
Gripe Water lindert Säuglingskoliken nicht nachweislich. Der britische Gesundheitsdienst und die NICE-Kurzleitlinie raten von Kräuterzusätzen ab; zuerst kommen Halten, sanftes Wiegen und weißes Rauschen.
Das Präparat ist ein frei verkäufliches Kräuterwasser, oft mit Fenchel, Ingwer und Natriumhydrogencarbonat. Es gilt in den USA als Nahrungsergänzung, nicht als geprüftes Arzneimittel. Deshalb prüft niemand vor dem Verkauf, ob die Mischung Koliken verkürzt oder keimfrei bleibt.
Kolik heißt hier langes, schwer stillbares Schreien bei einem Kind, das wächst und keinen Fieberherd zeigt. Die Phase beginnt oft in den ersten Lebenswochen, ist um die sechste Woche am lautesten und klingt bei den meisten bis zum vierten Monat ab. Tropfen ersetzen weder die Untersuchung noch eine Pause für überforderte Eltern.
Was zählt als Säuglingskolik?
Kolik ist Schreien ohne erkennbaren Anlass bei einem sonst gesunden Säugling. Der NHS nennt mehr als drei Stunden am Tag, an drei Tagen der Woche, mindestens eine Woche lang, sofern das Kind gedeiht.
Die Mayo Clinic hält an der älteren Wessel-Regel mit drei Stunden, drei Tagen und drei Wochen fest. NICE formuliert seit der Überarbeitung der Wochenbett-Leitlinie enger an die Rom-Kriterien. Die Episoden beginnen und enden vor dem fünften Monat, Wiederholung und Dauer belasten die Familie, Wachstum und Temperatur bleiben unauffällig. Drei Wochen abzuwarten, bevor jemand Hilfe holt, verlangt keine der aktuellen Seiten.
Zusatzzeichen sind geballte Fäuste, gerötetes Gesicht, angezogene Knie oder ein Hohlkreuz. Der Bauch kann sich hart anfühlen, weil das Kind beim Schreien Luft schluckt; Blähungen sind dann oft Folge, nicht Ursache. Nachmittags und abends häufen sich die Anfälle, genau dann, wenn Erwachsene selbst am Ende sind.
Ursache bleibt unbekannt. Merck (Aktualisierung November 2025) und Mayo listen unreife Verdauung, wenig vielfältige Darmflora, Unverträglichkeiten, zu hastiges oder zu langsames Trinken und familiären Stress. Geschlecht, Frühgeburt, Stillen oder Flasche ändern das Risiko nicht messbar. Rauchen in der Schwangerschaft oder danach taucht in Beobachtungen als möglicher Verstärker auf.
Die American Academy of Family Physicians schätzte 2015 weltweit 10 bis 40 Prozent der Säuglinge, je nach Definition. Organische Krankheiten stecken laut der von NICE zitierten Übersicht in unter 10 Prozent der Schreivorstellungen und bringen fast immer Begleitzeichen mit. Kolik selbst hinterlässt keine bleibende Entwicklungsstörung, wenn sie vor dem sechsten Monat abklingt. Was bleibt, ist die Belastung der Eltern.

Was steckt in Gripe Water?
Gripe Water ist eine flüssige Kräutermischung gegen Blähungen, Schluckauf und Unruhe. Rezepturen unterscheiden sich von Marke zu Marke; häufig stehen Fenchel, Ingwer, Natriumhydrogencarbonat und Aromastoffe auf der Packung.
Die Cleveland Clinic (November 2025) erinnert an die Herkunft im 19. Jahrhundert. Zucker und Alkohol machten unruhige Kinder schläfrig. Adhisivam fasst 2012 die Geschichte so zusammen. Woodward übernahm in England eine Lösung aus Dillsamenöl, Natriumhydrogencarbonat und Alkohol, die Ärzte in den 1840er-Jahren gegen das Sumpffieber der englischen Fenslandschaften genutzt hatten. Später wurde daraus ein beliebtes Mittel der Kindermädchen. Moderne Flaschen werben meist mit „alkoholfrei“, Zucker oder Süßungsmittel bleiben aber möglich.
Natriumhydrogencarbonat neutralisiert Säure. Hyperazidität gilt jedoch nicht als Kolikursache, schreibt Adhisivam; große oder wiederholte Mengen können eine Alkalose und im Extrem ein Milch-Alkali-Syndrom auslösen. Fenchel und Ingwer beruhigen bei manchen älteren Kindern den Magen. Säuglingsdärme sind unreif, und Kolik ist keine gesicherte Magenerkrankung. Deshalb trägt die Analogie „Kräuter gegen Bauchweh“ nicht.
In den Vereinigten Staaten läuft das Produkt als Dietary Supplement. Die Food and Drug Administration prüft Wirksamkeit vor dem Verkauf nicht so wie bei einem zugelassenen Arzneimittel; sie greift ein, wenn Chargen verunreinigt oder falsch deklariert sind. Wer die Zutatenliste liest, sucht nach Alkohol, glutenhaltigem Getreide, Milcheiweiß und hohem Zuckeranteil. Fehlt eine klare Deklaration, ist das schon ein Grund, die Flasche stehen zu lassen.
Hilft Gripe Water gegen Koliken?
Nein, belastbare Studien fehlen. Die Cleveland Clinic stellt klar, dass weder Sicherheit noch Wirkung für Säuglinge belegt sind; Kinderärztinnen und Kinderärzte können weder Erfolg noch Unbedenklichkeit zusichern.
Der NHS schreibt 2022, Koliktropfen, Kräuter- und Probiotikazusätze aus der Drogerie seien nicht empfohlen, weil der Nutzen nicht gezeigt ist. NICE wiederholt das für pflanzliche Mittel und verweist auf eine Cochrane-Auswertung zu schmerzlindernden Stoffen. Einzelne Kräuterstudien wirkten auf das Schreien, die Qualität war niedrig, die Dosis unbekannt, Nebenwirkungen wie Erbrechen, Schläfrigkeit und Verstopfung kamen vor. Eine Empfehlung folgte daraus nicht.
Die AAFP-Übersicht von 2015 nennt Gripe Water ausdrücklich ohne Wirksamkeitsstudien und mit möglichem Schaden. Mayo listet das Präparat 2025 unter Alternativverfahren mit gemischten oder zu kleinen Studien. Wer berichtet, das Kind sei nach dem Löffel ruhiger geworden, mischt oft Geschmack, Ritual und den natürlichen Verlauf. Kolik klingt mit den Wochen von selbst ab; genau das täuscht jeden Tropfen.
Ältere Ratgeber bis etwa 2018 behandelten die Mischung als haushaltsnahes Magenmittel. Seither haben Leitlinien die Richtung gedreht. Es gilt nicht mehr das lockere „darf man es versuchen“, sondern die klare Linie, dass das Mittel nicht zur empfohlenen Therapie gehört. Wer es trotzdem geben will, spricht zuerst mit der Kinderarztpraxis, liest jede Zutat und setzt das Mittel ab, sobald Durchfall, Erbrechen, Ausschlag oder Trinkverweigerung auftreten.
Welche Risiken hat das Kräuterwasser?
Das größte Problem ist die fehlende Arzneimittelprüfung plus dokumentierte Verunreinigungen. Cleveland berichtet Rückrufe nach Cryptosporidien in einer Charge, nach einem ungelösten Partikel mit Erstickungsgefahr und nach Pseudomonas, die bei einem neun Monate alten Kind einen septischen Schock auslösten.
Adhisivam verweist auf denselben Cryptosporidium-Fall von 2007 (Baby’s Bliss, Apfelgeschmack, bestätigt durch die US-Behörde nach Erkrankung eines sechs Wochen alten Säuglings in Minnesota) und auf den Pseudomonas-Bericht von 2004. Parasiten und Bakterien in einer Flüssigkeit, die man einem Säugling löffelweise gibt, sind keine theoretische Fußnote. Immunschwache und sehr junge Kinder dehydrieren bei wässrigem Durchfall schnell.
Alkohol in Alt- oder Graumarktformeln kann sedieren und die Entwicklung gefährden; Gehalte bis 9 Prozent sind in älteren Handelsanalysen vorgekommen, zitiert Adhisivam. Zucker beruhigt kurz über den Geschmack und schadet durchbrechenden Zähnen, wenn die Gabe zur Gewohnheit wird. Alles außer Muttermilch in den ersten sechs Monaten kann nach der WHO-Logik, die Adhisivam anführt, das ausschließliche Stillen stören, Allergene einführen und die Milchbildung verzögern.
Kräuter sind nicht automatisch harmlos. Allergien gegen Fenchelgewächse, Kamille oder Anis kommen vor. Wer das Mittel früh und oft gibt, verschiebt den Moment, in dem jemand nach Reflux, Kuhmilchproteinallergie oder einer Infektion sucht. Das ist der stille Schaden. Ein Tropfen, der beruhigt wirken soll, deckt Warnzeichen zu.
Wann muss ein schreiendes Baby zum Arzt?
Jedes Kind mit Kolikverdacht darf in die Praxis, ohne drei Wochen zu warten. Mayo rät zum Termin, sobald langes, kaum stillbares Schreien die Familie belastet; Labor und Röntgen braucht es meist nicht, wenn Geschichte und Untersuchung passen.
Der NHS nennt den Hausarzt oder die 111, wenn die Sorge bleibt, nichts hilft, die Eltern nicht mehr können, das Gewicht stockt oder Kolikzeichen nach dem vierten Monat anhalten. NICE schickt in die Kinderheilkunde, wenn die Familie trotz Beratung nicht zurechtkommt, das Gedeihen stockt, die Beschwerden jenseits von fünf Monaten bleiben oder ein anderer Grund in der Grundversorgung nicht zu klären ist.
Rote Flaggen gehören in die Notaufnahme, nicht in den Tropfenregalvergleich. NICE listet schwachen, ungewöhnlich schrillen oder ununterbrochenen Schrei, Fieber, Atempausen, Blauverfärbung, auffälliges Atemmuster, galliges oder schwallartiges Erbrechen, Blut im Stuhl sowie Gewichtsstillstand. Der NHS hebt den schwachen oder schrillen Schrei und jeden Schrei hervor, der nicht wie sonst klingt. Mayo ergänzt Trinkschwäche, Durchfall, Verstopfung, geblähten Bauch, Lethargie, Atemnot, schlaffen Tonus und ein ungewöhnliches Exanthem.
Ein Kind, das zwischen den Anfällen lächelt, trinkt und zunimmt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keine chirurgische Ursache. Umgekehrt rettet kein Kräuterwasser ein Kind mit Galleerbrechen oder Petechien. Vertrauen in den eigenen Eindruck zählt. Wer denkt, so klinge das Kind sonst nie, handelt richtig, wenn der Rettungswagen kommt.
Was beruhigt zu Hause ohne Tropfen?
Halten durch die Episode, weniger Reize, sanfte Bewegung, weißes Rauschen, ein warmes Bad und gründliches Bäuerchen nach dem Trinken. So stehen die praktischen Schritte bei NICE und beim NHS, ohne dass große randomisierte Studien sie einzeln beweisen.
Mayo ergänzt Schnuller, Schaukel, Spaziergang oder Autofahrt, Pucken mit Platz für die Beine, Bauchreiben, gedämpftes Licht und gleichmäßige Alltagszeiten. Was heute wirkt, kann morgen versagen. Deshalb lohnt eine kurze Liste an der Wickelkommode, nicht die Suche nach dem einen Wundermittel.
Beim Fläschchen hält man das Kind aufrecht, unterbricht zum Bäuerchen und wählt einen Sauger, der nicht in drei Minuten leer ist. Merck erwähnt kleinere Löcher, wenn das Kind zu gierig Luft schluckt. Stillen soll weitergehen. Kolik hängt nicht am Fütterungsweg, ein Abstillen „wegen Bauchweh“ nimmt dem Kind die stabilste Nahrung.
Wirbelsäulenmanipulation und craniale Osteopathie lehnen NHS und NICE ab. Die Studien sind klein und unverblindet, ein unsanfter Druck auf die Säuglingswirbelsäule kann verletzen. Akupunktur und Baby-Massage bleiben in der Übersicht der AAFP ohne klare Nutzen-Schaden-Bilanz.

Simeticon, Laktase und Probiotika im Vergleich
Simeticon-Tropfen gegen Blähungen verkürzen Kolikschreien nicht besser als Placebo. NICE stützt sich auf Cochrane-Daten und eine Übersicht mit mäßiger bis niedriger Qualität; der NHS nennt solche Tropfen ebenfalls nicht empfohlen.
Laktasepräparate sollen Milchzucker spalten. Die Evidenz ist widersprüchlich, NICE rät ab. Protonenpumpenhemmer gegen Reflux ändern das Schreien in einer kleinen Studie zu Omeprazol nicht; Ellwood und Mitautorinnen fanden 2020 in ihrer Leitlinien- und Review-Schau keinen Beleg, dass Säureblocker Kolikzeit senken. Dicyclomin wirkte in älteren Versuchen, ist aber bei Säuglingen unter sechs Monaten wegen Atemaussetzern und Benommenheit kontraindiziert.
Probiotika sind der einzige Zweig mit wachsenden Zahlen und zugleich der größte Widerspruch. Eine Cochrane-Auswertung zur Vorbeugung (Suche bis Januar 2018, sechs Studien, 1886 Kinder) fand keinen klaren Schutz vor neuen Kolikfällen, wohl aber etwa 33 Minuten weniger Schreien am Tag; für Lactobacillus reuteri lagen es rund 44 Minuten. Die Sicherheit wirkte unauffällig, die Sicherheit der Aussage stuften die Autoren als niedrig ein.
Vaz und Kollegen werteten 2024 randomisierte Studien bis April 2023 aus. Über alle Stämme sanken die Schreiminuten um 51; der Stamm DSM 17938 um knapp 65, ausschließlich gestillte Kinder um etwa 74, Mischfütterung um 48. Für Flaschenkinder und nach Kaiserschnitt blieb die Datenlage dünn. Ellwood hatte 2020 für Gestillte eine Spanne von 25 bis 65 Minuten weniger in 24 Stunden notiert. Die AAFP nannte 2015 fünf Tropfen L. reuteri pro Tag bei Gestillten und rund 61 Minuten weniger nach drei Wochen.
NICE und der NHS empfehlen Probiotika trotzdem nicht. Mayo schreibt 2025, die meisten Fachleute sähen die Studien als zu klein und zu gemischt für den Routineeinsatz. Wer ein Präparat aus der Apotheke holt, braucht denselben Stamm wie in den Studien, nicht irgendein Joghurtkultur-Mischprodukt, und eine Absprache mit der Praxis.
| Maßnahme | Leitlinie (NHS/NICE) | Was Studien bisher zeigen |
|---|---|---|
| Halten, Wiegen, weißes Rauschen, Bad | empfohlen als Erstes | wenige große Vergleichsstudien, Kern der Betreuung |
| Gripe Water und Kräuterzusätze | nicht empfohlen | keine tragfähigen Wirksamkeitsstudien, dokumentierte Keimfälle |
| Simeticon-Tropfen | nicht empfohlen | Cochrane: kein Vorteil gegen Scheinmittel |
| Laktase-Tropfen | nicht empfohlen | widersprüchlich, kein belastbarer Nutzen |
| L. reuteri DSM 17938 | nicht empfohlen | Metaanalysen 2020–2024: kürzeres Schreien vor allem bei Gestillten |
| Wirbelsäulenmanipulation | ausdrücklich meiden | kleine unverblindete Studien, Verletzungsrisiko |
Fenchel, Kamille und andere Kräutermischungen
Einzelne Kräuterstudien senkten die Schreidauer, die Qualität reicht für keine Empfehlung. Cochrane fasste 2016 Fenchel, Kamille, Melisse und Mischtees zusammen und sah einen möglichen Effekt bei hohem Verzerrungsrisiko und fehlenden Standarddosen.
Die AAFP zitiert ältere Arbeiten zu Fenchelöl, Pfefferminze und Teemischungen. Genau diese Pflanzen stecken oft in Gripe Water. Was in einer kontrollierten Emulsion mit definierter Menge geschah, gilt nicht für eine frei gemischte Flasche ohne Chargenkontrolle. Pfefferminze und konzentrierte ätherische Öle können Säuglinge reizen; Kamille kreuzreagiert bei Korbblütlerallergie.
Mayo warnt vor regelmäßigem Kräutertee oder zusätzlicher Flüssigkeit. Das Kind trinkt dann weniger Milch, der Natriumspiegel im Blut kann sinken. Hyponatriämie zeigt sich mit Trinkfaulheit, Krampfanfall oder auffälliger Schläfrigkeit. Ein selbst angesetzter Fenchelsud aus dem Internet ist schlechter kontrolliert als jedes Handelsprodukt.
Wer Kräuter „natürlich“ nennt, verwechselt Herkunft mit Sicherheit. NICE nennt pflanzliche Mittel in einem Atemzug mit unbekanntem Dosis-Wirkungs-Verhältnis. Solange niemand Zusammensetzung, Keimzahl und Wirkung in einer großen, verblindeten Studie zeigt, bleibt der Tee ein Experiment am jüngsten Familienmitglied.
Kostwechsel beim Stillen und bei der Flasche
NICE rät 2022 davon ab, die mütterliche Kost oder die Milchsorte nur wegen Kolik zu wechseln. Eine Cochrane-Auswertung zu Diätänderungen (Gordon, 2018, in der NICE-Begründung) fand kleine, verzerrungsgefährdete Studien ohne belastbaren Nutzen.
Die AAFP-Übersicht von 2015 klingt entgegenkommender. Eine randomisierte Studie an Stillenden mit strikter Allergenarmut (Kuhmilch, Ei, Erdnuss, Schalenfrüchte, Weizen, Soja, Fisch) senkte das Schreien um 137 Minuten gegenüber 51 Minuten in der Kontrollgruppe. Hydrolysierte Flaschennahrung verkürzte in einer Sammelauswertung die Schreidauer; ein zwei- bis vierzehntägiger Versuch unter Beratung war dort eine Option. Sojanahrung empfiehlt die US-Kinderärzteakademie für Kolik nicht routinemäßig, weil Soja selbst allergen sein kann.
Der Widerspruch löst sich über die Verdachtsdiagnose. Kolik allein, bei gutem Gedeihen und ohne Ekzem oder blutige Stühle, rechtfertigt nach heutiger britischer Leitlinie keinen Kostumbau. Kommen Gedeihstörung, behandlungsbedürftiges Ekzem oder stark wechselnder Stuhl dazu, gehört die Kuhmilchproteinallergie auf den Tisch, und dann gelten andere Pfade als „Kolikhausmittel“. Stillende, die trotzdem Milch, Ei oder Koffein streichen, brauchen eine Gegenrechnung der Nährstoffe, sonst hungert die Mutter für einen unsicheren Effekt.
Flaschenmarken wöchentlich zu tauschen, verwirrt Kind und Darm. Merck rät, häufiges Wechseln zu vermeiden. Eine hydrolysat-basierte Probe bleibt eine ärztliche Entscheidung, kein Regalgriff nach dem nächsten „Anti-Kolik“-Aufdruck.
Wie Eltern sich und das Kind schützen
Kolik ist kein Erziehungsfehler. Mayo verknüpft die Phase mit höherem Risiko für Wochenbettdepression, frühem Abstillen und Gefühlen von Schuld oder Wut. Genau diese Mischung erhöht die Gefahr, das Kind zu schütteln.
Schütteln kann das Gehirn dauerhaft schädigen oder töten. Wer merkt, dass die Hände zittern, legt das Kind auf den Rücken ins Gitterbett, verlässt den Raum für wenige Minuten und holt eine zweite Person. NHS und NICE sagen dasselbe. Dazu gehören sichere Ablage, Pause und Hilfe von Familie, Hebamme oder Kinderarztpraxis. In Großbritannien nennen sie zusätzlich Cry-sis und die ICON-Kampagne; im deutschsprachigen Alltag sind das die Kinderarztnummer, die Hebamme und jede Stelle, die nächtliche Überforderung ernst nimmt.
Schlafen, wenn das Kind schläft, klingt abgedroschen und bleibt der einzige realistische Ausgleich. Spaziergänge zu zweit, ein Nachmittag bei den Großeltern, ehrliche Worte in der Praxis. Erfolg als Mutter oder Vater misst sich nicht an Minuten ohne Schrei. Die Phase endet bei den meisten mit drei bis vier Monaten, NICE nennt fünf Monate als Grenze, ab der man erneut nach einer anderen Ursache sucht.
Häufige Fragen
Hilft Gripe Water gegen Babykoliken?
Nein, ein Nutzen ist nicht belegt. NHS, NICE und die Cleveland Clinic raten von Kräuterzusätzen ab oder stufen sie als unbewiesen ein. Beruhigung nach einem Löffel kann Geschmack, Ritual oder das natürliche Abklingen sein.
Darf ein Neugeborenes Gripe Water bekommen?
Ohne Rücksprache mit der Kinderarztpraxis sollte niemand einem Neugeborenen Kräuterwasser geben. In den ersten Wochen zählt ausschließlich Milch; zusätzliche Flüssigkeit kann das Stillen stören und Keime einbringen. Adhisivam knüpft das an die WHO-Regel der ersten sechs Monate.
Steckt heute noch Alkohol in der Mischung?
In den gängigen Marken meist nicht, ältere und ungeregelte Rezepturen können ihn enthalten. Die Zutatenliste entscheidet, nicht der Schriftzug „natürlich“. Alkohol am Säugling bleibt gefährlich, auch in kleinen Schlucken.
Wann ist das Schreien ein Notfall?
Sofort, wenn der Schrei schwach, schrill oder ganz anders klingt als sonst, oder wenn Fieber, Atemnot, Galleerbrechen, Blut im Stuhl, Blässe oder extreme Schläfrigkeit dazukommen. NICE und NHS behandeln diese Zeichen als Alarm, unabhängig davon, ob jemand „Kolik“ gesagt hat.
Sollen Stillende Milch und Kohl weglassen?
Nicht allein wegen Kolik, sagt die aktuelle NICE-Führung. Ältere Studien zu strikter Allergenarmut zeigten kürzeres Schreien, die Studienqualität blieb begrenzt. Ein Versuch gehört in die Beratung, nicht auf eine Liste aus dem Bekanntenkreis.
Wann hören die Koliken auf?
Meist zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat, oft schon nach dem Gipfel um Woche sechs. Dauern die Anfälle über den vierten (NHS) oder fünften Monat (NICE), sucht die Praxis nach einer anderen Ursache.

Fazit
Gripe Water ist ein Traditionsmittel mit schwacher Evidenz und dokumentierten Chargenproblemen. Wer Koliken lindern will, folgt den aktuellen britischen Leitlinien. Dazu gehören Kind halten, Reize drosseln, aufrecht füttern, Bäuerchen, Bad und Geräuschkulisse sowie das Stillen beizubehalten. Tropfen aus der Drogerie, inklusive Simeticon und Kräuter, stehen nicht auf der empfohlenen Liste.
Probiotika mit L. reuteri DSM 17938 kürzen in Metaanalysen der letzten Jahre das Schreien vor allem bei gestillten Kindern. NHS und NICE bleiben trotzdem bei „nicht empfehlen“, Mayo sieht den Routineeinsatz als unbelegt. Das ist kein Verbot durch die Hintertür, sondern die ehrliche Lücke zwischen Hoffnung und Leitlinie.
Morgen zählt der konkrete Plan. Dazu gehören ein Schreiprotokoll für die Praxis, die Gewichtskurve, eine Person zum Ablösen und die Regel, das Kind nie zu schütteln. Rote Flaggen gehen vor jeder Flasche aus dem Internet. Die Phase endet; bis dahin braucht die Familie Halt, keine Garantie auf Stille.
Quellen
- Cleveland Clinic: Is Gripe Water Safe for Babies?. Cleveland Clinic, 10. November 2025.
- Mayo Clinic: Colic – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 24. Dezember 2025.
- Mayo Clinic: Colic – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 24. Dezember 2025.
- NHS: Colic. National Health Service, 26. April 2022.
- NICE CKS: Colic – infantile. NICE Clinical Knowledge Summaries, Stand: 2025.
- NICE CKS: Scenario: Management. NICE Clinical Knowledge Summaries, Stand: 2025.
- NICE CKS: Assessment | Diagnosis | Colic – infantile. NICE Clinical Knowledge Summaries, Stand: 2025.
- Johnson JD, Cocker K, Chang E: Infantile Colic: Recognition and Treatment. American Family Physician, 1. Oktober 2015.
- Ong TG, Gordon M et al.: Probiotics to prevent infantile colic. Cochrane Database of Systematic Reviews, 13. März 2019.
- Vaz SR, Tofoli MH et al.: Probiotics for infantile colic: Is there evidence beyond doubt? A meta-analysis and systematic review. Acta Paediatrica, 14. November 2023.
- Consolini DM: Colic – Pediatrics. Merck Manual Professional Edition, Stand: November 2025.
- Adhisivam B: Is gripe water baby-friendly?. Journal of Pharmacology & Pharmacotherapeutics, April 2012.
