
Ein Volvulus entsteht, wenn sich ein Darmabschnitt um die eigene Achse und um das versorgende Gekröse dreht. Die Schlinge verlegt den Durchgang und kann die Durchblutung so weit drosseln, dass die Wand innerhalb von Stunden abstirbt.
Bei Säuglingen steht fast immer eine angeborene Malrotation dahinter, bei Erwachsenen ein erworbenes, zu langes Sigma oder ein unzureichend fixiertes Zäkum. Die World Society of Emergency Surgery formulierte 2023, dass ein unkomplizierter Sigmavolvulus zuerst endoskopisch gelöst und noch im selben Aufenthalt reseziert werden soll; die ältere Praxis, jeden Fall sofort zu eröffnen, gilt so nicht mehr. Grünes Erbrechen, zunehmende Bauchspannung und Kreislaufzeichen bleiben trotzdem ein Grund, die Notaufnahme anzufahren, statt zu Hause abzuwarten.
Was ein Volvulus ist und wie die Drehung entsteht
Ein Volvulus ist die pathologische Torsion einer Darmschlinge um sich selbst und um das Gekröse. Sobald die Drehung den Innenraum verschließt und die Gefäße im Stiel komprimiert, entsteht eine geschlossene Schlinge. Inhalt kommt weder vor noch zurück, der Druck in der Wand steigt, die Kapillaren versiegen.
Die American Academy of Family Physicians beschreibt genau diese Konstellation 2018 als Musterbeispiel eines chirurgischen Notfalls, weil arterielle Zufluss- und venöse Abflusswege gleichzeitig verdreht werden. Die WSES-Leitlinie 2023 ergänzt die Mechanik am Sigma. Eine Drehung bis etwa 180 Grad kann noch physiologisch sein, darüber drohen Verschluss, Ischämie und Perforation. Spontan löst sich das Geschehen laut derselben Arbeit nur in rund 2 Prozent der Fälle. In etwa 70 Prozent dreht das Sigma gegen den Uhrzeigersinn; warum diese Richtung überwiegt, ist unklar.
Zwei Wege der Torsion werden am Sigma unterschieden. Der häufigere axiale mesokolische Typ (rund 75 Prozent) verdreht das Gekröse selbst, der organoaxiale Typ (rund 25 Prozent) dreht das Organ um seine Längsachse. Der gedehnte Darm produziert mehr Gas, Bakterien treten durch die geschädigte Schleimhaut, der Druck steigt weiter. StatPearls (Aktualisierung September 2022) hält fest, dass wiederholte, sich selbst lösende Attacken das Meso vernarben und die Schlinge in der verdrehten Lage fixieren können. Fibrose ist also eher Folge als Ursache.
Kinder trifft vor allem der Dünndarm, Erwachsene das Sigma und danach das Zäkum. Die Flexura lienalis verdreht sich selten, weil sie fest am hinteren Bauchfell hängt. Ohne rasche Entlastung folgt der Kreis aus Minderdurchblutung, bakterieller Durchwanderung und Gewebsuntergang, den die Leitlinie als Teufelskreis aus Distension und Ischämie beschreibt.

Warum das Sigma bei Erwachsenen verdreht
Beim Erwachsenen verdreht sich am häufigsten das Sigma, weil es lang und an einem schmalen Gekrösestiel aufgehängt ist. NIDDK (Stand August 2019) und WSES 2023 nennen dasselbe anatomische Muster, nämlich ein überlanges Sigma (Dolichosigma) auf schmaler Basis.
Die Ursache ist fast immer mehrfach. Chronische Verstopfung lädt den Schenkel mit Stuhl, ballaststoffreiche Kost kann denselben Abschnitt in Weltregionen mit hoher Inzidenz zusätzlich füllen, regelmäßige Laxanzien und Einläufe halten die Schlinge weich und mobil. Neuroleptika und andere dämpfende Mittel verlangsamen die Darmbewegung; Pflegeheimbewohner mit langer Bettlägerigkeit, Parkinson-Krankheit oder Multipler Sklerose erscheinen in den Serien deshalb überdurchschnittlich oft. StatPearls zählt außerdem Schwangerschaft, Verwachsungen nach Operation oder Infekt, Hirschsprung-Krankheit, Chagas-Krankheit mit Megakolon und seltene Myopathien wie die Duchenne-Muskeldystrophie.
Geografie verschiebt das Bild, ohne die Mechanik zu ändern. In den Vereinigten Staaten und Westeuropa macht der kolonische Volvulus nach WSES 10 bis 15 Prozent der Dickdarmverschlüsse aus; NIDDK nennt für alle Ileusursachen in den USA weniger als 5 von 100. Im sogenannten Volvulusgürtel (Afrika, Naher Osten, Indien, Russland, Osteuropa, Südamerika) entfallen 13 bis 42 von 100 Ileusfällen auf diese Drehung. Dort sind oft jüngere Männer betroffen, im Westen eher Männer jenseits der 60. Halabi und Kollegen beobachteten in US-Daten 2002 bis 2010 eine stabile Sigma-Inzidenz, während der Zäkumvolvulus jährlich um etwa 5 Prozent zunahm.
Jüngere Erwachsene mit Sigmadrehung haben häufiger ein Megakolon, etwa bei Hirschsprung oder Chagas. Eine alleinige Sigmaresektion reicht dann oft nicht, weil sich der Restkolon erneut verdrehen kann; WSES empfiehlt in dieser Konstellation eine ausgedehntere Kolektomie. Diabetes und verminderte Selbstständigkeit treten als Begleitfaktoren auf, ersetzen aber die anatomische Voraussetzung nicht.
Zäkum, Querkolon und Magen als andere Drehstellen
Ein Zäkumvolvulus entsteht, wenn Blinddarm und aufsteigender Dickdarm nicht fest am hinteren Bauchfell verwachsen sind. StatPearls unterscheidet die organoaxiale Drehung (echter Zäkumvolvulus) von der Zäkumbasküle, bei der das Zäkum nach vorn klappt, ohne den Gefäßstiel vollständig zu tordieren; die Basküle gefährdet die Durchblutung seltener.
NIDDK nennt jüngere Frauen häufiger betroffen als Männer, im Gegensatz zum Sigmavolvulus. Schwangerschaft, vorausgegangene Laparoskopie oder Koloskopie können den beweglichen rechten Kolonpol zusätzlich verlagern. Die endoskopische Auflösung gelingt StatPearls zufolge nur in etwa 20 Prozent und rezidiviert oft; Standard bleibt die Operation, meist eine rechtsseitige Hemikolektomie, manchmal eine Detorsion mit Zäkopexie, wenn die Wand noch vital ist.
Querkolon und linke Flexur verdrehen sich selten (laut WSES 1 bis 4 Prozent bzw. etwa 1 Prozent), fast immer bei extremer Länge oder nach Voroperationen. Der Magenvolvulus ist eine eigene Entität. StatPearls (November 2022) beschreibt eine Drehung um mindestens 180 Grad; 10 bis 30 Prozent sind primär durch lockere Magenbänder, die Mehrzahl sekundär durch Zwerchfell- oder paraösophageale Hernie. Organoaxial drehen etwa zwei Drittel, mesenteroaxial ein Drittel. Typisch sind Kleinkinder unter einem Jahr und Erwachsene über 50. Die Borchardt-Trias aus epigastrischem Schmerz, Würgereiz ohne Erbrechen und nicht platzierbarer Magensonde tritt bei bis zu 70 Prozent der akuten organoaxialen Fälle auf. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit akuter Verläufe in älteren Serien bei 30 bis 50 Prozent, weil der Magen stranguliert, nekrotisch wird oder perforiert.
| Ort | Typisches Alter | Häufige Voraussetzung | Erster ärztlicher Schritt |
|---|---|---|---|
| Sigma | oft über 60 Jahre, im Volvulusgürtel jünger | Dolichosigma, Obstipation, Heim, Neuroleptika | flexible Endoskopie, danach Resektion |
| Zäkum | eher jüngere Frauen | fehlende Fixation, Schwangerschaft, Laparoskopie | primäre Operation, selten Endoskopie |
| Mittelarm | Neugeborene und Säuglinge | Malrotation mit schmaler Gekrösebasis | sofortige Ladd-Operation |
| Magen | unter 1 Jahr oder über 50 Jahre | Zwerchfellhernie, lockere Bänder | operative Detorsion und Fixation |
Die Tabelle trennt vier klinische Welten. Wer „Volvulus“ googelt, meint meist Sigma oder Säuglings-Dünndarm; Zäkum und Magen brauchen andere erste Schritte.
Malrotation und Mittelarmvolvulus bei Säuglingen
Bei Säuglingen verdreht sich der Mittelarm, weil der Darm in der Embryonalzeit nicht vollständig um die A. mesenterica superior rotiert und sich nicht breit am hinteren Bauchfell verankert. Die schmale Gekrösebasis erlaubt eine Drehung um den Gefäßstiel; Ladd-Bänder können zusätzlich das Duodenum einengen.
Merck (Vollrevision August 2025) schätzt asymptomatische Rotationsanomalien auf etwa 1 von 500, symptomatische Malrotation auf 1 von 2500 bis 6000 Lebendgeburten. Etwa 40 Prozent der Betroffenen kommen im ersten Lebensmonat, mehr als 80 Prozent in den ersten fünf Jahren. NIDDK (August 2019) formuliert, dass bis zu 80 Prozent der Säuglinge mit Malrotation im ersten Monat erkannt werden; die Prozentangaben beziehen sich auf unterschiedlich definierte Gruppen und widersprechen sich nicht zwingend. Cleveland Clinic (Oktober 2024) betont, dass die Malrotation selbst stumm bleiben kann, bis der Volvulus eintritt.
Gallehaltiges, grünes oder gelbgrünes Erbrechen ist das Leitsymptom. StatPearls zum Mittelarmvolvulus (September 2022) nennt zusätzlich obere Bauchspannung, Druckschmerz und rasche Kreislaufverschlechterung. Blutiger Stuhl kann schon Ischämie bedeuten. Die Bauchdecke wirkt früh oft noch weich; wer auf klassische Peritonitis wartet, verliert Zeit. Ältere Kinder und Erwachsene mit unerkannter Malrotation berichten eher über wiederkehrende Koliken, postprandiales Erbrechen, Durchfall oder Gedeihstörung, selten über den fulminanten Verlauf des Neugeborenen.
Begleitfehlbildungen sind häufig, darunter Gastroschisis, Omphalozele, Zwerchfellhernie, Atresien, Meckel-Divertikel, Herzfehler und Heterotaxie. Die Ursache der Fehldrehung selbst bleibt unklar; NIDDK erwähnt mögliche genetische Beiträge, Cleveland Clinic verweist auf die Formung um die zehnte Schwangerschaftswoche ohne gesicherten Auslöser.
Therapie der Wahl ist die Ladd-Operation. Operateurinnen und Operateure drehen den Darm gegen den Uhrzeigersinn („Zeiger zurückdrehen“), trennen die Ladd-Bänder, weiten die Gekrösebasis, verlagern Dünndarm nach rechts und Kolon nach links und entfernen meist den Blinddarm, weil er danach nicht mehr im rechten Unterbauch liegt. Merck hält fest, dass ein bestehender Volvulus eine Sofortoperation verlangt; bei Malrotation ohne Drehung kann laparoskopisch geplant werden. Ein Rezidiv nach Ladd bleibt möglich, ist aber seltener als das Rezidiv eines nur endoskopisch gelösten Sigmavolvulus.
Welche Symptome auf eine Darmdrehung hinweisen
Die Beschwerden beginnen oft plötzlich mit krampfartigem Bauchschmerz, zunehmender Blähung und ausbleibendem Stuhl oder Wind. Erbrechen kommt beim Sigmavolvulus eher spät, weil der Verschluss links distal sitzt; beim Mittelarmvolvulus des Säuglings steht galliges Erbrechen am Anfang.
StatPearls beschreibt für Erwachsene Schmerz, Distension, Erbrechen, Obstipation, Stuhlverhalt, Blutauflagerungen oder Fieber. Etwa ein Drittel der Sigmafälle schleichen sich über Tage ein, zwei Drittel kommen akut. WSES ergänzt, dass 30 bis 41 Prozent frühere Blähattacken angeben und 30 bis 40 Prozent schon einmal einen Sigmavolvulus hatten. Im Volvulusgürtel erscheint das Vollbild aus Schmerz, Verstopfung und Erbrechen häufiger als im Westen, wo ältere, institutionalisierte Menschen oft erst nach drei bis vier Tagen eintreffen.
Säuglinge ziehen die Beine an, schreien, beruhigen sich kurz und beginnen von vorn, so Cleveland Clinic. Lethargie, schnelle Atmung und blasse, kühle Haut gehören schon zur Schockphase. Kinder über einem Jahr klagen über Schmerz, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung, Blut im Stuhl und mangelndes Gedeihen; grünes Erbrechen wird seltener als beim Neugeborenen.
Magenvolvulus meldet sich mit stechendem Oberbauchschmerz, erfolglosem Würgen und der Unfähigkeit, eine Sonde zu platzieren. Chronische, unvollständige Drehungen erzeugen nur Völlegefühl, frühe Sättigung oder Schluckstörung und werden deshalb oft als Reflux verkannt.
Fieber, brettharter Bauch und zunehmende Verwirrtheit sprechen für Perforation oder Sepsis, nicht mehr für eine „einfache Verstopfung“. NIDDK listet Infekt- und Schockzeichen ausdrücklich als Komplikationssymptome. Hausmittel, Abführmittel und Einläufe ändern an der Torsion nichts und können eine ischämische Wand belasten.
Wann die Notaufnahme zuständig ist
Jeder Verdacht auf Volvulus gehört in die Klinik, nicht in die Warteschlange der Praxis. Eine geschlossene Schlinge kann die Darmwand zerstören, bevor der Schmerz „typisch“ wirkt.
Cleveland Clinic fordert den Notruf, wenn ein Kind grün oder gelbgrün erbricht oder Blut im Stuhl hat. Dazu kommen ungewöhnlich schnelle Atmung, rascher Puls, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, kühle blasse Haut und ein geblähter, kolikartiger Bauch. Merck formuliert analog, dass galliges Erbrechen eines Säuglings ein Notfall ist, bis Malrotation mit Mittelarmvolvulus ausgeschlossen ist; unbehandelt drohen Infarkt, Kurzdarm oder Tod.
Erwachsene sollten die Notaufnahme aufsuchen bei plötzlichem, starkem Bauchschmerz mit Distension, bei fehlendem Wind und Stuhl, bei wiederholtem Erbrechen, bei Fieber oder bei Blut im Stuhl. Zeichen von Schock (Verwirrtheit, Schweiß, blasse Haut, schneller Puls) oder eine harte, druckschmerzhafte Bauchdecke bedeuten mögliche Perforation. Schwangere mit Ileuszeichen brauchen dieselbe Dringlichkeit. WSES nennt den kolonischen Volvulus als häufige organische Verschlussursache in der Schwangerschaft, selten in absoluten Zahlen, aber mit mütterlicher Sterblichkeit von 6 bis 12 Prozent und fetaler von 20 bis 26 Prozent in den ausgewerteten Berichten, oft nach verzögerter Diagnose.
Kein Tee, keine Wärmflasche und kein Abführmittel ersetzen die Bildgebung. Wer bereits einen Sigmavolvulus hatte, sollte bei ähnlichen Beschwerden nicht auf eine Spontanlösung setzen; die Leitlinie beziffert sie auf etwa 2 Prozent.

Wie die Diagnose gesichert wird
Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, Tastbefund und Bildgebung, nicht auf einen einzelnen Laborwert. WSES verlangt zunächst gezielte Untersuchung und ein Labor inklusive Blutgas und Laktat, warnt aber, dass Ischämie auch ohne erhöhtes Laktat vorliegen kann.
Die Abdomenleeraufnahme zeigt beim Sigmavolvulus oft das Kaffeebohnen-Zeichen, eine luftgefüllte, nach kranial ragende Schlinge, die bis über das Querkolon reichen kann. Freie Luft auf der Thoraxaufnahme spricht für Perforation. Reicht das nicht oder besteht Ischämieverdacht, folgt die CT; Swenson und Kollegen erreichten in der von WSES zitierten Serie eine Trefferquote von 89 Prozent. Das Strudelzeichen (gedrehte Gefäße) und Kontrastmittel in der Wandbeurteilung helfen, eine Ischämie zu erkennen. Ein Kontrasteinlauf kann ein Schnabelzeichen am Drehpunkt zeigen, ist aber bei Perforationsverdacht verboten; wasserlösliches Kontrastmittel ist Barium vorzuziehen.
Beim Säugling mit Galleerbrechen steht die Leeraufnahme am Anfang. Doppelblase, fehlende Distalluft oder beides zwingen zur sofortigen Operation, nicht zum Abwarten einer Kontrastserie. Ist das Kind kreislaufstabil und ohne Perforationszeichen, bleibt die obere Magen-Darm-Passage das bevorzugte Verfahren. Die duodenojejunale Flexur liegt rechts der Wirbelsäule, oft mit Korkenzieherbild. Merck nennt den Bariumeinlauf als Ergänzung (Zäkum nicht im rechten Unterbauch) und den Ultraschall, wenn erfahrene Untersucher das Strudelzeichen und die Lage der Mesenterialgefäße beurteilen. Laborwerte wie Leukozytose bleiben unspezifisch.
Differentialdiagnosen sind Tumorstenose, Divertikelstriktur, Pseudoobstruktion (Ogilvie), Bridenileus, Invagination, Mesenterialischämie und nekrotisierende Enterokolitis. Die Bildgebung trennt sie; die Klinik allein reicht selten.
Behandlung nach den Leitlinien seit 2021
Beim unkomplizierten Sigmavolvulus steht 2023 die flexible Endoskopie am Anfang, nicht der Bauchschnitt. WSES gibt eine starke Empfehlung. Fehlen klinische und radiologische Hinweise auf Ischämie oder Perforation, wird das Sigma zuerst endoskopisch dekomprimiert. Der Erfolg liegt bei 60 bis 95 Prozent, die Morbidität um 4 Prozent, einzelne Serien nennen 3 Prozent Sterblichkeit. Nach gelungener Detorsion bleibt ein Entlastungsschlauch liegen. Die amerikanische Fachgesellschaft für Kolon- und Rektalchirurgie formulierte 2021 denselben Stufenplan.
Ohne Resektion kehrt die Drehung in 45 bis 71 Prozent zurück, in Langzeitserien 43 bis 75 Prozent. Deshalb soll die Sigmaresektion so früh wie möglich angeboten werden, möglichst noch während des ersten Aufenthalts. Nichtresezierende Verfahren (nur Detorsion, Sigmopexie, Mesosigmoidoplastik) verhindern das Rezidiv schlechter und sollen laut WSES vermieden werden. Hochrisikopatienten, denen eine Bauchoperation nicht zuzumuten ist, können in ausgewählten Fällen eine perkutane endoskopische Kolostomie zur Fixation erhalten; die Evidenz ist schwach, Komplikationen sind nicht selten.
Misslingt die Endoskopie oder bestehen Nekrose, Perforation, Peritonitis oder Schock, folgt die sofortige Resektion ohne vorheriges Aufdrehen der gangränösen Schlinge, um Endotoxin und Bakterien nicht in den Kreislauf zu drücken. Ob primäre Anastomose oder Hartmann-Situation mit endständigem Stoma, richtet sich nach Stabilität, Kontamination und Darmqualität. Bei gleichzeitigem Megakolon reicht die alleinige Sigmaresektion nicht.
Zäkumvolvulus wird operiert. Mittelarmvolvulus des Kindes ist immer eine Sofortoperation nach Kreislaufauffüllung. Magenvolvulus verlangt Detorsion, Hernienverschluss und Gastropexie; bei Nekrose Resektion. StatPearls erwähnt für sehr fragile Patienten eine vorsichtige Sondendekompression als Überbrückung, nicht als Ersatz der Versorgung.
Ältere Texte, darunter viele Patientenartikel um 2018, beschrieben den Volvulus pauschal als „sofort operieren und aufdrehen“. Für das unkomplizierte Sigma ist das überholt; für Zäkum, Mittelarm, Magen und jedes ischämische Sigma gilt die Dringlichkeit unverändert.
Komplikationen, Verlauf und was vorbeugt
Unbehandelt drohen Wandnekrose, Lochbildung, Kotperitonitis, Sepsis und Schock. Nach ausgedehnter Dünndarmresektion kann ein Kurzdarm-Syndrom bleiben, das parenterale Ernährung oder in Extremfällen eine Transplantation braucht. StatPearls nennt für unsichere, nicht resezierende Strategien Rezidivraten um 40 bis 60 Prozent und für Notfalloperationen bei instabilen Patienten Sterblichkeiten von 12 bis 25 Prozent; Zäkumverlaufe wirken in älteren Vergleichen tödlicher als Sigmaverlaufe.
Früh erkannt und entlastet, ist die Prognose deutlich besser. WSES beziffert die Sterblichkeit nach nicht dringlicher Sigmaresektion auf 0 bis 12 Prozent. Jede weitere Attacke trägt dasselbe Ischämierisiko; deshalb ist „abwarten, bis es sich löst“ keine Strategie. Operationsfolgen können Anastomosenleck, Wundinfekt, Abszess, Stomakomplikation und späterer Bridenileus sein.
Vorbeugen im strengen Sinn gelingt bei der angeborenen Malrotation nicht. Cleveland Clinic schreibt, dass sich die Fehllage nicht verhindern lässt, frühe Vorstellung aber schwere Schäden mindert. Bei Erwachsenen senkt die Behandlung hartnäckiger Obstipation vermutlich die Last im Sigma, ohne dass randomisierte Präventionsstudien das belegen. Nach einem ersten, erfolgreich entspiralisierten Sigmavolvulus ist die geplante Resektion die wirksamste Rezidivprophylaxe. Familien von Säuglingen sollten galliges Erbrechen nicht als „normales Spucken“ verbuchen.
Wer neuroleptisch behandelt wird, im Heim lebt oder bereits Ileusattacken hatte, sollte Betreuende über das Krankheitsbild informieren. Das ersetzt keine Leitlinie, verkürzt aber die Zeit bis zur Aufnahme.
Häufige Fragen
Was verursacht einen Volvulus?
Eine zu mobile, oft überlange Darmschlinge verdreht sich um das Gekröse. Bei Säuglingen ist das fast immer eine Malrotation, bei älteren Erwachsenen ein Dolichosigma plus Obstipation, Medikamente oder Bettlägerigkeit, beim Zäkum eine fehlende Fixation. Selten reichen Verwachsungen, Schwangerschaft oder eine Zwerchfellhernie.
Ist ein Volvulus immer ein Notfall?
Ja, sobald die Schlinge geschlossen ist oder Galle erbrochen wird. Die Durchblutung kann innerhalb von Stunden kippen, auch wenn der Bauch noch weich wirkt. Nur die Klinik kann Ischämie und Perforation ausschließen.
Kann sich die Drehung von selbst lösen?
Selten. WSES nennt etwa 2 Prozent Spontanlösungen beim Sigma; der Rest braucht Endoskopie oder Operation. Intermittierende, sich selbst lösende Attacken kommen vor, vor allem bei Malrotation Älterer, und täuschen harmlosen Reizdarm vor.
Hilft ein Einlauf oder Abführmittel zu Hause?
Nein. Mechanische Maßnahmen ohne Sicht auf die Schleimhaut können eine minderversorgte Wand verletzen. Einläufe gehören in die Klinik und nur nach Ausschluss einer Perforation.
Bleibt nach der Operation ein künstlicher Ausgang?
Nicht zwangsläufig. Nach geplanter Sigmaresektion ohne Peritonitis ist eine primäre Naht häufig möglich. Bei Nekrose, Kotaustritt oder Schock legen Teams oft ein zeitweiliges oder dauerhaftes Stoma an, bis der Darm und der Kreislauf das Zusammennähen erlauben.
Warum erbricht ein Säugling mit Volvulus grün?
Galle aus dem Zwölffingerdarm staut sich, weil die Drehung den Mittelarm verschließt, und färbt das Erbrochene grün oder gelbgrün. Cleveland Clinic und Merck werten dieses Zeichen als Alarm, nicht als Variante von Reflux.

Fazit
Ein Volvulus ist keine einheitliche Krankheit, sondern eine Mechanik an verschiedenen Orten. Säuglinge verdrehen den Mittelarm auf einer angeboren schmalen Gekrösebasis, ältere Menschen das Sigma auf einem langen Meso, jüngere Frauen häufiger das Zäkum, Kinder und Ältere selten den Magen in einer Hernie. Sobald die Schlinge schließt, zählt Zeit.
Seit 2021/2023 gilt für das unkomplizierte Sigma ein Stufenplan mit flexibler Endoskopie zuerst und Resektion noch im selben Aufenthalt, weil das Rezidiv ohne Entfernung der Schlinge die Regel ist. Zäkum, Mittelarm und jedes ischämische Segment bleiben Primäroperationen. Die pauschale Botschaft „sofort Bauch auf und aufdrehen“ aus älteren Patientenartikeln trifft so nicht mehr.
Wer morgen handelt, fährt bei grünem Erbrechen, hartem oder rasch geblähtem Bauch und Kreislaufzeichen in die Notaufnahme und versucht keine Hausmittel. Nach einem ersten Sigmavolvulus gehört die geplante Resektion auf die Tagesordnung, nicht das Hoffen auf die nächste Spontanlösung.
Quellen
- Le CK, Anand S, Cooper W: Volvulus – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 12. September 2022.
- Tian BWCA, Vigutto G et al.: WSES consensus guidelines on sigmoid volvulus management. World Journal of Emergency Surgery, 15. Mai 2023.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Colonic Volvulus. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: August 2019.
- Cleveland Clinic: Intestinal Malrotation & Volvulus in Children. Cleveland Clinic, 14. Oktober 2024.
- Belkind-Gerson J: Malrotation of the Bowel. Merck Manual Professional Edition, August 2025.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Malrotation – NIDDK. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: August 2019.
- Holt AC, Anand S et al.: Midgut Volvulus – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 12. September 2022.
- Lopez PP, Megha R: Gastric Volvulus – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 7. November 2022.
- Jackson P, Vigiola Cruz M: Intestinal Obstruction: Evaluation and Management. American Family Physician, 15. September 2018.
