Thymian bei Husten: Nutzen, Dosis und Grenzen

Thymian bei Husten: Nutzen, Dosis und Grenzen

Thymian kann einen produktiven Husten bei Erkältung etwas erleichtern, heilt die Infektion aber nicht. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur stuft getrocknetes Kraut von Thymus vulgaris und Thymus zygis nur als traditionelles Mittel ein, weil belastbare Studien zum Kraut allein fehlen.

NICE nennt in der Leitlinie NG120 von 2019 Honig (ab einem Jahr), Pelargonium (ab 12 Jahren) und Guaifenesin als Selbstsorge mit begrenztem Beleg. Thymian steht in dieser Liste nicht. Ältere Ratgeber stapelten Zellversuche zu Keimen, Blutdruck und Krebs. Seit 2018 hat sich die Einordnung geschärft: Kombinationen mit Primelwurzel oder Efeublättern tragen randomisierte Prüfungen, das Einzelkraut bleibt Tradition, und ätherisches Öl gilt als konzentrierter Stoff mit eigenen Alters- und Sicherheitsgrenzen. Wer Zweige in die Pfanne wirft, riskiert wenig. Wer Tropfen schluckt oder unverdünnt auf die Haut gibt, trifft auf ein anderes Risikoprofil.

Was ist Thymian, und was unterscheidet Kraut, Tee und Öl?

Thymian ist ein Lippenblütler aus dem Mittelmeerraum; medizinisch bewertet werden vor allem Echter Thymian und der spanische Thymus zygis. Als Arzneidroge zählen Blätter und Blüten, getrocknet und zerkleinert, plus Saft und Extrakte. Das Gewürz im Regal und das Fläschchen aus der Aromaecke sind keine austauschbaren Produkte.

Tee und Tinktur enthalten neben wenig ätherischem Öl wasserlösliche Gerbstoffe, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren. Das Öl entsteht durch Wasserdampfdestillation der frischen, blühenden Sprossen. Ein Review in Nutrients von 2022 beschreibt mindestens sechs Chemotypen; Thymol und Carvacrol machen oft den größten Anteil aus, daneben stehen p-Cymol, γ-Terpinen und Linalool. Die genaue Mischung hängt von Sorte, Boden und Erntezeit ab. Wer „Thymianöl“ kauft, bekommt also kein einheitliches Arzneimittel.

Der HMPC bewertet Kraut und Öl getrennt. Für das Kraut gilt traditionelle Anwendung gegen produktiven Husten bei Erkältung. Für das Öl gilt dieselbe Indikation traditionell, aber mit engeren Altersgrenzen: Einnahme und Haut nur bei Erwachsenen, Badezusatz ab drei Jahren. Fixkombinationen aus Thymiankraut und Primelwurzel können bei bestimmten Extrakten als gut eingeführt gelten, weil es dazu klinische Daten gibt. Ein selbst aufgebrühter Beutel ist diese Kombination nicht.

Frische Zweige in Lamm, Tomatensauce oder Olivenöl bleiben ein Aroma. Sie ersetzen weder ein zugelassenes Hustenmittel noch eine Mikronährstoffquelle. Die Pflanze wächst strauchig, duftet harzig-würzig und gehört zur Familie der Lamiaceae. Wer auf Oregano, Salbei, Minze oder Basilikum reagiert, kann auch auf Thymian reagieren. Das ist der erste Filter, bevor Tee oder Sirup überhaupt sinnvoll sind.

[Thymian]

Hilft Thymian bei Husten und akuter Bronchitis?

Thymiantee oder ein zugelassenes Thymianpräparat kann produktiven Erkältungshusten etwas erleichtern, ersetzt aber weder Abwarten noch ärztliche Abklärung. Der HMPC stützt das Kraut ausdrücklich auf lange, sichere Anwendung in der Europäischen Union, nicht auf eine dichte Kette großer Wirksamkeitsstudien. Eine ältere Prüfung mit 60 Erwachsenen verglich eine Thymianzubereitung mit Bromhexin; ein klarer Unterschied ließ sich nicht sichern, die Gruppe war klein und die Zubereitung schlecht dokumentiert.

Besser belegt sind Fixkombinationen. Kemmerich und Kollegen prüften 2006 in einer doppelblinden, placebokontrollierten Multizenterstudie 361 Erwachsene mit akuter Bronchitis und produktivem Husten. Der Sirup aus Thymian- und Efeuextrakt senkte die Hustenstöße an den Tagen 7 bis 9 um 68,7 Prozent gegenüber 47,6 Prozent unter Scheinpräparat. Die 50-Prozent-Schwelle trat etwa zwei Tage früher ein. Eine zweite Arbeit derselben Gruppe aus dem Jahr 2007 mit Thymian plus Primelwurzel fand 67,1 Prozent gegen 51,3 Prozent. Schwere unerwünschte Wirkungen wurden nicht berichtet. Der HMPC nutzt genau solche Daten für die gut eingeführte Anwendung bestimmter Thymian-Primel-Zubereitungen als Expektorans bei Erwachsenen.

NICE hat 2019 trotzdem kein Thymianprodukt in die Selbstsorge aufgenommen. Die Leitlinie NG120 nennt Honig, Pelargonium und Guaifenesin, jeweils mit begrenztem Nutzenbeleg, und hält fest, dass ein akuter Husten meist von selbst in drei bis vier Wochen abklingt. Antibiotika verkürzen die Dauer im Schnitt um etwa einen halben Tag und gehören nicht zur Routine, wenn jemand nicht schwer krank ist und kein erhöhtes Komplikationsrisiko trägt. Das MSD Manual (Stand Dezember 2025) beschreibt akute Bronchitis ebenfalls als meist virale Entzündung; gelber oder grüner Auswurf beweist keine Bakterien.

Laborversuche zu spasmolytischer und antimikrobieller Wirkung von Thymol erklären, warum ein Effekt plausibel ist. Sie beweisen nicht, dass ein Hausaufguss die Bronchien „reinigt“ oder eine Lungenentzündung verhindert. Wer nach einer Woche keine Besserung spürt, Fieber entwickelt oder Luftnot bekommt, braucht eine Diagnose, keinen zweiten Liter Tee.

Welche Zubereitung und Dosis gelten als üblich?

Die Dosis hängt von der Zubereitung ab, nicht von der Zahl der Zweige im Topf. Für zerkleinertes Kraut als Tee nennt die HMPC-Monographie von 2014 bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren eine Tagesmenge von 3 bis 8 Gramm. Die meisten anderen Zubereitungen sind unter 12 Jahren nicht vorgesehen. Zwei Flüssigextrakte dürfen laut derselben Bewertung ab vier Jahren gegeben werden, in kindgerechter Einzeldosis und nur, wenn die Packungsbeilage genau diese Form nennt. Unter vier Jahren rät der Ausschuss von der Anwendung ab.

Zugelassene Kombinationsmittel folgen der Fachinformation, nicht dem Teelöffel. In der Studie von 2006 betrug die Sirupdosis 5,4 Milliliter dreimal täglich über elf Tage. Das war ein Prüfprotokoll für ein bestimmtes Produkt, keine Anleitung, Tropfen aus der Aromatherapie-Flasche nachzumessen. Wer ein Fertigarzneimittel nutzt, hält sich an Alter, Tageshöchstdosis und die Regel, nach einer Woche ohne Besserung eine Praxis zu fragen.

Zubereitung Belegter Nutzen Wer darf sie nutzen Wer sollte sie meiden
Tee aus zerkleinertem Kraut traditionell gegen produktiven Erkältungshusten Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren Allergie gegen Lippenblütler, Schwangerschaft ohne Rücksprache
Bestimmte Flüssigextrakte traditionell, wie Tee manche Kinder ab 4 Jahren laut Beilage unter 4 Jahren, unklare selbst gemischte Tropfen
Thymian plus Primelwurzel gut eingeführt als Expektorans bei produktivem Husten Erwachsene bei bewerteten Extrakten länger als eine Woche ohne Besserung, Allergie
Ätherisches Öl oral oder auf der Haut traditionell bei Husten und Erkältung nur Erwachsene, verdünnt Kinder oral, Gesicht, offene Haut
Badezusatz mit Thymianöl traditionell bei Erkältungssymptomen Kinder über 3 Jahren und Erwachsene Fieber, schwere Infektion, Bluthochdruck, Herzschwäche

Kulinarische Mengen bleiben außerhalb dieser Tabelle. Ein Zweig im Braten ist keine Arzneidosis. Umgekehrt ist ein „starkes“ selbst destilliertes Öl keine stärkere Medizin, sondern ein Konzentrat mit Verätzungsrisiko. Die FDA führt Thymianöl in 21 CFR 182.20 als allgemein anerkannt sicher für den vorgesehenen Einsatz als Aromastoff, nicht als Freibrief für tropfenweise Einnahme.

Wann zum Arzt bei Husten, wann reicht Selbstsorge?

Ein unkomplizierter Erkältungshusten darf zu Hause ausklingen, wenn Luftwege frei bleiben, das Fieber niedrig bleibt und der Allgemeinzustand tragbar ist. Der NHS (Seite geprüft am 8. Dezember 2023) erwartet oft drei bis vier Wochen. NICE rät, Hilfe zu suchen, wenn sich die Beschwerden rasch verschlechtern, nach drei bis vier Wochen nicht nachlassen oder jemand systemisch sehr krank wirkt.

Der HMPC verlangt früher den Arztkontakt, sobald Atemnot, Fieber oder eitriger Auswurf auftreten, und spätestens nach einer Woche Therapie ohne Besserung. Das MSD Manual ergänzt, dass anhaltender Husten über acht Wochen eine Röntgenaufnahme der Brust rechtfertigen kann, um eine Lungenentzündung oder eine andere Ursache nicht zu übersehen. Gelber Schleim allein ist kein Antibiotikagrund.

  • Husten mit Blut, starker Atemnot oder stechendem Brustschmerz gehört in die Notaufnahme oder zur sofortigen ärztlichen Bewertung, nicht unter einen Teebeutel.
  • Ein Husten, der länger als drei Wochen bleibt, Gewicht raubt oder nachts den Schlaf zerstört, braucht eine Praxis, auch wenn der Rachen nur mäßig kratzt.
  • Kinder unter fünf Jahren mit Fieber folgen der pädiatrischen Fieberleitlinie, nicht einem Kräuterprotokoll für Erwachsene.
  • Menschen über 65 mit Vorerkrankung an Herz, Lunge, Niere oder Leber, Frühgeborene und Immunsupprimierte haben ein höheres Risiko für Komplikationen.
  • Keuchen, das neu auftritt, oder eine bekannte Asthma- oder COPD-Verschlechterung ist eine Exazerbation, kein Anlass für Aromatherapie als Ersatz der Inhalation.

Selbstsorge nach NICE heißt Ruhe, Flüssigkeit, bei Bedarf Paracetamol oder Ibuprofen gegen Schmerz, Honig ab einem Lebensjahr und, wer möchte, Pelargonium ab 12 Jahren. Thymiantee kann daneben stehen, solange niemand ihn mit einem Antibiotikum verwechselt. Mukolytika, inhalative Kortikoide und Bronchodilatatoren gehören laut NG120 nicht zur Routine der unkomplizierten akuten Bronchitis, sofern keine zugrunde liegende Atemwegserkrankung vorliegt.

Was Labordaten zu Keimen, Haut und Lebensmitteln bedeuten

Thymol und Carvacrol können in der Petrischale Bakterien, Hefen und Schimmel hemmen, das macht aus dem Kraut kein Antibiotikum für den Menschen. Der Nutrients-Review von 2022 sammelt Hemmhöfe gegen Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Klebsiella und Candida sowie Effekte auf Biofilme. Die Autoren selbst fordern randomisierte Studien mit realistischen Dosen. Der Review nennt auch Anwendungen in Fleisch und Emulsionen, bei denen der Extrakt Fettoxidation verzögern kann. Das betrifft Haltbarkeit von Speisen, nicht die Behandlung einer Harnwegsinfektion oder einer Lungenentzündung.

Haut und Akne liefern ein ähnliches Bild. Nanoemulsionen aus Thymianöl senkten in einer Arbeit von 2022 die Keimlast von Cutibacterium acnes im Labor und dämpften Entzündung in Tiermodellen. Dermatologische Leitlinien zur Akne setzen weiter auf Benzoylperoxid, Retinoide und, wenn nötig, gezielt eingesetzte Antibiotika. Ein Leeds-Versuch älterer Jahre, der Tinkturen im Reagenzglas mit Benzoylperoxid verglich, ist kein Beleg, dass eine selbst gemischte Creme Pickel zuverlässiger klärt. Unverdünntes Öl reizt; Kontaktdermatitis ist beschrieben.

Mundspülungen mit Thymol tauchen in manchen Zahnpflegeprodukten auf. Das ist ein aromatisches Antiseptikum in fertiger Rezeptur, kein Freibrief für Öl im Wasserglas. Wer unter Chemotherapie oder Immunsuppressiva steht und bereits wunde Mundschleimhaut hat, fragt die behandelnde Praxis, bevor ein selbst gemischtes Spülmittel dazukommt.

Insektenlarven im Labor zu töten, Olivenöl vor Oxidation zu schützen oder Tigersteckmücken zu belästigen, sind entomologische und lebensmitteltechnische Befunde. Sie beantworten nicht die Frage, ob ein Tee das Immunsystem „stärkt“. Antioxidative Kapazität pro 100 Gramm Blatt klingt eindrucksvoll und beschreibt eine Menge, die niemand als Salat isst.

[Thymian und Oliven]

Blutdruck und Krebs: warum Zellversuche nicht reichen

Thymian senkt Bluthochdruck nicht als geprüfte Therapie, und er behandelt keine Krebserkrankung. Eine serbische Rattenarbeit mit wässrigem Wildthymianextrakt, die ältere Texte oft zitierten, bleibt ein Tierversuch. Eine irakische Erhebung von 2023 mit 30 Patientinnen und Patienten, die 15 Tage lang zusätzlich Thymian nahmen, war klein, beruhte auf Interviews und fehlt in den Hypertonie-Leitlinien. Netzwerk-Metaanalysen zu pflanzlichen Mitteln gegen erhöhten Blutdruck rangieren Sellerie, Knoblauch oder Hibiskus, nicht Thymian. Wer Tabletten gegen Hypertonie nimmt, setzt sie nicht ab und stapelt kein Kraut als zweite Säule.

Krebszelllinien reagieren im Reagenzglas auf Thymol und Carvacrol mit Apoptose, weniger Wanderung und oxidativem Stress. Der Nutrients-Review listet Brust-, Darm-, Magen- und Lungenmodelle sowie einzelne Nagerversuche, in denen getrocknetes Kraut im Futter Tumoren verkleinerte. Das ist Pharmakologie in der Schale, keine Onkologie am Menschen. Weder die EMA noch Krebsgesellschaften führen Thymian als unterstützende Krebstherapie. Wer eine Diagnose hat, gehört in die onkologische Sprechstunde, nicht an ein Fläschchen Öl.

Dasselbe gilt für Versprechen gegen Soor, „Darmreinigung“ oder Arthritis. Candida-Biofilme können im Labor schrumpfen; eine wiederkehrende Scheiden- oder Mundsoor braucht Erregernachweis und, wenn nötig, ein zugelassenes Antimykotikum. Gelenkschmerz nach Erkältung ist oft reaktiv und selbstlimitierend. Anhaltende Schwellung, Morgensteifigkeit oder Fieber gehören untersucht.

Frische Blätter in der Küche bleiben unverdächtig. Sie liefern in üblichen Mengen kaum Kalorien und fast kein Natrium. Der Review zitiert USDA-Werte für 100 Gramm frisches Blatt: rund 160 Milligramm Vitamin C, 17 Milligramm Eisen, 405 Milligramm Calcium und 609 Milligramm Kalium. Eine Prise in der Pfanne ist ein Bruchteil davon. Wer Eisenmangel oder Skorbut fürchtet, braucht Fleisch, Hülsenfrüchte, Zitrus oder ein Präparat nach Labor, nicht extra Thymian als „Superfood“.

Ätherisches Öl: warum Schlucken und unverdünntes Auftragen riskant sind

Ätherisches Thymianöl gehört nicht in den Tee und nicht pur auf die Haut. Die Cleveland Clinic (Stand 21. September 2023) formuliert die Regel für ätherische Öle allgemein: nicht trinken, vor Hautkontakt verdünnen, Flaschen außer Reichweite von Kindern und Tieren lagern, bei versehentlichem Schlucken sofort eine Giftinformation anrufen. Phenolreiche Öle reizen stärker als milde Blütenöle. Unverdünntes Auftragen kann Brennen, Rötung oder Kontaktdermatitis auslösen; verschluckte Konzentrate gehören in die Giftinformation, nicht in den Hausgebrauch.

Der HMPC erlaubt bewertete Ölzubereitungen oral nur bei Erwachsenen und nur in der zugelassenen flüssigen Form. Auf die Haut ebenfalls nur im Erwachsenenalter, nicht ins Gesicht, nicht auf offene Wunden. Ein Vollbad mit Thymianöl entfällt bei hohem Fieber, ausgedehnter Hautverletzung, schwerer Infektion, Durchblutungsstörung, Bluthochdruck oder Herzschwäche. Kinder über drei Jahren dürfen einen Badezusatz bekommen, wenn das Produkt das vorsieht; orale Tropfen aus der Aromaflasche bleiben tabu.

Aromatherapie kann Angst in bestimmten Situationen etwas dämpfen, die Evidenz ist gemischt und hängt von Öl, Dosis und Erwartung ab. Ein Diffusor im Zimmer ist kein COPD- oder Covid-Mittel. Kleine Inhalationsstudien mit Thymianöl bei Atemwegssymptomen ersetzen keine leitliniengerechte Therapie mit Bronchodilatatoren, Sauerstoff oder Antibiotika, wenn diese indiziert sind. Wer Asthma hat, riskiert durch duftende Konzentrate eher eine Reizung der Schleimhaut als eine Erweiterung der Bronchien.

GRAS-Status in den USA bedeutet: In Lebensmitteln als Geschmack in üblichen Mengen gilt das Öl als sicher für den vorgesehenen Zweck. Es bedeutet nicht, dass drei Tropfen auf Zucker eine geprüfte Erkältungsdosis sind. Trägeröle wie Mandel- oder Olivenöl senken die lokale Konzentration auf der Haut, löschen das Allergierisiko nicht. Ein Pflastertest an einer kleinen Stelle vor großflächigem Einreiben bleibt vernünftig.

Wer Thymian meiden sollte, inklusive Kinder und Schwangerschaft

Allergie gegen Thymian oder andere Lippenblütler ist eine klare Kontraindikation für arzneiliche Zubereitungen. Magenbeschwerden und Übelkeit kommen vor, die Häufigkeit ist unbekannt. Hautrötung und Juckreiz nach Öl sind beschrieben. Wer bereits Antikoagulanzien, eng gesteuerte Herzmittel oder mehrere pflanzliche Extrakte nimmt, sollte die Liste in die Sprechstunde mitnehmen. Der HMPC nennt für das Kraut keine gesicherten Wechselwirkungen; Mäuseversuche zu Enzyminduktion durch Thymol und Carvacrol bleiben ein Hinweis, kein fertiges Interaktionsprofil.

Schwangerschaft und Stillzeit sind für medizinische Dosen nicht ausreichend geprüft. Der HMPC rät in den Monographien zu Kraut, Öl und Thymian-Primel-Kombination von der Anwendung ab, solange Daten fehlen. Gewürzmengen in der Küche gelten als übliche Ernährung, nicht als Kur. Wer in der Schwangerschaft hustet, fragt die Frauenarztpraxis oder die Hebamme, statt Sirup auf Verdacht zu steigern. Stillende, die äußerlich Öl nutzen, halten es vom Gesicht des Säuglings fern.

Kinder unter vier Jahren sollen Thymiankraut nach HMPC nicht bekommen. Zwischen vier und zwölf Jahren bleiben die meisten Formen außen vor; nur benannte Flüssigextrakte sind vorgesehen. Öl oral ist Erwachsenen vorbehalten. Ein Tropfen im Fläschchen neben dem Babybett ist kein Hausmittel, sondern ein Vergiftungsrisiko. Ältere Menschen mit Herzschwäche oder unkontrolliertem Bluthochdruck meiden heiße Vollbäder mit Öl.

Fertigarzneimittel in der Europäischen Union durchlaufen eine nationale Zulassung unter Berücksichtigung der HMPC-Schlüsse. Nahrungsergänzungen tun das nicht. Etikett und Inhalt können auseinanderlaufen, der Thymolgehalt schwankt. Wer ein Präparat wählt, nimmt ein Produkt mit Chargenkontrolle und Packungsbeilage, nicht das billigste Destillat ohne Herkunft.

Häufige Fragen

Hilft Thymiantee bei Husten wirklich?

Er kann produktiven Erkältungshusten etwas erleichtern, ein Beleg wie bei einem zugelassenen Expektorans fehlt für den Tee allein. Der HMPC stützt das Kraut auf traditionelle Anwendung. NICE listet Thymian 2019 nicht unter den Selbstsorgeoptionen. Nach einer Woche ohne Besserung oder bei Fieber und Luftnot gehört der nächste Schritt in die Praxis.

Darf ich ätherisches Thymianöl schlucken?

Nein, nicht aus der Aromaflasche. Bewertete orale Ölzubereitungen sind Erwachsenen und der Packungsbeilage vorbehalten. Die Cleveland Clinic warnt davor, ätherische Öle zu trinken. Versehentliches Schlucken ist ein Fall für den Giftnotruf, nicht für selbst ausgelöstes Erbrechen ohne Anweisung.

Senkt Thymian den Blutdruck?

Dafür gibt es keine belastbare Humanbeweislage und keine Leitlinienempfehlung. Rattenversuche und eine kleine irakische Erhebung ersetzen keine Blutdrucktherapie. Wer Tabletten nimmt, setzt sie nicht ab. Heiße Ölbäder sind bei Hypertonie und Herzschwäche laut HMPC ohnehin tabu.

Ist Thymian in der Schwangerschaft erlaubt?

Als Gewürz in Speisen ja, als medizinische Dosis eher nein. Der HMPC empfiehlt Kraut, Öl und bewertete Kombinationen in Schwangerschaft und Stillzeit nicht, weil Sicherheitsdaten fehlen. Husten in der Schwangerschaft klärt man mit der betreuenden Praxis.

Ab welchem Alter dürfen Kinder Thymian bekommen?

Die meisten Zubereitungen erst ab 12 Jahren, einzelne Flüssigextrakte laut Monographie ab 4 Jahren. Unter 4 Jahren rät der HMPC ab. Öl zum Einnehmen bleibt Erwachsenen vorbehalten, Badezusatz kann ab drei Jahren vorgesehen sein. Das Gesicht von Kleinkindern bleibt frei von Öl.

Hilft Thymian gegen Krebs oder Akne?

Nein als geprüfte Behandlung. Zell- und Tierversuche zeigen antimikrobielle und zytotoxische Effekte, klinische Leitlinien tragen das nicht. Akne und Tumoren brauchen etablierte Therapien. Ein Kraut im Essen ändert daran nichts und schadet in Speisemengen selten.

[Thymianöl]

Fazit

Thymian in der Küche bleibt ein unkompliziertes Gewürz. Der medizinisch ehrliche Kern sitzt beim produktiven Erkältungshusten, und selbst dort ist der Nutzen begrenzt. Tee und bewertete Kräuterpräparate dürfen traditionell den Auswurf erleichtern; Fixkombinationen mit Primel oder Efeu haben die klareren Studien. NICE setzt 2019 weiter auf Zeit, Honig und wenige andere Mittel, nicht auf Thymian als Standard.

Wer morgen hustet und sich sonst tragbar fühlt, kann Tee im von der Monographie genannten Tagesbereich von 3 bis 8 Gramm Kraut trinken, Flüssigkeit halten und drei bis vier Wochen Geduld einplanen. Öl bleibt in der Flasche oder kommt, wenn überhaupt, verdünnt und nur im Erwachsenenalter auf die Haut, nie ins Gesicht, nie in den Tee. Kindergrenzen, Schwangerschaft und Lippenblütlerallergie sind harte Filter, keine Feinheiten.

Atemnot, Blut im Auswurf, hohes Fieber, Brustschmerz oder ein Husten, der nach drei Wochen nicht weicht, gehören in die Praxis. Dort entscheidet sich, ob eine virale Bronchitis ausklingt oder etwas anderes vorliegt. Das Kraut kann den Weg begleiten. Es ersetzt ihn nicht.

Quellen

  1. EMA HMPC: Thymi herba – herbal medicinal product. European Medicines Agency, 14. Oktober 2016.
  2. EMA HMPC: Thymi aetheroleum – herbal medicinal product. European Medicines Agency, 15. Oktober 2020.
  3. EMA HMPC: Combination: Thymi herba and Primulae radix – herbal medicinal product. European Medicines Agency, 23. Juni 2016.
  4. NICE: Cough (acute): antimicrobial prescribing. National Institute for Health and Care Excellence, 7. Februar 2019.
  5. NHS: Cough: how you can treat a cough yourself. National Health Service, 8. Dezember 2023.
  6. Sethi S: Acute Bronchitis. MSD Manual Consumer Version, Stand: Dezember 2025.
  7. Cleveland Clinic: What is Aromatherapy?. Cleveland Clinic, 21. September 2023.
  8. FDA: 21 CFR 182.20 Essential oils, oleoresins (solvent-free), and natural extractives (including distillates). Electronic Code of Federal Regulations, Stand: 27. August 2026.
  9. Hammoudi Halat D, Krayem M et al.: A Focused Insight into Thyme: Biological, Chemical, and Therapeutic Properties of an Indigenous Mediterranean Herb. Nutrients, 18. Mai 2022.
  10. Kemmerich B, Eberhardt R et al.: Efficacy and tolerability of a fluid extract combination of thyme herb and ivy leaves and matched placebo in adults suffering from acute bronchitis with productive cough. Arzneimittelforschung, 2006.
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