
Lavendelöl kann leichte Angst und Unruhe mindern, vor allem als geprüftes orales Fertigpräparat; der Schlaf bessert sich dabei meist, weil die Angst nachlässt, nicht weil das Öl wie ein Schlafmittel dämpft. Das National Center for Complementary and Integrative Health hält den Nutzen für Angst für möglich, warnt aber vor kleinen Stichproben, fehlender unabhängiger Finanzierung und zu geringer Vielfalt der Teilnehmenden (Stand Februar 2025).
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) stammt aus dem Mittelmeerraum. Aus den Blütenständen wird durch Wasserdampfdestillation das ätherische Öl gewonnen, das Linalool und Linalylacetat als Leitstoffe enthält. In Lebensmitteln gelten die üblichen Würzmengen laut NCCIH als wahrscheinlich unbedenklich. Reines Öl zu schlucken ist etwas anderes: MedlinePlus beschreibt eine Vergiftung durch größere Mengen, und die Europäische Arzneimittelagentur beschränkt traditionelle Lavendelöl-Arzneien auf Menschen ab zwölf Jahren. Wer Angst, Schlaflosigkeit oder Hautleiden behandelt, sollte zugelassene Packungen, Tee und Kosmetiköl nicht in einen Topf werfen.
Was Lavendel leisten kann und wo die Belege enden
Am klarsten ist die Spur bei leichter bis mittelschwerer Angst und bei Unruhe mit ängstlicher Verstimmung; für Depression gibt es neuere, noch vorsichtig zu lesende Studien, für Haarausfall, Wunden und Pilze bleiben die Humanbelege dünn. Die HMPC der EMA stützt die traditionelle Anwendung gegen milde psychische Anspannung, Erschöpfung und Einschlafhilfe auf jahrzehntelangen Gebrauch, nicht auf eine gesicherte Wirksamkeitsprüfung (Zusammenfassung 2014).
In Deutschland ist ein standardisiertes Lavendelöl unter dem Wirkstoffnamen Silexan als Arzneimittel für Unruhe bei ängstlicher Stimmung zugelassen; die übliche Dosis in den Zulassungs- und Wirksamkeitsstudien lag bei einmal 80 Milligramm täglich über zehn Wochen. Das ist keine Freigabe für jedes Fläschchen aus dem Drogerieregal. In den USA prüft die Food and Drug Administration Nahrungsergänzungen vor dem Verkauf nicht wie Arzneimittel. NCCIH erinnert daran, dass Hersteller Sicherheit und Kennzeichnung selbst verantworten.
Viele ältere Listen schrieben dem Kraut Wirkung gegen Bluthochdruck, Übelkeit, Ekzem, Migräne, Ohrenentzündung, Koliken oder krebsbedingte Schmerzen zu. Dafür fehlt nach wie vor eine belastbare klinische Grundlage. Laborversuche, in denen Öl Pilzzellwände zerstört oder bei Ratten Wunden schneller schließt, ersetzen keine Prüfung am Menschen. Wer eine schwere Angststörung, eine behandlungsbedürftige Depression oder eine infizierte Wunde hat, braucht Diagnostik und zugelassene Therapie, nicht nur Duft.

Wie Lavendelöl auf Nerven und Hormone wirkt
Linalool und Linalylacetat können spannungsabhängige Kalziumkanäle hemmen und so die Freisetzung erregender Botenstoffe dämpfen; gleichzeitig gibt es Hinweise auf eine Anpassung serotonerger Rezeptoren, ohne dass Silexan wie ein klassisches Benzodiazepin am GABA-A-Rezeptor andockt. Diese Mechanismen erklären, warum geprüfte Kapseln Angst mindern können, ohne im Alltag typische Sedierung zu erzeugen.
Ältere Annahmen, Lavendel wirke „wie ein Beruhigungsmittel“ und müsse deshalb zwei Wochen vor jeder Operation wegbleiben, stammen aus der Vorstellung einer allgemeinen Dämpfung des Zentralnervensystems. NCCIH nennt 2025 weiter theoretische Wechselwirkungen mit sedierenden Arzneien und Kräutern, besonders vor geplanten Eingriffen. In den Silexan-Studien berichteten die Autorinnen und Autoren dagegen keine Sedierung, keine Entzugssymptome und keine Hinweise auf Abhängigkeit. Beide Aussagen können nebeneinander stehen: Das Fertigarzneimittel wurde pharmakologisch untersucht, frei verkäufliche Öle und Tees nicht.
Hormonelle Aktivität bleibt ein zweites, umstrittenes Kapitel. Das National Institute of Environmental Health Sciences fand in Zellversuchen östrogenähnliche und antiandrogene Effekte von Lavendelöl, Teebaumöl und mehreren Einzelsubstanzen. NCI-PDQ (Patientenfassung, September 2023) erwähnt dieselbe Spur. Ob die auf der Haut ankommende Menge ausreicht, Brustgewebe bei Kindern wachsen zu lassen, ist nicht geklärt. NCCIH schreibt ausdrücklich, die Ursächlichkeit der Fallberichte sei unklar, weil Brustschwellung viele Ursachen hat.
Wie gut hilft orales Lavendelöl bei Angst?
Silexan 80 Milligramm täglich senkte in einer Metaanalyse von fünf randomisierten, placebokontrollierten Studien mit 1213 Erwachsenen den Hamilton-Angstscore nach zehn Wochen im Mittel um 2,9 Punkte stärker als Scheinmittel. Die standardisierte Effektstärke lag bei 0,35, das Responderrisiko (mindestens 50 Prozent Score-Senkung) bei 1,34, die Number needed to treat bei 8. Eine Autorin war beim Hersteller beschäftigt; das hebt die Zahlen nicht auf, gehört aber in die Bewertung.
Die eingeschlossenen Diagnosen reichten von unterschwelliger Angst über gemischte Angst und Depression bis zur generalisierten Angststörung. Nutzen zeigte sich in Fremd- und Selbstbeurteilung sowie in den körperlichen und psychischen Summenscores des SF-36. Unerwünschte Ereignisse, schwere Ereignisse und Abbrüche wegen Unverträglichkeit unterschieden sich nicht signifikant vom Placeboarm. Häufigste Begleiterscheinung in diesem Forschungsstrang ist Aufstoßen, daneben leichte Magen-Darm-Beschwerden.
Einzelstudien verglichen 80 Milligramm mit 0,5 Milligramm Lorazepam und mit 20 Milligramm Paroxetin und fanden vergleichbare Angstsenkung. Das macht aus Lavendelöl keinen Ersatz für eine Leitlinientherapie bei schwerer generalisierter Angst. Mayo Clinic schreibt im März 2024, Hinweise auf weniger Angst durch orales Lavendelöl oder Aromatherapie existierten, die Evidenz bleibe begrenzt. NCCIH nennt dieselben Grenzen: kleine Gruppen, wenig unabhängige Prüfung, geringe ethnische Vielfalt.
Wirkung tritt nicht über Nacht ein. In den Silexan-Programmen lagen die Hauptmessungen bei zehn Wochen; erste Unterschiede wurden oft nach zwei bis vier Wochen sichtbar. Wer nach wenigen Tagen Duftkissen keine Ruhe findet, hat damit weder das Fertigpräparat widerlegt noch eine Panikstörung behandelt.
Bessert Lavendel den Schlaf oder nur die Unruhe?
Silexan verbessert den Schlaf vor allem, weil die Angst nachlässt; eine direkte Einschlafwirkung war in einer Mediationsanalyse verschwindend klein. Seifritz und Kollegen werteten 2022 das Hamilton-Item „Insomnie“ aus den placebokontrollierten Studien aus und schätzten, dass mehr als 98 Prozent des Schlafeffekts über die Angstlinderung liefen.
Das unterscheidet geprüftes orales Öl von der Volksidee, Lavendel sei ein pflanzliches Hypnotikum. Wer nachts wach liegt, ohne ängstlich zu sein – etwa wegen Schichtarbeit, Schmerz oder Restless-Legs –, kann von Duft oder Kapsel enttäuscht werden. Die HMPC nennt Einschlafhilfe als traditionelle Indikation, stützt das aber auf langen Gebrauch, nicht auf Schlaflaborstudien.
Aromatherapie-Arbeiten zu Krankenhausschlaf, Dialysenadeln oder Mandeloperationen bei Kindern sind klein und heterogen. Mayo Clinic (2019) nennt solche Signale, betont zugleich die schmale Datenlage und die fehlende Arzneimittelprüfung der Öle. Kopfschmerz und Husten nach Inhalation kommen vor. Ein angenehmer Geruch kann Erinnerungen an Ruhe wecken; das ist ein plausibler Placebo- und Konditionierungseffekt, kein Nachweis einer schlafanstoßenden Pharmakologie.
Chronische Insomnie mit Tagesmüdigkeit, Schnarchen mit Atempausen oder Einschlafattacken am Steuer gehören zum Arzt, nicht ins Duftlämpchen. Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie und, wenn nötig, zugelassene Schlafmittel bleiben die Leitlinienwege.
Was ist zu Depression und Stimmung bekannt?
Eine randomisierte Studie von 2024 (LEAD) mit 498 Erwachsenen fand Silexan 80 Milligramm über 56 Tage der Placebogruppe um 2,17 MADRS-Punkte überlegen; Sertralin 50 Milligramm lag bei 2,59 Punkten Unterschied. Die Funktionsfähigkeit nach Sheehan Disability Scale besserte sich unter Silexan um 2,40 Punkte gegenüber Scheinmittel. Aufstoßen war die häufigste Unverträglichkeit.
NCCIH wertet orale Kapseln oder Tee gegen depressive Symptome weiter als vorläufig und mahnt zur Vorsicht. Äußerliches Lavendelöl scheint nach derselben Übersicht Depression nicht zu beeinflussen. Mayo rät bei depressiver Erkrankung grundsätzlich zur ärztlichen Abklärung; pflanzliche Mittel ersetzen weder Gesprächspsychotherapie noch ein Antidepressivum, wenn die Erkrankung den Alltag bricht.
Mischbilder aus Angst und depressiver Verstimmung waren bereits in älteren Silexan-Studien enthalten. Ein Nutzen dort bedeutet nicht, dass jede schwere Episode mit Suizidgedanken pflanzlich behandelbar wäre. Solche Zeichen brauchen noch am selben Tag professionelle Hilfe, in Deutschland über den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder die örtliche psychiatrische Notaufnahme.
Wer bereits ein Antidepressivum nimmt, legt die Kapsel nicht still daneben. Die LEAD-Studie prüfte Silexan gegen Sertralin, nicht als heimliche Ergänzung einer laufenden Hochdosis.
Haut, Wunden, Pilze und Haarausfall: wo die Daten dünn bleiben
Ätherisches Lavendelöl zeigt im Labor antibakterielle und antimykotische Aktivität; daraus folgt keine empfohlene Selbstbehandlung von Nagelpilz, Scheidenpilz oder infizierten Wunden. Klinische Humanstudien zu chirurgischen Wunden sind klein, oft auf den Dammschnitt nach der Geburt begrenzt und methodisch uneinheitlich. Rattenversuche mit transkutaner Nervenstimulation und Öl ersetzen keine Wundversorgung nach Standard.
Die früher oft zitierte Zahl, Lavendel steigere das Haarwachstum bei Alopecia areata um 44 Prozent, stammte aus einer Mischung mehrerer Öle (unter anderem Thymian, Rosmarin, Zedernholz), nicht aus Lavendel allein. Neuere Kombi-Präparate mit Rosmarin ändern diesen Vorbehalt nicht. Wer kreisrunden Haarausfall hat, braucht eine dermatologische Diagnose; Autoimmunformen und narbige Alopezien folgen anderen Regeln.
Kontaktallergie und Hautreizung sind die alltäglichen Risiken der äußerlichen Anwendung. Unverdünntes Öl auf gereizte Haut, ins Auge oder in offene Wunden gehört nicht zur Hausapotheke. EMA rät von Vollbädern mit Lavendelöl ab, wenn offene Wunden, Hautkrankheiten, hohes Fieber, schwere Infekte oder schwere Herz-Kreislauf-Leiden vorliegen.
Prämenstruelle Stimmung, Hitzewallungen und Dysmenorrhö wurden in kleinen Aromatherapie-Studien untersucht. Signale existieren, die Gruppen sind klein, die Verblindung oft schwach. Das rechtfertigt einen vorsichtigen Versuch verdünnten Dufts, nicht das Absetzen einer ärztlich empfohlenen Hormon- oder Schmerztherapie.

Tee, Duft, Kapsel und Bad sind keine austauschbaren Formen
Küchenkraut und Tee liefern Aromastoffe in Lebensmittelmenge; ein Destillat ist hochkonzentriert; eine Weichkapsel mit 80 Milligramm Silexan ist ein dosiertes Arzneimittel. Wer „Lavendel hilft gegen Angst“ liest und dann zehn Tropfen Öl im Wasser trinkt, verwechselt diese drei Ebenen.
| Form | Was Studien oder Behörden dazu sagen | Praktische Grenze |
|---|---|---|
| Orale Weichkapsel Silexan 80 mg | Metaanalyse 2023: Angstscore −2,9 Punkte vs. Placebo nach 10 Wochen | Nur für Erwachsene geprüft; Aufstoßen häufig; kein Ersatz schwerer Angsttherapie |
| Traditionelles orales Lavendelöl / Bad (HMPC) | Tradition gegen milde Anspannung und als Einschlafhilfe | Erst ab 12 Jahren; Vollbad bei Fieber, Wunden, schwerer Herzkrankheit meiden |
| Aromatherapie (Einatmen) | Kleine Studien zu Angst vor Eingriffen und Schlaf im Krankenhaus | Evidenz gemischt; Kopfschmerz und Husten möglich; Öle ohne Arzneimittelzulassung |
| Tee oder Würzkraut | Lebensmittelmengen laut NCCIH wahrscheinlich unbedenklich | Keine geprüfte Angstdosis; ersetzt keine Kapselstudie |
| Unverdünntes Öl schlucken | MedlinePlus: größere Mengen können vergiften | Kein Hausmittel; bei Kindern schon kleine Schlucke problematisch |
| Hautpflege, verdünnt | Allergie und Reizung möglich; Hormonfallberichte bei Kindern | Nicht auf die Brust auftragen; vor Pubertät sparsam und ärztlich klären |
Für Aromatherapie beschreiben klinische Arbeiten einzelne Tropfen, verdünnt im Trägeröl, im Diffusor oder auf einem Tuch. Das sind Gebrauchsmuster, keine von der FDA festgelegte Dosis. Tee aus getrockneten Blüten bleibt Volkspraxis. Wer ein deutsches Fertigarzneimittel nimmt, folgt der Packungsbeilage, nicht dem Internetrezept.
Qualität schwankt. Kosmetiköle können verfälscht, gestreckt oder oxidiert sein. Ein Ph.-Eur.-konformes Arzneimittelöl ist chemisch enger definiert als ein Duftöl ohne Chargenanalytik. „Natürlich“ heißt nicht „geprüft“.
Welche Risiken gelten für Kinder, Haut und Hormone?
Reines Lavendelöl kann in größerer Menge vergiften; giftig sind vor allem Linalool und Linalylacetat. MedlinePlus (Stand 14. Oktober 2025) listet verschwommenes Sehen, Atemnot, Brennen im Hals, Augenverätzungen, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung, wässrig-blutige Durchfälle, Bauchschmerz, Erbrechen und Hautausschlag. Erwachsene vertragen Einatmen und kleine verschluckte Mengen meist ohne schwere Vergiftung; Kinder können schon auf geringe Schlucke reagieren.
Sofort Giftinformation oder den Rettungsdienst rufen, nicht zum Erbrechen zwingen, sofern die Beratungsstelle nichts anderes sagt. Bei erhaltenem Bewusstsein kann Wasser oder Milch gegeben werden, wenn Fachleute das anordnen; bei Krämpfen, Erbrechen oder getrübtem Bewusstsein nichts mehr einflößen. Das Fläschchen mitnehmen.
Fallberichte seit 2007 (Henley und Kollegen im New England Journal of Medicine) und 2019 (Ramsey und Kollegen) verknüpften wiederholte Hautanwendung lavendelhaltiger Pflege mit vorpubertärer Gynäkomastie bei Jungen und vorzeitiger Thelarche bei Mädchen; das Gewebe bildete sich nach dem Absetzen zurück. NIEHS bestätigt hormonelle Aktivität im Reagenzglas. NCCIH 2025 belässt die Kausalität offen. Mayo rät trotzdem: Kinder und Jugendliche sollen orales Lavendelöl nicht einnehmen, weil es Hormone stören kann.
Praktisch heißt das: Pflegeprodukte mit Lavendelöl bei Kleinkindern nicht großflächig und nicht auf die Brust geben, bei neu aufgetretenem Brustdrüsengewebe vor der Pubertät absetzen und pädiatrisch abklären. Aromatherapie allein war in den Fallserien nicht der Auslöser; NIEHS schreibt, die klinischen Fälle betrafen Hautkontakt.
Wechselwirkungen und wann ärztliche Hilfe nötig ist
NCCIH sieht theoretische Gründe für eine Verstärkung sedierender Arzneien und Kräuter; das gilt besonders vor Operationen. Wer Benzodiazepine, Z-Substanzen, starke Schmerzmittel, ältere Antihistaminika oder Alkohol regelmäßig nutzt, soll orales Lavendelöl nicht still dazulegen. Die Silexan-Übersicht von 2024 berichtet aus den Studienprogrammen keine pharmakokinetischen Interaktionen; das entbindet nicht von der Rücksprache, weil frei verkäufliche Öle nicht denselben Interaktionstest durchlaufen.
Ältere Monographien erwähnten zusätzlich Blutdrucksenker und gerinnungshemmende Mittel. Für ACE-Hemmer oder Sartane fehlt ein klarer klinischer Interaktionsbeleg; Blutdruckschwankungen nach Inhalation in kleinen Arbeiten gingen in beide Richtungen. Wer Antihypertensiva nimmt, misst den Druck weiter und informiert die Praxis, statt das Kraut als Blutdruckmittel zu führen.
Zum Arzt oder zur Ärztin gehört Lavendel in diesen Situationen:
- Angst oder Niedergeschlagenheit, die Arbeit, Schule oder Beziehungen über Wochen lähmen.
- Panikattacken mit Luftnot, Brustschmerz oder Todesangst, die neu oder häufiger auftreten.
- Suizidgedanken, Selbstverletzung oder plötzlicher Rückzug – noch am selben Tag professionelle Hilfe.
- Geplante Narkose oder großer Eingriff: Präparate vorher nennen, nicht zwei Wochen heimlich absetzen und schweigen.
- Brustdrüsenschwellung bei Kindern, neu aufgetretene Hautausschläge mit Schwellung oder pfeifende Atmung nach Duft.
Hausmittel ersetzen keine Diagnostik, wenn Fieber, eitrige Wunden, plötzliche neurologische Ausfälle oder eine bekannte Herzkrankheit dazukommen. Das Vollbadverbot der HMPC bei schweren Kreislaufleiden ist eine konkrete Stoppregel, kein allgemeines Badeverbot für Gesunde.
Schwangerschaft, Stillzeit und geplante Eingriffe
Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen belastbare Sicherheitsdaten; Mayo rät 2024 vom oralen Lavendelöl in beiden Phasen ab. Die HMPC-Tradition gilt nicht als Freigabe für das erste Schwangerschaftsdrittel. Silexan-Hersteller empfehlen die Kapsel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht.
LactMed (15. November 2024) findet keine spezifischen stillbezogenen Anwendungen und keine systematischen Daten zu Säuglingen. Bestandteile wie Linalool und 1,8-Cineol können in die Milch übergehen; in Ernährungsversuchen mit curryhaltigen Speisen waren die Milchspiegel niedrig und schwankten stark. Ein älterer Cineol-Versuch berichtete bei einzelnen Säuglingen Unruhe. Äußerliches Öl soll nicht auf die Brust, aus der das Kind trinkt.
Kurzes Einatmen während der Geburt wurde in kleinen Studien ohne gemeldete schwere Zwischenfälle genutzt. Mayo Health System rät Schwangeren, mit einem Tropfen zu beginnen, das Öl nicht zu schlucken und bei Übelkeit sofort wegzulegen. Schwangerschaft erhöht die Geruchsempfindlichkeit; zu viel Duft kann genau die Übelkeit auslösen, die jemand dämpfen wollte.
Vor Operationen gilt die NCCIH-Logik: sedierende Kombinationen sind theoretisch möglich, das Team muss von jedem Kraut wissen. Ein pauschales Absetzen aller Hautcremes mit Lavendelduft zwei Wochen vorher ist nicht durch Leitlinien belegt; verschwiegene orale Kapseln neben Narkosemitteln sind das größere Problem.
Häufige Fragen
Kann ich ätherisches Lavendelöl trinken, wenn ich Angst habe?
Nein. Geprüft ist ein dosiertes Fertigarzneimittel, nicht das Tropffläschchen. Größere Mengen reinen Öls können laut MedlinePlus vergiften. Wer orales Lavendelöl versuchen will, spricht mit Arzt oder Apotheke über ein zugelassenes Präparat und mögliche Wechselwirkungen.
Hilft ein Lavendelsäckchen genauso gut wie Silexan?
Nein. Duft kann subjektiv beruhigen, die Metaanalyse zur Angstsenkung um 2,9 Hamilton-Punkte betrifft 80-Milligramm-Kapseln über zehn Wochen. Ein Kissen ersetzt weder diese Dosis noch eine Psychotherapie.
Ist Lavendelöl für Kinder unbedenklich?
Nicht als orale Selbstmedikation. Mayo rät Kindern und Jugendlichen vom Einnehmen ab. Die HMPC nennt für traditionelle Arzneien ein Mindestalter von zwölf Jahren. Kleinkinder dürfen Öl nicht in Reichweite haben; schon kleine Schlucke können Reaktionen auslösen.
Bekommen Jungen durch Lavendel eine Brustvergrößerung?
Einzelne Fallberichte und Zellversuche legen einen Zusammenhang mit wiederholter Hautanwendung nahe; NCCIH hält die Ursache für unklar. Tritt Brustgewebe vor der Pubertät auf, gehören die Pflegeprodukte weg und das Kind zum Arzt oder zur Ärztin.
Darf ich Lavendelöl mit meinem Antidepressivum kombinieren?
Nur nach Rücksprache. Theoretisch kann sich Müdigkeit verstärken, und depressive Erkrankungen brauchen eine ärztliche Führung. Die LEAD-Studie prüfte Silexan gegen Sertralin, nicht als stilles Add-on zu einer laufenden Hochdosis.
Wann muss ich nach dem Verschlucken von Öl in die Klinik?
Bei Atemnot, Verwirrtheit, starkem Erbrechen, blutigen Durchfällen, Krämpfen oder Bewusstseinstrübung sofort den Rettungsdienst rufen. Auch ohne diese Zeichen die Giftinformation anrufen und die Menge nennen. Kinder nach jedem Verschlucken ärztlich vorstellen.
Fazit
Wer leichte Angst oder Unruhe lindern will, findet 2023 und 2024 die stärksten Daten bei einem standardisierten oralen Lavendelöl, nicht bei beliebigem Duftöl. Der Schlaf folgt oft der Angstlinderung; eine direkte Schlaftablette ist das Kraut nicht. Depression zeigt in einer größeren Studie von 2024 einen mittleren Vorteil gegenüber Placebo, bleibt aber eine ärztliche Diagnose.
Reines Öl gehört nicht in den Mund, nicht unverdünnt auf Kinderhaut und nicht auf die stillende Brust. Vergiftungszeichen, Brustschwellung vor der Pubertät, Panik, die den Alltag zerlegt, und jede geplante Narkose sind Gründe für Fachleute, nicht für eine höhere Tropfenzahl.
Morgen sinnvoller als ein neuer Onlinekauf: Angst und Schlaf über zwei Wochen notieren, die Hausarztpraxis oder Apotheke nach einem identifizierbaren Präparat fragen, alle anderen Psychopharmaka auf den Tisch legen und Kosmetiköle bei Kindern auf das Nötige streichen. Schwere Symptome warten nicht auf den nächsten Blütentee.
Quellen
- National Center for Complementary and Integrative Health: Lavender: Usefulness and Safety. National Center for Complementary and Integrative Health, Februar 2025.
- Mayo Clinic Staff: Herbal treatment for anxiety: Is it effective?. Mayo Clinic, 27. März 2024.
- European Medicines Agency: Lavandulae aetheroleum – herbal medicinal product. European Medicines Agency, Stand: 2014.
- MedlinePlus: Lavender oil: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus Medical Encyclopedia, 14. Oktober 2025.
- National Institute of Child Health and Human Development: Lavender – Drugs and Lactation Database (LactMed®). Drugs and Lactation Database (LactMed®), 15. November 2024.
- Dold M, Bartova L et al.: Efficacy of Silexan in patients with anxiety disorders: a meta-analysis of randomized, placebo-controlled trials. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 30. Januar 2023.
- Kasper S, Volz HP et al.: Lavender oil preparation Silexan is effective in mild-to-moderate major depression: a randomized, placebo- and reference-controlled trial. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 2024.
- Seifritz E, Kasper S et al.: Effect of anxiolytic drug silexan on sleep – a narrative review. World Journal of Biological Psychiatry, 19. Oktober 2022.
- National Institute of Environmental Health Sciences: Essential Oils | National Institute of Environmental Health Sciences. National Institute of Environmental Health Sciences, 19. März 2026.
- PDQ Integrative, Alternative, and Complementary Therapies Editorial Board: Aromatherapy With Essential Oils (PDQ®) – Patient Version. National Cancer Institute, 11. September 2023.
