Xofigo bei Prostatakrebs: Nutzen und Nebenwirkungen

Xofigo bei Prostatakrebs: Nutzen und Nebenwirkungen

Xofigo (Radium-223-Dichlorid) kann bei Männern mit kastrationsresistentem Prostatakrebs und symptomatischen Knochenmetastasen das Gesamtüberleben verlängern, sofern keine bekannten Absiedlungen in Organen wie Leber oder Lunge vorliegen. In der Zulassungsstudie ALSYMPCA lebten behandelte Patienten im Median 14,9 Monate, in der Vergleichsgruppe mit Placebo 11,3 Monate; das entspricht einer Risikosenkung für den Tod um etwa 30 Prozent, nicht einer Heilung.

Die Substanz ahmt Kalzium nach und lagert sich in aktiven Knochenherden an. Von dort sendet sie Alphateilchen mit sehr kurzer Reichweite aus. Seit 2018 hat sich die Praxis stark verschoben. Die gleichzeitige Gabe mit Abirateron plus Prednison ist in Europa verboten, weil in der Studie ERA-223 deutlich mehr Knochenbrüche auftraten. In der Europäischen Union ist Xofigo zudem meist erst nach mindestens zwei Vortherapien oder bei fehlenden Alternativen vorgesehen. Neuere Daten zu Enzalutamid plus Radium-223 mit verpflichtendem Knochenschutz zeigen wieder einen Überlebensvorteil – unter anderen Sicherheitsregeln als 2013.

Was Xofigo ist und für wen es gedacht ist

Xofigo ist ein radioaktives Arzneimittel für Erwachsene mit fortgeschrittenem Prostatakrebs, der trotz Absenkung des Testosterons weiterwächst und bereits schmerzhafte oder belastende Knochenherde verursacht hat. Die US-amerikanische Fachinformation nennt drei Bedingungen, nämlich kastrationsresistenten Verlauf, symptomatische Knochenmetastasen und keine bekannten viszeralen Metastasen. Die europäische Zulassung ist enger. Nach der Sicherheitsbewertung 2018 darf die Substanz dort als Monotherapie oder zusammen mit einem LHRH-Analogon nur eingesetzt werden, wenn die Erkrankung nach mindestens zwei systemischen Vorlinien (außer LHRH-Analoga) fortschreitet oder keine andere Systemtherapie infrage kommt.

Kastrationsresistenz bedeutet, dass der Tumor trotz chirurgischer oder medikamentöser Androgenentzugstherapie voranschreitet. Testosteron bleibt ein Wachstumssignal, deshalb läuft die Hormonblockade in der Regel weiter. Viele Männer entwickeln zuerst Knochenherde; laut National Cancer Institute sind Schmerzen, Schwäche und Brüche dort eine häufige Last. Die American Cancer Society schätzt für die USA im Jahr 2026 etwa 333 830 neue Diagnosen und 36 320 Todesfälle. Das Lebenszeitrisiko einer Diagnose liegt bei etwa einem von acht Männern, das Risiko zu sterben bei etwa einem von 44. Die meisten Betroffenen sterben nicht an der Krankheit, die knochenbetonte kastrationsresistente Phase bleibt aber eine schwere Situation.

Die Leitlinie der American Urological Association von 2026 stuft das Angebot von Radium-223 bei Symptomen durch Knochenmetastasen ohne bekannten Organbefall und ohne Lymphknoten größer als 3 Zentimeter als starke Empfehlung (Evidenzgrad B) ein. Das britische Institut NICE hatte 2016 eine Erstattung nach Docetaxel oder bei Unverträglichkeit von Docetaxel empfohlen. Für Leser in Deutschland und der EU zählt vor allem die EMA-Fassung. Sie schließt eine frühe, breite Erstlinientherapie ohne Vorbehandlung aus, auch wenn US-Zulassung und AUA-Text weiter gefasst sind.

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Wie Radium-223 im Knochen wirkt

Radium-223 verhält sich chemisch wie Kalzium und lagert sich an Hydroxylapatit an, dem Mineral neu gebildeten Knochens. Genau dort, wo Metastasen den Knochenumbau beschleunigen, reichert sich das Isotop an. Es zerfällt mit einer physikalischen Halbwertszeit von 11,4 Tagen und gibt vor allem Alphateilchen ab. Diese Teilchen haben eine hohe lineare Energieübertragung und erzeugen Doppelstrangbrüche in der DNA benachbarter Zellen, darunter Tumorzellen, Osteoblasten und Osteoklasten.

Die Reichweite der Alphastrahlung liegt unter 100 Mikrometern, das sind weniger als etwa zehn Zelldurchmesser. Gesundes Gewebe in der Umgebung wird dadurch weniger getroffen als bei älteren Beta-Strahlern, die früher gegen Knochenschmerzen eingesetzt wurden. Laut DailyMed entfallen 95,3 Prozent der Energie auf Alphateilchen, 3,6 Prozent auf Betateilchen und 1,1 Prozent auf Gammastrahlung. Nach der Injektion verschwindet der größte Teil der Aktivität rasch aus dem Blut. Nach 15 Minuten sind noch etwa 20 Prozent messbar, nach 24 Stunden unter 1 Prozent. Ein großer Anteil geht in den Knochen, ein weiterer in den Darm. Die Ausscheidung erfolgt vorwiegend über den Stuhl, der Urin trägt nur wenig bei.

Weil der Darm die Hauptausscheidungsroute ist, können Übelkeit, Durchfall und Erbrechen auftreten. Wer an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leidet, braucht laut EMA eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung, denn die fäkale Ausscheidung kann eine entzündliche Darmerkrankung verstärken. Kalzium-, Phosphat- oder Vitamin-D-Präparate sollten nach der Fachinformation einige Tage vor dem Start pausiert werden, weil Wechselwirkungen mit der Knochenanlagerung nicht ausgeschlossen sind. Die Entscheidung trifft das behandelnde Team, nicht der Patient allein.

Was die ALSYMPCA-Studie zum Überleben zeigte

Die Phase-3-Studie ALSYMPCA, 2013 im New England Journal of Medicine veröffentlicht, bleibt der Kernbeleg für den Nutzen. 921 Männer mit kastrationsresistentem Prostatakrebs, mindestens zwei Knochenmetastasen und ohne bekannte Organmetastasen erhielten im Verhältnis 2:1 sechs Injektionen Radium-223 oder Placebo, jeweils plus beste Standardtherapie. Viele hatten Docetaxel bereits bekommen, abgelehnt oder waren dafür ungeeignet. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben.

In der aktualisierten Auswertung lebten Patienten mit Radium-223 im Median 14,9 Monate, in der Placebogruppe 11,3 Monate (Hazard Ratio 0,70). Das National Cancer Institute fasst zusätzlich zusammen, dass die Zeit bis zum ersten symptomatischen Skelettereignis im Median 15,6 gegenüber 9,8 Monaten lag. Solche Ereignisse umfassen eine Bestrahlung gegen Knochenschmerz, einen neuen symptomatischen Bruch, eine Rückenmarkskompression oder eine tumorbedingte Knochenoperation. Weniger Männer in der Verumgruppe erlitten schwere unerwünschte Ereignisse (47 gegenüber 60 Prozent) oder brachen wegen Nebenwirkungen ab (16 gegenüber 21 Prozent). Eine Heilung war nicht das Ziel und wurde nicht erreicht.

Die Studie wurde nach einer vorab geplanten Zwischenanalyse wegen Wirksamkeit vorzeitig beendet. Männer mit Organmetastasen waren ausgeschlossen; die Autoren selbst nannten das als Grenze, weil solche Absiedlungen bei bis zu einem Viertel der Betroffenen vorkommen können. Die US-Zulassung folgte am 15. Mai 2013. Seither stehen weitere wirksame Optionen bereit, darunter Androgenrezeptor-Hemmer, neuere Chemotherapien und PSMA-gerichtete Radioliganden. ALSYMPCA beweist deshalb einen Überlebensvorteil in einer älteren Therapielandschaft, nicht automatisch denselben Abstand zu jeder heutigen Alternative.

Studie Vergleich Kernzahl Praktische Lehre
ALSYMPCA 2013 Radium-223 gegen Placebo Überleben 14,9 gegen 11,3 Monate Nutzen bei symptomatischen Knochenherden ohne Organbefall
ERA-223 2019 plus Abirateron gegen Abirateron allein Brüche 29 gegen 11 Prozent Kombination in Europa verboten
PEACE-3 2025/2026 plus Enzalutamid gegen Enzalutamid allein rPFS 19,4 gegen 16,4 Monate; OS 38,2 gegen 32,6 Nur mit knochenschützendem Arzneimittel erwägen

Wer nicht geeignet ist

Xofigo ist nicht für jeden metastasierten Prostatakrebs gedacht. Bekannte Metastasen in Leber, Lunge oder anderen Organen schließen die zugelassene Indikation aus, weil die Substanz den Knochen sucht und viszerale Herde nicht zuverlässig erreicht. Große Lymphknoten über 3 Zentimeter wertet die AUA-Leitlinie 2026 ebenfalls als Argument gegen diese Wahl. Wenige osteoblastische Herde sind ein weiteres Warnsignal. In einer Untergruppe von ALSYMPCA lag bei weniger als sechs Metastasen oder einer alkalischen Phosphatase unter 220 Einheiten pro Liter kein klarer Überlebensvorteil vor. Die EMA rät deshalb von Radium-223 bei niedrigem osteoblastischem Umsatz ab.

Rein symptomfreie Knochenherde sind in Europa ebenfalls keine Routineindikation. Die Fachinformation stellt fest, dass der Nutzen bei ausschließlich asymptomatischen Metastasen nicht belegt ist. Bei nur leichten Beschwerden soll das Team prüfen, ob genug knochenbildende Aktivität vorhanden ist, damit die Substanz überhaupt ankommt. Unbehandelte drohende oder bestehende Rückenmarkskompression muss zuerst entlastet werden, bevor Xofigo startet oder weiterläuft. Frische Brüche sollen orthopädisch stabilisiert sein.

Ein erschöpftes Knochenmark nach Chemo oder großflächiger Bestrahlung erhöht das Risiko für Blutbildeinbrüche. Ein sogenannter Superscan mit diffuser Knocheninfiltration gilt als Vorsichtshinweis. Schwere Niereninsuffizienz ist kaum untersucht; eine Dosisanpassung ist bei leichter oder mittlerer Einschränkung laut Label nicht nötig, weil kaum über den Urin ausgeschieden wird. Bei Kindern gibt es keine Zulassung. Wer zeugungsfähig ist und noch Kinder wünscht, sollte vor der ersten Gabe über eine Samenspende sprechen, weil die Strahlung die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

Ablauf, Dosis und Blutwerte

Die zugelassene Dosis beträgt 55 Kilobecquerel pro Kilogramm Körpergewicht, sechs langsame intravenöse Injektionen im Abstand von vier Wochen. Jede Gabe dauert in der Regel etwa eine Minute; die Leitung wird vorher und nachher mit Kochsalz gespült. Sicherheit und Wirksamkeit über sechs Injektionen hinaus sind nicht geprüft. Die Infusion findet nur in dafür zugelassenen Nuklearmedizin-Einrichtungen statt, nicht in der Hausarztpraxis.

Vor der ersten Gabe und vor jeder weiteren Dosis muss das Blutbild vorliegen. Laut DailyMed und EMA sollen vor dem Start die Neutrophilen mindestens 1,5 × 10^9 pro Liter, die Thrombozyten mindestens 100 × 10^9 pro Liter und das Hämoglobin mindestens 10 Gramm pro Deziliter betragen. Vor den Folgedosen gelten Neutrophile von mindestens 1,0 × 10^9 und Thrombozyten von mindestens 50 × 10^9. Erholen sich die Werte trotz unterstützender Maßnahmen innerhalb von sechs bis acht Wochen nicht, wird die Serie in den USA abgebrochen; in der EU darf sie nur nach erneuter Nutzen-Risiko-Abwägung weitergehen.

In einer Phase-1-Untersuchung lagen die Tiefstwerte von Neutrophilen und Thrombozyten etwa zwei bis drei Wochen nach der Injektion, die Erholung oft nach sechs bis acht Wochen. Deshalb ist der Vier-Wochen-Rhythmus kein Zufall. Wer eine Gabe verpasst, sollte den Termin nachholen, nicht selbst „doppelt“ nachholen wollen. Ältere Patienten brauchen keine automatische Dosisreduktion. In ALSYMPCA waren 75 Prozent der Behandelten mindestens 65 Jahre alt, ein Drittel mindestens 75, ohne dass sich Sicherheit oder Wirkung grob von jüngeren unterschieden.

Häufige Nebenwirkungen

Die häufigsten klinischen Reaktionen in ALSYMPCA waren Übelkeit (36 Prozent), Durchfall (25 Prozent), Erbrechen (19 Prozent) und Schwellungen an Fuß, Bein oder Knöchel (13 Prozent). Grad-3- und Grad-4-Ereignisse traten bei 57 Prozent unter Xofigo und 63 Prozent unter Placebo auf; ein Abbruch wegen Nebenwirkungen war unter Verum seltener. Laborseitig dominieren Blutbildveränderungen, darunter Anämie bei 93 Prozent, Lymphozytopenie bei 72, Leukopenie bei 35, Thrombozytopenie bei 31 und Neutropenie bei 18 Prozent. Viele dieser Abweichungen sind leicht, ein Teil erreicht höhere Grade.

Knochenmarksversagen oder anhaltende Panzytopenie betrafen 2 Prozent der Behandelten, niemanden in der Placebogruppe. Zwei Männer starben an Knochenmarksversagen; bei 7 von 13 Betroffenen bestand der Ausfall noch zum Todeszeitpunkt. Etwa die Hälfte dieser 13 Patienten brauchte Transfusionen. Blutungsbedingte Todesfälle im Zusammenhang mit Myelosuppression lagen bei 1 Prozent gegenüber 0,3 Prozent. Infektionsbedingte Todesfälle und fieberhafte Neutropenie waren in beiden Armen ähnlich selten. Nierenfunktionsstörungen wurden bei 3 Prozent unter Xofigo und 1 Prozent unter Placebo gesehen, Reaktionen an der Einstichstelle bei 1 Prozent.

Durchfall, Übelkeit und Erbrechen können in eine Dehydratation münden (3 Prozent gegenüber 1 Prozent). Die EMA nennt Knochenbrüche selbst unter Monotherapie als häufige Reaktion und verlangt eine Beurteilung des Knochenstatus vor, während und mindestens 24 Monate nach der Therapie, weil Frakturen noch lange nach der letzten Injektion auftraten. Eine Kiefernekrose blieb in ALSYMPCA selten (0,67 gegenüber 0,33 Prozent) und betraf nur Männer, die auch Bisphosphonate und Chemo erhalten hatten. Zweitmalignome durch die zusätzliche Strahlenbelastung sind theoretisch möglich; in der randomisierten Studie lagen neue Krebserkrankungen unter Xofigo sogar niedriger als unter Placebo, die Nachbeobachtung war aber für lange Latenzen zu kurz.

Wann sofort zum Arzt

Fieber, Schüttelfrost, hartnäckiger Husten oder brennendes Wasserlassen können die ersten Zeichen einer Infektion bei geschwächter Abwehr sein. Ungewöhnliche Blutergüsse, Zahnfleischbluten, Teerstuhl, Blut im Urin oder punktförmige Hautblutungen sprechen für einen Thrombozytenmangel. Die Mayo Clinic rät außerdem, bei Verwirrtheit, wenig Urin, trockenem Mund, raschem Herzschlag, eingesunkenen Augen oder starkem Durst an Flüssigkeitsmangel zu denken. Gesichtsschwellung, Atemnot und rasche Gewichtszunahme können auf Nierenprobleme hinweisen.

Neue, gürtelförmige Rückenschmerzen, Schwäche oder Taubheit in den Beinen und plötzliche Inkontinenz sind verdächtig auf eine Rückenmarkskompression. Das ist ein Notfall und hat Vorrang vor der nächsten Xofigo-Gabe. Anhaltender Durchfall oder Erbrechen, die das Trinken unmöglich machen, gehören ebenfalls rasch abgeklärt. Die Cleveland Clinic warnt davor, Fieber mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln zu überdecken, ohne das Team zu informieren, weil dadurch eine Infektion maskiert werden kann.

Ein Zahnarztbesuch vor knochenschützenden Mitteln wie Zoledronsäure oder Denosumab senkt das Risiko einer Kiefernekrose. Während niedriger Blutwerte sollte man scharfe Rasierer, Kontaktsport und Zahnseide mit Vorsicht einsetzen. Partnerinnen im gebärfähigen Alter brauchen eine zuverlässige Verhütung, der Patient ein Kondom, und zwar während der Behandlung und sechs Monate danach. Die Strahlung kann ein ungeborenes Kind schädigen, auch wenn Xofigo nur bei Männern zugelassen ist.

Warum die Kombination mit Abirateron gefährlich ist

Die Studie ERA-223 prüfte, ob sechs Gaben Radium-223 zusätzlich zu Abirateronacetat plus Prednison oder Prednisolon den Zeitraum ohne symptomatisches Skelettereignis verlängern. 806 chemotherapienaive Männer mit fehlenden oder nur leichten Symptomen wurden zufällig zugeteilt. Die Studie wurde am 17. November 2017 vorzeitig entblindet, weil in der Kombinationsgruppe mehr Brüche und Todesfälle auffielen.

Beim primären Endpunkt gab es keinen Vorteil. Das mediane Überleben ohne Skelettereignis lag bei 22,3 Monaten mit Radium-223 und 26,0 Monaten ohne (Hazard Ratio 1,12, nicht signifikant). Knochenbrüche jeder Stufe betrafen 29 Prozent gegenüber 11 Prozent. Die US-Fachinformation nennt 28,6 gegen 11,4 Prozent Frakturen und 38,5 gegen 35,5 Prozent Todesfälle. Die EMA berichtet ein medianes Gesamtüberleben von 30,7 gegen 33,3 Monaten. Die Autoren rieten 2019 klar von dieser Kombination ab.

Daraus folgte 2018 die schärfste Zäsur seit der Zulassung. Die europäische Arzneimittelbehörde machte die gleichzeitige Gabe mit Abirateron und Prednison zur Kontraindikation und begrenzte die Indikation auf vorbehandelte oder anderweitig nicht behandelbare Patienten. Die EMA rät zusätzlich, Radium-223 nicht in den ersten fünf Tagen nach der letzten Abirateron-Dosis zu starten und eine neue Systemtherapie frühestens 30 Tage nach der letzten Radium-Gabe zu beginnen. Die FDA formuliert weicher und rät außerhalb von Studien von der Kombination mit Abirateron plus Prednison ab. Für deutschsprachige Patienten gilt die strengere europäische Linie.

Enzalutamid, PEACE-3 und Knochenschutz

Enzalutamid ist ein Androgenrezeptor-Hemmer und in der Erstlinie des kastrationsresistenten Stadiums weit verbreitet. Die Studie EORTC 1333/PEACE-3 prüfte, ob sechs Zyklen Radium-223 (55 kBq/kg alle vier Wochen) zusätzlich zu 160 Milligramm Enzalutamid täglich das radiologische progressionsfreie Überleben verbessern. 446 Männer mit mindestens zwei Knochenmetastasen, fehlenden oder nur leichten Schmerzen und ohne viszerale Metastasen wurden 1:1 zugeteilt. Nach den ERA-223-Ergebnissen machte das Protokoll ab März 2018 Zoledronsäure oder Denosumab zur Pflicht, in Europa stieg die Mindestzahl der Knochenherde auf vier.

Die 2025 in den Annals of Oncology erschienene Primäranalyse zeigte ein radiologisches progressionsfreies Überleben von 19,4 gegen 16,4 Monaten (Hazard Ratio 0,69). In der Zwischenauswertung zum Gesamtüberleben lagen die Mediane bei 42,3 gegen 35,0 Monaten. Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher betrafen 65,6 gegen 55,8 Prozent; häufig waren Bluthochdruck, Müdigkeit, Brüche, Anämie und Neutropenie. Frakturen (einschließlich späterer und pathologischer) wurden bei 24,3 Prozent der Kombinationsgruppe und 13,4 Prozent unter Enzalutamid allein gezählt. Der Knochenschutz senkte dieses Risiko, tilgte es aber nicht.

Die Abschlussauswertung 2026 bestätigte den Überlebensvorteil. Bei 58 Monaten Nachbeobachtung lebten Männer mit der Kombination im Median 38,2 Monate, mit Enzalutamid allein 32,6 Monate (Hazard Ratio 0,76). Grad-3-Ereignisse stiegen auf 69,3 gegen 57,6 Prozent. Wichtig für die Einordnung bleibt der Vorbehalt, dass fast niemand in PEACE-3 im hormonsensitiven Stadium bereits einen Androgenrezeptor-Hemmer erhalten hatte. Heute beginnt ein großer Teil der Männer genau dort. Ob derselbe Vorteil nach früherem Enzalutamid oder Abirateron gilt, ist offen. Die europäische Fachinformation ist 2018 stehen geblieben; PEACE-3 ist ein Argument in der Tumorkonferenz, noch keine automatisch neue Zulassung.

Reihenfolge mit Chemotherapie und anderen Therapien

Gleichzeitige zytotoxische Chemotherapie, andere systemische Radioisotope oder eine Halbkörperbestrahlung sind außerhalb von Studien nicht empfohlen, weil sich die Knochenmarkschädigung addieren kann. Muss eine solche Therapie während der Xofigo-Serie starten, wird Radium-223 abgebrochen. Nach ALSYMPCA erhielten 16 Prozent der Verumgruppe und 18 Prozent der Placebogruppe später eine Chemo; eine systematische Verträglichkeitsprüfung fehlte. Die EMA schreibt, das begrenzte Material zeige ein ähnliches Blutbild wie nach Placebo, eine belastbare Aussage zur Sicherheit gibt sie nicht.

Lutetium-177-PSMA-617 ist laut AUA 2026 eine starke Option, wenn nach einem Androgenrezeptor-Hemmer (mit oder ohne Docetaxel) ein positives PSMA-PET vorliegt. Radium-223 und der PSMA-Ligand ersetzen einander nicht. Der eine sucht knochenbildende Herde, der andere PSMA-positive Zellen, auch außerhalb des Knochens. Die Reihenfolge hängt von Symptomen, Bildgebung, Vortherapien und Blutbild ab. PARP-Hemmer kommen bei bestimmten DNA-Reparaturdefekten infrage, gehören aber nicht in dieselbe Infusion wie Xofigo.

Knochenschützende Mittel sind heute kein Zusatz, sondern Teil der Strategie. Die EMA empfiehlt, Bisphosphonate oder Denosumab vor Start oder Fortsetzung von Radium-223 zu erwägen, weil sie in ERA-223-Analysen die Bruchrate senkten. Die American Cancer Society beschreibt Zoledronsäure und Denosumab als Mittel gegen Schmerz, Hyperkalzämie und Brüche, mit dem seltenen Risiko einer Kiefernekrose. Vor dem ersten Spritzen gehört der Zahnstatus geprüft. Wer bereits Denosumab oder Zoledronsäure erhält, setzt das in der Regel fort, statt es heimlich zu streichen.

Häufige Fragen

Hilft Xofigo gegen Knochenschmerzen oder nur gegen das Sterberisiko?

Es kann beides berühren, ist aber kein reines Schmerzmittel. ALSYMPCA zeigte einen Überlebensvorteil und schob das erste symptomatische Skelettereignis hinaus, zu dem oft eine Schmerzbestrahlung zählt. Viele Männer brauchen trotzdem zusätzlich Schmerztherapie, lokale Bestrahlung oder knochenschützende Mittel. Wer nur milde Beschwerden hat, fällt in Europa oft nicht in die zugelassene Gruppe.

Darf ich Xofigo zusammen mit Abirateron oder einer Chemotherapie bekommen?

Mit Abirateron plus Prednison ist die Kombination in der EU kontraindiziert, in den USA außerhalb von Studien nicht empfohlen. Eine gleichzeitige Chemotherapie gilt wegen additiver Knochenmarkschädigung als nicht etabliert. Enzalutamid plus Radium-223 mit Pflicht-Knochenschutz hat in PEACE-3 einen Vorteil gezeigt; ob das Team das anbietet, hängt von Vortherapien, Zulassung und Knochenstatus ab.

Wie lange bleibe ich nach der Spritze für andere Menschen „radioaktiv“?

Enge körperliche Nähe ist nach DailyMed nicht grundsätzlich verboten. Urin, Stuhl und Erbrochenes können einige Tage Aktivität enthalten. Toilette sitzen, mehrfach spülen, Hände waschen, beschmutzte Wäsche getrennt waschen und häufig duschen gelten mindestens eine Woche nach der letzten Gabe. Pflegepersonen sollten bei Körperflüssigkeiten Handschuhe tragen.

Was bedeuten schlechte Blutwerte vor der nächsten Gabe?

Dann wird die Injektion verschoben oder beendet, nicht „trotzdem“ gegeben. Vor der ersten Dosis gelten strengere Schwellen als später. Erholt sich das Blutbild in sechs bis acht Wochen nicht, ist die Serie in der Regel zu Ende. Transfusionen oder Wachstumsfaktoren entscheidet das onkologische Team, nicht eine Hausapotheke.

Wirkt Xofigo, wenn der Krebs bereits in der Leber sitzt?

Für diese Situation ist es nicht zugelassen, weil viszerale Herde das Isotop kaum erreichen. Dann stehen andere Systemtherapien im Vordergrund, etwa Chemotherapie, Androgenrezeptor-Hemmer oder bei passendem PET ein PSMA-Ligand. Eine Knochenmetastase allein reicht nicht, wenn gleichzeitig ein Organbefall bekannt ist.

Kann ich nach Xofigo noch Kinder zeugen?

Die Strahlung kann Samenbildung und Fruchtbarkeit schädigen. Kondom und zusätzliche Verhütung der Partnerin sind während der Therapie und sechs Monate danach vorgesehen. Vor dem Start lohnt ein Gespräch über Kryokonservierung, falls noch ein Kinderwunsch besteht. Ein negativer Schwangerschaftstest der Partnerin ersetzt diese Frist nicht.

Fazit

Xofigo bleibt eine knochengerichtete Option mit nachgewiesenem Überlebensvorteil bei symptomatischen Knochenmetastasen ohne Organbefall. Der Gewinn aus ALSYMPCA lag bei wenigen Monaten Medianüberleben und einer späteren ersten Knochenkomplikation, nicht bei einer Heilung. Blutbild, Flüssigkeitshaushalt und Hygiene nach der Spritze gehören fest zum Ablauf, sechs Gaben im Monatsabstand sind das geprüfte Schema.

Seit 2018 gilt eine andere Sicherheitslogik als in älteren Ratgebern. Abirateron plus Prednison gleichzeitig ist in Europa tabu, wenige osteoblastische Herde sind ein Argument gegen die Substanz, und ein knochenschützendes Arzneimittel sollte früh geplant werden. PEACE-3 hat 2025 und 2026 gezeigt, dass Enzalutamid plus Radium-223 mit verpflichtendem Knochenschutz das Fortschreiten und das Überleben verlängern kann, vor allem bei Männern ohne früheren Androgenrezeptor-Hemmer. Das ändert die Tumorkonferenz, ersetzt aber nicht automatisch die engere EU-Zulassung.

Wer vor dieser Entscheidung steht, sollte Bildgebung (Knochen und Organe), Vortherapien, Blutwerte, Bruchrisiko und Zahnstatus mitbringen. Fieber, Blutungszeichen, starke Durchfälle oder plötzliche Beinschwäche sind Gründe, nicht bis zum nächsten Infusionstermin zu warten. Die Wahl zwischen Xofigo, Chemo, einem anderen Hormonblocker und einem PSMA-Liganden trifft kein Text im Netz, sondern das behandelnde Team anhand der aktuellen Leitlinie und der persönlichen Situation.

Quellen

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  2. Bayer HealthCare Pharmaceuticals Inc.: XOFIGO- radium ra 223 dichloride injection. DailyMed, U.S. National Library of Medicine, Stand: Dezember 2019.
  3. Smith M, Parker C et al.: Addition of radium-223 to abiraterone acetate and prednisone or prednisolone in patients with castration-resistant prostate cancer and bone metastases (ERA 223): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. The Lancet Oncology, 6. Februar 2019.
  4. European Medicines Agency: Xofigo, INN- radium-223 dichloride. European Medicines Agency, Stand: 2018.
  5. Tombal B, Choudhury A et al.: Enzalutamide plus radium-223 in metastatic castration-resistant prostate cancer: results of the EORTC 1333/PEACE-3 trial. Annals of Oncology, 30. Mai 2025.
  6. Gillessen S, Gallardo E et al.: Final overall survival results from EORTC 1333/PEACE-3 trial of enzalutamide plus radium-223 in metastatic castration-resistant prostate cancer. Annals of Oncology, Mai 2026.
  7. American Urological Association: Advanced Prostate Cancer: AUA/SUO Guideline (2026). American Urological Association, Stand: 2026.
  8. National Cancer Institute: Radium-223 Improves Survival in Patients with Advanced Prostate Cancer. National Cancer Institute, 17. Juli 2013.
  9. Mayo Clinic: Radium ra 223 dichloride (intravenous route) – Side effects & uses. Mayo Clinic, 1. Februar 2026.
  10. Cleveland Clinic: Radium-223 dichloride solution for injection. Cleveland Clinic, Stand: 2026.
  11. American Cancer Society: Key Statistics for Prostate Cancer. American Cancer Society, 13. Januar 2026.
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