
Weibliche Genitalbläschen und offene Stellen an Vulva, Scheideneingang oder After entstehen am häufigsten durch Herpes-simplex-Viren, daneben durch Syphilis. Die Leitlinie der US-Seuchenschutzbehörde CDC zu genitalen, analen und perianalen Ulzera (Stand Juli 2021) nennt bei jungen, sexuell aktiven Patientinnen genau diese beiden Infektionen als die mit Abstand häufigsten Ursachen; Herpes bleibt die prävalenteste.
Das bloße Aussehen täuscht oft. Dieselbe Stelle kann jucken, brennen, nässen oder fast schmerzlos bleiben. Warzen, Dellwarzen, nicht sexuell erworbene Aphthen, Kontaktekzem und Krampfadern der Schamlippen erzeugen ebenfalls Beulen oder Blasen. Weltweit lebten 2020 nach der WHO-Modellierung rund 520 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren mit HSV-2; Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer, weil die Übertragung vom Mann auf die Frau effizienter ist.
Ohne Labor bleibt die Zuordnung unsicher. Mehr als ein Erreger kann in derselben Wunde sitzen. Deshalb gehören Abstrich und Bluttests zur Abklärung, nicht das reine Augenmaß.
Welche Ursachen kommen am häufigsten vor?
Bei sexuell aktiven Frauen in Industrieländern stehen Herpes und Syphilis vorn, seltener bakterielle Geschwüre wie Ulcus molle. Die CDC betont, dass sich in einer einzigen Läsion zwei Erreger treffen können und dass Hefe, Verletzung, Karzinom, Aphthen, Morbus Behçet, fixes Arzneimittelexanthem oder Schuppenflechte dasselbe Bild nachahmen.
Nach Herpes nennt DermNet die vulväre Aphthose als zweithäufigste Ursache genitaler Ulzera, besonders bei Jugendlichen. Dazu kommen Feigwarzen durch Humane Papillomviren, Dellwarzen durch ein Pockenvirus, allergische oder irritative Kontaktdermatitis und in der Schwangerschaft geschwollene Venen der Vulva. Eine Bartholin-Zyste fühlt sich eher wie ein praller Knoten neben dem Scheideneingang an, nicht wie eine gruppierte Blase.
Schmerz und Zahl der Läsionen geben Hinweise, ersetzen aber keinen Test. Gruppierte, stechend schmerzende Bläschen, die aufplatzen, sprechen für Herpes. Ein derbes, oft schmerzloses Einzelgeschwür passt zum Primäraffekt der Syphilis, kann laut CDC-Syphilis-Kapitel (Stand Oktober 2024) jedoch atypisch, mehrfach oder schmerzhaft sein. Tiefe, ausgestanzte, spiegelbildliche Ulzera nach einem fieberhaften Infekt ohne Sexualkontakt passen zum Lipschütz-Ulkus.
| Merkmal | Herpes genitalis | Syphilis (Primäraffekt) | Lipschütz-Ulkus / NSGU |
|---|---|---|---|
| Schmerz | oft stark, brennend | klassisch gering, nicht immer | sehr stark, oft mit Dysurie |
| Zahl und Form | meist mehrere, gruppiert, zuerst Bläschen | oft einzeln, derb, erhaben | eins bis wenige, tief, ausgestanzt |
| Begleitzeichen | Fieber und Lymphknoten vor allem beim Erstschub | regionale Lymphknoten, später Exanthem möglich | grippeähnliches Vorstadium, Kuss-Läsionen |
| Erster Test | Abstrich auf HSV-Nukleinsäure | Syphilis-Serologie, ggf. Erregernachweis | Ausschluss von HSV und Syphilis |
Die Tabelle verdichtet typische Muster aus CDC- und DermNet-Texten. Mischbilder sind häufig. Wer nur nach dem Foto im Spiegel entscheidet, verfehlt nach CDC-Angabe regelmäßig die richtige Infektion.

Wie zeigt sich Herpes genitalis an der Vulva?
Herpes genitalis entsteht durch HSV-1 oder HSV-2 und bleibt lebenslang im Körper; Medikamente können Schübe verkürzen oder seltener machen, das ruhende Virus aber nicht tilgen. Beide Typen befallen die Genitalien. Wiederkehrende Schübe gehen überwiegend auf HSV-2 zurück, während genitales HSV-1 laut CDC-Herpeskapitel bei jungen Frauen zunimmt, oft nach Oralverkehr mit einer Person, die Lippenherpes hat oder unwissentlich Virus im Speichel trägt.
Die Cleveland Clinic (Aktualisierung Juli 2024) beschreibt den ersten Schub als den schwersten. Zwischen Ansteckung und Hautzeichen liegen oft zwei bis zwanzig Tage. Es juckt oder kribbelt, dann stehen gruppierte Bläschen, die aufreißen, nässen und verkrusten. Fieber, Gliederschmerzen, geschwollene Leistenlymphknoten und Brennen beim Wasserlassen können dazukommen. Ein Erstschub kann bis zu vier Wochen dauern. Spätere Episoden bleiben kürzer und milder, ein Prodrom von einem oder zwei Tagen kündigt sie häufig an.
Die meisten Infizierten bemerken wenig oder gar nichts. Die CDC schätzt, dass in den USA etwa 11,9 Prozent der 14- bis 49-Jährigen HSV-2 tragen; ein großer Teil erhielt nie eine Diagnose. Übertragung geschieht oft in symptomfreien Phasen, weil die Haut Virus abgibt, ohne dass eine Blase sichtbar ist. Toilettenbrillen, Bettwäsche oder Schwimmbecken gelten nicht als Infektionsweg. Gemeinsam benutzte Sexspielzeuge können Virus weitergeben, wenn sie ungeschützt bleiben.
Globale Zahlen haben die älteren US-Schätzungen abgelöst. Harfouche und Kolleginnen modellierten für 2020 rund 519,5 Millionen bestehende HSV-2-Infektionen im Alter 15 bis 49, das sind 13,3 Prozent; bei Frauen lag die Prävalenz bei 17,0 Prozent, bei Männern bei 9,7 Prozent. Etwa 205 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe hatten laut WHO mindestens eine symptomatische genitale Episode. HSV-2 erhöht das Risiko, HIV zu erwerben, in der WHO-Darstellung etwa um das Dreifache, in der CDC-Herpesleitlinie um das Zwei- bis Dreifache.
Eine Heilung gibt es nicht. Orale Virostatika können Dauer und Schwere mindern. Tägliche Unterdrückungstherapie senkt in Studien die Zahl der Schübe um 70 bis 80 Prozent und kann bei diskordanten heterosexuellen Paaren die Weitergabe von HSV-2 verringern, wenn Valaciclovir 500 mg täglich genommen wird. Cremes mit antiviralem Wirkstoff bringen laut CDC kaum Nutzen und werden nicht empfohlen.
Wann steckt Syphilis oder ein bakterielles Geschwür dahinter?
Syphilis beginnt oft mit einem einzelnen derben Geschwür an der Eintrittspforte, das ohne Behandlung verschwindet, während der Erreger Treponema pallidum im Körper bleibt. Das CDC-Kapitel (letzte Prüfung Oktober 2024) warnt ausdrücklich vor dem Lehrbuchbild. Mehrere, atypische oder schmerzhafte Läsionen kommen vor. Sekundär folgen stammbetonte Ausschläge, Schleimhautplaques und feuchte Condylomata lata, die Feigwarzen ähneln können. Neurosyphilis, Augenbeteiligung und Otosyphilis sind in jedem Stadium möglich.
Die Therapie hängt vom Stadium ab, nicht vom Wunsch nach einer Tablette. Parenterales Penicillin G bleibt das Mittel der Wahl in allen Stadien. Für Frühsyphilis nennt die CDC-Leitlinie 2021 eine einmalige intramuskuläre Dosis Benzathin-Penicillin G von 2,4 Millionen Einheiten. Bei latenter Infektion von mehr als einem Jahr oder unklarer Dauer folgen drei wöchentliche Injektionen derselben Menge. In der Schwangerschaft gilt ausschließlich Penicillin; bei Allergie wird desensibilisiert. Ältere Ratgebertexte, die bei jedem Stadium intravenöses Penicillin nannten, passen nicht zu dieser Stufungslogik. Intravenöses wässriges Penicillin bleibt der Neuro-, Augen- und Ohrsyphilis vorbehalten.
Innerhalb eines Tages nach der ersten Spritze kann das Jarisch-Herxheimer-Phänomen Fieber, Kopf- und Muskelschmerz auslösen. Das ist eine Reaktion auf zerfallende Erreger, keine Penicillinallergie. In der Schwangerschaft kann die Reaktion Wehen anstoßen, die Behandlung darf deshalb nicht aufgeschoben werden.
Ulcus molle (Schanker) durch Haemophilus ducreyi ist in den USA und Europa selten geworden und tritt vor allem in Ausbrüchen oder nach Aufenthalten in bestimmten Regionen Afrikas und der Karibik auf. Typisch sind tiefe, schmerzhafte Geschwüre mit unterminiertem Rand und eitrigem Grund; weniger als die Hälfte der Fälle zeigt eitrige Leistenlymphknoten. Die CDC empfiehlt Azithromycin 1 g oral einmalig oder Ceftriaxon 250 mg intramuskulär einmalig, alternativ Ciprofloxacin 500 mg zweimal täglich über drei Tage oder Erythromycin 500 mg dreimal täglich über sieben Tage. Symptome bessern sich oft innerhalb von drei Tagen, die Wunde objektiv innerhalb einer Woche; große Defekte brauchen länger. Sexualpartner der zehn Tage vor Symptombeginn werden mituntersucht und mitbehandelt.
Donovanose (Klebsiella granulomatis) und Lymphogranuloma venereum bleiben in Mitteleuropa Ausnahmen und hängen an Reise- und Sexualanamnese. Sie gehören in die Differenzialdiagnose, sobald HSV- und Syphilistests leer bleiben und die Läsion nicht heilt.
Was bedeuten Warzen und Dellwarzen im Genitalbereich?
Feigwarzen sind keine Bläschen, werden aber oft als solche beschrieben, weil sie weich, höckerig und manchmal juckend sind. Rund 90 Prozent entstehen durch die nicht onkogenen HPV-Typen 6 oder 11. Sie können von selbst innerhalb eines Jahres zurückgehen, gleich bleiben oder wachsen. Ein HPV-Abstrich zur „Warzenbestätigung“ nützt laut CDC nichts, weil das Ergebnis die Therapie nicht steuert. Biopsie ist angezeigt, wenn die Läsion pigmentiert, derb, blutend oder ulceriert wirkt, nicht auf Standardtherapie anspricht oder die Patientin immunsupprimiert ist. Condylomata lata der Syphilis müssen serologisch ausgeschlossen werden, bevor eine Warzenbehandlung startet.
Zur Entfernung stehen patientinneneigene Mittel und praxisgeführte Verfahren gleichberechtigt. Imiquimod 5 Prozent wird abends dreimal wöchentlich bis zu 16 Wochen aufgetragen, Imiquimod 3,75 Prozent nächtlich bis zu acht Wochen; die Stelle wird nach sechs bis zehn Stunden gewaschen. Podophyllotoxin 0,5 Prozent kommt zweimal täglich über drei Tage auf die Warze, danach vier Tage Pause, höchstens vier Zyklen, Tagesmenge höchstens 0,5 ml und Fläche höchstens 10 Quadratzentimeter; in der Schwangerschaft ist es kontraindiziert. Alternativen in der Praxis sind Kryotherapie, chirurgische Abtragung und Trichloressigsäure 80 bis 90 Prozent. Kein Verfahren tilgt HPV zuverlässig. Die Impfung gegen HPV hat in mehreren Ländern die Warzeninzidenz bei jungen Frauen gesenkt.
Dellwarzen (Molluscum contagiosum) sind feste, hautfarbene oder rosige Knötchen mit Delle. Bei Erwachsenen sitzen sie oft im Schambereich nach Hautkontakt beim Sex. Gesunde Haut heilt häufig ohne Eingriff in Monaten. Sitzt die Läsion an Vulva, Scheide oder After, rät die CDC (Stand November 2025) zur ärztlichen Behandlung, damit andere Infektionen nicht übersehen werden. Selbst ausdrücken oder den zentralen Pfropf herausheben soll man nicht, weil sich das Virus so auf benachbarte Haut verteilt.
Können Bläschen ohne Sex entstehen?
Ja. Nach Herpes ist die nicht sexuell erworbene genitale Ulzeration die nächste häufige Ursache schmerzhafter Vulvaulzera, vor allem bei Jugendlichen. DermNet (Aktualisierung April 2021) beschreibt das Bild unter den Namen Lipschütz-Ulkus, Ulcus vulvae acutum und NSGU. Das mittlere Alter liegt bei 14,5 Jahren. Häufig geht eine fieberhafte Erkrankung voraus, oft eine Tonsillitis. Epstein-Barr-Virus wird am häufigsten isoliert, daneben Cytomegalievirus, Mykoplasmen, A-Streptokokken und Influenza.
Klinisch stehen ein bis drei tiefe, ausgestanzte Ulzera mit gelblichem oder nekrotischem Grund und rotem Saum, oft als spiegelbildliche Kuss-Läsionen an den inneren Schamlippen. Die Schmerzen können so heftig sein, dass Harnverhalt zur Katheterisierung zwingt. Die Diagnose verlangt den Ausschluss von HSV, Syphilis und anderen Ursachen plus mindestens zwei Nebenkriterien (Sitz am Vestibulum oder Labium minus, kein Geschlechtsverkehr in den letzten drei Monaten, grippeähnliche Zeichen, systemische Krankheit in den vorigen zwei bis vier Wochen). Die Geschwüre heilen in der Regel ohne Narbe; der Mittelwert liegt bei etwa 15 Tagen, der Rahmen bei wenigen Wochen. Wiederkehrende orogenitale Aphthen mit Uveitis oder Arthritis lenken den Blick auf Morbus Behçet, nicht auf NSGU.
Kontaktdermatitis der Vulva folgt Seifen, Intimsprays, Slipeinlagen, Gleitmitteln, Latex, Nickel oder Duftstoffen. Schwere akute Formen können Blasen und Erosionen erzeugen, die Herpes nachahmen. Weglassen des Auslösers ist die Therapie; bei starken Entzündungen kann die Ärztin ein topisches Steroid wählen. Kratzen öffnet die Haut für Hefen und Bakterien.
In der Schwangerschaft staut sich Blut in den Beckenvenen. Die Mayo Clinic (März 2025) beschreibt vulväre Varizen als bläuliche, höckerige Venen der äußeren Genitale mit Druck- und Vollgefühl. Stützhöschen, Lagewechsel, hochgelegte Beine und kühle Umschläge können lindern. Die Venen stören eine vaginale Geburt selten und bilden sich typischerweise bis etwa sechs Wochen nach der Entbindung zurück.
Morbus Crohn kann lineare, messerschnittartige Vulvaulzera erzeugen. Lichen sclerosus und erosiver Lichen planus hinterlassen eher weiße, rissige oder vernarbende Flächen als frische Bläschen. Ein wachsender, unregelmäßig ulcerierter Knoten bei älteren Frauen gehört biopsiert, weil ein Plattenepithelkarzinom selten, aber behandlungsbedürftig ist.
Welche Tests klären die Ursache?
Eine Diagnose nur nach Blickdiagnose ist nach CDC-Angabe häufig falsch. Jede Person mit genitalem, analem oder perianalem Ulkus soll untersucht werden. Zur Mindestabklärung gehören Syphilis-Serologie (idealerweise Erregernachweis aus dem Wundsekret, falls verfügbar), ein Abstrich auf HSV-1 und HSV-2 per Nukleinsäureamplifikation oder Kultur sowie ein HIV-Test, sofern die Infektion nicht schon bekannt ist. In Regionen mit Ulcus molle kommt ein Nachweis von H. ducreyi hinzu.
Nukleinsäuretests auf HSV sind empfindlicher als die Virusanzucht, besonders wenn die Läsion schon verkrustet. Ein negativer Abstrich schließt Herpes nicht aus, weil die Virusausscheidung lückenhaft ist. Blindabstriche von unauffälliger Haut sind sinnlos. Die Tzanck-Zytologie und HSV-IgM lehnt die CDC ab. IgM unterscheidet die Typen nicht und kann bei jedem Rezidiv positiv werden.
Typspezifische Antikörper gegen HSV-2 können helfen, wenn Läsionen atypisch sind, der Abstrich leer bleibt oder der Partner bekannt infiziert ist. Ein niedriger Indexwert zwischen 1,1 und 3,0 erzeugt viele falsch positive EIA-Befunde; die CDC verlangt dann eine Bestätigung, etwa per Western Blot. Routinescreening symptomfreier Menschen, auch in der Schwangerschaft, wird nicht empfohlen. HSV-1-Antikörper sagen nicht, ob der Sitz oral oder genital ist.
Syphilis braucht immer zwei Serologien, eine nichttreponemale (RPR oder VDRL) und eine treponemale. Eine einzelne Methode erzeugt falsch negative Befunde in der Primärphase und falsch positive bei anderen Krankheiten. Titer der nichttreponemalen Tests dienen der Verlaufskontrolle; ein vierfacher Abfall gilt als bedeutsam.
DermNet ergänzt bei niedrigem STI-Risiko oder negativen Ersttests Bakterien- und Hefeabstriche, Varizella-Zoster-PCR, EBV-Serologie und bei Verdacht auf Behçet HLA-B51. Eine Biopsie folgt, wenn nichts heilt, die Läsion ungewöhnlich bleibt oder ein Tumor denkbar ist. Nach vollständiger Diagnostik bleibt laut CDC bei mehr als 25 Prozent der Ulzera der Erreger unbestätigt. Das rechtfertigt keine Untätigkeit, wenn das Bild zu Herpes oder Syphilis passt. Empirische Therapie schon beim ersten Kontakt ist vorgesehen, weil früher Therapiebeginn den Nutzen bestimmt.

Wie wird je nach Ursache behandelt?
Die Therapie folgt dem Erreger, nicht der Farbe der Blase. Bei einem ersten Herpesschub sollen alle Patientinnen oral behandelt werden, auch wenn die Hautzeichen zunächst mild wirken, weil schwere Verläufe nachfolgen können. Die CDC-Regime 2021 lauten Aciclovir 400 mg oral dreimal täglich über sieben bis zehn Tage, Famciclovir 250 mg dreimal täglich über dieselbe Spanne oder Valaciclovir 1 g zweimal täglich über sieben bis zehn Tage. Unvollständige Abheilung verlängert die Kur.
Für wiederkehrendes HSV-2 gibt es zwei Strategien. Die episodische Einnahme startet am besten am ersten Tag der Hautzeichen oder schon im Prodrom; Beispiele sind Valaciclovir 500 mg zweimal täglich über drei Tage oder Aciclovir 800 mg dreimal täglich über zwei Tage. Die tägliche Unterdrückung nutzt Aciclovir 400 mg zweimal täglich, Valaciclovir 500 mg oder 1 g einmal täglich oder Famciclovir 250 mg zweimal täglich. Valaciclovir 500 mg kann bei zehn oder mehr Schüben pro Jahr schwächer wirken als die höheren Regime. Schwere Verläufe, Hepatitis oder ZNS-Beteiligung brauchen Aciclovir 5 bis 10 mg pro Kilogramm intravenös alle acht Stunden, bis eine Besserung eintritt, danach oral bis mindestens zehn Tage Gesamttherapie.
Syphilis folgt dem oben genannten Penicillinschema. Partner mit Kontakt in den 90 Tagen vor Diagnose einer Frühsyphilis werden auch bei noch negativer Serologie behandelt. Ulcus molle folgt den Einmaldosen; Kontrolle nach drei bis sieben Tagen. Feigwarzen und Dellwarzen werden zerstört oder immunmodulatorisch behandelt, das Virus bleibt oft nachweisbar. NSGU braucht in erster Linie Schmerzmittel, Lokalanästhetika, kühle Umschläge, Salzbäder und Barrierecremes; bei Harnverhalt einen kurzen Blasenkatheter. Potente topische oder orale Steroide kommen in schweren Fällen vor, sind aber nicht überall Standard.
Hausmittel ersetzen keine Diagnostik. Warme Sitzbäder ohne Seife, weite Baumwollwäsche und frei verkäufliche Schmerzmittel können nach WHO-Rat die Beschwerden eines Herpesschubs lindern. Intimrasur über offenen Stellen, aggressive Waschlotionen und das Aufstechen von Dellwarzen vergrößern das Problem.
In der Schwangerschaft bleibt Aciclovir nach CDC-Einschätzung in allen Trimenon akzeptabel; bei schwerem Verlauf wird es intravenös gegeben. Gegen Ende der Schwangerschaft kann eine Unterdrückung die Wahrscheinlichkeit sichtbarer Läsionen zur Geburt senken. Bestehen zum Geburtstermin Hautzeichen oder Prodromi, ist ein Kaiserschnitt üblich. Das Risiko einer neonatalen Herpesinfektion ist insgesamt gering (WHO: etwa 10 auf 100 000 Geburten), steigt aber stark, wenn die Mutter HSV erstmals spät in der Schwangerschaft erwirbt.
Wann zur Ärztin, wann in die Notaufnahme?
Jede neue genitale Blase, jedes Geschwür und jeder unklare Knoten an der Vulva gehört in die Sprechstunde, nicht erst nach Wochen Selbstbeobachtung. Die CDC verlangt eine Abklärung aller genitalen, analen und perianalen Ulzera. Das gilt auch, wenn der letzte Sexualkontakt Monate zurückliegt oder nie stattfand, weil Lipschütz-Ulzera, Ekzem und Varizen dasselbe Feld besetzen.
Sofortige ärztliche Hilfe, bei Harnverhalt oder hohem Fieber die Notaufnahme, ist sinnvoll in diesen Lagen.
- Wasserlassen ist wegen Schmerzen unmöglich oder der Urinstrahl bleibt aus, sodass ein Katheter nötig werden kann.
- Fieber, starke Abgeschlagenheit und ausgedehnte, rasch wachsende Geschwüre treten zusammen auf, besonders bei geschwächter Abwehr.
- Ein derbes Geschwür erscheint nach ungeschütztem Sex, und eine Syphilis muss noch am selben Tag mitbehandelt werden.
- Lichtscheu, Nackensteifigkeit, verwirrtes Denken oder eine Gelbsucht begleiten den Schub und können auf HSV-Meningitis oder -Hepatitis deuten.
- In der Schwangerschaft treten erstmals Bläschen auf oder es besteht Kontakt zu einem Partner mit aktivem Herpes.
- Eine Läsion blutet, wird derb, wächst unregelmäßig oder heilt unter Therapie nicht.
Wer die Stellen berührt, soll sich die Hände waschen. Virus aus einer offenen Blase kann ins Auge gelangen. Partnerinnen und Partner brauchen eine eigene Untersuchung, sobald HSV, Syphilis oder Ulcus molle feststehen. Scham darf die Abklärung nicht verzögern. Die psychische Last einer Herpesdiagnose ist real; sie ändert nichts daran, dass die Infektion behandelbar und das Leben mit Partnern gestaltbar bleibt.
Wie lässt sich die Ansteckung verringern?
Vollständig vermeiden lassen sich sexuell übertragbare Infektionen nur ohne Vaginal-, Anal- und Oralverkehr. Wer sexuell aktiv ist, senkt das Risiko durch eine fest monogame Beziehung mit einem nicht infizierten Partner und durch korrekt benutzte Kondome bei jedem Kontakt. Kondome decken nicht jede Hautfalte ab. Virus kann außerhalb der überzogenen Zone und ohne sichtbare Blase austreten. Deshalb schützen Kondome vor Herpes schlechter als vor manchen bakteriellen Infektionen, sie senken das Risiko aber nachweislich, vor allem von Mann zu Frau.
Während eines Schubs und im Prodrom soll kein Sex stattfinden. Tägliche Virostatika der infizierten Person, offene Information des Partners und typspezifische Tests beim Partner gehören laut CDC zum Paket. Eine präventive Einnahme von Aciclovir durch die nicht infizierte Person, um HSV-2 erst gar nicht zu erwerben, ist nicht belegt und soll nicht angeboten werden.
Feigwarzen vorbeugen heißt impfen, bevor HPV zirkuliert. Dellwarzen lassen sich durch Händewaschen, getrennte Handtücher und Abdecken der Knötchen begrenzen. NSGU und Kontaktekzem sind nicht sexuell übertragbar; hier zählt Reizvermeidung, nicht das Kondom. Vulväre Varizen brauchen Entlastung, keinen Antibiotikakurs.
HIV-Präexpositionsprophylaxe mit Tenofovir/Emtricitabin senkte in heterosexuellen Studien die HSV-2-Neuinfektion um etwa 30 Prozent. Die CDC betont, dass dieser Nutzen kein Grund ist, die Kombination allein gegen Herpes zu verordnen, wenn kein HIV-Risiko besteht.
Häufige Fragen
Sind Genitalbläschen immer Herpes?
Nein. Herpes ist die häufigste infektiöse Ursache, aber Syphilis, Warzen, Dellwarzen, Lipschütz-Ulzera, Ekzem und Varizen erzeugen ähnliche Bilder. Erst Abstrich und Blut entscheiden. Mehr als ein Viertel der Ulzera bleibt trotz kompletter Diagnostik ohne Erregernachweis.
Kann ich Sex haben, wenn die Bläschen weg sind?
Bei Herpes ja, mit Restrisiko. Die Haut gibt Virus auch ohne sichtbare Läsion ab, besonders im ersten Jahr nach der Ansteckung. Kondom, Unterdrückungstherapie und Verzicht bei Prodrom senken die Weitergabe, löschen sie nicht. Bei Syphilis gilt Enthaltsamkeit, bis die Schleimhautläsionen abgeheilt sind und die Ärztin den Status bestätigt.
Wie unterscheide ich Herpes von Syphilis selbst?
Zuverlässig gar nicht. Gruppierte schmerzhafte Bläschen deuten auf Herpes, ein derbes schmerzarmes Einzelgeschwür auf Syphilis, beides kommt in der Gegenrichtung vor. Die CDC warnt, dass Anamnese plus Blick oft falsch liegen. Labor ersetzt das Rätselraten.
Gehen Lipschütz-Ulzera von allein weg?
In der Regel ja, innerhalb weniger Wochen und ohne Narbe, im Mittel nach etwa 15 Tagen. Voraussetzung ist, dass HSV, Syphilis und andere Ursachen ausgeschlossen sind. Starke Schmerzen und Harnverhalt brauchen trotzdem ärztliche Linderung, manchmal einen kurzen Klinikaufenthalt.
Brauche ich einen HIV-Test, nur weil ich ein Geschwür habe?
Ja, sofern die Infektion nicht schon bekannt ist. Die CDC verlangt einen HIV-Test bei jedem genitalen, analen oder perianalen Ulkus. HSV-2 und Syphilis erleichtern die Aufnahme und Weitergabe von HIV. Ein negativer Test kann bei frischem Risiko wiederholt werden.
Schützen Kondome zuverlässig vor Herpes?
Sie senken das Risiko, schließen es nicht aus. Geschwüre sitzen oft außerhalb der überzogenen Fläche, und symptomfreie Ausscheidung umgeht die Barriere. Zusammen mit Enthaltsamkeit im Schub und täglicher Virostatik der infizierten Person ist der Schutz größer als mit dem Kondom allein.
Was tun bei Bläschen in der Schwangerschaft?
Die Frauenärztin noch in derselben Woche informieren, nicht bis zur nächsten Vorsorge warten. Aciclovir gilt als akzeptabel, ein Kaiserschnitt wird erwogen, wenn zur Geburt Läsionen oder Prodromi bestehen. Eine Erstinfektion im letzten Drittel trägt das höchste Risiko für das Neugeborene.

Fazit
Neue Bläschen oder Geschwüre an der Vulva sind ein Anlass für Abstrich und Blut, nicht für wochenlanges Zuwarten. Herpes und Syphilis bleiben die beiden Infektionen, die zuerst ausgeschlossen gehören; Aphthen, Ekzem, Warzen, Dellwarzen und schwangerschaftsbedingte Venen erklären denselben Befund, sobald die Tests leer sind.
Wer morgen handelt, macht drei Dinge. Einen Termin in der hausärztlichen, frauenärztlichen oder sexualmedizinischen Sprechstunde vereinbaren, bevor die Kruste den Abstrich wertlos macht. Sexualpartnerinnen und -partner benennen, damit Syphilis und Ulcus molle nicht weiterlaufen. Reizende Waschlotionen, enge Synthetik und das Manipulieren an Knötchen weglassen, bis die Ursache steht.
Heilungsversprechen für Herpes gibt es nicht. Schübe lassen sich mit rechtzeitigem Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir verkürzen, mit täglicher Einnahme oft deutlich ausdünnen und in der Weitergabe dämpfen. Bakterielle Geschwüre und viele nicht infektiöse Ulzera heilen, sobald die richtige Therapie beginnt. Die Entscheidung, welche der beiden Welten vorliegt, trifft das Labor, nicht das Handyfoto.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention: Diseases Characterized by Genital, Anal, or Perianal Ulcers. Centers for Disease Control and Prevention, 22. Juli 2021.
- Centers for Disease Control and Prevention: Herpes – STI Treatment Guidelines. Centers for Disease Control and Prevention, 22. Juli 2021.
- Centers for Disease Control and Prevention: Syphilis – STI Treatment Guidelines. Centers for Disease Control and Prevention, 3. Oktober 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Chancroid – STI Treatment Guidelines. Centers for Disease Control and Prevention, 22. Juli 2021.
- Centers for Disease Control and Prevention: Anogenital Warts. Centers for Disease Control and Prevention, Stand: 2021.
- Centers for Disease Control and Prevention: About Molluscum Contagiosum. Centers for Disease Control and Prevention, 20. November 2025.
- World Health Organization: Herpes simplex virus. World Health Organization, Stand: 2024.
- Harfouche M, AlMukdad S et al.: Estimated global and regional incidence and prevalence of herpes simplex virus infections and genital ulcer disease in 2020: mathematical modelling analyses. Sexually Transmitted Infections, 19. Mai 2025.
- Janz-Robinson E, Oakley A: Differential diagnosis of vulval ulcers. DermNet, April 2017.
- Oakley A: Non-sexually acquired genital ulceration. DermNet, April 2021.
- Cleveland Clinic: Genital Herpes: Causes, Symptoms, Treatment & Prevention. Cleveland Clinic, 15. Juli 2024.
- Mayo Clinic Staff: Vulvar varicosities during pregnancy: What can you do?. Mayo Clinic, 12. März 2025.
