
Eine Vitrektomie entfernt den Glaskörper ganz oder teilweise, damit die Netzhaut erreichbar wird oder trübes Gel das Sehen nicht mehr blockiert. Der Hohlraum wird mit Kochsalzlösung, einer Gasblase oder Silikonöl gefüllt; die meisten Operierten gehen am selben Tag nach Hause.
Der Eingriff heißt fachlich oft Pars-plana-Vitrektomie, weil die Instrumente durch die Pars plana gehen, einen streifenförmigen, gefäßarmen Bereich der weißen Augenhaut. StatPearls (Aktualisierung Juli 2023) beschreibt ihn als Standardweg zum hinteren Augenabschnitt. Ob das Sehen danach besser wird, hängt vor allem von der Ausgangskrankheit ab, nicht allein vom Entfernen des Gels. Die Cleveland Clinic (Stand Juni 2026) nennt eine typische Dauer von etwa 90 Minuten, bei kombinierten Schritten länger. Schwere Komplikationen sind selten, bleiben aber möglich. Wer plötzlich Schmerz, zunehmende Rötung oder einen Sehverlust bemerkt, braucht dieselbe Nacht noch eine Augennotfallstelle, nicht den nächsten Routinekontrolltermin.
Was eine Vitrektomie ist und wann sie nötig wird
Die Vitrektomie ist eine Operation, bei der der Operateur das glasartige Gel aus der Mitte des Auges entfernt, um die Netzhaut zu behandeln oder eine Trübung zu klären. Sie ist kein Schönheitseingriff und kein Mittel gegen jede Floater-Belästigung.
Der Glaskörper füllt den großen Innenraum hinter der Linse. Mit den Jahren verflüssigt er sich und löst sich von der Netzhaut. Reißt dabei die Netzhaut oder blutet ein Gefäß, kann das Gel selbst zum Problem werden. StatPearls listet als häufigen Anlass eine Glaskörperblutung, die trotz Abwarten nicht aufklart, etwa bei proliferativer diabetischer Retinopathie, nach hinterer Glaskörperabhebung oder nach Trauma. Anti-VEGF-Spritzen können eine Blutung bei Diabetes in ausgewählten Fällen ohne Zug an der Netzhaut verringern. Bleibt das Blut dicht und die Sicht auf den Fundus unmöglich, folgt meist die Operation.
Zugang zur Netzhaut braucht der Chirurg auch, wenn Zugkräfte die Sinneszellschicht verzerren. Eine epiretinale Membran, ein Makulaforamen oder eine vitreomakuläre Traktion sitzen genau dort, wo scharfes Sehen entsteht. StatPearls hält die Vitrektomie mit Ablösen der inneren Grenzmembran für die übliche Therapie der meisten Makulaforamina. Dringender wird der Eingriff, wenn Flüssigkeit unter die Netzhaut läuft (rhegmatogene Ablösung) oder Narbenzug die Schichten auseinanderzieht (traktive Ablösung). Die Mayo Clinic (September 2024) schreibt klar: Eine bereits abgelöste Netzhaut braucht in der Regel eine Operation, möglichst innerhalb weniger Tage.
Keine echte Gegenanzeige nennt StatPearls für die PPV selbst. Schwere Allgemeinerkrankungen können einen geplanten, nicht dringenden Eingriff verschieben, bis die Narkose- oder Blockadeplanung steht. Bei einem Tumor, der schlecht am Gewebe haftet, etwa einem Retinoblastom, gilt die Probeentnahme über die Vitrektomie als relative Warnung, weil Zellen verschleppt werden können. Das betrifft Spezialfälle der Augenonkologie, nicht die alltägliche Blutung oder das Foramen.

Welche Erkrankungen den hinteren Augenabschnitt betreffen
Die Vitrektomie dient Krankheiten der Netzhaut und des Glaskörpers, die das Sehen dauerhaft gefährden können, wenn Zug, Blut oder Infekt unbehandelt bleiben. Der genaue Anlass bestimmt, was nach dem Entfernen des Gels noch folgt.
Die American Academy of Ophthalmology nennt diabetische Veränderungen mit Blutung oder Narbe, bestimmte Formen der Netzhautablösung, Makulaforamen, Makulapucker, schwere Verletzungen, Endophthalmitis und Probleme nach Kataraktoperation. Das National Eye Institute (Dezember 2024) hebt zwei Alltagsszenarien hervor: die Ablösung, bei der Löcher verschlossen werden müssen, und die diabetische Retinopathie, bei der trüber Glaskörper weicht und Blutungsquellen sichtbar werden. Im NHS-Merkblatt des Hull University Teaching Hospitals (Juni 2024) kommen außerdem intraokulare Fremdkörper und die Klärung nach schwerer Innenentzündung vor.
Nicht jede Trübung rechtfertigt sofort den Schnitt. Gutartige Verdichtungen, milde Glaskörperabhebung oder Asteroidhyalose können belästigen, ohne die Netzhaut zu gefährden. StatPearls grenzt ab: Dichte Blutung, die den Blick auf die Netzhaut nimmt, und Zug, der eine Ablösung androht, gehören in die Hand der vitreoretinalen Chirurgie. Bei einer Ablösung mit noch anliegender Makula zählt Stunden und Tage, weil das zentrale Sehen noch zu retten ist. Liegt die Makula bereits ab, bleibt der Eingriff nötig, die Sehprognose wird aber vorsichtiger.
Seltenere Gründe sind verlagerte Linsenanteile nach Phakoemulsifizierung, eine luxierte Kunstlinse, eine diagnostische Probe bei unklarer Entzündung und die zur Infektkontrolle nötige Spülung bei Endophthalmitis, wenn Spritzen allein nicht reichen. StatPearls nennt für bakterielle Innenentzündungen Vancomycin plus Ceftazidim als übliche empirische Kombination nach der Kulturabnahme; das sind Klinikdosen, keine Hausmittel. Wer ein solches Bild hat, liegt bereits in augenärztlicher Notfallbehandlung.
Wie die Operation heute abläuft
Heute führt der Operateur meist drei sehr feine Trokare durch die Bindehaut und Lederhaut, entfernt das Kern- und periphere Gel und behandelt dann die eigentliche Netzhautpathologie. Die älteren, genähten 20-Gauge-Zugänge sind selten geworden.
StatPearls beschreibt den Ablauf so: sterile Abdeckung, Lidsperrer, Trokare bei etwa 2, 10 und inferotemporal, rund drei bis vier Millimeter hinter dem Hornhautrand. Inferotemporal sitzt die Infusion, die den Augendruck hält. Sicht liefert ein Weitwinkelmikroskop, an der Makula oft eine Kontaktlinse. Der Vitrektor schneidet und saugt das Gel. Hängt die hintere Glaskörpergrenzfläche noch an Papille und Makula, wird eine hintere Abhebung erzeugt, manchmal mit Hilfe von Triamcinolon zur Sichtbarmachung. Am Rand prüft der Chirurg die gesamte Netzhaut inklusive der Trokarstellen, weil iatrogene Löcher später eine Ablösung auslösen können.
Was danach kommt, hängt vom Befund ab. Bei rhegmatogener Ablösung wird subretinale Flüssigkeit abgelassen, das Loch mit Laser oder Kälte versiegelt und eine Tamponade eingelegt. Bei traktiver Ablösung werden fibrovaskuläre Membranen zerteilt oder schichtweise abgelöst. Ein Foramen braucht oft das Schälen der inneren Grenzmembran. Blutungsquellen bei Diabetes können eine panretinale Laserkoagulation erhalten. Die Cleveland Clinic fasst den Patientenblick kürzer: Pupille weit, Auge offen gehalten, kleiner Schnitt, Gel entfernt, Gewebe oder Gefäße bei Bedarf mit Laser behandelt, Hohlraum gefüllt.
Narkose oder örtliche Betäubung sind beide üblich. Die AAO nennt den Eingriff in der Regel tagesklinisch, Dauer eine bis mehrere Stunden. Das National Eye Institute betont: Brauchen beide Augen die Operation, folgt das zweite Auge erst, wenn das erste beruhigt ist. Nach dem Entfernen der Trokare werden die Zugänge bei Bedarf mit resorbierbarem Faden verschlossen; viele Mikroinzisionen schließen sich selbst.
Was Gas, Öl oder Kochsalz im Auge bewirken
Nach dem Entfernen des Gels braucht das Auge eine Füllung, die die Form hält und, wenn nötig, die Netzhaut von innen andrückt. Kochsalz, Luft, expandierendes Gas oder Silikonöl erfüllen diese Aufgabe unterschiedlich lange.
Die Cleveland Clinic und das National Eye Institute beschreiben dieselben drei Gruppen: sterile Salzlösung, Gasblase, Silikonöl. Luft und Gas resorbiert der Körper; das Auge füllt den Raum nach und nach mit Kammerwasser. Öl bleibt, bis es in einer zweiten Sitzung entfernt wird. Das NHS-Merkblatt aus Hull erklärt den Alltag mit Gas sehr konkret. In den ersten Tagen sieht das operierte Auge oft nur Hell und Dunkel. Schrumpft die Blase, erscheint eine waagerechte Linie wie bei einer Wasserwaage: oben Sehen, unten Dunkelheit. Die Linie wandert nach unten, bis nur noch ein kleiner Kreis unten übrig ist und verschwindet.
| Füllung | Typische Verweildauer | Flug und Höhe | Zweite Operation |
|---|---|---|---|
| Kochsalzlösung | Das Auge ersetzt sie selbst | In der Regel keine Sperre durch die Füllung | Nein, allein wegen der Lösung |
| Luft | Wenige Tage bis etwa eine Woche | Ja, bis sie vollständig weg ist | Nein |
| Gas | Bis zu acht Wochen, je nach Gemisch | Ja, bis der Arzt die Blase weg bestätigt | Nein |
| Silikonöl | Monate, bis zur geplanten Entfernung | Höhenverbot gilt so nicht wie beim Gas | Ja, Öl wird später entfernt |
Hull beziffert das Flugverbot bei Gas mit bis zu acht Wochen und hängt den Operierten ein Armband an, das andere Ärztinnen und Ärzte auf die Blase hinweist. Wer in diesem Fenster eine Narkose braucht, muss der Anästhesie das intraokulare Gas nennen, weil bestimmte Narkosegase die Blase gefährlich aufblähen können. Öl wählt das Team eher bei komplizierter Ablösung oder wenn eine lange Tamponade nötig ist. Die Mayo Clinic ergänzt, dass Vitrektomie und eindellende Plombe (Cerclage) kombiniert werden können. Keine Füllung garantiert, dass das Sehen zur alten Schärfe zurückkehrt.
Wie die Vorbereitung und der Kliniktag aussehen
Vor dem Schnitt stehen Untersuchung, Aufklärung und ein kurzer Check der Allgemeingesundheit; am Operationstag kommen Pupillenerweiterung und die vereinbarte Betäubung. Fasten gilt nur, wenn das Team es ausdrücklich anordnet.
Hull beschreibt eine Voruntersuchung mit Medikamentenliste, Allergien, manchmal Blutwerten und EKG. Die Cleveland Clinic verlangt, alle verschriebenen und frei verkäuflichen Mittel inklusive Nahrungsergänzung zu nennen, weil einzelne Stoffe das Blutungsrisiko oder den Druck beeinflussen. Wer täglich Antikoagulanzien nimmt, ändert das Schema nicht selbst, sondern nach Rücksprache. Ein Fahrer für Hin- und Rückweg ist Pflicht, ebenso für die Kontrolle am Folgetag.
Am Operationstag weitet die Pflege die Pupille mit Tropfen. Make-up, Nagellack und Schmuck außer dem Ehering sollen weg, weil sie stören oder Keime tragen. Hull erlaubt bei vielen örtlich betäubten Fällen normales Essen, sofern niemand etwas anderes gesagt hat. Ältere Merkblätter, die acht Stunden Nüchternheit für alle vorschrieben, passen nicht mehr zu jeder heutigen Planung. Nach dem Eingriff folgt ein Aufwachraum. Die Cleveland Clinic rechnet mit Entlassung am selben Tag, sobald Kreislauf und Schmerzlage stabil sind. Ein Verband oder Schild schützt das Auge die ersten Stunden; Hull nennt etwa acht Stunden Pflaster, danach tagsüber Brille und nachts oft noch eine Schale in der ersten Woche.
Genesung: Sehen, Tropfen und Alltag
Die sichtbare Rötung klingt in Wochen ab, das bestmögliche Sehen kann Monate brauchen, und die ersten Tage sind oft schlechter als unmittelbar vor dem Schnitt. Wer eine Gasblase hat, muss die verschriebene Kopfhaltung einhalten und darf nicht fliegen, solange Gas nachweisbar ist.
Das National Eye Institute nennt Schwellung und Rötung über mehrere Wochen, Schmerz im Rahmen des Üblichen, ein Pflaster meist für etwa einen Tag, Tropfen gegen Entzündung und Infekt sowie Verzicht auf Autofahren, schweres Heben und intensiven Sport, bis die Praxis frei gibt. Arbeitsunfähigkeit liegt dort oft bei zwei bis vier Wochen. Hull ist für Büroarbeit kürzer (etwa ein bis zwei Wochen), länger bei körperlicher Arbeit oder wenn das andere Auge allein nicht zum Fahren reicht. Schwimmen setzt Hull erst nach acht Wochen wieder an. Lesen und Fernsehen schaden dem Auge nicht; Anstrengung der Akkommodation kann unangenehm sein, ohne dass dadurch eine Naht reißt.
Tropfen laufen typischerweise vier bis sechs Wochen, so Hull. NHS-Lothian-Hinweise (März 2025, Patientenseite) nennen zusätzlich etwa vier Wochen ohne Kontaktlinse und ohne Leitungswasser, Seife oder Shampoo im operierten Auge. Reiben ist tabu. Leichter Ausfluss in der ersten Woche ist üblich; die Lider werden von der Nase nach außen gewischt, nicht ins Auge gedrückt. Schmerz stillt oft ein frei verkäufliches Analgetikum. Stechender, zunehmender Schmerz trotz Tablette gehört an die Klinik, nicht in die nächste Packung.
Autofahren hängt von der gesetzlichen Sehschärfe, vom zweiten Auge und von der Gasblase ab. Hull rät, mit Gas nicht zu fahren, weil die Blase das Bild verzerrt und die Tiefenwahrnehmung stört. Die Cleveland Clinic lässt die Freigabe ausdrücklich beim Operateur. Eine neue Brille macht erst Sinn, wenn das Auge formstabil ist; bei Gas oder Öl verschiebt sich die Brechkraft, solange die Füllung da ist.

Bauchlage nach Makulaforamen: was sich geändert hat
Strikte Bauchlage nach jedem Makulaforamen ist nicht mehr die einzige gültige Regel. Viele Teams individualisieren sie nach Lochgröße, Technik und Belastbarkeit.
Lange galt: Gasblase plus Gesicht nach unten, damit die Blase von innen gegen das Loch drückt. Die Cochrane-Übersicht von 2023 (Suche bis Mai 2022, acht randomisierte Studien, 709 Augen) fand nur unsichere Hinweise, dass mindestens drei Tage Bauchlage den Verschluss verbessert. Der Risikoquotient für den Verschluss lag bei 1,05 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,99 bis 1,12). Bei Löchern unter 400 Mikrometern schlossen sich fast alle Foramina in beiden Gruppen. Schwere Schäden der Lagerung, etwa Nervenkompression, betrafen weniger als einen von 300 Teilnehmenden. Die Evidenzqualität stufte Cochrane als niedrig ein, weil Haltungsdauer und Vergleichsgruppen stark schwankten und die echte Einhaltung der Lage kaum messbar war.
Die American Academy of Ophthalmology fasste 2023 eine Metaanalyse in Ophthalmology Retina ähnlich zusammen: Der Verschluss unterschied sich insgesamt nicht klar, der Sehgewinn war bei Löchern über 400 Mikrometern in der Bauchlagegruppe größer. Für kleinere Löcher fehlte dieser Unterschied. Ältere Schemata mit ein bis zwei Wochen starrer Bauchlage belasten Nacken, Rücken und Schlaf erheblich. Manche Menschen können die Haltung körperlich nicht halten. Das ändert nichts daran, dass der eigene Operateur eine Haltung anordnen kann, etwa bei großem, chronischem oder bereits operiertem Foramen oder bei Ablösung. Hull verlangt bei Gas oder Öl oft, den Rückenlage-Schlaf zu meiden, bis die Blase weg oder das Öl entfernt ist, damit die Füllung nicht nach vorn gegen Linse und Iris drückt.
Komplikationen und wann sofort Hilfe nötig ist
Schwere Infekte nach Vitrektomie sind selten, aber eine Endophthalmitis, ein plötzlicher Druckanstieg oder eine neue Ablösung können das Sehen binnen Stunden gefährden. Zunehmender Schmerz, Sehverlust, stärkere Rötung oder Eiter gehören in die Notaufnahme, nicht auf den nächsten Werktag.
Eine Metaanalyse in Retina (McGrath und Kollegen, September 2026) zählte 2781 Endophthalmitiden auf 1.979.160 Vitrektomien, also 0,14 Prozent. Das liegt höher als ältere Sammelarbeiten um 0,05 Prozent, bleibt aber im Promillebereich. Kleinere Instrumente (25 Gauge gegenüber 23 Gauge) hingen mit höherem Infektrisiko zusammen; gegenüber klassischem 20 Gauge war der Unterschied für die Mikroinzision insgesamt nicht signifikant. Phakovitrektomie, also gleichzeitige Kataraktoperation, steigerte das Infektrisiko nicht klar. Tamponade statt reiner Flüssigkeit war mit weniger Infekten assoziiert. Subkonjunktivale Antibiotika zusätzlich zu Tropfen senkten die Rate nicht nachweisbar.
StatPearls sortiert die Zeitachsen. Früh können Augendruckspitzen den Sehnerv schädigen, Hornhautdefekte brennen (besonders bei Diabetes), Glaskörper- oder Aderhautblutungen auftreten, ein iatrogenes Loch eine Ablösung bahnen. Tage bis Wochen später droht die Endophthalmitis mit Schmerz, Sehverlust, rotem Auge und Hypopyon; das ist ein augenärztlicher Notfall mit Spritzen, oft auch erneuter Vitrektomie. Später folgen Katarakt und sekundäres Glaukom, vor allem wenn Gas oder Öl ohne passende Haltung oder ohne periphere Iridektomie die Vorderkammer einengen. Hull schreibt, dass fast alle noch natürlichen Linsen nach der Vitrektomie rascher trüben. Die AAO nennt außerdem Blutung, neues Loch, Ablösung und schlechtes Sehen.
Hull listet die Schwellen für den Sofortanruf: übermäßiger Schmerz, Sehverlust, zunehmende Rötung, eitrige Absonderung. Übelkeit und Erbrechen können zu einem Drucksprung gehören. Gas macht das Bild dunkel und unscharf, ohne dass das Auge „stirbt“; plötzliches weiteres Nachlassen bei sonst hellem Restlicht ist etwas anderes und zählt als Alarm.
Diabetes und Vitrektomie nach der Leitlinie 2024
Bei proliferativer diabetischer Retinopathie ist die Vitrektomie kein erster Schritt statt Laser, sondern eine gezielte Option bei nicht aufklarender Blutung oder bei traktiler Ablösung. Die NICE-Leitlinie NG242 vom 13. August 2024 hat dafür erstmals eigene Schwellen formuliert.
NICE empfiehlt, eine Vitrektomie zu erwägen, wenn eine Glaskörperblutung bei proliferativer Erkrankung drei Monate nicht weicht (nicht aufklarende Blutung), und den Eingriff dann innerhalb von drei Monaten nach dem Angebot durchzuführen. Liegt eine die Makula einbeziehende oder bedrohende traktile Ablösung vor, soll die Vitrektomie angeboten werden, nicht nur diskutiert. Bei Ablösung ohne Makulabedrohung kann sie erwogen werden, wenn trotz vollständiger panretinaler Laserkoagulation die Erkrankung aktiv bleibt oder Blutungen und vitreomakulärer Zug wiederkehren.
Für das diabetische Makulaödem bleibt Anti-VEGF oder Laser die erste Linie, je nach Zentrumsbeteiligung und Netzhautdicke. NICE erwägt die Vitrektomie dort, wo das Ödem auf Anti-VEGF nicht anspricht und zugleich eine vitreomakuläre Traktion oder eine epiretinale Membran besteht, und zwar bevor bleibender Schaden sichtbar wird. Temporäres Anti-VEGF kann NICE nutzen, wenn Blut die Laserung verhindert oder eine Kataraktoperation ansteht; bei Zug oder traktiler Ablösung soll das vitreoretinale Team eng mitgeführt werden, weil eine Spritze Narbenzug verstärken kann.
Gute Blutzucker- und Blutdruckführung bleiben Teil der Augenchirurgie. NICE verlangt, dass Augenärztinnen HbA1c und Blutdruck kennen und dass ein steiler HbA1c-Sturz dem Ophthalmologen gemeldet wird, weil die Retinopathie dann paradox voranschreiten kann. Die Operation ersetzt diese Stoffwechseleinstellung nicht.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Heilung nach einer Vitrektomie?
Wochen bis zur äußeren Beruhigung, oft Monate bis zum bestmöglichen Sehen. Die Cleveland Clinic spricht von einigen Wochen für die Erholung, Hull von mehreren Monaten, bis die Wirkung vollständig beurteilbar ist. Gas verlängert die Phase unscharfen Sehens, bis die Blase weg ist. Wer Silikonöl hat, sieht meist erst nach der Entfernung klarer.
Darf ich nach der Vitrektomie fliegen?
Mit intraokularem Gas oder Luft nein, bis der Operateur bestätigt, dass keine Blase mehr da ist. Kabinendruck lässt Gas expandieren und kann den Augendruck gefährlich steigern. Hull nennt bis zu acht Wochen. Silikonöl expandiert so nicht; die Reiseentscheidung bleibt trotzdem beim behandelnden Team, weil Kontrollen und Sehschärfe zählen.
Muss ich nach der Operation auf dem Bauch liegen?
Nur wenn der Operateur das für Ihren Befund anordnet, nicht automatisch nach jeder Vitrektomie. Nach kleinem Makulaforamen verzichten viele Zentren inzwischen auf starre Bauchlage, gestützt auf Cochrane 2023 und die AAO-Zusammenfassung 2023. Großes Loch, Ablösung oder Öl können trotzdem eine definierte Haltung über Tage erfordern.
Bekomme ich danach einen grauen Star?
Bei noch natürlicher Linse trübt sie nach einer Vitrektomie bei den meisten Menschen schneller als ohne Eingriff. Hull nennt das als nahezu regelhafte Folge, weil die innere Flüssigkeit und oft Gas die Linse belasten. Manche Teams entfernen die Linse gleich in derselben Sitzung, wenn die Sicht sonst nicht reicht. Eine bereits implantierte Kunstlinse bleibt in der Regel unbeschädigt.
Wann ist nach der Vitrektomie der Notfallarzt nötig?
Sofort bei starkem oder zunehmendem Schmerz, plötzlichem Sehverlust, stärker werdender Rötung, Eiter oder bei Übelkeit und Erbrechen. StatPearls wertet die Kombination aus Schmerz, Sehverlust, rotem Auge und Eiterspiegel in der Vorderkammer als Notfall einer Endophthalmitis. Gasbedingte Unschärfe allein ist erwartet; ein weiterer, plötzlicher Einbruch nicht.
Sehe ich nach der Operation sofort wieder scharf?
Meist nein, besonders mit Gas, das die ersten Tage oft nur Hell-Dunkel zulässt. Hull beschreibt die wandernde Wasserwaagenlinie, während die Blase schrumpft. Das National Eye Institute warnt, dass das Sehen zunächst schlechter sein kann als vorher. Der Endstand hängt von der Netzhautkrankheit ab; die Mayo Clinic schreibt bei Ablösung, dass manche Menschen die verlorene Sehschärfe nie vollständig zurückgewinnen.

Fazit
Wer eine Vitrektomie angeboten bekommt, sollte den Anlass, die geplante Füllung und die Haltung am Operationstag schriftlich mitnehmen. Gas bedeutet Flugverbot und oft eine Kopfhaltung; Öl bedeutet eine zweite Operation. Tropfen, Reibverbot und der Verzicht auf Schwimmbad und schweres Heben in den vom Team genannten Wochen sind der Teil, den Patientinnen und Patienten selbst steuern.
Seit den späten 2010er-Jahren hat sich der Schnitt verkleinert, die Bauchlage nach Makulaforamen ist verhandelbarer geworden, und NICE hat 2024 für Diabetes klare Zeitfenster gesetzt. Die Infektionsrate bleibt im Promillebereich, die Katarakt bei phaken Augen ist dagegen häufig. Erfolgszahlen aus älteren Patientenbroschüren, die pauschal neun von zehn Operationen als gelungen zählten, ersetzen keine individuelle Prognose.
Zum Arzttermin gehören die Medikamentenliste, die Frage nach Gas oder Öl, der Fahrplan für Kontrollen und die Telefonnummer der Augennotfallstelle. Schmerz, Sehverlust oder zunehmende Rötung nach der Entlassung sind kein Abwarten bis Montag.
Quellen
- Omari A, Mahmoud TH: Vitrectomy – StatPearls NCBI Bookshelf. StatPearls, 25. Juli 2023.
- Cleveland Clinic: Vitrectomy: Surgical Procedure, Complications & Recovery. Cleveland Clinic, 26. Juni 2026.
- National Eye Institute: Vitrectomy | National Eye Institute. National Eye Institute, 6. Dezember 2024.
- NICE: Diabetic retinopathy: management and monitoring. National Institute for Health and Care Excellence, 13. August 2024.
- Hull University Teaching Hospitals NHS Trust: Vitrectomy Surgery. Hull University Teaching Hospitals NHS Trust, 30. Juni 2024.
- American Academy of Ophthalmology: What Is Vitrectomy?. American Academy of Ophthalmology, Stand: 2025.
- Cundy O, Lange CAK et al.: Face-down positioning or posturing after macular hole surgery. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2023.
- McGrath R, Mulcahy L et al.: ENDOPHTHALMITIS INCIDENCE AFTER VITRECTOMY: A Systematic Review and Meta-Analysis of Risk Factors and Prevention Strategy. Retina, 1. September 2026.
- Mayo Clinic: Retinal detachment – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 27. September 2024.
- American Academy of Ophthalmology: Face-down post-op positioning may not be necessary for many macular hole repairs. American Academy of Ophthalmology, Januar 2023.
