Typhus: Symptome, Resistenz und Impfung vor der Reise

Typhus: Symptome, Resistenz und Impfung vor der Reise

Typhus ist eine systemische Infektion durch das Bakterium Salmonella enterica Serovar Typhi. Sie beginnt oft schleichend mit steigendem Fieber, Kopfschmerz und Bauchbeschwerden und kann ohne passende Antibiotika Darmblutung, Perforation oder Organversagen nach sich ziehen.

In Deutschland und anderen Ländern mit sauberem Trinkwasser ist die Krankheit selten; die meisten Fälle entstehen nach Aufenthalten in Süd- und Südostasien, Teilen Afrikas oder Lateinamerikas. Ältere Ratgeber nannten Ciprofloxacin als Standard für nicht schwangere Erwachsene. Seit dem Ausbruch extrem resistentlichen Typhus in Pakistan (2016, erste US-Fälle 2018) richtet die US-Seuchenbehörde CDC die erste Medikamentenwahl nach dem Reiseweg und rät bei Verdacht auf solche Stämme zu Azithromycin oder einem Carbapenem, nicht mehr zu Fluorchinolonen aus dem Bauchgefühl. Eine Impfung senkt das Risiko, ersetzt aber weder Hygiene noch den Arztbesuch, wenn nach der Rückkehr Fieber auftritt.

Was Typhus ist und wie er sich von Fleckfieber unterscheidet

Im Deutschen meint „Typhus“ die Salmonella-Typhi-Erkrankung, international typhoid fever oder enterisches Fieber. Fleckfieber entsteht durch Rickettsien und Läuse oder Flöhe; der ähnliche Name führt regelmäßig in die Irre, die Erreger und Übertragungswege sind aber verschieden. Paratyphus durch Salmonella Paratyphi A, B oder C ähnelt dem Typhus klinisch, verläuft nach CDC-Angaben meist etwas milder.

Nur Menschen tragen Salmonella Typhi. Tiere sind kein Reservoir. Nach der Aufnahme über den Mund überwindet der Keim den Magen, durchquert die Dünndarmschleimhaut und vermehrt sich in Zellen des Immunsystems. StatPearls (Aktualisierung April 2024) beschreibt eine frühe, oft unbemerkte Streuung ins Blut und danach eine anhaltende Bakteriämie, sobald Fieber einsetzt. Weil ein großer Teil der Erreger innerhalb von Zellen lebt, greifen manche Antibiotika schlechter, als die Labortabelle vermuten lässt.

Die Last ist ungleich verteilt. Das WHO-Faktenblatt stützt sich auf Schätzungen um 2019: rund 9 Millionen Erkrankungen und etwa 110.000 Todesfälle pro Jahr. Die CDC-Übersicht vom April 2024 nennt 9,2 Millionen globale Erkrankungen sowie für die USA rund 5700 Krankheitsfälle und 620 Krankenhausaufnahmen jährlich, fast immer nach Auslandsaufenthalt. Das Positionspapier der WHO vom August 2026 zitiert neuere Global-Burden-Zahlen für 2023 mit etwa 6,2 Millionen Fällen und 72.000 Todesfällen; eine parallele FERG-Schätzung für 2021 liegt bei 7,2 Millionen Erkrankungen. Die Spanne erklärt sich durch Modelle und Meldelücken, nicht durch einen plötzlichen Einbruch der Krankheit. Frühere Texte mit über 20 Millionen Fällen pro Jahr gehören zu älteren Modellgenerationen.

Unbehandelt dauerte die Krankheit früher oft einen Monat; die Sterblichkeit lag in der Vor-Antibiotika-Ära über 10 Prozent, im MSD-Handbuch (Stand November 2024) bei etwa 10 bis 15 Prozent. Mit früh passender Therapie fällt sie nach CDC-Klinikleitlinie unter 1 Prozent. Kinder in Hochinzidenzgebieten tragen den größten Anteil der Erkrankungen.

[Typhusbakterien]

Wie die Ansteckung abläuft

Die Bakterien gelangen in den Mund, wenn Nahrung, Getränke oder Hände mit Stuhl Infizierter in Berührung kommen. Das kann ungeklärtes Leitungswasser sein, Eis aus solchem Wasser, roh gegessenes Blattgemüse oder Speisen, die ein Ausscheider ohne Händewaschen zubereitet hat. Die Mayo Clinic (Stand 24. Dezember 2025) nennt zusätzlich ungepasteurisierte Milch und Saft.

Wer die Krankheit durchmacht, scheidet den Erreger mit dem Stuhl aus, oft noch in der Rekonvaleszenz. Ein Teil der Genesenen bleibt Dauerausscheider, vor allem über die Gallenblase. Schon wenige Keime können bei Menschen mit wenig Magensäure, nach Säureblockern oder nach Breitbandantibiotika ausreichen; das MSD-Handbuch weist darauf hin, dass Magensäure und die normale Darmflora eine natürliche Schwelle bilden. Massenveranstaltungen in Endemiegebieten hat die CDC mit Ausbrüchen in Verbindung gebracht. Sexuelle Übertragung, vor allem zwischen Männern, kommt vor, bleibt aber selten.

In Ländern mit funktionierender Abwasser- und Trinkwasseraufbereitung bricht die Kette fast nur noch über Reiserückkehrer oder über Kontaktpersonen, die zu Hause mit einem Ausscheider leben. In der Yellow Book 2026 (Kapitelstand 23. April 2025) gehen etwa 85 Prozent der US-Typhusfälle und 80 Prozent der Paratyphusfälle auf internationale Reisen zurück; mehr als 70 Prozent dieser Reiseinfektionen hängen mit Südasien zusammen, vor allem Bangladesch, Indien und Pakistan. Wer Verwandte besucht, isst häufiger Hausmannskost und sucht seltener vorher die Reisemedizin auf. Infektionen nach Aufenthalten unter einer Woche in Hochinzidenzländern sind dokumentiert.

Fliegen können Keime vom Kot auf Lebensmittel tragen, sind aber kein eigener Erregerwirt. Oberflächen, auf denen Stuhlreste haften, reichen theoretisch; der Alltagsweg bleibt verunreinigtes Essen und Trinken. Laborpersonal, das mit Salmonella Typhi arbeitet, gehört nach Mayo zu den wenigen Berufsgruppen mit Risiko ohne Reise.

Welche Symptome typisch sind

Fieber ist das Leitzeichen. Es steigt über mehrere Tage, oft morgens niedriger und nachmittags oder abends höher, und kann 39 bis 40 °C erreichen. Die Inkubationszeit für Typhus liegt laut Yellow Book meist zwischen 6 und 30 Tagen; Paratyphus kann kürzer sein, typisch 1 bis 10 Tage. Die Mayo Clinic beschreibt denselben schleichenden Beginn ein bis drei Wochen nach dem Kontakt.

Kopfschmerz, Appetitlosigkeit und ein allgemeines Krankheitsgefühl gehören fast immer dazu. Bauchschmerz, Verstopfung oder Durchfall, trockener Husten, Muskelschmerz und Halsschmerz kommen häufig vor. Kinder haben öfter Durchfall und Erbrechen als Erwachsene. Manche Patientinnen und Patienten entwickeln blasse, rosa Flecken am Stamm, die Rosenflecken; auf dunkler Haut sind sie leicht zu übersehen. Das MSD-Handbuch nennt zusätzlich eine relative Bradykardie trotz hohem Fieber, Milzvergrößerung und eine oft eher niedrige Leukozytenzahl, die gegen eine banale bakterielle Mandelentzündung spricht.

Ohne Therapie kann das Fieber Wochen anhalten. In der zweiten und dritten Woche treten die gefährlichen Darmkomplikationen auf. Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit oder Koma markieren eine schwere Verlaufsform. Nasenbluten, Gelbsucht durch Mitbeteiligung der Leber oder der Gallenblase und eine Lungenentzündung sind seltener, aber beschrieben. Die Cleveland Clinic (Stand 6. April 2026) listet außerdem Knochenentzündung, Herzmuskelentzündung und Nierenversagen, wenn die Bakteriämie Organe erreicht.

Malaria, Dengue, Influenza und andere Reiseinfekte sehen in der ersten Woche ähnlich aus. Wer nach Tropenaufenthalt Fieber hat und auf Malariamittel nicht anspricht, soll Typhus mitdenken, schreibt die CDC. Der Widal-Antikörpertest aus älteren Lehrbüchern trennt diese Differenzialdiagnose nicht zuverlässig.

Wann zum Arzt oder in die Notaufnahme

Fieber und starkes Krankheitsgefühl nach Aufenthalt in einem Risikogebiet gehören in die ärztliche Abklärung, auch nach Impfung. Das NHS (Seitenstand 2. Juli 2025) rät, bei Unwohlsein nach Reise den 111-Dienst oder die Praxis zu rufen und den Reiseweg zu nennen; im Ausland soll die Hilfe vor Ort erfolgen, nicht erst nach der Landung. Wer bereits behandelt wurde und erneut Fieber, Bauchschmerz oder Durchfall bekommt, braucht dieselbe Schwelle, weil Rückfälle vorkommen.

In die Notaufnahme gehören plötzlich stärker werdende Bauchschmerzen, schwarzer oder dunkelroter Stuhl sowie Erbrechen von Blut oder kaffeesatzartigem Material. Die Cleveland Clinic ergänzt Verwirrtheit, Krampfanfälle und das Aushusten von Blut. Solche Zeichen können eine Darmblutung, eine Perforation oder eine Sepsis anzeigen. Hausmittel, Durchfalltabletten ohne Gespräch und das Abwarten, „bis das Reisefieber vorbei ist“, ersetzen die Diagnostik nicht.

Lage Typische Zeichen Nächster Schritt
Rückkehr aus Endemiegebiet, Fieber Fieber über mehrere Tage, Kopfschmerz, Schwäche Praxis oder Tropeninstitut, Reiseweg sofort nennen
Bereits behandelter Typhus Fieber oder Bauchschmerz kehren zurück Erneute Vorstellung, Resistenzlage prüfen
Alarmzeichen am Darm Zunehmender stechender Schmerz, teerstuhl, Bluterbrechen Notaufnahme, nicht selbst fahren
Schwere Allgemeinzeichen Verwirrtheit, Kreislaufversagen, Krampf Notfallmedizin, Intensivkapazität
Beruf mit Lebensmitteln oder Kindern Genesung, Stuhl noch nicht kontrolliert Gesundheitsamt, Freigabe erst nach Vorgaben

Säurehemmer, Immunsuppression, Schwangerschaft und sehr junges oder sehr hohes Alter machen schwere Verläufe wahrscheinlicher. StatPearls nennt zusätzlich Sichelzellanämie und Malaria als Faktoren, die das Phagozytosesystem belasten. Wer Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte und selbst Fieber entwickelt, soll das ebenfalls sagen; Haushaltsübertragungen ohne eigene Reise sind bei XDR-Stämmen in den USA belegt.

Wie die Diagnose gestellt wird

Die Verdachtsdiagnose stützt sich auf Klinik plus Reiseweg; bestätigt wird sie durch Kultur, nicht durch das Fiebermuster allein. Blutkulturen sind das Standardverfahren, weil die Erreger in der fieberhaften Phase im Blut zirkulieren. Eine einzelne Flasche fängt nach Yellow Book nur etwa die Hälfte der Fälle; mehrere Abnahmen und ausreichendes Blutvolumen erhöhen die Ausbeute. In Reisekliniken kann die Sensitivität über 90 Prozent liegen, in Endemiegebieten oft niedriger.

Knochenmarkkulturen erreichen in Studien rund 80 Prozent und bleiben auch nach begonnener Antibiotikagabe häufiger positiv. Der Eingriff ist invasiv und bleibt Sonderfällen vorbehalten, wenn Blut und Stuhl leer bleiben, der Verdacht aber hoch ist. Stuhlkulturen werden in der ersten Woche oft negativ und eignen sich später eher zum Nachweis der Ausscheidung. Urinkulturen sind unzuverlässig, außer bei Harnwegsbeteiligung.

Der Widal-Test misst Antikörper gegen O- und H-Antigene. Die CDC-Klinikleitlinie rät davon ab, weil falsch positive Ergebnisse häufig sind. Serologien unterscheiden frische Infektion, alte Durchseuchung und Impfantwort schlecht. Schnelltests aus Endemiegebieten haben nach Yellow Book unzureichende Sensitivität und Spezifität. Resistenztestung gehört zur Kultur dazu; ohne sie bleibt die Therapie ein Schuss ins Ungewisse.

Zusatzbefunde helfen bei der Schwere. Anämie, Thrombozytopenie, leicht erhöhte Leberwerte und eine relative Leukopenie passen zum Bild, ersetzen den Erregernachweis aber nicht. Bildgebung kommt ins Spiel, wenn Perforation oder Abszess drohen. In den USA ist Typhus meldepflichtig; eine heimische Infektion ohne Reise löst eine Umgebungsuntersuchung aus.

Welche Antibiotika heute noch wirken

Antibiotika verkürzen die Krankheit und senken Komplikationen und Sterblichkeit. Welches Präparat zuerst gewählt wird, hängt 2024/2026 vom Reiseweg und danach vom Resistenzbefund ab, nicht mehr von einer festen Weltrangliste. Ampicillin, Chloramphenicol und Trimethoprim-Sulfamethoxazol, lange die Klassiker, gelten nur noch bei nachgewiesener Empfindlichkeit. Multiresistente Stämme gegen alle drei gibt es seit Jahrzehnten, in Teilen Afrikas häufiger als in Südasien.

Fluorchinolone wie Ciprofloxacin gelten im MSD-Handbuch weiter als Option, wenn der Isolat empfindlich ist. Für die empirische Therapie in den USA lehnt die CDC sie ab, weil die allermeisten dort getesteten Typhus- und Paratyphusisolate gegenüber Fluorchinolonen nicht mehr voll empfindlich sind; über 85 Prozent dieser vermindert empfindlichen Infektionen hingen mit Südasien zusammen. Therapieversagen und verzögertes Entfiebern sind beschrieben. Der Nalidixinsäure-Suchtest als Surrogat für Ciprofloxacin ist überholt.

Extrem resistente Stämme (XDR) aus Sindh, Pakistan, seit 2016, tragen Resistenz gegen Ampicillin, Chloramphenicol, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Ciprofloxacin und Ceftriaxon. Übrig bleiben typischerweise Azithromycin und Carbapeneme. Für Patientinnen und Patienten mit Reise nach Pakistan oder Irak oder ohne Auslandsreise empfiehlt die CDC bei unkompliziertem Verlauf Azithromycin oral, bei kompliziertem Verlauf ein Carbapenem. Nach Reisen in die meisten anderen Länder bleiben Ceftriaxon und Azithromycin als Start vertretbar. Sobald das Antibiogramm da ist, wird umgestellt.

Das MSD-Handbuch nennt als Beispiel für Azithromycin 1 g am ersten Tag, danach 500 mg einmal täglich für sechs Tage, und für Ceftriaxon oft 14 Tage; das sind Fachbuchdosen, keine Selbstmedikation. Fieber kann nach Therapiebeginn noch drei bis fünf Tage stehen, soll aber Tag für Tag sinken. Bleibt es nach fünf Tagen hoch, sucht die Klinik nach einem anderen Fokus oder wechselt das Mittel. Kortikosteroide kommen im MSD-Handbuch bei Delir, Koma oder Schock zusätzlich infrage, nicht als Hausmittel.

[Typhus-Impfstoff]

Komplikationen, Rückfall und Dauerausscheider

Schwere Komplikationen treten nach Yellow Book bei 10 bis 15 Prozent der hospitalisierten Patienten auf, meist nach zwei bis drei Wochen Krankheit. Darmblutung und Perforation, vor allem im distalen Ileum, können eine Peritonitis auslösen. Das MSD-Handbuch schätzt schwere Blutungen auf etwa 2 Prozent, Perforationen auf 1 bis 2 Prozent; beides war vor der Antibiotikaära deutlich tödlicher. Chirurgie plus breite Antibiotika gegen Darmkeime sind dann nötig, nicht nur ein Wechsel der Typhus-Tablette.

Enzephalopathie, Myokarditis, Osteomyelitis, Meningitis und mykotische Aneurysmen sind seltener, aber lebensbedrohlich. Schwangerschaft kann nach Cleveland Clinic mit Fehlgeburt einhergehen. Unbehandelte Verläufe dauern etwa einen Monat; mit früher Therapie fühlen sich viele nach wenigen Tagen besser, die volle Erholung kann ein bis zwei Wochen brauchen. Das NHS erinnert daran, das Antibiotikum zu Ende zu nehmen, auch wenn die Temperatur fällt.

Ein Rückfall betrifft bis zu 10 Prozent, typisch ein bis drei Wochen nach klinischer Erholung, manchmal später. Die zweite Episode ist oft milder, braucht aber erneut eine gezielte Therapie. Etwa 1 bis 4 Prozent der Behandelten werden nach CDC-Definition chronische Ausscheider, wenn der Erreger mindestens zwölf Monate im Stuhl bleibt. Das MSD-Handbuch nennt rund 3 Prozent der Unbehandelten; viele Dauerausscheider sind ältere Frauen mit Gallensteinen. Ein Teil hatte nie eine klare akute Krankheit.

Träger brauchen eine längere, resistenzgerechte Antibiotikakur. Ciprofloxacin über vier bis sechs Wochen heilte in älteren Serien 80 bis 90 Prozent, ist aber bei heutiger Resistenz oft ungeeignet. Cholezystektomie plus Antibiotika kommt bei Gallenwegserkrankung vor, garantiert die Sanierung nicht. Wer Lebensmittel zubereitet, Kranke oder Kleinkinder betreut, bleibt nach NHS und Mayo so lange vom Dienst, bis Kontrollstühle nach Vorgabe des Gesundheitsamts negativ sind. Chronische Gallenwegsträger haben in einer Metaanalyse ein erhöhtes Risiko für Gallenwegskarzinome; das ändert die akute Therapie nicht, begründet aber die Sanierung.

Impfung vor der Reise

Eine Typhusimpfung ist für Reisende ab zwei Jahren in Gebiete mit anerkanntem Risiko sinnvoll, schützt aber nur unvollständig. Die in den USA und vielen europäischen Reiseambulanzen verfügbaren Präparate sind unkonjugierte Impfstoffe: eine intramuskuläre Vi-Polysaccharid-Spritze (zum Beispiel Typhim Vi) und der orale Lebendimpfstoff Ty21a (Vivotif). Beide decken nach Hersteller und CDC 50 bis 80 Prozent der Geimpften; eine große Keimzahl kann den Schutz durchbrechen. Gegen Paratyphus sind sie nicht zugelassen; begrenzte Daten deuten eine Teilwirkung von Ty21a gegen Paratyphi B an.

Die Vi-Spritze ist ab zwei Jahren zugelassen, eine Dosis 0,5 ml intramuskulär, mindestens zwei Wochen vor der möglichen Exposition, Auffrischung laut CDC alle zwei Jahre bei anhaltendem Risiko. Ty21a besteht aus vier magensaftresistenten Kapseln, jeden zweiten Tag eine, kühl gelagert, unzerkaut mit kühler Flüssigkeit etwa eine Stunde vor dem Essen. Die Serie soll mindestens eine Woche vor der Reise abgeschlossen sein; Auffrischung alle fünf Jahre. Das NHS nennt für Großbritannien oft eine dreijährige Frist. Welche Zahl gilt, entscheidet die lokale Zulassung und die Reiseberatung, nicht eine Internetliste.

Lebendimpfstoff Ty21a entfällt bei akuter fieberhafter Krankheit, akutem Darmleiden, Schwangerschaft und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem einschließlich HIV. Antibiotika sollen mehr als 72 Stunden Abstand vor und nach der letzten Kapsel halten, weil sie den Impfstamm hemmen. Die Totimpfung (Vi) ist für Immunsupprimierte die sicherere Variante; in der Schwangerschaft wägt die Ärztin Nutzen und Risiko ab, wenn die Exposition hoch ist. Häufige Impfreaktionen sind Kopfschmerz, Druck an der Einstichstelle, leichtes Fieber; nach den Kapseln Bauchbeschwerden, Übelkeit oder Durchfall. Schwere Reaktionen sind selten.

Konjugatimpfstoffe (TCV), bei denen das Vi-Antigen an ein Trägerprotein gekoppelt ist, wirken bei Säuglingen besser und länger. Die WHO hat sie seit 2017 vorqualifiziert und 2018 für Endemieländer empfohlen. Das Positionspapier vom August 2026 ersetzt die Fassung von 2018: TCV soll in Gebieten mit hoher oder sehr hoher Inzidenz oder starker Resistenz eingeführt werden, Erstimpfung meist mit 9 bis 24 Monaten; in sehr hoch belasteten Regionen kann eine Auffrischung um das fünfte Lebensjahr erwogen werden. In den USA sind TCV-Präparate nicht zugelassen. Für Mitteleuropäer bleibt die Reiseimpfung plus Hygiene der Alltagsschutz.

Schutz durch Essen, Trinken und Hände

Hygiene bleibt nötig, weil kein verfügbarer Reiseimpfstoff vollständig schützt und weil Paratyphus ohne Impfstoff auskommen muss. Die CDC-Präventionsseite (Stand 13. Juli 2026) fasst die Regel in einem Satz: kochen, schälen oder bleiben lassen. Flaschenwasser mit intaktem Siegel oder eine Minute sprudelnd gekochtes Wasser zum Trinken und Zähneputzen; Eis, Stieleis und Sirupeis nur, wenn das Wasser sicher war. Speisen heiß und dampfend essen, Blattgemüse und ungeschältes Obst meiden, Straßenstände nur wählen, wenn die Portion wirklich kocht.

Hände mit Seife nach Toilette und vor dem Essen; wenn Wasser fehlt, Desinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol. Pasteurierte Milch aus versiegelter Flasche statt offener Kannen. Rohes Fleisch, roher Fisch und unpasteurisierte Milchprodukte fallen flach. Salate, die andere gewaschen haben, bleiben riskant, weil Waschwasser den Keim nicht zuverlässig entfernt. Dieselben Regeln senken zusätzlich Reisedurchfall, Cholera und Hepatitis A.

Pakistan und Nachbarländer stehen wegen XDR-Typhus besonders im Blick. Alle Reisenden dorthin sollen sich impfen lassen und die Hygieneregeln einhalten, schreibt die CDC. Ein Termin in der Reisemedizin vier Wochen vorher (CDC) oder sechs bis acht Wochen (NHS) lässt Zeit für Impfserien und für andere Reiseimpfungen. Wer unterwegs Fieber bekommt, sucht Hilfe vor Ort und nennt das Reiseland; Azithromycin oder ein Carbapenem können dort die empirisch bessere Wahl sein als ein mitgebrachtes Ciprofloxacin.

Nach der eigenen Erkrankung gilt: Hände waschen, keine Speisen für andere zubereiten, Antibiotika zu Ende nehmen und Kontrolluntersuchungen wahrnehmen. Die Mayo Clinic betont das ausdrücklich für Küchen- und Pflegeberufe. Eine durchgemachte Infektion hinterlässt nur unvollständigen Schutz; kontrollierte Humanstudien in StatPearls zeigten nach erneutem Kontakt mit demselben Erreger lediglich eine Risikosenkung um etwa ein Drittel bis die Hälfte.

Paratyphus und besondere Situationen

Paratyphus entsteht durch Salmonella Paratyphi, vor allem Typ A. Symptome, Diagnostik und Resistenzprobleme ähneln dem Typhus so sehr, dass Klinik und Labor beides als enterisches Fieber behandeln. Die Sterblichkeit liegt nach Yellow Book grob bei der Hälfte der Typhuswerte. In Südasien stellt Paratyphus einen nennenswerten Anteil der enterischen Fieber; global schätzt die CDC rund 3,8 Millionen Paratyphus-Erkrankungen pro Jahr. Ohne eigenen Impfstoff zählt hier nur die Hygiene.

Kinder in Endemiegebieten erkranken häufiger und früher, wenn die Inzidenz sehr hoch ist; die Altersgipfel verschieben sich dann in das Kleinkindalter. Reisende Kinder ab zwei Jahren können die Vi-Spritze erhalten, den oralen Lebendimpfstoff erst ab sechs Jahren. Säuglinge unter dieser Schwelle bleiben auf Hygiene angewiesen. Durchfall und Erbrechen führen bei ihnen schneller zur Austrocknung; Flüssigkeit und Elektrolyte gehören zur Therapie, ersetzen Antibiotika aber nicht.

Laborarbeit mit dem Erreger, enger Kontakt zu einem bekannten Träger und Aufenthalte bei Verwandten in Hochinzidenzländern erhöhen das Risiko unabhängig von Hotelsternen. Klimawandel, Überschwemmungen und brüchige Wasserversorgung können nach StatPearls regionale Wellen verstärken. Für die einzelne Reisende bleibt die praktische Frage dieselbe: Impfen, heiß essen, Fieber nach Rückkehr ernst nehmen.

Azithromycinresistenz ist in mehreren Ländern Asiens bereits aufgetreten. Carbapeneme sind Reserve, keine Dauerlösung. Deshalb verschiebt die WHO den Schwerpunkt der Kontrolle auf TCV-Programme, sauberes Wasser und Sanitärversorgung. Einzelne westliche Patientinnen und Patienten ändern das nicht, aber sie treffen auf ein Erregerfeld, das sich seit 2018 deutlich verschoben hat.

Häufige Fragen

Ist Typhus dasselbe wie Fleckfieber?

Nein. Typhus im deutschen Sprachgebrauch ist die Salmonella-Typhi-Infektion über verunreinigtes Essen oder Wasser. Fleckfieber wird durch Rickettsien übertragen, klassisch über Kleiderläuse. Fieber und Hautzeichen können ähnlich wirken, Therapie und Vorbeugung unterscheiden sich.

Wie gefährlich ist Typhus heute noch?

Mit früh passenden Antibiotika liegt die Sterblichkeit nach CDC unter 1 Prozent. Unbehandelt oder zu spät behandelt bleiben Darmblutung, Perforation und schwere Allgemeininfektion real; historisch starben mehr als 10 Prozent. XDR-Stämme machen die Mittelwahl enger, nicht automatisch den Verlauf tödlich, wenn Azithromycin oder ein Carbapenem rechtzeitig greifen.

Schützt die Impfung vollständig vor Typhus?

Nein. Die Reiseimpfstoffe schützen nach CDC etwa 50 bis 80 Prozent der Geimpften und nicht vor Paratyphus. Eine große Keimzahl kann den Schutz überwinden. Heiß essen, sicheres Wasser und Händewaschen bleiben deshalb Teil des Plans, nicht ein Extra.

Kann ich andere anstecken, wenn das Fieber weg ist?

Ja, das ist möglich. Manche Genesene scheiden den Erreger Wochen oder, als Dauerausscheider, länger als ein Jahr mit dem Stuhl aus. Kontrolluntersuchungen und ein vorübergehendes Berufsverbot in Küche, Pflege oder Kita richten sich nach den Vorgaben des Gesundheitsamts, nicht nach dem subjektiven Wohlbefinden.

Warum verschreibt man Ciprofloxacin nicht mehr einfach so?

Weil die meisten in den USA getesteten Isolate gegenüber Fluorchinolonen nicht mehr voll empfindlich sind, vor allem nach Südasien-Reisen. XDR-Stämme aus Pakistan sind zusätzlich gegen Ceftriaxon resistent. Die CDC stellt die empirische Wahl deshalb auf Reiseweg und Antibiogramm um, nicht auf Gewohnheit.

Wann muss ich nach einer Pakistan-Reise besonders aufmerksam sein?

Bei jedem Fieber in den Wochen nach der Reise, auch nach Impfung. Dort zirkuliert der XDR-Stamm REPJPP01; die CDC zählte in den USA bis Ende 2025 192 laborbestätigte Infektionen dieses Typs, meist nach Pakistan-Aufenthalt, vereinzelt ohne eigene Auslandsreise. Die erste Therapie soll dort Azithromycin oder ein Carbapenem berücksichtigen, bis die Resistenz bekannt ist.

Fazit

Typhus bleibt eine Reise- und Armutskrankheit, keine historische Fußnote. Fieber, das nach Aufenthalt in Südasien, Teilen Afrikas oder Lateinamerikas über Tage steigt, gehört mit offenem Reiseweg in die Sprechstunde oder Tropenambulanz, nicht in die Hausapotheke. Blutkulturen vor der ersten Tablette sichern Erreger und Resistenz; der Widal-Test aus älteren Merkblättern taugt dafür nicht.

Die größte Änderung seit 2018 betrifft die Therapie und die Impfpolitik der WHO. Ciprofloxacin ist keine automatische Erstwahl mehr. Extrem resistente Stämme aus Pakistan und vereinzelte Übertragungen ohne Reise zwingen dazu, Azithromycin oder Carbapeneme früh zu denken. Gleichzeitig ersetzt das WHO-Papier vom August 2026 die TCV-Empfehlung von 2018 durch feinere Alters- und Auffrischungsregeln für Endemieländer. Für Reisende aus Mitteleuropa bleiben Vi-Spritze oder Ty21a-Kapseln plus Hygiene der verfügbare Schutz, mit ehrlicher 50-bis-80-Prozent-Wirkung.

Wer in den nächsten Monaten nach Indien, Pakistan, Bangladesch oder in andere Risikogebiete fährt, holt rechtzeitig einen Reisemedizin-Termin, schließt die Impfserie ab und plant Essen und Wasser so, als gäbe es die Impfung nicht. Wer bereits erkrankt war, beendet die Antibiotika, hält Kontrollstühle ein und bereitet keine Speisen für andere zu, bis die Freigabe da ist.

Quellen

  1. CDC: Typhoid and Paratyphoid Fever. CDC Yellow Book 2026, Centers for Disease Control and Prevention, 23. April 2025.
  2. CDC: Clinical Guidance for Typhoid Fever and Paratyphoid Fever. Centers for Disease Control and Prevention, 24. April 2024.
  3. CDC: About Typhoid Fever and Paratyphoid Fever. Centers for Disease Control and Prevention, 25. April 2024.
  4. CDC: Preventing Typhoid Fever and Paratyphoid Fever. Centers for Disease Control and Prevention, 13. Juli 2026.
  5. CDC: Emerging Strain of Salmonella Typhi (REPJPP01). Centers for Disease Control and Prevention, 10. Juni 2026.
  6. WHO: Typhoid fever fact sheet. World Health Organization, Stand: 2023.
  7. WHO: WHO position paper on typhoid vaccines, August 2026. Weekly Epidemiological Record, 14. August 2026.
  8. Mayo Clinic Staff: Typhoid fever – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 24. Dezember 2025.
  9. NHS: Typhoid fever – NHS. National Health Service, 2. Juli 2025.
  10. Bush LM, Vazquez-Pertejo MT: Typhoid Fever (Enteric Fever). MSD Manual Professional Edition, November 2024.
  11. Cleveland Clinic: Typhoid Fever: Causes, Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, 6. April 2026.
  12. Swinkels HM, Jenks JD, DeVos E: Typhoid Fever – StatPearls. StatPearls, NCBI Bookshelf, 19. April 2024.
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