
Nachtschrecken sind unvollständige Weckreaktionen aus dem tiefen Non-REM-Schlaf. Das Kind oder der Erwachsene schreit plötzlich, wirkt panisch und bleibt kaum ansprechbar, erinnert sich am nächsten Morgen aber meist an nichts.
Die Mayo Clinic (Stand 14. Januar 2025) stuft gelegentliche Nächte bei Kindern als meist unbedenklich ein. Die meisten wachsen die Episoden bis zur Jugend aus. Häufen sie sich, droht Verletzung, bleibt die Störung nach der Pubertät oder beginnt sie erst im Erwachsenenalter, gehört der Fall in die Praxis. Dort sucht man Auslöser wie Schlafmangel, Fieber und obstruktive Schlafapnoe und prüft bei untypischem Bild nächtliche Anfälle.
Fachlich heißt das Bild Schlafterror oder Pavor nocturnus. Es zählt zu den Parasomnien, also zu auffälligen Verhaltensweisen im Schlaf. Ältere Texte behaupteten oft, es gebe keine Diagnose. Das stimmt nicht mehr. Das DSM-5 und die Internationale Klassifikation der Schlafstörungen führen einen Schlafterror-Typ unter den Erregungsstörungen aus dem Non-REM-Schlaf.
Was Nachtschrecken sind
Nachtschrecken entstehen, wenn Motorik und autonomes Nervensystem schon wach werden, während Urteil und Erinnerung noch im Tiefschlaf bleiben. Die Person sitzt auf, schreit, schwitzt und starrt, ohne wirklich wach zu sein.
Schlafmedizin nennt das eine Störung der Weckreaktion. Zusammen mit verwirrtem Erwachen und Schlafwandeln bildet der Schlafterror das Spektrum der Non-REM-Erregungsstörungen. Die Episoden sitzen fast immer im ersten Drittel der Nacht, weil dort das Tiefschlafstadium N3 überwiegt. Mittagsschlaf bleibt selten betroffen. Ein typischer Ablauf dauert nach MedlinePlus (Stand 6. April 2025) oft zehn bis zwanzig Minuten; die Mayo Clinic spricht von Sekunden bis wenigen Minuten, selten länger. Die American Academy of Pediatrics nennt auf HealthyChildren (Stand 21. September 2023) Ausnahmen bis 45 Minuten, die Mehrzahl aber deutlich kürzer.
Kinder zwischen dem Vorschulalter und der späten Grundschule sind am häufigsten betroffen. StatPearls (Aktualisierung 29. Mai 2023) sieht den Schwerpunkt zwischen drei und sieben Jahren und ein Abklingen bis etwa zum zehnten Lebensjahr. Erwachsene können dasselbe Muster haben, dann oft heftiger und mit höherem Verletzungsrisiko, wenn sie aus dem Bett stürzen oder festgehalten werden.
Der Körper handelt, das Bewusstsein bleibt unvollständig. Deshalb wirken die Augen offen, die Ansprache kommt nicht an, und Trösten verlängert die Szene eher, als sie zu beenden. Nach wenigen Minuten sinkt die Person meist wieder in ruhigen Schlaf. Das unterscheidet den Ablauf von einem bewusst erlebten Angsttraum.
Verwandte Bilder gehören ins selbe Spektrum. Manche Episoden gehen in Schlafwandeln über. Verwirrtes Erwachen bleibt im Bett, ohne den schrillen Schrei und ohne die starke vegetative Entladung. Alle drei Formen können bei derselben Person in verschiedenen Nächten oder sogar in einer Nacht nacheinander auftreten.

Worin sie sich von Albträumen unterscheiden
Albträume sind ängstigende Träume im REM-Schlaf, meist in der zweiten Nachthälfte. Nachtschrecken sitzen im Tiefschlaf der frühen Nacht und hinterlassen bei Kindern fast nie eine Geschichte.
Wer einen Albtraum hat, wacht oft ganz auf, erkennt die Eltern und kann den Traum erzählen. Wer einen Nachtschreck hat, bleibt schwer weckbar, starrt glasig und lässt sich nicht beruhigen. Das MSD Manual (Überarbeitung Mai 2025) betont genau diesen Unterschied. Die vegetative Entladung fällt beim Nachtschreck deutlich stärker aus. Herzrasen, schnelle Atmung, Schwitzen, gerötetes Gesicht und weite Pupillen gehören zum Bild, während ein Albtraum oft ohne diese stürmische Aktivierung bleibt.
| Merkmal | Nachtschrecken | Albtraum | Nächtlicher hypermotorischer Anfall |
|---|---|---|---|
| Schlafstadium | Non-REM-Tiefschlaf, oft erstes Drittel | REM-Schlaf, eher zweite Nachthälfte | Beliebige Nachtzeit, oft Cluster |
| Ansprechbarkeit | Kaum tröstbar, schwer weckbar | Wacht meist vollständig auf | Stereotyp, kaum umlenkbar |
| Erinnerung | Meist Amnesie, bei Erwachsenen Bruchstücke möglich | Lebhafte Traumerzählung | Variabel, oft stereotyp wiederkehrend |
| Motorik | Schreien, Strampeln, selten Fortlaufen | Meist im Bett, wenig Bewegung | Kurze, gleiche Bewegungsabläufe |
| Dauer | Minuten, selten deutlich länger | Minuten | Oft unter 30 Sekunden bis zwei Minuten |
Die Tabelle fasst klinische Übersichten zusammen, sie ersetzt keine Diagnose. Albtraum und Nachtschreck können nebeneinander vorkommen. Bruchstücke aus einer Terror-Episode werden dann leicht als Traum fehlgedeutet. Mainieri und Kollegen schrieben 2023 in Diagnostics, dass das Kriterium „kein Trauminhalt“ bei Erwachsenen schlecht trennt, weil viele hinterher doch eine Szene oder ein Bedrohungsgefühl berichten.
REM-Schlafverhaltensstörung betrifft vor allem ältere Erwachsene. Dort wird ein lebhafter Traum mit Schlägen ausagiert, die Augen bleiben oft geschlossen, und die Erinnerung an den Traum ist klar. Das Zeitfenster liegt in der zweiten Nachthälfte. Diese Trennung steuert, wen die Praxis zuerst ins Schlaflabor schickt.
Wie häufig Nachtschrecken vorkommen
Nachtschrecken sind im Kindesalter häufig und im Erwachsenenalter deutlich seltener. Die gemeldeten Zahlen hängen stark davon ab, ob Eltern jede unruhige Nacht zählen oder ob eine klinische Störung mit Leidensdruck gemeint ist.
Leung und Kollegen schätzten 2020 in Current Pediatric Reviews die Rate bei Kindern von einem bis zwölf Jahren auf 1 bis 6,5 Prozent, mit typischem Beginn zwischen vier und zwölf Jahren und einem Gipfel zwischen fünf und sieben. Lebenszeitangaben liegen um zehn Prozent. Die Streuung erklärt sich durch Fragebögen, Altersgruppen und Definitionen. Ein einzelner Schrei mit eineinhalb Jahren ist nicht dasselbe wie wöchentliche Episoden im Schulalter.
Die kanadische Längsschnittstudie von Petit und Kollegen in JAMA Pediatrics (2015) beobachtete 1940 Kinder bis zum 13. Lebensjahr. Mit 18 Monaten berichteten Eltern bei 34,4 Prozent von Nachtschreck. Der Gipfel des Schlafwandelns lag mit 13,4 Prozent im Alter von zehn Jahren. Rund ein Drittel der Kinder mit frühem Nachtschreck wanderte später. Hatten weder Mutter noch Vater je schlafgewandelt, lag die Kinderrate für Schlafwandeln bei 22,5 Prozent; bei einem betroffenen Elternteil bei 47,4 Prozent; bei beiden bei 61,5 Prozent. Die Elternhistorie sagte auch voraus, ob Nachtschreck häufiger persistierte.
MSD nennt zusätzlich, dass etwa ein Drittel der Kinder mit Nachtschreck auch schlafwandelt. Jungen erscheinen in manchen pädiatrischen Serien etwas häufiger; im Erwachsenenalter gleichen sich die Geschlechter laut Leung an. Für Erwachsene nennen neuere Übersichten zu Erregungsstörungen Anteile von etwa 2 bis 4 Prozent. Die Lebenszeitprävalenz aller Non-REM-Erregungsstörungen liegt nach Mainieri und Kollegen um sieben Prozent. Damit fällt das alte Bild, Erwachsene seien praktisch nie betroffen, hinter belastbarere Zahlen zurück.
Welche Ursachen und Auslöser bekannt sind
Eine einzelne Schaltstelle im Gehirn erklärt Nachtschrecken nicht. Es braucht eine Anlage für tiefen, schwer weckbaren Schlaf plus einen Anstoß, der das Erwachen unvollständig macht.
Kinder haben mehr Tiefschlaf als Erwachsene. Deshalb sind sie anfälliger, und viele Episoden verschwinden, wenn der Anteil an Stadium N3 mit dem Alter sinkt. Familienhäufung ist stark. Zwillingsdaten zeigen höhere Übereinstimmung bei eineiigen als bei zweieiigen Paaren. Ein Alltagsgentest existiert nicht. HLA-Merkmale wie DQB1*05:01 tauchen in Forschungsarbeiten häufiger auf, steuern aber keine Therapieentscheidung.
Auslöser, die eine vorhandene Anlage sichtbar machen, wiederholen sich in klinischen Listen. Die Mayo Clinic nennt schweren Schlafmangel, Stress, Reise, verschobene Bettzeiten und Fieber. Krankheiten, die nachts mikroerwecken, gehören dazu, vor allem obstruktive Schlafapnoe und Restless-Legs-Syndrom. Alkohol am Abend, manche Beruhigungs- und Stimulanzien sowie Neuroleptika, Clonidin, Opiate und Antihistaminika können den Tiefschlaf so verändern, dass Episoden zunehmen. Leung listet außerdem volle Blase, Lärm, übermäßige körperliche Anstrengung, Trennungssorgen, Kopfschmerzen, Asthma nachts und Reflux.
Psychische Erkrankungen sind bei kleinen Kindern selten die Ursache. Bei Jugendlichen und Erwachsenen hängen Angst, Depression, bipolare Störung und posttraumatische Belastung häufiger mit dem Bild zusammen, ohne dass jede Episode eine psychiatrische Diagnose beweist. Eine thalamische Läsion bleibt eine Rarität. Mobbing in der Kindheit war in einer älteren Kohorte mit mehr Parasomnien assoziiert; das ist ein Langzeitbefund, kein Beweis für eine aktuelle Bedrohung in jeder Familie.
Schnarchen plus Strampeln ist ein praktischer Hinweis. MSD rät dann, eine Schlafapnoe abklären zu lassen. Bei periodischen Beinbewegungen kann Eisenmangel auch ohne Blutarmut eine Rolle spielen; Eisen ersetzt aber keine Therapie des Nachtschrecks selbst.
Was während einer Episode passiert
Eine typische Episode beginnt abrupt. Das Kind setzt sich auf oder springt aus dem Bett, schreit durchdringend und hat einen entsetzten Gesichtsausdruck.
Die Sprache ist verworren, oft einsilbig. Fragen kommen nicht an. Autonome Zeichen sind sichtbar. Puls und Atmung rasen, die Haut ist schweißig, die Pupillen weit, der Muskeltonus erhöht. Manche Kinder urinieren. Versuche, festzuhalten oder laut zu wecken, können die Panik verlängern und bei Erwachsenen aggressive Abwehr auslösen. Leung rät ausdrücklich, die Episode nicht zu unterbrechen.
Die Augen können weit offen sein, ohne dass die Person den Raum erkennt. Nach wenigen Minuten, manchmal nach einem Viertelstunde, sinkt die Anspannung. Die meisten fallen ohne volles Erwachen zurück in tiefen Schlaf. Am Morgen fehlt die Erinnerung; Erwachsene behalten eher ein Bedrohungsgefühl oder eine einzelne Szene. Verletzungen entstehen nicht durch den Schlaf selbst, sondern durch Treppen, Glas, offene Fenster oder das Festhalten durch Angehörige.
Babys unter etwa 18 Monaten haben selten echte Nachtschrecken. Quengeln und Strampeln im Schlaf sind in diesem Alter meist andere Abläufe. Ab dem Kleinkindalter wird das Bild klarer, weil der Tiefschlaf reifer und die motorische Kraft größer wird.
Babysitter und Großeltern brauchen eine kurze Erklärung. Ein Gast, der das Kind schüttelt oder anschreit, macht die Nacht nur lauter. Ruhiges Beiseitestehen, Wegsperren gefährlicher Wege und sanftes Lenken zurück ins Bett reichen in den meisten Fällen.
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose ist klinisch. Eine genaue Schilderung durch Zeugen plus Zeitpunkt in der Nacht und fehlende Erinnerung reichen bei typischen Kinderepisoden oft aus.
Die Praxis fragt nach Alter beim ersten Ereignis, Häufigkeit, Uhrzeit nach dem Einschlafen, Dauer, Schreien, Fortlaufen, Verletzungen, Schnarchen, Atempausen, Beinunruhe, Fieber, Medikamenten, Alkohol, Familiengeschichte und Tagesmüdigkeit. Ein Schlaftagebuch über zwei Wochen, wie es die Mayo Clinic vor dem Termin empfiehlt, zeigt, ob die Episoden zu einer festen Minute nach dem Zubettgehen kommen. Ein Handyvideo einer typischen Nacht hilft mehr als jede Erinnerung am nächsten Morgen.
Körperliche Untersuchung sucht nach Entwicklungs- und neurologischen Auffälligkeiten, wenn die Nächte häufig sind. Routinelabor ohne Anhalt ist weder nötig noch wirtschaftlich, schreibt Leung. Polysomnographie mit Video kommt infrage, wenn das Bild untypisch ist, wenn Episoden sehr oft auftreten, wenn Anfälle denkbar sind oder wenn die bisherige Abklärung nichts erklärt. Leung nennt als Orientierung mehr als zwei Nächte pro Woche plus atypisches Alter oder Verhalten. Mainieri und Kollegen schlagen drei Sicherheitsstufen vor. Möglich bleibt die Diagnose nach Gespräch, wahrscheinlich mit passendem Heimvideo oder kurzen Laborereignissen, sicher wenn das Labor eine typische Episode aus dem Non-REM-Schlaf zeigt.
Fragebögen wie die Paris Arousal Disorders Severity Scale dienen vor allem Erwachsenen zur Schweregradmessung. Sie ersetzen weder Zeugenbericht noch Video. EEG ohne Video und ohne Schlafprotokoll verfehlt Parasomnien leicht und beweist Anfälle nicht zuverlässig, wenn kein Ereignis aufgezeichnet wird.
Was Anfälle und andere Nachtstörungen unterscheidet
Nächtliche Anfälle, vor allem die schlafbezogene hypermotorische Epilepsie, können Schreien und Strampeln imitieren. Mehrere gleiche, kurze Cluster über die ganze Nacht sprechen eher für Anfälle als für Nachtschrecken.
Anfälle dieses Typs dauern oft unter zwei Minuten, wiederholen sich in einer Nacht und bleiben in der Bewegung stereotyp. Sie können in jedem Lebensalter beginnen und persistieren eher. Nachtschrecken sind isolierter, länger, weniger stereotyp und sitzen im ersten Nachtdrittel. Leung betont 2020, dass Anfälle zu jeder Nachtzeit und auch tagsüber auftreten können und typischerweise ohne Aufsitzen, Stehen oder Gehen bleiben. Video-EEG im Schlaf bleibt der Maßstab, wenn die Trennung unsicher ist.
Nächtliche Panik weckt vollständig. Die Person ist orientiert, erinnert die Angst und hat oft auch tagsüber Panikattacken. Motorische Verwirrung und Amnesie fehlen. Reflux kann Kinder abrupt wecken, geht aber mit Tagesbeschwerden, Würgen oder Überstrecken einher. Psychogene Anfälle brauchen eine eigene Abklärung und sind kein Nachtschreck.
Schlafwandeln teilt denselben Tiefschlafmechanismus. Der Unterschied liegt in der Semiotik. Beim Wandeln steht Fortbewegung im Vordergrund, beim Terror der Schrei und die vegetative Entladung. Beide können ineinander übergehen. Das ändert die Sicherung der Wohnung nicht. Treppen, Fenster und Küche müssen in beiden Fällen ungefährlich sein.
Ein Nachtschreck erhöht nach StatPearls nicht das Epilepsierisiko des Kindes. Die Trennung bleibt trotzdem nötig, weil eine übersehene Epilepsie andere Medikamente braucht als eine Parasomnie.
Was zu Hause hilft
Die wirksamste Hilfe ist genug Schlaf, eine sichere Umgebung und ruhiges Nichtwecken. Medikamente braucht die große Mehrheit der Kinder nicht.
Schlafmangel vertieft in der Folgeschlafperiode den Tiefschlaf und macht unvollständige Weckreaktionen wahrscheinlicher. Die American Academy of Sleep Medicine, zitiert bei Leung, nennt als Orientierung 10 bis 13 Stunden Schlaf in 24 Stunden für Drei- bis Fünfjährige, 9 bis 12 Stunden für Sechs- bis Zwölfjährige und 8 bis 10 Stunden für Jugendliche. Feste Bettzeiten, eine ruhige Einschlafritual und der Verzicht auf Koffein am Nachmittag senken die Zahl der Nächte. Bildschirme kurz vor dem Schlafen und Lärm, der mikroerweckt, gehören zu den vermeidbaren Reizen.
Während der Episode gilt dasselbe Schema in fast allen Leittexten.
- Bleiben Sie in der Nähe, sprechen Sie leise und verzichten Sie darauf, das Kind festzuhalten oder laut zu wecken.
- Lenken Sie es sanft vom Treppenabsatz oder Fenster weg und räumen Sie Glassachen und Kabel aus dem Weg.
- Schließen Sie Fenster und Außentüren, sichern Sie Treppen mit einem Gitter und vermeiden Sie Etagenbetten.
- Erklären Sie Babysittern vor der ersten Übernachtung, dass Schreien in diesem Bild kein waches Entsetzen ist.
- Notieren Sie Uhrzeit nach dem Einschlafen, Dauer und mögliche Auslöser, damit ein Muster sichtbar wird.
Kommt die Episode über Wochen zur selben Minute, kann vorausschauendes Wecken helfen. Die Mayo Clinic empfiehlt, die Person etwa 15 Minuten vorher kurz zu wecken und wenige Minuten wach zu halten. Leung setzt den Zeitpunkt eher eine halbe Stunde vor der üblichen Attacke. Beides zielt darauf, den Tiefschlaf zu unterbrechen, bevor die unvollständige Weckreaktion startet. Ohne stabiles Zeitmuster bringt das Verfahren wenig.
Stressabbau und, wenn nötig, Gespräche mit der Praxis oder einer Beratungsstelle können Episoden seltener machen, vor allem bei älteren Kindern und Erwachsenen. Sie ersetzen nicht die Sicherung der Wohnung.
Wann der Arzt und welche Therapie
Gelegentliche Episoden ohne Verletzung kann man beim nächsten Kinder- oder Hausarzttermin erwähnen. Häufung, Unfälle, Tagesmüdigkeit oder ein Neubeginn nach der Jugend gehören zeitnah in die Sprechstunde.
MedlinePlus nennt häufige Nächte, regelmäßig gestörten Schlaf, Begleitsymptome und Beinahe-Verletzungen als Schwellen. Die Mayo Clinic ergänzt extreme Schläfrigkeit tagsüber, Probleme in Schule oder Beruf und jedes Fortbestehen über die Teenagerjahre oder den Beginn als Erwachsener. Ungewöhnlich häufige, stereotype oder über die ganze Nacht verteilte Episoden gehören nach Leung ebenfalls in die rasche Abklärung. Erwachsene mit neuem Bild brauchen eine Suche nach Schlafapnoe, Medikamenten, Alkohol und, bei Verdacht, nach Anfällen.
Therapie heißt zuerst, Auslöser und Begleiterkrankungen zu behandeln. Eine behandelte obstruktive Schlafapnoe kann Parasomnien deutlich seltener machen. Eisen bei nachgewiesenem Mangel und periodischen Beinbewegungen gehört in diese Schublade, nicht in die Standardliste jedes Kindes mit Nachtschreck. Kognitive Verhaltenstherapie, Entspannung oder Hypnose können Erwachsenen helfen, wenn Stress oder Angst mitlaufen.
Arzneimittel bleiben Reserve. StatPearls rät bei typischen Kinderepisoden ausdrücklich von Medikamenten ab. Die Mayo Clinic nennt Benzodiazepine oder bestimmte Antidepressiva nur, wenn Sicherheit, Schlaf oder der Alltag leiden. Merck (Stand Juli 2026) erwähnt bei Beeinträchtigung der Tagesleistung mittellang oder lang wirksame orale Benzodiazepine wie Clonazepam, warnt aber vor Nebenwirkungen. Leung hält Clonazepam kurzfristig für denkbar, wenn Fatigue, Tagesschläfrigkeit oder Leidensdruck bestehen, und rät, die Dosis mindestens 90 Minuten vor dem Zubettgehen zu geben, damit der Spiegel in der frühen Nacht wirkt. Abruptes Absetzen kann Tiefschlaf zurückprallen lassen und Episoden neu entfachen. Melatonin, trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer tauchen in Fallserien auf; belastbare Vergleichsstudien fehlen. Dosierungen setzt nur die behandelnde Praxis.
Die Prognose bei Beginn im Kleinkindalter ist gut. Die meisten Kinder werden bis zur späten Jugend ruhiger. Beginnt das Bild erst in der Pubertät oder im Erwachsenenalter, kann es länger bleiben und verdient eine gründlichere Suche nach Ursache und Differenzialdiagnose.
Häufige Fragen
Sind Nachtschrecken gefährlich?
Für das Kind selbst ist die Episode meist ungefährlich, weil es nicht wirklich wach leidet und oft nichts erinnert. Gefahr entsteht durch die Umgebung, etwa Treppen, Glas oder offene Fenster, und durch unsanftes Festhalten. Erwachsene verletzen sich oder andere eher, besonders wenn jemand sie blockiert.
Soll ich mein Kind während eines Nachtschrecks wecken?
Nein. Wecken und Festhalten machen die Verwirrung oft größer und können die Episode verlängern. Bleiben Sie ruhig in der Nähe, sprechen Sie leise und lenken Sie das Kind nur, wenn es sich verletzen könnte. Die Szene endet in der Regel von selbst, danach schläft das Kind weiter.
Haben Nachtschrecken mit Epilepsie zu tun?
Klassische Kinderepisoden erhöhen das Epilepsierisiko nicht. Stereotyp kurze Cluster über die ganze Nacht oder Ereignisse auch am Tag müssen Anfälle ausschließen lassen. Dann braucht es Video-EEG im Schlaf, nicht nur Beruhigung.
Verschwinden Nachtschrecken von selbst?
Bei den meisten Kindern ja, oft bis zum zehnten Lebensjahr oder jedenfalls bis zur späten Jugend. Ein Beginn nach der Pubertät oder im Erwachsenenalter persistiert eher und sollte abgeklärt werden. Familienhäufung erklärt, warum Geschwister ähnlich betroffen sein können.
Hilft vorausschauendes Wecken wirklich?
Wenn die Episode über Wochen zur selben Zeit nach dem Einschlafen kommt, kann kurzes Wecken 15 bis 30 Minuten vorher die Kette unterbrechen. Ohne festes Zeitmuster ist der Nutzen gering. Die Methode ersetzt nicht genug Nachtschlaf und keine Abklärung von Schnarchen oder Atempausen.
Brauchen Kinder Medikamente gegen Nachtschrecken?
In der Regel nein. StatPearls rät bei typischem Verlauf ausdrücklich davon ab. Arzneimittel kommen nur infrage, wenn Verletzungsgefahr, schwere Alltagsstörung oder erfolglose Verhaltensmaßnahmen vorliegen, und dann zeitlich begrenzt unter ärztlicher Kontrolle.
Fazit
Nachtschrecken sind eine unvollständige Weckreaktion aus dem Tiefschlaf, kein Zeichen dafür, dass das Kind „etwas Schreckliches erlebt“ und auch keine undiagnostizierbare Laune. Gelegentliche Nächte im Vorschul- und Grundschulalter darf man als entwicklungsnahes Muster behandeln. Sicherheit im Zimmer, genug Schlaf und ruhiges Nichtwecken sind die ersten Schritte für die nächste Nacht.
Häufen sich die Episoden, dauern sie ungewöhnlich lang, droht Verletzung oder beginnt das Bild erst beim Erwachsenen, gehört die Geschichte in die Praxis. Dort zählt, ob Schlafapnoe, Beinunruhe, Medikamente, Alkohol oder Anfälle mitlaufen. Video vom Handy und ein Schlaftagebuch sparen oft ein vorschnelles Schlaflabor.
Arzneimittel bleiben Ausnahme. Wer morgen etwas tun will, legt Bettzeit und Schlafdauer fest, räumt Treppen und Fenster sicher und notiert die Minute nach dem Einschlafen. Kommt ein Muster, kann geplantes Wecken helfen. Kommt keins oder wirkt das Bild untypisch, entscheidet die Ärztin oder der Arzt über Labor und, selten, über ein kurzfristiges Medikament.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: Sleep terrors (night terrors) – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 14. Januar 2025.
- Mayo Clinic Staff: Sleep terrors (night terrors) – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 14. Januar 2025.
- MedlinePlus: Night terrors in children. MedlinePlus / National Library of Medicine, 6. April 2025.
- Van Horn NL, Street M: Night Terrors. StatPearls Internet. StatPearls / NCBI Bookshelf, 29. Mai 2023.
- Leung AKC, Leung AAM et al.: Sleep Terrors: An Updated Review. Current Pediatric Reviews, August 2020.
- Sulkes SB: Sleep Problems in Children. MSD Manual Professional Edition, Mai 2025.
- Petit D, Pennestri MH et al.: Childhood Sleepwalking and Sleep Terrors: A Longitudinal Study of Prevalence and Familial Aggregation. JAMA Pediatrics, Juli 2015.
- American Academy of Pediatrics: Nightmares, Night Terrors & Sleepwalking in Children: How Parents Can Help. HealthyChildren.org, 21. September 2023.
- Mainieri G, Loddo G et al.: Diagnosis and Management of NREM Sleep Parasomnias in Children and Adults. Diagnostics, 27. März 2023.
- Schwab RJ: Parasomnias. Sleep and Wakefulness Disorders. Merck Manual Professional Edition, Juli 2026.
