
Kopfschmerzen gehören entweder zur Erkrankung selbst oder sie sind Symptom einer anderen Störung. Die drei häufigsten primären Formen sind Spannungskopfschmerz, Migräne und Clusterkopfschmerz; sekundär führt am häufigsten der Übergebrauch von Schmerzmitteln.
Wer abends Ibuprofen gegen Druck über den Augen nimmt und am nächsten Morgen wieder zur Packung greift, behandelt oft keine Nebenhöhlenentzündung. Genau dieses Muster beschreiben Kliniken als typische Verwechslung. Gesichtsschmerz plus klare Nase wirkt „sinusartig“, erfüllt aber meist die Kriterien einer Migräne. Die Global-Burden-of-Disease-Auswertung für 2023 zählt rund 2,9 Milliarden Menschen mit Kopfschmerzerkrankungen; mehr als die Hälfte der berechneten Last des Spannungskopfschmerzes hängt am Medikamentenübergebrauch.
Die britische Leitlinie NICE (CG150, Nachträge 2025) trennt die drei Haupttypen nach Sitz, Qualität, Dauer und Begleitzeichen. Seit März 2024 stuft die American Headache Society Mittel gegen das Calcitonin-Gen-verwandte Peptid (CGRP) als mögliche erste Vorbeugung ein; in England bleiben diese Stoffe an das Scheitern dreier älterer Prophylaxen gebunden. Ein Schmerz, der in Minuten seinen Gipfel erreicht, Fieber mit Nackensteife oder eine neue Schwäche gehören nicht in die Hausapotheke.
Wie primäre und sekundäre Kopfschmerzen getrennt werden
Primäre Kopfschmerzen entstehen aus eigenen Mechanismen im Schmerznetz von Hirn, Gefäßen und Nerven, nicht als Begleiterscheinung einer Entzündung, Blutung oder Verletzung. Sekundäre Kopfschmerzen folgen einer anderen Ursache; verschwindet die Ursache, kann der Schmerz nachlassen. Die Cleveland Clinic (Stand August 2022) nennt mehr als 150 benannte Typen und ordnet sie genau diesen zwei Körben zu.
Die Internationale Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen in der dritten Auflage (ICHD-3, 2018) bleibt der Referenzrahmen, den auch die Lastenschätzung GBD 2023 benutzt. Teil I umfasst Migräne, Spannungskopfschmerz, die trigeminoautonomen Syndrome (darunter Clusterkopfschmerz) und seltene Primärformen wie den hypnischen Kopfschmerz. Teil II listet sekundäre Bilder, unter anderem nach Trauma, Gefäßstörung, Infekt, Stoffwechselentgleisung oder Substanz inklusive Entzug. Neuralgien und Gesichtsschmerzen stehen in einem eigenen Teil.
Wiederkehrende Attacken seit Jugend oder frühem Erwachsenenalter bei unauffälligem Untersuchungsbefund sprechen laut Merck Manual (Aktualisierung Februar 2025) selten für eine bedrohliche Ursache. Ändert sich das gewohnte Muster deutlich, muss erneut an eine sekundäre Form gedacht werden. Ein erstmals nach dem 50. Lebensjahr auftretender Schmerz gilt dort so lange als sekundärverdächtig, bis eine Abklärung das Gegenteil zeigt.
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Kopfschmerzerkrankungen 2021 etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung betrafen, rund 3,1 Milliarden Menschen, und häufiger Frauen als Männer treffen. Die jüngere GBD-Runde für 2023 kommt auf 2,9 Milliarden und eine altersstandardisierte Prävalenz von 34,6 Prozent. Beide Zahlen beschreiben dieselbe Größenordnung. Fast jeder dritte bis zwei von fünf Erwachsenen leben mit wiederkehrendem Kopfschmerz. Nur eine Minderheit erhält laut WHO eine treffende Diagnose und eine passende Therapie.
Bildgebung wie CT oder MRT hilft, gefährliche sekundäre Ursachen auszuschließen. Sie beweist keine Migräne, keinen Spannungs- und keinen Clusterkopfschmerz. Die Diagnose dieser drei Typen bleibt eine klinische, gestützt auf Verlauf, Begleitzeichen und Untersuchung. NICE rät ausdrücklich davon ab, allein zur Beruhigung ein Bild zu veranlassen, wenn die Kriterien einer dieser Primärformen erfüllt sind und keine Warnzeichen vorliegen.

Woran erkennt man eine Migräne?
Eine Migräneattacke dauert unbehandelt bei Erwachsenen vier bis 72 Stunden, pocht oft einseitig und wird durch gewöhnliche Bewegung schlimmer. Übelkeit, Erbrechen oder eine ungewöhnliche Empfindlichkeit für Licht und Geräusch gehören zum Bild; bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren kann die Attacke schon nach einer Stunde enden. NICE verlangt für die chronische Form mindestens 15 Kopfschmerztage im Monat, davon wenigstens acht mit Migränemerkmalen, über mehr als drei Monate.
Die Mayo Clinic (Review Juli 2025) beschreibt vier mögliche Phasen, die nicht jede Person durchläuft. Ein bis zwei Tage vorher können Verstopfung, Heißhunger, Nackensteifigkeit, Stimmungsschwankung oder häufiges Gähnen auftreten. Bei etwa einem Drittel folgt oder begleitet eine Aura mit umkehrbaren Sehstörungen, Zickzacklinien, blinden Flecken, Kribbeln oder Sprachstörung, die sich über mindestens fünf Minuten aufbauen und 5 bis 60 Minuten halten. Nach dem Schmerz bleibt oft ein erschöpfter Nachklang bis zu einem Tag.
Aura-Zeichen, die NICE als untypisch einstuft, brauchen rasche Abklärung, darunter motorische Schwäche, Doppelbilder, Sehstörung nur eines Auges, unsicherer Gang oder getrübtes Bewusstsein. Dieselben Ausfälle können einen Schlaganfall oder eine Entzündung der Hirnhäute nachahmen. Wer eine solche Aura zum ersten Mal erlebt, sollte nicht auf den nächsten Anfall warten.
Frauen trifft die Erkrankung deutlich häufiger. Mayo nennt etwa eine von fünf Frauen, einen von 16 Männern und eines von elf Kindern; Attacken sind bei Frauen rund dreimal so häufig, vor allem wegen Östrogenschwankungen. Beginnt ein Elternteil an Migräne, liegt die Chance für ein Kind bei etwa 50 Prozent. GBD 2023 beziffert die weltweite altersstandardisierte Prävalenz auf 14,1 Prozent, bei Frauen 17,6 und bei Männern 10,5 Prozent. Die berechnete Krankheitslast der Frauen liegt mehr als doppelt so hoch wie die der Männer, weil Attacken bei ihnen länger anhalten.
Auslöser ersetzen keine Diagnose, helfen aber bei der Planung. Mayo und Cleveland Clinic nennen Hormonschwankungen, zu viel oder zu wenig Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, Alkohol (besonders Rotwein), hohen Koffeinkonsum, grelles Licht, starke Gerüche, Wetterwechsel und bestimmte Zusatzstoffe. Das erklärt nicht jede Attacke. Wer ein Tagebuch über mindestens acht Wochen führt, wie NICE es vorschlägt, sieht Muster, die im Gespräch mit der Praxis nützen, etwa Häufigkeit, Dauer, Stärke, Begleitzeichen, alle eingenommenen Mittel und den Bezug zur Regelblutung.
CGRP, ein Botenstoff an Schmerznerven und Gefäßen, gilt inzwischen als zentraler Angriffspunkt der spezifischen Therapie. Ältere Vorbeugemittel kamen aus der Kardiologie, der Epilepsiebehandlung oder der Psychiatrie. Seit der Zulassung der ersten CGRP-Antikörper 2018 zielt ein eigener Wirkstoffzweig direkt auf diesen Pfad. Das ändert die Beratung, heilt die Anlage aber nicht.
Spannungskopfschmerz bleibt der häufigste Typ
Spannungskopfschmerz sitzt beidseits, drückt oder zieht wie ein zu enger Reif und bleibt leicht bis mittelschwer. Alltägliche Tätigkeit verstärkt ihn in der Regel nicht. NICE setzt die Dauer zwischen 30 Minuten und einem durchgehenden Verlauf an; episodisch heißt weniger als 15 Tage im Monat, chronisch mindestens 15 Tage über mehr als drei Monate.
WHO beschreibt den Schmerz als Druck oder Enge, oft bandförmig um den Kopf, manchmal aus dem Nacken kommend. In manchen Bevölkerungen berichten mehr als 70 Prozent episodische Attacken. Er beginnt häufig in der Jugend und betrifft Frauen etwa um die Hälfte häufiger als Männer. GBD 2023 schätzt die altersstandardisierte Prävalenz auf 24,9 Prozent, bei Frauen und Männern fast gleich. Trotzdem entsteht ein großer Teil der berechneten Behinderung erst, wenn der episodische Schmerz durch Tablettenübergebrauch chronisch wird.
Stress, fehlende Pausen, schlechte Sitzhaltung und Schlafmangel können eine Episode anstoßen, beweisen aber keinen Muskelkrampf als alleinige Ursache. Cleveland Clinic zählt zusätzlich Nikotin, Alkohol, übersprungene Mahlzeiten und anhaltende Fehlhaltung zu den Auslösern primärer Schmerzen. Wer den Nacken dehnt oder eine Wärmflasche legt, kann die Episode verkürzen; das ersetzt keine Diagnose, wenn der Schmerz plötzlich anders wird oder neurologische Zeichen dazukommen.
Zur Akutbehandlung nennt NICE Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder einen nichtsteroidalen Entzündungshemmer, angepasst an Vorerkrankungen und Nebenwirkungsrisiko. Opioide sollen bei diesem Typ nicht angeboten werden. Acetylsalicylsäure entfällt unter 16 Jahren wegen des Reye-Syndroms. Wer an mehr als zwei bis drei Tagen pro Woche zu rezeptfreien Mitteln greift, nähert sich der Schwelle, an der der Schmerz selbst durch das Mittel unterhalten werden kann.
Für die chronische Form erwägt NICE bis zu zehn Akupunktursitzungen über fünf bis acht Wochen. Bildgebung allein zur Beruhigung bleibt auch hier unnötig, solange keine Warnzeichen vorliegen. Bleibt der Schmerz trotz zurückhaltender Akutmittel und Alltagsanpassungen an mehr als 15 Tagen im Monat, braucht es eine ärztliche Neuordnung, nicht eine höhere Dosis derselben Tablette.
Clusterkopfschmerz bleibt kurz, einseitig und extrem heftig
Clusterattacken sind kurz, extrem stark und sitzen streng einseitig um Auge, Stirn oder Schläfe. Unbehandelt dauern sie 15 bis 180 Minuten und können von einmal an jedem zweiten Tag bis achtmal in 24 Stunden auftreten. Auf derselben Seite tränt oder rötet sich das Auge, die Nase läuft oder ist verstopft, das Lid schwillt oder hängt, die Pupille wird eng, Stirn oder Gesicht schwitzen. Viele können nicht stillhalten und laufen auf und ab.
WHO nennt die Erkrankung relativ selten, unter einem Fall auf 1000 Erwachsene, und ein Verhältnis von sechs Männern zu einer Frau. Die meisten Betroffenen sind in den Zwanzigern oder älter. Die episodische Form lässt zwischen den Serien mehr als einen Monat Pause; die chronische Form bleibt über zwölf Monate ohne schmerzfreie Phase von einem Monat. NICE rät, die erste Serie mit einer in Kopfschmerz erfahrenen Praxis oder einer Neurologie zu besprechen und die Frage einer Bildgebung dort zu klären.
Paracetamol, NSAR, Opioide, Mutterkornalkaloide und orale Triptane sollen laut NICE den Anfall nicht behandeln. Wirksam können 100 Prozent Sauerstoff mit mindestens 12 Litern pro Minute über eine Maske mit Reservoir sein sowie ein subkutanes oder nasales Triptan. Sauerstoff muss zu Hause und unterwegs verfügbar sein, nicht erst in der Klinik. Die Menge der Triptane richtet sich nach der bekannten Seriendichte und der zulässigen Tageshöchstdosis des Herstellers.
Zur Vorbeugung in einer aktiven Serie erwägt NICE Verapamil, bei Unerfahrenheit erst nach fachärztlichem Rat inklusive EKG-Kontrolle. Spricht Verapamil nicht an, folgt spezialisierte Beratung. In der Schwangerschaft gilt dasselbe. Eigene Dosisexperimente entfallen, Rücksprache kommt zuerst. Die ältere Hausmittel-Logik, eine Tablette Ibuprofen zu nehmen und im Dunkeln zu liegen, passt zur Migräne, nicht zu dieser Attacke.
Clusterkopfschmerz wird manchmal mit Heuschnupfen oder einer einseitigen Sinusitis verwechselt, weil Auge und Nase mitreagieren. Fieber, eitriges Sekret und ein Infekt in den Tagen davor fehlen typischerweise. Wer solche Attacken neu erlebt, braucht eine Diagnose, bevor jemand „Allergiespray“ oder Dauer-Schmerzmittel empfiehlt.
Anstrengung, Husten und der Weckerkopfschmerz
Ein erstmals bei Husten, Pressen, Sport oder Geschlechtsverkehr auftretender heftiger Schmerz ist so lange verdächtig, bis eine gefährliche Ursache ausgeschlossen ist. NICE listet genau diese Auslöser unter den Merkmalen, die weitere Untersuchung oder Überweisung rechtfertigen. Cleveland Clinic führt Belastungs- und Hustenkopfschmerz als primäre Auslöser, betont aber zugleich den Donnerschlag, also einen Schmerz, der binnen einer Minute seinen Gipfel erreicht und mindestens fünf Minuten bleibt. Der kann eine Blutung, eine Gefäßengstellung oder einen plötzlichen Blutdruckanstieg anzeigen.
Primärer Belastungsschmerz nach abgeklärter Erstepisode bleibt oft kurz und pochend über dem ganzen Kopf. Das rechtfertigt keine Selbstbehandlung beim ersten Mal. Gleiches gilt für den Hustenkopfschmerz, der sekundär durch eine Liquorleckage oder eine Enge am Hinterhaupt entstehen kann. Merck nennt als Warnkonstellation zusätzlich den lagerungsabhängigen Schmerz, der im Stehen schlimmer und im Liegen besser wird und auf niedrigen Hirndruck verdächtig ist.
Der hypnische Kopfschmerz weckt aus dem Schlaf, fast immer zur selben Uhrzeit, und heißt deshalb Weckerkopfschmerz. StatPearls (Aktualisierung September 2025) fasst die ICHD-3-Kriterien knapp. Der Schmerz tritt ausschließlich im Schlaf auf, mindestens 10 Nächte pro Monat über drei Monate, dauert 15 Minuten bis vier Stunden nach dem Erwachen und trägt weder die autonomen Zeichen noch die Unruhe eines Clusteranfalls. Meist beginnt er nach dem 50. Lebensjahr, häufiger bei Frauen, oft dumpf und beidseits.
Bevor diese seltene Diagnose steht, müssen Schlafapnoe, nächtlicher Bluthochdruck, Unterzucker, Übergebrauch, Riesenzellarteriitis und ein raumfordernder Prozess ausgeschlossen werden. Koffein in einer Dosis von 40 bis 60 mg kann laut StatPearls den Anfall durchbrechen oder, vor dem Schlafengehen genommen, Nächte reduzieren. Lithium und Indometacin sind weitere Optionen mit engmaschiger Kontrolle, besonders im höheren Alter. Eine neue nächtliche Schmerzform jenseits der 50 bleibt so lange sekundärverdächtig, bis Bildgebung und Schlafuntersuchung das Gegenteil zeigen.
Wenn Schmerzmittel den Kopfschmerz nähren
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entsteht nicht aus dem Nichts, sondern auf dem Boden einer schon bestehenden primären Form, meist Migräne oder Spannungskopfschmerz. NICE spricht von diesem Bild, wenn der Schmerz entstanden oder schlimmer geworden ist, während drei Monate oder länger an mindestens 10 Tagen im Monat Triptane, Opioide, Mutterkornalkaloide oder Kombinationsanalgetika genommen wurden, oder an mindestens 15 Tagen Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder ein NSAR. Mayo setzt die Schwelle für Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure bei mehr als 14 Tagen, für Triptane bei mehr als 9 Tagen im Monat.
WHO nennt diese Form die häufigste sekundäre Kopfschmerzerkrankung und schätzt, dass sie in manchen Bevölkerungen bis zu 5 Prozent betrifft, Frauen häufiger als Männer. Der Schmerz ist oft drückend, hartnäckig und morgens am stärksten. GBD 2023 rechnet den Übergebrauch als Folge falsch behandelter Primärformen und schreibt ihm 56 bis 59 Prozent der Last des Spannungskopfschmerzes sowie 14 bis 23 Prozent der Migränelast zu. Ein großer Teil der weltweiten Behinderung durch „einfachen“ Kopfschmerz steckt also in zu häufigen Tabletten.
NICE erklärt die Behandlung als Absetzen der übergebrauchten Akutmittel für mindestens einen Monat, in der Regel abrupt statt schleichend. Der Schmerz wird zuerst schlimmer, Entzug kann Übelkeit, Unruhe und Schlafstörung mitbringen; enge Begleitung ist Teil des Plans. Eine Vorbeugung der zugrunde liegenden Primärform soll parallel erwogen werden. Stationärer Entzug ist nicht der Regelfall, kommt aber infrage bei starken Opioiden, relevanten Begleiterkrankungen oder mehrfach gescheiterten ambulanten Versuchen. Nach vier bis acht Wochen wird die Diagnose und der weitere Weg geprüft.
Cleveland Clinic warnt, dass schon zwei bis drei Dosen rezeptfreier Mittel pro Woche ein Warnsignal sind, wenn sie regelmäßig gegen Kopfschmerz fallen. Codein und andere Opioide gehören nicht zur Hausapotheke dieser Erkrankung. Wer chronische Migräne vorbeugend behandelt, senkt zugleich den Druck, an vielen Tagen akut zu dosieren. Das ist der praktische Kern der GBD-Folgerung. Bildung zum richtigen Gebrauch spart mehr Last als jedes neue Akutmittel allein.

Nebenhöhlen, Koffein, Hormone und Verletzung
Echte Nebenhöhlenkopfschmerzen sind selten und folgen fast immer einem Infekt. Mayo Clinic (Stand Mai 2022) verlangt für diese Zuordnung dickes, verfärbtes Sekret, verminderten Geruch und oft Schmerz in einer Wange oder den oberen Zähnen, häufig nach einem grippalen Infekt. Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit fehlen typischerweise. Ohne diese Zeichen ist Gesichtsschmerz plus klare, wässrige Nase weit häufiger eine Migräne, weil dasselbe Nervensystem Auge, Nase und Kiefer mitversorgt.
Die Konsequenz ist praktisch. Antibiotika helfen einer viralen Sinusitis nicht und einer Migräne schon gar nicht. Wer „Sinusmittel“ über Wochen nimmt, während der Schmerz pocht und das Licht stört, verliert Zeit und nähert sich dem Übergebrauch. Bessert sich ein vermuteter Infekt nicht binnen weniger Tage oder kommt Fieber hinzu, gehört die Abklärung in die Praxis, nicht die nächste Packung abschwellender Tropfen.
Koffein wirkt in zwei Richtungen. Mayo führt zu viel Kaffee ebenso als Migräneauslöser wie den plötzlichen Verzicht. Die FDA nennt 400 Milligramm pro Tag als Menge, die für die meisten gesunden Erwachsenen nicht mit negativen Effekten verbunden ist, etwa zwei bis drei Tassen à 350 Milliliter. Empfindlichkeit und Abbau unterscheiden sich stark; Schwangerschaft, Stillzeit und bestimmte Arzneimittel können die Schwelle senken. Wer täglich viel trinkt und abrupt stoppt, kann Entzugskopfschmerz bekommen. Die Behörde rät zum schrittweisen Reduzieren.
Hormonell gebundene Migräne vermutet NICE, wenn der Schmerz überwiegend zwischen zwei Tagen vor und drei Tagen nach Beginn der Blutung in wenigstens zwei von drei Zyklen auftritt. Das Tagebuch über mindestens zwei Zyklen sichert die Zuordnung. Reicht die übliche Akuttherapie nicht, können an den erwarteten Tagen Frovatriptan 2,5 mg zweimal täglich oder Zolmitriptan 2,5 mg zwei- bis dreimal täglich erwogen werden, in Deutschland oft außerhalb der Zulassung und nur nach ärztlicher Entscheidung. Kombinierte hormonelle Verhütung soll bei Migräne mit Aura nicht routinemäßig angeboten werden.
Nach einem Schlag auf Kopf oder Hals kann der Schmerz sofort oder verzögert einsetzen und einer Migräne oder einem Spannungskopfschmerz ähneln. NICE stuft ein Trauma der vergangenen drei Monate als Grund für weitere Abklärung ein. Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, wiederholtes Erbrechen, Verwirrtheit oder neue Seh- und Sprachstörung sind Notfälle. Merck erinnert an das chronische Subduralhämatom bei älteren Menschen, Gerinnungshemmern oder Sturz ohne klare Erinnerung. Schläfrigkeit und Halbseitenzeichen zählen mehr als der Schmerz allein.
Alkohol kann am nächsten Tag pochen, beidseits und bewegungsabhängig, oft mit Übelkeit und Lichtscheu. Das Bild ähnelt einer Migräne, ist aber ein sekundärer, zeitlich begrenzter Reiz. Wasser, Ruhe und Zurückhaltung bei der nächsten Menge sind vernünftiger als eine hohe Dosis NSAR auf nüchternen, gereizten Magen. Wer nach jedem Glas eine schwere Attacke bekommt, hat eher eine Migräneanlage als ein „Katerproblem“.
Was sich in der Behandlung seit 2018 geändert hat
Bis 2018 stützte sich die Vorbeugung auf Betablocker, Topiramat, Amitriptylin und verwandte Stoffe, die für andere Krankheiten entwickelt worden waren. Seither kamen Antikörper gegen CGRP oder seinen Rezeptor (Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab) und kleinmolekulare CGRP-Rezeptorblocker, die Gepante (unter anderem Rimegepant, Atogepant, Ubrogepant). Die Position der American Headache Society vom März 2024 stuft diese Gruppe als Erstlinie ein. Ein vorheriges Scheitern älterer Mittel soll nicht mehr Voraussetzung sein. Die Evidenz zu Wirkung und Verträglichkeit übertrifft nach Einschätzung der Fachgesellschaft die der älteren Stoffe; schwere Nebenwirkungen gelten als selten.
NICE bleibt in England strenger und nennt CGRP-Inhibitoren erst, wenn mindestens drei vorbeugende Arzneimittel nicht gewirkt haben, nicht vertragen wurden oder aus Sicherheitsgründen ungeeignet sind. Rimegepant als Schmelztablette kommt akut infrage, wenn wenigstens zwei Triptane versagt haben oder Triptane nicht gehen und NSAR plus Paracetamol nicht ausreichen. Nach 12 Wochen soll das CGRP-Mittel gestoppt werden, wenn die Attackenfrequenz bei episodischer Migräne nicht um mindestens 50 Prozent, bei chronischer nicht um mindestens 30 Prozent sinkt. Botulinumtoxin Typ A bleibt der chronischen Form vorbehalten, ebenfalls nach drei gescheiterten Stoffen und nur bei geregeltem Übergebrauch.
Für die alltägliche Attacke bleibt die NICE-Erstlinie eine Kombination aus oralem Triptan plus NSAR oder plus Paracetamol; wer nur einen Stoff will, kann Triptan, NSAR, 900 mg Acetylsalicylsäure oder Paracetamol allein versuchen. Ein Mittel gegen Übelkeit darf auch ohne Erbrechen dazukommen, weil es die Aufnahme anderer Stoffe verbessern kann. Mutterkornalkaloide und Opioide sollen akut nicht angeboten werden. Gabapentin entfällt als Vorbeugung. Topiramat darf in der Schwangerschaft nicht zur Migräneprophylaxe dienen und bei gebärfähigen Frauen nur unter dem Schwangerschaftsverhütungsprogramm.
NICE nennt außerdem Riboflavin 400 mg einmal täglich als Nahrungsergänzung, die bei manchen Häufigkeit und Stärke senken kann. Die Vorbeugung soll drei bis sechs Monate nach Beginn geprüft werden. In der Schwangerschaft steht Paracetamol vorn; Triptan oder NSAR nur nach Nutzen-Risiko-Gespräch, NSAR nach der 20. Woche mit bekannter Zurückhaltung. Vorbeugung in der Schwangerschaft gehört in spezialisierte Hände.
Cleveland Clinic hält fest, dass eine Heilung primärer Kopfschmerzen bisher fehlt. Ziel bleibt, Attacken zu verkürzen, seltener zu machen und den Alltag zu halten. Schlaf zur gleichen Zeit, regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung mit langsamem Beginn, weniger Alkohol und ein ehrliches Tagebuch bleiben die Basis, an der jede neue Tablette gemessen wird.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme
Die meisten wiederkehrenden Kopfschmerzen sind primär und gefährden das Leben nicht. Trotzdem gibt es Schwellen, an denen Warten schadet. NICE verlangt eine Bewertung und die Frage nach Untersuchung oder Überweisung, sobald eines der folgenden Merkmale auftritt.
- Fieber begleitet einen sich verschlechternden Schmerz, oder der Nacken wird steif, was auf eine Hirnhautentzündung hinweisen kann.
- Der Schmerz erreicht sein Maximum innerhalb von fünf Minuten und fühlt sich an wie der schlimmste im Leben.
- Eine neue Schwäche, Sprachstörung, Sehstörung, Wesensänderung oder Bewusstseinsstörung tritt zusammen mit dem Schmerz auf.
- Ein Kopftrauma der letzten drei Monate liegt vor, oder Husten, Pressen, Sport oder Lagewechsel lösen den Schmerz aus.
- Hinweise auf eine Riesenzellarteriitis (Schläfendruck, Kauschmerz, Sehstörung, Alter über 50) oder auf ein akutes Engwinkelglaukom (rotes Auge, Höfe um Lichter) kommen hinzu.
- Das gewohnte Kopfschmerzbild ändert sich erheblich, oder unter Immunschwäche bzw. bekannter Metastasierung entsteht ein neuer Schmerz.
Merck ergänzt Papillenödem, Meningismus, schwere Hypertonie und Immunsuppression als Gründe für rasche Bildgebung, oft MRT, notfalls CT. Beim Donnerschlag folgt auch bei unauffälligem Bild eine Liquoruntersuchung, sofern sie nicht kontraindiziert ist. Cleveland Clinic nennt zusätzlich neu auftretenden starken Schmerz nach 55 Jahren und neurologische Zeichen wie plötzliche Fallneigung, Krampfanfall oder Persönlichkeitsänderung.
Ein Termin in der Praxis reicht, wenn Attacken häufiger oder stärker werden, rezeptfreie Mittel versagen, Arbeit und Schlaf leiden oder der Wunsch nach einer Vorbeugung besteht. Kinder mit wiederkehrendem Schmerz, erstmals nächtliches Erwachen durch Kopfschmerz im höheren Alter und täglicher Tablettenbedarf gehören ebenfalls dorthin, nicht in die Selbstoptimierung der Dosis. Die Cleveland Clinic rät schon bei einem oder mehr Kopfschmerztagen pro Woche zum Kontakt, wenn das Leben darunter leidet.
| Merkmal | Spannungskopfschmerz | Migräne | Clusterkopfschmerz |
|---|---|---|---|
| Sitz | beidseits | ein- oder beidseits | einseitig um Auge und Schläfe |
| Qualität | drückend, nicht pochend | pochend | stechend, brennend, variabel |
| Stärke | leicht bis mittel | mittel bis stark | sehr stark |
| Alltag | meist weiter machbar | Tätigkeit wird gemieden | Unruhe und Herumlaufen |
| Dauer | 30 Minuten bis dauerhaft | 4 bis 72 Stunden | 15 bis 180 Minuten |
| Extra | selten Übelkeit | Licht, Lärm, Übelkeit, Aura | Auge tränt, Nase läuft, Lid hängt |
Die Tabelle folgt der Diagnosetafel in NICE CG150. Überlappen chronische Migräne und chronischer Spannungskopfschmerz, zählt jedes Migränemerkmal. Dann lautet die Arbeitsdiagnose chronische Migräne.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Migräne und Spannungskopfschmerz?
Spannungskopfschmerz drückt beidseits, bleibt leichter und stört den Alltag selten. Migräne pocht oft einseitig, wird durch Bewegung schlimmer und bringt Lichtscheu, Geräuschempfindlichkeit oder Übelkeit mit. Dauert der Schmerz vier Stunden oder länger und zwingt zum Rückzug, spricht das für Migräne, auch wenn beide Seiten wehtun.
Können Schmerzmittel selbst tägliche Kopfschmerzen auslösen?
Ja. Nimmt jemand über drei Monate an mindestens 10 Tagen Triptane oder Kombimittel bzw. an 15 Tagen einfache Schmerzmittel, kann genau dieses Muster einen Übergebrauchskopfschmerz nähren. Mayo nennt vergleichbare Schwellen von mehr als 14 Tagen Ibuprofen oder mehr als 9 Tagen Triptan. Die Therapie besteht im Absetzen unter ärztlicher Begleitung, nicht in einer höheren Dosis.
Ist ein Stirnhöhlenkopfschmerz meist eine Migräne?
Häufig ja. Mayo Clinic stellt fest, dass die meisten Menschen, die wegen „Sinus-Schmerz“ kommen, die Kriterien einer Migräne erfüllen. Echte Sinusitis braucht dickes, verfärbtes Sekret, Riechverlust und oft einen vorangehenden Infekt. Klare Nase plus pochender Gesichtsschmerz plus Lichtscheu gehört zuerst in die Migränelogik, nicht in die Antibiotikaschublade.
Was ist ein Donnerschlagkopfschmerz?
Das ist ein Schmerz, der binnen Sekunden bis einer Minute seinen Gipfel erreicht und sich anfühlt wie der schlimmste im Leben. Cleveland Clinic verlangt den Gipfel innerhalb einer Minute und eine Dauer von mindestens fünf Minuten; NICE überweist schon bei Maximum innerhalb von fünf Minuten. Dahinter kann eine Blutung oder eine andere Gefäßkatastrophe stecken. Das ist ein Notfall, kein Termin in drei Wochen.
Hilft Sauerstoff bei Clusterattacken?
Bei gesichertem Clusterkopfschmerz kann 100-prozentiger Sauerstoff mit mindestens 12 Litern pro Minute über eine Reservoir-Maske den Anfall verkürzen. Orale Schmerztabletten und Ibuprofen sind laut NICE die falsche Klasse. Die erste Serie braucht eine fachliche Diagnose, bevor zu Hause Sauerstoff steht.
Wann lohnt sich eine vorbeugende Migränetherapie?
Wenn Attacken den Monat prägen, die Lebensführung stören oder Akutmittel zu oft gebraucht werden, sollte Vorbeugung besprochen werden. NICE nennt Propranolol, Topiramat oder Amitriptylin nach Nutzen-Risiko-Gespräch; CGRP-Mittel folgen in England erst nach drei gescheiterten Stoffen, während die American Headache Society sie seit 2024 als Erstlinie akzeptiert. Welche Schwelle gilt, hängt vom Land, von Begleiterkrankungen und von der Kostenübernahme ab.

Fazit
Die Art des Kopfschmerzes entscheidet über das Mittel, nicht die Stärke allein. Ein beidseitig drückender, alltagstauglicher Schmerz verträgt zurückhaltende Akutmittel und weniger Tablettenwochen; ein pochender, lichtscheuer Anfall braucht früh ein migränespezifisches Konzept; die einseitige, unruhige Attacke um ein Auge braucht Sauerstoff oder ein nicht orales Triptan, keine Hausapotheken-NSAR. Wer das Muster acht Wochen notiert, liefert der Praxis genau die Daten, die NICE zur Diagnose verlangt.
Seit 2018 hat sich die Vorbeugung der Migräne verschoben. CGRP-Antikörper und Gepante können Häufigkeit senken, ohne dass vorher Betablocker oder Topiramat versagt haben müssen, so die US-Fachgesellschaft 2024; britische Bewertung bleibt zurückhaltender und knüpft die Erstattung an drei gescheiterte Stoffe. Beide Positionen eint die Warnung vor Übergebrauch. Ein Teil der weltweiten Last entsteht, weil Akutmittel zu oft genommen werden. Das ist beeinflussbar, ohne ein Wundermittel zu versprechen.
Morgen zählt weniger die Marke in der Schublade als drei Fragen. Ist der Schmerz neu, plötzlich oder von Ausfällen begleitet? Dann zählt die Notaufnahme. Bleibt er wiederkehrend und vertraut? Dann gehören Diagnose, Tagebuch und eine ehrliche Zählung der Tablettenage in die Sprechstunde. Wird vorbeugt, soll nach wenigen Monaten geprüft werden, ob Frequenz und Alltag wirklich besser geworden sind. Primäre Kopfschmerzen lassen sich oft steuern. Sie verschwinden als Anlage selten von selbst.
Quellen
- World Health Organization: Migraine and other headache disorders. World Health Organization, Stand: 2025.
- National Institute for Health and Care Excellence: Recommendations | Headaches in over 12s: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: Juni 2025.
- Mayo Clinic: Migraine – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 8. Juli 2025.
- Mayo Clinic: Sinus headaches – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 17. Mai 2022.
- Cleveland Clinic: Headache: What It Is, Types, Causes, Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, 29. August 2022.
- Silberstein SD: Approach to the Patient With Headache. Merck Manual Professional Edition, Februar 2025.
- Charles A et al.: Calcitonin gene-related peptide-targeting therapies are a first-line option for the prevention of migraine: An American Headache Society position statement update. Headache, 11. März 2024.
- GBD 2023 Headache Collaborators: Global, regional, and national burden of headache disorders, 1990-2023: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2023. The Lancet Neurology, Dezember 2025.
- U.S. Food and Drug Administration: Spilling the Beans: How Much Caffeine is Too Much?. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
- Al Khalili Y, Tan CW, Lui F: Hypnic Headache. StatPearls, 24. September 2025.
