Yoga-Hundestellung: Augendruck bei Glaukom

Yoga-Hundestellung: Augendruck bei Glaukom

Die klassische Hundestellung kann den Augeninnendruck innerhalb einer Minute deutlich anheben. In einer Messstudie mit Glaukompatienten stieg der Wert von im Mittel 17 auf 28 mmHg, bei Gesunden fast gleich hoch; nach dem Aufrichten fiel er in derselben Arbeit meist binnen zwei Minuten wieder auf das Ausgangsniveau.

Eine kurze Druckspitze beweist noch keine schnellere Schädigung des Sehnervs. Weil ein erhöhter Augeninnendruck aber der wichtigste behandelbare Risikofaktor des Glaukoms bleibt, raten Augenärzte bei bekannter Erkrankung von anhaltenden Kopfüber-Haltungen ab. Übersichten nach 2018 trennen scharf zwei Yogawelten. Umkehrhaltungen können den Druck hochtreiben, langsame Atem- und Meditationsübungen können ihn als Zusatz zur Tropfentherapie senken. Tropfen, Laser oder eine Operation ersetzt das nicht.

Warum die Hundestellung den Augendruck hochtreibt

Sobald der Kopf unter Herzhöhe hängt, steigt der Augeninnendruck rasch an, weil mehr Blut in die Gefäße des Kopfes und der Augen fließt und das Kammerwasser schlechter abfließen kann. Der nach unten gerichtete Hund (Adho Mukha Svanasana) setzt die Augen besonders tief unter das Herz, während Becken und Beine höher liegen. Genau diese Höhendifferenz erklärt, warum ausgerechnet eine Anfängerhaltung den Druck stärker anhebt als mancher spektakuläre Schulterstand.

Das Kammerwasser entsteht ständig im vorderen Augenabschnitt und verlässt das Auge über das Trabekelwerk am Kammerwinkel. Wird der Abfluss behindert oder das Blutvolumen im Auge größer, steigt der Innendruck. Die American Academy of Ophthalmology beschreibt diesen Mechanismus als Kern des Offenwinkelglaukoms. Der Winkel bleibt offen, das Sieb arbeitet aber zu träge. Eine Kopfüber-Lage ändert die Hydrostatik zusätzlich, unabhängig davon, ob schon ein Glaukom vorliegt.

Der Sehnerv verträgt bei vorgeschädigten Fasern weniger Schwankung als ein gesundes Auge. Das National Eye Institute betont, dass ein hoher Druck häufig zur Schädigung beiträgt, ein Glaukom aber auch bei „normalen“ Werten entstehen kann. Umgekehrt bleibt unklar, ob jeder kurze Peak im Yoga den Nerv dauerhaft trifft. Die Arbeitsgruppe um Jessica Jasien und Robert Ritch schrieb 2015 ausdrücklich, dass ein Fortschreiten durch diese Haltungen noch nicht belegt sei. Vorsicht folgt also aus dem Risikofaktor, nicht aus einem bewiesenen Erblindungspfad.

Ältere Ratgeber zählten vor allem den Kopfstand. Die Hundestellung sitzt jedoch in fast jeder Stundenfolge, oft mehrere Male und länger als zwei Minuten. Wer dreimal wöchentlich 90 Minuten übt, sammelt viele kurze Druckspitzen. Ob die Summe schadet, hat keine große Verlaufsstudie geklärt. Für ein Auge mit bereits dünnem Gesichtsfeldrest ist diese Unsicherheit der Grund, die Haltung zu ersetzen statt sie auszudauern.

Frau macht Yoga

Was die New Yorker Messstudie von 2015 wirklich zeigte

Zehn Personen mit beidseitigem primärem Offenwinkelglaukom und zehn ohne Augenerkrankung hielten nacheinander vier Haltungen je zwei Minuten. Gemessen wurde mit einem Pneumatonometer im Sitzen, sofort in der Haltung, nach zwei Minuten, wieder im Sitzen und nach zehn Minuten Pause. Alle vier Positionen hoben den Druck binnen einer Minute signifikant an, am stärksten in der Hundestellung.

Bei Glaukomaugen stieg der Wert in der Hundestellung von 17 ± 3,2 auf 28 ± 3,8 mmHg, bei Gesunden von 17 ± 2,8 auf 29 ± 3,9 mmHg. Die stehende Vorbeuge folgte (17 auf 27 mmHg bei Glaukom), dann der Pflug (18 auf 24 mmHg) und Beine an die Wand (17 auf 21 mmHg). Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch nicht signifikant; Glaukomaugen lagen im Mittel etwa 2 mmHg höher. Alle Augen zeigten in der Hundestellung einen Anstieg.

Ältere Pressefassungen behaupteten, der Druck bleibe nach zehn Minuten noch leicht erhöht. Die Originalarbeit formuliert klarer, binnen zwei Minuten nach dem Hinsetzen kehrte der Wert auf das Ausgangsniveau zurück. Die American Academy of Ophthalmology fasste 2019 denselben Datensatz so zusammen, dass nach wenigen Minuten Ruhe alle Drücke wieder normal waren. Für die Praxis zählt die Spitze während der Haltung, nicht ein langes Nachschwingen.

Die Stichprobe war klein, die Haltedauer kurz, die Reihenfolge nicht ausgelost, Blutdruck und Hirnwasserdruck fehlten. Die Glaukomgruppe war deutlich älter als die Kontrolle. Die Autoren selbst warnten, fehlende Gruppenunterschiede seien bei n = 20 kein Beweis für Gleichheit. Ob 20 oder 30 Minuten Hundestellung im Kurs denselben Verlauf zeigen, bleibt offen. Trotzdem trägt der Befund eine klare Alltagsregel. Wer Glaukom hat, sollte diese Lage nicht als Ruhepose ausdauern.

Wann sich der Druck im Kopfstand verdoppelt

Der Kopfstand (Sirsasana) setzt die Augen so tief unter das Herz wie kaum eine andere Haltung und hebt zugleich Bauch, Becken und Beine maximal an. Ältere Messungen und Fallberichte, die die Academy 2019 referiert, zeigten etwa eine Verdopplung des Innendrucks. Robert Ritch beschrieb eine Patientin mit Normaldruckglaukom, die täglich 20 Minuten auf dem Kopf stand; sitzend lagen 15 mmHg, im Kopfstand 60 mmHg. Nach dem Verzicht schritt die Erkrankung bei ihr nicht weiter fort.

Ein Fallbericht im British Journal of Ophthalmology von 2007, den die Metaanalyse 2023 mit aufführt, schilderte eine 46-jährige Frau, deren glaukomatöse Gesichtsfeldausfälle nach regelmäßigem Kopfstand zunahmen und sich nach dem Absetzen besserten. Zehn gesunde Freiwillige derselben Arbeit hatten im Kopfstand mehr als doppelt so hohe Werte wie im Sitzen (Mittel 13,9 auf 31,8 mmHg). Das ist keine Verlaufsstudie, aber ein klares Warnsignal für vorgeschädigte Nerven.

Schulterstand und Pflug heben den Rumpf hoch, beugen aber den Nacken so, dass die Augen näher am Herzniveau bleiben. Roger Cole, Bewegungsforscher und Iyengar-Lehrer, erklärte der Academy deshalb, diese Umkehrhaltungen höben den Druck voraussichtlich weniger extrem als der Kopfstand. „Weniger extrem“ heißt nicht harmlos. In der New Yorker Serie stieg der Pflug bei Glaukomaugen immer noch von 18 auf 24 mmHg.

Wer fortgeschrittenes Glaukom, ein enges Restgesichtsfeld oder bereits einen akuten Druckanstieg hinter sich hat, sollte Kopfstand und Schulterstand streichen. Bei sehr mildem Befund und starkem Wunsch nach Umkehrarbeit entscheidet das Gespräch mit der behandelnden Augenärztin oder dem Augenarzt, nicht die Gruppendynamik im Kurs. Niemand muss sich für das Weglassen rechtfertigen.

Welche Haltungen den Druck stärker anheben

Je tiefer die Augen unter dem Herzen liegen, desto stärker fällt der Anstieg aus. Beine und Becken über Herzniveau wirken mit, aber schwächer. Die New Yorker Zahlen und Coles Analyse ergeben dieselbe Rangfolge. Hund und stehende Vorbeuge liegen vor Pflug und Beine an die Wand.

Haltung Augenlage zum Herzen Jasien 2015 bei Glaukom
Hundestellung Augen deutlich tiefer 17 mmHg sitzend, 28 mmHg nach zwei Minuten
Stehende Vorbeuge Augen tiefer, Füße am Boden Ausgang 17 mmHg, Spitze 27 mmHg
Pflug Augen näher am Herzniveau, Beine hoch plus sechs mmHg (18 gegenüber 24)
Beine an die Wand Augen etwa auf Herzniveau plus vier mmHg (17 gegenüber 21)
Kopfstand (ältere Messungen) Augen maximal tiefer etwa Verdopplung gegenüber Sitzen

Die Tabelle nennt Mittelwerte einer kleinen Gruppe, keine persönlichen Grenzwerte. Ein Auge mit 12 mmHg Ausgangswert und eines mit 22 mmHg erleben denselben prozentualen Sprung unterschiedlich. Wer Tropfen nimmt, startet oft niedriger, der relative Anstieg blieb in der Studie trotzdem groß (Median rund 61 Prozent in der Hundestellung bei Glaukom).

Viele Stundenpläne mischen genau diese fünf Lagen. Ein „sanfter“ Kurs ist deshalb nicht automatisch augensicher. Fragen Sie vor der Stunde, ob Hund, Vorbeuge, Pflug, Schulterstand oder Kopfstand vorgesehen sind, und vereinbaren Sie Alternativen. Die Cleveland Clinic rät Menschen mit Glaukom ausdrücklich, mit der Augenärztin oder dem Augenarzt zu klären, welche Sportarten den Druck hochtreiben können, statt Aktivität ganz aufzugeben.

Liegestütze und Crunches erwähnt Ritch in dem Academy-Beitrag als weitere Lagen, in denen der Druck steigen oder – in einem Einzelfall – ein winziger Gesichtsfeldrest verloren gehen kann. Das ist Anekdote, keine Serie. Gemeinsam mit Yoga gilt eine einfache Regel. Kopf tief plus Anstrengung plus Luftanhalten ist die ungünstigste Kombination.

Können Atemübungen den Augendruck senken?

Langsame yogische Atmung und ruhiges Fixieren eines Punktes können den Augeninnendruck senken, wenn sie ohne Pressen und ohne Kopfüber-Lage geübt werden. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse im Indian Journal of Ophthalmology (2023) wertete sechs Arbeiten von 2007 bis 2021 aus. Drei randomisierte Studien mit 212 Patienten zeigten in der Yogagruppe eine etwas stärkere Drucksenkung als in der Kontrolle (mittlere Differenz etwa −1,5 mmHg rechts und −1,3 mmHg links). Gleichzeitig belegten Haltungsstudien denselben raschen Anstieg, den Jasien gemessen hatte.

Die größte Atemstudie kam 2021 aus Rishikesh. Hemlata Udenia und Kollegen randomisierten 90 Erwachsene mit primärem Offenwinkelglaukom. Eine Gruppe übte sechs Monate täglich Zwerchfellatmung und Wechselatmung durch die Nasenlöcher, beide Gruppen behielten ihre Tropfen. Im Übungsarm sank der Druck rechts von 20,85 ± 3,39 auf 14,90 ± 2,86 mmHg, links von 20,30 ± 4,12 auf 14,25 ± 3,85 mmHg. Die Autorinnen schreiben klar, das sei ein Zusatz und kein Ersatz für Medikamente oder Tropfen.

Meditation mit Atemfokus (Gagrani 2018, in der Metaanalyse) senkte den Druck ebenfalls und veränderte Stressmarker im Blut. Trataka, das ruhige Schauen auf einen Punkt oder eine Flamme, zeigte in einer ägyptischen Studie bei Menschen mit Diabetes und Offenwinkelglaukom niedrigere Werte nach einem Monat. Die Qualität der Arbeiten ist begrenzt. Es bleiben kleine Gruppen, unterschiedliche Übungen, kurze Nachbeobachtung und hohe Streuung. Gesichtsfeld und Nervenfaserschicht änderten sich in den kurzen Zeiträumen nicht messbar.

Atem anhalten, klassisches Ujjayi mit verengtem Kehlkopf oder kraftvolles Blasen gegen Widerstand kann den Druck wieder hochtreiben. Chetry und Kollegen raten deshalb, Pranayama ohne Atempause zu üben. Cole empfiehlt der Academy, langsam und frei auszuatmen. Wer unsicher ist, lässt sich die Technik von einer Lehrkraft zeigen, die mit Erkrankungen arbeitet, und spricht die tropfende Augenärztin oder den Augenarzt vorher an.

Ausdauer, Krafttraining und Pressatmung

Mäßige Ausdauer kann den Augeninnendruck vorübergehend senken und passt zu dem, was für Herz und Gehirn ohnehin gilt. Ritch empfiehlt in dem Academy-Text 45 Minuten zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren oder Ergometer drei- bis viermal pro Woche. Eine Übersichtsarbeit von Gildea, Doyle und O’Connor im Journal of Glaucoma (Juni 2024) kommt zum selben Muster. Moderate Ausdauer senkt den Druck kurzfristig, sehr schwere Kraftarbeit und Gewichtheben können ihn kurz anheben.

Mehr Bewegung im Alltag hängt in einer Beobachtungsstudie, die die Academy 2019 zitiert, mit einem etwas langsameren Verlust des Gesichtsfelds zusammen. Zusätzliche 5000 Schritte, deutlich mehr Nicht-Sitzen oder 120 Minuten mäßig-intensive Aktivität pro Tag waren dort mit etwa 10 Prozent weniger Verlusttempo verknüpft. Der Effekt war klein, die Studie beobachtend. Sie begründet kein „Laufen statt Tropfen“, sondern die Botschaft, nicht sesshaft zu werden.

Beim Krafttraining zählt weniger das Gerät als die Last und die Atmung. Ritch warnt vor Bankdrücken im Bereich von 90 Kilogramm und mehr, lässt milde Gewichte bei leichtem Glaukom oft zu, sofern kein schwerer Schaden vorliegt. Entscheidend ist, in der Anstrengung weiter auszuatmen. Das Valsalva-Manöver – Pressen bei geschlossener Stimmritze – kann den Augendruck steil hochtreiben. Dieselbe Logik gilt für isometrische Planks, wenn jemand die Luft anhält.

Pigmentglaukom ist eine Sonderlage. Die Mayo Clinic beschreibt, dass Joggen Pigmentkörnchen aufwirbeln und den Abfluss vorübergehend verlegen kann; manche Menschen sehen danach Höfe oder Unschärfe. Hier entscheidet die behandelnde Praxis, ob Laufsport bleibt oder ersetzt wird. Für das typische Offenwinkelglaukom bleibt zügiges Gehen die einfachste, gut belegte Alltagsform.

Wie sich Asanas bei Glaukom anpassen lassen

Der sicherste Weg bei Glaukom ist, Inversionen ganz wegzulassen. Wer milde Erkrankung und starke Übungspraxis hat, kann mit Augenarzt und Lehrkraft Varianten bauen, die die Augen näher am oder über dem Herzen halten. Cole nennt die Höhendifferenz Auge–Herz als wichtigsten Hebel; ein Block unter der Stirn oder eine Stuhlfläche ändert genau diesen Hebel.

Für den Hund eignen sich drei Varianten. Die Hände liegen auf Sitzfläche oder Lehne eines Stuhls, der Oberkörper bleibt flacher. Die Hände bleiben am Boden, die Stirn ruht auf einem Klotz oder einer Deckenlage. An der Wand entsteht ein halber Hund. Die Hände liegen auf Schulterhöhe an der Wand, Schritte gehen zurück, der Kopf bleibt in einer Linie mit den Armen und hängt nicht zum Boden. Statt Hund halten viele Übende einfach die Brett- oder Tischhaltung.

Die stehende Vorbeuge wird weniger belastend, wenn die Stirn auf einem hohen Deckenstapel auf einem Stuhl ruht statt frei zu hängen. Die sitzende Vorbeuge bleibt flach, wenn die Stirn auf einer gepolsterten Sitzfläche liegt. Beine an die Wand lassen sich mit einer gefalteten Decke unter dem Hinterkopf üben; das hebt die Augen etwas. Cole hält den klassischen Pflug für mäßig, nicht für maximal; bei fortgeschrittenem Schaden gehört er trotzdem auf die Streichliste.

Praktische Absprachen helfen mehr als Perfektion.

  • Sagen Sie der Lehrkraft vor der Stunde, dass ein Glaukom besteht, und nennen Sie Haltungen, die Sie ersetzen.
  • Steigen Sie langsam in tiefe Lagen ein und bleiben Sie dort nur so kurz, wie es die behandelnde Praxis erlaubt hat.
  • Atmen Sie hörbar weiter; Pressen, Luftanhalten und „kein Schmerz, kein Gewinn“ haben in dieser Lage keinen Platz.
  • Wählen Sie Stunden mit Hilfsmitteln und Zeit zum Anpassen statt kraftvoller fließender Serien ohne Pause.

Iyengar-orientierte Kurse arbeiten oft mit Klötzen, Gurten und Stühlen. Das ersetzt keine Diagnose, macht Ersatzhaltungen aber alltagstauglich. Wer unsicher bleibt, übt im Sitzen Kraft der Beine, Schulteröffnung an der Wand und Atemarbeit und lässt den Mattenhund weg.

Wann zum Augenarzt, wann in die Notaufnahme?

Plötzlicher starker Augenschmerz mit Kopfschmerz, Übelkeit, gerötetem Auge, verschwommenem Sehen oder farbigen Ringen um Lichter ist ein Notfall; dann zählt die Notaufnahme oder der augenärztliche Bereitschaftsdienst, nicht das Abwarten nach dem Kurs. Mayo Clinic und National Eye Institute beschreiben genau dieses Bild als möglichen akuten Engwinkelanfall. Ohne rasche Drucksenkung droht dauerhafter Sehverlust.

Das Offenwinkelglaukom bleibt lange stumm. Das National Eye Institute schreibt, etwa die Hälfte der Betroffenen wisse nichts von der Diagnose. Erst später fehlen Streifen im seitlichen Sehen, oft nasal, bis Tunnelblick oder zentrale Lücken folgen. Ein Yogaabend „zum Testen“ ersetzt keine erweiterte Untersuchung mit Sehnervbeurteilung, Gesichtsfeld und Druckmessung. Ein einzelner Druckwert reicht nach Angaben der Academy nicht.

Mayo Clinic (Stand November 2024) übernimmt den Academy-Rhythmus für umfassende Augenuntersuchungen. Unter 40 Jahren reicht oft alle fünf bis zehn Jahre, von 40 bis 54 alle zwei bis vier Jahre, von 55 bis 64 alle ein bis drei Jahre, ab 65 alle ein bis zwei Jahre. Bei familiärem Glaukom, dunkler Hautfarbe, hohem Ausgangsdruck, dünner Hornhaut, starker Kurz- oder Weitsichtigkeit, Diabetes, Migräne oder langem Kortison braucht es engere Intervalle. Wer bereits behandelt wird, kommt oft alle drei bis sechs Monate.

Nach einer Yogastunde mit neuem Flimmern, plötzlichem Schleier, einseitigem Druckgefühl oder sichtbaren neuen Ausfällen im Seitenblick gehört der Anruf in die Praxis noch am selben Tag, auch wenn kein klassischer Notfall vorliegt. Pigmentglaukom kann nach Sport Höfe zeigen; das ist ein Grund, die nächste Belastung zu verschieben und nachmessen zu lassen. Tropfen nicht absetzen, weil „Yoga den Druck senkt“.

Was Tropfen und Laser leisten, Yoga nicht

Verlorenes Gesichtsfeld kommt durch Yoga nicht zurück. Das National Eye Institute und die Academy formulieren dasselbe. Behandlung kann weiteren Schaden bremsen oder stoppen, bereits tote Nervenfasern regenerieren nicht. Tropfen senken den Druck, indem sie weniger Kammerwasser bilden oder den Abfluss verbessern. Laser am Trabekelwerk oder eine kleine Irisöffnung, Filterkissen, Röhrchen und moderne Mikroeingriffe sind Stufen, wenn Tropfen nicht reichen oder nicht vertragen werden.

Die Cleveland Clinic nennt das Glaukom die zweithäufigste Erblindungsursache weltweit und schätzt, dass etwa zehn Prozent der über 74-Jährigen betroffen sind. Früh erkannt, lässt sich der Verlauf oft über Jahre stabil halten. Das gelingt über Druckziel, regelmäßige Kontrolle und zuverlässiges Tropfen, nicht über eine bestimmte Mattenhaltung. Udenia und Chetry betonen beide den Zusatzcharakter der Atemarbeit.

Wer glaubt, Meditation ersetze die Abendtropfen, riskiert genau die stille Progression, die das Offenwinkelglaukom gefährlich macht. Nebenwirkungen der Tropfen (Brennen, gerötete Lider, Atemnot bei manchen Betablockern, längere Wimpern, veränderte Irisfarbe) gehören in das Gespräch mit der Praxis, nicht in den Abbruch auf eigene Faust. Familienmitglieder sollten sich untersuchen lassen; Glaukom häuft sich in Familien.

Bewegung bleibt erwünscht. Die Academy-Formel von Ritch lautet sinngemäß so. Was dem Herzen nützt, nützt dem Glaukom, was dem Gehirn nützt, nützt dem Glaukom, mit der Einschränkung schwerer Lasten, Pressatmung und Kopfüber-Lagen. Gildea und Kollegen halten 2024 die allgemeinen Ausdauer- und Kraftempfehlungen für Ältere auch bei Offenwinkelglaukom für sinnvoll, mit Vorsicht bei hochintensivem Widerstand. Yoga kann Teil dieses Programms sein, sobald die Stunde die Augenlage respektiert.

Häufige Fragen

Darf ich mit Glaukom überhaupt Yoga machen?

Ja, die meisten Menschen mit Glaukom können Yoga üben, wenn Kopfüber-Haltungen entfallen oder stark verkürzt und angepasst werden. Die Academy nennt das Weglassen von Inversionen den sichersten Weg. Atemarbeit, kraftvolle Haltungen mit Kopf oben und ruhige Sitzarbeit bleiben in der Regel möglich, nachdem Tropfen oder andere Therapien laufen und die Praxis das bestätigt hat.

Wie lange darf ich die Hundestellung halten?

Eine sichere Haltedauer für vorgeschädigte Augen ist nicht durch große Studien festgelegt. Gemessen wurden zwei Minuten, und schon darin stieg der Druck stark. Chetry rät 2023, Kopf-unten-Haltungen ganz zu meiden. Wer sie mit Zustimmung der Augenärztin oder des Augenarztes nur durchläuft, sollte sie nicht als Ruhepose Minuten halten.

Hilft Yoga gegen den Grünen Star?

Yoga heilt kein Glaukom und ersetzt keine drucksenkende Therapie. Langsame Atmung und Meditation können den Druck zusätzlich etwas senken, wie randomisierte Studien und die Metaanalyse 2023 nahelegen. Umkehrhaltungen wirken in die Gegenrichtung. Der Nutzen für das Gesichtsfeld über Jahre ist nicht belegt.

Muss ich der Yogalehrkraft die Diagnose sagen?

Ja. Jasien und Kollegen forderten genau das, damit die Stunde umgebaut werden kann. Ohne diese Information wird der Hund oft als „Grundlage“ verlangt. Eine kurze, sachliche Mitteilung reicht. Nennen Sie das Glaukom und bitten Sie, anhaltende Lagen mit Kopf unter dem Herzen zu streichen.

Steigt der Druck auch ohne Glaukom?

Ja. In der New Yorker Serie stiegen Gesunde in der Hundestellung mindestens so stark wie die Glaukomgruppe. Gesunde Sehnerven verkraften kurze Spitzen in der Regel. Wer familiäres Risiko hat oder länger als 40 Jahre keine Untersuchung hatte, sollte das nachholen, bevor Umkehrhaltungen zur täglichen Gewohnheit werden.

Was tun bei plötzlichem Augenschmerz nach dem Training?

Bei heftigem Schmerz, Übelkeit, starker Rötung, plötzlicher Unschärfe oder farbigen Ringen um Lichter sofort in die Notaufnahme oder zum augenärztlichen Dienst. Das kann ein Engwinkelanfall sein. Tropfen nicht neu dosieren auf eigene Faust. Die restliche Yogastunde beenden und jemanden um Begleitung bitten.

Fazit

Die Hundestellung ist keine harmlose Dehnung für jedes Auge. Sie kann den Innendruck um etwa zehn bis elf mmHg anheben, ähnlich stark bei Gesunden und bei Offenwinkelglaukom, und der Wert fällt nach dem Aufrichten rasch. Ob wiederholte Spitzen das Gesichtsfeld beschleunigen, ist offen; der Kopfstand hat in Fallberichten Schaden gezeigt, der nach dem Verzicht stillstand. Die aktuelle Bewertung nach 2018 lautet deshalb anders als ein pauschales Yogaverbot. Umkehrhaltungen meiden oder so umbauen, dass die Augen nicht unter dem Herzen hängen.

Atem- und Meditationsübungen ohne Pressen können den Druck als Zusatz senken, bleiben aber Tropfen, Laser und Operation untergeordnet. Mäßige Ausdauer drei- bis viermal pro Woche, weiter atmen bei Kraft, keine extremen Lasten. Wer neu übt oder schon behandelt wird, klärt Haltungen mit der Augenpraxis, sagt es der Lehrkraft und sucht bei plötzlichem Augenschmerz mit Übelkeit keine Matte, sondern Hilfe.

Quellen

  1. Jasien JV, Jonas JB et al.: Intraocular Pressure Rise in Subjects with and without Glaucoma during Four Common Yoga Positions. PLOS ONE, 23. Dezember 2015.
  2. Chetry D, Singh J et al.: Effect of yoga on intra-ocular pressure in patients with glaucoma: A systematic review and meta-analysis. Indian Journal of Ophthalmology, Mai 2023.
  3. Udenia H, Mittal S et al.: Yogic Pranayama and Diaphragmatic Breathing: Adjunct Therapy for Intraocular Pressure in Patients With Primary Open-angle Glaucoma: A Randomized Controlled Trial. Journal of Glaucoma, 1. Februar 2021.
  4. Gildea D, Doyle A, O’Connor J: The Effect of Exercise on Intraocular Pressure and Glaucoma. Journal of Glaucoma, 1. Juni 2024.
  5. American Academy of Ophthalmology: Glaucoma and Exercise: What to Tell Your Patients. American Academy of Ophthalmology, März 2019.
  6. American Academy of Ophthalmology: Understanding Glaucoma: Symptoms, Causes, Diagnosis, Treatment. American Academy of Ophthalmology, Stand: 2024.
  7. Mayo Clinic Staff: Glaucoma – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 5. November 2024.
  8. National Eye Institute: Glaucoma | National Eye Institute. National Eye Institute, Stand: 19. August 2026.
  9. Cleveland Clinic: Glaucoma: What It Is, Symptoms, Causes, Types & Treatment. Cleveland Clinic, 12. November 2024.
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