
Die meisten akuten Mittelohrentzündungen klingen innerhalb von etwa drei Tagen von allein ab; Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen stehen vor dem Antibiotikum. Laut NICE (Empfehlungen 2018, Dosistabelle 2022) und CDC (Stand April 2024) brauchen viele Kinder kein sofortiges Antibiotikum, solange der Verlauf mild bleibt und eine Kontrolle möglich ist.
Ohrenschmerzen nach einem Schnupfen sind häufig, vor allem im Kleinkindalter. Das NIDCD (Aktualisierung März 2022) schreibt, fünf von sechs Kindern hätten bis zum dritten Geburtstag mindestens eine Episode. Das Mittelohr füllt sich mit Flüssigkeit, das Trommelfell spannt, und das Kind reibt am Ohr oder schläft schlecht. Ein Teil der Infekte ist viral, ein Teil bakteriell, oft mischen sich beide; klinisch lassen sich die Erreger kaum trennen.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen akuter Otitis media mit Entzündung, Paukenerguss ohne Infektzeichen, chronischer eitriger Mittelohrentzündung mit Loch im Trommelfell und Gehörgangsentzündung außen. Jede Form braucht ein anderes Vorgehen. Schwere Krankheit, Fieber ab 39 °C, Eiter aus dem Ohr oder ein Säugling unter drei Monaten mit Fieber gehören nicht ins Abwarten.
Was eine Ohrinfektion ist
Eine Ohrinfektion im engeren Sinn ist die akute Otitis media. Viren oder Bakterien vermehren sich in Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, das Mittelohr schwillt, und Druck erzeugt Schmerz. Das CDC (April 2024) nennt Streptococcus pneumoniae und nicht typisierbares Haemophilus influenzae als häufigste Bakterien; Erkältungsviren können denselben Raum allein oder als Wegbereiter befallen.
Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Hohlraum hinter dem Trommelfell. Drei kleine Gehörknöchelchen leiten Schall ins Innenohr. Verbindet die Ohrtrompete Nase und Rachen nicht mehr zuverlässig mit diesem Raum, staut sich Schleim. Wird dieser infiziert, entsteht das klassische Bild mit Ohrschmerz, Fieber und manchmal Hörverlust. Die Cleveland Clinic (Aktualisierung April 2026) beschreibt den Start oft nach einer Infektion der oberen Atemwege.
Daneben gibt es verwandte, aber nicht identische Zustände. Otitis media mit Erguss (Paukenerguss, umgangssprachlich Leimohr) bedeutet Flüssigkeit ohne Fieber, ohne starken Schmerz und ohne Eiter, so das CDC. Chronischer Paukenerguss kehrt zurück oder bleibt monatelang; das NIDCD warnt, dass Hörvermögen und Abwehr neuer Infekte darunter leiden können. Die Mayo Clinic (April 2025) grenzt die chronisch eitrige Mittelohrentzündung als lange bestehenden Infekt mit Trommelfellloch und oft eitrigem Ausfluss ab. Die Gehörgangsentzündung sitzt außen im Kanal und folgt anderen Erregern.
Erwachsene erkranken seltener, weil Ohrtrompete und Immunsystem reifer sind. Trotzdem gilt dieselbe Mechanik, wenn eine Erkältung, Allergie oder anatomische Enge den Abfluss blockiert. Eine Garantie, dass jede Episode folgenlos bleibt, gibt es nicht; die meisten klingen jedoch ohne bleibenden Schaden ab, wenn rote Flaggen ernst genommen werden.

Welche Symptome Kinder und Erwachsene zeigen
Bei Kindern beginnen die Zeichen oft plötzlich nach Schnupfen oder Halsweh, mit Ohrschmerz, Ziehen am Ohr, unruhigem Schlaf, vermehrtem Weinen, Fieber, schlechterem Hören und manchmal Gleichgewichtsproblemen. Das NIDCD listet außerdem Ausfluss und Ungeschicklichkeit; die Mayo Clinic ergänzt Kopfschmerz und Appetitverlust, weil Schlucken den Druck im Mittelohr ändert.
Säuglinge und Kleinkinder können den Schmerz nicht benennen. Reiben am Ohr nach einer Atemwegsinfektion, Fieber und schlechtes Trinken sind dann die praktischen Hinweise. Ausfluss gelb, braun oder blutig spricht für ein gerissenes Trommelfell; die meisten Risse schließen sich nach Mayo innerhalb von etwa 72 Stunden, selten braucht es eine operative Versorgung.
Erwachsene berichten klarer von Druck oder Schmerz in einem Ohr, dumpfem Hören und gelegentlich Flüssigkeit. Fieber ist weniger regelmäßig als bei Kleinkindern. Fehlt der Druckschmerz am Tragus und an der Ohrmuschel, spricht das eher für das Mittelohr als für den Gehörgang. Umgekehrt ist ein stechender Schmerz beim Kauen oder beim Anfassen der Ohrmuschel typisch für eine Otitis externa.
Nicht jeder Ohrschmerz ist eine Infektion. Zahnprobleme, Kiefergelenkbeschwerden, ein Fremdkörper im Kanal oder eine Entzündung des Trommelfells selbst (Myringitis) können täuschen. Deshalb ersetzt die Selbstbeobachtung keine Untersuchung, sobald Fieber hoch steigt, Ausfluss kommt oder das Kind unter drei Monaten alt ist.
Warum Kinder häufiger betroffen sind
Kinder zwischen etwa sechs Monaten und zwei Jahren erkranken am häufigsten, weil ihre Ohrtrompeten kürzer und flacher verlaufen und das Immunsystem noch übt. Das NIDCD erklärt, dass Schleim dann schlechter abläuft; schwillt die Schleimhaut nach einem Infekt, staut sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell.
Rachenmandeln sitzen nahe den Ostien der Ohrtrompeten. Schwellen sie, können sie den Abfluss zusätzlich versperren. Bakterien, die in diesem lymphatischen Gewebe feststecken, können ins Mittelohr wandern. Deshalb diskutieren Leitlinien bei hartnäckigem Paukenerguss später auch eine Adenotomie, nicht als Routine bei jeder ersten Episode.
Umgebungsfaktoren erhöhen die Chance auf neue Episoden. Mayo nennt Gruppenbetreuung, Flaschenernährung im Liegen, Herbst und Winter, Allergien, schlechte Luft und Passivrauch sowie eine Gaumenspalte. Stillen mindestens sechs Monate kann das Risiko senken, so CDC und Mayo; die Flasche im Sitzen statt im Bett vermeidet, dass Milch in die Ohrtrompete läuft. Ansteckend ist die Mittelohrentzündung selbst nicht, wohl aber der Schnupfen, der ihr oft vorausgeht.
Familienhäufung kommt vor, ohne dass Eltern etwas „falsch“ gemacht hätten. Ein Kind in der Krippe trifft mehr Viren; dasselbe Kind ohne Rauchbelastung und mit aktuellen Impfungen hat trotzdem bessere Karten als eines, das beides nicht hat.
Wann zum Arzt, wann in die Klinik
Fieber ab 39 °C, Eiter oder Flüssigkeit aus dem Ohr, zunehmende Beschwerden, Mittelohrzeichen länger als zwei bis drei Tage oder neuer Hörverlust gehören zum Arzt, so das CDC. Ein Säugling unter drei Monaten mit Fieber ab 38 °C soll noch am selben Tag gesehen werden, nicht erst nach einer Nacht des Abwartens.
Die Mayo Clinic (April 2025) schickt außerdem Kinder unter sechs Monaten mit passenden Symptomen und jedes Kind, das nach einer Atemwegsinfektion schlaflos oder untröstlich bleibt. Die Cleveland Clinic ergänzt steifen Nacken, hochfieberhaftes schweres Kranksein, unsicheren Gang und eine schiefe Mimik als Gründe, nicht zu warten. Solche Zeichen können auf eine Ausbreitung jenseits des Mittelohrs hinweisen.
NICE NG91 nennt seltene, aber zwingende Klinikgründe, darunter schwere systemische Infektion, Mastoiditis, Meningitis, Hirnabszess, Sinusthrombose oder Gesichtsnervenlähmung. Mastoiditis ist die Entzündung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr; sie ist in Ländern mit guter Versorgung ungewöhnlich, mit oder ohne Antibiotikum. Trotzdem gilt, dass zunehmende Schwellung hinter dem Ohr, abstehendes Ohr und schweres Kranksein keine Hausmittel-Situation sind.
Wer bereits ein Antibiotikum nimmt und nach etwa drei Tagen nicht besser wird, soll nachfassen. Die Cleveland Clinic rät dasselbe, wenn Fieber erst weicht und nach zwei Tagen Therapie zurückkehrt. Dann kann ein anderer Erreger oder eine andere Diagnose vorliegen, etwa ein Paukenerguss ohne akute Entzündung.
| Zeichen | Zuerst zu Hause möglich | Zeitnah Ärztin oder Klinik |
|---|---|---|
| mildes Ziehen, Fieber unter 39 °C, Kind über 6 Monate | Schmerzmittel, Flüssigkeit, Beobachtung 48–72 Stunden | keine Besserung nach 2–3 Tagen |
| Fieber 39 °C oder höher, starker Schmerz über 48 Stunden | keine Verzögerung der Vorstellung | Hausarzt oder Kinderarzt am selben Tag |
| Eiter, Blut oder klare Flüssigkeit aus dem Gehörgang | Ohr nicht spülen, kein Wattestäbchen | Untersuchung auf Perforation |
| Säugling unter 3 Monaten mit Fieber ab 38 °C | keine Selbsttherapie der Ursache | sofort medizinisch vorstellen |
| Nackensteifigkeit, schiefe Mimik, Schwellung hinter dem Ohr | Transport, nicht abwarten | Klinik, wie NICE 2018 bei Komplikationen rät |
| Paukenerguss ohne Schmerz und ohne Fieber | Hörstrategien, Wiedervorstellung | Audiologie, wenn Hören Alltag stört |
Wie die Diagnose gestellt wird
Die Diagnose stützt sich auf Symptome plus Blick auf das Trommelfell, nicht auf einen Bluttest. Mit dem Otoskop sucht die Ärztin nach Rötung und vor allem nach einer Vorwölbung; das NIDCD nennt ein gerötetes, vorgewölbtes Trommelfell als klassischen Infektbefund. Fehlt Flüssigkeit im Mittelohr, soll nach der US-Kinderleitlinie, die NIDCD und Mayo weiter zitieren, keine akute Otitis media diagnostiziert werden.
Ein pneumatisches Otoskop bläst einen Luftstoß in den Gehörgang. Bewegt sich das Trommelfell kaum, spricht das für Flüssigkeit dahinter. Tympanometrie misst dieselbe Beweglichkeit über Druck und Ton; sie hilft, wenn das Kind unruhig ist oder der Blick unklar bleibt. Akustische Reflektometrie wirft Schall auf das Trommelfell. Ein gesundes Ohr schluckt mehr, ein flüssigkeitsgefülltes wirft mehr zurück.
Zweifelt das Team nach Therapieversagen, kann eine Tympanozentese Flüssigkeit zur Erregerbestimmung holen. Das ist kein Routineeingriff in der Hausarztpraxis. Hörprüfungen werden wichtiger, wenn Episoden sich häufen oder Flüssigkeit Wochen bleibt; NICE NG233 (August 2023) verlangt bei Verdacht auf Paukenerguss Otoskopie, Tympanometrie und eine altersgerechte Hörprüfung.
Eltern können zu Hause kein Trommelfell beurteilen. Rotes Ohrläppchen oder Fieber allein beweisen keine Mittelohrentzündung. Umgekehrt schließt ein ruhiges Kind nach Ibuprofen die Diagnose nicht aus; der Schmerz kehrt oft zurück, sobald der Wirkspiegel sinkt.
Was gegen den Schmerz hilft
Schmerz- und Fiebersenkung ist die erste Therapie, unabhängig davon, ob später ein Antibiotikum folgt. NICE rät zu regelmäßigen Gaben von Paracetamol oder Ibuprofen in der alters- und gewichtsrichtigen Dosis, bei starkem Schmerz bis zur zugelassenen Höchstdosis. Das CDC (2024) erlaubt unter sechs Monaten nur Paracetamol, ab sechs Monaten Paracetamol oder Ibuprofen; Acetylsalicylsäure soll bei Kindern wegen des Risikos eines Reye-Syndroms entfallen.
Ruhe und extra Flüssigkeit nennt dasselbe CDC als begleitende Maßnahmen. Sie heilen den Infekt nicht, machen das Kind aber trinkfähig und senken das Risiko, dass Fieber zur Austrocknung führt. Rezeptfreie Husten- und Erkältungsmischungen rät das CDC bei Kindern unter vier Jahren nicht an, außer eine Ärztin verordnet sie ausdrücklich; schwere Nebenwirkungen sind in dieser Altersgruppe beschrieben.
Neu gegenüber älteren Ratgebern ist die Option lokaler Schmerz-Ohrentropfen. NICE ergänzte 2022 Phenazon 40 mg/g plus Lidocain 10 mg/g, vier Tropfen zwei- bis dreimal täglich, höchstens sieben Tage, nur wenn kein sofortiges orales Antibiotikum gegeben wird und weder Trommelfellloch noch Ausfluss vorliegen. Fehlt die Besserung binnen einer Woche oder nimmt der Schmerz zu, soll die Therapie überprüft werden. In den USA wurden vergleichbare Benzocain-Tropfen 2015 vom Markt genommen; lokale Verfügbarkeit und Zulassung weichen also ab, die Idee bleibt dieselbe.
Abschwellende Nasensprays und Antihistaminika helfen laut NICE den AOM-Schmerz nicht. Wer sie gegen eine begleitende Allergie braucht, soll das getrennt entscheiden, nicht als Mittelohrtherapie. Ein warmes Tuch am Ohr erwähnen aktuelle Leitlinien nicht als belegte Therapie; schadet es bei intakter Haut selten, ersetzt es aber weder Analgetikum noch Untersuchung.

Wann Antibiotika sinnvoll sind
Antibiotika verkürzen den Schmerz in den ersten 24 Stunden kaum, weil rund 60 Prozent der Kinder ohnehin besser werden; so die Cochrane-Aktualisierung vom November 2023 (Suche bis 14. Februar 2023). Binnen 48 bis 72 Stunden brauchen etwa 20 Kinder eine Behandlung, damit eines weniger Schmerzen hat. Gleichzeitig erlebt eines von 14 behandelten Kindern Erbrechen, Durchfall oder Ausschlag, die ohne Antibiotikum ausgeblieben wären.
Deshalb empfehlen NICE und CDC für milde Verläufe entweder gar kein Rezept oder ein Reserve-Rezept, das erst eingelöst wird, wenn nach etwa drei Tagen keine Besserung eintritt oder sich das Bild rasch verschlechtert. Beobachtung setzt voraus, dass jemand das Kind erneut einschätzen kann. Säuglinge unter sechs Monaten mit gesicherter AOM bekommen nach Mayo eher sofort ein Antibiotikum.
Wahrscheinlicher nützt die Tablette Kindern unter zwei Jahren mit beidseitiger Entzündung oder mit Ausfluss, so die von Cochrane zitierte individuelle Metaanalyse. NICE stellt für genau diese Gruppen drei Wege nebeneinander, nämlich Beratung ohne Rezept, Reserve-Rezept oder sofortige Gabe, weil Komplikationen selten bleiben und Nebenwirkungen zählen. Systemisch schwer krank oder mit Komplikationszeichen soll sofort behandelt und bei den oben genannten Notfällen eingewiesen werden.
Erstwahl bleibt Amoxicillin. NICE (Tabelle 2018, geändert 2022) nennt altersgestaffelte Dosen über fünf bis sieben Tage, darunter 125 mg dreimal täglich vom 1. bis 11. Monat, 250 mg von 1 bis 4 Jahren, 500 mg von 5 bis 17 Jahren, jeweils als übliche Bandbreite für durchschnittlich große Kinder. Bei Penicillinunverträglichkeit außerhalb der Schwangerschaft steht Clarithromycin, in der Schwangerschaft eher Erythromycin, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt. Wird es binnen 48 bis 72 Stunden schlechter, folgt Co-Amoxiclav. Lokale Resistenzlage und Körpergewicht kann die Ärztin von dieser Tabelle abweichend dosieren.
Die Kurslänge ist kürzer als in manchen älteren Schemata mit zehn Tagen. NICE hält fünf Tage für viele Kinder für ausreichend und reserviert sieben Tage für schwerere oder wiederholte Infekte. Wer das Mittel bekommt, soll die Packung zu Ende nehmen, auch wenn der Schmerz am dritten Tag weicht; zu früher Stopp kann den Infekt zurückbringen, so Mayo und NIDCD.
Wie sich die Gehörgangsentzündung unterscheidet
Die akute Otitis externa sitzt in der Haut des Gehörgangs, nicht hinter dem Trommelfell, und braucht fast immer Tropfen statt Tabletten. Die American Academy of Family Physicians (2023) beschreibt raschen Beginn, Schmerz, Juckreiz, Völlegefühl und Druckschmerz an Tragus oder Ohrmuschel; Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus führen. Schwimmen, Feuchtigkeit, Kratzen und Hörgeräte sind typische Auslöser.
Topische Antibiotika, oft mit Kortison, über sieben bis zehn Tage sind die Standardtherapie. Metaanalysen, die AAFP zusammenfasst, fanden keinen klinisch überlegenen Wirkstoff; 65 bis 90 Prozent sind in diesem Zeitraum beschwerdefrei. Orale Antibiotika sollen nach der AAO-HNS-Leitlinie (2014, von der AAFP 2019 bestätigt) nicht die Erstlinie sein, außer die Entzündung überschreitet den Kanal, der Mensch ist immunsupprimiert oder hat schlecht eingestellten Diabetes, oder Tropfen sind nicht anwendbar. Etwa 20 bis 40 Prozent bekommen trotzdem Tabletten, häufig solche, die Pseudomonas nicht treffen.
Ist das Trommelfell defekt oder sitzt ein Paukenröhrchen, entfallen ototoxische Tropfen wie Aminoglykoside und alkoholhaltige Lösungen. Für das Mittelohr zugelassen sind in den USA Chinolon-Tropfen, etwa Ofloxacin oder Ciprofloxacin/Dexamethason. Bei starker Schwellung kann die Ärztin einen Docht einlegen, damit die Tropfen den Kanal erreichen. Bessert sich der Schmerz nicht in 48 bis 72 Stunden, muss die Diagnose überprüft werden.
Bösartige (nekrotisierende) Otitis externa ist ein Notfall mit Granulationen im Kanal, Fieber, oft Diabetes und möglichen Hirnnervenausfällen. Das gehört in die HNO-Klinik, nicht in die Hausapotheke. Vorbeugend rät AAFP, den Kanal nicht mit Wattestäbchen zu verletzen, nach dem Baden zu trocknen und passgenaue Stöpsel beim Schwimmen zu nutzen; belastbare Studien zu diesen Tipps fehlen.
Was bei Paukenerguss und Röhrchen gilt
Bleibt nach dem Infekt Flüssigkeit ohne Entzündungszeichen, heilt das oft in Wochen. Das NIDCD rechnet nach abgeklungener AOM mit drei bis sechs Wochen Restflüssigkeit. NICE NG233 (2023) ersetzt die ältere Operationsleitlinie von 2008. Ohne Hörverlust reicht Erklärung und die Bitte, bei neuen Hörzweifeln wiederzukommen. Antibiotika, Kortison oral oder nasal, Antihistaminika, Leukotrienblocker, Mukolytika, Protonenpumpenhemmer und Abschweller sollen beim Paukenerguss nicht gegeben werden.
Hörverlust über Wochen verändert Alltag und Sprache. NICE empfiehlt nach drei Monaten eine erneute Hörprüfung bei beidseitigem Befund, einseitig zumindest in Erwägung. In der Wartezeit helfen einfache Strategien, etwa nah und zugewandt sprechen, Hintergrundlärm senken, visuelle Hinweise und im Unterricht vorn sitzen. Autoinflation (Nase gegen einen Ballon o. ä. pressen) kann bei kooperativen Kindern ohne Ohrschmerz versucht werden. Hörgeräte oder Knochenleitungssysteme sind eine Option, wenn der Verlust schwankt oder eine Operation wartet.
Paukenröhrchen (Grommets) erwägt NICE bei OME-bedingtem Hörverlust nach gemeinsamer Abwägung. Risiken sind Trommelfellloch, lokale Atrophie, Tympanosklerose und Infekt. Zusätzlich kann eine Adenotomie diskutiert werden, sofern der Gaumen unauffällig ist; Blutungsrisiko und velopharyngeale Insuffizienz gehören ins Aufklärungsgespräch. NICE nennt zwei Wochen Wasserschutz nach der Einlage und eine Hörkontrolle nach sechs Wochen.
Die AAO-HNSF-Aktualisierung 2022 verschärft die Indikation gegenüber älteren Gewohnheiten. Ein einzelner Paukenerguss unter drei Monaten ist keine Röhrchen-Indikation. Bei beidseitigem Erguss über drei Monate plus dokumentierten Hörproblemen sollen Röhrchen angeboten werden. Wiederkehrende akute Otitis media ohne Flüssigkeit zum Untersuchungszeitpunkt ist keine Operationsindikation. Unkomplizierter Ausfluss bei liegendem Röhrchen bekommt nur Tropfen, keine Tablette. Routine-Ohrenstöpsel beim Schwimmen rät diese US-Leitlinie nicht mehr; NICE bleibt bei zwei Wochen Trockenheit nach der OP und Stöpseln, wenn Ausfluss immer wiederkehrt. Beide Positionen soll die HNO-Ärztin lokal erklären, statt pauschal „nie mehr schwimmen“ zu sagen.
Was das Risiko senken kann
Vollständig verhindern lässt sich eine Mittelohrentzündung nicht, aber Impfungen und weniger Rauch senken die Chance. Das CDC nennt Grippeimpfung und Pneumokokkenimpfstoff, weil Streptococcus pneumoniae ein häufiger Mittelohrerreger ist. Seit 2023 empfehlen US-Behörden für Kinder PCV15 oder PCV20 statt des älteren PCV13, den die NIDCD-Seite von 2022 noch nennt; den konkreten deutschen Impfplan legt die behandelnde Praxis fest.
Hände waschen, nicht aus demselben Becher trinken und hustende Kinder zu Hause lassen, verringern die Virenlast, die dem Mittelohr den Weg bereitet. Stillen ausschließlich bis sechs Monate und weiter mindestens bis zwölf Monate verknüpft das CDC mit weniger Episoden. Flasche im Sitzen, niemals als Einschlafhilfe im Liegen, nennt Mayo als alltagsnahe Maßnahme.
Passivrauch ist ein belegter Risikofaktor für Mittelohrprobleme und für Paukenerguss; NICE NG233 spricht das Eltern ausdrücklich an. Nach dem Baden Ohren trocken tupfen richtet sich vor allem gegen die Gehörgangsentzündung. Antibiotika „auf Vorrat“ nach jedem Schnupfen erhöhen Resistenzen und helfen dem Paukenerguss nicht. Wer in den letzten Wochen bereits Amoxicillin brauchte oder eitrige Bindehautentzündung hat, braucht oft ein anderes Mittel, weil dann beta-Laktamase-Bildner wahrscheinlicher sind; das entscheidet die Ärztin, nicht die Hausapotheke.
Häufige Fragen
Geht eine Mittelohrentzündung ohne Antibiotika weg?
Ja, bei den meisten Kindern in Ländern mit guter Versorgung, oft binnen drei Tagen, manchmal binnen einer Woche. Cochrane 2023 und NICE stützen das Abwarten bei mildem Verlauf, sofern Schmerzmittel gegeben werden und jemand das Kind nach 48 Stunden erneut beurteilen kann.
Wann braucht mein Kind sofort ein Antibiotikum?
Eher sofort bei Säuglingen unter sechs Monaten mit gesicherter AOM, bei Fieber ab 39 °C, bei mäßigem bis starkem Schmerz über 48 Stunden, bei beidseitiger Entzündung unter zwei Jahren, bei Ausfluss oder wenn das Kind systemisch schwer krank wirkt. Die genaue Schwelle setzt die untersuchende Ärztin nach Trommelfellbefund, nicht allein nach Fieberhöhe.
Helfen Nasentropfen oder Allergietabletten gegen Ohrschmerz?
Für die akute Mittelohrentzündung lautet die NICE-Antwort nein. Abschweller und Antihistaminika ändern den Verlauf nicht nennenswert. Beim Paukenerguss rät NICE 2023 sogar ausdrücklich davon ab, ebenso von Kortison und Antibiotika als Erguss-Therapie.
Darf ich Schmerz-Ohrentropfen geben?
Nur nach Rücksprache und nur bei intaktem Trommelfell ohne Ausfluss. NICE 2022 erlaubt Phenazon plus Lidocain in der genannten Dosierung, wenn kein sofortiges orales Antibiotikum geplant ist. Bei Loch oder Röhrchen können manche Tropfen das Innenohr schädigen.
Wie lange bleibt Flüssigkeit nach dem Infekt?
Nach NIDCD oft drei bis sechs Wochen, auch wenn Schmerz und Fieber längst weg sind. Bleibt das Hören danach schlecht, gehört das zur Hörprüfung, nicht zu einem weiteren Antibiotikum auf Verdacht.
Wann sind Paukenröhrchen sinnvoll?
Wenn ein beidseitiger Paukenerguss mindestens drei Monate besteht und das Hören nachweislich stört, oder wenn häufige akute Infekte mit aktuellem Erguss einhergehen. Die AAO-HNSF 2022 rät gegen Röhrchen, wenn zum Zeitpunkt der Indikationsstellung kein Erguss mehr da ist.
Ist Badeotitis dasselbe wie Mittelohrentzündung?
Nein. Die Gehörgangsentzündung sitzt außen, schmerzt beim Anfassen der Ohrmuschel und wird mit Tropfen behandelt. Tabletten nützen dort meist nicht, außer die Rötung überschreitet den Kanal oder es liegen Diabetes oder Immunschwäche vor.
Fazit
Morgen zählt zuerst der Schmerz, nicht das Rezept. Paracetamol oder Ibuprofen in der richtigen Kinddosis, Flüssigkeit und eine klare Schwelle (Fieber 39 °C, Eiter, Säugling unter drei Monaten, rasche Verschlechterung) trennen das häufige, selbstlimitierende Bild von dem, was dieselbe Nacht in die Praxis oder Klinik muss.
Antibiotika bleiben Werkzeug für definierte Gruppen, darunter sehr junge Säuglinge, schwere oder beidseitige Verläufe, Ausfluss und ausbleibende Besserung nach 48 Stunden. Cochrane 2023 beziffert den Nutzen klein und die Nebenwirkungen greifbar. Beim Paukenerguss ohne Entzündung haben Antibiotika und Kortison nach NICE 2023 keinen Platz; Hören, Zeit und nötigenfalls Röhrchen entscheiden.
Wer das nächste Risiko senken will, hält Impfungen aktuell, lässt niemand im Haus rauchen, stillt wenn möglich und füttert die Flasche im Sitzen. Heilung im Sinne von „nie wieder Ohrschmerz“ verspricht keine Leitlinie. Realistisch ist, unnötige Antibiotika zu sparen und die wenigen gefährlichen Verläufe nicht zu verpassen.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention: Ear Infection Basics. Centers for Disease Control and Prevention, 17. April 2024.
- National Institute for Health and Care Excellence: Recommendations | Otitis media (acute): antimicrobial prescribing. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2022.
- National Institute for Health and Care Excellence: Recommendations | Otitis media with effusion in under 12s. National Institute for Health and Care Excellence, 30. August 2023.
- Venekamp RP, Sanders SL et al.: Antibiotics for acute middle ear infection (acute otitis media) in children. Cochrane Database of Systematic Reviews, 15. November 2023.
- Mayo Clinic Staff: Ear infection (middle ear) – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 23. April 2025.
- Mayo Clinic Staff: Ear infection (middle ear) – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 23. April 2025.
- National Institute on Deafness and Other Communication Disorders: Ear Infections in Children. National Institute on Deafness and Other Communication Disorders, 16. März 2022.
- Jackson EA, Geer K: Acute Otitis Externa: Rapid Evidence Review. American Family Physician, Februar 2023.
- Cleveland Clinic: Ear Infection (Otitis Media): Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 1. April 2026.
- Rosenfeld RM, Tunkel DE et al.: Clinical Practice Guideline: Tympanostomy Tubes in Children (Update). Otolaryngology–Head and Neck Surgery, 9. Februar 2022.
