Aloe Vera Vorteile für Haut, Mund und Darm

Aloe Vera Vorteile für Haut, Mund und Darm

Aloe-vera-Gel kann bei oberflächlichen und mitteltiefen Brandwunden die Heilzeit um wenige Tage verkürzen. Der gelbe Latex aus der Blattschale wirkt abführend, steht in den USA seit 2002 nicht mehr in rezeptfreien Abführmitteln und kann Leber und Nieren belasten. Heilung von Diabetes, Reizdarm oder UV-Schäden verspricht die Pflanze nicht.

Drei Zubereitungen tragen denselben Namen und tun sehr Verschiedenes. Das klare Gel aus dem Blattinneren ist der Stoff in Cremes und After-Sun-Produkten. Latex und nicht entfärbter Ganzblatt-Extrakt enthalten Anthrachinone, vor allem Aloin. Das National Center for Complementary and Integrative Health trennt diese Formen seit dem Stand Februar 2025 klarer als ältere Ratgeber. Wer Nutzen sucht, muss zuerst wissen, welcher Teil der Pflanze im Glas oder in der Tube steckt.

Was Gel, Latex und Ganzblatt wirklich unterscheidet

Das klare Gel sitzt im wasserspeichernden Blattinneren und ist der Ausgangsstoff für Hautprodukte. Der gelbe Latex liegt als dünne Schicht unter der Schale, schmeckt bitter und enthält die abführenden Anthrachinone. Viele Säfte und Kapseln stammen aus zerdrücktem Ganzblatt und mischen beide Fraktionen, solange niemand Aloin herausgefiltert hat.

Verbraucher sehen auf dem Etikett oft nur den Pflanzennamen. Apothekengele für Sonnenbrand sind meist aloinarm und für die Haut gedacht. Trinksaft aus dem Reformhaus kann Ganzblatt enthalten, selbst wenn die Flasche „rein“ wirbt. Das NCCIH nennt drei Wege der Herstellung: inneres Gel, Latex der äußeren Schicht, zerdrücktes Ganzblatt. Erst der dritte Weg zieht die anthrachinonreiche Rinde mit.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stufte 2016 den Ganzblatt-Extrakt als möglicherweise krebserregend für den Menschen ein (Gruppe 2B). Menschliche Belege reichten nicht, Tierdaten schon. Grundlage war vor allem das Trinkwasser-Experiment TR-577 des US-National Toxicology Program von 2013. Bei Ratten entstanden Adenome und Karzinome im Dickdarm, bei Mäusen fehlte dieser Befund. Getestet wurde nicht entfärbter Extrakt mit hohem Aloin-Gehalt. Entfärbte, kohlegefilterte Getränke mit höchstens 10 Teilen Aloin pro Million bewertete eine Laborübersicht von 2023 laut NCCIH als nicht gentoxisch. Das entlastet keine hochdosierte Latex-Kapsel.

Zubereitung Typischer Inhalt Belegter Nutzen Hauptproblem
Inneres Gel, äußerlich Polysaccharide, Wasser, wenig Aloin Verbrennung 1./2. Grades, milde Psoriasis Hautreizung, Allergie
Inneres Gel, oral aloinarmes Gel oder Pulver unsicher, Zuckerdaten schwach Hepatitis-Fälle, Wechselwirkungen
Latex (Aloin) gelber Saft unter der Schale stimulierendes Abführmittel Krämpfe, Niere, FDA-Stopp 2002
Ganzblatt, nicht entfärbt Gel plus Latex keiner in Leitlinien IARC 2B, Rattendarmtumoren

Ohne Angabe zu Aloin und Pflanzenteil bleibt jede Dosis Schätzung. Wer schluckt, braucht das Etikett und ein Gespräch in der Praxis, bevor die Flasche leer ist.

Aloe Vera Pflanzen

Hilft Aloe vera bei Verbrennungen und offenen Wunden?

Auf Verbrennungen ersten und zweiten Grades kann topisches Gel die Heilzeit verkürzen, ohne das Infektionsrisiko gegenüber anderen Cremes zu erhöhen. Für tiefe Wunden, Druckgeschwüre und sekundär heilende Operationswunden fehlt belastbare Evidenz. Eine ältere Vergleichsstudie verzögerte die Heilung nach sekundärer Wundheilung sogar um etwa 30 Tage.

Huang, Chen und Kollegen werteten 2024 neun randomisierte Studien aus, sechs davon mit messbarer Heilzeit. Gegenüber anderen topischen Mitteln lag die mittlere Differenz bei −3,76 Tagen (95-Prozent-Konfidenzintervall −5,69 bis −1,84). Der Schmerzscore fiel um 0,76 Punkte, das Konfidenzintervall schnitt die Null. Das Infektionsrisiko blieb vergleichbar (Risikoverhältnis 1,10). Die Autoren beschränkten die Aussage auf Verbrennungen zweiten Grades. Ältere Verbraucherseiten zitierten oft eine Differenz von rund neun Tagen aus einer kleineren Übersicht; die neuere Bündelung liegt deutlich darunter.

Die Cochrane-Übersicht von Dat und Kollegen (Suche 2011, sieben Studien, 347 Personen) fand keine hochwertige Evidenz für akute oder chronische Wunden insgesamt. Gegen Silber-Sulfadiazin heilten Brandwunden nicht zuverlässig häufiger. Nach Hämorrhoidektomie verkürzte sich die Zeit, nach Hautbiopsien blieb der Anteil geheilter Wunden gleich. Ein Versuch an sekundär heilenden Operationswunden verzögerte den Verschluss. Die Studienqualität war schlecht, eine gemeinsame Rechnung unmöglich. Cochrane gilt weiter für gemischte Wunden. Die Metaanalyse von 2024 gilt für die engere Frage der Verbrennung zweiten Grades.

Die Mayo Clinic schreibt im März 2025, Gel könne Brandwunden der Grade 1 und 2 sowie manche Wunden rascher schließen. Für Sonnenbrand reiche der Beweis nicht. Hausgel ersetzt keine Brandambulanz. Flächen an Gesicht, Händen, Genitalien, tiefere Schichten, chemische oder elektrische Schäden und Zeichen einer Infektion gehören in die Klinik, nicht unter Kühlschrankgel.

Was taugt das Gel bei Sonnenbrand, Akne und Psoriasis?

Bei Sonnenbrand kühlt das Gel und spendet Wasser, heilt den UV-Schaden aber nicht nachweislich besser als ein wirkstoffleeres Vergleichsmittel. Bei leichter bis mittelschwerer Schuppenflechte kann eine Extraktcreme Schuppen und Juckreiz mindern, oft erst nach Wochen täglicher Anwendung. Akne beruhigt sich in kleinen Versuchen eher, wenn das Gel zusammen mit Tretinoin aufgetragen wird, nicht als alleinige Therapie.

Die Cleveland Clinic formulierte im September 2025 denselben Vorbehalt. Antioxidantien und der Wassergehalt können Rötung und Spannungsgefühl lindern. Mehrere Studien fanden gegenüber Placebo keinen Vorsprung beim Abheilen. Kühlschrankkaltes Gel fühlt sich angenehmer an als Zimmertemperatur. Duftstoffe, Alkohol und gefärbte Lotionen reizen die bereits geschädigte Haut. Frisches Blattgel und ein schlichtes 100-Prozent-Gel aus der Tube gelten als austauschbar, sofern niemandem Allergien bekannt sind.

Zwei kleine Studien, die das NCCIH nennt, deuten darauf hin, dass Gel plus übrige Aknebehandlung Pickel besser mindert als die Standardcreme allein. Die Mayo Clinic nennt ausdrücklich die Kombination mit Tretinoin. Wer regelmäßig neue Entzündungen bekommt, braucht eine dermatologische Strategie, kein Blatt von der Fensterbank. Psoriasis-Extraktcreme kann milde Plaques bessern, wenn jemand sie mehrfach täglich über mindestens einen Monat einreibt. Das ist ein möglicher Zusatz, kein Ersatz für Vitamin-D-Analoga oder Phototherapie.

Oraler Lichen planus in der Mundhöhle besserte sich in Forschungsarbeiten, wenn Gel acht Wochen lokal blieb. Für Strahlendermatitis nennt das NCCIH nur wenige, widersprüchliche Daten. Onkologische Pflegeleitlinien führen das Blattgel deshalb nicht als Standard. Hautalterung nach Kapseln steht weder bei Mayo noch beim NCCIH als belegte Indikation. Wer Falten mit Saft behandeln will, zahlt für einen Effekt, den aktuelle Übersichten nicht tragen.

Senkt eine Mundspülung Zahnbelag und beruhigt sie Aphthen?

Als Mundspülung senkte reiner Aloe-vera-Saft in einer vier-Tage-Studie den Zahnbelag ähnlich stark wie 0,2 Prozent Chlorhexidin. Zähneputzen und Zahnseide ersetzt das nicht. Langzeitdaten zu Geschmack und Zahnfleisch fehlen, und die Spülung gehört nicht an Stelle der professionellen Reinigung.

Gupta, Gupta, Bhaskar und Kollegen randomisierten 2014 dreihundert gesunde Erwachsene. Nach professioneller Reinigung durfte vier Tage niemand bürsten. Zehn Milliliter Saft, Chlorhexidin oder Kochsalz zweimal täglich für eine Minute waren die einzigen Maßnahmen. Am vierten Tag lagen die Plaque-Werte von Saft und Chlorhexidin nahe beieinander und klar unter dem Kochsalzarm. Verfärbung und Geschmacksstörung, typisch für Chlorhexidin, traten in der Saftgruppe nicht auf. Vier Tage ohne Bürste sind ein Labor, kein Alltag.

Das NCCIH erwähnt kleine Arbeiten zu schmerzenden Stellen unter Zahnspangen und zu Lichen planus. Aphthen heilen oft von selbst in sieben bis zehn Tagen. Ein Gel kann Schmerzen mildern, übertrifft aber keine kortisonhaltige Haftpaste, wenn jemand häufig große Rezidive hat. Wer blutet, lockere Zähne oder Eiter hat, braucht Parodontologie, keine Drogerieflasche. Kinder sollen Latex-haltige Säfte nicht schlucken; die Mayo Clinic rät unter zwölf Jahren von Latex und Ganzblatt oral ab.

Warum Latex Verstopfung treibt und die FDA 2002 stoppte

Latex beschleunigt die Darmpassage, weil Aloin und verwandte Anthrachinone den Dickdarm reizen. Die US-Arzneimittelbehörde strich Aloe und Cascara sagrada am 9. Mai 2002 aus der Monografie rezeptfreier Abführmittel. Hersteller hatten keine ausreichenden Sicherheits- und Karzinogenitätsdaten nachgeliefert. Die abführende Wirkung blieb unbestritten, der Status „allgemein als sicher und wirksam anerkannt“ fiel.

Wer heute Saft oder Kapseln gegen hartnäckigen Stuhl kauft, nutzt kein geprüftes Arzneimittel, sondern ein Nahrungsergänzungsmittel mit wechselndem Aloin-Gehalt. Die Mayo Clinic schreibt 2025, unklar sei, ob Latex Verstopfung zuverlässig behandle. Krämpfe und dünner Stuhl seien häufig. Ein Gramm Latex täglich über wenige Tage kann die Nieren schädigen und tödlich enden. Kinder unter zwölf Jahren sollen Latex und Ganzblatt nicht schlucken.

Chronischer Gebrauch stimuliert den Darm so, dass sich die Schleimhaut dunkel verfärben kann (Melanosis coli). Das stört vor allem die Koloskopie. Kaliumverluste potenzieren Herzglykoside und Entwässerungsmittel. Ballaststoffe, Bewegung und, wenn nötig, geprüfte Osmotika bleiben der erste Weg. Stimulierende Anthrachinone aus der Blattschale sind kein Dauerrezept für den Küchenschrank.

Reizdarm und Darmentzündung: was Metaanalysen hergeben

Eine Metaanalyse von 2018 mit 151 Personen fand kurzfristig etwas mildere Reizdarm-Beschwerden unter Aloe gegenüber Scheinpräparat. Das NCCIH schreibt 2025 weiter, die Daten reichten nicht, um Reizdarm oder Colitis ulcerosa zu empfehlen. Beide Sätze stehen nebeneinander, weil die Studien klein und kurz waren.

Hong, Chun, Park und Kollegen bündelten drei randomisierte Versuche. Die standardisierte Mittelwertdifferenz der Symptomskalen lag bei 0,41 (Konfidenzintervall 0,07 bis 0,75). Die Ansprechrate war in der Intention-to-treat-Rechnung 1,69-fach höher. In den eingeschlossenen Armen tauchten keine zuschreibbaren Nebenwirkungen auf, die Nachbeobachtung blieb kurz. Eine günstige Tendenz in drei kleinen Studien ist kein Freibrief für Ganzblatt-Saft über Monate.

Ältere Ratgeber behaupteten pauschal, Aloe nütze bei Reizdarm und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht. Das war 2018 schon zu grob und ist 2025 zu grob in die andere Richtung. Colitis und Morbus Crohn brauchen entzündungshemmende Therapie, deren Nutzen in Leitlinien steht. Orales Gel über vier Wochen verbesserte in einem älteren Colitis-Versuch klinische Scores, ohne die Blutwerte zu verderben. Das ersetzt Mesalazin oder Biologika nicht. Wer Durchfall, Blut im Stuhl oder nächtliche Schmerzen hat, braucht Gastroenterologie, bevor ein Bittersaft den Kaliumhaushalt kippt.

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Senkt geschluckte Aloe den Blutzucker?

Acht randomisierte Studien mit 470 Personen zeigten bei Typ-2-Diabetes einen niedrigeren Langzeitzucker und bei Prädiabetes vor allem einen etwas niedrigeren Nüchternwert. Die Qualität war schwach, die Präparate nicht einheitlich, die Streuung groß. Diabetes-Fachgesellschaften führen die Pflanze nicht als Therapie.

Suksomboon, Poolsup und Punthanitisarn rechneten 2016 die Nüchternwerte und das HbA1c getrennt. Bei Prädiabetes sank der Nüchternzucker um 0,22 mmol/l, das HbA1c blieb unberührt. Bei Typ-2-Diabetes fiel das HbA1c um 11 mmol/mol, der Nüchternwert um 1,17 mmol/l mit einem p-Wert von 0,05 am Rand der Signifikanz. Gelpulver, Saft und zerriebene Blätter lagen in einem Topf. Ohne standardisierte Zubereitung bleibt unklar, welcher Stoff die Zahl bewegt hat.

Das NCCIH nennt 2025 denselben vorsichtigen Satz: oral eingenommene Aloe kann Zucker und HbA1c senken, die Belege sind dünn. Ein einzelnes Gelprodukt minderte in einer kleinen Acht-Wochen-Studie Gewicht und Fettmasse bei Übergewicht plus Diabetes oder Prädiabetes. Das ist kein Abnehmprogramm. Wer Metformin, Insulin oder SGLT2-Hemmer nimmt, riskiert mit extra zuckersenkendem Kraut eine Unterzuckerung. Die Mayo Clinic listet Diabetesmittel ausdrücklich unter den Wechselwirkungen. Blutzuckerprotokolle, Bewegung und verordnete Medikamente bleiben der Rahmen. Die Pflanze hängt höchstens als unsicherer Anhang daneben.

Welche Risiken, Wechselwirkungen und Verbote gelten?

Äußerlich vertragen die meisten das Gel; Brennen, Juckreiz, Ausschlag und Ekzem kommen vor. Oral kann Latex Krämpfe und Durchfall auslösen. Blatt-Extrakte sind mit akuter Leberentzündung verknüpft, und ein Gramm Latex pro Tag kann die Nieren schädigen. Schwangerschaft und Stillzeit gelten für Gel, Latex und Ganzblatt zum Schlucken als unsicher.

LiverTox der US-National Institutes of Health (Stand 24. Mai 2022) zählt mindestens ein Dutzend veröffentlichter Hepatitis-Fälle seit dem Erstbericht 2005. Die Latenz lag meist zwischen drei und 24 Wochen. Das Muster war zellständig, ähnlich einer Virushepatitis, selten mit Autoimmunzeichen. Tote oder Transplantationen sind nicht dokumentiert, ein Rechallenge ließ die Enzyme erneut steigen. Eine 57-jährige Frau entwickelte nach vier Wochen 500-Milligramm-Tabletten eine Gelbsucht mit ALT 1480 U/l. Eine 62-jährige Frau mit 420 Milligramm Pulver erkrankte nach drei Monaten und erneut nach dem Wiedereinnahmeversuch. Likelihood-Score B bedeutet wahrscheinliche, seltene Ursache.

Wechselwirkungen, die die Mayo Clinic im März 2025 nennt, betreffen vor allem die orale Form:

  • Gerinnungshemmer und Thrombozytenhemmer können zusammen mit oraler Aloe die Blutungsneigung erhöhen, weil beide Seiten die Gerinnung dämpfen.
  • Digoxin wird gefährlicher, wenn Latex Kalium senkt; niedrige Kaliumspiegel steigern die Glykosidwirkung am Herzmuskel.
  • Diabetesmittel plus Gel zum Schlucken können den Zucker zu weit nach unten ziehen.
  • Sevofluran in der Narkose und orale Aloe dämpfen beide die Gerinnung und können den Blutverlust in der Operation vergrößern.
  • Weitere Abführmittel plus Latex treiben Wasser und Elektrolyte aus, Diuretika verstärken den Kaliumverlust.

Zwei Wochen vor einem geplanten Eingriff sollte niemand mehr schlucken. Das gilt auch für „Wellness-Saft“, den niemand als Arzneimittel betrachtet. Übermäßiger Latexgebrauch kann laut NCCIH die Nebenwirkungen von Herzglykosiden verstärken. Wer irgendwelche Dauermedikamente nimmt, spricht die Pflanze in der Sprechstunde an, bevor die erste Kapsel fällt.

Wann reicht Hausgel, wann gehört die Haut zum Arzt?

Kleine, schmerzhafte Rötungen nach Sonne oder eine begrenzte Verbrennung ersten Grades dürfen zu Hause kühlen, feucht halten und mit schlichtem Gel bedeckt werden. Große Blasen, Fieber über 39 °C, Schüttelfrost, Verwirrtheit, wenig Urin oder ein Säugling unter einem Jahr mit Sonnenbrand gehören in die Praxis oder die Notaufnahme. Gelbsucht, dunkler Urin oder Druckschmerz unter dem rechten Rippenbogen nach Wochen oraler Einnahme sind ein Stoppzeichen, kein Grund für die nächste Flasche.

Die Cleveland Clinic listet für schwere Sonnenbrände klare Schwellen. Eitrig laufende Blasen, starke Schwellung, Fieber über 39 °C, Schwindel und trockener Mund als Dehydratationszeichen sowie Sonnenbrand im ersten Lebensjahr rechtfertigen den Anruf, nicht noch eine Schicht Gel. Dieselben Regeln gelten für Haushaltsverbrühungen, sobald die Fläche größer als eine Handfläche wird, weiß oder ledern wirkt oder Gelenke, Gesicht und Genitalien betrifft.

Nach oraler Einnahme zählt die Leberuhr anders. Drei bis 24 Wochen sind das Fenster, in dem LiverTox die idiosynkratische Hepatitis gesehen hat. Müdigkeit, Juckreiz, hellgeformter Stuhl und steigendes Gelb in den Skleren sind Anlass für Labor, nicht für Abwarten. Wer bereits eine Lebererkrankung, eine Niereninsuffizienz oder eine entzündliche Darmerkrankung hat, sollte Latex und Ganzblatt gar nicht erst öffnen. Allergie gegen Liliengewächse oder früheres Kontaktekzem durch Gel bedeutet Verzicht auf der Haut.

Hausgebrauch bleibt damit schmal. Ein aloinarmes Gel im Kühlschrank für den nächsten Sonnenbrand oder die kleine Verbrühung am Unterarm. Kein Latex gegen den trägen Darm. Kein Saft als Diabetesmittel. Kein Ganzblatt als Anti-Aging-Kur. Sobald Fieber, Tiefe der Wunde oder die Leber mitredet, endet der Hausversuch.

Häufige Fragen

Kann ich Gel direkt aus der Pflanze auf die Haut legen?

Ja, das klare Innere eines gewaschenen Blattes ist für kleine, intakte Hautstellen geeignet, wenn zuvor keine Allergie bekannt war. Die gelbe Schicht unter der Schale abwischen, damit wenig Latex auf die Haut gelangt. Offene, tiefe oder infizierte Wunden gehören nicht unter ungefilterten Pflanzensaft aus dem Kübel.

Ist Aloe-Saft zum Trinken sicher?

Kurze Einnahme aloinarmen Gels bis etwa 42 Tage galt in den vom NCCIH zitierten Studien als weitgehend verträglich. Latex und nicht entfärbter Ganzblatt-Extrakt sind eine andere Substanzklasse. Hepatitis-Fälle, Nierenschäden bei hohen Latexdosen und die IARC-Einstufung 2B betreffen vor allem diese oralen Formen. Schwangere, Stillende und Kinder unter zwölf Jahren sollen sie nicht schlucken.

Hilft Aloe vera bei Typ-2-Diabetes?

Ein Nutzen am Langzeitzucker tauchte in einer Metaanalyse von 2016 auf, die Studien waren klein und uneinheitlich. Leitlinien empfehlen die Pflanze nicht. Zusammen mit verordneten Diabetesmitteln kann der Zucker zu stark fallen. Wer es trotzdem versucht, braucht Absprachen und Messungen, nicht Selbstversuch ohne Labor.

Darf ich Aloe vera in der Schwangerschaft verwenden?

Oral raten Mayo Clinic und NCCIH von Gel, Latex und Ganzblatt ab. Theoretisch können Anthrachinone die Gebärmutter reizen, die Datenlage ist dünn, das Risiko unnötig. Ob eine dünne Schicht aloinarmen Gels auf einer kleinen Verbrühung vertretbar ist, entscheidet die betreuende Praxis, nicht das Etikett der Tube.

Wie schnell wirkt Gel auf eine Verbrennung zweiten Grades?

In der Metaanalyse von 2024 schloss die Wunde im Mittel knapp vier Tage früher als unter Vergleichsmitteln. Schmerz ließ sich nicht sicher von Placebo trennen. Tiefe Verbrennungen, große Flächen und Verätzungen gehören sofort in die Klinik. Hausgel startet erst, wenn eine Fachperson die Tiefe als oberflächlich bestätigt hat.

Ersetzt die Mundspülung das Zähneputzen?

Nein. Der Vier-Tage-Versuch von 2014 verbot absichtlich die Bürste, um Plaque-Nachwuchs zu messen. Im Alltag bleibt mechanische Reinigung der Grund. Die Spülung kann Zusatz sein, wenn jemand Chlorhexidin-Verfärbung scheut. Blutendes Zahnfleisch oder lockere Zähne brauchen die Zahnarztpraxis.

Fazit

Der belastbare Nutzen sitzt auf der Haut, nicht in der Kapsel. Für leichte und mittelschwere Brandwunden kann Gel die Heilzeit um wenige Tage verkürzen. Sonnenbrand kühlt es, heilt den UV-Schaden aber nicht nachweislich besser als ein Placebo. Milde Psoriasis und die Kombination mit Tretinoin bei Akne sind mögliche Zusätze. Mundspülung senkt kurzfristig Plaque, ersetzt aber keine Zahnbürste.

Schlucken bleibt die riskante Hälfte. Latex ist seit 2002 kein anerkanntes rezeptfreies Abführmittel. Ganzblatt-Extrakt trägt die IARC-Gruppe 2B, gestützt auf Rattendarmtumoren. Orale Extrakte sind eine wahrscheinliche, seltene Ursache akuter Hepatitis mit Latenz von Wochen. Blutzucker- und Reizdarm-Zahlen aus kleinen Studien rechtfertigen keine Selbsttherapie neben Insulin, Digoxin oder Gerinnungshemmern.

Wer morgen etwas tun will, stellt ein schlichtes, duftstoffarmes Gel in den Kühlschrank und lässt Latex-Saft im Regal. Bei der nächsten Verbrühung gilt zuerst Kühlen und Fläche schätzen, dann Gel. Jede Kapsel, jeder Trinksaft gehört in denselben Satz wie andere Kräuter: Name, Dosis und Dauer der Ärztin oder dem Arzt sagen, besonders vor Operationen und in der Schwangerschaft. Gelbsucht, Fieber über 39 °C oder eine tiefe Brandwunde beenden den Hausversuch.

Quellen

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  9. Suksomboon N, Poolsup N, Punthanitisarn S: Effect of Aloe vera on glycaemic control in prediabetes and type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Pharmacy and Therapeutics, 23. März 2016.
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  11. Hong SW, Chun J, Park S et al.: Aloe vera Is Effective and Safe in Short-term Treatment of Irritable Bowel Syndrome: A Systematic Review and Meta-analysis. Journal of Neurogastroenterology and Motility, 1. Oktober 2018.
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