rät zur Sprechstunde, sobald Sex geplant ist oder spätestens um das 21. Lebensjahr, und erneut vor einem neuen Partner. HIV-Screening empfiehlt die Taskforce für 15- bis 65-Jährige und für jede Schwangerschaft.
Nukleinsäuretests erkennen Chlamydien und Gonokokken am empfindlichsten. Frauen geben idealerweise einen (auch selbst entnommenen) Vaginalabstrich ab, Männer Erststrahlurin; nach analem oder oralem Sex gehören Rektal- und Rachenabstriche dazu, weil ein alleiniger Urintest diese Sitze verfehlt. Die CDC hält fest, dass ein relevanter Anteil der Frauen mit genitalen Chlamydien gleichzeitig rektal positiv ist, auch ohne berichteten Analsex. Syphilis und HIV laufen über Blut; Hepatitis B und C ebenfalls, wobei die CDC-Leitlinie 2021 ein einmaliges Hepatitis-C-Screening für Erwachsene aufgenommen hat. Herpes wird bei frischen Bläschen direkt aus dem Läsionsmaterial nachgewiesen; Antikörper allein erklären einen akuten Schub schlecht.
Die Wiederholung folgt dem Risiko, nicht einem festen Lebenskalender. Nach behandelten Chlamydien oder Gonorrhoe soll laut CDC etwa drei Monate später erneut getestet werden, weil Reinfektionen durch unbehandelte Partner häufig sind und bei Frauen das PID-Risiko steigern. Ein Heilungstest vier Wochen nach Chlamydien-Therapie ist bei Nichtschwangeren unnötig, sofern das Schema eingehalten wurde; zu frühe Nukleinsäuretests bleiben positiv durch tote Erregerreste. Schwule und bisexuelle Männer sowie Menschen unter HIV-PrEP testen oft alle drei Monate an allen Expositionsorten.
| Situation | Was tun | Zeitfenster |
|---|---|---|
| Ausfluss, Brennen, Geschwür, Warzen | Ärztliche Untersuchung plus gezielte Abstriche und Blut | in denselben Tagen |
| Neuer Partner, Kondom gerissen | Test auf Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, HIV | zeitnah, HIV ggf. wiederholen |
| Sexuell aktive Frau bis 24 Jahre | Chlamydien- und Gonorrhoe-Screening auch ohne Zeichen | mindestens jährlich |
| Schwangerschaft | HIV, Syphilis, Hepatitis B, je nach Risiko Chlamydien/Gonorrhoe | früh, bei Risiko erneut |
| Unterbauchschmerz und Druckschmerz am Uterus | Sofort vorstellen, PID-Therapie nicht auf Labor warten | am selben Tag |
| Hochfieber, starke Unterbauchschmerzen, Schwangerschaft plus PID-Verdacht | Klinik, nicht nur Praxisrezept | sofort |
Partner der letzten 60 Tage vor Symptombeginn oder Diagnose sollen mitgetestet und in der Regel mitbehandelt werden. Wo es das Recht erlaubt, kann die Praxis bei Chlamydien und Gonorrhoe eine beschleunigte Partnertherapie ausstellen, also Medikamente ohne vorherige Untersuchung des Partners. Bei gleichgeschlechtlichem Sex zwischen Männern wägt die CDC das wegen häufiger Begleitinfektionen einschließlich unentdecktem HIV individuell ab.
Wie werden STI nach aktuellen Leitlinien behandelt?
Bakterielle und parasitäre Infektionen lassen sich in der Regel mit Antibiotika beseitigen; virale Infektionen brauchen Virostatika oder eine Dauertherapie, die den Erreger nicht aus dem Körper holt. Die CDC-Leitlinie 2021 hat mehrere Schemata gegenüber 2015 verschoben. Drei Änderungen betreffen den Praxisalltag direkt.
Chlamydien: Doxycyclin 100 Milligramm oral, zwei Dosen pro Tag, eine Woche, ist die empfohlene Erwachsenentherapie. Azithromycin 1 Gramm einmalig oder Levofloxacin 500 Milligramm über sieben Tage sind Alternativen. Ein randomisierter Vergleich bei rektaler Infektion von MSM zeigte mikrobiologische Heilung bei 100 Prozent unter Doxycyclin und 74 Prozent unter Azithromycin. Weil rektale Chlamydien bei Frauen mit genitalem Nachweis häufig sind und sich nicht aus der Sexualanamnese vorhersagen lassen, hat die Leitlinie Doxycyclin nach vorn gezogen. Sexpause gilt sieben Tage nach Einmaldosis oder bis zum Ende der Sieben-Tage-Kurve und bis Partner behandelt sind.
Gonorrhoe: Ceftriaxon 500 Milligramm intramuskulär einmalig, ab 150 Kilogramm Körpergewicht 1 Gramm. Ist eine Chlamydien-Infektion nicht ausgeschlossen, kommt eine Woche Doxycyclin 100 Milligramm im 12-Stunden-Abstand dazu. Die frühere Standardkombination aus 250 Milligramm Ceftriaxon plus 1 Gramm Azithromycin entfiel 2020, weil Azithromycin-Resistenzen stiegen und das Doppelmittel die Flora unnötig belaste, während Ceftriaxon in üblicher Dosis noch wirkte. Fehlt Ceftriaxon, nennt die CDC unter anderem Cefixim 800 Milligramm oral als Ausweichweg, mit schwächerer Wirkung im Rachen.
Beckenentzündung: Zur Kombination aus Ceftriaxon und Doxycyclin tritt Metronidazol 500 Milligramm zweimal täglich, parenteral oder oral, damit Anaerobier im oberen Genitaltrakt miterfasst werden. Klinikaufnahme ist angezeigt bei Abszess, Schwangerschaft, Erbrechen, Temperatur über 38,5 Grad oder wenn Tabletten nicht gehalten werden können. Syphilis früh: Benzathin-Benzylpenicillin intramuskulär in der leitliniengerechten Dosis; in der Schwangerschaft gibt es keinen gleichwertigen Ersatz. Trichomoniasis bei Frauen: sieben Tage Metronidazol, nicht mehr die frühere Einmaldosis als Standard.
Nach der Therapie folgt Kontrolle des Befindens, nicht automatisch ein sofortiger Abstrich. Reinfektion durch den unbehandelten Partner ist der häufigste Grund für einen neuen positiven Test, nicht das Versagen der Tablette. Hausmittel, Spülungen und „zur Sicherheit“ aufbewahrte Restantibiotika ersetzen kein Schema. Wer Symptome nach korrekt eingenommener Gonorrhoe-Therapie behält, braucht Kultur und Resistenztest, bevor irgendwer die Dosis auf eigene Faust verdoppelt.
Wie lässt sich das Ansteckungsrisiko senken?
Konsequent genutzte Latex- oder Polyurethankondome, Impfungen gegen HPV und Hepatitis B sowie Tests vor einem neuen Partner senken das Risiko am greifbarsten; totale Sexpause verhindert die sexuelle Übertragung vollständig, ist aber für die meisten Menschen keine dauerhafte Lösung. Gleitmittel auf Ölbasis zerstören Latex. Sexspielzeug braucht eine Barriere oder gründliche Reinigung zwischen den Personen. Ein gegenseitig monogames Paar, das zuvor negativ getestet wurde, trägt ein deutlich niedrigeres Risiko als Serien von ungetesteten Kontakten.
Zwei biomedizinische Werkzeuge sind seit 2018 ins Zentrum gerückt. Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit täglich eingenommenen Kombinationspräparaten kann laut CDC, wiedergegeben von der Mayo Clinic, das sexuelle HIV-Risiko bei korrekter Einnahme um etwa 99 Prozent und das Risiko über Injektionsnadeln um mehr als 74 Prozent senken. Vor dem Start und alle drei Monate ist ein HIV-Test nötig; die Nierenwerte werden überwacht. PrEP schützt nicht vor Chlamydien, Gonorrhoe oder Syphilis.
DoxyPEP ist die erste neue medikamentöse Strategie gegen bakterielle STI seit Jahrzehnten. Die CDC empfiehlt seit 2024, schwulen und bisexuellen Männern sowie trans Frauen mit mindestens einer bakteriellen STI in den vergangenen zwölf Monaten die Option zu beraten. Die Dosis beträgt 200 Milligramm Doxycyclin so früh wie möglich, innerhalb von 72 Stunden nach oralem, vaginalem oder analem Sex, höchstens 200 Milligramm in 24 Stunden. Drei große randomisierte Studien senkten Syphilis und Chlamydien um mehr als 70 Prozent und Gonokokken-Infektionen um etwa 50 Prozent. Für cis Frauen reicht die Evidenz nicht für eine allgemeine Empfehlung; eine Studie in Kenia zeigte keinen Nutzen bei niedriger Einnahmetreue. Offen bleiben Langzeitresistenz und Einfluss auf die Darm- und Hautflora. Wer DoxyPEP nutzt, soll alle drei bis sechs Monate an den Expositionsorten getestet werden.
- Ein neues Kondom pro Praktik und kein Öl auf Latex bleiben die Basis, auch wenn PrEP oder DoxyPEP dazukommen.
- HPV- und Hepatitis-B-Impfung wirken, bevor der erste Kontakt stattfindet, nicht als Therapie einer bestehenden Infektion.
- Alkohol in Mengen, die die Verhandlung über Kondome kippen, erhöht das Risiko stärker als mancher einzelne Partnerwechsel.
- Offene Absprache vor dem ersten Sex über Tests und Grenzen verhindert mehr Infektionen als nachträgliche Vorwürfe.
Männliche Beschneidung kann laut Mayo Clinic das Risiko, sich bei einer Frau mit HIV anzustecken, um bis zu 60 Prozent senken und möglicherweise HPV und Herpes etwas seltener machen. Sie ersetzt weder Kondom noch Test. Impfstoffkandidaten gegen Gonorrhoe, Herpes, Chlamydien und Syphilis stecken noch in frühen Phasen; ein Meningokokken-B-Impfstoff wird auf Kreuzschutz gegen Gonokokken geprüft, ist aber kein zugelassener STI-Schutz.
Häufige Fragen
Kann ich eine Geschlechtskrankheit haben, obwohl ich mich gesund fühle?
Ja. Die WHO schreibt, der Großteil der täglich mehr als einer Million heilbaren Neuinfektionen verlaufe ohne Symptome. Besonders Chlamydien, Gonorrhoe bei Frauen, HPV und viele Herpes- sowie HIV-Infektionen bleiben stumm, während die Weitergabe und Folgeschäden weiterlaufen. Ein Test nach Risiko ersetzt das Warten auf Brennen oder Ausfluss.
Schützen Pille, Spirale oder Vasektomie vor Ansteckung?
Nein. Hormonelle Verhütung, Kupferkette und Sterilisation verhindern eine Schwangerschaft, nicht den Austausch von Schleimhaut, Samen oder Blut. Nur Barrieren aus Latex oder Polyurethan senken das STI-Risiko nennenswert, und auch sie versagen bei Geschwüren neben der bedeckten Fläche. Wer verhüten und sich vor Infektionen schützen will, kombiniert beide Ebenen.
Wann darf ich nach einer Behandlung wieder Sex haben?
Nach Chlamydien-Therapie gilt Sexpause für sieben Tage nach der Einmaldosis oder bis die Sieben-Tage-Doxycyclin-Kurve beendet ist, plus Abklingen der Beschwerden. Partner müssen ebenfalls behandelt sein, sonst droht das Pingpong. Nach viralen Infektionen entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Virus, Schub und, bei HIV, nach der Viruslast; ein pauschales Datum gibt es dort nicht.
Muss mein Partner auch behandelt werden, wenn er keine Beschwerden hat?
In der Regel ja, wenn in den letzten 60 Tagen Sex stattfand. Unbehandelte Partner sind der Hauptgrund für den nächsten positiven Abstrich, nicht ein „schwaches“ Antibiotikum. Wo erlaubt, kann die Praxis bei Chlamydien und Gonorrhoe Medikamente für den Partner mitgeben. Syphilis, HIV und Hepatitis brauchen eigene Diagnostik, keine blinde Tablette aus der Resteschachtel.
Hilft die HPV-Impfung, wenn ich schon Sex hatte?
Sie kann vor Typen schützen, denen der Körper noch nicht begegnet ist, heilt aber keine bestehende Infektion. Bis 26 Jahren rät die CDC zum Nachholen, zwischen 27 und 45 Jahren zur individuellen Abwägung. Der größte Nutzen entsteht vor dem ersten Sex, der Nutzen danach ist kleiner, aber nicht null, wenn neue Partner geplant sind.
Was ist DoxyPEP und wer soll darüber sprechen?
DoxyPEP ist 200 Milligramm Doxycyclin innerhalb von 72 Stunden nach Sex, höchstens einmal in 24 Stunden, als Vorbeugung gegen Syphilis, Chlamydien und teilweise Gonorrhoe. Die CDC richtet die Beratung 2024 an schwule und bisexuelle Männer sowie an trans Frauen nach einer bakteriellen STI im vergangenen Jahr. Für andere Gruppen fehlt eine klare Nutzen-Schaden-Bilanz; das Mittel ersetzt weder Kondom noch regelmäßige Tests.

Fazit
Wer sexuell aktiv ist, trägt ein reales Risiko für stille Infektionen, nicht erst dann, wenn es brennt. Der nächste sinnvolle Schritt ist ein ehrliches Gespräch über Partner, Praktiken und letzte Tests, gefolgt von Abstrich und Blut nach Leitlinie: unter 25 Jahren bei Frauen auch ohne Zeichen, in der Schwangerschaft immer, nach einem neuen Kontakt zeitnah. Unterbauchschmerz, Fieber oder ein frisches Geschwür gehören in die Sprechstunde desselben Tages.
Die Therapie von 2018 ist an mehreren Stellen überholt. Chlamydien brauchen sieben Tage Doxycyclin statt der früheren Azithromycin-Routine, Gonorrhoe 500 Milligramm Ceftriaxon ohne Pflicht-Azithromycin, die Beckenentzündung zusätzlich Metronidazol, Trichomoniasis bei Frauen sieben Tage statt einer Einmaldosis. DoxyPEP und HIV-PrEP erweitern die Vorbeugung für klar umrissene Gruppen, Impfungen gegen HPV und Hepatitis B bleiben die einzigen echten Primärschutzspritzen.
Kein Schema löscht das Risiko auf null, und virale Erreger bleiben trotz guter Medikamente im Körper. Was sich steuern lässt, ist die Zeit bis zum Test, die Vollständigkeit der Partnerbehandlung und die Bereitschaft, Kondom, Impfung und bei Bedarf PrEP oder DoxyPEP zu kombinieren, statt auf das Ausbleiben von Beschwerden zu wetten.
Quellen
- WHO: Sexually transmitted infections (STIs). World Health Organization, Stand: 2025.
- WHO: New report flags major increase in sexually transmitted infections, amidst challenges in HIV and hepatitis. World Health Organization, 21. Mai 2024.
- CDC: STI Treatment Guidelines. Centers for Disease Control and Prevention, 13. Juni 2023.
- CDC: Chlamydial Infections. Centers for Disease Control and Prevention, Stand: 2021.
- CDC: Gonococcal Infections Among Adolescents and Adults. Centers for Disease Control and Prevention, Stand: 2021.
- CDC: Pelvic Inflammatory Disease (PID). Centers for Disease Control and Prevention, Stand: 2021.
- Bachmann LH, Barbee LA et al.: CDC Clinical Guidelines on the Use of Doxycycline Postexposure Prophylaxis for Bacterial Sexually Transmitted Infection Prevention, United States, 2024. MMWR Recommendations and Reports, 2024.
- CDC: Sexually Transmitted Infections Surveillance, 2024 (Provisional). Centers for Disease Control and Prevention, 24. September 2025.
- CDC: HPV Vaccine Recommendations. Centers for Disease Control and Prevention, 9. Juli 2024.
- USPSTF: Chlamydia and Gonorrhea: Screening. U.S. Preventive Services Task Force, 14. September 2021.
- Mayo Clinic Staff: Sexually transmitted diseases (STDs) – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 8. September 2023.
