PRP-Injektion: Wirkung, Evidenz und Risiken

PRP-Injektion: Wirkung, Evidenz und Risiken

Plättchenreiches Plasma ist eine Injektion aus dem eigenen Blut, in der Thrombozyten und ihre Wachstumsfaktoren künstlich angereichert werden. Ob das Kniearthrose, Sehnenbeschwerden oder erblichen Haarausfall zuverlässig bessert, bleibt nach den Leitlinien von 2019 bis 2024 offen; das American College of Rheumatology rät bei Knie- und Hüftarthrose sogar ausdrücklich ab.

Die Idee klingt einfach. Eine Vene wird punktiert, das Blut rotiert in einer Zentrifuge, der plättchenreiche Anteil wandert zurück in Gelenk, Sehne oder Kopfhaut. Die Cleveland Clinic (Stand Dezember 2024) spricht von der fünf- bis zehnfachen Plättchenzahl gegenüber Vollblut. Genau diese Verdichtung soll Heilung anstoßen, die von allein stockt. Der Haken sitzt in der Herstellung: Jede Praxis wählt andere Drehzahlen, Röhrchen und Leukozytenanteile. Deshalb lassen sich Studien schlecht vergleichen, und eine einheitliche Dosis existiert nicht.

Sicherheit ist das stärkere Argument als Nutzen. NICE fand 2019 keine größeren Sicherheitsprobleme am Knie, hielt die Wirksamkeit aber für zu schwach belegt, um die Spritze zur Routine zu machen. Wer Fieber, eine sich ausbreitende Rötung oder rasch zunehmende Schmerzen nach der Injektion bemerkt, braucht noch am selben Tag eine ärztliche Einschätzung. Vorher gehört die Diagnose geklärt. Arthrose, Tendinopathie und androgenetische Alopezie sind verschiedene Krankheiten, und PRP ersetzt weder Training, Gewichtsabnahme noch zugelassene Haartherapien.

Was ist PRP und wie wird es hergestellt?

PRP ist Plasma mit einer künstlich erhöhten Zahl eigener Blutplättchen. Es entsteht nicht in einer Fabrik, sondern am Behandlungstag aus einer Blutprobe der behandelten Person.

Blut besteht vor allem aus Flüssigkeit, dazu kommen rote und weiße Zellen sowie Thrombozyten. Die Plättchen sind für die Gerinnung bekannt, enthalten aber auch Hunderte von Eiweißen, die Wundheilung steuern. OrthoInfo der American Academy of Orthopaedic Surgeons (Aktualisierung Januar 2022) beschreibt denselben Konzentrationsrahmen wie die Cleveland Clinic: oft das Fünf- bis Zehnfache der üblichen Plättchenzahl. DermNet (Überarbeitung Juli 2023) nennt einen etwas engeren Korridor von etwa dem Dreifachen bis Achtfachen und erinnert daran, dass Vollblut nur rund sechs Prozent Plättchen enthält.

Die Herstellung folgt einem festen Dreischritt. Zuerst wird venöses Blut abgenommen, oft eine bis mehrere Röhrchen. Anschließend trennt eine Zentrifuge die Bestandteile nach Dichte: unten die schweren Erythrozyten, darüber die Schicht mit Plättchen, oben das zellarme Plasma. Der Arzt zieht den plättchenreichen Anteil auf und spritzt ihn in das Zielgewebe, manchmal unter Ultraschall. Manche Protokolle setzen Kalziumchlorid oder ein anderes Agens zu, damit die Plättchen ihre Inhaltsstoffe sofort freisetzen. Andere lassen die Aktivierung im Gewebe selbst geschehen.

Zwei Varianten tauchen in Studien immer wieder auf. Leukozytenarmes PRP enthält weniger weiße Blutkörperchen als das Ausgangsblut, leukozytenreiches mehr. OrthoInfo hält fest, dass der klinische Unterschied am Knie noch nicht entschieden ist. Genau diese Vielfalt erklärt, warum zwei Praxen „PRP“ anbieten und trotzdem verschiedene Flüssigkeiten injizieren.

Person, die eine Thrombozyten-reiche Plasmatherapie-Injektion in ihrem Knie erhält.

Wie soll die Spritze im Gewebe wirken?

Die Theorie lautet: Eine hohe lokale Dosis an Wachstumsfaktoren soll Reparaturzellen anlocken, Kollagenaufbau anregen und eine stockende Heilung neu starten. Ob das im kranken Gelenk oder in einer chronisch gereizten Sehne genauso läuft wie im Reagenzglas, ist nicht gesichert.

DermNet listet typische Plättcheninhalte: plättchenstämmiger Wachstumsfaktor, transformierender Wachstumsfaktor beta, VEGF für neue Kapillaren, epidermaler Wachstumsfaktor, Fibroblastenwachstumsfaktor-2 und insulinähnlicher Wachstumsfaktor, dazu Botenstoffe der Entzündung. Die Cleveland Clinic übersetzt das für Patientinnen und Patienten in vier vermutete Effekte. Kurzfristig kann eine Entzündung entstehen, die den Heilungsablauf anstößt. Kollagenproduktion und Zellteilung sollen zunehmen. Langfristig kann die Entzündung wieder sinken, was chronischen Schmerz lindern könnte.

Genau dieser Umweg über eine Anfangsentzündung erklärt, warum viele Ärztinnen und Ärzte NSAR vor der Sitzung pausieren. Die Cleveland Clinic nennt Blutverdünner und NSAR ausdrücklich als Medikamente, die vorher besprochen werden. Wer sie eigenmächtig absetzt, riskiert jedoch Blutungen oder eine Schmerzkrise; die Pause gehört in die Sprechstunde, nicht in den Hausgebrauch.

Ein zweiter Vorbehalt betrifft die Vorhersagbarkeit. Dieselbe Klinik schreibt, ein Teil der Behandelten spüre eine Besserung, ein anderer nicht, und niemand könne den Verlauf zuverlässig vorhersagen. Die Zusammensetzung schwankt mit Hämatokrit, Plättchenausgangswert, Zentrifugenprotokoll und der Frage, ob Leukozyten mitwandern. PRP ist deshalb kein standardisiertes Arzneimittel, sondern ein tagesfrisch hergestelltes Eigenprodukt.

Hilft PRP bei Kniearthrose wirklich?

Für die Kniearthrose liegen die schärfsten Leitlinien und die größte randomisierte Studie vor, und sie widersprechen einander teilweise. Eine Heilung des Knorpels ist nicht belegt.

Das American College of Rheumatology und die Arthritis Foundation haben 2019 ihre Empfehlungen gegenüber 2012 neu gefasst. In der Pressemitteilung vom 7. Januar 2020 steht PRP für Hüft- und Kniearthrose unter den Verfahren, von denen abgeraten wird, neben Stammzellspritzen und mehreren systemischen Immuntherapien. Die Autoren begründeten das mit fehlendem Nutzen, der die Anwendung rechtfertigen würde, und mit der fehlenden Standardisierung der Präparate. Die vollständige Leitlinie erschien 2020 in Arthritis Care & Research.

NICE zog 2019 eine andere, aber ebenfalls vorsichtige Linie. Die britische Behörde sah keine größeren Sicherheitsprobleme, hielt die Daten zur Wirksamkeit jedoch für qualitativ begrenzt. Deshalb soll die Injektion am Knie nur unter Sonderregelungen laufen: Information der Klinikleitung, verständliche Aufklärung inklusive Unsicherheiten, Dokumentation und Audit, weitere Forschung als randomisierte Studien mit mittelfristiger Nachbeobachtung.

Die bisher größte verblindete Vergleichsstudie spricht gegen einen klaren Vorteil. In der RESTORE-Studie von Bennell und Kollegen (JAMA, 23. November 2021) erhielten 288 Personen ab 50 Jahren mit symptomatischer medialer Kniearthrose Grad 2 oder 3 nach Kellgren und Lawrence drei wöchentliche Spritzen: entweder leukozytenarmes PRP aus einem Handelskit oder Kochsalz. Nach zwölf Monaten sank der mittlere Schmerz um 2,1 Punkte unter PRP und um 1,8 Punkte unter Kochsalz; der Unterschied von 0,4 Punkten war statistisch nicht bedeutsam. Das mediale Schienbeinknorpelvolumen nahm um 1,4 beziehungsweise 1,2 Prozent ab. Von 31 festgelegten Zweitendpunkten zeigten 29 keinen Gruppenunterschied. Die Autoren folgerten, die Daten stützten PRP bei dieser Kniearthrose nicht.

Klinikserien malen ein freundlicheres Bild. An der Mayo Clinic in Rochester behandelte das Team bis Anfang 2025 mehr als 1100 Patientinnen und Patienten mit PRP, ohne schwere unerwünschte Ereignisse in dieser Übersicht. Etwa 60 bis 70 Prozent erreichten dort eine mindestens 50-prozentige Besserung von Schmerz und Funktion für sechs bis zwölf Monate. Cortison wirkte in den zitierten Vergleichen oft besser in den ersten vier bis sechs Wochen, PRP eher nach drei bis sechs Monaten. Hyaluronsäure wurde in mehreren Metaanalysen, die Mayo 2025 referiert, von PRP überholt, mit typischer Wirkdauer von sechs bis zwölf Monaten. Das bleibt Beobachtung und zusammengefasste Fremdstudien, kein Ersatz für RESTORE.

Anwendung Leitlinie oder Studie Kernaussage
Knie- und Hüftarthrose ACR/Arthritis Foundation, 2019 Starke Empfehlung gegen PRP
Kniearthrose NICE, Januar 2019 Nur unter Sonderregelung, Audit oder Forschung
Kniearthrose Grad 2–3 RESTORE, JAMA 2021, 288 Personen Kein Vorteil gegen Kochsalz nach 12 Monaten
Leichte bis mittlere Kniearthrose OrthoInfo AAOS, 2022 Zunehmend Literatur für Symptomlinderung, bis 2 Jahre diskutiert
Tennisellenbogen OrthoInfo AAOS, 2022 Von den Sehnenindikationen am ehesten belegt

Wer eine Spritze erwägt, sollte diese Spannweite hören. Eine Klinik, die nur die 70-Prozent-Zahl nennt und RESTORE sowie ACR verschweigt, verkürzt den Sachstand.

Was bringt PRP bei Sehnen und Muskeln?

Bei chronischen Sehnenleiden und akuten Muskelfasern ist die Datenlage dünner als am Knie und stammt oft aus kleinen, methodisch schwachen Studien. Ein sicherer Vorsprung gegenüber Physiotherapie, Stoßwelle oder Abwarten ist nicht belegt.

Die Cochrane-Übersicht von Moraes und Kollegen (2014, Suche bis März 2013) wertete 19 meist kleine Einzelzentrumstudien mit 1088 Teilnehmenden aus. Enthalten waren Rotatorenmanschettennaht, Impingement-Operation, Tennisellenbogen, Kreuzbandplastik, Springerknie, Achillessehne und frische Achillessehnenruptur. Die Evidenz galt als sehr niedrig. Gepoolt fand sich ein kleiner kurzfristiger Schmerzvorteil von 0,95 Punkten auf einer 10-Punkte-Skala, ohne relevanten Funktionsgewinn nach drei, sechs oder zwölf Monaten. Unerwünschte Ereignisse lagen in beiden Armen niedrig und vergleichbar. Die Autoren hielten die Daten für unzureichend, um plättchenreiche Therapien bei Weichteilverletzungen zu empfehlen, und forderten einheitliche Herstellungsverfahren.

OrthoInfo sortiert die Indikationen grober, aber aktueller. Für den Tennisellenbogen gelten PRP-Spritzen als vergleichsweise gut untersucht. Bei Achillessehne und Patellasehne bleibt der Zusatznutzen gegenüber herkömmlicher Behandlung unsicher. An der Rotatorenmanschette und am vorderen Kreuzband zeigte die intraoperativ aufgelegte oder eingespritzte Fraktion bisher wenig oder keinen Vorteil. Für akute Bänder- und Muskelverletzungen, etwa Zerrungen, gibt es vor allem Fallberichte und Medienberichte über Profisport, keine belastbare Routineempfehlung.

Schmerz an der Einstichstelle kann in der ersten oder zweiten Woche zunehmen, bevor eine mögliche Besserung einsetzt. OrthoInfo beschreibt das ausdrücklich für die Achillessehne. Wer nach zehn Tagen eine zunehmende Rötung, Fieber oder eine steife, heiße Schwellung hat, hat kein „normales Anlaufen“, sondern ein Warnzeichen.

Kann PRP Haarwuchs anregen?

PRP kann die Haardichte bei androgenetischer Alopezie in manchen Studien erhöhen, besonders als Zusatz zu topischem Minoxidil. Die Qualität dieser Daten ist nach einer Metaanalyse von 2024 sehr niedrig, und eine Zulassung als Haararzneimittel fehlt.

Finasterid und Minoxidil bleiben die von der US-Arzneimittelbehörde anerkannten medikamentösen Stützen. PRP tritt daneben als Serie von Kopfhautinjektionen auf. Yao und Kollegen werteten in PLOS ONE (28. August 2024) fünf randomisierte Studien aus, die PRP plus Minoxidil 5 Prozent gegen Minoxidil allein prüften. Die Haardichte lag nach einem Monat im Mittel 11 Haare pro Quadratzentimeter höher, nach drei Monaten 22 und nach fünf bis sechs Monaten 18. Unerwünschte Ereignisse unterschieden sich nicht wesentlich. Drei der fünf Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko, die Präparate schwankten zwischen Ein- und Zweischritt-Zentrifuge, und die Evidenzsicherheit war niedrig bis sehr niedrig.

Die American Academy of Dermatology betont für die kosmetische Variante, dass große, arzneimitteltypische Studien fehlen, weil die Behörde PRP als Medizinprodukt (Nadeln plus Zentrifuge) einstuft, nicht als neues Medikament. Drei oder mehr Sitzungen sind üblich, wenn überhaupt ein Effekt sichtbar wird. Volle Veränderungen brauchen Wochen bis Monate. DermNet nennt männlichen erblichen Haarausfall als eine der dermatologischen Anwendungen, stützt sich dort aber vor allem auf Fallserien.

Vor der ersten Spritze in die Kopfhaut gehört die Diagnose zum Dermatologen. Ein diffuser Telogenausfall nach Krankheit, ein narbiges Leiden oder ein Eisenmangel brauchen andere Schritte. PRP ersetzt keine Ursachenabklärung und hält den hormonellen Antrieb der androgenetischen Alopezie nicht auf. Wer Minoxidil oder Finasterid bereits nutzt, sollte sie nicht ohne Rücksprache absetzen, nur weil eine Eigenblutspritze geplant ist.

Wofür sonst wird PRP angeboten?

Außerhalb von Knie und Kopfhaut wird PRP für Wunden, Narben, Gesichtshaut und Knochenbruchheilung beworben. Für die meisten dieser Felder fehlen große, gut verblindete Studien.

DermNet sammelt Anwendungen an venösen und arteriellen Beingeschwüren, diabetischen Fußulzera, Druckgeschwüren, Hautentnahmestellen, Verbrennungen ersten und zweiten Grades sowie an posttraumatischen Narben, oft kombiniert mit Fett oder Laser. Das sind überwiegend Fallserien. Ein immunologischer Vorteil ist plausibel, weil das Material vom selben Menschen stammt und keine fremden Erreger wie bei Spenderblut mitbringt, sofern Sterilität gehalten wird.

Knochenbrüche sind das deutlichste Gegenbeispiel zur Heilungsrhetorik. OrthoInfo schreibt, PRP sei dort nur sehr begrenzt geprüft worden und habe bisher keinen relevanten Nutzen gezeigt. Wer sich eine raschere Frakturheilung erhofft, sollte das so hören: Wunsch, nicht Beleg.

Im Gesicht kursiert die Spritze als „Vampir-Behandlung“. Die AAD hält fest, dass einzelne Patientinnen und Patienten weniger Falten oder schlaffere Partien berichten, das Verfahren das Gesicht aber nicht um Jahre zurückdrehen kann. Offene Fragen betreffen Dosis, Abstand, Injektionsorte, Geräte und Langzeitfolgen. Wer ein nachweislich wirksames Mittel gegen Falten sucht, findet bei Dermatologinnen und Dermatologen andere, besser geprüfte Optionen.

Plättchenreiche Plasmatherapie für plastische Chirurgie.

Wie läuft eine PRP-Behandlung ab?

Die Sitzung dauert für ein Gelenk oder eine Sehne meist rund eine Stunde und läuft ambulant. Kosmetische Varianten mit Microneedling können länger dauern.

Vorbereitung beginnt mit der Anamnese. Gerinnungsstörungen, aktive Infekte, Lebererkrankungen, Krebserkrankungen und alle gerinnungsaktiven Medikamente müssen auf den Tisch. Die Cleveland Clinic rät, die Vorgeschichte prüfen zu lassen, weil bestimmte Bluterkrankungen die Eignung infrage stellen. Am Behandlungstag wird Blut entnommen, zentrifugiert und gespritzt. Ein örtliches Betäubungsmittel kann vor oder mit der Injektion gegeben werden. Ultraschall hilft, den Spalt im Knie oder den Sehnenherd zu treffen.

Direkt danach sind Schwellung und Schmerz häufig. Die Cleveland Clinic erklärt das als Zeichen der angestoßenen Entzündung, oft ein bis zwei Tage. Erste Schmerzlinderung oder ein kosmetischer Eindruck können Wochen brauchen. Krankes Gewebe oder neuer Haarwuchs brauchen eher Monate. Manche Menschen brauchen mehr als eine Sitzung. Die Wirkung einer einzelnen Gelenkspritze kann nach derselben Quelle sechs Monate bis über ein Jahr anhalten, während die Beschwerden in dieser Zeit oft weiter sinken, sofern überhaupt ein Ansprechen eintritt.

Alltagstaugliche Regeln nach der Spritze sind einfach, aber nicht beliebig:

  • Die Einstichstelle bleibt am ersten Tag sauber und trocken, damit Keime nicht in die Tiefe rutschen.
  • Kühlen ist erlaubt, solange kein Eisbeutel direkt auf der Haut liegt und die Durchblutung erhalten bleibt.
  • Schmerzmittel ohne entzündungshemmende Wirkung können nach Absprache die ersten Nächte erleichtern.
  • Sport mit hoher Last auf dem behandelten Gelenk wartet, bis die Praxis den Zeitpunkt nennt.

Welche Risiken und Gegenanzeigen gelten?

Schwere allergische Reaktionen auf das eigene Plasma sind selten, weil kein Fremdeiweiß gespritzt wird. Infektion, Nervenreizung und eine überschießende Entzündung an der Einstichstelle bleiben möglich.

OrthoInfo stellt die Risiken in eine Reihe mit Cortison-Spritzen: mehr Schmerz am Ort der Nadel, Infektion, Gewebeschaden und Nervenverletzung in ähnlicher Häufigkeit. Die Cleveland Clinic nennt eine entfernte Gefahr der Verunreinigung, falls die Sterilität beim Aufbereiten reißt, und warnt, dass der Stich unangenehmer ausfallen kann als erwartet. DermNet ergänzt eine kurze Entzündung nach intradermaler Gabe und die Möglichkeit eines Nerventraumas.

Gegenanzeigen sind klarer als der Nutzen. DermNet listet kritische Thrombozytopenie, Hypofibrinogenämie, Kreislaufinstabilität, Sepsis, akute und chronische Infekte, chronische Leberkrankheit und laufende Antikoagulation (Warfarin, Dabigatran, Heparin). Die AAD rät bei Hepatitis C, HIV oder AIDS, Blutkrebs, behandlungsbedürftiger Herz-Kreislauf-Krankheit mit Blutverdünner und bei Hautkrebs im geplanten Areal von der kosmetischen Variante ab, weil die Plättchen dann nicht zuverlässig leisten, was man von ihnen erwartet.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder fehlen in den großen Arthrose- und Haarstudien als eigene Sicherheitskohorten. Deshalb ist PRP dort keine Standardoption. Wer immunsuppressiv behandelt wird oder Keloidneigung hat, braucht eine individuelle Risikoabwägung, keine Katalogzusage.

Was kostet PRP und zahlt die Krankenkasse?

PRP ist in den meisten Gesundheitssystemen keine Regelversorgung für Arthrose oder Haarausfall, weil der Nutzen unsicher bleibt. Die Rechnung landet häufig bei der behandelten Person.

Die AAD nennt für die USA 250 bis 1500 US-Dollar je Sitzung; drei Termine sind üblich, wenn überhaupt ein Effekt eintreten soll. OrthoInfo schreibt, dass nur wenige Versicherungen, einschließlich mancher Unfallkassen, auch nur anteilig erstatten. NICE verlangt im britischen öffentlichen Dienst Sonderregelungen statt eines freien Angebots. Für Deutschland gilt: Ob gesetzliche oder private Kasse zahlt, steht im Vertrag und in der medizinischen Begründung, nicht in der Werbung der Praxis. Eine pauschale Zusage „wird übernommen“ ohne schriftliche Klärung ist unzuverlässig.

Der Preis schwankt mit Ort, Gerät, Ultraschall und Arztzeit, nicht mit einer amtlichen Packungsgröße. Weil das Material am selben Tag aus dem eigenen Blut entsteht, gibt es kein Massenprodukt und keinen Festpreis wie bei einer Tablette. Chronische Leiden können Wiederholungen nach Monaten bedeuten. Dann addieren sich die Sitzungen, während Cortison oder Hyaluronsäure in manchen Systemen erstattet werden.

Vor der ersten Überweisung lohnt ein Anruf bei der Kasse und die Frage, welche Diagnosen und welche Codes überhaupt geprüft werden. Parallel sollte die Praxis schriftlich nennen, wie viele Spritzen sie plant, welches Zentrifugenprotokoll sie nutzt und was bei ausbleibendem Effekt gilt. Wer diese drei Punkte nicht bekommt, kauft eine unklare Leistung.

Wann zum Arzt nach einer PRP-Spritze?

Fieber, eine sich ausbreitende Rötung, eitriges Sekret oder Schmerzen, die nach zwei Tagen deutlich zunehmen statt nachlassen, gehören noch am selben Tag in die Praxis oder die Notaufnahme. Das gilt auch, wenn PRP als „körpereigen und ungefährlich“ verkauft wurde.

Gelenkinfekte nach Injektionen sind selten, aber zeitkritisch. Ein heißes, hochschmerzhaftes Knie, das nicht mehr belastet werden kann, ist kein erwarteter Heilungsreiz. Dasselbe gilt für zunehmende Kopfhautschwellung mit Fieber nach Haar-PRP oder für Taubheit und Lähmung im Versorgungsgebiet eines Nervs. OrthoInfo und Cleveland Clinic stufen Infektion und Gewebeschaden als möglich ein; die Seltenheit entbindet nicht von der Kontrolle.

Vor der ersten Spritze, nicht danach, sollte die Grunderkrankung stehen. Bei Kniearthrose bleiben Bewegung, Gewichtsabnahme bei Übergewicht, topische oder orale NSAR und bei Bedarf eine Cortison-Injektion die von ACR 2019 stark empfohlenen Bausteine. PRP kommt, wenn überhaupt, erst nach diesem Gerüst und nach einem Gespräch, das RESTORE, NICE und ACR beim Namen nennt. Bei Haarausfall gehört zuerst die Diagnose androgenetische Alopezie auf den Tisch, plus die zugelassenen Mittel, bevor eine Serie teurer Injektionen startet.

Wer Blutverdünner nimmt, eine aktive Infektion hat oder kürzlich eine andere Spritze ins selbe Gelenk bekommen hat, sagt das vor der Terminvergabe. Die Pause zwischen einer Cortison-Injektion und PRP legt die behandelnde Praxis fest; pauschale Internetfristen ohne Quelle sind ungeeignet.

Häufige Fragen

Ist PRP dasselbe wie eine Eigenbluttherapie?

Ja, im Kern handelt es sich um aufbereitetes Eigenblut, genauer um den plättchenreichen Plasmaanteil. Der Unterschied zu älterem „Eigenblut“ ohne Zentrifuge liegt in der angestrebten Plättchenkonzentration, oft dem Drei- bis Zehnfachen des Ausgangswerts. Ohne Angabe von Plättchenzahl und Leukozytenanteil bleibt der Begriff leer.

Wie viele Spritzen sind üblich?

Eine feste Dosis gibt es nicht. RESTORE prüfte drei wöchentliche Knieinjektionen, Haarstudien oft drei bis sechs monatliche Sitzungen plus Minoxidil. Die Cleveland Clinic schreibt, manche Menschen brauchen mehr als eine Behandlung, und der Effekt einer Gelenkspritze kann sechs bis zwölf Monate anhalten.

Darf ich nach der Spritze sofort Sport machen?

Meist nicht in voller Intensität. Schwellung und Schmerz in den ersten ein bis zwei Tagen sind häufig und markieren die angestoßene Entzündung. Die Praxis legt fest, wann Laufbelastung, Krafttraining oder Wettkampf wieder sinnvoll sind; pauschal „sofort alles“ widerspricht dem Ablauf, den Cleveland Clinic und OrthoInfo beschreiben.

Ist PRP bei Arthrose besser als Cortison?

Nicht in den ersten Wochen. Mayo Clinic (Februar 2025) berichtet, Cortison wirke oft rascher in Woche vier bis sechs, PRP eher nach drei bis sechs Monaten, sofern es überhaupt anschlägt. ACR 2019 empfiehlt intraartikuläres Cortison am Knie stark, PRP dagegen nicht. RESTORE fand gegen Kochsalz keinen Vorteil.

Hilft PRP, Knochen schneller heilen zu lassen?

Nach dem aktuellen Stand von OrthoInfo nicht in einem Maße, das die Anwendung rechtfertigt. Die Daten sind spärlich und ohne relevanten Nutzen. Wer eine Fraktur hat, braucht Ruhigstellung, Belastung nach Plan und die Kontrolle der Heilung im Röntgen, keine Eigenblutspritze als Ersatz.

Kann PRP Krebs auslösen?

Ein mutagener Effekt ist nach DermNet nicht beschrieben, weil die Wachstumsfaktoren über Signalwege wirken und nicht in den Zellkern eindringen. Trotzdem rät die AAD bei Blutkrebs und bei Hautkrebs im Behandlungsfeld von der Anwendung ab. Wer eine aktive Tumorerkrankung hat, bespricht jede regenerative Spritze mit Onkologie und der behandelnden Fachrichtung.

Für wen kommt PRP nicht infrage?

Für Menschen mit kritischem Plättchenmangel, Sepsis, floridem Infekt am Zielort, schwerer Leberkrankheit oder laufender Antikoagulation nach DermNet. Dazu kommen nach AAD Hepatitis C, HIV, Blutkrebs und behandelte Herz-Kreislauf-Krankheit mit Blutverdünner. Auch ohne diese Liste bleibt PRP ungeeignet, wenn die Diagnose unklar ist oder bewährte Maßnahmen nie versucht wurden.

Person mit Knieverletzung, die Physiotherapie hat

Fazit

PRP ist eine tagesfrisch hergestellte Eigenblutspritze mit verdichteten Thrombozyten, kein zugelassenes Wundermittel gegen Arthrose oder Haarausfall. Seit 2018 hat sich der Ton der großen Fachgesellschaften verschärft: ACR rät bei Knie- und Hüftarthrose ab, NICE erlaubt die Kniespritze nur unter Auflagen, und die RESTORE-Studie 2021 fand gegen Kochsalz keinen Unterschied bei Schmerz und Knorpel. Klinikserien und günstigere Metaanalysen existieren weiter; sie heben die Unsicherheit nicht auf.

Wer trotzdem darüber nachdenkt, holt zuerst eine belastbare Diagnose ein und nutzt die Maßnahmen, die Leitlinien klar empfehlen. Bewegung, Gewicht, Schmerzmittel und bei Bedarf Cortison am Knie; bei Haarausfall Minoxidil oder Finasterid nach ärztlicher Prüfung. Eine PRP-Serie verdient nur dann Geld und Zeit, wenn Nutzen, fehlende Standardisierung, Kosten und die Seltenheit, aber Ernsthaftigkeit einer Infektion offen besprochen sind.

Nach der Spritze zählen zwei Tage Beobachtung. Nachlassender Druck und eine ruhige Einstichstelle passen zum erwarteten Reiz. Fieber, wandernde Rötung oder ein Gelenk, das sich heiß und steif anfühlt, gehören noch am selben Tag zum Arzt, nicht in die nächste Werbebroschüre.

Quellen

  1. Cleveland Clinic: Platelet-Rich Plasma (PRP Injection): What It Is & Uses. Cleveland Clinic, Stand: 22. Dezember 2024.
  2. Moraes VY, Lenza M et al.: Platelet-rich therapies for musculoskeletal soft tissue injuries. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2014.
  3. NICE: Platelet-rich plasma injections for knee osteoarthritis. National Institute for Health and Care Excellence, 23. Januar 2019.
  4. American Academy of Orthopaedic Surgeons: Platelet-Rich Plasma (PRP). OrthoInfo, Stand: Januar 2022.
  5. American College of Rheumatology: American College of Rheumatology / Arthritis Foundation Release Updated Treatment Guideline for Osteoarthritis. American College of Rheumatology, 7. Januar 2020.
  6. Bennell KL, Paterson KL et al.: Effect of Intra-articular Platelet-Rich Plasma vs Placebo Injection on Pain and Medial Tibial Cartilage Volume in Patients With Knee Osteoarthritis: The RESTORE Randomized Clinical Trial. JAMA, 23. November 2021.
  7. Mayo Clinic: Analyzing the performance of platelet-rich plasma and bone marrow aspirate concentrate injections for the treatment of knee osteoarthritis. Mayo Clinic, 6. Februar 2025.
  8. American Academy of Dermatology: Is platelet-rich plasma the secret to younger-looking skin?. American Academy of Dermatology Association, Stand: 2018.
  9. Ranaweera A, Elghblawi E: Platelet-rich plasma. DermNet, Stand: 4. Juli 2023.
  10. Yao J, Zhu L et al.: The additive value of platelet-rich plasma to topical Minoxidil in the treatment of androgenetic alopecia: A systematic review and meta-analysis. PLOS ONE, 28. August 2024.
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