Projektilerbrechen: Ursachen bei Säugling und Erwachsenem

Projektilerbrechen: Ursachen bei Säugling und Erwachsenem

Projektilerbrechen heißt, dass Mageninhalt ohne langes Vorwarnen und mit sichtbarer Kraft den Mund verlässt, oft über Tischkante oder Boden. Die Ursache hängt stark vom Alter ab. Beim Säugling zwischen der dritten und zwölften Lebenswoche steht die hypertrophe Pylorusstenose vorn, nach dem Säuglingsalter häufiger eine Magen-Darm-Infektion, ein Giftstoff oder ein erhöhter Hirndruck.

Mayo Clinic (Aktualisierung 10. Dezember 2024) beschreibt genau dieses Bild beim Säugling. Die Milch fliegt mehrere Schritte weit, das Kind will kurz danach wieder trinken. MSD Manual (Vollrevision März 2025) erinnert zugleich daran, dass Erbrechen ohne vorausgehende Übelkeit ein Hinweis auf erhöhten Druck im Schädel sein kann. Ältere Ratgeberseiten, darunter die Vorgängerfassung von 2018, beschränkten die Ursachen oft auf Lebensmittelinfekt, Toxin und Pylorusstenose. Hirndruck, galliges Erbrechen und die Trennung zwischen Schleimhauteinriss und kompletter Speiseröhrenruptur fehlten dort.

Heilung im Sinne eines einzelnen Hausmittels gibt es nicht. Ziel ist, harmloses Spucken von einem chirurgischen oder neurologischen Notfall zu trennen und Flüssigkeit zu ersetzen, bevor Kreislauf oder Stoffwechsel kippen.

Was Projektilerbrechen von Spucken trennt

Projektilerbrechen ist kräftig, plötzlich und oft ohne längere Übelkeit. Spucken und Reflux dagegen laufen mühelos, in kleinen Mengen und meist ohne Gewichtsverlust.

Das Royal Australian College of General Practitioners (Oktober 2021) stellt beide Muster nebeneinander. Physiologischer Reflux gipfelt um den dritten bis vierten Lebensmonat, stoppt meist im ersten Lebensjahr und lässt das Kind gedeihen. Die Pylorusstenose dagegen schleudert nicht galligen Mageninhalt sofort nach dem Trinken, und das Kind bleibt hungrig. MSD Manual nennt dasselbe als „hungrigen Erbrecher“, der bis zur Austrocknung oft noch lebhaft wirkt, anders als ein Kind mit Fieberinfekt.

Erwachsene unterscheiden die Kraft weniger zuverlässig. Dasselbe Virus, dasselbe Gift oder dieselbe Magenausgangsblockade kann einmal mit Würgen und einmal als Schwall kommen. StatPearls (Aktualisierung 30. Januar 2023) erklärt den Mechanismus bei der Pylorusstenose so, dass verdickte Ring- und Längsmuskeln den Magenausgang verengen. Der Magen presst gegen eine fast geschlossene Klappe, der Inhalt hat nur den Weg nach oben. Beim Infekt oder bei Giften startet das Brechzentrum in der Medulla über Reize aus Magen, Darm, Gleichgewichtsorgan oder der Chemorezeptorzone am Boden des vierten Ventrikels.

Farbe und Begleitzeichen zählen mehr als die Weite des Spritzers. Grünes, also galliges Erbrechen beim Säugling spricht laut MSD für einen hohen Darmverschluss und gehört in die Klinik, nicht in die Beobachtung über Nacht. Blut nach wiederholtem Würgen kann einen Schleimhauteinriss anzeigen. Morgens wiederkehrendes Erbrechen plus Kopfschmerz plus Sehstörung verschiebt den Verdacht vom Magen ins Gehirn.

Eltern nutzen das Wort „projektil“ oft für jedes kräftige Spucken. Die RACGP-Übersicht rät deshalb, zu fragen, wo im Raum der Inhalt landet. Ein nasser Latz nach dem Bäuerchen ist etwas anderes als ein Schwall über die Schulter der haltenden Person hinweg.

ältere Frauen fühlen sich krank, halten die Hand über den Mund

Pylorusstenose beim Säugling

Bei Säuglingen im Alter von etwa drei bis sechs Wochen ist schwallartiges, nicht galliges Erbrechen nach dem Trinken das klassische Bild einer hypertrophen Pylorusstenose. Die Öffnung zwischen Magen und Zwölffingerdarm verdickt sich, Nahrung bleibt im Magen.

MSD Manual (Vollrevision August 2025) beziffert die Häufigkeit auf zwei bis fünf von tausend Säuglingen und nennt ein Überwiegen der Jungen von etwa fünf zu eins, besonders bei Erstgeborenen. StatPearls schreibt vier zu eins und 2,4 Fälle auf tausend bei weißen, 1,8 bei hispanischen, 0,7 bei schwarzen und 0,6 bei asiatischen Populationen. Die Krankheit ist bei Geburt meist noch nicht da. Sie wächst in den ersten Lebenswochen.

Mayo Clinic listet die typische Kette. Zuerst kommt wenig Milch nach der Mahlzeit, dann wird der Schwall stärker. Das Kind verlangt erneut die Flasche oder die Brust. Wellenförmige Bewegungen können über den Bauch laufen, weil der Magen gegen den engen Pylorus arbeitet. Weniger nasse Windeln, trockener Mund, schlaffer Hautturgor und fehlende Tränen zeigen Flüssigkeitsmangel. Weil wenig Nahrung den Darm erreicht, kann der Stuhl selten werden. Gewichtsstillstand oder Verlust folgt, wenn die Enge bestehen bleibt.

Risikofaktoren sind nicht eine einzige Ursache, sondern ein Bündel. StatPearls und MSD nennen männliches Geschlecht, Erstgeburt, Frühgeburt, familiäre Häufung, Flaschen- oder Formulanahrung, Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft und Makrolidantibiotika in den ersten Lebenswochen. Eine Metaanalyse, die StatPearls zitiert (Abdellatif und Kollegen, 2019), verknüpft Erythromycin und Azithromycin mit einem erhöhten Risiko. Die US-Gesundheitsbehörde CDC (Stand 2. Dezember 2025) bestätigt denselben Zusammenhang, hält Azithromycin bei Keuchhusten junger Säuglinge aber weiter für Mittel der Wahl, weil die Infektion lebensgefährlicher ist als die mögliche Pylorusstenose. Säuglinge unter einem Monat, die ein Makrolid bekommen, sollen auf Erbrechen und Gedeihstörung beobachtet werden.

Ein tastbarer olivenförmiger Knoten rechts oben im Bauch gehört zum Lehrbuch. StatPearls nennt ihn noch bei 60 bis 80 Prozent. Zugleich schreibt dieselbe Quelle, dass frühere Ultraschalldiagnosen die klassischen Labor- und Tastbefunde seltener machen. Die RACGP-Kasuistik von 2021 zeigt das praktisch. Beim ersten Kontakt war der Bauch unauffällig, erst der wiederholte Schwall plus eine zweite Sonografie sicherten die Diagnose.

Diagnose und Therapie der Pylorusstenose

Die Diagnose stützt sich heute auf die Anamnese plus Bauchultraschall, nicht mehr auf das Warten, bis eine „Olive“ tastbar und das Kind ausgetrocknet ist. Ein Wanddicke von mindestens drei Millimetern gilt als der tragfähigste Schwellenwert.

MSD Manual und StatPearls nennen denselben Schnitt. Eine Kanallänge von 15 Millimetern oder mehr stützt den Befund. Fehlt Sicherheit, kann die Sonografie wiederholt oder eine Kontrastpassage des oberen Magen-Darm-Trakts angeschlossen werden. Dort erscheinen verspätete Entleerung und eine fadenförmige Enge. Eine Spiegelung bleibt Ausnahmefällen vorbehalten. Das Labor sucht die klassische hypochlorämische, hypokaliämische metabolische Alkalose. StatPearls betont, dass dieser Musterwechsel heute in weniger als der Hälfte der Fälle vorliegt, weil die Bildgebung früher greift. Bis zu 14 Prozent der Kinder haben laut MSD eine Gelbsucht (ikteropylorisches Syndrom).

Vor jeder Operation steht der Ausgleich von Flüssigkeit und Salzen. Mayo Clinic (Dezember 2024) rechnet dafür oft 24 bis 48 Stunden. StatPearls beschreibt isotone oder leicht hypotone Infusionen mit Kalium, sobald die Niere wieder ausscheidet, und warnt vor einer noch hohen Bikarbonatlage, weil sie die Atmung dämpfen kann. Die definitive Therapie ist die Pyloromyotomie. Der Chirurg spaltet den verdickten Muskel längs bis zur Schleimhaut, ohne den Magen zu eröffnen. Offen oder laparoskopisch sind beide Wege etabliert. MSD erwähnt Zentren, die eine endoskopische Pyloromyotomie erproben.

Nach dem Eingriff beginnt die Nahrung oft innerhalb eines Tages. Mayo nennt 12 bis 24 Stunden, StatPearls 4 bis 8 Stunden nach dem Aufwachen aus der Narkose. Bis zu 80 Prozent der Kinder erbrechen noch milder, während sich der Magen an den freien Abfluss gewöhnt. Hält der Schwall länger als fünf Tage an, rät StatPearls zu einer erneuten Bildgebung, weil eine unvollständige Spaltung selten vorkommt. Mayo Clinic hält Komplikationen für ungewöhnlich und das Ergebnis in der Regel gut. Atropinsulfat kann den Muskel entspannen, wenn ein Narkoserisiko extrem hoch ist. Dieselbe Seite schreibt klar, dass das Medikament weniger zuverlässig wirkt und den Klinikaufenthalt verlängert. Es ersetzt die Operation nicht als Standard.

Eltern sollten wissen, dass eine verspätete Diagnose zur Austrocknung und zum hypovolämischen Schock führen kann. StatPearls nennt genau diese Kette. Eine rasche Überweisung zur Kinderradiologie und zur Kinderchirurgie ändert die Prognose.

Infekte, Norovirus und Lebensmittel

Ab dem Kleinkindalter ist die häufigste Ursache heftigen Erbrechens eine akute Gastroenteritis, oft durch Norovirus, seltener durch Bakterien in Lebensmitteln. Der Körper versucht, Keime und Toxine aus dem oberen Verdauungstrakt zu werfen.

Die CDC (24. April 2024) nennt Norovirus die führende Ursache für Erbrechen, Durchfall und lebensmittelbedingte Krankheit in den Vereinigten Staaten. Symptome beginnen 12 bis 48 Stunden nach dem Kontakt. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerz stehen vorn, Fieber, Kopf- und Gliederschmerz können folgen. Die meisten Menschen bessern sich in ein bis drei Tagen, bleiben aber noch mehrere Tage ansteckend. Die Behörde schreibt, das Virus könne zwei Wochen oder länger nach dem subjektiven Wohlbefinden weitergegeben werden. Roh verzehrte Austern und andere filtrierende Schalentiere sind ein bekannter Träger.

NICE-Leitlinie CG84 (Empfehlungen, letzte inhaltliche Prüfung 31. Oktober 2018) gilt für Kinder unter fünf Jahren. Erbrechen dauert dort meist einen bis zwei Tage und endet bei den meisten innerhalb von drei Tagen. Durchfall hält typisch fünf bis sieben Tage und endet meist innerhalb von zwei Wochen. Wenn Fieber bei unter Dreimonatigen 38 Grad oder bei Älteren 39 Grad erreicht, wenn der Stuhl blutig ist, der Bauch hart oder der Inhalt grün, soll die Diagnose Gastroenteritis nicht einfach stehen bleiben. Dieselben Warnzeichen stehen in der RACGP-Liste für Erbrechen im Säuglingsalter.

Antibiotika helfen gegen Norovirus nicht. NICE rät, sie bei Gastroenteritis nicht routinemäßig zu geben, sondern bei Sepsisverdacht, extraintestinaler Ausbreitung, Salmonelleninfekt junger oder geschwächter Kinder und bei bestimmten Erregern wie Shigellen oder Cholera. Hausmittel gegen Durchfall lehnt die Leitlinie ab. Ältere Texte, auch die Seite von 2018, nannten frei verkäufliche Stopfmittel und Eiswürfel. Das entspricht nicht mehr der aktuellen britischen Empfehlung.

Flüssigkeit ersetzt man in kleinen Schlucken. NICE empfiehlt bei klinischer Austrocknung eine orale Rehydratationslösung mit niedriger Osmolarität (240 bis 250 mosmol/l), 50 Milliliter pro Kilogramm Defizit über vier Stunden plus Erhaltungsmenge, häufig und in kleinen Portionen. Fruchtsäfte und kohlensäurehaltige Getränke sollen in dieser Phase entfallen. Brustmilch läuft weiter. Die CDC hält Fertiglösungen für nützlicher als Sportgetränke, weil Letztere Mineralien unvollständig ersetzen. Schwere Austrocknung braucht Infusionen in der Klinik.

Ansteckung stoppt man mit Seife, nicht mit Händedesinfektion allein, und mit Abstand. NICE und CDC verlangen 48 Stunden ohne Durchfall und Erbrechen, bevor Kindergarten, Schule oder Küche wieder betreten werden. NICE ergänzt zwei Wochen Pause vom Schwimmbad nach dem letzten Durchfall.

Hirndruck und neurologische Warnzeichen

Erbrechen kann vom Gehirn kommen, wenn der Druck im Schädel steigt. Dann fehlt oft die Übelkeit, der Schwall tritt morgens oder im Liegen auf und Kopfschmerz oder Sehstörung begleiten ihn.

Cleveland Clinic (Stand 20. Juni 2024) listet Morgenkopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit bis Koma, Doppel- oder Verschwommensehen, Lichtscheu, Augenbewegungsstörungen, Schwäche, Taubheit und Krampfanfälle. Bei Säuglingen kommen Schläfrigkeit, eine vorgewölbte Fontanelle und Erbrechen hinzu. Ursachen sind Hirnschwellung nach Trauma, Blutung, Tumor, Abszess, Schlaganfall, Hydrozephalus, Meningitis oder eine Störung des Hirnvenenabflusses. Der normale Druck liegt unter 20 Millimeter Quecksilber. Jede Volumenverschiebung in dem starren Schädel hebt ihn.

MSD Manual betont, dass Erbrechen ohne vorausgehende Übelkeit gerade bei erhöhtem Hirndruck vorkommt. Chronisch fortschreitender Kopfschmerz, nächtliches Erwachen, morgendliches Erbrechen, Schmerzverstärkung beim Husten und Sehstörungen sollen eine Bildgebung des Kopfes nach sich ziehen, oft zuerst eine Computertomografie ohne Kontrast. Nackensteifigkeit, Lichtscheu und Fieber verschieben den Verdacht zur Meningitis. Eine vorgewölbte Fontanelle plus Untröstlichkeit beim Säugling ist ein Alarmzeichen derselben Quelle.

Späte Zeichen sind der Cushing-Komplex. Cleveland Clinic nennt hohen Blutdruck, Puls unter 60 und unregelmäßige, oft keuchende Atmung. Das bedeutet drohende Einklemmung und gehört in die Notaufnahme, nicht in die hausärztliche Warteschleife. Die Klinik warnt, dass unbehandelter akuter Hirndruck bleibende Schäden oder den Tod nach sich ziehen kann. Chronische Formen wie die idiopathische intrakranielle Hypertension gefährden vor allem das Sehvermögen.

Nicht jedes morgendliche Erbrechen ist ein Tumor. Schwangerschaftsübelkeit, Migräne und zyklisches Erbrechen erzeugen ähnliche Uhrzeiten. Fehlen jedoch neurologische Begleiter, Fieber mit Nackensteife oder eine Fontanellenwölbung, bleibt der Magen-Darm-Infekt wahrscheinlicher. Neu und kombiniert mit Sehstörung oder Bewusstseinsänderung gilt das Gegenteil.

Weitere Ursachen jenseits des Säuglingsalters

Neben Infekt und Hirndruck lösen Stoffwechselkrisen, Medikamente, Alkohol, Darmverschluss und seltene periodische Syndrome kräftiges Erbrechen aus. Das Alter und die Begleitzeichen sortieren die Liste.

MSD Manual nennt bei älteren Kindern und Jugendlichen Appendizitis (Schmerz zuerst, Erbrechen danach), Pyelonephritis, Meningitis, Sepsis, zyklisches Erbrechen, Schwangerschaft, Essstörungen und Giftstoffe wie Paracetamol, Eisen oder Ethanol. Chemotherapie reizt die Chemorezeptorzone direkt. Cannabis bei häufigem Konsum kann ein Hyperemesissyndrom mit wiederkehrenden Attacken erzeugen. Zyklisches Erbrechen selbst definiert MSD über mindestens drei schwere Episoden über Stunden bis Tage und beschwerdefreie Wochen dazwischen. Stoffwechsel-, Darmlage- und Hirnursachen müssen ausgeschlossen sein, bevor diese Diagnose steht.

Galliges Erbrechen, geblähter Bauch und fehlender Stuhlgang sprechen für einen Verschluss. Beim jungen Säugling gehören Volvulus bei Malrotation, Atresien und Invagination (meist im Alter von drei bis 36 Monaten) auf diese Liste. Invagination zeigt oft krampfartigen Schmerz, zeitweise Teilnahmslosigkeit und später blutig-schleimigen Stuhl. MSD verlangt hier Ultraschall und, wenn nötig, einen therapeutischen Einlauf, sofern kein Durchbruch droht.

Lebensmittelkeime wie Salmonellen erzeugen Erbrechen plus Durchfall, Fieber und krampfartigen Schmerz. Das Bild ähnelt viralen Infekten, der Stuhl kann blutig sein. NICE fordert dann eine Stuhluntersuchung. Toxine aus verdorbenen Speisen können Erbrechen auslösen, noch bevor Durchfall folgt. Alkohol reizt Magen und Brechzentrum und ist zugleich der häufigste Hintergrund für Speiseröhreneinrisse, die weiter unten stehen.

Erwachsene Pylorusstenosen sind nach MSD jenseits der zwölften Lebenswoche selten. Ein ähnlicher Schwall kann dann von einem narbigen oder tumorbedingten Magenausgang kommen. Ohne Quelle für Häufigkeitszahlen bei Erwachsenen bleibt das ein Differenzialhinweis, keine Statistik.

Frau Händewaschen

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme

Schwallartiges Erbrechen beim Säugling unter drei Monaten, grünes Erbrechen, Blut, Schockzeichen oder Erbrechen plus Kopfschmerz und Sehstörung gehören nicht in die nächtliche Beobachtung. Die Schwellen stehen in Leitlinien, nicht in Bauchgefühl.

Mayo Clinic rät, den Kinderarzt aufzusuchen, wenn das Baby nach dem Trinken schwallartig erbricht, danach wieder hungrig ist, ungewöhnlich schlapp oder reizbar wirkt, wenige nasse Windeln hat oder nicht zunimmt. Die RACGP zählt schwere Austrocknung, starken Bauchschmerz, Blut in Erbrochenem oder Stuhl, wiederholtes galliges Erbrechen, Projektilcharakter, unverhältnismäßige Kreislaufzeichen, hohes Fieber und neurologische Herdzeichen zu den Alarmen. MSD ergänzt Teilnahmslosigkeit, eine vorgewölbte Fontanelle und peritonitische Bauchzeichen.

Situation Handeln Begründung
Säugling unter 3 Monaten, Schwall nach dem Trinken Gleichentags Kinderarzt oder Kinderklinik Mayo Clinic 2024, MSD 2025
Grünes Erbrechen, geblähter oder harter Bauch Notaufnahme, nicht abwarten MSD 2025, NICE CG84
Morgenkopfschmerz, Sehstörung, vorgewölbte Fontanelle Notaufnahme, Hirndruck klären Cleveland Clinic 2024
Blut nach Würgen oder plötzlicher heftiger Brustschmerz Notaufnahme StatPearls 2025, Cleveland Clinic 2022
Durchfall plus Erbrechen, Kind trinkt noch kleine Schlucke Telefonische Beratung, orale Rehydratation NICE 2018, CDC 2024
Kalte marmorierte Haut, kaum Windeln, nicht erweckbar Sofort Notruf NICE CG84

NICE definiert Schock unter anderem über blasse oder marmorierte Haut, kalte Extremitäten, schwache Pulse, verlängerte Rekapillarisierung und niedrigen Blutdruck. Solche Kinder brauchen eine notfallmäßige Verlegung, keine weitere orale Probe. Red-Flag-Zeichen der klinischen Austrocknung sind unter anderem veränderte Wachheit, eingesunkene Augen, schneller Puls, schnelle Atmung und verminderter Hautturgor.

Ein Erwachsener mit heftigem Erbrechen nach Alkoholexzess und plötzlichem Brustschmerz braucht dieselbe Tür. Cleveland Clinic beschreibt das Boerhaave-Syndrom als transmurale Ruptur, die ohne Behandlung innerhalb von Tagen tödlich enden kann. Blutiges Erbrechen nach Würgen ohne Brustschmerz spricht eher für einen Mallory-Weiss-Einriss, bleibt aber abklärungspflichtig.

Was zu Hause hilft und was schadet

Solange kein Warnzeichen vorliegt, ersetzt man verlorene Flüssigkeit in kleinen Schlucken und lässt feste Nahrung pausieren, bis das Erbrechen nachlässt. Stopfmittel und routinemäßige Übelkeitsmittel für Kleinkinder gehören nicht zur Hausapotheke.

NICE formuliert die häusliche Linie klar. Stillen läuft weiter. Übliche Milch darf nach der Rehydratation in voller Stärke zurückkehren, feste Kost ebenfalls. Fruchtsaft und Limonade warten, bis der Durchfall endet. Nach jedem großen wässrigen Stuhl können gefährdete Kinder 5 Milliliter orale Rehydratationslösung pro Kilogramm zusätzlich bekommen. Gefährdet sind unter Einjährigen, besonders unter Sechsmonatigen, ehemals untergewichtige Säuglinge, Kinder mit mehr als fünf Durchfällen oder mehr als zwei Brechattacken in 24 Stunden und unterernährte Kinder.

Die CDC rät bei Norovirus zu reichlich Flüssigkeit und beobachtet bei Kindern fehlende Tränen, ungewöhnliche Schläfrigkeit und Unruhe als Zeichen der Austrocknung. Sportgetränke ohne Koffein können Erwachsenen bei leichter Lage helfen, ersetzen aber nicht die ausgewogene Salz-Zucker-Mischung einer Rehydratationslösung. Schwere Lage braucht die Vene.

MSD Manual erlaubt Übelkeitsmittel bei Kindern über zwei Jahren nur zurückhaltend, weil sie eine ernste Ursache verschleiern können. Ondansetron in Einzeldosis kann eine orale Rehydratation ermöglichen, wiederholte Gaben können den Durchfall verstärken. Promethazin ist unter zwei Jahren kontraindiziert. NICE CG84 empfiehlt Antiemetika bei Gastroenteritis der Unter-Fünfjährigen weiterhin nicht als Standard. Wer ein solches Mittel erwägt, entscheidet das mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt, nicht aus der Hausapotheke heraus.

Hände wäscht man 20 Sekunden mit Seife. Handtücher werden nicht geteilt. Küche und Bad, die mit Erbrochenem in Kontakt kamen, brauchen Reinigung und Desinfektion. Rohschalentiere bleiben in der Akutphase und bei Risikopersonen tabu. Die 2018er-Liste mit Eiswürfeln gegen Fieber und frei verkäuflichen Durchfallmitteln entfällt.

Komplikationen nach heftigem Erbrechen

Wiederholtes kräftiges Erbrechen kann austrocknen, Salze verschieben, die Speiseröhrenschleimhaut einreißen oder in seltenen Fällen die gesamte Wand sprengen. Blut im Erbrochenen und plötzlicher Brustschmerz ändern die Dringlichkeit.

Austrocknung ist die häufigste Folge. CDC und NICE beschreiben denselben Pfad. Weniger Urin, trockener Mund, Schwindel im Stehen, fehlende Tränen und Schläfrigkeit. Beim Säugling mit Pylorusstenose kommt die metabolische Alkalose hinzu, die Atmung und Herzrhythmus belasten kann. StatPearls nennt prärenales Nierenversagen, wenn Natrium nach oben oder unten entgleist.

Mallory-Weiss-Syndrom ist ein längs verlaufender Schleimhauteinriss am Übergang von Speiseröhre und Magen. StatPearls (Aktualisierung 13. Dezember 2025) ordnet ihn 3 bis 10 Prozent der nicht varizenbedingten oberen Blutungen zu. Auslöser ist ein plötzlicher Druckanstieg beim Würgen, Husten oder Heben. Alkohol steht in 50 bis 70 Prozent der Fälle im Hintergrund. Bis zu 90 Prozent der Einrisse stehen ohne endoskopische Blutstillung still. Die Rezidivrate nach erfolgreicher Stillung liegt bei etwa 7 Prozent, meist in den ersten 24 Stunden. Typisch ist klares oder galliges Erbrechen, dem Bluterbrechen folgt. Die Spiegelung sichert den Befund und stillt bei Bedarf mit Clip, Ligatur oder Koagulation.

Boerhaave-Syndrom ist die komplette Wandruptur. Cleveland Clinic (27. April 2022) grenzt sie scharf vom Mallory-Weiss-Einriss ab. Inhalt tritt in Brust- oder Bauchraum, Infektion und Sepsis drohen. Die klassische Mackler-Trias umfasst heftiges Erbrechen, plötzlichen Brustschmerz und Luft unter der Haut. Die Klinik nennt eine Überlebensrate von 75 Prozent bei Therapie innerhalb von 24 Stunden, eine Sterblichkeit über 50 Prozent danach und um 90 Prozent nach 48 Stunden, insgesamt etwa 35 Prozent. Diese Zahlen gehören in die Notfallmedizin, nicht in die Selbstbeobachtung. Die Vorgängerseite von 2018 hatte Schleimhauteinriss und Ruptur in einem Absatz vermengt und die Blutung als meist selbstlimitierend beschrieben. Für Mallory-Weiss trifft das oft zu, für Boerhaave nicht.

Ein Kind, das im Liegen erbricht, gehört auf die Seite, damit der Inhalt nicht in die Luftröhre läuft. Das ist Lagerungslogik, keine Therapie der Ursache.

Häufige Fragen

Ist Projektilerbrechen beim Baby immer eine Pylorusstenose?

Nein. Reflux, Kuhmilchproteinunverträglichkeit, Infekt und selten ein Darmverschluss können ebenfalls kräftig wirken. Pylorusstenose wird wahrscheinlich, wenn ein Säugling zwischen der zweiten und zwölften Woche nach dem Trinken nicht gallig schwallartig erbricht und danach wieder hungrig ist. Mayo Clinic hält die Krankheit nach dem dritten Lebensmonat für selten.

Wann muss ich mit schwallartigem Erbrechen in die Notaufnahme?

Sofort, wenn das Erbrochene grün ist, Blut enthält, der Bauch hart oder stark geschwollen ist, das Kind nicht erweckbar oder marmoriert wirkt, oder wenn Kopfschmerz, Sehstörung oder eine vorgewölbte Fontanelle dazukommen. MSD Manual und Cleveland Clinic setzen genau diese Schwellen. Beim Erwachsenen gilt dasselbe für plötzlichen Brustschmerz nach Würgen.

Hilft ein Mittel gegen Übelkeit zu Hause?

Bei Kleinkindern mit Gastroenteritis ist das kein Standard. NICE rät in CG84 von routinemäßigen Antiemetika ab, MSD erlaubt eine einzelne Ondansetrongabe bei Kindern über zwei Jahren nur unter ärztlicher Entscheidung, weil wiederholte Dosen den Durchfall verstärken können. Flüssigkeit in kleinen Schlucken bleibt der erste Schritt.

Wie lange darf infektiöses Erbrechen dauern?

NICE erwartet bei Unter-Fünfjährigen ein bis zwei Tage, meist Ende innerhalb von drei Tagen. Die CDC nennt für Norovirus ein bis drei Tage Krankheitsgefühl. Länger anhaltendes Erbrechen, vor allem ohne Durchfall oder mit neurologischen Zeichen, braucht eine neue Diagnose, nicht nur Geduld.

Kann Alkohol einen Speiseröhreneinriss auslösen?

Ja. Wiederholtes kraftvolles Erbrechen nach hohem Alkoholkonsum ist der klassische Auslöser sowohl für den Mallory-Weiss-Einriss als auch für die seltenere komplette Ruptur. StatPearls und Cleveland Clinic trennen beide. Blut ohne Brustschmerz spricht eher für den Schleimhauteinriss, plötzlicher Vernichtungsschmerz im Brustkorb für Boerhaave.

Unterscheidet sich das Erbrochene selbst vom normalen Erbrechen?

Farbe, Geruch und Konsistenz gleichen oft dem übrigen Mageninhalt. Der Unterschied liegt in Kraft, Plötzlichkeit und Begleitzeichen. Grün bedeutet Galle und möglichen Verschluss, Kaffeesatz oder helles Blut bedeuten Blutung, unverdaute Milch kurz nach dem Trinken passt zur Pylorusstenose.

Mann gießt Wasser aus Krug in Glas

Fazit

Wer schwallartiges Erbrechen einordnet, fragt zuerst nach Alter, Farbe, Hunger danach und nach Kopf, Fieber und Windeln, nicht nach der Weite des Spritzers allein. Beim jungen Säugling bleibt die Pylorusstenose der Leitverdacht, den der Ultraschall heute oft klärt, bevor Olive und Alkalose erscheinen. Die Operation nach Flüssigkeitsausgleich ist der Standard, Atropin die Ausnahme.

Im Schulalter und bei Erwachsenen führen Infekt und Lebensmittel, aber Hirndruck, Verschluss und Speiseröhrenverletzung dürfen nicht in der Hausmittel-Schublade verschwinden. Orale Rehydratationslösung, Weiterstillen und 48 Stunden Isolation nach dem letzten Symptom ersetzen die alte Kombination aus Stopfmittel, Eiswürfel und „einfach aussitzen“.

Grünes oder blutiges Erbrechen, Schockzeichen, Brustschmerz nach Würgen und Erbrechen plus Sehstörung oder vorgewölbte Fontanelle gehören in die Notaufnahme. Alles andere kann mit der behandelnden Praxis geplant werden, sobald kleine Schlucke wieder bleiben.

Quellen

  1. Garfield K, Sergent SR: Pyloric Stenosis. StatPearls, 30. Januar 2023.
  2. Belkind-Gerson J: Hypertrophic Pyloric Stenosis. MSD Manual Professional Edition, Stand: August 2025.
  3. Mayo Clinic: Pyloric stenosis – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 10. Dezember 2024.
  4. Mayo Clinic: Pyloric stenosis – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 10. Dezember 2024.
  5. CDC: About Norovirus. Centers for Disease Control and Prevention, 24. April 2024.
  6. Cleveland Clinic: Increased Intracranial Pressure (ICP). Cleveland Clinic, 20. Juni 2024.
  7. NICE: Diarrhoea and vomiting caused by gastroenteritis in under 5s: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 31. Oktober 2018.
  8. Kassama Z, Goosenberg E: Mallory-Weiss Syndrome. StatPearls, 13. Dezember 2025.
  9. CDC: Treatment of Pertussis. Centers for Disease Control and Prevention, 2. Dezember 2025.
  10. Consolini DM: Nausea and Vomiting in Infants and Children. MSD Manual Professional Edition, Stand: März 2025.
  11. Cleveland Clinic: Boerhaave’s Syndrome: Symptoms, Treatment & Definition. Cleveland Clinic, 27. April 2022.
  12. Li A, Bhurawala H: Pyloric stenosis in an infant. Australian Journal of General Practice, Oktober 2021.
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