
Brennende Augen entstehen meist, wenn der Tränenfilm reißt, der Lidrand entzündet ist oder Allergene Histamin freisetzen. Seltener steckt ein UV-Schaden der Hornhaut, eine okuläre Rosazea, ein Flügelfell oder ein chemischer Unfall dahinter.
Das National Eye Institute (Stand 6. August 2025) nennt Brennen, Stechen und ein kratzendes Gefühl als Kernbeschwerden des trockenen Auges und schätzt rund 16,4 Millionen Betroffene allein in den USA. StatPearls (Aktualisierung 29. Februar 2024) ordnet die weltweite Häufigkeit je nach Diagnosekriterium zwischen etwa 5 und 50 Prozent ein; Frauen und ältere Menschen sind häufiger betroffen. Die Mayo Clinic (23. September 2022) beschreibt denselben Mechanismus: Zu wenig wässrige Tränen oder eine schlechte Ölschicht lassen die Oberfläche austrocknen, und das Gehirn liest das als Hitze oder Sand.
Viele Episoden klingen mit künstlichen Tränen, Lidpflege und weniger Bildschirmstarre ab. Plötzlicher Sehverlust, eine Chemikalie im Auge oder stechender Schmerz nach Verletzung gehören laut NHS (27. Oktober 2025) in die Notaufnahme, nicht in die Hausapotheke.
Was löst das Brennen in den Augen aus?
Hinter dem Brennen steckt fast immer eine gereizte Augenoberfläche: der Tränenfilm hält nicht, der Lidrand entzündet sich, oder Histamin weitet die Gefäße. Mehrere Ursachen können sich überlagern, deshalb täuscht ein einzelnes Hausmittel oft.
Die Mayo Clinic zerlegt den Tränenfilm in Öl, Wasser und Schleim. Fehlt das Öl der Meibom-Drüsen, verdunstet das Wasser zu schnell. Produziert die Tränendrüse zu wenig Flüssigkeit, etwa im Alter, bei Sjögren-Syndrom oder unter Antihistaminika, bleibt die Hornhaut ungeschützt. StatPearls betont den Teufelskreis aus Hyperosmolarität, Entzündungsbotenstoffen und instabilem Film; Brennen, Stechen und ein Druckgefühl gehören zu den häufigsten Schilderungen.
Allergie, Lidrandentzündung und Bildschirmarbeit mischen sich oft. Wer den ganzen Tag starrt, blinzelt seltener; wer Pollen reibt, zerstört den Film zusätzlich. Orale Allergietabletten können die Tränenmenge senken, obwohl sie den Juckreiz dämpfen, schreibt die American College of Allergy, Asthma and Immunology. Tropfen gegen Rötung mit gefäßverengendem Wirkstoff wirken kurz, danach kann die Rötung stärker zurückkommen.
| Ursache | Typisches Bild | Wann Hilfe holen |
|---|---|---|
| Trockenes Auge | Brennen abends, Sandgefühl, tränen trotz Trockenheit | Wenn Tropfen nach wenigen Tagen nicht reichen |
| Lidrandentzündung | Krusten am Morgen, fettige Wimpern, Schaum in den Tränen | Wenn tägliches Waschen nichts ändert |
| Allergie | Starkes Jucken, klares Wasser, Niesen | Bei Sehstörung oder Kind unter zwei Jahren |
| Photokeratitis | Schmerz Stunden nach Sonne, Schweißen oder Solarium | Am selben Tag, Kontaktlinsen sofort raus |
| Chemikalie | Sofortschmerz nach Spritzer, oft Lauge oder Säure | Sofort spülen, dann Notaufnahme |
Seltene, aber sichtbare Auslöser sind ein Flügelfell, das von der Bindehaut auf die Hornhaut wächst, und eine okuläre Rosazea mit geröteten Lidern bei Gesichtsrosazea. Beide können brennen und das Sehen bedrohen, wenn die Hornhaut mitbetroffen ist.

Warum fühlt sich ein trockenes Auge heiß an?
Ein trockenes Auge brennt, weil der Film hyperosmolar wird und die Hornhautnerven frei liegen. Die Oberfläche ist nicht „leer“, sondern chemisch und mechanisch gereizt.
Laut Tear Film and Ocular Surface Society (TFOS) DEWS III, veröffentlicht 2025 im American Journal of Ophthalmology, ist das trockene Auge eine immer symptomatische, vielschichtige Krankheit mit Verlust der Homöostase von Film oder Oberfläche. Wolffsohn und Kollegen setzen als Screening den kurzen OSDI-6 mit Schwellenwert 4 oder höher; dazu muss entweder die nichtinvasive Aufrisszeit unter 10 Sekunden liegen, die Osmolarität mindestens 308 mOsm/L betragen oder die Seitendifferenz über 8 mOsm/L gehen. Alternativ zählen mehr als fünf Fluoreszeinflecken auf der Hornhaut, mehr als neun Lissamingrün-Punkte an der Bindehaut oder eine Lidrandfärbung von mindestens 2 mm Länge und 25 Prozent Breite. Ältere Texte trennten streng wässriges Defizit und Verdunstung; DEWS III sortiert Treiber in Film (Lipid, Wasser, Muzin), Lid und Oberfläche und behandelt sie parallel statt nacheinander.
Die Mayo Clinic listet als Risikofaktoren Alter über 50 Jahre, weibliches Geschlecht, Kontaktlinsen, refraktive Laser und wenig Vitamin A in der Nahrung. Medikamente, die den Film schwächen, sind Antihistaminika, Abschwellmittel, Hormone, Antidepressiva, Blutdrucksenker, Isotretinoin und Mittel gegen Parkinson. Wind, Rauch, Flugzeugluft und ein Bildschirm über Augenhöhe beschleunigen die Verdunstung, weil das Lid weiter geöffnet bleibt.
Paradox wirken überschießende Tränen. StatPearls erklärt sie als Reflex auf Schmerz: Die Drüse schüttet dünne Flüssigkeit aus, die den Film nicht stabilisiert. Wer nach drei Stunden am Rechner plötzlich tränt, hat oft denselben Mechanismus wie jemand mit sandtrockenem Blick. Unbehandelt kann schwere Trockenheit laut Mayo Clinic Infekte, Hornhautabschürfungen, Geschwüre und Sehverlust nach sich ziehen.
Lidrandentzündung, Demodex und verstopfte Meibom-Drüsen
Eine Blepharitis ist eine Entzündung der Lidkante; sie brennt oft morgens, verklebt die Wimpern und macht den Tränenfilm schaumig. Sie ist nicht ansteckend und nach Angaben der Mayo Clinic (20. September 2025) nicht heilbar, aber mit täglicher Pflege meist steuerbar.
Zwei Wege überwiegen. Bakterien, die ohnehin auf der Haut leben, vermehren sich und setzen Entzündungsstoffe frei. Oder die Meibom-Drüsen verstopfen, das Öl wird zäh, und der Film verdunstet. Schuppenflechte der Kopfhaut, Rosazea, Allergien gegen Tropfen oder Make-up, trockene Augen und ein Überschuss an Wimpernmilben (Demodex) erhöhen das Risiko. Frühere Ratgeber reduzierten Blepharitis oft auf eine „bakterielle Infektion“; heute gilt Demodex als eigener, behandelbarer Treiber.
In den USA ließ die FDA im Juli 2023 Lotilaner-Augentropfen 0,25 Prozent (Xdemvy) für Demodex-Blepharitis zu. Laut DailyMed träufelt man einen Tropfen in jedes Auge zweimal täglich, etwa zwölf Stunden auseinander, über sechs Wochen. Kontaktlinsen vorher herausnehmen und frühestens 15 Minuten später wieder einsetzen; zwischen zwei Augentropf-Präparaten sollen mindestens fünf Minuten liegen. In den Studien Saturn-1 und Saturn-2 mit 833 Teilnehmenden sank die Zahl der Collaretten (kragenartige Schuppen an der Wimpernbasis) deutlich; die Milbenfreiheit lag in Saturn-1 bei 68 gegenüber 17 Prozent unter Trägerlösung. Häufigste Nebenwirkung war Brennen oder Stechen beim Eintropfen bei 10 Prozent. Ob und wann das Präparat in Deutschland verfügbar ist, entscheidet die lokale Zulassung; die Dosis gilt nur für das US-Label.
Folgen unbehandelter Blepharitis sind Gerstenkorn, Hagelkorn, fehlgeleitete Wimpern, Narben am Lid und Hornhautwunden. Wer trotz Waschen Krusten, Schmerzen oder Lichtscheu behält, braucht eine Spaltlampe, keine weitere Tube Kamillentee.
Allergie oder Reiz: woran man den Unterschied merkt
Allergische Bindehautentzündung juckt typischerweise stärker als sie brennt; dazu kommen klares Wasser, gerötete Bindehaut und oft Niesen. Brennen allein ohne Juckreiz spricht eher für Trockenheit oder Lidrand.
Die ACAAI unterscheidet saisonale Formen (Pollen) von ganzjährigen (Hausstaubmilben, Schimmel, Tierhaare). Reizstoffe wie Zigarettenrauch, Parfüm und Dieselabgase können dasselbe Bild nachahmen, ohne eine klassische IgE-Reaktion. Schwere Sonderformen wie die Frühjahrskeratoconjunctivitis bei Jungen mit Ekzem oder Asthma und die atopische Keratoconjunctivitis bei älteren Männern mit Neurodermitis können die Hornhaut vernarben, wenn niemand behandelt.
Hausmittel der ersten Stufe sind Allergenmeidung, geschlossene Fenster bei hoher Pollenlast, Sonnenbrille draußen und künstliche Tränen, die Allergene ausspülen. Orale Antihistaminika lindern Juckreiz nur mäßig und trocknen die Oberfläche oft zusätzlich, warnt die ACAAI. Abschwellende Rottetropfen sollen höchstens zwei bis drei Tage genutzt werden; länger droht ein Rebound mit noch mehr Rötung. Menschen mit Glaukom sollen sie meiden. Kombinationspräparate aus Antihistaminikum und Mastzellstabilisator gelten als Erstlinie, weil sie Histamin blockieren und weitere Freisetzung dämpfen. Kortison-Tropfen gehören in die Hand der Augenheilkunde, weil Druckanstieg, Katarakt und Infekt bei längerer Gabe drohen.
Wer die Augen reibt, hält den Juckreiz am Leben und kann Keime eintragen. Bei Kindern unter zwei Jahren mit gerötetem Auge rät der NHS zum Arztbesuch; bei Säuglingen unter 28 Tagen gilt jede Rötung als dringlich.
UV-Schaden, Chemikalien und Bildschirmarbeit
Photokeratitis ist ein Sonnenbrand der Hornhaut; das Brennen kommt oft erst Stunden später, wenn die geschädigten Zellen abgestoßen werden. Chemikalien dagegen schmerzen sofort und bleiben ein Notfall, bis gespült ist.
Die American Academy of Ophthalmology beschreibt Schmerz, Rötung, Tränen, Sandgefühl, Lichtscheu, Höfe um Lichter und selten vorübergehenden Sehverlust. Auslöser sind Sonne auf Schnee, Wasser oder Sand, ein Blick in die Sonnenfinsternis ohne Filter, Solarien und Lichtbogen beim Schweißen. Die Diagnose stützt sich auf die Anamnese und Fluoreszein an der Spaltlampe. Behandlung ist unterstützend: Kontaktlinsen sofort entfernen, dunkler Raum, kühle Kompresse auf geschlossenen Lidern, künstliche Tränen, Schmerzmittel nach ärztlicher Vorgabe. Antibiotische Tropfen nur, wenn die Klinik sie zum Infektschutz anordnet. Symptome klingen meist in ein bis zwei Tagen ab. Schutzbrillen, die 99 Prozent oder mehr der UV-Strahlung blocken, Schweißerschirme und Schneebrillen verhindern den Schaden.
Bei einem chemischen Spritzer zählt Minuten. StatPearls zu Augenverbrennungen (Aktualisierung 2026) verlangt sofortiges, reichliches Spülen mit Leitungswasser oder Kochsalz, ohne auf Neutralisation oder den Rettungswagen zu warten. In der Klinik soll die Spülung mindestens 30 Minuten dauern, bei schweren Laugenverletzungen oft zwei bis vier Stunden, bis der pH der Oberfläche bei 7,0 bis 7,4 liegt. Laugen (Reiniger, Zement, Ammoniak) dringen tiefer als die meisten Säuren. Ein schmerzarmes, blasses Auge nach Lauge kann schwerer verletzt sein als ein laut rotes.
Bildschirme lösen keinen UV-Brand aus, senken aber die Blinzelfrequenz. Die Mayo Clinic rät, den Monitor unter Augenhöhe zu stellen, regelmäßig die Lider zu schließen und künstliche Tränen auch vorzubeugen, nicht erst wenn es brennt. Das NEI nennt Pausen vom Starren, 7 bis 8 Stunden Schlaf und ausreichend Trinken als Alltagshilfen; eine genaue Literzahl für die Augen selbst ist nicht belegt.
Okuläre Rosazea und Flügelfell
Okuläre Rosazea entzündet Lidrand und Bindehaut bei Menschen mit Gesichtsrosazea; ein Flügelfell ist ein fleischiges, meist nasales Wachstum auf das Weiße und weiter auf die Hornhaut. Beide können brennen, jucken und das Sehen verzerren.
Die Mayo Clinic führt Rosazea ausdrücklich als Risikofaktor für Blepharitis und verstopfte Meibom-Drüsen. Zusätzlich können Lichtscheu, Fremdkörpergefühl und in schweren Fällen Hornhautschäden auftreten. Die Therapie zielt auf Lidhygiene, Entzündungshemmung und den Tränenfilm, nicht auf Antihistaminika allein. Systemische Tetrazykline oder topisches Ciclosporin setzt nur die behandelnde Praxis an; Hausdosen ohne Diagnose gehören nicht ins Badezimmerregal.
Ein Pterygium (Flügelfell) wächst meist von der nasalen Bindehaut auf die Hornhaut und hängt mit UV-Last und trockenem Klima zusammen, analog zu dem, was die AAO für Photokeratitis und die Mayo Clinic für verdunstungsbedingte Reizung beschreiben. Es kann brennen, wenn es entzündet ist, und das Sehen verzerren, sobald es die Hornhautkrümmung ändert oder die Achse erreicht. Künstliche Tränen und UV-dichte Brillen können die Reizung dämpfen; ob operiert wird, entscheidet die Augenheilkunde nach Wachstum, Sehen und Beschwerden.
Beide Diagnosen brauchen eine Spaltlampe. Was nach „rotem Auge im Sommer“ aussieht, kann ein wachsendes Flügelfell oder eine Rosazea mit Hornhautbeteiligung sein.

Welche Untersuchungen klären die Ursache?
Die Ursache klärt eine gezielte Anamnese plus Spaltlampe; Labore allein reichen selten. Wer seit wann brennt, was lindert, welche Tropfen und Tabletten laufen und ob Mundtrockenheit oder Gelenke dazukommen, steuert die Tests.
MedlinePlus (2. Oktober 2024) nennt Sehschärfe, Spaltlampe, Anfärben von Hornhaut und Film, Aufrisszeit, Schirmer-Test und Osmolarität. Beim Schirmer-Test hängt ein Papierstreifen ins Unterlid; nach fünf Minuten gelten je nach Schwelle unter 5 bis 10 mm Benetzung als Hinweis auf wässriges Defizit, erklärt StatPearls. Fluoreszein macht den Film und Hornhautdefekte sichtbar. DEWS III hat die Schwellen 2025 geschärft: OSDI-6 plus Aufrisszeit oder Osmolarität oder Färbemuster.
Der Lidrand gehört zur Untersuchung. Collaretten an den Wimpern, verdickte Kanten, schaumige Tränen und schwer ausdrückbares Meibum deuten auf Blepharitis oder Meibom-Dysfunktion. Demodex lässt sich an epilierten Wimpern unter dem Mikroskop sehen. Bei Verdacht auf Sjögren-Syndrom (trockener Mund, Gelenkschmerz, Müdigkeit) können Antikörper gegen Ro/SS-A und La/SS-B sowie die Überweisung zur Rheumatologie folgen.
Medikamentenlisten decken stille Auslöser auf. Abschwellmittel, Antidepressiva, Betablocker, Diuretika und Isotretinoin stehen bei Mayo Clinic und StatPearls auf der Verdachtsliste. Kontaktlinsen und kürzliche Laser- oder Kataraktoperationen gehören dazu, weil die Hornhautnerven vorübergehend weniger Tränen anfordern.
Niemand muss alle Tests in einer Sitzung bekommen. Ein erster Besuch kann Film, Lid und Färbung klären; Spezialverfahren wie Meibographie oder MMP-9-Schnelltest bleiben ausgewählten Praxen vorbehalten.
Was zu Hause hilft und was eher schadet
Künstliche Tränen, warme Kompressen, Lidreinigung und weniger Luftzug helfen den meisten leichten Fällen; Rottetropfen, dauerhaftes Reiben und ungeprüfte Ölkapseln oft nicht. Die Therapie folgt der Ursache, nicht dem Symptomwort „Brennen“.
MedlinePlus beginnt mit künstlichen Tränen mindestens zwei- bis viermal täglich. Bleibt die Besserung nach zwei Wochen aus, darf man unkonservierte Tropfen häufiger geben, bis zu alle zwei Stunden, die Marke wechseln oder die Praxis fragen. Konservierer, besonders Benzalkoniumchlorid, reizen bei häufiger Gabe selbst. Gele und Salben halten länger, trüben aber das Sehen und eignen sich vor allem nachts, etwa wenn die Lider im Schlaf einen Spalt offen bleiben.
Warme, saubere Kompressen und ein sanftes Reinigen der Wimpernbasis gehören zur Lidpflege bei Blepharitis und Meibom-Dysfunktion. Die Mayo Clinic rät zu Luftbefeuchter im Winter, anliegender Brille gegen Wind, Bildschirm unter Augenhöhe, Rauch meiden und künstlichen Tränen auch in beschwerdefreien Phasen. Direktes Gebläse aus Klima, Heizung oder Föhn auf das Gesicht ist ungünstig.
Omega-3-Kapseln galten lange als Standardrat. Die DREAM-Studie im New England Journal of Medicine (3. Mai 2018) prüfte 3000 mg n-3-Fettsäuren über zwölf Monate gegen Olivenöl-Placebo bei mäßigem bis schwerem trockenen Auge: Symptome und Zeichen besserten sich in beiden Gruppen ähnlich, ohne signifikanten Vorteil der Kapseln. MedlinePlus erwähnt Fischöl zwei- bis dreimal täglich noch als Option; wer eine Kapsel erwägt, sollte diesen Widerspruch mit der Praxis besprechen statt eine hohe Dosis als gesichert anzusehen.
Rezeptpflichtige Tropfen wie Ciclosporin oder Lifitegrast können die eigene Tränenproduktion anregen, schreibt das NEI. Punctum-Plugs halten Tränen länger auf der Oberfläche; eine Lidkorrektur bleibt seltenen Fehlstellungen vorbehalten. Keines dieser Verfahren heilt jede Ursache, und keines ersetzt die Spülung nach Chemikalie.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Leichtes Brennen ohne Sehänderung darf ein bis wenige Tage mit künstlichen Tränen und Lidpflege beobachtet werden; Schmerz, Sehverlust, Chemikalie oder Verletzung nicht. Der NHS trennt klar zwischen Abwarten, baldigem Termin und Rettungsstelle.
MedlinePlus rät zum zeitnahen Kontakt bei roten oder schmerzhaften Augen, Schuppen oder Ausfluss, Wunde am Auge oder Lid, Verletzung, vorgewölbtem Auge, hängendem Lid, Gelenkschmerz plus trockenem Mund oder ausbleibender Besserung nach wenigen Tagen Selbstsorge. Die Mayo Clinic nennt anhaltend rote, gereizte, müde oder schmerzende Augen als Grund für einen Termin. Kontaktlinsenträger mit gerötetem, schmerzendem Auge sollen laut NHS rasch geklärt werden, weil eine Infektion der Hornhaut droht.
In die Notaufnahme oder den Notruf gehören laut NHS gerötete Augen plus Sehänderung (Wellen, Blitze, Verlust), starke Lichtscheu, heftigster Kopfschmerz mit Übelkeit, sehr dunkelrote Färbung, Verletzung oder Fremdkörper, chemische Flüssigkeit und ungleiche Pupillen. StatPearls ergänzt: Nach Chemikalie zuerst spülen, dann fahren; Neutralisationsversuche mit Säure gegen Lauge verschlechtern den Schaden. Ein Auge nicht selbst verbinden, das etwas eingedrungenem Glas oder Metall enthält.
Keine App ersetzt die Spaltlampe, wenn das Sehen kippt. Wer unsicher ist, wählt die strengere Stufe: lieber dieselbe Nacht eine Augennotfallstelle als am Montag eine Hornhaut, die nicht mehr heilt.
Häufige Fragen
Können trockene Augen trotzdem tränen?
Ja. StatPearls beschreibt überschießendes Tränen als Schmerzreflex auf eine trockene, hyperosmolare Oberfläche. Die Flüssigkeit ist dünn und hält den Film nicht, deshalb brennt es weiter. Künstliche Tränen und Lidpflege können den Reflex dämpfen, sobald die Oberfläche ruhiger wird.
Helfen Omega-3-Kapseln gegen das Brennen?
Als pauschale Therapie eher nicht. Die DREAM-Studie 2018 fand nach zwölf Monaten mit 3000 mg n-3-Fettsäuren keinen klaren Vorteil gegenüber Placebo. Einzelne kleinere Arbeiten zu Meibom-Dysfunktion bleiben widersprüchlich. Wer bereits Kapseln nimmt, setzt sie nicht selbst ab, wenn ein Arzt sie aus anderem Grund empfohlen hat.
Darf ich Tropfen gegen rote Augen täglich nehmen?
Nur kurz. Die ACAAI begrenzt abschwellende Rottetropfen auf zwei bis drei Tage, sonst kann die Rötung stärker zurückkehren. Bei Glaukom sind sie ungeeignet. Künstliche Tränen ohne Gefäßverenger sind für den Alltag die sicherere Wahl.
Ist brennendes Auge ansteckend?
Meist nicht. Trockenheit, Allergie, Blepharitis und Photokeratitis springen nicht wie eine Erkältung über. Ansteckend können virale oder bakterielle Bindehautentzündungen sein, die neben Brennen oft klebriges Sekret und geschwollene Lider zeigen. Bei eitrigem Ausfluss und erkrankten Kontaktpersonen gilt Abstand und ärztliche Klärung.
Wie lange dauert ein Hornhautsonnenbrand?
In der Regel ein bis zwei Tage, schreibt die AAO, sofern keine weitere UV-Last dazukommt. Kontaktlinsen bleiben draußen, bis die Klinik es freigibt. Nimmt der Schmerz nach 48 Stunden zu oder bleibt das Sehen schlecht, braucht es eine erneute Untersuchung, keine weiteren Betäubungstropfen aus der Hausapotheke.
Wann muss ich nach Chemikalie in die Klinik?
Sofort, nach Beginn der Spülung. StatPearls verlangt mindestens 30 Minuten Spülen, bei Lauge oft länger, und eine pH-Kontrolle in der Notaufnahme. Den Behälter oder den Namen des Stoffes mitnehmen, wenn das ohne Zeitverlust geht. Keine hausgemischte Neutralisation.
Fazit
Morgen zählt die Ursache, nicht das Wort Brennen. Wer abends am Schreibtisch brennt, startet mit unkonservierten Tränen, warmen Kompressen und einem Monitor unter Augenhöhe. Wer morgens verklebte Lider hat, wäscht die Wimpernbasis und lässt Demodex und Meibom-Drüsen prüfen, statt nur „Antibiotika gegen Infekt“ zu erwarten.
Allergie braucht Meidung und gezielte Tropfen; orale Antihistaminika allein trocknen oft nach. Omega-3-Kapseln sind seit der DREAM-Studie 2018 kein automatischer Rat mehr. Lotilaner gegen Demodex existiert in den USA seit 2023 als geprüftes Schema, nicht als frei verkäufliches Wundermittel.
Sehverlust, Chemikalie, Verletzung, ungleiche Pupillen oder stechender Schmerz mit Übelkeit gehören in die Notaufnahme. Alles andere darf geplant zur Augenheilkunde, aber nicht monatelang mit Rottetropfen überdeckt werden.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: Dry eyes – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 23. September 2022.
- National Eye Institute: Dry Eye | National Eye Institute. National Eye Institute, 6. August 2025.
- Tai A et al.: Dry eye syndrome. MedlinePlus, 2. Oktober 2024.
- Golden MI, Meyer JJ et al.: Dry Eye Syndrome. StatPearls, 29. Februar 2024.
- Chaudhary OR: What is Photokeratitis — Including Snow Blindness?. American Academy of Ophthalmology, Stand: 2024.
- Asbell PA, Maguire MG et al.: n-3 Fatty Acid Supplementation for the Treatment of Dry Eye Disease. New England Journal of Medicine, 3. Mai 2018.
- Tarsus Pharmaceuticals: XDEMVY- lotilaner ophthalmic solution. DailyMed, Juli 2023.
- American College of Allergy, Asthma & Immunology: Eye Allergy | Causes, Symptoms & Treatment. American College of Allergy, Asthma & Immunology, Stand: 2025.
- Mayo Clinic Staff: Blepharitis – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 20. September 2025.
- Wolffsohn JS, Benítez-Del-Castillo JM et al.: TFOS DEWS III: Diagnostic Methodology. American Journal of Ophthalmology, November 2025.
- National Health Service: Red eye: common causes and when to get help. National Health Service, 27. Oktober 2025.
- Patek GC, Bates A et al.: Ocular Burns – StatPearls. StatPearls, 31. Januar 2026.
