
Der Schirmer-Test misst, wie weit wässrige Tränen in fünf Minuten einen Filterstreifen am Unterlid benetzen. Die Strecke in Millimetern gibt einen Hinweis auf die Menge, ersetzt aber allein keine Diagnose des trockenen Auges.
Seit dem Bericht TFOS DEWS III (2025) stützen Fachgremien die Diagnose vor allem auf Beschwerden plus mindestens ein Zeichen gestörter Homöostase: nichtinvasive Aufrisszeit, Tränenosmolarität oder Färbung der Oberfläche. Die American Academy of Ophthalmology hält in ihrem Preferred Practice Pattern fest, dass kein einzelnes Verfahren ausreicht und der Schirmer-Streifen wegen schwankender Werte nicht allein entscheiden soll. Wer Brennen, Sandgefühl oder verschwommenes Sehen hat, braucht deshalb eine Untersuchung, nicht nur eine Zahl auf Papier.
Was der Schirmer-Test eigentlich misst
Der Test schätzt die wässrige Tränenproduktion, nicht die Qualität des ganzen Films. Otto Schirmer beschrieb das Prinzip 1903; StatPearls (Aktualisierung Februar 2024) erklärt es als Kapillarwirkung. Die wässrige Schicht wandert den Streifen entlang, ähnlich einer Flüssigkeit in einer engen Röhre. Gemessen wird die feuchte Strecke, nicht das Gefühl im Auge.
Tränen bestehen laut der American Academy of Ophthalmology aus Öl, Wasser und Schleim. Fehlt Wasser, bleibt die Oberfläche ungeschützt. Verdunstet das Wasser zu schnell, weil die Meibom-Drüsen zu wenig Öl liefern, kann der Streifen trotzdem nass werden. Genau deshalb übersehen Mengenmessungen viele verdunstungsbedingte Fälle. Die Cleveland Clinic (Juni 2025) trennt wässrigen Mangel, verdunstungsbedingte Trockenheit und Mischformen; der Papierstreifen spricht vor allem die erste Gruppe an.
Typische Anlässe sind anhaltendes Brennen, ein Fremdkörpergefühl, fadiger Schleim, Lichtscheu oder paradox vermehrtes Tränen. Die Mayo Clinic (September 2022) nennt wässrige Augen als Reizantwort auf eine unstabile Oberfläche. Auch Verdacht auf Sjögren-Krankheit, Kontrolle nach refraktiver Chirurgie oder Unverträglichkeit von Kontaktlinsen können den Test auslösen. Er ist ein Baustein, kein Urteil über „gesund“ oder „krank“.
Weltweit schwankt die Häufigkeit trockener Augen in der von StatPearls zitierten Spanne von etwa 5 bis 34 Prozent, je nach Definition und Alter. Das National Eye Institute nennt für die USA rund 16,4 Millionen Betroffene (Stand August 2025). Solche Zahlen erklären, warum der Streifen noch in vielen Praxen liegt, obwohl neuere Marker die Diagnose tragen.

Wie der Ablauf in der Sprechstunde aussieht
Brille und Kontaktlinsen kommen vorher heraus, beide Augen werden meist gleichzeitig geprüft. Der Untersuchende knickt den sterilen Streifen an der Kerbe, zieht das Unterlid leicht ab und setzt das gefaltete Ende ins untere Gewölbe, dort wo mittleres und äußeres Drittel zusammenstoßen. Wimpern und Hornhaut sollen unberührt bleiben. Sitzt der Streifen, läuft die Uhr.
Fünf Minuten lang bleiben die Lider sanft geschlossen. Festes Zukneifen, Reiben oder unruhiges Blickwandern kann das Ergebnis verzerren, so MedlinePlus (Prüfung Januar 2025) und StatPearls. Manche Protokolle erlauben offene Lider mit normalem Lidschlag; geschlossen gilt heute als üblicher und oft ruhiger. Nach der Zeit zieht die Untersucherin die Streifen und liest die feuchte Strecke ab der Markierung in Millimetern, für jedes Auge getrennt.
Ohne Betäubung kann das Papier kratzen oder leicht brennen. Tropfen gegen den Schmerz stechen oft kurz, dämpfen aber den Reiz, den der Streifen selbst auslöst. MedlinePlus beschreibt das Verfahren als unangenehm, nicht als gefährlich. Wer sehr empfindlich ist, sollte das vorher sagen; dann fällt die Wahl zwischen Variante mit und ohne Tropfen bewusster.
Vorbereitung bleibt knapp. Make-up am Lidrand kann stören, vorherige Augentropfen können die Menge verfälschen. Das Merck Manual (Verbraucherfassung, Überprüfung 2026) verlangt, Schirmer-Messung und Aufrisszeit vor jeder Färbung oder Schmierlösung zu machen. Wer morgens bereits künstliche Tränen genommen hat, soll das angeben, sonst misst der Streifen die Flasche, nicht die Drüse.
Was die Millimeterwerte wirklich bedeuten
Mehr als 10 mm Feuchtigkeit nach fünf Minuten nennt MedlinePlus als Zeichen einer üblichen Produktion; beide Augen sollen ungefähr gleich nass werden. StatPearls setzt die „normale“ Funktion eher bei mehr als 15 mm an und bezeichnet unter 5 mm als pathologisch trocken. Dazwischen liegen Grauzonen, die ohne Klinik nichts beweisen.
Die American Academy of Ophthalmology formuliert 2024 vorsichtiger. Unter 10 mm ohne Betäubung gelten als auffällig, 5 bis 10 mm ohne Tropfen oft als unklar. Mit Betäubung gelten unter 3 mm in fünf Minuten als starker Hinweis auf wässrigen Mangel, Werte zwischen 3 und 10 mm als zweideutig. Ein und dasselbe Auge kann an zwei Tagen verschiedene Zahlen liefern. Alter, Raumklima, Lidschlag und ob die Lider offen oder zu waren, verschieben die Strecke.
| Quelle und Jahr | Schwellenwert | Wie die Quelle ihn liest |
|---|---|---|
| MedlinePlus, 2025 | mehr als 10 mm in 5 min | oft als übliche Menge genannt |
| StatPearls, 2024 | mehr als 15 mm in 5 min | normale Funktion; unter 5 mm pathologisch |
| AAO-PPP, 2024 | unter 10 mm ohne Betäubung | auffällig; 5 bis 10 mm oft unklar |
| AAO-PPP, 2024 | unter 3 mm mit Betäubung | starker Hinweis auf wässrigen Mangel |
| ACR/EULAR, 2016 | höchstens 5 mm in 5 min, ein Auge | 1 Punkt in der Sjögren-Klassifikation |
| TFOS DEWS III, 2025 | kein Primärkriterium | Diagnose über Symptome plus Filmzeichen |
Ein niedriger Wert unterstützt den Verdacht auf wässrigen Mangel, vor allem wenn Färbung, kurze Aufrisszeit oder hohe Osmolarität dazukommen. Ein hoher Wert schließt Beschwerden nicht aus. Verdunstung, entzündete Lidkanten oder eine gestörte Nervenmeldung können die Oberfläche reizen, während der Streifen nass bleibt. Deshalb folgt auf die Zahl immer die Spaltlampe, nicht der Rezeptblock allein.
Ältere Tabellen, die unter 10 mm pauschal als „ungewöhnlich niedrig“ und unter 5 mm als „schwer“ abstempeln, vereinfachen zu grob. Sie stammen aus einer Zeit, in der der Streifen noch als Hauptbeweis galt. Heute gehört die Millimeterangabe in einen Satz mit Anamnese, Lidbefund und mindestens einem zweiten Marker.
Warum ein einzelner Streifen nicht mehr reicht
Kein Verfahren allein sichert das trockene Auge. Die Cleveland Clinic schreibt das 2025 ausdrücklich; die AAO-Leitlinie wiederholt es für die klinische Praxis. Zeichen und Beschwerden laufen oft auseinander. Manche Menschen haben starke Symptome bei geringer Färbung, andere eine gestörte Drüse und kaum Klagen.
TFOS DEWS II (2017) hatte Fragebögen, Aufrisszeit, Osmolarität und Färbung als Gerüst empfohlen; der Schirmer-Streifen blieb ein Zusatz zur Menge. DEWS III (Wolffsohn und Mitarbeitende, American Journal of Ophthalmology, 2025) zieht die Schlinge enger. Für die Bestätigung der Symptome soll die Kurzform des Ocular Surface Disease Index (OSDI-6) dienen, Summe mindestens 4. Dazu muss mindestens ein Homöostasezeichen passen: nichtinvasive Aufrisszeit unter 10 Sekunden, Osmolarität mindestens 308 mOsm/L oder Seitendifferenz über 8 mOsm/L, oder Oberflächenfärbung (mehr als 5 Hornhautpunkte mit Fluorescein, mehr als 9 Bindehautpunkte oder Lidrandfärbung von mindestens 2 mm Länge und 25 Prozent Breite, bevorzugt mit Lissamingrün).
Der Papierstreifen steht in diesem Algorithmus nicht mehr in der ersten Reihe. Koreanische Kriterien führen ihn mit unter 10 mm noch als Zusatz, nicht als Pflicht. Wer 2018 las, der Test „bestätige und bestimme den Schweregrad“, trifft heute eine andere Lage. Er bleibt nützlich, wo wässriger Mangel oder eine Systemkrankheit im Raum steht. Als alleiniger Beweis für oder gegen ein trockenes Auge taugt er nicht.
Variabilität ist der zweite Grund. DEWS-II-Methodikberichte nannten für Cut-offs von 5 oder 10 mm Sensitivitäten um 77 bis 85 Prozent und Spezifitäten um 70 bis 83 Prozent, je nach Kollektiv. Die AAO nennt die Spezifität des Schirmer-Tests in einer Gegenüberstellung sogar bei etwa 51 Prozent, während Osmolarität bei einem Cut-off von 312 mOsm/L in derselben Übersicht deutlich spezifischer erschien. Solche Zahlen gelten nur im jeweiligen Studiendesign; sie zeigen vor allem, dass ein nasser Streifen niemanden „freispricht“.
Mit oder ohne Betäubungstropfen
Ohne Tropfen misst Schirmer I Grundsekretion plus Reflex, den der Streifen selbst auslöst. Mit Tropfen soll der Reiz verstummen, sodass vor allem die ruhige Produktion bleibt. StatPearls nennt beide Varianten von Schirmer I; Schirmer II reizt zusätzlich die Nasenschleimhaut mit einem Watteträger und ist im Alltag seltener. Schirmer III (Blick in helles Licht) hat kaum diagnostischen Wert und unnötige Risiken.
Welche Schwelle gilt, hängt vom Protokoll ab. Wer Werte aus verschiedenen Praxen vergleicht, ohne zu wissen, ob Tropfen fielen, vergleicht Äpfel mit Birnen. Die AAO rät, die Wahl der Anästhesie festzuhalten und den Streifen nicht als alleiniges Kriterium zu nutzen. Dieselbe Untersucherin bei Kontrollen mindert die Streuung, so StatPearls.
Geschlossene Lider dämpfen Verdunstung, Blickbewegungen und Wimpernreiz. Offene Lider können etwas höhere Werte liefern, weil Umgebung und Lidschlag mitwirken. Der Unterschied bleibt in Studien oft klein, reicht aber, um eine Grenzlage zu kippen. Deshalb gehört ins Protokoll, ob die Augen zu waren.
Schnellere Varianten existieren. Ein 4-Minuten-Ablesen zeigte in einzelnen Arbeiten ähnliche Aussagekraft wie die volle Zeit. Die Streifenmeniscometrie taucht einen schmaleren Streifen nur Sekunden in den Tränenmeniskus und reizt weniger. Beides ersetzt in der Breite noch nicht das klassische Fünf-Minuten-Fenster, kann aber dort helfen, wo Patienten die Zeit kaum tolerieren.
Wann zur Praxis oder in die Notaufnahme
Länger anhaltende Rötung, Reizung, Müdigkeit oder Schmerz der Augen gehören in die Sprechstunde, so die Mayo Clinic. Die American Academy of Ophthalmology rät zur Fachuntersuchung, wenn Tropfen aus der Drogerie nicht reichen, der Alltag leidet oder Schmerz, starke Rötung und Sehänderung dazukommen. Der NHS (Januar 2025) nennt nach einigen Wochen erfolgloser Hausmittel den Optiker oder die Hausarztpraxis; eine geänderte Lidform ebenfalls.
Nicht jedes Sandgefühl ist ein Notfall. Kratzen nach Bildschirmarbeit, trockener Heizungsluft oder einer Nacht mit Kontaktlinsen lässt sich oft zuerst mit Pausen, Lidhygiene und künstlichen Tränen angehen. Bleibt das Bild weich, das Auge wund oder die Linse unerträglich, braucht es Spaltlampe und Mengenprüfung, nicht die nächste Flasche mit Abschwellstoff. Tropfen gegen Rötung können nach Mayo und NHS zusätzlich reizen.
Sofortige Hilfe ist nötig, wenn das Sehen kippt. Der NHS listet Wellenlinien, Blitze, Sehverlust, Schmerz beim Blick ins Licht, ein rotes Auge plus starken Kopfschmerz und Übelkeit, ein sehr dunkelrotes Auge, Verletzung oder einen nicht ausspülbaren Fremdkörper als Gründe für den Notruf oder die Notaufnahme. Ein schmerzhaftes rotes Auge, besonders mit Kontaktlinse, soll am selben Tag ärztlich gesehen werden, weil eine Infektion drohen kann.
Schwere, unbehandelte Trockenheit kann die Hornhaut aufrauen, Geschwüre begünstigen und die Sehschärfe dauerhaft mindern, so NEI und Mayo Clinic. Tränen schützen vor Keimen; fehlt der Film, steigt das Infektionsrisiko. Das rechtfertigt keine Panik bei jedem Kratzen, wohl aber den Termin, bevor Narben entstehen.

Sjögren-Krankheit und andere Ursachen niedriger Werte
Niedrige Millimeter allein beweisen keine Autoimmunerkrankung. Die Klassifikation der primären Sjögren-Krankheit nach ACR und EULAR von 2016, die 2024 weiter genutzt wird, vergibt für einen Schirmer-Wert von höchstens 5 mm in fünf Minuten in mindestens einem Auge einen Punkt. Anti-SSA/Ro-Antikörper oder eine Speicheldrüsenbiopsie mit Fokus-Score mindestens 1 zählen je drei Punkte; auffällige Oberflächenfärbung und verminderter Speichelfluss je einen. Ab Summe 4, plus Trockenheit von Auge oder Mund und ohne Ausschlussdiagnosen, gilt die Klassifikation als erfüllt.
Shiboski und Mitarbeitende berichteten in der Validierung Sensitivität um 96 Prozent und Spezifität um 95 Prozent gegen Expertenurteil. Das sind Forschungsregeln, kein Ersatz für die klinische Diagnose. Wer trockenen Mund, Kariescluster, Gelenkschmerz oder unklare Müdigkeit mitbringt, braucht oft Rheumatologie, Serologie und Speicheltests zusätzlich zum Streifen.
Andere Gründe für wenig Wasser sind Alter über 50, weibliches Geschlecht, Kontaktlinsen, LASIK, Blepharitis, rheumatoide Arthritis, Lupus, Schilddrüsenerkrankung und Vitamin-A-Mangel. Medikamente können die Drüse drosseln, darunter Antihistaminika, manche Blutdruckmittel, Antidepressiva, Diuretika und Isotretinoin, so Mayo, AAO und Merck. Rauch, Wind, Flugzeugkabine und starres Starren auf Bildschirme verstärken Verdunstung, auch wenn der Streifen mittelmäßig nass wird.
Paradox viel Wasser schließt den Test nicht aus. Reiztränen sind dünn und halten den Film schlecht. Wer ständig wischt und trotzdem brennt, hat oft verdunstungsbedingte Trockenheit oder eine Lidkantenentzündung, nicht „zu viel gute Träne“. Dann sagt ein hoher Schirmer-Wert wenig, und die Therapie zielt auf Ölschicht und Lidrand.
Andere Tests neben dem Papierstreifen
Die Mayo Clinic misst die Menge wahlweise mit Schirmer-Streifen oder Phenolrot-Faden. Der Faden liegt etwa 15 Sekunden am Unterlid, färbt sich durch den pH der Tränen und braucht meist keine Betäubung. MedlinePlus beschreibt ihn als verwandtes, kürzeres Verfahren. Studien finden oft nur schwache Korrelation zum Papierstreifen; beide schätzen Volumen, aber nicht denselben Reiz.
Farbstoffe zeigen, wo die Oberfläche leidet. Fluorescein macht Hornhautdefekte sichtbar und erlaubt eine Aufrisszeit, sobald der Film reißt. Lissamingrün und Bengalrosa markieren geschädigte Bindehaut und Lidkante. DEWS III bevorzugt die nichtinvasive Aufrisszeit, weil Fluorescein den Film selbst stört. Das Merck Manual nutzt Aufriss und Schirmer trotzdem weiter als Alltagsduo, bevor Tropfen die Messung verderben.
Osmolarität und Entzündungsmarker ergänzen die Menge. Höhere Teilchenkonzentration spricht für ein konzentriertes, knappes Tränenvolumen; Mayo und MedlinePlus nennen das als Hinweis auf trockene Augen. DEWS III setzt 308 mOsm/L bzw. eine Seitendifferenz über 8 als eines der drei Kernzeichen. Punkt-of-Care-Tests auf Matrix-Metalloproteinase-9 können eine entzündliche Komponente anzeigen, ersetzen aber keine Gesamtschau. Niedriges Lactoferrin passt zu geringer Produktion; das alte Motiv, erhöhtes Lysozym verursache Trockenheit, hält die aktuelle Enzyklopädie nicht.
Fragebögen und Liduntersuchung gehören dazu. OSDI-6, Lidschlagfrequenz, Meibom-Ausdrückbarkeit und Meibographie sortieren, ob Wasser, Öl oder beides fehlt. Ohne diese Sortierung bleibt der Streifen eine Zahl ohne Adresse. Wer nur Millimeter sammelt, behandelt später oft die falsche Schicht.
Nach dem Test: Reiben, Linsen, nächste Schritte
Nach dem Streifen die Augen mindestens 30 Minuten nicht reiben und Kontaktlinsen mindestens zwei Stunden draußen lassen, so MedlinePlus. Reiben nach Betäubung kann die Hornhaut verletzen, ohne dass Schmerz warnt. Wer nach Hause geht, braucht eine Sonnenbrille gegen Blendung, falls die Pupille für andere Teile der Untersuchung weit gestellt wurde; der Schirmer selbst erweitert nicht.
Risiken des Streifens gelten als gering. MedlinePlus nennt keine spezifischen Gefahren. Kurzzeitiges Brennen, ein Fremdkörpergefühl und selten ein kleiner Epithelkratzer durch unsanftes Einlegen kommen vor. Bleibende Schäden sind bei korrekter Technik nicht beschrieben. Unangenehmer als der Streifen ist oft die Unsicherheit, wenn die Zahl und das Gefühl nicht zusammenpassen.
Behandlung folgt der Ursache, nicht dem Millimeter allein. Für milde, gelegentliche Beschwerden reichen nach Mayo und NEI häufig künstliche Tränen; bei mehr als vier Anwendungen täglich rät Mayo zu konservierungsmittelfreien Einzeldosen. Wärme, Lidreinigung und Pausen am Bildschirm stützen die Ölschicht. Rezeptpflichtige Tropfen gegen Entzündung, Punctum-Stöpsel, Sklerallinsen oder ein tränenanregendes Nasenspray bleiben Sache der behandelnden Praxis, wenn Schmiermittel nicht tragen.
Cleveland Clinic betont, dass die Krankheit oft chronisch bleibt und selten „verschwindet“. Ziel ist Kontrolle, nicht ein Versprechen auf Heilung. Wer nach Wochen hausärztlicher oder optischer Maßnahmen immer noch sandig sieht, braucht eine erneute Prüfung von Lidern, Film und Systemkrankheiten, nicht denselben Streifen als einziges Ritual.
Häufige Fragen
Tut der Schirmer-Test weh?
Meist kratzt oder brennt das Papier leicht, vor allem ohne Betäubung. Tropfen stechen kurz, machen die Minute danach aber erträglicher. Festes Zukneifen erhöht den Reiz und verfälscht die Strecke, deshalb lohnt sanftes Schließen.
Was bedeutet ein Wert unter 5 mm?
Unter 5 mm in fünf Minuten gilt in StatPearls als pathologisch trocken und in den ACR/EULAR-Kriterien als ein Punkt für die Sjögren-Klassifikation. Allein beweist die Zahl weder Schweregrad noch Ursache. Färbung, Aufrisszeit und Anamnese müssen dazu passen, bevor Therapie und weitere Diagnostik folgen.
Kann der Test ein trockenes Auge übersehen?
Ja, besonders bei verdunstungsbedingter Form, instabilem Film oder schwankender Messung. DEWS III stützt die Diagnose deshalb auf Symptome plus Aufrisszeit, Osmolarität oder Färbung, nicht auf den Streifen allein. Ein nasser Streifen bei starkem Brennen ist kein Grund, die Beschwerde abzutun.
Darf ich nach dem Test sofort Kontaktlinsen tragen?
Mindestens zwei Stunden sollen die Linsen draußen bleiben, so MedlinePlus. In dieser Zeit kann die Oberfläche nach Reiz und möglichen Tropfen wieder beruhigen. Wer betäubt wurde, darf nicht reiben, weil die Hornhaut den Schmerzreiz vorübergehend nicht meldet.
Brauche ich den Test bei jedem trockenen Auge?
Nicht unbedingt. Viele milde Verläufe klärt die Praxis mit Spaltlampe, Aufrisszeit und einem Fragebogen. Der Streifen hilft, wenn wässriger Mangel, Sjögren-Verdacht oder eine Verlaufskontrolle der Menge im Vordergrund steht. Fehlt jedes Mengenproblem und die Lidkante ist verstopft, sagt er oft wenig.
Wie hängt der Test mit der Sjögren-Krankheit zusammen?
Ein Wert von höchstens 5 mm in fünf Minuten in einem Auge gibt einen von mehreren Punkten der ACR/EULAR-Klassifikation 2016. Antikörper oder Biopsie wiegen schwerer. Trockener Mund, Gelenkbeschwerden oder unklare Systemzeichen gehören zum Arztgespräch, nicht in die Selbstdeutung der Millimeter.

Fazit
Der Schirmer-Streifen bleibt ein einfaches Werkzeug für die wässrige Menge, nicht der Hauptschlüssel zur Diagnose. Wer 2018 noch las, unter 10 mm sei automatisch krank und unter 5 mm schwer, sollte die Zahl heute als einen Befund unter mehreren lesen. DEWS III und die AAO-Leitlinie haben den Film, die Osmolarität und die Färbung nach vorn gezogen; der Papierstreifen sortiert vor allem den wässrigen Schenkel und die Sjögren-Punkte.
Praktisch heißt das: bei wochenlangem Brennen, Rötung oder versagenden Tropfen zur Augenheilkunde oder zum Optiker, bei Sehverlust, starkem Schmerz oder Kontaktlinse plus rotem Auge nicht warten. In der Sprechstunde nachfragen, ob mit oder ohne Betäubung gemessen wurde, und das Ergebnis nicht isoliert als Urteil nehmen.
Für den nächsten Tag reichen oft künstliche Tränen ohne Abschweller, Lidwärme, Bildschirmpausen und feuchte Raumluft. Bleibt der Sand, gehört der nächste Schritt der Untersuchung, nicht einer zweiten Meinung aus dem Regal.
Quellen
- MedlinePlus: Schirmer test (tear test, dry eye test). MedlinePlus Medical Encyclopedia, 20. Januar 2025.
- Mayo Clinic Staff: Dry eyes – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 23. September 2022.
- Mayo Clinic Staff: Dry eyes – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 23. September 2022.
- Brott NR, Zeppieri M, Ronquillo Y: Schirmer Test – StatPearls. StatPearls, 24. Februar 2024.
- Cleveland Clinic: Dry Eyes: Types, Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 20. Juni 2025.
- NHS: Dry eyes: symptoms, causes and treatment. National Health Service, 6. Januar 2025.
- National Eye Institute: Dry Eye | National Eye Institute. National Eye Institute, 6. August 2025.
- American Academy of Ophthalmology: What Is Dry Eye? Symptoms, Causes and Treatment. American Academy of Ophthalmology, 15. Oktober 2024.
- Wolffsohn JS et al.: TFOS DEWS III: Diagnostic Methodology. American Journal of Ophthalmology, November 2025.
- Shiboski CH, Shiboski SC, Seror R et al.: 2016 American College of Rheumatology/European League Against Rheumatism Classification Criteria for Primary Sjögren’s Syndrome: A Consensus and Data-Driven Methodology Involving Three International Patient Cohorts. Arthritis & Rheumatology, 26. Oktober 2016.
- Bunya VY: Keratoconjunctivitis Sicca. Merck Manual Consumer Version, Stand: Juni 2026.
